Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 24 (22.3.1935)
- Date
- 1935-03-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2651273-2653827-2653851--26585-2687978- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JOD'SCHc r> ii ki n c r u a fi Nr. 24, 22. III. 1935 Briefe an die Redaktion Wilhelm Stapel und die „Protokolle" Hamburg, den 16. Man 1935 Sehr geehrte Schrifdciiung! In der „Jüdl chen Rundschau" Nr. 22 vom 15. Mars '-rlirnli-ii Sic in drin Artikel ..Um die Fbhtbeit der Pru'..k'>dc": „Auch Dr. Stapel, seihst ein radikaler Antisemit, hat im ,.I >. u( eben Volkstum1' d:c M-dnung au-gesproehen. daß die Protokolle eine Fälschung Sind." Ich rr-uchc Sie um die feigende Riehl ig-tethmg: Ir:, habe niemals die „Protokolle der Weisen vor» Z»>!." als Fäls h'mg bezeichnet, sondern ich habe nur gelegentlich des Berner Prozesses, indem ich mich gegen die Berichterstattung der Sdiwcizer Zeitungen wandte, ge agl: ..Nehmen wir an, wanicht unwahr- -cli mich i t. die Protokolle seien eine Fälschung — so sind sie clwn d-x-ii nicht einfach S. hm. d acia'.r r'\ Mine sichere M-mui.g dariiln r. ob di» Pr -to kolL FaMmng «•»>«! oder ni< ht, kann ich schon deshalb nicht a'<<» U-n, «'eil mir das Material n>lit zur V-riiigun>i i-t. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Wilhelm Stapel Juden und Jüdisches im Rundfunk Sonnabend, 23. Mär?: I!» i.,m,t (549), 1320: Mi'-iL '»il. — Wim (507), 13.10: Crom!.-!.>. dt r. -~ Prag II (249). 15.15: Kranz Wititernitz „ii.jjt. —■ Piag 147:'). 15: Max Hr.»! Hc-t ans eigenen Werken. — I.uvoib;<:g 11"< \\ 1,1 30: .Wir.' Ca -e-hniuc sp'c't K>d 'er. — ßrOWI (484), 20: SchaSIf.I-.itt.-n. u.a. Das jiddische I.icd, AI ha und K\.ik"i4- \>m K.. ei.blatl. — W.irsbau (1H45). 21: Haeh- Konzert; Dir.: Fitelbctg. _ haibaeh f 309), 22: RubitMtin, Ofhi.hach. ug (120li. 15 25: „Die *Imi' Hclca" l e V.: K-:,/a H. u. a. Mcndel-solm, ■ {3131. CUeS: Nene >.-h.d!|>I.ittcn mit (3'"Cl. 21.0;: (lb ,iko!,/cii. u. a. „Israel" {lr,7!>). 21.15: la-dii I lei'ctz spielt Sonntag, 24. Mllr;: Kate 1'.: Hub lilv.. i Oi.enbaclL - Ja-dm Ileifiu. v.ei l!,el,. - . lieetb.,v. ::. Montag, 25. März: I.ts* -..Vi Wien (5e7|. le: S ha I- - u.a. K:.,'.;. -- K.iu.nl'.' Dienstag 26. .Mär/: Wh U i -Vehu-cn. — (1S07), lu.K): .13 "4e 11 15: K u :l. U i 1. -...... 1 ilbol), 15,3.1: K»iweit. u.a. Mcyet- ':c. e ei u k v- -n Ml'haud. U'b'ö,. 13: Meie leb-- .ine Konz, rt. Ausb1dun<«3kur-e für Hau ,,\\ i tschaft dehrerirrr n. Unter Mitwirkung der KVichsvc: trctiin;.; und des Jüdischen Frauenbundes beginn' a :i 1. Mai in der J ii U lachen 11 a ti s h a 11 v schule, Frankfurt a \V, hb iiiigswartcr Sir. 20, ein Lehr g a ti /!' u r t c c Ii n I > c h e I c h r e r i n ti c n. Der I ehrgang soll aut <icr Audbhhing der wissenschaftlichen oder Volksscliullelueriii aufhauen (/tilasMing von anders Vorgebildeten, wie KibHlcriM'tec; liiiicit, I lortueriniKvi, ( ivinna-'iklchrerinncn usw. \vi d muh Antrag enSchieden). Datier ein Jahr. Ziel ist die Be ahieui'e; /\\ I lau-w IrKchafts- und I latldarbcitsuii'.erricht an jiidisc':eii .v luden und in liauswi'-'.srhvtliclien Betriehen. Schulgeld 2i K.M. monatlich; für Wohnung und Verpflegung in der 1 laiishaltuiigsschule 60 KM. monatlich. Anmeldungen an die Jüdische Hau.shalttmgsschule oder an den Indischen Frauenbund, Berlind dtarlottcnburfr, Kantstr. tiei/ufuüeu ind: ein ,vnb ä-/th'ch-s A'ted, selbst -e '■' ' '- nee Lebenslauf und schon vorliegende Zeu nisse. Uebcr die Auswahl der Bewerberinnen werden noch nähere Angauen erfolgen. Berichtigung. In der vorigen Nummer der „Jüdischen Rundschau" sind leider die Bilder „Tcl-Awiw vor dem Fest" aut S. S in verkehrter Reihenfolge erschienen. Das untere Bild stellt die Oper Mugrabim, das obere Bild da« Lokal des Kartenverkaufs dar. Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern Augburg. In der ZOG. sprach Herr Dr. Julius Stein! cid, Mannheim, über: „Unsere Antwort auf die Jiulenftagc". Eine unerwartet zahl reich erschienene Zuhörerschaft dankte dem Redner mit reich m Beifall. Dr. II. Bamberg. Arn 9. Jan. fand im Sitüunpi-nale der Synagoge ein Eröilnu' habend statt, zu dein sich Rabbiuat und Vers'and-ehalt der Gemeinde einfanden. — Am 11. März spradi Karl Wiesen- I e 1 d i-r über ,.1'urim in Tcl-Awiw". Der Abend war umrahmt von («'sängen des J. I". |). Margot Forchheim er las einen Brief aus llrz Israel. Frin Stein leitete die Vcransi altung. Die zahlr ich Vtrsaiiimelten sangen zum Schlüsse begeistert die Hatikwah. Battenfeld (Eder). Die Rc!i<nausschule, pemeitisam mit der Gemeinde ()beia-|ihe veranstalteten am 10. .Man eine wohlgelungene Purimleicr für Kinder. Bcrncastcl u. Wittlich, Hans Seidenberg sprach über ,,Die materiellen und sceli-chcn Probleme der älteriti Generation". Beuthcn. Am 1. M füln uc syna^i hegt ii I. ete ilcr Kon ii:u r Rabb irz erinl^lc beim Ale n.lgolte-dienst die Km- ■: neu^e .'. ahlt.cn RalibimTs der K hi^'u valiven Gemeindc- Dr. Keller. Für den Voi.iand der SnagogcMigemcmde Im der Vorsitzende, Apotheker Kunz, für die Mitglieder rvativcu SviiHgogc, Arnold Wiener, für da- Rabbmat. G o 1 i n s k i. Die Pöblet von Dr. Keller Prot. Dr. fand allgemeinen Ht ifall Buchau a. F. Auf Anregung des Württcmbergin-hen Jü 1. Frauen bundes taud unter der Deining von Rabb. Dr. Sehlc ingrr eine Lern zeit zur F.iuführung in die Bibel statt. Line kleine F ier der Frauen der Gemeinde, bei der Farn KU" Berg man h e i in aus Sturmaniis Althehr. Lyrik" rezidrte. iresebli die Kurse in im Kreise i - I. a ti p - 5 die Vorbestimmten anstaltung. Auf all eiligen Wunsch sollen Zeitabschnitten sysiem.üi-ch fortgesetzt werden. Darmttadt. A-seesor Co oig Gutliinann. Frankfurt a. M., btendr te am 11. Marz sr iaeii Sebu'ung kurs ,.l);e Juden ab; Nation". Slbntlleite Abende de-, Kur-es waren au i^ccadmet b'RUeht: er fand bei den etwa 200 Teilnehmern stets großes Interesse. Die neue jüdi-ehe Schule bta'hlc vor überfülltem Saale die Kinderoper ,.Die Rebe um die lüde" r.ur Aufführung. In einnihrenden Werten spiaeli t die r Itiek vom Mut.teben und Inhalt de, Seieis. Dir- Pau-c vor der Schluß-ziiie benutzte Herr Rabb. Dr. Merzbach, um allen Mitarbeitern Dank zu »agen. Stiirmi-.i:her Reifall lehnte Kinder und Lehrer. Die Agnons „Reines Oliven-Ocl". Zu der von uns in der vorirjci . .ruuier veröffentlichten Er/ählunt; von S. I. Agnon „Reines Oliven-Ocl" teiJt uns der Scliocken-Verla« mit, daß die Bemerkung, die von uns abgedruckte Er/ählunp; werde in einem neuen Novellenband des Autors, der im Schocken-Verlag vorbereitet werde, enthalten sein, auf einem Irrtum beruht. Prof. Isaac Markon bittet uns tun Veröffentlichung der folgenden Zeilen, denen wir gerne Raum ge^eii. „Anläßlich meines 60. Geburtstages sind mir so zahlreiche Ehrungen aus dem In- und Auslande zuteil geworden, daß es mir zu meinem Bedauern unmöglich ist, jede einzelne zu beantworten. Ich wähle deshalb diesen Weg, um für alle Beweise freundlichen üedenkens herzlich zu danken." Jetzt ist es Zeit, der „Jüdischen Rundschau" die neuen Bezugsgebühren zu überweisen: für April 2 RM.; b.i Vierteljahrs-Abonnement ftirs II, Quartal 5,75 UM. Wer jetzt zum Beginn des neuen Quartals vom Monatszum Vierteliahrs- Bezug übergeht, hat also den Vorteil des ^ünsfigiercn Quartals-Preises und spart dazu noch die Kosten für die Ueberweisungen in den nächsten beiden Monaten. Aufführung wurde rweimal wiederholt In rler ..Bildungtgemeinoh.iri Darmstädter Juden" gab Ernst Wolff einen Lieder-Abend. F.. E. Hanau. In der ZOG. sprach Leon (Arje) Händler über „1% Weg der judr-chen Jugend". Für den nach Berlin berufenen Jjj F.isner sprach Rechtsanwalt Dr. Abraham Löh über „Orthodoxie und Zioni mus". Die Sammlungen kamen dem Kcren Tora wa'Awod» zugute. Heidelberg. Das Kulturamt der Israelitischen Gemeinde hat Assessor Georg Guthmann, Frankfurt am Main, mit der Durehliih. rung eines Kurses in Pala-titiakundc betraut. Die einzelnen Abende wiesen einen besonders starken Besuch nichtzionislischer Kreise auf. Hindcnburg. Arn 13. März fand eine überaus gut besuchte Ge. meindeveranstaltung mit Herrn Rabbiner Dr. Joachim Prinz als Redner ttntt. Kleve. Lehrer Mannheimer sprach am letzten ron seeht Abenden dieses Winters über „Jüdische Geschichte". Die sechs Abende, die auch in Calcar und Goch wiederholt wurden, gaben eine umfassende Geschichte der Juden von den Anfängen bis zu unserer Zeit Krefeld. ZOG. Nach dem Ausscheiden von Herrn Willy Sa'n. mons wurden folgende Vorstandsmitglieder ncugewählt: Bert hold. Piuckmann, Fiau Alma Friedberg. Julius Keller, Frl. Emma Schnoek, Frau J. Reicher. Mitglieder der KKL-Kommission sind: Marx Kronenberg, Frl. Lotte Fernich. Kihtrin. Am 17. März wurde auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde ein Denkmal eingeweiht, das den beiden Gefallenen der Küstrincr Gemeinde gewidmet ist Mannheim. Die '/A >G. Mannheim eröffnete ihr neues Heim, Karl-Ludw ig-Str. 38. mit einer kurzen Feier, bei welcher Rabb. Dr. Grümiwald Geleitworte aus der Mischna kommentierte und Dr. Licht einen sehr guten llintühningsvortrag über die juristischen Grundlagen des Palli -tina-Mandats gab. Diese Vorträge werden wöchentlich als Kurse in die Einführung zionistischer Ideologie fort, gesetzt werden. Die Veranstaltung war außerordentlich gut besucht. Dr. Otto Simon Ankündigungen Dt.-Krone: 24.3.: Cem. in li v ran lg iu g: Vortiag Dr. Abraham, Berlin. Hamburg: Ib-chrduz. Am 28. März, 8.30 Uhr, Weißer Saal des Curia. Hauses Kundgebung: Der Weg ins Land. — Kölnt Zionistische Vereinigung. Am 23, März, 20.30 Uhr, Oncg Schabbat, im Heim, ("iici'i' nslr. 18-22. V. a. Vorführung eines Palastina-Films. —- Am 25. Mürz, Seminar der KZV., im Heim, 8.15 bis 9.15 Uhr, Dr. Rn. seno: Ge-rhiehte des Zionismus (2. Abend), 0 15 bis 10.15 Uhr, Dr. Braun: Jüdische Geschichte (2. Abend). — Am 26. Marz. 20.30 Ehr, im großen Saal der Bürgergesellschaft, spricht Rabb. Dr. Joachim Prinz, über: ..Jüdische Existenz, heute". Karten im Vorverkauf im Sekretariat der KZV., l.engfeldsche Buchhandlung, Zigarrenhaus Ilcif. mann, Konditorei Schwarz. — Mün:h':n: Zionistische Ortsgruppe. Am 23. Marz, 8.15 Uhr, Anna-Saal, Reitmorstr. 7. Unterer Purine Alx-nd (Bildstreifen, Adlojada, Rezitation, Gesang, Tänze, Puppentheater usw.). — SchSnlanke: Arn 25. März, Vortrag Dr. Abraham: „Palästina — Wirklichkeit und Aufgabe", Vorführung eines Palästina- Keiscfilms. Familien - Nachrichten Frau Tin resc J a k o b i, Neuwedell (Nrn.), begeht am 4. April dnt 60. Geburtstag. Bar Mizwah-Termine Am 30. März — 25. Adar II: Egon, Sohn von Martin Jacobi, Raanana bei Tcl-Awiw. es kurz. Bcillia hat lOtKto Mark, Du linst Ersparnisse. Wieviel, weiß ich nielil. Aber auch du hast 10000 Mark auf/.ubringen. Das i-t eine Lappalie für (las (lescliü f 1. Aber drei Jahre habt ihr Kredit hei mir. Im uerten wird ab'rezahlt und im sechsten st.-!11 ihr für euch. Das ist meine Mitgift an dich. In drei Monaten wird «reiu-iralet. Alles andere findet sieh. Du brauchst nur ja zu «ngen oiler nein. Aber schnell." 1 ml 1Win._'cr sa-d* ...Li*', Die Anyeli-oetilieit hat ft'mfzelin Mliiiilen gel laue rl. f.aiiL'c feitiie; fiir I Icrn-n -de-i n, XaehmiI bi/s t imii-t Lille! : eilung mit Beidha Dampf stall. Ihr (liikel tiiiil.' schnu \nrlier mit ihr gesprochen haben. Was, ,);,< hat l!esdiH.'er nie erfahren. Nach mit lags findet die le iin'ii In- \ erlolning statt. Am nliclisten Tag kütidie't lbuu-er seiner l'irma. Am (laraiiffrdt/enden Tag ist öHenlllihe \ erhilenio, abei (ilme Ilet reri-lcin, der so lanpe nicht hat bleiben können. Zwei Worden «piter hat man sich für dii"ic Stadt entschieden, di.- Aiisdeiib-n bietet. Weilcre zwei \\'ocheii später ist rler (le-i bii I"l - räum geniielH, 1'nil mm beginnen rlie Vorbereitungen. Dil' Finna l!e--iiiger und Lampe ist in Tätigkeit. End dann Heirat und dann Kröffnung. Am 1. August 1S01 eröffnet |5o..inger. Alle Plakalsliuliui schreien es seit Wochen. 1 im! dann die A u fbrnia ein it. Die Taere und oft Nächte :m-oefiillt mit \rl>eit. ,ni-g..fulll mit Willen, mit Zähigkeit, tnil \b-rl»is..etile-it. I lei retis|ein hat recht. Mit den drei Prozent klettert dir LeislimL'sfähierkeit. Die anderen Firmen erschrecken. Welche Preise! Welche Annoncen! liossinger braucht nur nach Ilerrenslein liinziiblicken und »ich anz.iipas-en. Kr Ji.tt Sti...worlo, er hat Schlagworte. Kuntlscliafl klimmt und kommt und mehr Arbeit und noch mehr Arbeit. I nd es wird geschafft. Er und Bereichen schaffen es, das unermüdliche Berlhclien. Die Gedanken jagten Res«Inger durch den Kopf. Die zwölf Monate jagten durch den Kopf. Und nun lag sie oben, IWihclien, in ihrem Bell. Sie lag dort und stöhnte. L'rtd er, Bessiigcr, watlele. Er blickte ungeduldig um sich und entdeckte unten im Verkaufsraum Kran Kiihlenkümpf. liessinger sprang auf Und eilte das steile Treppchen herunter. Ks war aus Eisen, llessitiger nahm immer zwei Tritte kurz, um dann eine Bruelileilsekundenspanne zu lassen. Es klang: tripp-trupp, Pause, tripp-trnpp. Das war das Einzige, was Bessinger aus seiner Lehrlingszeii geblieben war. Aber dieses I ripp-'l nipp war ein hörbares Morse/eichen, war ein Signal für alle AtiL-esvllien und wurde von ihnen auch bei stärkster Ablenkung wahrgenommen. Frau Kuhlenkämpf sah sich um. Bessinger schob sieh mit Yerbindlirhem Lächeln längs der Theke näher heran, bis er sieh vor Frau Kuhlenkämpf verbeugen konnte, die ihn jelzl erst gewahrte. Basinger wußte, was Frau Kuhlenkümnf gesucht hatte. E« war lirrthrhens Kunst, das Herz <F»r Käufer fiir sich zu —'«enicn. Wie war denn 1' " ''i ti.' Nun. sie war freun i'Hi. Mi t das war a ich er im nalle. das fuiilte er, doch nicht iF sc 15 -/i-huna zu jedem Kaufenden. Bertlichen hatte dos» I!e n lere, freundlich und doch zurückhaitend. empfehlend und doch bescheiden zu sein. Sie bot dem Kunden nur das richtig Erscheinende an. Sie wahrte ihr und des Kunden Ilderesse. Vielleicht ging das ihre ein wenig voran. Das aber wulSte nur sie. „Ja", sagte Bessinger. ..meine Frau muß wohl zwei, drei Tage dem Geschäft fernbleiben." Dann räusperte er sieh und schaute sich um, ob kein Lehrmädchen in der Nahe wäre. Er fuhr fort: „ich glaube, sie wird mir heute einen Jungen schenken. Ich erwarte jeden Augenblick die Nachrieht." Als Frau Kuhlenkämpf sich nach dem Arzt erkundigte, fuhr Bessinger ein Sehrecken durch die Glieder. Er entschuldigte sich und sprang die Treppen hinauf. Das Geschäft nahm das untere Stockwerk in Anspruch. Vorläufig. Man sah schon, daß die Bäume nicht ausreichten. Ressinger hatte mit dem Bewohner der ersten E'.n.'i: verhandelt. Es fuhr ihm durch den Kopf, ich muß zum Abschluß kommen, bald, morgen. Dann trieben seine Gedanken wieder zu seiner Frau. Ein Arzt! Ein Arzt? Wie war es denn auf dem Lande? Oder wie war es in China Columbien und Mexiko? Brauchten die Frauen da Acrzte? Aber, der Herr behüte, wenn die Hebamme nicht genügte? Was weiß eine Hebamme? Ressitver fiihlle beschämt und beunruhigt seine Unkenntnis in diesor Branche. Ja, er wollte sofort, einen Arzt holen, zwei, tirei — nur sein Berlhclien —. Er stand vor tler Etagentür, da hörte er einen furchtbaren Schrei. Ressinger hielt sich kaum aufrecht. Er griff nach der Türklinke, um nicht umzusinken. Die Tür fiel zurück. Bessinger fiel nach. Er rief: ..Berlhclien, Berlhclien!" Aus seiner Kehle stürzte es hinaus wie ein Hilferuf nach Berlhclien. Aber Berlhclien antwortete nicht. Bessinger riß eine Türe auf. Es trat ihm die Hebamme entgegen, lächelnd, aber mit einem Achselzucken. „Herr Bessinger", sagte sie, „nur ein Mädchen". Bessinger rannte weiter. Er öffnete die Tür des Schlafzimmers. Da lag Berthchen in ihrem weißen Btdt, blaß, matt, aber ein Lächeln schwebte um ihre Züge. Und aus einer Ecke tönte plötzlich ein Quäken, das wohl aus einem Kindermund kam. Es war zu viel. Bessinger hielt sieh an einem Schrank, ehe er zu seiner Frau eilte. 2. KAPITEL. Bessinger überlegte. Eigentlich war die Geburt des Kindes eine Fehldisposition, die erste. Er wollte es nicht missen, h r Herr verzeihe. Gol! behüte, nein. Ks war da. Es war ein Wunder von einem Kind. Es war ein Mädchen, ja. Aber, vielleicht ist es auch so gut. Bessinger stellte nur fest, daß Bcrthchen nicht zwei, drei Tage dem Geschäft fern blieb, sondern sieben Tage. Und es waren gerade bewegte Tage. Er hatte die ersle Etage mieten können. Es hatte Opfer gekostet. Die Mensehen nützen alles aus. Er wäre dazu nicht fällig. Aber schließlich halle er dem Hausbesitzer den notwendigen Umbau aufhalsen können, unter Androhung der Kündigung. Allerdings mußte Bessinger für viele Jahre mieten. Aber wenn schon. Ist es gut, so ist es gut. Ist es nicht eut, so wird man sich schon verständigen. Die Kunden fragten nach Berthchen, schauten sich um nach Berlhclien. Wie würde das nur werden? Oben schreit das Kind und verlangt N.t'irung. Unten warten Kunden. Es war e'ne Fehldisposition. Und dann die Arl>eit im Haushalt. Berthchen hatte von Anfang an sich entschlossen, zehn auswärtige Angestellte, natürlich bekannte, verläßliche Herren und Damen, bei sieh in Pension zu nehmen. Es war keine Pension gemeinhin. Es war eine Gemeinschaft, Man bewohnte die zweite Etage, dieser Teil der Angeslelllen die dritte. Man aß Gemeinsam. Es war eine Fühlung da. die dem Geschäft zustatten kam. Wachst ein Kornfeld auf Sand? Der Boden muß da sein, der richtige Roden. So waren es nicht allein die Preise, die den Erfolg sicherten. Der Atem, der durch dieses Haus ging, war es. Mehr noch wurde gewonnen. Berthchen halte bemerkt: „Arnold, es kommt auf die Einteilung an. Wir werden umsonst essen und wohnen." Konnte man mehr verlangen? I msonst essen und wohnen? Und aller Verdienst blieb im Geschäft? Ilerrenslein würde aufschauen. Zurückzahlen? Jet;!0 Nein. Aber wachsen, ja. Das sollte Ilerrenslein sehen. Und die Arbeit oben? Man hatte eine Köchin. Selbstverständlich. Aber die Einleilung. die Abwicklung, das Programm, wer «orgle dafür? Nun, Berthchen. Bereichen erledigte das abends so leichthin in fünfzehn Minuten, alles, was zu sagen war. Sic lief auch am Tag in einer Geschäftspause mal für fünf Minuten nach oben. Es klappte, es ging. Berthchen war unten, war oben. Berthchen war da. Doch das mit dem Kind? Bessinger wolile sich nicht versündigen. Er dankte Gott. Aber es war eine LYhldisposilion. Nach drei Jahren wurde, das zweite Kind geboren. Es war wiederum ein Mädchen. Bessinger hütete sich, mit dem Allmächtigen oder gar tnil Rerthch.cn zu rechten. Aber er fühlte, es wurde ihm ein Unrecht zugefügt. Die Fehldisposilion Dg hier nicht bei ihm. Er schwieg. Er hatte auch andere Gedanken. Nie hätte er gedacht, «laß das Geschäft ein solcher Tvrann ist. Was hafte er schon? Arbeit. Was hatte Berthchen schon? Arbeit. Auch das zweite Stork werk genügte nicht mehr. Man mußle sich umschauen. Es kommt nur die llauplgeschäftsstraße in Frage, die Lange Straße, hatte er zu Berlhclien gesagt. Sie verständigten sich rasch. Berthchen verlangle, daß neue Abteilungen hinzukämen, Damenkonfektion, Parnenhütc und anderes. Es sollte ein Kaufhaus, ein richtiges Kaufhaus, ein großes Kaufhaus werden. War nicht Ilerrenslein diesen Weg gegangen? Ressinger erschrak. Er überlegle. Er berechnete. Er kalkulierte Tage und Nilchle. Unterrichtete sich hier und dort, fuhr zu Ilerrenslein, besprach und rechnet» und kalkulierte Tage und Nächte. Aber Rcrthch.cn kalkulierte nicht. Sie sagte mir: „Es wird ein Kaufhaus". Und es wurde ein Kaufhaus. Doch nicht gleich. Es mußte gesucht, umgebaut, vielleicht neu gebaut werden. Und diesmal wollte man nicht mieten, sondern kaufen. Ja, man war so weit. Hcrrenstem schluckte seine 3 % vom Umsatz. Die 3 wurde immer feister, immer dickbäuchiger, llerr 'iis'ein sprach nicht von Zun'icK''3"* lune Die dickhäiichiL'e 3 stand dazwischen. (Fortsetzung folg')