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Jüdische Rundschau · 1935-03-08 · Heft 20 (8.3.1935) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 20 (8.3.1935)
Date
1935-03-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 20, 8. III. 1935 Zum politischen Palästinaproblem In der „T i in c s" vom 5. März nimmt ein früherer Beamter der palästinensischen Regierung zu dem Brief Lord Mclchctts Stellung, den wir in Nr. 19 der „Jüdischen Rundschau" wiedergegeben haben. Der Schreiber, Archer C u s t, war lange Zeit Privatsekretär des früheren High Commissioneis Sir Jolm Isoliert Oiancellor. Lord Melchett, so schreibt Cust, habe das Problem einfach zusammengefaßt: Es müsse mehr Raum für die jüdische Immigration gefunden werden nicht nur in Palästina, sondern auch in Transjordanien. In Wahrheit liege das Problem folgendermaßen: Erstens gebe es in Palästina eine noch überwiegende arabische Mehrheit, für deren Wohlergehen und Entwicklung die Mandatarmacht in gleicher Weise verantwortlich ist; und zweitens ist die Mandatarmacht in be/ug auf Transjordanicn gebunden durch das Memorandum des Völkerbundes, durch das das Gebiet ausdrücklich von den Bestimmungen der Balfour-Deklaration a u s g e n o m m e n wurde. Transjordanicn ist heute eine bc rindere Verwaltungseinhcit als halb-unabhängiges Emirat mit eigener Verfassung. Die Balfour-Deklaration ist eine Tatsache, von der es kein Zurück gibt. Aber sie enthält eine doppelte Zusage, und die britische Regierung betrachtet, gemäß der Erklärung des Piimeministers im linterhaus im April 1930, die zwei Verpflichtungen, die gegenüber dem jüdischen Volk und die gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas, als g I e i c h g e w i c h t i g. Die jüdischen Führer una die jüdische Presse, die sich so sehr über England beklagen, sollten sich überlegen, was für sie in Palästina bereits getan wurde. Bei der heutigen Einwanderung von mehreren tausend Juden monatlieh können auch gemäßigte Araber ihre Verzweiflung nicht verbergen, denn sie sehen voraus, daß trotz der wiederholten Zusagen, die sie erhalten haben, ihre l'eberfiinung bald eine vollendete Tatsache sein wird, t'nd es i>t nicht nur die J u d c n h e i t, die über das britische Empire urteilt. Es ist richtig, dab das Problem Palästina nicht ohne Berücksichtigung Tr.in»j<>rilaniciis gelöst werden kann. Aber die von der Mandatannacht übernommene Verpflichtung macht es unmöglich, daß diese Lösung die sei, die die zionistischen Stellen veilangen. Der erste High Commissioner, führender britischer Staatsmann und seihst zionistischer Jude (Herbert Samuel), habe erklärt, daß die zionistischen Aspirationen nur bis zu dem Ausmaß, das durch die Bedürfnisse der bestellenden nicht|ü<li>chcn Bevölkerung bedingt ist, verwirklicht werden können. (Wir nehmen im I eitartikel der heutigen Nummer zu iieser Aeulicrung Stellung.) Englische Hilfsaktion, in der Anglo Jewish Association, die in London eine I agung abhielt, teilte der Vorsitzende, Leonard M o n t( i o r e, mit, daß die neue Samnu'lkampagne des Ii i I f s f o n d s f u r d e ti t s c h e J u d e n („Central British found for (ierman Jewiv) soeben begonnen hat. In den Zeitungen ist ein Aufruf erschienen, der die Unterschrift einer Reihe prominenter engjsdi'.T Juden trägt. Leonard Montefiorc erklärte, es sei eine Ehrenpflicht der britischen Juden, daß die Sammlungen ein beträchtliches Ergebnis haben. Bei der Einleitung der Kampagne ist betont worden, daß die Gelder u. a. dazu dienen sollen, jungen Juden aus Deutschland den Aufbau einer Existenz in Palästina zu ermöglichen. Eingesandt. In unserer Ausgabe vom 5. März ist ein Inserat der F. W. I., Gesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher Interessen von in Deutsch Und w o h n h a f t e n o d e r wohnhaft gewesenen Juden m. h. IL, Bcrün-Charlottenburg 2, Katitstr. 158, zum Abdruck gekommen, in dem 'diese die Debertragunff ihrer Vertretung für Palästina an die Herren Dr. Landsbcrg und Dr. Foerder, Tel-Awiw, Allenbystr. 100, bekannt gibt. Um Irrtümer zu vermeiden, legt die Gesellschaft Wert darauf, festzustellen, daß die in diesem Inserat genannten Geschäfte, wie insbesondere Vermögensverwaltung und Vermögensverwertimg nicht durch die Gesellschaft selbst besorgt, sondern von ihr nur an judische Fachleute und Sachverständige der Privatwirtschaft uberall in Deutschland vermittelt und von diesen unter Kontrolle der Gesellschaft durchgeführt werden. Der Dampfer „Tel Aviv" Von der ersten Fahrt des Dampfers „T e I Aviv" der Palestine Shipping Co. erhalten wir noch einen Bericht, dem wir folgendes entnehmen: Als sich das Schiff Palästina näherte, stellte sich alles immer mehr innerlich auf Erez Israel ein. Die vereinzelten Palastinakenner an Bord werden mit Fragen bestürmt. Um die letzten Tage zu einer sachgemäßen Unterrichtung über das Land, seine Tatsachen und Probleme zu benützen, laden einige Herren zu einem schnell improvisierten Vortragszyklus ein. An drei aufeinanderfolgenden Tagen sprachen Herr Dr. Carlebach über „Die Geographie Palästinas und seine Sehenswürdigkeiten", Herr Professor War bürg über das Thema „Aus der Geschichte der Palästinakolonisation" und Dr. Schloßberg über die Frage: „Was bedeutet Palästina den Juden der Gegenwart?" Die Vorträge finden unter stärkster Publikumsbeteiligung statt. Herr Dr. Baeck spricht besinnliche Einführungsworte. Das zumeist aus Nichtzionisten bestehende Publikum ist tief beeindruckt von den Vorträgen und gibt seinen Empfindungen durch stärksten Beifall Ausdruck. — Das Schiff, das seinen Namen in hebräischen und lateinischen Lettern auf den Bug geschrieben hat, landete in Haifa mit der palästinensischen und jüdischen Flagge. Die Flagge war in Genua vor der Ausfahrt zum erstenmal feierlich aufgezogen worden, als das Schiff, früher der deutschen Handelsflotte angehörend, seinen neuen Namen annahm. Die „lA-Aviv" in» Hofen von Haifa (am Bug dit hebräische Namensaufsdnift). Fat Onuckhu An Bord der „TtLAviv". Von links nach rechts; Dr. Carlebach, Prof, Warhurg, Dr. Schloßberg. Fot. Herbert ScnnmlM Presseschau Im „Osservatore Roman o", dem offiziellen Organ des Vatikans, wird ein Artikel des palästinensischen Korrespondenten dieses Blattes veröffentlicht, der sich besonders eingehend mit der unter den Auspizien des Oberrah. binats von Palästina durchgeführten Kampagne für strengere Beobachtung der Schabbatruhe befaßt. Das Blatt kommt zu dem Schluß, daß „der neue Kreuzzug der Juden für Einhaltung der Schabbafruhe den Katholiken als Beispiel dienen sollte, die sich in der Heiligung des Sonntags keineswegs hervortun, sogar in Palästina nicht". * . Die „Germania" bringt im Anschluß an den ersten Artikel über Palästina, über den wir bereits berichtet haben, noch zwei weitere Artikel, in denen verschiedene Seiten der palästinensischen Entwicklung geschildert werden. Leider hat der Berichterstatter sich auch die Ansicht zu eigen gemacht, daß durch die jüdischen Landkäufe die arabischen Bauern in städtische Proletarier verwandelt werden, eine Ansieht, die bereits als unrichtig nachgewiesen wurde, was schon daraus hervorgeht, daß für den Arbeitsmarkt in den Dörfern nicht einmal genügend arabische Kräfte da sind und aus dem benachbarten Hauran einwandern. pArfastifiO~tö<xke> Letzte Veranstaltungen fuutkfutt a. 1H. Im Verainshaus, Eschenheimer Landstraße 27 Sonntag, den 10. März. 20 Uhr: Sonderveranstaltung des Kulturbundes deutscher Juden im Rahmen der Paiastlnawochei Jüdische Musik Dlenetao, den 12. Marz, 20'A Uhr Volk — Thora — Land Rabb. Dr. Jakob HoHmann ,■ Frankfurt a. M., Ist EI n t T, Berlin fHÜHcUen Im Annasaal, Robett-Koch-StraB« 9 (Eingang ReltmorstraBe) Sonntag, den 10. Märi, 2oy, Uhr Palästina und die deutschen Juden Forderung — Bewährung - Erfüllung Rabbinar Dr. Joachim Prinz, Montag, den It. Ma*n, 20'/, Uhr Die Zukunft Erez Israels Palästina 1900—1935 -1950 Dr. Michael Traub MoHnUelfn Sonntag, den 10 Man, 20'4 Uhr Größe und Gefahr der Stunde Kundgebung zum Erwerb der Hula-Konzesslon Rabb. Dr. M. Q r U n IUI I d Di&sden Sonnaband, den 9. Mär« In der Harmonie Zion — zwei Jahrtausende jüdischer Sehnsucht CU&nnWz 9.—11. Marz Palästina-Schau Eröffnung Sonnabend abend, Dr. Jetef Willi t \ Vl/laqde!>u*# Im GroBen Saal der Stadtmission, LelterstraSe tO Sonnaband, den 9. März, 20'«; Uhr GrSße und Gefahr der Stunde Kundgebung zum Erwerb der Hule-Konzession Waltir Timpsl, Dr. Seelenfpeund Zionistische Vereinigung f. Deutschland UNTERRICHT UND ERZIEHUNG Technische Lehransialf »teail. sr«nrhm, Maschinenbau Elektrotechnik AbenHü.hul', Ts?f * v.'imie. Br^nr, nrurr L*hrx»n?r April, Prospekt. Dipl-Inj, H. STEKLM ACHER Berlin N, Fricdrlchntrafie 11h 119 Von der Jüri. Gemeinde empfohlen Auto-Fahrschule Dipl.-Ing. H. 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