Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1935)
- Date
- 1935-03-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPPliPf^iilfffPPipi^^ ...........-""' w ■ ■ 11 ......1........flfH».,-,- ■-...»» jVr.X- / Jahrgang 40 Preis 25 Rpf. JUDISCHE RUNDSCHAU Iduifthltuf, Varia* «. AnialgranTarwaltune; i Barlla Wl J, ■•lBakwtr.1t fararuf: Samtrjel-Nr.il Bismarck 3181/82,7165/70,7240/42. _ Bezugepreis je Monat (IM 1-, i« Vierteljahr RM 5,75. - Postscheck-Körnen Her Vertriebs - Abladung; fWrlin 71573 (für Gron-Berlin), Berlin 17392 (Btr das übrige Reich). Auslands. ^,mt in jeweiliger Landeswährung. - Erejdhalat Jadan Dianataf «ad Freitag» BERLIN irsnn '2 na '? DIENSTAG, 12. MAERZ 1935 AjBialganprelallata Kr. 7 »fllMr- Die 12k#«p. mm-Zeile 20 Rpf, för Stellengea, 10 Rpf, für Familiennachrichten 15 Rpf. Einzelenzeigen nur gegen Vorauszahlung am Scrulter oder auf Postscheck-Konto Berlin 71618 Montag bi, Donnerstag 9-18 Uhr Freitag 9 -16 Uhr. AnnahtneschluD für die Dienstag.Ausgabe Montag K> Uhr, für die KrtitiR-Ausg.be Mittwoch 13 Uhr (Faroilienanzeigen bis Donnerstag 10 Uhr) Der Zionismus erstrebt fOr das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstitte in Palästina. (Baseler Programm) Keine Resignation! Aussterben als Trost? Die Juden in Deutschland befinden sich in einer ununterbrochenen scharfen Auseinandersetzung, bei der ihnen ihre moralische und materielle Lebcnsgrundlage streitig gemacht wird. Eigentlich ist das Wort „Auseinandersetzung" kein richtiges, denn dazu gehören zwei, und nach Lage der Dinge ist der Vorgang durchaus ein einseitiger; den Juden werden Vorhaltungen aller Art gemacht, auf die sie nicht reagieren können, da es dafür keinen Ort gibt. Eine sachliche Aussprache über die Ordnung der jüdischen Dinge zwischen nichtjüdischen und jüdischen Sprechern ist bisher leider nicht zustande gekommen. Was über die Juden in Deutschland gesagt wird, wird meist auch nicht an die Adresse der Juden gesagt, sondern innerhalb der deutschen Welt, und wir Juden stehen daneben als Beobachter, freilich als sehr aufmerksame und interessierte Beobachter, denn wir wissen, daß die Worte, die dort gesprochen werden und denen wir nicht zu widersprechen vermögen, allmählich immer mehr in den Seelen Eingang finden, insbesondere auch bei der deutschen Jugend, die in einiger Zeit die Erwachsenen von heute ablösen wird. So wie jene Diskussion im deutschen Bereich vor sich geht, so empfinden wir Juden das Bedürfnis, darauf zu reagieren, aber wir können es meist nur in unseren eigenen Reihen, von der jüdischen Tribüne, deren Aeulierungen den anderen Teil nicht erreichen. Oft kann man in den Auseinandersetzungen über unsere „jüdische Situation" bei uns das Argument hören, daß wir Juden, beziehungsweise das deutsche Judentum, sich ja ohnedies in Auflösung befinden. Wenn das neue Deutschland —. so heißt es — eine Verringerung der Zahl der deutschen Juden für wünschenswert hält, dann sei darauf hinzuweisen, daß dieser Zustand im Zuge der natürlichen Entwicklung von selbst eintritt. Die Ueberaltcrung der deutschen Juden, die geringe Kinderzahl, die Ehelosigkeit und schließlich auch die Abwanderung würden dazu führen, daß voraussichtlich schon nach einem Jahrzehnt die jüdische Bevölkerung Deutschlands auf die Hälfte ihrer heutigen Zahl gesunken sein wird. Dieses Argument ist zweifellos richtig. Die deutsche Judenheit ist in einem Prozeß der Auflösung. Das Wort vom „Untergang der deutschen Juden" stammt nicht von heute und von gestern, sondern es ist 25 Jahre her, daß es von Dr. Felix Theilhaber zum erstenmal gebraucht wurde. Dagegen ist viel polemisiert worden, insbesondere von jüdisch-liberaler Seite. Es ist aber zu beachten, daß schon damals der Erfinder des Schlagwortes bezweckte, die deutsche Judenheit aufzurütteln, sie zur Erkenntnis ihres Schwindezustandes zu bringen und eine entgegengesetzte Entwicklung, insbesondere in bevölkerungspolitischer Hinsicht, zu bewirken. Wenn heute der Außenwelt gegenüber die objektiven Tatsachen, die sich aus der Sprache der Ziffern ergeben, betont werden, dann wird dagegen nicht viel einzuwenden sein. In der deutschen Presse wird gerade jetzt eine Darstellung des Statistischen Rcichsamtes veröffentlicht) worin mit Genugtuung eine Abnahme der Zahl der deutschen Juden festgestellt wird. Wenn also jemand von dem jüdischen Einfluß in Deutschland eine Gefahr für das deutsche Leben erwartet, so kann darauf hingewiesen werden, daß diese „Gefahr" um so geringer wird, als die Zahl und damit der Einfluß der Juden abnimmt, so daß die Judenfrage in Deutschland, deren Bedeutung nach unserer Meinung immer stark übertrieben wurde, schon rein zahlenmäßig keine erhebliche Rolle mehr spielen kann. Wenn wir die Sache aber von der jüdischen Seite betrachten, dann bekommt sie eine ganz andere Note. Das Argument des Aussterbens, das hier sozusagen als Trost verwendet wird, ist für unsere inneren jüdischen Betrachtungen unbrauchbar, wenn es allein vorgetragen und sonst nichts gesagt wird. Ist dieser Trost des Sterbens der Weisheit letzter Schluß? Das jüdische Volk, und dazu gehören auch die deutschen Juden, kann diesen Ton der Resignation nicht brauchen. ^ir wollen uns nicht damit trösten, daß wir ja ohnedies überaltert sind und möglichst wenig Kinder haben. Unsere Jugend darf nicht das Gefühl des Ueberflüssigseins bekommen, das man aus solchen Kundgebungen heraushört. Man hat kürzlich einem Zionistcn einen Vorwurf gemacht, weil er von „Liquidation durch Aufbau" sprach. Dabei lag aber der Nachdruck auf dem Worte Aufbau; die Liquidation, die ohnedies vor sich geht, soll, so wurde damals gesagt, die Fundamente eines neuen Aufbaus liefern. Jetzt hören wir in nichtzionistischen Kreisen die Theorie der „Liquidation", aber es bleibt bei dem Worte Liquidation und von einer Aufbau-Idee ist nichts zu merken. Darum muß, gerade angesichts der Perspektiven der deutschen Judenheit, innerhalb unseres jüdischen Kreises mit allem Nachdruck gesagt werden, daß wir nicht liquidieren. Unsere Jugend, voll unverbrauchter Kräfte, sucht neues Leben und sie kann es finden. In wenigen Wochen werden wieder etwa 5000 jüdische Jugendliche die Schulen verlassen und einen Beruf suchen. Wir wissen, wie schwer in Deutschland die Eingliederung ins Berufsleben für einen jüdischen Jugendlichen ist, der zunächst darauf angewiesen ist, Arbeitnehmer zu werden. Die Fälle werden individuell verschieden sein; hoffen wir, daß ein möglichst hoher Prozentsatz Arbeit irgendwelcher Art findet. Aber zu dieser Jugend in ihrer Gesamtheit sagen wir: Es ist nicht richtig, daß ihr überflüssig seid! Ihr seid wichtig, ja vielleicht so wichtig wie noch nie eine Generation jüdischer Jugend. Die Lage hat sich gewandelt. Sonst konnten die Alten für euch sorgen, jetzt müßt ihr für uns sorgen. Der jüdischen Jugend harrt eine ungeheure Aufgabe des Aufbaus, und die jüdische Jugend Deutschlands ist in jeder Beziehung qualifiziert und. imstande, sich voll einzusetzen und etwas Großes zu schaffen, das auch zur Ehre des Judentums und der deutschen Juden beiträgt. Nur die Perspektive des Jüdischen Nationalheims in Palästina, nur das Bewußtsein, an dieser Sache in einer kritischen Stunde mitzuwirken, kann der Jugend Schwung und Lebensmut geben. Alle sollen dabei mitwirken, aus welchem Lager immer sie kommen. Die Unterscheidung verschiedener Jugendvereine, fein säuberlich von Theoretikern aller Art herausgearbeitet, ist etwas für geruhsame Zeiten, nicht für diese Zeit, wo es nicht um Diskussion, sondern um das wirkliche Leben geht. Glaubt man, irgendeine Jugend seelisch erhalten und ernähren zu können mit der Parole der Resignation, die als letzten Trumpf den tröstlichen Hinweis auf das Aussterben enthält? Ist es nicht lohnender für alle, unabhängig von alten Partei - Schattierungen, sich einzusetzen für etwas, was im Aufbau und im Werden ist? Die jüdische Jugend von heute hat eine Aufgabe, sie muß sie nur richtig sehen. Viele Jugendliche aus Deutschland sind schon in Palästina, sie haben natürlich verschiedene Schicksale. Auf Sokolow Ehrengast des Pen-Klub London, 7. März. (JTA.) Der Präsiden! der Jewish Agcncy und der Zionistischen Organisation, Nahum Sokolow, war als einer der Mitschöpfer der neuhebräischen Literatur Ehrengast eines vom Pen-Klub veranstalteten Diners. Den Vorsitz führte Mrs. Henry N c v i n s o n. Nahum Sokolow sprach von der Zeit, da Presse und Literatur im zaristischen Rußland unter dem Druck der Zensur standen, tingeachtet dieses Druckes habe der Kampf für die Wiederbelebung des Hebräischen und dafür, daß dem Weltgewissen die Notwendigkeit eines jüdischen Nationalheims in Palästina nähergebracht werde, den Weg für die Entwicklung gebahnt, deren Ergebnisse heute zu sehen sind. Sokolow erinnerte daran, daß er auf dem Haager Pen-Kongreß die hebräische Literatur vertrat. Seiner Meinung nach sei der Pen-Klub mehr als eine bloße Fachvercinigiing. Er habe die Aufgabe, dem Gedanken des Weltfriedens und des harmonischen Zusammenlebens der Völker und Kulturen zu dienen. Dieser Gedanke liege auch dem Zionismus zugrunde. Das Staatsparlament von New Jersey (USA.) hat ein Gesetz angenommen, durch das antisemitische Propaganda bei Geldstrafe bis zu 5000 Dollar oder Gefängnisstraf« bis zu drei Jahren verboten wird. Geld- und Gefängnisstrafe können auch gleichzeitig verhängt werden. wen machte es nicht einen erschütternden Eindruck, als Direktor Stahl, der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, in seinem Palästina-Bericht von den jungen Leuten aus Deutschland erzählte, die, obwohl sie im letzten Jahre fast alle malariakrank gewesen waren, an ihn die Bitte richteten, er möge sich bei der Kolonisationsleitung der Jewish Agency dafür einsetzen, daß sie zu der Arbeit im versumpften und verseuchten Hule- Gebiet herangezogen werden! Dieses Anliegen hatte Herr Stahl nicht zu hören erwartet, als ihn die Leute fragten, ob sie eine Bitte vortragen dürfen. Der Vorsitzende der Berliner Gemeinde hat, als er diesen Vorfall berichtete, zu erkennen gegeben, daß er sich bewußt ist: Hier ist etwas Neues im Judentum. Etwas Neues auch für deutsche Juden. Die Sache hat noch eine andere Seite. Wer verantwortlich ist, wird sicherlich nicht wünschen, daß die Jungen, diese jungen, malariakrank werden, und es ist Aufgabe der gesamten Judenheit, dafür zu sorgen, daß durch großzügige einheitliche Erschließtingsarbeit Bedingungen geschaffen werden, die das kostbarste Gut, die Gesundheit unserer Jugend, schützen. Aber damit dies möglich wird, muß eben die Judenheit sich wirklich ihrer Verantwortung bewußt sein und muß wissen, daß sie nicht als resignierter Beobachter am Rande stehen darf. Es ließen sich leicht eine Reihe von Einzelheiten vorbringen. Viele Juden in Deutschland haben Kinder, Verwandte, Bekannte drüben, bekommen Briefe, aus denen die Seligkeit der Freiheit und der Arbeit spricht. Aber es kommt auch vor, daß deutsche Juden Briefe aus der Tasche ziehen, die sie von nahestehenden Personen aus Palästina bekommen haben, aus denen hervorgeht, daß man auch dort nicht auf Rosen gebettet ist. Gewiß ist das so. Gerade Zionistcn haben immer gewußt, daß nicht jeder einzelne Jude in Palästina sein Glück und seine Befriedigung finden kann; wir meinen dies durchaus nicht nur im materiellen Sinne, auch seelisch wird es vielen Juden schwerer als sie vordem gedacht haben, und manchmal werden die Kräfte eines Ein/einen nicht ausreichen, und wir, die wir die Schwere der Sache kennen, werden ihm gewiß keinen Stein nachwerfen. Aber unabhängig von der Vielfalt und Verschiedenartigkeit gibt uns Palästina heute die Sicherheit: Das jüdische Volk lebt, unser bester Teil wird leben, unsere Jugend wird leben und schaffen. Was hier zusammenbricht, baut dort neues Leben auf. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs und der Krise. Für viele Juden, die das hier Errungene für ewig hielten und die Labilität der Lage auch in dem Jahrhundert nach der Juden-Emanzipation nicht erkannten, ist es sicher besonders schmerzlich, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß jede Periode jüdischen Seins mit all ihren Ausdrucksformen nur eine Phase ist. Wenn sich die Bedingungen verdüstern, heißt das vielleicht ein Schrumpfen dieser Phase, aber nicht des jüdischen Volkes. Und gerade wenn man für sich selbst so wenig Aussichten hat und so wenig Sicherheit empfindet, muß man sich der Verpflichtung bewußt sein, den Jungen den Weg aus dem alten in das neue Leben zu ebnen. Jeder von uns hat volles Verständnis für die Leiden, die sich für den Einzelnen aus den Enttäuschungen und aus dem Existenzkampf ergeben. Durch ein Werk der Solidarität und gegenseitige Hilfe sollen die Härten gemildert werden, der Gemeinschaftsgeist soll gestärkt werden. Aber selbst bei den besten Einrichtungen dieser Art laufen wir Gefahr, in Sentimentalität und Räsonnieren abzugleiten. Unsere innere Haltung werden w ir nur bewahren, wenn wir das Bewußtsein haben, nicht passiv unser Schicksal — das Schicksal der Liquidation — über uns hereinbrechen zu lassen, sondern mit allen unseren Kräften, mit all unseren Mitteln und unserem organisatorischen Scharfsinn jene Vorbereitungen zu treffen, die unsere Jugend hinüberführen können in ein starkes und sinnvolles Leben. Die Juden, die in Deutschland verbleiben, werden dann vielleicht durch nichts so gestützt und als Juden in ihrem Stolz gehoben werden als durch das, was sie selbst, als sie schon resignieren wollten, noch mitzuschaffen die Kraft hatten. m) s" ge» rtcho den 'gig •liesverdic ung Iche tsch :ut« a.fl nrer ude sehe: ist. chts» därti 'l.k*j fers» ralifüh! ierrt tiegt itet, :nen eses* sehe tutn Ju- 'der* üdial[o sehe ertw hör» :hej* nuf iber emrf tÄW»S. uras i des Q&. dqr>. bei* aus n tider iden ideri ienirtinr keim men von teer äter ver- Wer und auf daß Jensen, :reirse: iftsrnen eut- Leo apihrer und tere soon" zuiden Oau nter hier ster, lach :iter in >ziaenthen tau- G? ahr iclt> iddas /orteilhen Be- Tag i |