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Jüdische Rundschau · 1935-04-05 · Heft 28 (5.4.1935) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 28 (5.4.1935)
Date
1935-04-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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ff: r* - j Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 28, 5. IV. 1935 i<( Ife Der Jude in der Wissenschaft In der „Deutschen Juristen-Zeitung" vom 1. April 1935 veröffentlicht Professor Dr. Heinrich Lange, Breslau, eine Abhandlung „Der Verfall des Persönlich keitsge danke ns an der deutschen Hochschul e". Der Verfasser erwähnt das klassische Kulturideal der Antike, das Vordringen des englisch-französischen Liberalismus, den Siegesnig der Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert, der auch die Geisteswissenschaften in seinen Bann gezogen habe, und schließlich die Herrschaft der nüchternen Objektivität und der abstrakten Wissenschaft. Sodann heißt es in dem Artikel u.a.: „Es ist kein Zufall, daß diese Verätifk-rlirhung, Verwlbständigimg WtkI Zersplitterung der \Vb!*mi:lia!l mit dem immer stärker werdendcti Eindringen des Judentum» zusammenfällt. Der Jude verband es aueli hier, aus der Not eine Tilgend zu marhen, seine Wurzellosig- Icit als vollendete Wi-setwbattlii-hkeit, seine Gcstaltungsunfähigkeit als abwägende und abwartende JCurürkHaltung ««•heirtert zu lassen. Rem einen bot so die Welt der reinen Wi-son^-haft eine Zufluehtsstälte, die ihn seine Unverlmnderiheit mit dem Wirtsvolke vergessen Heß, dem anderen aber war die wi.*mschaftliche Betätigung Mittel zur Befriedigung seiner Ieh-ueht. Ihm Ix it die Wissenschaft das Tumrnrlfcld, auf dem er ungehemmt durrh Ehrfurcht und Liebe lum l;el>erlk'iert<*n seinen me^cr-rharfeti, zersetzenden Verstand gee*n Wcrtloves wie Wertvolles Iwtätigte. Er zerstörte um der Zerstörung selbst willen, ein Hcinrieh Heine im Reiche der Wissrn- «chaft. NelH-n den Juden, der seine Ras* vergessen wollte, trat mehr und mehr derjenige, der seine Rawc fiirdern wollte. Das Judentum drang in die Fakultäten ein, breitete sich aus, schwoll an, ein Golem, erst Diener, dann ( Urtier dein trugen artfremd«.-, ihm ai sich di Die Wehrpflicht und die Juden In der „Deutschen Juristen-Zeitung" vom 1. April 1935 lesen wir in der Rubrik „Juristische Rundschau": „Drei Tage nach Erlaß des Gesetzes über den Aufbau der Wehrmacht zerbricht sich der ,Temps' schon den Kopf darüber, ob die allgemeine Wehrpflicht auch die Nichtarier deutscher Staatsangehörigkeit ergreifen wird. Zwar weiß die Zeitung, daß die Vorschriften des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums auch auf die Offiziere der Wehrmacht Anwendung gefunden haben; allein ,die Krage ist nicht mehr dieselbe, sofern es sieh um gewöhnliche Soldaten handeil'. Da man bis jetzt in Deutschland nicht gewagt habe, den nichtarischen Staatsangehörigen das Wahl, und Stimmrecht zu entziehen, müsse bis zum Beweise des Gegenteils angenommen werden, daß diese auch von der Dienstpflicht nicht befreit werden sollen. — Der deutselie Leser ist zunächst verblüfft über das Interesse einer typisch liberal-demokratischen Zeitung des Auslandes an der jüdischen Dienstpflicht in der deutschen Armee. Die Erklärung Läßt aber nicht lange auf sich warten. Denn der ,Temps' stellt, fortfahrend die rhetorische Frage, ob diese Auswirkung des ,Glcichheitsprinzi|)s' nicht für die Juden günstig sei, indem dadurch allmählich ein .Gleichgewicht' wiederhergestellt würde, das man zu zerstören sich bemüht habe. Die Betrachtung schließt tinter Hinweis auf die Ausnahmcvorschriften des Berufsbeamtengesetzes mit der Frage: .Werden sich die zukünftigen nichtarischen Kämpfw nicht in vielen Fällen auf die Opfer berufen können, die der Stalt ihnen aus dem gleichen Grund wie den anderen Deutsehen aufm, erlegen sich anschickt?' — Nun, wir brauchen die deutsche Antwort auf diese Frage nicht vorwegzunehmen. Wir wollen uns an dies« Stelle nur einen Augenblick des bemerkenswerten jüdischen Inter. esses an der französischen Wehrmacht erinnern, wie es in des Verwicklungen des Dre> fus-Prozesses in greller Beleuchtung mrn Ausdruck gekommen ist, um dann die Aufmerksamkeit des .Tempi« auf folgende Stelle in des Führers Buch .Mein Kampf zu lenken: .Der junge Staatsangehörige deutscher Nationalität... tritt endlich in das Heer ein. Die Ausbildung im Heere ist eine allgemeine.. Dem unbescholtenen gesunden jungen Mann wird daraufhin nach Vollendung seiner Heercspflcht in feierlichster Weise das Staats, bürgerrcelit verliehen.' Punkt 4 des Programms der NSDAP, ah» erklärt: .Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist Volksgenösse kann nur sein, wer deutschen Blutes'*)." Eine Durchführungsvorschrift, aus der die Stellung der Nichtarier in der neuen Wehrverfassung hervorginge, ist bekanntlich noch nicht erlassen worden. •) „Ist" fehlt im Originaltext in der „Deutschen Jurist.-Zeitu <; Will) ele - Weil irr» schließlich Herrscher. Es baute ..keinen" Wi-scnschaft eine uns tt auJ. Das Judentum erkämpfte ng wisst-tischalllicher Betätigung, »- fu-mde I.ei-mng und übertrug ge-cdiall lieber Werbung auf die W, in Studentenschaft Lange u. a.: Itti Hinblick auf die geticrt Zeit sagt Prof. Dr. „Der Schtta v hier und Streiter 4:: rhar..kterl-.igk« it biiute <ift schnelle fe-tigki it. 1 ><T «'ine diente m.I|ki!<>., ein Kenehnm g: a-pera ad a-u.i*. Hier für d.i, |-in.ltii.g.-n det Jaden in die H«el es, den M Per dem Sinti«! mehr, Herzen, die der andere am Der Verfasser dieses Anspruch erheben können, Würdigung der Stellung' der Juden eine erschöpf ende Charakteristik de der vergan- II. ab. im Vordergrund, als Chat.ikterandere aus g ein w. ücrer (buttd hulen. Diese verstanden Munde zu reden, er leistete dasselbe, eine Verehrung im I allzu sehr zu l'J feigen Famulu-natur, eh d letgHi Her und ver -e|, •t Zunge trug." Artikels wird sicherlich nicht den eine objektive und allgemein gültige in der Wissenschaft und indischen Studenten geliefert zu haben. Bei jedem Volk kann man, wenn man den Anteil an Wissenschaft und geistigem Leben untersucht, pute und schlechte Seiten finden, l'.s ist ein eigenartiges Phänomen unserer Situation in Deutschland, dili alle, vom Wissenschaftler bis zum Journalisten, darin wetteifern, den Juden in besonders schlechtem Licht erscheinen zu lassen und gerade bei ilitn immer nur unlautere Motive zu vermuten. Wir Juden aber wissen, sowohl aus der Geschichte als auch aus innerer Erfahrung, daß unser Verhältnis zum Geist und zur Wissenschaft ein anderes ist als diese Kritiker, ohne in Deutschland Widerspruch zu finden, es darstellen. Im übrigen ist ein solcher Artikel Redetet, uns die Bedeutimf' der Universität Jerusalem besonders eindringlich zum Bewußtsein zu bringen. Dort werden Juden ohne Mißgunst schaffen können, aber auch in voller Verantwortung der Bewährung stehen. Die Witkowitzer Eisenwerke (CSR.) erhielten größere Bestellungen auf die l ieferung von Wasserleitungsröhren nach Palastina. Außerdem fuhren die Witkowitzer Werke Brunnenbohrungen in Palästina durch. Bisher wurden 18 Brunnen in der Gesamttiefe von über 200) m gebohrt. Die Arbeiten werden von 80 Arbeitern und 10 Meistern der Witkowitzer Werke durchgeführt. „Wer heim Juden kauft, ist ein Volksverräter" In der „Hildesheimer Allgemeinen Zeitung" vom 1. April wird über eine Kundgebung der NS.- Hago berichtet, bei der Schriftleiter Fink vom „Stürmer" eine Rede hielt. Der Kreishandwerksmeister und Kreisamtsleiter der NS.-Hago, Hans Schlotter, verlas eine Liste von Namen, deren Träger in jüdischen Geschähen kaufen. Schriftleiter Fink bezeichnete diese Liste als eine Liste von Volksverrätern und erklärte sich bereit, die Namen im „Stürmer" zu veröffentlichen. Bei Wiedergabe seiner Rede heißt es in dem Bericht der genannten Zeitung: „In Pranken sah man Streicher schon als Judenschlärhter. Es geschieht aber weiter nichts dort, als daß die Juden ausziehen. An Hand der Verhältnisse in Franken sagte der Redner: „Wenn wir Deutschen ein Vierteljahr konsequent nach dem Satz handeln: „Wer beim Juden kauft, ist ein Volksverräter", wird die Judenfrage gelöst sein. Zugestandnisse an die Juden würden uns heute auch keine Besserung der Deviaenlage bringen." Der Redner schloß mit dem Hinweis, daß die Welt von Kriegsgeschrei widerhalle, das der Jude entfessele: „lieber der Welt lagert ein giftiger Nebel grundlosem Hasses. Nur von Deutschland her dringt Licht durch die Wolken." Der Redner stellt sich also die Lösung der Judentrage so vor, daß dadurch, daß niemand mehr beim Juden kauft, dem luden die Erwerbsmögliehkeit und damit die Lebensmöglichkeit genommen wird. Zugleich wird den Juden die Verantwortung für die internationale Lage aufgebürdet, obwohl jedem Beobachter der Weltpolitik klar sein muß, daß die internationale Spannung auf Meinungsverschiedenheiten zurückgeht, die mit jüdischen Dingen nicht das geringste zu tun haben! Die „O s t f r i e s i s c h e Tageszeitung" in Emden berichtet unter der Ueberschrift „Kauft in deutschen Geschäften" aus Schirum: „Alle Morgen kann man beobachten, wie jüdische Hausierer mit Paketen beladen aufs Land hinausziehen. Durch ihre „Geschicklichkeit" finden sie noch immer Abnehmer für ihre Waren. Ihre „Geschäftstüchtigkeit" geht sogar so weit, daß sie ihre Kunden auf Krafträdern zu ihren Geschäften nach Aurich fahren, falls sie das „Passende" nicht bei sich haben. Es ist bedauerlich, daß es noch immer Volksgenossen gibt, die das Wort noch nicht begriffen haben: „Wer vom Juden frißt, der stirbt daran." Um Anzeigen jüdischer Firmen Seltsamer Aprilscherz Die „Pommersche Zeitung" in Stettin vom 1. April meldet, die Verleger sämtlicher nichtparteiamtlicher Zeitungen Pommerns hätten vereinbart, ab 1. April keine Anzeigen jüdischer Firmen mehr aufzunehmen. Zu dieser Vereinbarung bemerkt die „Nationalzeitunta" in Essen: „Wir stellen diese Tatsache mit Freuden fest; denn mit ihrem Beschluß sind die Verleger der bürgerlichen Presse Pommerns die ersten, die sich von der nur I durch das Geld bestimmten Richtung der meisten bürgerlichen Blätter frei gemacht haben, und sich nunmehr nicht mehr selbst ins Gesicht schlagen durch Anzeigen von judischen Geschäften, die für Nationalsozialisten untragbar! sind...." Die „Pommersche Zeitung" vom 2. April schreibt 1 hierzu: „Wir berichteten gestern über ein Abkommen der Ver-1 leger nichtparteiamtlicher Zeitungen in Pommern und behaupteten, daß nunmehr auch diese Blätter keine Anzeigen I jüdischer Firmen mehr aufnehmen. Wie wir zu unserem Bedauern feststellen mußten, sind wir mit dieser Mitteilung einem Aprilscherz zum Opfer gefallen. Wir fühlen uns daher verpflichtet, folgendes zu widerrufen und richtigzustellen: 1. Das besagte Abkommen ist nicht getroffen; 2. die nichtparteiamtliche Presse nimmt nach wie vor Anzeigen jüdischer Firmen auf; 3. der Zwiespalt zwischen redaktionellem Teil und Anzeigenteil jener Zeitungen ist demnach nicht beseitigt." Die Rassengesetze im Saargebiet In einem Runderlaß an die nachgeordneten Behörden erklärte der Reichs- und preußische Minister des Innern Dr. Frick, er halte es im Einvernehmen mit dem Reichs- und preußischen Justizminister und dem Auswärtigen Amt für erforderlich, die nachgeordneten Behörden auf die genaue j Beobachtung der aus Anlaß der Rückgliederung des" Saarlandes gemachten Zusagen der Reichsregierung hinzuweisen. U. a. wird in dem Erlaß erklärt, daß aus den Zusagen der Reichsregierung auch folge, daß gesetzliche Bestimmungen und Verwaltungsmaßnahmen, die eine Sonderbehandlung aus Gründen der Sprache, Rasse oder Religion vorsähen, auf Personen, die am 13. Januar 1035 seit mindestens drei Jahren ihren Wohnsitz im Saarland haben, bis zum 20. Febr. 103b ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit keine Anwendung finden könnten. BERTHOLD NEUMANN PIANOS-RADIO KurfQrstendamm 205 J 1 Bismarck 3716 i fu e AenSertte Preise Wr Teppiche, Gardinen, Linier C S, Spandmacr Str. 28 ^fcj j Teppichhaus Zentrum 1 De grünt Teraiehiadan mmmmmmmmmmmmmmm Universite de Beaute Cedib, Paris Ceneralvertret. Bln., Rankestr. 35. Tel. B 4 Bov. 7521 I Schönheitspflege nach neuesten Methoden. Original frcnzölilche Präparat«. Endgültige Haarentfernung durch Kurzwellen-Diathermie. Neue Schlankheitskuren, auch für einzeln« Körperteile. I Allein berechtigtes Autbildungsinstltut nach der Methode Cedlb. Anlernung zur Herstellung von kosmetischen Präparaten. Manicure. Verlangen Sie Prospekt H AGGADAH de« Kindt« mit «rotcilb. Bildern urri I mit Erklimmt v. Lehmann »tattS,-RMS.- Noten.......RH 4.80 I Gcrshon Cohen. . . .statt 15 - RM7.- mil Strickzekho. r. Gti«m»r RM 1.80 | Heidenheim 60Plij./o.lleberj.. «blSPIfi. 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