Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 24 (22.3.1935)
- Date
- 1935-03-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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J0D1SCHE RUNDSCHAU 4 t €5 M* *ä tt H 1* — "HS 1 51' NR. 24, 22. MAERZ 1935 KritikvJu"lE*dition Jüdische Wissenschaft in Italien Von Efraim Frisch Unsere Anteilnahme an einem Werk wissenschaftlichen Charakters über die Bibel oder ihre Teile wird um so größer sein, je mehr es von einem auf das Ganze und Wesentliche gerichteten synthetischen Geist getragen ist. In diesem Sinne verdient das kürzlich erschienene neue Werk A. S. Yahudas unter den mannigfaltigen Publikationen auf diesem Gebiet das Interesse eines breiteren jüdischen Leserkreises. Vor einigen Jahren (1929) erschien des gleichen Autors: „Die Sprache des Pen tat euch in ihren Beziehungen zum A e g y p t i s c h e n" als erster Teil seines grundlegenden Hauptwerkes (von dem auch eine erweiterte Ausgabe später jn englischer Sprache folgte), das eine neue Auffassung des Pentateuch, des biblischen Altertums und in hohem Maße auch der Religion Israels eingeleitet und allenthalben Aufsehen erregt hat. Jetzt hat Yahuda eine populärere, jedoch nicht minder wissenschaftliche Zusammenfassung seiner Thesen gleichsam für den bibeikundigen Laien, mit einem sehr interessanten illustrativen Material versehen, folgen lassen, unter dem Titel Jhe Accuracy o f t h e B i b I c — The stories of Joseph, llie Exodus and Genesis illustrated & confirmed by the Egyptiati monuments!V language" (London, William Heineman Ltd). Der Titel schon legt Sinn und Absicht des Buches klar: es handelt sich um die Wiederherstellung der Authentizität einiger ausgewählter Teile des biblischen Textes, auch als historischer Quelle. Doch Weg und Methode eröffnen ganz neue Einsichten in den vielfach behandelten Gegenstand. Durch mehr als ein halbes Jahrhundert hat die neuere historische Kritik das gesamte Gebiet der Bibelforschung beherrscht, mit dem Ergebnis, daß die Gelehrten die Anschauung übernahmen: die Bibel sei ein Produkt einer späten Zeit und die Joseph- und Exodus-Berichte, z. B., die sich mit der Zeit des Aufenthalts Israels in Aegypten befassen, seien das Werk von Autoren, die eine sehr mangelhafte Kenntnis Aegyptens und ägyptischer Verhältnisse besaßen. — Die assyrisch-babylonische Schule hat wohl viel Licht in manche Teile der Genesis gebracht, doch sind die Probleme der Komposition und des Alters des Pentateuch durch sie eher kompliziert als gelöst worden. Auch die Aegyptologie hat zur Erhellung und Aufklärung mancher Worte iind Stellen zwar ihren Teil beigetragen, doch halten führende Gelehrte auf diesem Gebiet noch immer daran fest, daß die Beziehung zwischen Bibel und Aegypten im Grunde so bedeutungslos ist, daß es nicht gerechtfertigt wäre, sie zum Ausgangspunkt zu nehmen oder gar die fortgeschrittenen Theorien der historischen Kritik durch sie zu revidieren. Yahuila nun tritt das Problem von einem ganz anderen, hauptsächlich sprachwissenschaftlichen Standpunkt an. Durch sein Studium der dem Hebräischen verwandten Sprachen kam er zu dem Schluß, daß das Aegyptische einen beträchtlichen Einfluß auf die Bildung und Entwicklung des Hebräischen als literarische Sprache gehabt hat, und hat festgestellt, daß die Zeit des Aufenthaltes Israels in Aegypten in der Tat die Entwicklungszeit par ecxellence einer hebräischen Kultur mit einer eigenen literarischen Sprache war. Welchen Umschwung diese Hypothese Yahudas bedeutet, kann nur ermessen werden, wenn man die Behandlung des Bibeltextes durch die historische Kritik dagegen hält. Deshalb bildet auch die Auseinandersetzung mit ihr einen wesentlichen und. wichtigen Teil des 'Büches. - - . Nach dieser wird der ganze Pentateuch als ein Sammelsurium verschiedenster Herkunft dargestellt. Zuweilen wird «in Kapitel auf zwei, ja drei verschiedene Quellen zurückgeführt. Manchmal werden in jeder einzelnen Quelle wieder zwei Unterströmungen entdeckt, so daß, im Lichte dieser Auffassung betrachtet, der Pentateuch als Ganzes den Eindruck eines von einfältigem Verfassern und unwissenden Schreibern ungeschickt zusammengesetzten Flickwerkes erweckt; kurz: eine in jeder Hinsicht formlose und unharmonische Komposition! Dem Unbefangenen mag sich wohl die Frage aufdrängen: wie erstaunlich, daß gerade dieses in den Tatsachen so unzuverlässige und äußerlich schlecht gemachte Buch dazu berufen war, der Lehrmeister einer neu aus der Antike aufsteigenden Menschheit, das Buch der Bücher zu werden. — Unter dem beherrschenden Einfluß dieser Kritik wurde es zum Prüfstein wissenschaftlicher Methode der Bibelforschung, jeden biblischen Bericht von vornherein in Zweifel zu ziehen. Ein besonders radikaler Standpunkt wurde in Beziehung auf die israelitische F r ü h z e i t, speziell auf die Geschichte der Patriarchen und die Zeit des Aufenthalts in Aegypten eingenommen. Wurde die erste mehr oder weniger als Legende behandelt, so galt diese durchaus als Produkt einer viel späteren Zeit, die kaum mehr als eine blasse und vage Erinnerung an die ferne Vergangenheit zurückbehalten, und die alle bekannten Episoden in der Absicht erfunden hatte, sehr späte (religiöse) Konzeptionen durch angeblich uralte Geschehnisse zu unterbauen, die nach Ansicht dieser Skeptiker sich überhaupt nicht ereignet haben. Leber die sonderbare Ausnahmebehandlung der historischen Texte lassen wir Yahuda selbst das Wort: „Wie im Falle der Josephsgeschichte wird auch die Geschichtlichkeit und Wahrheit der Exodus-Erzäh- •ung von den Bibelkritikern mit Unglauben behandelt, weil sich in ihr legendarische und mythische Details finden. Doch zugleich wird der historische Wert auch jener Teile bestritten, die auch nicht den geringsten mythischen Zug aufweisen. Die gleichen Gelehrten würden aber diese Methode auf nicht biblische Dokumente nicht anwenden und ihren historischen Wert nicht bezweifeln, wären sie noch so deutlich von mythischen Zügen durchsetzt____Unvoreingenommene Historiker der alten Zeit bilden sich in der Regel ihre Anschauungen auf Grund der Dokumente, welche die betreffen- ««i Völker seilst überliefern, und eben die in ihnen enthaltenen historischen Erinnerungen dienen im allgemeinen als Wesentliche Grundlage für die historische Rekonstruktion. ••■•Selbst in Fällen, wo nur Mythen und Legenden zugäng- "ch sind, ist man bemüht, in der mythischen Darstellung doi historischen Kern zu entdecken und die Tatsachen, die sie in der Hülle der Legende bergen. Nur wenn es sich um l"f Bibel handelt, beliebt es den Kritikern und ihren Adepten unter den Assyriologen und Aegyptologen ihre eigenen hypothetischen Theorien zugrunde zu legen und nur solchen Argumenten Geltung zuzusprechen, welche die deutliche Aussage ucr Bibel und ihren eigentlichen Sinn bringen." Yahuda hat nicht etwa die Absicht, der zur Geltung gelangten pan-babylonischen Hypothese eine pan-ägyptische entpSt'nzusetzen, sondern dem Anteil ägyptischer Kultur, Lebensform und Sprache auf die Ausbildung des literarischen Stils öes Hebräischen nachzuweisen, das nach dem Auszug aus pfgypten zu jenem großen Stil erwachsen ist, wie er in jenen ."Zählungen sich entfaltet, und auf diese vernachlässigte Seite!n <%.r Forschung nachdrücklichst hinzuweisen. Wer mit der Jjf'hräischen Sprache vertraut ist, dem wird der Nachweis der le!cr» ägyptischen Lehnwörter in den betreffenden Kapiteln "wiche Dunkelheit aufhellen und manche Zusammenhänge crscnltelien. Noch unmittelbarer wird der Leser die Wichtigkeit Yahudas Entdeckung empfinden, wenn er den Einfluß l?1} ägyptischen Sitten und Gewohnheiten betrachtet, wie sie «cn in diesen Erzählungen widerspiegeln. Vorn Anfang &* 1. Umberto Cassuto, Prof. ordinario nella R. Universitä di Roma, La Questionc della Cenesi. 2. David Diringer, Le Iscrizione antico-ebraiche Palestinensi, Pubblicazioni della R. Univ. degli Studi di Färenze, Faccoltä di Lettere e Filosofia. III. Serie. Volume I: XIV, 429p., 60 Lire. Volume II: XVIII, 36I p., 30 Tavole, 80 Lire. — F i r e n z e, F e l i c e Le Monnier, 1931. Ein Ruhmesblatt bleibt dem emanzipierten deutschen Judentum der letzten 1Ö0 Jahre über die Zeiten hinweg. Das ist die . Begründung und nachhaltige Förderung einer eigenen „Wissenschaft vom Judentum", die ihre Blüte durch zwei Menschcnalter, etwa 1830 -1890, erlebte. Von Deutschland strahlten in der Folgezeit die judaistischen und hebräischen Studien auf andere Länder aus, die heute auf diesem Gebiet uns längst eingeholt haben. Der junge üffenburger Rabbiner Dr. Siegfried U c k o ist jüngst in einer stoffreichen, mit neuen Urkunden belegten Untersuchung den geistesgeschichtlichen Grundlagen der Wissenschaft des Judentums (in der „Zeitschr. f. d. Geschichte der Juden in Deutschland", Jahrg. V, Nr. 1) gründlich nachgegangen und hat die gesamten Voraussetzungen dieser damals beginnenden deutschjüdischen Wissenschaftsblüte bloßgelegt. Vor Deutschland hat einmal auf andere Art die italienische Judenlieit ein Rinascimento der jüdischen Gelehrsamkeit im 16. und 17. Jahrhundert erlebt. Heute ist trotz der geringen jüdischen Bevölkerung in Italien, die dort auch unter dem Faschismus ein gesichertes Leben führt und hohes Ansehen genießt, ein erfreuliches Wiedererwachen der jüdischen Wissenschaft unter Führung von Umberto Cassuto zu beobachten. Das „Colleggio Rabbinico" in Florenz ist die Hauptpflanzstätte der italienischen gelehrten Arbeiten geworden. Italien ist im Begriffe, mit England und den Vereinigten Staaten das deutsch-jüdische Erbe, mit westlichen Methoden jüdische Wissenschaft zu treiben und in ausgereiften Veröffentlichungen zu fördern, mit Tatkraft anzutreten. Ein Zeugnis dafür bieten die beiden stattlichen Bände, welche die sprach- und literaturwissensehaftliche Fakultät der Universität Florenz in ihrer Publikationsreihe soeben herausgibt: eine glänzende, zusammenfassende Darstellung der Entstehung und Zusammensetzung des ersten Buches Mose nach dem Stand der neuesten Forschung von Professor Cassuto selbst und ein Werk seines Schülers David Diringer, der archäologische und philologische Ertrag langjähriger Studien und Reisen über die alt-hebräischen Inschriften in Palästina. In beiden Fällen handelt es sich um selbständige wissenschaftliche Leistungen, die nach historisch-philologischer Methode des Westens ihren Stoff bewältigen und im Ergebnis wie nach der Matcriaidurchdringung mit den berühmtesten deutschen Werken auf dem Gebiet der alttestamentlichcn Wissenschaft und Epigraphik wetteifern können. Beide Werke sind auch am Maßstab unserer deutschen Universitätswissenschaften Forschungsleistungen hohen Ranges. Cassuto gibt in fünf großen Abschnitten eine Gesamtrevision der herkömmlichen, meist auf den evangelisch-theologischen Kathedern gelehrten wissenschaftlichen Auffassung über die' Entstehung und -Zusammensetzung der 50 Kapitel der Genesis. Ohne unfruchtbare Polemik gegen die protestantische Bibelkritik, vor allem unter wohltuender Fernhaltung homiletischer und moralisierender Einwände und Beweisführungen, bespricht er maßvoll und gründlich den Ausgangspunkt der Bibelkritik: Gebrauch der verschiedenen Gottesnamen und Bezeichnungen für die Gottheit im 1. Buch Mose. Er gibt eine eigene Monographie der Gottesbezeichnungen im alt-israelitischen Schrifttum im allgemeinen und im 1. Buch Mose im besonderen. Er lehnt den verschiedenen Gebrauch des Gottesnamen als Grund für die Annahme eigener Quellenschriften ab und zeigt den sprachlichen Eigenwert der Zeichen „Ihwh" und Elohim sowie der anderen Ausdrücke für die Gottheit auch außerhalb der Genesis; die Beweggründe des wechselseitigen Gebrauchs werden klargelegt, die bisherige, meist vernachlässigte altjüdische Exegese ist in erfreulicher Weise herangezogen. Die Dubletten frage behandelt Cassuto systematisch in einem eigenen (vierten) Kapitel. Cassuto enthält sich der Vermutungen und Konstruktionen: er untersucht die Parallelsteilen, unbeirrt von der einen oder anderen (extremen bzw. konservativen) Richtung, völlig selbständig und kommt nach dem Vorgang jüdischer und auch katholischer Autoren (z. B. Allgeier, lieber Doppelberichte in der Genesis, 1911), namentlich aus dem Geist der altjüdischen Erzählweise, deren Ausläufer wir noch im Midrasch vor uns haben, zur Feststellung einer einheitlichen Abfassung der ersten 50 Kapitel der Bibel, zum mindesten eines ordnenden und die verschiedenartigen Traditionsfäden harmonisierenden Einheitswillens. Dem Sprach- und Stüvvechsel (II. Kapitell, den angeblichen Widersprüchen der Sachdarstcllung und der „Höhenlage" (III. Kapitel) sowie der Sonderfrage des Tcxtzusaminenhangcs, den nach der kritischen Schule aus Mosaik-Stücken verschiedener Herkunft bestehenden „zusammengesetzten" Texten sind eigene minutiöse Untersuchungen gewidmet, die den neuesten Stand der modernen Forschung, immer unter Heranziehung der jüdischen Auslegung, ohne Temperamentsäußerungen und Schulmeistereien wiedergeben. Cassuto kommt im ganzen zu einer konservativen, die Texteinheit kräftig bejahenden Beurteilung der Genesis; er weicht dabei keine Hand breit von der rein wissenschaftlichen, vom Offenbarungscharakter der Heiligen Schriften absehenden Betrachtungsweise ab. Das Werk des italienischen Gelehrten fügt den zahlreichen alttestamentlichcn Arbeiten evangelisch-theologischer Prägung, deren hohe Verdienste im übrigen ohne Nebenhiebe oder sonstige Ressentiments rückhaltlos anerkannt werden, nicht etwa eine neue Spezialarbeit im gleichen Geist hinzu, sondern ist nach Anlage und Gesamtauffassuiig bei intimer Vertrautheit mit dem alttcstamcntlichen, hauptsächlich deutschen Schrifttum souverän und selbständig. Es fördert die Gesamtwissenschaft, die ihrem Wesen nach keine nationalen Grenzen haben kann. Daß ein jüdischer Gelehrter der Verfasser ist, kommt dem Ganzen unbestreitbar zustatten. Ein schweres Thema hat sich der Schüler Cassutos, David D i r i n g e r, gewählt, der in der gleichen von der Universität Florenz herausgegebenen Publikationenreihe ein neues Werk über die a 11 - i's r a e I i t i s c h c n Inschriften bietet. Aut diesem Gebiet hat die deutsche Forschung mit ihrer unübertroffenen indogermanistischen und altphilologischen Schulung Hervorragendes geleistet. Wo, wie bei Lid zbarski, dem später getauften Jesdiiwah-Jünger, die beste östliche und westliche Verstandcsbildung des IQ. Jahrhunderts sich in einem glänzend begabten Kopf vereinigte, waren in der Hochblüte deutscher Wissenschaft noch heute nicht annähernd erreichte pliilo'ogLsch-atcliäoIogisclic Musterlcistungcn zustande gekommen wie das „Handbuch der nordsemitischen Epigraphik" (1898) und die drei staunenswerten Bände des gleichen Verfassers „Epliemcris für semitische Epigraphik" (1900-1912). in Sellin, Peter Tliomseii, Carl Watzinger hat die palästinensische Archäologie in der Folgezeit geschulte und scharfsinnige Vertreter in Deutschland gefunden. Auch die englisch-amerikanische Wissenschaft hat Vorzügliches geleistet: der Name Albright sei hier für viele andere genannt. William Foxweil Albright, von 1910.....1929 Direktor der American School of Oriental Research in Jerusalem, jetzt als Nachfolger von Paul Haupt Professor an der John Hopkins-Universität in Baltimore, hat vor kurzem in einer programmatischen größeren Arbeit (The Arcliaeologv of Palesiine and the Bible; New York 1932) außer einem anschaulichen Bericht seiner eigenen Grabungen auf dem im Süden Palästinas gelegenen teil beit mirsim eine Schilderung der Palästinaforschung" von ihren Anfängen bis heute mit einer Reihe von Beispielen gegeben. (Hier wäre auch das hervorragende Werk von J." Garsfang „Joshua und Judges", London 1931 zu erwähnen A. d. R.) Diringers Inschriften- Werk ist auch nach diesen Darstellungen eine respektable Leistung; es will kein Corpus Inseriptionum Semiticarum ersetzen, bietet aber einen umfassenden, solid und selbständig erarbeiteten Ueberblick über den bisherigen Stoff unter Beiziehung aller quellenmäßigen und literarischen Hilfsmittel mit einem sehr reichen Bikicrmaterial. Der besondere wissenschaftliche Wert der Arbeit liegt in den Einzeluntereucbungen zu älteren gut bekanntem althcbräischem Inschriften, die hier mif neuen Ergebnissen durch eigene Einsicht in das Urmaterial und unverdrossene Revidierung der bisherigen Deutungen neu erschlossen werden. So wird etwa die oft beschriebene Schrift aut der in Gezer 1908 ausgegrabenen Kalksteintafel (aus dem 9. Jahrhundert), wo für die Monate Oktober bis Juli die palästinensische Saat- und Ernte-Arbeit verzeichnet ist, nach einem Besuch und einer gründlichen Autopsie im Museum in Konstantinopel systematisch neu untersucht. Dasselbe geschieht mit der 18S9 gefundenen Siloah-Irischrift, die das Ereignis der Kanaldurchstoßung bei Jerusalem aus dem 7. vorchristlichen Jahrhundert, zur Zeit Hiskias, aufzeichnet. Der Herausgeber behandelt vor allem die kleineren Eiuzelfunde, darunter die Tonscherben mit ihren schwer zu entziffernden fragmentarischen Schriftresten und die Amphoren-Stempel, ferner Siegel, Zeichen auf Maßen und Gewichten usw. In der minutiösen Svstematisicrung der Funde und der erschöpfenden Erklärung aller Schrift- und Relief-Elemente wird Diringer von der bisherigen Inschriftforsclumg nicht übertroffen. Diringer durfte sich bei seinen Arbeiten der Unterstützung der wissenschaftlichen Einrichtungen alier Länder erfreuen. Besondere Gastfreundschaft hat er au der Hebräischen Universität in Jerusalem gefunden, wo er von Kanzler Dr. Magnes, den Professoren Bergmann, Klausner, Sukenik, Mayer und anderen in seinen Arbeiten wesentlich gefordert wurde. So besitzen wir in dem neuen italienischen Inschriftenwerk eine hervorragende Einführung in das umfassende Gebiet der althebräischen Inschriftenkunde. Gemeinsam mit Cassutos Bibehverk gibt es Zeugnis von dem Aufschwung italienisch-jüdischer Gelehrsamkeit, die damit den Spuren ihrer großen Vorgänger verheißungsvoll folgt. Dr. L u d w ig F e u c h t w a n g e r, München. Auftritts Josephs in Aegypten bis zum Ende des Auszuges (Gen. 39 - Exod. 15) entfaltet sich für ihn in diesem Licht und an der Hand des interessanten illustrativen Materials ein unbefangen lebendiges Bild ägyptischen Lebens auf allen Gebieten, von dem sich das Eigenleben des israelitischen Volkes eigenwillig und scharf abhebt. Von vielen mag hier ein Beispie] schlagender Art von Yahudas überzeugender Erklärungsweisc angeführt sein. Aus der Tatsache, daß im Bibeltext die Gottheit teils als teils als Elohim bezeichnet wird, hat die Kritik auf verschiedene Verfasser schließen zu müssen gemeint, von denen einer Polytheist gewesen sei. Die unsinnige Konsequenz, daß der spätere, in einer ausgesprochen monotheistischen Zeit lebende Kompilator der Texte so Kompromittierendes hätte stehen lassen sollen, störte die Kritik offenbar nicht im geringsten. Nun zeigt Yahuda, daß dieser Plural Elohim nichts als eine sprachliche Adaptierung des ägyptischen Duals „netru" ist, die kollektive Bezeichnung für die Gottheit. Durch den langen Aufenthalt in Aegypten war im israelitischen Volk die Vorstellung von der Gottheit sprachlich mit diesem Plural verwurzelt. Darum mußte der die Einheit Gottes stets nachdrücklich betonende, nie anders als monotheistische Verfasser immer wieder daran erinnern: OVrVxn Klfl "T— Ein Ausspruch, den wir vielfach finden und der den Erklärern unüberwindliche Schwierigkeiten bot. Mit den durch Yahuda gewonnenen Einsichten fällt aber auch die Hypothese von der späten, weit in die Exilzeit gesetzten Entstellung dieser Teile des Pentateuch. Vielmehr erweist Yahuda sowohl die Zeit des Aufenthaltes als auch die Zeit des Auszuges, wie sie überliefert sind, als authentisch und historisch. Es ist Sache der kompetenten Bibelkritiker und Philologen, sich mit dem Thesen Yahudas auseinanderzusetzen. Gleichviel — sein Buch spricht den Bibelleser, zumal den mit der biblischen Welt vertrauten und des Hebräischen kundigen Juden, unmittelbar und überzeugend an. Es gewinnt ihn durch seine klare und einfache Diktion, durch seine bei aller Gelehrtheit nirgends rabulistische Beweisführung und durch die Fülle dokumentarischen Materials. Vor allem dadurch, daß der traditionelle Text in seiner unnachahmlichen großen epischen Gewalt, ungebrochen waltet und wirkt. Wenn wir die Wahl haben zwischen einer Hypothese, die offenkundigen oder feststellbaren Tatsachen erst Zwang antun oder sie anzweifeln muß, und einer, die sie zum großen Teil bestätigen und ihren Zusammenhang darzutun vermag, so werden wir mit Recht der letzteren zuneigen. Doch was sind hier Tatsachen? — Darauf läßt sich nur antworten: das Verhältnis der Wissenschaft zum ganzen Komplex des religiösen Lebens ist im Laufe unserer Zeit von der allgemeinen geistigen Krisis nicht verschont geblieben. Es herrscht hier eine Zweideutigkeit, die nicht genügend beachtet wird. Zwar rationalistische Erklärungen religiöser Inhalte werden kaum noch ernsthaft versucht, doch eben mit der Bezeichnung „mythisch" otler „legendär" wird eine Art Distanz zum religiösen Erlebnis zu schaffen versucht, weniger wohl aus Respekt, als aus Verlegenheit, oder aus beiden gemischt, wodurch dem kritischen Bedürfnis sein Gebiet immerhin gewahrt bleiben soll, in Wahrheit aber arbeitet der ganze historisch kritische Apparat der Religionsgeschichte im Leerlauf, wenn er sich, wie es mit wenigen Ausnahmen der Fall ist, zum Mythischen und Legendären, d. h. zu den eigentlichen Inhalten des Religiösen kühl, indifferent oder, wie man heute gern sagt, agnostisch verhält (schlimmer noch, wenn sich moderne psychologische Theorien bemühen oder ein im Nebel ^^mm jp mmjjmmmM