Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1935)
- Date
- 1935-03-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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"!l«.4jm g—| Nr. 23, 19. III. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seffe 7 Volksspiele zu Purim Die Volks- und Purimspiele, wie wir sie als eine feststehende Tradition im 18. Jahrhundert bereits vorfinden und die in den Tagen der jüdischen Fastnacht (wie das Purimfest zuweilen genannt worden ist) aufgeführt wurden, haben eine lange, theaterwie kulturgeschichtlich interessante Entwicklung hinter sich. Ihren Anfang haben wir zweifelsohne in das späte Mittelalter, in die Zeit der primitiven Volksdramatik, der Mirakel- und Allegoriespiele der nichtjüdischen Umwelt zu verlegen. Berufsmäßige jüdische Schauspieler, die in den Ghcttis Fröhlichkeit und Geselligkeit verbreiteten, haben wir schon in den ersten Lezim, den Spaßmachern, analog den nichtjüdischen historiones oder iocu- Jatores, zu erblicken. Das Hauptkontingent dieser Lezim bildeten die wandernden Jünger der verschiedenen, damals im hohen Ansehen stehenden Lehrslätten, die Jeschiwa- Bachurim, denen sich Sänger, Musikanten, Possenreißer, Jongleure usw. anschlössen und die in organisierten Wanderfrupps durch jüdische Siedlungen und Städte zogen, um bei verschiedenen Fest- und sonstigen Anlässen mit ihrem Repertoire öffentlich aufzutreten. Daneben waren auch noch oft organisierte Gruppen von Fraucn-Lezim, von sogen. S-ielweibern tätig. Das Repertoire dieser Künstler bestand in älterer Zeit, analog den Mustern der frühen provenzalischen und deutschen Spielmann-Troubadouren, aus „Gesagt und Gesungenem", d. n. aus Monologen komischen und satirischen Inhalts, aus Parodien, Spottliedern, gereimten Versen u. a. Auch wurden Rätsel und Lieder usw. vorgetragen. Sie entfesselten bei der Volksmenge wahren Jubel und ernteten viel Beifall. Besonders hoch und lustig ging es während des Purim- Mahls her, das man bei reich gedeckten Tischen im Kreise der Familie und geladener Gäste einnahm. Ein nichtjüdischer Kulturhistoriker des 18. Jahrhunderts, Johannes Bodenschatz, weiß hierüber in seiner Schrift „Die kirchliche Verfassung der heutigen Juden" (Erlangen 1748, I S. 256) folgendes zu berichten: Die Mahlzeit beginnt noch am Tage und hält an bis in die späte Nacht hinein. „Dabei haben sie (die Juden) denn die Gewohnheit, daß sie sich vermaskieren und in allerlei närrischen Trachten verkleiden, In Häusern herumlaufen und die Historie Esther oder auch sonst allerhand lustige Historien vorstellen und ordentliche Komödien spielen." Neben allerlei Scherz und Ulk wurde in älterer Zeit die fröhliche Stimmung bei den Gästen noch durch sogenanntes „Singen und Pfeifen", durch Spiel und Tanz, wobei die Darsteller kostümiert waren, erhöht. Die Texte wurden zuweilen nach der Melodie des damals sehr populären satirischen Volksliedes „Pomcy, Pomey ihr Polen!" gesungen. Es wurden bei solchen Anlässen sogenannte Singspiele aufgeführt, die von Witz und Humor getragen waren. Diese Singspiele setzten sich, in Anlehnung an die bekannte Form der christlichen Narrenfeste, zum Teil aus Gesang und zum Teil aus Tanz zusammen, wobei der Hauptträger der Attraktion die Jeschiwa-Bachurim mit einem von ihnen erwählten Purim-König oder Purim-Raw waren. Das primitive jüdische Theater der deutschen und slawischen Ghetti verfügte über eine hübsche Anzahl von Volks¬ und Schauspielen, Farcen, Heiligen- und Lustspielen, die zum Teil in den deutschen Mysterien- und Mirakel-Spielen, zum Teil aber in den ältesten deutschen Lustspielen, in den Neidhart-, Teufel- und Fastnaehtspielen ihr Vorbild und ihre Verankerung hatten. Auch die jüdische Narrendichtung des 16. Jahrhunderts war mannigfach und vielgestaltig. Spuren dieser Dichtungsgattung sind uns vor allem in der Sammlung überliefert, die der Wormser „Narr" Eisik Walich (16. Jahrhundert) angelegt hat: zahlreiche Purim- und andere Narrenlieder und Texte, die im Ghetto besondere Popularität genossen. In einem der Purimlieder haben wir es sicherlich mit einem Rest einer alten Purim-Posse zu tun, die in ihrem Aufbau und Charakter dem Repertoire der Fastnachtspiele sehr nahe kommt. Eine zweite Purim-Posse ist uns in dem Spiel „von Taub Jäcklein", das Walich um 1598 aufgezeichnet hat, erhalten. Das Repertoire an Purim- und sonstigen Volksspielen des 17. Jahrhunderts steht ganz unter dem Einfluß der englischen und italienischen Komödiantenstücke. Es macht sich jetzt der Geist der italienischen comedia dell' arte und des englischen clown besonders geltend. Der Narr der vorangegangenen Zeit macht jetzt dem Arlckino Platz, dem Hanswurst und dem Pickelhäring. Es tauchen biblische Singspiele und sogen. Aktionen auf, wie z. B. die „Aktion von Achaschwerosch und Ester", die als ernste Komödie im Stil der englischen „chronica! histories" gehalten ist. Den Höhepunkt ihrer Entwicklung und Blüte erreicht die jüdische Komödiantenkunst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die jüdischen „Hanswurste" und „Pickclhäringc" organisieren jetzt, nach dem Vorbild der englisch-italienischen wie der deutschen Wandertruppe, ein eigenes jüdisches Wandertheater, dessen Repertoire hauptsächlich aus Purimspielen besteht und dessen Spielzeit um Purim gewöhnlich 4 Wochen gedauert hat. Ueber diese Aufführungen berichtet Johannes Schudt in seinen „Jüdischen Merkwürdigkeiten" (VI. Buch, S. 30S) aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts in Frankfurt am Main folgendermaßen: Sie haben „ein paar Jahr vor dem Brand (es handelt sich um den bekannten Brand im Frankfurter Ohctto im Jahre 1711) auf ihrem Purim allhier im Hauss zur weißen oder silbernen Kand ... in ihrer Gasse ein Theatrum aufgeschlagen und eine Comoedie von der Verkaufung Josephs gespielt, und die bey dergleichen Schau- Spielen gewöhnliche machinen verfertiget, in Verkleidung allerhand Auffziige vorgestellet, auch so gar einen Pickelhäring in lächerlicher bundfarbiger Kleidung dabey ..." Das Theater hatte in Frankfurt außerordentlichen Erfolg und, wie Schudt versichert, den stärksten Andrang aufzuweisen (es kamen auch Christen als Zuschauer) und „umb den großen Zulauf abzuhalten", haben die Juden zwei Soldaten vor die Tür des Hauses, in dem gespielt wurde, gestellt. Die Wandertruppe, die unter Leitung von Bcermann aus Limburg, einem hessischen Juden, stand, setzte sich aus Hamburger und Präger Jcschiwa-Bachurim zusammen, die abwechselnd die Komödie „David und Goliath" und die „Verkantung Josefs" gespielt haben. Diese Truppe trat auch in Metz und in anderen Städten auf. Um 1720 begegnet uns ein Purim-Theater in Prag. Dort führen die Jeschiwa-Bachurim des berühmten Rabbiner David Oppenheim ein Puriinstück unter dem Titel „Akta Ester mit Achaschwerosch" auf. Das 18. Jahrhundert weist noch neben den erwähnten jiddischen Komödien und Singspielen ein eigentliches „Achaschwerosch-Spiel" auf, eine Dramatisierung des Esterstoffes. In diesem Zusammenhang darf vielleicht noch betont werden, daß Dramatisierungen des Esterstoffes in der nichtjüdischen Welt bereits am Ausgange des Mittelalters erfolgt sind. Im 15. Jahrhundert wurde in England das Drama von Achaschwerosch und Ester aufgeführt. Sehr beliebt war auch der Esterstoff bei den Dramatikern des 16. Jahrhunderts, die ihn zumeist zur Stellungnahme zu aktuellen Zeitfragen benutzt haben. Es ist nicht uninteressant, daß z. B. das Reformationsdrama in Hanian den Vertreter des Judentums, in Mordechai dagegen Christus sah. Es geht oft sogar so weit, daß mit Mordechai die Protestanten, mit Haman die Katholiken und mit Achaschwerosch die Fürsten, die den Protestantismus fördern, identifiziert werden. Das bekannte jiddische Achaschwerosch-Spiel ist aber nicht auf dem Boden des deutschen Dramas entstanden, sondern es steht unter dem Einfluß des englischen Komödianten-Repertoires. Nur so ist zu verstehen, weshalb die Rolle eines Clowns, eines witzigen Possenreißers, dem allerlei derbe Worte in den Mund gelegt werden, in das Spiel eingeschaltet wurde; so verlangte es der Stil der Komödie, deren Hauptattraktion der Spaßmacher mit seinen Witzen und akrobatischen Kunststücken war. Merkwürdig ist nur, daß diese Rolle hier dem Mordechai zugedacht worden ist, wogegen natürlich die Alten im Ghetto Sturm gelaufen sind. Zum Schluß soll noch hervorgehoben werden, daß die in Frankfurt so erfolgreich aufgeführten Komödien: „David und Goliath" und „Die Verkantung Josefs", die sich eng an die biblischen Vorwürfe anschließen und zur Ausschmückung der Handlung, wie übrigens die anderen Stücke auch, die Midraseh- und Agadageschichten heranziehen, daß also diese Komödien zur Gattung der Schuldramen gehören, die in der deutschen Literatur des 17. Jahrhunderts von Opitz über Caspar Lohenstein zu Christian Weise führen. Man wollte den üblichen Komödiantenstücken damit entgegenwirken, aber man verließ doch nicht ganz ihren Rahmen. Um auch hier den Effekt zu erzielen, läßt der Verfasser z. B. in der „Verkantung Josefs" einen Komiker- Typus, einen Pickelhäring auftreten. Hier in der Rolle des Beraters und Dieners des Potiphar. Ein kurzer Rückblick auf die literarische Produktion jener fernen Zeit soll uns nicht dazu verleiten, diese Dinge allzu ästhetisch zu werten, sondern sie müssen in den Rahmen einer kultur- und geistesgeschichtlichen Betrachtung einbezogen und als Ausdruck jüdischen Lebenswillens und jüdischer Eigenart beurteilt werden. Auch das Ghetto stand nie still. (Es ist unsinnig, noch heute soviel von einer Verkapselung des Ghettos zu sprechen.) Der jüdische Geist hat auch da, wenn auch im beschränkten und beengten Raum, seine Aufgabe erfüllt. Die letzten Aufführungen der Purimspiele in den deutschen Ghetti hören mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts aut. Zuweilen werden nur Teile der Stücke gegeben. Die Spiele, die noch über ein Jahrhundert im Osten Europas erhalten bleiben, verwandeln sich im Westen in Purimlieder, die den Charakter langer Bänkel-Gesänge haben. Aber bald verschwinden sie auch in dieser Form gänzlich und sind heute nur noch als Kuriosität und Rarität von wissenschaftlichem Wert für den Sammler und Forscher. Dr. J. Meitlis, Berlin Auf Elefantenjagd Es war im Sommer 191$, als sich mir unerwartet Gelfr» genheit bot, an einer Jagd auf Elefanten teilzunehmen. Wir lagen im Vorort einer größeren Stadt der Ukraine, als eines Morgens Jossef, der jüdische Spc/creihändler, furchtbar aufgereiht in unsere Ortskommandantur stürmte. „Man hat mir Elefanten gestohlen", so wehklagte, ja so schrie herzerweichend das kleine Männlein, dem sich sofort ob seiner ganz außergewöhnlichen Erregung die Teilnahme aller zuwandte. Wir standen vor einem Rätsel. Wir kannten Jossef als einen ruhigen, bedächtigen, in seinem kleinen Kramladen mit Umsicht schaltenden Mann, bei dem wir gern unsere bescheidenen Einkäufe besorgten. Und nun seine Wahnidee, man habe ihm Elefanten gestohlen! Als ob es in der Ukraine Elefanten gäbe! Und hatte man je auch nur eine Spur seiner Dickhäuter gesehen? War es möglich, einen ausgewachsenen Elefanten oder g;ir mehrere dieser Spezies unseren Blicken seit Wochen zu entziehen? Jedoch, nichts, rein gar nichts war aus dem bedauernswerten Mann herauszubekommen. „Man hat mir gestohlen Elefanten" (in seiner ostjüdischen Mundart klang es wie „Alefanten"), das war der Text und der ewige Refrain seiner Klage. Ich versuchte es mit gütlichem Zureden, ich hoffte, ihm in seiner Sprache beizukommen. „Reh Jid, Reb Jossef" sprach ich ihn beschwichtigend an, ich packte alle meine Kenntnisse der jiddischen Sprache aus, den guten Mann zu beruhigen und ihn von der Unmöglichkeit seines Verlangens abzubringen, Recherchen nach seinen Elefanten anzustellen, an die ein gesunder Menschenverstand nicht zu glauben vermöge. Es half alles nichts. „Man hat mir gestohlen Alefanten". So mußte denn zur Tat geschritten werden, und also wurde ein sofortiger Lokaltermin angeordnet. Ich wurde als Dolmetscher dazu abkommandiert. Mir war, ich gestehe es, dabei doch etwas eigenartig zumute. Es ist nicht jedermanns Sache, so unvorbereitet an einer solchen doch immerhin nicht ganz gefahrlosen Expedition teilnehmen zu müssen. Vielleicht, so ging es mir durch den Kopf, waren die gestohlenen Elefanten in Wirklichkeit ausgebrochen. Und wild gewordene Elefanten w ieder einzufangen ... nun sollten auf einmal die als Knabe so gern gelesenen Jagdabenteuer zur Wirklichkeit werden. Ich dachte au d e Meinen daheim. Jossef lief mit seinen kurzen Beinen cor uns her, der Atem verschlug ihm das Sprechen. Wir, sechs Mann mit geladenen Gewehren, folgten ihm bis vor sein Haus. „Kommt herein", jappte er nach Luft, derweilen nun auch seine Frau händeringend „Alefanten, Alefanten" wehklagte. Unvergeßlich dieses Bild der Verzweiflung. Noch einmal versuchte ich, den Leuten ihren Wahn vor Augen zu führen. Was denn unser Verweilen in ihrem Hause solle? Es sei ja viel niedriger und kleiner als ein Elefant, unmöglich, daß die Tiere da drinnen gestohlen sein könnten. Aber „geht arcin", drängte uns Jossef durch die Tür, führte uns durch das Lädchen und das anschließende Stfibcheh und hieß uns da hinten eine kleine Stiege in den freiliegenden Hof hinabsteigen. Inmitten des geräumigen Hofes gab es einen Wassertümpel, und inmitten dieses Wässerchens sahen wir ein Entlein friedlich seine Bahnen ziehen. „Seht", triumphierte Jossef, und seine Stimme überschlug sich, „zwelef Anten (zwölf Enten) hab ich gehabt. Ane Ante (eine Ente) ist da. Hat man mir gestohlen alef Anten (elf Enten)!" Unsere Expedition war von Erfolg gekrönt. Der Dieb war schnell ausfindig gemacht in der Person eines in der Gegend übel beleumundeten Vagabunden, und schon nach wenigen Stunden konnten sich der überglückliche Jossef und seine Frau ihrer munter schnatternden Elefanten wieder erlreuen. Emil David LEIPZIG PURIMFEIER Danatag, den 19, März, 20,30 Uhr KUnatlarhaua, am Niki.chplulz unlar güilaar Mitwirkung von Frau Beatrice Waghalter r judisch» Liedar) Koniertmelater Leo Schwarz (Vlotint) Dr. Salli Rablnowitsch (JUdiache Rtiitati nan) Am Ftttgal: Kapellmeister Alfred Simon Qaaalllgaa Balaammanaeln « Eintritt RM -.50 bis 1. - ZIONISTISCHE VEREINIGUNG LEIPZIG 3 «k Saat <r n 5 Wie gestalte Ich den Schabbat? Für Schabbat, £3. Man Wochenabschnitt „Zaw" (III. B. M. 6, 1 — 8, 36) Der Wodienabschititt behandelt in seinem ersten Teil die Sinai-Opfergesetze und im zweiten Teil die Einführung des Priestertums. Zu I. „Das Buch Leviticus" von Prof. Dr. D. Hoffmann bringt (S. 79) eine umfassende Zusammenstellung der Ansichten, die über die Bedeutung der Opfer geäußert wurden. Man beachte in diesem Zusammenhang insbesondere Maimonides March Nebuchim III, 26; 32 u. 46 (Deutsch von A. Weiß sm Verlag Felix Meiner) und Naehmanides (Ramban) Kommentar zu III. B. M. 1, 9. Den letzteren Kommentar sollte man unbedingt an Hand des Textes behandeln. Er ist außerordentlich interessant und von grundlegender Bedeutung. Zu II. Siehe gleichfalls „Das Buch Leviticus" (S. 271-273). Hoflniann unternimmt es hier, den Nachweis ru führen, daß der biblischen Auffassung von der Entstehung des Priestertums gegenüber allen anderen der Vorzug gebührt. . III. Dieser Schabbat führt den Beinamen „Parschat Para", Weil zu ihm neben dem Wochenabschnitt das Kapitel von der »Roten Kuh« (IV. B. M. Kap. 19, 1-22) gehört. Man liest dieses zu dieser Zeit zur Erinnerung daran, daß früher die •m kultischen Sinne Unreinen vor PeBach mit der Asche der »erbrannten „Roten Kuh" besprengt wurden, um das Peßach- Oufer in Reinheit darbringen zu können. Ueber die Bedeutung der „Roten Kuh" siehe „J. R." Nr. 20, 1934 und Raschi w IV. B. M. Kap. 19, 2 und 22. Außerdem S. R. Hirsch zur Bleichen Stelle. IV. Als Haftara wird Jecheskel, Kap. 36, 16—38 gelesen. u«ber die grundlegende Bedeutung dieser Haftara gerade für **ere Zeit siehe „J. R." Nr. 20 d. J. 1934, Man lese sie in der Uebersetzung von Buber-Rosenzweig und bespreche sie eingehend. V. Wir möchten euch ausdrücklich auf das neue Schocken- Bändchen von Dr. M. Zobel „Der Sabbat" hinweisen, das jede Gruppe besitzen sollte. Wir kommen noch auf dieses Buch zurück. Psalm 107 E. Geschichte der jüdischen Menschen Jochanan ben Sakkal Methode der Darstellung. Die typischen Tracer der jüdischen Geschichte waren seit dem Verfall des Reiches weder Könige noch Priester, sondern Gelehrte. Das hängt nicht nur mit dem allmählichen Verschwinden der realen Machtsphäre und der Zerstörung des Tempels zusammen, sondern auch mit dem großen Werk Esras, das ein lehrbares und deutbares Judentum gründete. So entstanden die großen Geschlechter der Gelehrten. Ihre Behandlung setzt allerdings viel voraus. Man muß erst einmal die geschichtlichen Zusammenhänge seit Esra aufzeigen und dann versuchen, einen Begriff von den beiden großen Gruppen der Sadduzäer und Pharisäer zu bekommen. Die Essäer, die die Lehrbücher gewöhnlich hier herstellen, haben gar nichts mit diesen Dingen zu tun. Ihr müßt also zunächst versuchen, euch ein Bild davon zu machen, was diese beiden großen Gruppen von Lehrern des Judentums in ihrer Lehre wollen. Vielleicht gelingt es euch auch, dabei die staatsrechtlichen und politischen Unterschiede der beiden zu erkennen. Literatur: Pirke Awoth (in jedem Gebetbuch), Legenden des Talmuds (in vielen Ausvvahlbändchen), Mischnah und Talmud. (Nur ein sehr kleiner Teil wird diese beiden lesen können. Helft euch also durch Darstellungen der Geschichtswerke usw.) Zu den Pharisäern lest das kleine Schocken-Bändchen von Baeck und wenn ihr es bekommt, das berühmte Pharisäerbuch von Travers-Herford. Jochanan ben Sakkai. Auch bei ihm — wie bei sehr vielen dieser Gestalten — ist weder das Datum der Geburt, noch das des Todes feststehend. Es scheint sicher, daß er um das erste Jahrhundert nach Chr. Geb. geboren ist. Man zählt ihn zu den Schülern des Hille!. Nachdem er viele Jahre den Gerichtshof (Bet-Din) in seiner galiläischen Heimatstadt Arab geleitet hat, wird er nach Jerusalem gerufen. Hier bleibt er bis in den römischen Krieg hinein. Anteil an ihm hat er wohl nicht genommen. Er ist ein strenger Pharisäer und hat häufig Auseinandersetzungen mit den Sadduzäern. In vielen Fällen schafft er Bräuche der Bibel ab. (So zum Beispiel das Trinken des Bitterwassers beim Schwur einer untreuen Frau.) Er gilt als einer der großen Schrittmacher der Tradition nach der Zerstörung des Tempels. Schon frühzeitig soll er das schreckliche Ereignis der Tempelzerstörung vorausgesehen haben. Während der Belagerung Jerusalems ließ er sich in einem Sarge als Toter hinaustragen. Eine Sage erzählt, daß er von Vespasian die Erlaubnis* erhielt, in Jahne ein Lehrhaus zu errichten. Sicher ist, daß das von ihm errichtete Lehrhaus in Jahne offenbar unter römischem Schutz stand. Ob die Begegnung mit Vespasian stattfand oder nicht, ist gleichgültig, jedenfalls wurde jochanan zum Retter der Lehre. Er legte den Grundstein für das Leben ohne Tempel und erließ Verordnungen, die sich allmählich durchsetzten. Der Wahlspruch Jochanans hieß: „Auch wenn du viel gelernt hast, so rechne es dir nicht als Vorzug an. Denn dazu bist du in der Welt". J. P. „Wie der Oneg Schabbat in Homburg gestaltet wird". Unter diesem Motto veranstaltete die Homburger Schuljugend am 2. März unter Leitung von Herrn Dr. Leibowifz und Herrn Scffi Herz einen Elternabend. Hebräische Lieder, Gedichte, kleine Vorträge über jüdische Themen (Schomrim in Erez, Maimonides, H. Zuckermann usw.) und ein Jahresbericht über die geleistete Arbeit gaben den zahlreich erschienenen Hörern ein anschauliches Bild von der Pionierarbeit, die der Oneg Schabbat in Homburg im kleinen leistet, indem er die Kinder zu jüdischem Bewußtsein und zum Interesse an jüdischen Dingen erzieht. — Besondere, weit über das Lokale hinausgehende Beachtung verdient eine von H. S. Herz mit großer Sorgfalt zusammengestellte Statistik über Umschichtung und Abwanderung der hiesigen Gemeinde seit den letzten zwei Jahren. E. R. u t mim ^^^j^^jjjjgjj«»^