Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 19 (5.3.1935)
- Date
- 1935-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ÜPPP^ÜfW -7. 3,1035 $ 0 i? Prel« 25 RpL JUDISCHE RUNDSCHAU IthrUHaltung» Vsrlag a. Anxalg;*nvcrw*ltung i Berlin W1S, Malnakastr.lO Farnruf: Sammel-Nr.i 1 Bismarck 3181/82,7165/70,7240/42. - Berugeprcit je Monat RM 2,-, i« Vierteljahr KM 5,75. - Poatacheck-Konten der Vertrieb«. Ableitung: Berta 71573 (für Grog-Berlin), Berlin 17392 (für da« übrige Reich). Aualand», batug in jeweiliger Landeswährung. - Erscheint Jadan DUnatag and Freitag. BERLIN irxnn 'ntin 'b DIENSTAG, 5.MAERZ 1935 Anzalzenpralallate Nr. S gflltlg. Di» 12Rrap. mm-Zeile 20 Rpf, für Stellengea 10 Rpf, für Familiennachrichten 15 Rpf. Einzel anzeigen nur gegen Vorauszahlung an Schalter oder auf Postscheck-Konto Berlin 71618 Montag bin Donnerstag 9-18 Uhr Freitag 9-16 Uhr. Annabmeachlun lür die Dienstag-Ausgabe Montag 10 Uhr, lüi die Freitag-Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Parailienanieigen bis Donnentag 10 Uhr» Der Zionismus erstrebt tOr das Jüdische Volk die Schaltung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm Unsere vier Punkte Konstruktive Politik In den letzten Tagen konnte der aufmerksame Beobachter feststellen, daß sich der deutschen Juden vielfach wieder ein Gefühl der Ungewißheit bemächtigt hat. Eine Gruppe, die innerhalb des Gemeinwesens lediglich Objekt ist und an der Gestaltung ihres äußeren Schicksals mitzuwirken keine Gelegenheit hat, wird leicht innerlich unsicher. Die deutschen Juden fragen sich immer wieder, wie denn ihre Position beschaffen ist. Da es in der jüdischen Geschichte zwar manche Analogien zu unserer Gegenwart, aber keiner wirklichen Präzedenzfall gibt, ist es begreiflich, daß man sich in dem neuen Zustand schwer zurechtfindet, und immer wieder bei Anlässen, die der Tag bringt, nach einer inneren Orientierung sucht. Daß jeder solche Versuch von den gegebenen Tatsachen auszugehen hat, ist eine Selbstverständlichkeit. Es war für niemanden in der Welt, auch für die deutschen Juden nicht, ein Geheimnis, daß die NSDAP von je antisemitisch eingestellt ist. Wir haben daher die Tatsache hinzunehmen, daß der nach der Machtübernahme in Deutschland allein bestimmende Faktor antisemitisch ist. Es entsteht nun ein Problem, wie es den Juden in dieser Art noch niemals gestellt war: die Frage nach der Möglichkeit und nach den Formen der Einordnung der jüdischen Minderheit in ein grundsätzlich antisemitisch geführtes Staatswesen. Es kommt hinzu, daß dieser Antisemitismus zum erstenmal in der Geschichte rassenmäßig, d. h. also rein biologisch bestimmt ist, mit anderen Worten, daß die objektive Tatsache der Zugehörigkeit zur jüdischen Blutsgemeinschaft den entscheidenden Faktor bildet, unabhängig von dem sonstigen Verhalten oder den Meinungen des betreffenden Juden. Diese Art des Antisemitismus hat etwas besonders Erschwerendes, weil es den Menschen die Möglichkeit nimmt, durch Taten oder Leistungen eine Stellung im Gemeinwesen zu erringen; zugleich aber hat diese Form auch etwas Erleichterndes: Die Auseinandersetzung wird dadurch von allen moralischen oder wertenden Zutaten befreit und rein ins Objektive gehoben. Während wir Juden die uns oft in der Geschichte angehefteten Beschimpfungen und Herabsetzungen nicht anerkennen können, sind wir ohne weiteres in der Lage, die objektive Tatsache unserer Rassenverschicdenheit, d. h. unseres Judeseins, zu bejahen. Wir tun es — das hat uns der jüdische Volksgedanke des Zionismus gelehrt — mit erhobenem Haupt und freiem Blick. Auf diesem Boden ergibt sich nach unserer Meinung eine Möglichkeit, auch in einem grundsätzlich rassen-antisemitischen Staat eine Lebensform für uns Juden zu finden, fndem wir als Juden, ohne Verhehlung oder Verzerrung dieser Tatsache, innerhalb des Gemeinwesens eingegliedert sind, als eine Minderheit, die sich diesem Gemeinwesen zugehörig fühlt, mag sie auch von der Mehrheit als „fremd" bezeichnet werden. Und nun erhebt sich die entscheidende Frage, welche Voraussetzungen für uns erforderlich sind, um innerhalb des uns zugewiesenen Raumes zu leben, und welche Voraussetzungen uns gewährt werden. Nur auf dieser Fragestellung kann sich eine konstruktive jüdische Politik in Deutschland aufbauen. Eine Politik, die von Voraussetzungen ausgeht, wie sie im liberalen Staat bestehen, also von der idealen Forderung einer bürgerlichen Oleichberechtigung, wäre im heutigen Deutschland u n - real. Sie würde niemandem dienen. Gibt es eine Möglichkeit für eine reale Politik? Wir glauben, daß es sie gibt. Selbstverständlich gehört auf jüdischer Seite — und dies ist ein Punkt, der nur die Juden angeht -- der Entschluß dazu, sich durch die versagte Gleichberechtigung nicht in seinem menschlichen Wert getroffen zu fühlen. Der Rassenstaat gibt der rassisch andersartigen Gruppe der Juden ein Sonderrecht — das ist eine objektive Angelegenheit, die uns gewiß praktisch nichts Angenehmes bringt, aber unseren Wert berührt sie nicht; wir sind uns bewußt, auch als Juden vollwertige Menschen zu sein, wie alle anderen. Wir haben zwar unsere Pflichten gegenüber dem Judentum vernachlässigt, wir sind heute sehr rudimentäre Juden, der jüdische Gefühlszusammenhang I ist bei vielen schwach geworden, aber dies alles läßt ' sich wiederherstellen, bei einigen Anstrengungen, bei festem Willen und gegenseitiger Hilfe. Wir finden in unserm Judentum ungeahnte Werte, die uns moralisch entschädigen für die Situation, die daraus resultiert, daß wir wegen unserer Rasse in einer Sonderstellung leben müssen. Haben wir aber durch das Wertbewußtsein, das uns unser Judentum gibt, unser inneres Gleichgewicht gefunden, dann ist das Problem der Gestaltung unserer äußeren Stellung sachlich zu betrachten. Unsere Hoffnung Eine Ansprache von Leo Baeck Eine Passagierin des Dampfers „Tel Aviv" der „Palestine Shipping Co.", Hanna Kubatzki, hat fär die „Jüd. Rundschau" die Ansprache aufgezeichnet, die Rabbiner Leo Baeck, der Präsident der Reichsvertretung der deutschen Juden, bei einer Feier an Bord während der Seefahrt gehalten hat, als das Schiff sich Palästina näherte. Wir geben die Rede hier wieder. Red. Zweimal hat dieses Land seine Geschichte gehabt und von diesen beiden Zeiten lebt seitdem eine Welt. Soll jetzt die neue Zeit der Geschichte beginnen? Zwiefach war in diesen beiden Zeiten die Richtung dieses Landes, das eine Mal war sie nach Osten gekehrt, das zweite Mal, sehr bald, nach Westen hin gewandt. Wohin wird es jetzt gewendet sein? Zwischen Meer und Wüste hat Palästina immer wieder den Bergen abgewonnen werden müssen. Es ist noch nie eine Stätte der Macht gewesen, sondern immer nur eine Stätte der Kraft, des Gedankens, des Gebotes, der Hoffnung. Nicht Reichtum, sondern Gcdankentum, Gebotetum, Hoffnungtum hatten hier ihren Platz. Wird es wieder eine Stätte sein, in der dies alles anhebt, wird es eine Stätte der Kraft werden? Drei Jahrtausende hindurch liegt dieses Land vor dem Blicke der Geschichte. Zahlreiche Völker haben auf dem Boden des Landes ihren Platz und ihren Raum sich bereitet. Aber in den drei Jahrtausenden ist das Land immer nur dann eine Stätte der Größe geworden, wenn Juden hier ihren Platz und ihren Raum haften. Wird es sich jetzt so erfüllen? Wenn ein Jude diese Frage stellt, so darf er eine Antwort nur geben: Wir Juden, wir leben, seit wir sind, von der Hoffnung. Unser Blick ist zur Zukunft hin gekehrt und das Wort von der Zukunft spricht zu uns der ewige heilige Gott allein. Gottes Wort und Gottes Verheißung, das ist für uns Zukunft, unsere Zukunft. Und wann immer wir so hofften, ist es die Jahrtausende hindurch an uns wahr geworden: „od lo owda tikwatenu: wenn wir hofften — unsere Hoffnung ist niemals zunichte geworden." Ein neues Krebs-Serum? Arbeiten jüdischer Gelehrter Bei der letzten Sitzung der Akademie der Wissenschaften in Paris am 25. Februar haben Professor A. Besredka und Dr. L. Groß vom Pasteur-Institut ein Referat über ein neues Krebs-Serum überreicht, das in der medizinischen Welt großes Aufsehen erret^t. Professor Besredka ist ein Sohn des hebräischen Schriftstellers Elimelech Weksler, der unter dem Pseudonym Elimelech Isch Naemi bekannt war. Er war Assistent Prof. Metschnikoffs vom Pasteur- Institut, dessen Nachfolger er geworden ist. Prof. Besredka hat sich als Bakteriologe durch ein Typhus-Mittel einen Namen gemacht. Seit Jahren widmet er sich nur noch der Krebsforschung. Sein Mitarbeiter Dr. üroß, der aus Oalizien stammt, ist ebenfalls Jude. Irrwege jüdischer Politik Führung oder Verführung? IronnemttMt, den 7. MHra, *O.U<> I hr Singakademie, Am F«Btung»|fr»ben 2 (gegenüber der StaaUoper, Unter den Linden) Es sprechen: Dr. Franz Meyer Dr.Siegfried Kanowltc Karten zu 2SKpf in der BZ V; Buchhandlung Rosenbantn.MpinekMtr. 10; Papierhandlung Lippmann, Trautenaustr. 16; BZV-Heim, Kantatr 64; Konditorei Hansa, h'lenaburger Straße 19; Atlantio-Kxproß, Friedrichstraße 100 (S-Bahnhof Friedriohatr.); Finder, Alte Schönhauser Str 54 Berliner Zi*nif*tl*rhe Vereinigung Wir Juden müssen uns zum Ziel setzen, bei einer konstruktiven Regelung der Judenfrage zu helfen. In diesem Sinne haben wir an dieser Stelle schon wiederholt versucht, ein Programm für die deutschen Juden zu formulieren, das vor allem folgende Punkte umfaßt: 1. Bei der objektiven Rassenscheidung soll jede Diffamierung einer Rasse, auch der Juden, vermieden werden. 2. Die materielle Existenz der Juden ist durch Anerkennung ihres Rechtes auf wirtschaftliche Tätigkeit innerhalb der bestehenden Gesetze zu ermöglichen. 3. Die kulturelle und geistige Betätigung der Juden innerhalb ihrer jüdischen Gemeinschaft muß durch Ausbau entsprechender autonomer Institutionen (selbstverständlich unter Staatsaufsicht) ermöglicht werden. 4. Die Auswanderung der Juden soll in geordneten Formen vor sich gehen, insbesondere nach vorhergehender beruflicher und geistiger Vorbereitung der Jugend. Wieweit wir damit rechnen können, daß von Staats wegen diese Voraussetzungen erfüllt werden, ist unsicher. Nach manchen deklarierten Prinzipien und Verfügungen wäre ihre Erfüllung möglich. Aber gerade die Unklarheit darüber schafft bei vielen Juden jene innere Unsicherheit, von der wir eingangs sprachen. So z. B. ist der an zweiter fielie vor. ir.:s'_,' erwähnte Punkt, der die Avirtschaftliche Tätigkeit der" Juden betrifft, erst kürzlich von Staatskommissar Lippert geradezu klassisch formuliert worden, indem er davon sprach, daß der Jude, der seine Pflichten erfüllt, „in wirtschaftlicher Hinsicht gleichberechtigt" ist. Dies entspricht auch der Anordnung des Reichsinnenministers über die Grenzen des Arierparagraphen auf dem Gebiet der freien Wirtschaftend dennoch fühlen viele Juden, wie auch wir immer wieder aus Zuschriften und Berichten entnehmen, daß auf diesem Gebiet noch nicht alles geklärt ist. Nicht alle Erfahrungen der Vergangenheit sind mit der Lippertschen Erklärung in Einklang zu bringen. Häufig findet man auch bei Vorgängen, die in das Gebiet der freien Wirtschaft gehören, in der Praxis den Ariergrundsatz. Häufig wird selbst von beamteten Persönlichkeiten die Aufforderung, bei Juden nicht zu kaufen, mit dem Zusatz verbunden, daß der Jude der „Feind des deutschen Volkes" sei. Die Juden fühlen sich von dieser ihnen zugeschriebenen Feindschaft frei. Aber wie tief diese Vorstellung eingedrungen ist, reigte sich in der vorigen Woche bei einem Anlaß, der viele Juden besonders schmerzlich berührt hat, nämlich als in zahlreichen Orten den Juden verboten wurde, Flaggen in den Reichsfarben zu hissen. Da wohl kein Jude eine Fahne mit dem Hakenkreuz, das als antisemitisches Symbol gilt, gehißt haben wird, sondern die Reichsfarben schwarz-weiß-rot, unter denen zahlreiche Juden im Weltkrieg im Felde gestanden haben, so kann man sich leicht ausmalen, wie das Verbot dieser Farben manche sich mit Deutschland eng verbunden fühlende Juden getroffen haben mag. Die seelische Unsicherheit, die bei den Juden durch solche Vorfälle erzeugt wird, ist unter keinem Gesichtspunkt als Aktivum zu werten. Sie könnte nur vermieden werden, wenn eine einheitliche Regelung erfolgt, die uns ein für allemal klarmacht, woran wir sind. Gerade die Flaggen-Frage ist ein gutes Beispiel für die Schwierigkeiten. Man stelle sich vor, daß bei Anlässen, die für das ganze deutsche Volk Gegenstand der Freude sind, die Juden sich selbst ausschlössen; sie würden den Verdacht auf sich ziehen, dies aus „Feindschaft" zu tun. Die Juden können unter den heutigen Verhältnissen, da sie immer in Gefahr sind, mißdeutet zu werden, nichts anderes tun, als sich streng an alle Vorschriften zu halten. Aus diesem Grunde ist eine genaue Regelung erwünscht. Wir halten es für die Aufgabe der Juden, auf eine sachliche Regelung hinzuwirken, statt die Vergangenheit zu untersuchen und Formulierungen nachzuprüfen, auf deren Gestaltung wir keinen Einfluß haben. m' 25 ■ ir Stcli<sng«aij uarahlung apa 115 9 - IS Uia, >g 10 Uhr. rö« rata*. 10 Uhr) gramm) ters" kurz ge« , .Wirf angreiche : worden abhängig •n Volkseder ver- 'egen die Rechnung!> welche deutsch r" heuto t u. a.a m ihrer er Jude Arischa :rebt ist. n nichts s erklärt! : Volk^ :sonders> emorali- Oefüh! 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