Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 29 (9.4.1935)
- Date
- 1935-04-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Hr. 29, 9. IV. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Selta 7 Maimonides- Ausstellung«!«- Jüdischen National- und Universitäts-Bibliothek Jerusalem, Anfang April Am ersten Tage des Monats Nissan wird auf Beschluß des fVud Leuroi vom Skopusbergc aus der Monat Nissan als Matjnonidc»-Monat verkündet wen Im. Am selben Tage wird die Jiaiiriouides-Ausstellung der Jüdischen National- und Univerattäts- JW>Ii»lliek eröffnet werden. Die Bibliothek ist die jüngste der groß«» judaistischen Sammlungen und kann sich nicht mit den großen und allen Bibliotheken messen. Dennoch kann gesagt werden, daß ,jie Ausstellung reichhaltig und gehün ausgefallen ist und immerhin »•igt, daß die Bibliothek einen achtenswerten Bestand auch in bezug jjui die Maimonidcs-Literatur aufzuweisen hat. Der Besucher betritt den Ausstcllungssaal und sieht sieh zunächst den Vitrinen gegenüber, welche das grüße halachische Werk des Maimonides — M i s c h n e Thor» oder Jad llachasakah — in verschiedenen Ausgaben enthalten. Die. liibliolhek stellt die ältesten Handschriften des Werkes in Photographien aus, und der Besucher bemerkt die merkwürdige Tatsache, daß so viele Ausgaben dieses Gesctzes-Kodcx in reichlich illuminierten Handschriften existieren, ein Beweis, wieviel Liebe das Volk dieser zusammenfassenden Gesetzessammlung entgegengebracht hat.' Unter den photograph irrten Handschriften fällt das wunderbare in Köln 1280 geschriebene Manuskript auf. Die Bibliothek stellt auch eine eigene Handschrift aus. Es ist die einer arabischen Ucbersctzung des Werkes, die im 15. Jahrhundert in Buchara geschrieben wurde (siehe unsere Abbildung — A.d. R.). Die ausgestellten Drucke des ehrwürdigen Werkes .,ind sehr alt. Der erste Druck ist vor dem Jahre 1480 erschienen, also eines der ersten Druckwerke ül>erhaupt. Der zweite Druck er- ,-ehien Soncino 1490. Weitere Drucke stammen aus den Jahren 1509, 1524, 1550. Die zwei 1550 in Venedig erschienenen Aasgaben tragen die wehmütige Aufschrift der Ausslellungsleitung: „Der zwiefache Druck des Buches in derselben Stadt und im selben Jahr führte zu tinein Streit zwi-chen den Druckern, der schließlich zur Verbrennung des Talmud führte." Die nächsten Vitrinen zeigen den großen arabischen Mi sehn a - Koni nie ntar des Maimonides, und zwar die arabischen Quellen in verschiedenen Handschriften, dann die von Eduard l'ocock unter dem Titel Porta Mösls 1655 herausgegebene lateinische Uebersetzung. Dann ist da der erste Druck der hebräischen Uebersetzung dieses Mi-clina-Kommentars, der in Neapel 1492 gedruckt wurde und der acht Jahre früher gedruckte Kommentar zu den Sprüchen der Väter. Erst vor wenigen Wochen erschien, herausgegeben von dem in Palästina zu neuem Leben erstandenen Verein für Edition alter hebräischer Texte „Mckizc Nirdaiuim" und besorgt von Alfred Fr ei mann die neue vollständige Sammlung der Kcsponscn des Maimonides. Sie steht hier nelieii der Photographie eigenhändig gc;t-Inu bener Rcsponscn des Hainham und älteren AusgaiK-n. Der Besucher sieht dann eine Sammlung der kleinen Veröffentlichungen des Kamham auf dem Gebiete der Philosophie und Theologie: den Jemenitenbrief in verschiedenen hebräischen Ucberselzungn, den Brief über den Glaulienswechscl, den Aufsatz über die Auferstehung und andere kleinere Aufsitze, dann die Ethik des Maimonides (die acht Kapitel) in arabischer Sprache und in den verschiedenen Ucbersetzungcn. Die ärztlichen Besucher der Sammlung werden sich vor allem für diu medizinischen Arbeiten des Maimonides interessieren, die an einer Stelle vereinigt sind. Hier ist u.a. des Mairmmides Kommentar zu den Aphorismen des llip(Kikrates ausgestellt. Besonders reichhaltig sind die Vitrinen, welche das philosophische Hauptwerk des Rauibani, den „Kührer der Verirrten" in verschiedenen Ausgaben enthalten. Hier zeigt die Bibliothek eine illuminierte Handschrift des Werkes aus der in der Bibliothek befindlichen Sammlung Mussajof, dann den ersten Druck des Werkes (Rom, vir 1480) und den ersten mit Kommentaren.,versehenen Druck des Werkes Venedig 1551. Das Werk ist dreimal aus dem Arabischen ins Hebräische übersetzt worden, und die drei Ucbersetzungcn von Ihn Tibbon, AI Charisi und Mendel Leppiti werden liier gezeigt; dazu dann die lateinische Uebersetzung von J. Buxtorf (1829) und ferner Ucbersctxungen in französischer, englischer, deutscher, italienischer, spanischer und ungarischer Sprache.. Natürlich zeigt die Ausstellung auch die verschiedenen Kommentare bis zum Kommentar von Salome« Mainion, der 1800 in Berlin unter dem Titel Gcwath Hamorch anonym erschienen ist. Eine letzte Abteilung zeigt eine Literatur über den R a m b a in. ruchc Ausgaben von Volkserzählungen hebräischer, jiddischer und arabischer Sprache, darunter eine arabische llandsclirift, die jetzt von Dr. F. Goitcin im Druck veröffentlicht werden wird. Ferner zeigt diese Abteilung das Bild der Grabstätte des Kambam und deren erste Erwähnung in einem 1545 in Kons tan tinopel erschienenen Buche. Ein interessantes Stück ist die Handschrift einer Vertonung der 13 Glaubensartikel des Maimonides, die von dem Musikdircktx Arcm Friedmaiin komponiert worden sind. Die alten Drucke, um deren Zu-ainmenstellung sich der Leiter der judaistisehen Abteilung der Bibliothek, Dr. J. Joel, besonders v.idient gemacht hat, entstammen fast sämtlich der Inkunabel-Sammlung Schocken. In der Ausstellung hängt ein nach dem bekannten Porträt des Riml),im geschaffenes Bild von Henryk Bcrlau, der Bibliothek v"ii dem Begründer der Polnischen Gesellschaft der Freunde der Inivcr-ität, Rechtsanwalt. Boris Staw-ki, testamentarisch hinterlassen. Die Bibliothek hat einen kurzen gedruckten Führer durch die Sammlung herausgegeben. Zweifellos wird die trotz ihrer Reichhaltigk(it .ehr übersichtliche Sammlung sehr viel dazu beitragen, die Kennt- Ei> des Rambani in diesen Tagen in weite Kreise zu tragen. Auswahl der reichhaltigen Interessant sind hier zahlüber den großen Lehrer in Die Hauptwerke des Maimonides Kommentar zur Mischna (1168). Mischne Thora (1180). „More Newuchim" (1190). Neueste Literatur über Maimonides Vollständige deutsche Uebersetzung des „More Newuchim" von A. Weiß, mit ausführlicher Einleitung und Biogra- . ptiie (F. Meiner, Leipzig, 3 Bände, 12 RM.). 'r'tz Bamberger, Das System des Maimonides (Schocken- Verlag). Leo Strauß, Philosophie und Oesetz (Schocken-Verlag). Auswahl aus dem „More Newuchim" von A. Altmann! (Schocken-Verlag). Systematischer Querschnitt durch das Werk des Maimonides, eingeleitet von N. N. Glatzer {Schocken-Verlag). I< t'lbogcn: Das Leben des Rabbi Mosche ben Maimon (Schocken). Abraham Heschel, Biographie des Maimonides (Erich Reiß Verlag). Alter und Tod Das letzte Kapitel Von Dr. Abraham Heschel Aus dem letzten Kapitel der umjangreichen Maimonides- Biographie von Dr. Abraham Heschel, die demnächst im Verlag Erich Reiß erscheint, entnehmen wir die folgenden Abschnitte, die ein Bild von der letzten Wandlung des Philosophen vermitteln. Maimonides erscheint hier als Greis; nach der Fülle von Nöten und Entbehrungen, nach den Glaubensverfolgungen, die ihn zuerst aus dem Lande seiner Geburt, aus Andalusien, dann aus der Zuflucht in Fes vertrieben, nach dem mißglückten Versuch, sich im Heiligen Lande niederzulassen, nach dem Tode des Vaters und des geliebten Bruders David, der dann die Familie erhalten hatte, war Maimonides in Fostat Arzt geworden. Maimonides nahm als Ulierhaupt der Juden eine hohe politische Stellung ein, er galt als der er>te Arzt der Zeit, als bedeutendster Talmudist des Jahrtausends, als epoclicmachcnder Philosoph, als hervorragender Mathematiker, Naturwissenschaftler und Jurist; er wurde von der Menge bewundert, von Fürsten verehrt, von Gelehrten gefeiert; er korrespondierte mit unbedeutenden Richtern und mit berühmten Rektoren; die Beschwerden der einfachen Fellachen, die Krankheiten und Launen der Fürsten, die seelischen und leiblichen Leiden der Bewohnerinnen des Harems belegten seine Aufmerksamkeit; er wahrte die kultiviertesten Formen der Hofetikette wie die schlichte Hilfslx-r« schaff und Herzlichkeit gegen die Kleinsten des Volkes. Bei n .dem behauptete er seine in sich gekehrte, eigenwillige Persönlichkeit. Der kranke und schwer leidende Mann ruhte nicht, seine Inijnil*, die ihn ein I-ol>cn lang zum wissenst hafllichen Schaffen gez-wungen hatten, trieben ihn jetzt zu den Kranken, er bekämpfte in seiner Ethik die Lebensverneitmng, die Askese und lehrte den Mittelweg, die Abgcwogenheit, aber seine Selbstaufopferung reichte weit über die Abgewogenheit. hinaus..., Mühsam hatte er sich die Erkenntnis errungen, daß Gott bei aller Erhabenheit seines Wesens ein unmittelbares Wissen von den Einzcldingen, nicht nur von den Arten bc.<itzt. Die Nachfolge Gottes nun hieß Dienst am Khizrtding. Fr verzichtete auf das Postulat der Zuriickgezogenheit, auf die Maxime, daß „man sich anderen Menschen nur im Notfall zugesellen solle". Er konnte jetzt „mit anderen Menschen sprechen und zugleich unaufhörlich ati Gott denken und im Herzen unaufhörlich vor Gott stehen, wenn er auch körperlich l>ei den Menschen war, wie es im Hohen Lk'dc heißt: Ich schlafe, aber mein Herz ist wach". Das Mysterium des Denkens ist das eindringlichste Krlebnis seines Lebens. Gott ist erhaben, eine Bestimmung seines Wesens ist unmöglich, die Erkenntnis seiner Person liegt jenseits der Grenzen der Vernunft. Gott ist fern, der Zug, der Drang, die Not zu Gott treibt Maimonides zum „aktiven Intellekt". Das Denken wird personifiziert, der Mythos vom „fiktiven Intellekt" erfüllt ihn: „daß das von Gott sich üt>er uns ergießende Denken das Band ist zwischen ihm und uns, und daß es dir anhciuigestcllt ist, dieses Band zu befestigen und inniger zu machen oder nach und nach zu lockern, bis du es gänzlich lösest". Er braucht auch' nicht an heilige Dinge zu denken, um dem Heiligen nahe zu sein; das Denken selbst ist das Heilige. Trotzdem verschwindet das Gefühl von der Grenze der Vernunft nicht aus seinem Bewußtsein. Die Vormacht des Prophetischen vor dem Philosophischen wird deutlicher als je zuvor. „Wisse, daß es eine Stufe gibt, die höher ist als all« Philosophie: das ist die Priphetie. Sie ist eine andere Welt. Beweisführung und Untersuchung sind ihr gegenüber unangebracht; kein Beweis reicht an die Prophetie, jeder Versuch, sie wissenschaftlich zu untersuchen, muß scheitern. Das wäre, wie. wenn man alle Wasser der Welt in einen kleinen Becher bringen wollte", schreibt er in seinen letzten Jahren. Es war ihm nicht schwer, sich aus der Zeit, aus den Bewegthelfen des Lebens zu lösen. Die Zeit war für ihn nichts Ewiges; sondern kreatiirlich, eine „zufällige Beschaffenheit" der Bewegung, des Geschehens. Die Bewegung selbst ist aber nur eine „zufällige Beschaffenheit" der Substanz, die Zeit also ist eine „zufällige Beschaffenheit" einer „zufällig-n Beschaffenheit". „Wenn der vollkommene Mensch zu Jahren gekommen ist, steigert sich seine Glückseligkeit üIxt das Erkannte und seine Sehnsucht nach dem Erkannten, bis die Seele in der Zeit solchen Genusses sich vom Körper trennt. Die Erkenntnis wird zur Zeit des Todes stärker, und sie bleibt dann für immer bei ihrem Gegenstand, denn dann ist das Hindernis aus dein Wege geräumt, das manchmal das Erkennende vom Erkannten geschieden hat, und er bleibt bei diesem erhabenen Genuß. Mose», Ahron und Mirjam starben dadurch, daß Gott sie küßte. Denn die Erkenntnis Gottes Ist wie ein Kuß." In der Nacht des 20. Tebct 4985 _ 13. Dezember 1204 „stieg die herrliche Wolkcnsäule zum Himmel em|»ir: Moses ben Maimon, der Knecht Gottes in I~o-i.tr". Die Juden und die Araber trauerten um ihn drei Tage laug. AK die Nachricht nach Alexandrien kam, war die Trauer groß, man ordnete ein Fa-tcti an und der V-jrbctel las von Leviticus 2(3, 2 bizu Eti.Ie der Strafandrohungen, und derjenige, der zuletzt zur Thora aufgerulen wurde, las aus dem ersten Buch Samuel, Kapitel 4 bis zu den Worten: f>enn hiuw-eggenormuen i-t die Lade de^ Herrn. Als nach Jahren die Leiche nach Palästina gebracht wurde, überfielen Kauber den Zug. Sie wollton den Sarg ins Meer werfen, Sic aber sie konnten ihn Mann waren. .Vichdcii ein göttlicher Mann, ihnen noch selb,! da< < h Auf .-einen Wttnsdt Stätte, wo Rabbi Jehuda Auf seinen Grabstein Ilkr liegi ein Mensch Warst du ein Mensch, < hochheben, obwohl sie mehr als dreißig dagesehen hatten, sprachen sie: das war -duckten nie h d<ii Juden und gaben .dch. wurde Maimonides in Ttherias, an der Hanassi so oft geweilt hatte, beigesetzt. setzte ein Unbekannter die Inschrift: und doch kein Mensch; *r halien Hirnnielswesen dich ehr und au Später wurde diese In-chrifl Weg; stand: Hier liegt Moses Maimuni, der gebannte Ketzer. Das Volk setzte seinem Lehrer ein Denkmal in Von Moses bis Moses erstand niemand wie Moses. gezeugt, ihrer Steile den Worten! Philosophie und Gesetz Bemerkungen zu zwei neuen Arbeiten zum Verständnis Maimunis Das „System des Maimonides. Eine Analyse des More Newuchim vom Grxtesbegriff aus. Von Fritz Bamberger. 8°. 138 Seiten. Berlin (Sclwcken-Verlag) 1935. Philosophie und Gesetz. Beil rüge zum Verständnis Maimunis und seiner Vorläufer. Von Leo Strauß. 8". 122 Seiten. Berlin (Sehe.kcn-Verlag) 1935. Die Sorge, daß der Zugimg zu Maimonides durch das breite Schrifttum des Jubiläumsjahres eher verbaut als frei gemacht wird, ist durch die unistürzende Schrift von Lew Strauß „Philosophie und Gesetz" beseitigt. Die Entdeckung, die der Verla**» dieses Werkes macht. Ixstcht darin, daß der moderne „Rationalismus" mit dem mittelalterlichen offenbanii.g-gläubigcn Rationalismus nur die Vokabel, sonst nichts, gernein hat. Die Vorgabe des pädagogischen Zwecks der Offenbarung, um rlie Wahrheit auch denen zu erschließen, die zu eigenein Denken nicht fähig sind und um dk; Wahrheit vot den Schwankungen und Unsicherheiten des Denkens z"U liewalircn, wird als Sein inmanöver entlarvt, ähnlich der Art Und Weise, wie man sich - U-sonders seit Sdileiennucher — durch „Verinncrlichuiig" Und zweideutige „Ehrfurcht" Religion und Tradition vom Leibe hält. Die Sublilität der Straußschcn Folgerungen, die kein überflüssiges Wort enthalten und die ein strenges («•lüge unauswei-dicher Beweisstücke gegen die bi-hcrige jüdisdtc .Maimonides-Forschung bilden, entzieht sich der referierenden Behandlung. Ks ist das große, schwierige rhcina der Rezeption der antiken Philosophie, auf der einen Seite durch die Kirrhe, auf der anderen durch die islamischen Aristoteliker und ihrer jüdischen Schüler! Die platonische Idee des „göttlichen Gesetzes", das auf die Vollkommenheit des Menschen abzielt, ist die unerläßliche Voraussetzung für eine radikale Interpretation der Llarni-chen und jüdischen Philosophie des Mittelalters. Die Prophclolngie der i-taniischen Philosophen ist der Schlüssel zur Proplu-tulogie Maimunis: die Offenbarung, durch die jede Philosophie die Erkenntnis der ..niederen" Welt ergänzen muß, wird ausschließlich durch Propheten vermittelt. Der moderne Rationalismus, der dem kla,-ischcn, bis heute noch nicht ausgetragenen Streit zwischen Aufklärung und Orthodoxie ausweicht, begnügt sich mit der Behauptung an die Offenbarung zu „glauben", läßt sie aber nach dieser Bekcnntnisformcl dahingestellt und ist nicht mehr darauf angewiesen. Der mittelalterliche Kationalismus — Maimuni — dagegen bedarf der Ddlurig durch die geoffrnbarten Urkunden, um auch die der Vernunft nicht zugänglichen Dinge der „oberen" Welt zu erkennen. Die Prophetie, durch welche „offenbart" wird, bedient sich des „Gesetzes", nicht eines vom Menschlichen und der Lebensform getrennten „Kiluatgcsetzcs", sondern des göttlichen Gesetzes, das alle für die Vollkommenheitder Seele nötigen Anweisungen enthält; der Philosoph ist sof diese Offenbarung absolut angewiesen; denn als Mensch ist er ein politisches Wesen und also eines Gesetzes bedürftig. Der ..moderne Rationalist" glaubt dagegen nur mehr der zwischenmenschlichen, sich nicht auf die „Vollkommenheit der Seele" liezichcndon Gesetze zu bedürfen. Leo Strauß — das ist das Neue — will der Seide Vrmachcrschen, d. i. unserer modernen „Religionsphilosopliie* als der Analyse des religiösen Bewußtseins die verstehende Bewahrung der jüdischen Tradition — mit Recht — nicht anvertrauen. Er zwängt uns in das beängstigende Entweder — Oder, das orthodoxe (nicht das neuorthodoxe) Judentum anzunehmen oder uns auf die Entgegennahme von Wahrheiten zu beschränken, die uns Mathematik und Naturwissenschaft«»,' Historie und Philologie - bieten; die moderne, jüdisch oder christlich dekorierte „Religiosität" sieht er ohne tierede als das an, was sie ist, als Gelegen hcitsromaulik, welche geistigen Lutsche», düngen ausweicht. Indem Strauß die philosophische Begründung de« Gesetzes — nach dem Vorbild Piatons -— als den Ort im Lehrgebäude der islamischen Aristoteliker und ihrer jüdischen Schüler (nicht als ein zufälliges Lehrstück unter anderen) entdeckt, gewinnt er für die künftige, noch ganz im Anfang stehende Mjimonidcs-Forschung die Möglichkeit rler richtigen zusammenhängenden und ursprünglichen Interpretation der mittelalterlichen jüdischen Philosophie, nämlich ihrer Ableitung von den Platonischen „Gesetzen": Statt des philosophischen Verharren« im Anschauen der Wahrheit, was Aristoteles in völliger unverbindlicher Freiheit beläßt, zwingt Piaton zur Ordnung des, Ganzen, zum < '.esetz, vor dem Glück der Teile. Erst das Wiedcrversländnides antiken, Pla'onischcii Gesetzes läßt nach Strauß die maßgebende vorphi'o.sophbche Voraussetzung auch der Philosophie Maimunis wiedererkennen. „Was bat der Jude mit Platon oder Aristoteles zu schaffen, daß er an ihrer Tür wachen zu lernen.'" Die^e primitive, .dx-r sich neu, ist das eigentliche Anliefen des .•»bei der IVIwrgang von den ...\omoi" ..Ilalachall" da- Unlösbare, l'roblcma- -liuch von Leo Strauß ist ohne seine und ohne seine „Anrn.'-rl.uni.'iui .•»Ute, tun von ihnen Wei-hci' aufdrängende Frage wenzuratn Grundwerks von Leo Strauß, v< (den Gesetzen) des Piatun zur tische bleibt. Das Maiuionidcs „Rrligionskritils Spinozu (1930) zu Carl Schmitt, Der Begritt des Politischen" (Archiv hu Sozial, wisscnschait, 67. Bd.. 6. l'lrf». 1932), ohne das wache Bcwuttscin von der Ik äugst inenden, ha.n-duth-n Gu1,/..- /ui-dien TiadHiin und Nihilismus, auf rler die H c g r i I I s b i I d u n g von Leo Mr.uiß steht, ohne seine lloldjcs-Poi-cliungen nichi zu vcr.-iehcn. Fr hat jetzt seinen Begritt des Polit i-< hen für das Verständnis M.iinmnis bucht, bar gemacht und. damit die Wissenschaft liehe Arbeit über indische mittelalterliche Philosophie der vorigen Generationen — loitiler In re, suaviler in modo - aus dem Sudel geholsen. Die Analyst; des More Newuchim, die 1 ritz Bainherger vorlegt, in vi'd schulmä ßiger als die I diirr-uchuncj von Straub und sehließt sich im ganzen der bisherigen Aullas-un^ (ie^ besten Maimonides-Kenners, Julius Guttmann, an, gegen de-sen Standort Strauß mit so gewichtigen Gründen Bedenken anmelde'. In vier Kapiteln (Die Attributen lehre — Die Kosmologie — Das 2 weckprob lern — Vorschimg und Prophetie) zeigt Bamliergcr, wie in dem philosophischen Grundwerk von -Maimonides der Versuch gemacht wird, den gegebenen, ein für allemal linierten Inhalten der jüdischen Religion, besonders ihrer Pflichtenlehre, den philosophischen Ausdruck zu ge!>cn. Man kann sich schwer ein besseres Hilfsmittel denken, systcmali-eh in den „More" einzudringen, als die. saubere, dem hebräischen Text genau folgende Darstellung Bamliergers, der wie Julius Gutlmariii und Leo Strauß den vorphilo«>phisehcn Ansatz von Maimonides und seine Umbiegung des „Aristotelisntus" genau sieht. Auch hei dieser neuen Arbeit über Maimuni, de-son Gedankengut mit Unterstützung der reichlichen hebräischen Zitate aus dein „More" in der denkbar glattesten deutschen modernen sprachlichen Form von Bamlx'rger wiedergegelien wird, zeigt es sich deutlich, daß es keinen populären Zugang zur Philosophie des Maimonides ohne fatdiphilosophi-clie und philosophicgcsehiclitliche Voraussetzungen geben kann. Ludwig Feucht wanger Neu, ZÄ*&A% URBAN i HOTEL GARN I Neubau im Geschäfts- und VergnOgungs-Zentrum. Bellevueplatz, ca. 5 Min. vom Bahnhof. Jedes Zimmer: Telefon.fyeB8endeaWauer.Privat*TeU«tteii.RohrDOtt Zimmer Frcs. ESO Tel. 27.052