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Jüdische Rundschau · 1935-02-22 · Heft 16 (22.2.1935) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 16 (22.2.1935)
Date
1935-02-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JODISCHE RUNDSCHAU Berliner Rundschau NR. 16,22. FEBRUAR 1935 Man lernt Bibel bei Buber Die Bibel-Lerngemeinschaft, die Prof. Martin Bub er fm Jüdischen Lehr haus an drei Abenden abhielt, war durch die Zahl ihrer Zuhörer ebenso bemerkenswert wie problematisch. Denn wenn Hunderte von Menschen sich zusammensetzen, um Bibel zu Ic, len, so sind doch nur einige wenige, besonders Kundige in der Lage, durch Rede und Antwort die Form der „Arbeitsgemeinschaft" zu verwirklichen. Die Mehrzahl der Hörer aber ist zum Schweigen verurteilt. Man hatte dennoch den Eindruck, daß jeder aus dieser Arbeitsgemeinschaft einen Gewinn für sich gezogen hat. Allen, und selbst denen, die die Bibel gut kennen, tat sich durch die Bubersche Betrachtung eine neue Welt auf. Es wurden nur einige kurze Stücke aus der Abrahamsgeschichte unter dem Gesichtspunkt der Verneinungen an Abraham durchgenommen; aber auch dieser Ausschnitt genügte, um die fast unausschöpfliche Problematik aufzuzeigen, die in der Bibel liegt und die insbesondere dann besonders deutlich wird, wenn man das Bibelwort so ernst nimmt, wie es Buber tut. Im Gegensatz zu der protestantischen textkritischen Betrachtung, die sich im wesentlichen damit begnügt, den Bibeltext stilkritisch zu untersuchen, hält sich Buber an das überlieferte Wort und sucht von hier aus zum Sinn der Erzählung vorzustoßen. Für ihn ist darum der Bibeltcxt eine innere Einheit; kein Wort steht zufällig da, sondern jedes hat seinen bestimmten Zweck und seine Bedeutung — die es eben zu erkennen gilt. Es war für die Mehrzahl der Hörer wahrscheinlich nicht immer leicht, dieser in die Tiefen hinabsteigenden Betrachtung zu folgen. Aber der Gewinn dieser Abende war zweifellos der, daß den Menschen eine in sich geschlossene Konzeption des Judentums geboten wurde, nach der der heutige Mensch ja mit allen seinen Kräften strebt. Das Gefühl jener Verbundenheit von der Urzeit her bis zu uns wurde an Hand der Quellen erarbeitet. N. „Zwei Jahrzehnte Gallith" Vortragsabend der B.Z.V. Am Dienstag sprach im Logenhaus S. Tschertok über „1914—1034 — Zwei Jahrzehnte Galuth — die Lehren einer nahen Vergangenheit". In Umrissen entwarf der Redner das Bild einer Zeit, die noch nicht der Geschichte angehört und die wir doch in Verbindung mit unserer Geschichte betrachten müssen. Ueberall haben die Juden das Schicksal des Volkes geteilt, in dessen Mitte sie leben. Darüber hinaus aber und zusätzlich wurde ihnen unter den besonderen Bedingungen ihres Judescins ein spezifisch jüdisches Erlebnis zuteil. Selbst als die vermeintlichen Ursachen der ludenfrage in Osteuropa fielen, blieb die judenfrage doch bestehen. Die Emanzipation in Osteuropa kam in einem Augenblick, in dem sie kaum noch die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden normalisieren konnte. Für die westeuropäische Judenheit war die Emanzipation die Bestätigung ihres Glaubens an den Fortschritt. Der Redner sprach weiterhin über die Durchsetzung der Wirtschaft mit Staatstnonopolen, Konzessionen. Genossenschaften — für diese Grupprnänteressen trat der Staat als Regulator und Förderer ein, während das Gruppeninteresse der Juden unorganisiert blieb und als Gegensatz empfunden wurde. Als Ausweg aus allen diesen Krisen galt vor dem Kriege die Auswanderung. Die Absperrung der Immigrationsländer verschloß diesen Ausweg. Autonomistische Hoffnungen, auf firund der Minderheitenpolitik zu einer Vertretung des jüdischen Gruppenintcresses zu kommen, zerfielen mit dem Niedergang der Minderheitenpolitik. Ein neuer Territorialismus suchte Siedlungsgebiete in der Krim und in Biro- Bidschan und mußte zusammenbrechen, weil keine Bewegung hinter ihm stand. Den Abschluß dieser langen Reihe von Enttäuschungen bildet die Krise der Emanzipation in unseren Tagen. Im Kampfe der Völker, Gruppen und Kollektive um Lebensraum steht das atomisierte Judentum. Die Galuth ist ein prinzipieller Ausnahmezustand, in welchem die Juden seit Jahrhunderten leben. Das Gruppeninteresse der Juden muß zwangsläufig auf Aufhebung dieses Ausnahmezustandes zielen. Zum erstenmal seit Jahrtausenden wurde in der Balfour-Deklaration unser Gruppeninteresse öffentlich anerkannt. Vorträge und Konzerte Ein Vortrag im Jüdischen Museum. Das Jüdische Museum war bei dem Mitglieder- und Werbeabend des Museumsvereins gut besucht. Dr. Alfred Klee führte in seiner Ansprache aus, daß das Museum als kultureller und erzieherischer Faktor in der Gemeinde vor Aufgaben besonderer Art steht: Jüdische Werte zu wahren, das Schöne aus der Umwelt sich zu assimilieren. Er gedachte der beiden großen Verluste, die die Jüdische Gemeinde in diesen Tagen erlitten hat: Max Licbermanns, des Ehrenvorsitzenden des Jiid. Museumsvereins und Generalkonsuls Eugen Landau. Dr. Erna Stein gab einen Tätigkeitsbericht über Neuerwerbungen und Schenkungen des vergangenen Jahres. Ueber die letzten Forschungsergebnisse auf dein Gebiet des Synagogenbaus sprach, von Lichtbildern unterstützt, Helen Rosenau. Von neuesten Ausgrabungen in Jerusalem ausgehend, wies sie den Einfluß altorientalischen Synagogenbaus durch die Jahrtausende auf die Umwelt nach. Bei den Grabungen der Synagoge in Dura Europos, Gerasa, Kapernaum fanden sich häufiger bildliche Darstellungen als erwartet. Wohl sprachen sich Proselytentum, Hellenismus, römische und maurische Formgebung im Synagogenbau aus. Die Grundidee des Gesamtbaus blieb aber jüdischer Tradition vorbehalten. Eine Arbeitsgemeinschaft am 25. Febr. in der Synagoge Fasanen- Straße soll dieäe Ausführungen vertiefen. H. A. Ludwig Hardts 2. Jubiläumsabend. Ludwig Hardt-Variationen üher das unerschöpfliche Thema Theater, Zirkus usw. sind berühmt. Und so sah der zweite Jubiläumsabend diesmal im Großen Saal der Loge Kleiststraße einen noch größeren Hörerkreis als der Abend des „Jüdischen Humors". Begeisterung, Elan und der Zug zur Größe waren von jeher neben der Magie der Verwandlung der große Zauber der Hardt- Abende. Wie diese sichere Magnetnadel zur Intuition, zu der sich Hardt rückhaltlos bekennt, die Heine- und Kafka-Abende mm einmaligen Erlebnis formt, so ist es vervielfacht bei seinen Theaterabenden. In dieser untrüglichen Richtung zur Größe trifft Ludwig Hardt seine literarische Auswahl. Mit Claudius und Peter Altcnberg zur Feier Shakespeares, mit Kafka und Wedekind als Mittler des wahrhaft entfesselten Theaters, dessen Parodie in Morgensterns Dramoiett „Egon una Emilie" zu gleicher Zeit die Schönheit, seines strahlendsten Humors zeigte. Ein Kabinettstück wurde das gespenstige Rokokotänzerpaar in Maupassants Minuett. Zum virtuosen Partorceritt das „Donnerwetter, Donnerwetter" aus Wedekinds „Franziska". Die größte Leistung des Abends war Kafkas erschütternde Anrechnung des Variete-Affen, der aus der Ausweglosigkeit der Gefangenschaft den Weg „nach Hilfe für Chaluzim Eine Nähstube der Frauenarbeitsgemeinschaft t L *3oje.^ol<fiAA^t. &JtAtffr£. AtUW«4w " 3kcxak £». >wjA- K/vce^ ^^£ieaM3Mv ^"kfA HfoveuAWU . /lu tau/^yi ». * » - - -****^ . ': . we-u»; >j*- ^frt^../ jTlU. AMw*. )(&■■ ^>w*^ i '0Zj\\tnru 7($i.^5^ ^S^a.UMvVr^' rldjMcjtayr^O""' (Kcw^v 1 keit mitbringt. Eines aber steht fest: Auch in diesem engen Rahmen offenbart sich eine Bereitschaft, Opfer zu bringen, die in vielen Fällen bewunderungswürdig ist. Wer nicht schneidern kann, übernimmt es, Strümpfe zu stopfen, Wäsche auszubessern, um auch etwas für die Chaluzim zu tun. Haus-' frauen, die mit Arbeit überlastet sind, andere, die ihrem Mann im Berufsleben zur Seite stehen, nehmen sich doch einige Stunden Zeit, um das ihrige zu tun. Als Beraterinnen hat man sich einige Chaluzoth geholt, die darüber Bescheid wissen, was man in Palästina gebrauchen kann. Sie stellen zugleich die lebenden Modelle dar, an denen die Kleider probiert werden. Schahbatklcider in hellen Farben, wasserdichte Arbeitsanzüge, praktische Wäschestücke — das alles erstellt unter den Händen der fleißigen Näherinnen. Sie sind mit ganzem Herzen dabei. Besonders stolz sind die Mitglieder des Nähkreises auf eine allerdings erstaunliche Leistung. Aus alten Frackhemden und aus ranfcwZiMRuS* '■ fr'- HJUL,$£ Der Tagesdienst ist genau geregelt Rasselnde Nähmaschinen, klappernde Zuschneidescheren, das sind Geräusche, die die Räume des BZV.-Heims in der Kantstraße sicherlich nicht oft gehört haben. Und doch bedeuten sie eine praktische zionistische Tat, deren Notwendigkeit einige Mitglieder der Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina erkannt haben. Im Dienst der Chaluzim und Chaluzoth steht diese Nähstube, die vor etwa zwei Monaten mit bescheidensten Mitteln geschaffen wurde. Mit dem praktischen Blick der Hausfrau hatten die Gründerinnen erkannt, wie wichtig die Aufgabe ist, passende Kleidung und Wäsche für die nach Palästina gehenden Chaluzim herzustellen. Es war ein Problem, das in Anbetracht der verfügbaren Mittel nicht leicht zu lösen war. Viele Jungen und Mädchen wollten bedacht sein, und in Anbetracht der bevorstehenden Abreisen wurde die Arbeit immer dringlicher. Die Frauen überlegten nicht lange, sondern beschlossen: „Wir schneidern einfach selbst!" In überaus kurzer Zeit ge-, lang es der Verfechterin dieser Idee, 20 Damen für ihre Nähstube zu gewinnen. Das war deshalb nicht ganz einfach, weil man ja zum Teil gut ausgebildete Kräfte benötigte. Aber es gelang, einige im Schneiderfach Bewanderte zu finden, die sich bereitwilligst in den Dienst der Sache stellten. Gar nicht lange dauerte es, bis man genügend Teilnehmerinnen hatte, um die Näharbeit an zwei Vormittagen der Woche durchzuführen. Damit aber waren noch nicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Nun galt es, Maschinen zu beschaffen, Stoffe und Zutaten zu besorgen, denn das Geld war und ist noch sehr knapp. Bald jedoch waren 2 Maschinen geliehen, und kurze Zeit darauf wurden nicht nur abgelegte Kleidungs- und Wäschestücke, sondern auch neue Stoffe der Nähstube übergeben. Die Arbeit konnte beginnen. Es mag nicht leicht sein, die Arbeit für jeden Nähtag vorher einzurichten, denn man muß damit rechnen, daß manche Teilnehmerin mehr guten Willen als Geschieklich- Kleider, Blusen, Röcke und Hosen für Chaluzim und Chaluzoth werden angefertigt gierten Tablettdeckchcn hat man Wäschestücke verfertigt, die selbst das kritische Auge des Betrachters als wohlgelungcn anerkennen muß. Ucberflüssig zu sagen, daß neben der praktischen auch! eine nicht unerhebliche organisatorische Arbeit geleistet werden muß. Alle Gegenstände, die als Geschenke eingehen, müssen genau registriert werden. Nicht weniger genau muß über die Sachen Buch geführt werden, die in Arbeit sind, und wenn die fertigen Kleidungsstücke zur Verteilung gelangen, muß man ebenfalls FSescheid darüber wissen, an wen sie ausgegeben sind. In jeder Woche bringt ein Chaluz-Heim seine Wäsche zum Ausbessern, und auch diese mühselige Arbeit wird gern getan. Für den Fleiß der Beteiligten gibt es einen untrüglichen Maßstab, die Statistin. In den acht Wochen seit Bestehen der Nähstube sind unter anderem nicht weniger als 18 Schabbatkleider, ebensoviele Arbeitskleider, zahlreiche Jacken, Pullover und Badeanzüge angefertigt worden. Und dabei stellt dieses Ergebnis erst die Leistungen dar, die in verhältnismäßig bescheidenem Kabinen vollbracht werden konnten. Sicherlich werden schon die nächsten Wochen und Monate eine Erweiterung bringen, und auch die Zahl der Spenden für diese Arbeit wächst erfreulich. S. A, Eine Chaluzah bei der Anprobe Fotas: Herhtrt Sonr\fy\feld Ausgabe ausgebesserter und umgearbeiteter Wäschestücke für abreisende Chaluzim vorn" erkämpft und in riesenhaft gesteigerter Anstrengung zur Sprache der Menschen durchbricht. Hier steigerte Hardt die Verwandlung bis zur grausigen Gewalt der Tierdämonie. Auch die bekannten Schauspielerpoitri.ts waren unheimlich in ihrer tongetreuen Nachschöpfung. Ruth Morold Der Synagogenverein Rykestraße veranstaltete am 13. Februar einen Vortragsabend, der von über 300 Personen besucht war. Der Leiter, Sally H e i I b r u n n, berichtete über die Arbeiten des Vorstandes. Dr. Hans Klee verurteilte unzeitgemäße Modernisierungsbestrebungen in einem am Althergebrachten hängenden Menschenkreis. Dir. Georg Kareski wies darauf hin, daß die üemeindcleitung nicht verstehen wolle, daß nicht nur für den Tag, sondern weitausschauend für kommende Jahre gearbeitet werden müsse. Der Autoklub 1927 e.V., Hardenbergstr. 18, hatte am Sonntag zu einem Presse-Abend anläßlich der Wiedereröffnung seines von der Firma Friedmann und Weber vollkommen umgebauten und neu eingerichteten Klubheims eingeladen. Der Einladung war eine große Anzahl von Gästen gefolgt, die von dem ersten Vorsitzenden, Herrn Dr. Georg Lewandowsky, herzlich begrüßt und denen die Ziele und Bestrebungen des Klubs mitgeteilt wurden. Namens der Gäste dankte Direktor Stahl für die freundliche Aufnahme und die angenehmen Stunden. Durch das neu ausgestattete Klubheim ist für die nichtarischen Kraftfahrer ein Treffpunkt geschaffen worden, wo sie im Kreise von Kameraden über alle mit detn Auto zusammenhängenden Fragen Mcinungs- und Erfahrungsaustausch pflegen können. Daneben ist Gelegenheit zu geselligem Beisammensein, zum Musizieren, zu Bridge und Skat gegeben. Die Klubräumc bieten in ihrer neuen Ausgestaltung einen gemütlichen und angenehmen Aufenthalt. Der Autoklub 1027 ist in der Lage, seinen Mitgliedern Triptiks und Carnets zu geben und bei Reisen jede touristische Auskunft zu erteilen. Muslkchronik. An dem Juhiläumskonzert der Jüdischen Orchestervcreinigung unter Leitung seines Dirigenten Leo Kopf konnte man sich überzeugen, welch) .1* ■■')& I

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