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Jüdische Rundschau · 1935-03-29 · Heft 26 (29.3.1935) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 26 (29.3.1935)
Date
1935-03-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Wr. 26, 29. III. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 9 RpE"™~. Zwei Geburtstage Jüdische Musiker in London Ein Siebziger In Palästina feiert einer aus der ersten Generation des deutschen Zionismus dieser Tage seinen 70. Geburtstag: Max Bodenheimer. Die zionistische Bewegung wurde in ihren Anfängen in Deutschland meist von Studenten getragen, darunter waren sehr viele nissische Juden, die sich nur vorübergehend in Deutschland aufhielten. Die Kämpfer deutsch-jüdischer Herkunft, die sich der Bewegung anschlössen, waren dünn gesät. Unter ihnen wird, wenn die Geschichte des deutschen Zionismus geschrieben wird, Max J, Bodenheimer stets einen Ehrenplatz einnehmen. Als junger Rechtsanwalt in Köln wurde er der erste Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Unermüdlich hat er an der Ausbreitung und Organisierung des Zionismus gearbeitet. Bodenheimer hat bald als intimer Mitarbeiter Hcrzls auch in der Weltbewegung seinen Platz eingenommen. Er begleitete Herzl 1898 bei seiner Reise nach Palästina, er war bei Kongressen und im Aktions-Comite eine führende Figur; er war später jahrelang in Köln der Vorsitzende des Jüdischen Nationalfonds. Wenn Bodenheimer, dessen entscheidende zionistische Entwicklung in einer so frühen Zeit lag, als die Verhältnisse noch ganz anders waren, in den letzten Jahren manchmal eine Haltung eingenommen hat, die sich von der großen Mehrheit der deutschen Zionisten, nachdem hier eine neue, anders erzogene Generation maßgebend geworden war, unterschied, so verringert das auch bei den Nachgeborenen nicht die Einschätzung der Verdienste •eines der ersten Pioniere des deutschen Zionismus aus einer Zeit, wo es noch schwer und absonderlich war, sich zum Zionismus zu belennen. Bodenheimer, den auch familiäre Bande mit Palästina verbinden, ist es vergönnt gewesen, die beispiellose Verwirklichung dessen, was er in seiner Jugend als „Utopie" mutig vertreten hat, mit eigenen Augen zu sehen. Die zionistische Welt und insbesondere die deutschen Zionisten wünschen ihm, daß er sich noch recht lange daran erfreuen möge. Ein Sechziger Wieder tritt einer aus der Frühzeit des Zionismus, der mit Heinrich Löwe und Zlocisti, mit Thon, Ehrenpreis und Soskin die nationaliüdische Erneuerung im Kreise der deutschen und russischen Studenten des „Jung-Israel" mitschaffen half, in das siebente Dezennium: Max Jungin a n n, einer der ersten, die sich Herzl willig und arbeitsfreudig anschlössen. Von da an war Jungmann auf manchem Kongreß, auf vielen Tagungen ein Kämpfer für das zionistische Ideal, vor allem hatte er besonderen Anteil an der Begründung des alten V. J. St, - Berlin, der Keimzelle des heutigen K. J. V. Mit Herzl blieb er In steter Verbindung. Im Februar 1904, kurz vor seinem Tode, schrieb Herzl an Jungmann einen Briet — es ging damals um den Kampf mit den „Charkowern" —, dessen Schlußsatz geradezu den Charakter eines Vermächtnisses hat; Herzl schreibt dort: „Ich stehe unverbrüchlich auf dem Standpunkt, daß wir die Autorität unserer Kongresse über alles hochzuhalten haben und nicht den Willen einer kleinen Gruppe über den Kongreß setzen dürfen." Auch der Briefempfänger fand damals herzhafte Worte in einigen Versen über den innerzionistischen Kampf. Denn seine größten Erfolge erfocht Jungmann mit der Feder, seiner liebsten Waffe, die manchen Gegner kampfunfähig machte. Als Mitherausgeber der „Jüdischen Moderne" tiiiO des „Schlemihl", den er nach seinem ersten ruhmreichen Bestehen mit Gronemann und Simonsohn 1919/20 noch einmal erneuerte, als Mitarbeiter am „Zion" und „Ost und West" erwarb er sich einen Namen im deutschen Judentum. Am bekanntesten aber wurde sein Gedichtband „Dornen" — wie erfrischend liest sich seine ironische Satire heute wieder — und das Drama „Jochanan von Giskala", das, nach einer Palästinareise entstanden, ein glühendes Bekenntnis zur historischen Größe unseres Volkes darstellt. Einem großen Kreis ist Jungmann, der Arzt von reichen Ciaben, ein treuer Helfer; den zionistischen Freunden seiner Generation ein lieber Weggenosse und Mitkämpfer; den Jüngeren aber ein nachzuahmendes Vorbild zionistischer Pflichterfüllung.__ H. K. Prof. Carl Landauer, früher Berlin, und Prof. Moritz Bonn von der Berliner Handelshochschule gehören, wie uns aus Kalifornien berichtet wird, jetzt zum Lehrkörper der Wirtschaftsabteilung der kalifornischen Staatsuniversität in Berkeley. Das Hauptgebiet Landauers ist Planwirtschaft, während Bonn augenblicklich über Wirtschaftsgeschichte liest. Der Universität gehören mehrere tausend Studenten an. London, im März Auch das zweite Drittel der diesjährigen Saison (siehe Bericht vom 8. 1. 34) brachte eine Fülle von Konzerten jüdischer Instrumentalisten, Sänger und Komponisten. Unter den Pianisten der jüngeren Generation ist es wohl der einzige Horowitz, der gleich einem Rattenfänger das Publikum in eine ausverkaufte Oueen's Hall zu locken imstande ist. Der als feiner Chopin-Interpret bekannte Iso Elinson bewies den Umfang und die Vielseitigkeit seiner Begabung durch eine Serie von vier Bach-Abenden. Kurt Appclbaum wirkte in einem Schubert-Abend viel überzeugender als in dem Beethoven-Abend im letzten Herbst. Der Klavierabend Rudolf Serkins zeigte besonders in Mozarts C-moIl-Fantasie und in zwei Dcbussy-Stücken eine seltene, minutiöse Avisarbeitung und hohe Kultur des Anschlags, charakteristisch für das feine Spiel dieses sympathischen Künstlers. Hubermann spielte im Rahmen der großen Rundfunk- Konzerte das Tschaikowsky-Konzert mit unübertrefflicher Meisterschaft im Technischen und innigster Versenkung in die lyrischen Partien, besonders der Canzona. Kreisler, wegen seiner „klassischen Manuskripte" jetzt der Mittel- Eunkt angriffslustiger Kritiker, hatte den traditionellen Erfolg ei seinem Konzert in der Albert-Hall. Jascha H e i f e t z» Solist (Beethoven-Konzert) im 10. Philharmonischen Konzert unter Beecham und im Rundfunkkonzert (Mozart-Konzert A-dur) unter Boult, sowie in einem eigenen Abend in der Qucen's Hall, zeigte die schon sprichwörtlich gewordene Meisterschaft in der stupenden Uebcrwindung technischer Probleme. Einen schönen Erfolg konnte Max Rostal mit seinem Violinabend verzeichnen, der ihn beim englischen Publikum bestens einführte, u. a. in der souveränen Meisterung eines so widerhaarigen Werkes wie die Suite op. 27 von Karol Rathaus (engl. Erstaufführung). Eine großangelegte, meisterlich wiedergegebene Solosonate von Bach gab dem Celloabend von Maurice Eisenberg eine besondere Note. Emanuel Feuermann, Solist in einem Orchcstcrkonzcrt unter Sir Landon Ronald, bestätigte wieder einmal seinen Ruf als Meister des Cellos. Irene Eisingers Vorzüge einer intelligenten Phrasierung in einer Gruppe Mozart-Lieder konnten im Konzertraum nicht ganz für den Mangel an rein tonlicher Substanz entschädigen, der sich an lyrischen Stellen bei Schubert und Wolf fühlbar machte. Im Rahmen der London Lieder Concerts brachte die russisch-jüdische Sängerin Valentina A k - sarova mehrere Gruppen von russischen Romanzen der großen „Fünf", darunter auch Rimsky-Korsakoffs „Hebräisches Lied". Das letzte dieser exklusiven Konzerte bestritt Lotte Schöne. Die erstaunliche Vielseitigkeit sowie die grundmusikalische Art des Vortrags sind nicht sobald wiederzufinden. In den Rundfunkkonzerten für zeitgenössische Musik hörte man zwei neuere Werke der amerikanisch-jüdischen Komponisten George (iersh w i n und Aaron Copland. I V< Türkisch 8 BT Der erstere, durch seine „Rhapsody in Blue" aus dent Jahre 1923 mit einem Schlag bekannt geworden, bringt in der neuen „Second Rhapsody" dieselbe Art von „ernster'* Unterhaltungsmusik. Die Jazz-Partien sind mit 'höchster Brillianz in klanglicher Beziehung geschrieben. Doch sobald Gershwin an symphonische Verarbeitung denkt, kommt nur Klischee und sentimentale Langeweile zum Vorschein. Die virtuos gehaltenen Klaviersoli lagen in den sicheren Händen des ausgezeichneten Solomon. Weit höhere Ansprüche stellt dagegen die „Dance-Symphony" von C o p 1 a;i d, ein dreisätziges Werk, das sich besonders durch rhythmisch interessante Einfälle auszeichnet. Durchaus solide und symphonischgearbeitet, mit konzertierenden Soloinstrumenten als abwechslungsreiche Episoden, zeigt dieses Werk in der .Melodik seines langsamen zweiten Satzes deutlich den Einfluß jüdischer Melodieelemente. Das für die Propagierung von Werken zeitgenössischer oder noch unbekannter junger Komponisten so aktive London Contcmporary Music Cenfre mit seiner tüchtigen Sekretärin Miß E. Hart brachte Blochs „Poeme mystique" sowie eine zweisitzige Klavierfantasie und eine Solosonatc für Cello des jungen "Franz R e i ) e n - stein, eines ehemaligen Jfindeniith-Schulers. Oes Lehrers Einfluß ist in diesen zwei Werken wohl noch deutlich hörbar, besonders in der Art von Reizensteins „hufender" Kontrapunktik, doch ist eine starke konstruktive Begabung unverkennbar. Mosa Chawiwi spielte die schwierige Cellosonate. Zu erwähnen bleibt noch die monumentale Chorkantate „Belshazzar's Feast" des Engländers William Walto», ein groß angelegtes Werk fiir gemischten Chor. Baritoiisolo und Orchester zu eigens zusammengestellten [Sibeltextcn, sowie eine Dramatisierung von Mendelssohns „Utas"' mit Verwendung von Bühne, Tanz- und Bewegungschören mehr, Schau- und Prunkstück als szenisches Oratorium. Dr. M o s c o C a r n e f Rabb. Elk In diesen Tagen begibt sich Rabbiner Dr. Elk aus Stettin nach Palästina. Dr. Elk ist nicht der erste Rabbiner aus Deutschland, der in den letzten zwei Jahren seinen Weg nach Palästina gefunden hat. So sehr wir es begreifen, daß ein Mann, der sein Leben dem Dienst am Judentum gewidmet hat, nach Erez Israel strebt, und so sehr wie es begrüßen, daß das geistige Leben gerade unter den deutschen Juden Palästinas durch Rabbiner, die das deutsche Judentum kennen, betreut wird, müssen wir doch zugleich bedauern, daß in dieser Zeit, wo die deutschen Juden des Beistandes, der Unterweisung und Führung bedürfen, wieder eine wertvolle Kraft aus dem deutsch-jüdischen Leben ausscheidet. Elk gehört jener liberalen Rabbiner-Generation an, die frühzeitig verstanden hat, daß eine Produktivierung und Erneuerung des religiösen Lebens nur auf dem Boden des Volkstums möglich ist. Nach seiner Palästina-Reise im vergangenen Jahr hat ef wiederholt in Wort und Schrift (u. a. in der „Jüdischen Rundschau") dargestellt, wie sehr auch in jenen Teilen der palästinensischen Arbeiterschaft, die formell eine Beziehung zur Religion ablehnen, geistige Kräfte wirksam sind, die zum Religiösen hinführen müssen. Nun findet Elk selbst ein Tätigkeitsfeld inmitten des neuen Judentums und die besten Wünsche der deutschen Zionisten begleiten ihn. Elk ist auch ein guter Kenner der hebräischen Literatur und mehrmals mit Uebersetzungen hervorgetreten. Die „Jüdische Rundschau" hat vor einem Jahre eine Uebersetzung aus den in Hexametern gedichteten Idyllen Tschcrnichowskys von ihm veröffentlicht. Anläßlich des Abgangs von Elk fand in Stettin am 21. d. M. eine Feier statt Den uns zugegangenen Berichten entnehmen wir: Stettin. Die Feier -wurde eingeleitet mit der Vorführung des KKL-Kurzfilms „Kmok- Schulon — ein Traum wird Wirklichkeit'". Ks folgten Abschiedsreden der verschiedenen Organisationen, von hrtmiUrhrn Gesinden des Snif-1 Icchaluz-Clmrs wirkungsvoll umrahmt. Ks sprachen: Dr. M. Gumpen, Oscar Schwarz, Kurt Aschrr, Krnst l.indncr, worauf Dr. Elk in seiner Dankrede seine Entwicklung zum Zionismus schilderte. Edmond Fleg-Abend Dieser Tage fand in Paris im Rahmen der Gesellschaft „l.es Amis de Kill" ein literarischer Abend statt, der dem Werk des jüdischen Dichters Edmund F1 e g gewidmet war. Eine ganze Reihe von Rednern feierte die Bedeutung dieses Dichters. Durch ihn, so sagte Benjamin Crein-icux, ist in Frankreich zum Bewußtsein gebracht worden, daß eine Judenfrage existiert. Der Dichter selbst sei eine Inkarnation des Judentums und in seinen Dichtungen schafft er eine Synthese von Judentum und Universalisinus. Rene Lalou führte aus, Fleg sei der erste Dichter seit Vigny, der sich an das Thema Moses heranwagen durfte. (Flegs Mosesbuch wurde in unserer Rubrik „Wie gestalte ich den Schabbat" wiederholt zitiert. — A. d R.) In Flegs Interpretation münde der jüdische Gedanke in den großen Strom des Humanismus, dessen (Quelle im Griechentum ist. Sein Werk sei die beste Widerlegung der Behauptung, daß der jüdische Gedanke destruktiv sei. Es sprachen noch Jean Jacques Bernard, M. Ganrillou u. a. Die Sopranistin Bettina Feit ler aus Frankfurt a. Mj sang im Basler Rundfunk und gab am 1. März im Konservatorium in Basel einen Liederabend. Beide Veranstaltungen hatten großen Erfolg. t Jüdische Jugend wird im Landschulheim „Kristinehov" durch geistige und praktische Arbeit fürs Leben vorbereitet! Wissenschaftliche Ausbildung: Englisch, Hebräisch, Deutsch, Französisch, Geschichte, Palästinakunde, Erdkunde, Naturwissenschaften, Mathematik, Kaufmännisches Rechnen, Stenographie. Pensum an das der höheren deutschen Schulen angelehnt. Individuell gestalteter Gruppenunterricht nach modernen Methoden durch akademische Fachlehrer. Umgangssprache deutsch. Arztliche Aufsicht im Hause. Besondere P/lege jüdischen Wissens und Lebens. Reichliche gesunde Ernährung. Eigener Park, Obst- und Gemüsegarten. Große helle Wohn- und Schlafräume. Zum Semeslerbeginn - 28. April 1935 — werden noch einige Knaben uni Mädchen aulgenommen, außerdem Haushaltschülerinnen von 16 Jahren an, zur Erlernung von Hauswirtschaft, Kochen, Buttern, Hühnerzucht, Schneidern, Englisch und Hebräisch. Praktische Ausbildung: Tischlerei, Gartenbau, Schneidern, Basteln, Buchbinden, Hauswirtschaft, Kochen, Hühnerzucht, Buttern. Jfli ™ Die praktische und handwerkliche Arbeit soll die Geschicklichkeit der Kinder fördern und ihnen ihre Berufswahl erleichtern. Musik - Sport - Bewegungsspiele - Schwimmen - Wanderungen Leitung! Studienassestor i. R. Ludwig Postner. Bitte verlangen Sie ausführlichen Prospekt und Auskunft von: Internatsskola Västraby per Löberöd, Box 5, Schweden. Persönliche Besprechung Berlin am 7. und 8. April 1935 nach vorheriger Anmeldung möglich. Telefon: B 5 Barbarossa 15 90in iIlengM^ lung mm 18 Uh^ Uhr,'Mi 10 Uhr) mm) rs" -z ge. '•irtreich'e ordert änrig Volksr ver- :n die inung /eiche :utsch heute i. a.s ihrer Jude rischej >t ist, nichts« rklärt °!k^ nders» oralirefühl dem fstiegf eitetj senen lieses tsche ntumj Ja, irder» jüdit alla ische n enw ■fhörichent ern." über reimf »iA^^rfj}! iumftf£$$| des Ge- . - d<w ibep. . aus :ntjt der udeir nden denartin keirr clienj von Aeer 'äter ver- ' Wer und auj; daß denken, rreirse: iftsnen eut- Leo apiuer und tere so- >n" zuden jau iter ner ter, ach ter in riantlen tuen ie-, hr :H* das IT« ilen te-' ■E.

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