Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 15 (19.2.1935)
- Date
- 1935-02-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 15. 19. iL 1935 Wandlungen der Wirtschaft Die zweite Sturmwelle Von unserem Berichterstatter Tel-Awiw, 10. Februar 1935 Als sich nach den ersten schweren Sturmrcgen dieses Winters, die mit ungeahnter Gewalt niedergingen, der Himmel wieder klarte, ging ein Aufatmen durch das Land, als sich das Leben, nach Lhiterbrechungen der Eisenbahn und der Auioverbindungen wieder in seinen normalen Gang zurückfand. Es zeigte sich jedoch, dali dieser erste Sturm nicht der ein/i^c blich, und der folgende, der in der letzten Woche das Land heimsuchte, war von noch größerem Ausmaß und forderte auch eine nicht unbeträchtliche Zahl von Menschenopfern. Aus Nablus allein, das eingekeilt zwischen den zwei Hügeln des Ebal und (Jarislm einem ungeheuerlichen Wolkenhruch ausgesetzt war, werden gegen 20 Todesopfer gemeldet. Auch in anderen Gegenden des Landes wurden einzelne von den Fluten überrascht; bis heute ist die genaue Zahl der Opfer nicht festzustellen, da die Wege an vielen Teilen noch unpassierbar sind. In Palästina ist ein solcher ungewohnt heftiger Regenguß von besonderer Gefahr. Die Wadis, die im Sommer ein Bett von trockenem Schotter darstellen, das kaum eine Aehnlichkeit mit einem Flußlauf besitzt, schwellen bei grollen Güssen in Minuten zu brüllenden Wildbächen an, die alles mit sich reißen und denen nicht zu widerstehen ist. Zudem ist der Ii c d ii i n e, der dem Unwetter in seinem Zelt begegnet, oft genug dem Wetter ohne Schutz preisgegeben. Solange die Pflocke das Dach von Ziegenhaar im Erdreich festhalten, drängen sich Mensch und Tier so eng wie möglich unter seinem Schutz zusammen, sobald es aber vom Sturme erfaßt zusammenbricht, steht die Familie oder der kleine Stamm mitten in der Nacht im Gewittersturm ohne jede Milte und Schuf/. Auch in den jüdischen Siedlungen, wo immer ein Teil der jungen Leute das ganze Jahr über in Zelten untei gebracht ist, wird es an solchen Tagen sehr schwierig. Oft ist man mitten in der Nacht gezwungen, sich unter einem Wust von Leinwand und Pflocken herauszuschalen und irgendwie in Nacht und Regen das nächste Haus zu erreichen, das bei der Enge des vorhandenen Wohnraumes ohnedies vollbesetzt ist. In den nicdriggelegenen Vierteln der Städte gibt es wieder einmal starke Ueberflutungen, wenn auch nirgends das l'.i'd so beängstigend sieh gestaltete wie in dem h-Iiw er bedingten Nablus, das vor die Frage gestellt ist, wie e.s seine Obdachlosen unterbringen und wenigstens für die nächste Zeit ernähren soll, Lin besonderes Problem dieses Winters sind die dauernd u n f e r b roch e n e n V •■' r Ii i n d u n g e n zwischen den einzelnen Siedlungen. Daß Wadi I lawanth oder Nataniah oder ein anderer Teil des Scharon von vier Umwelt abgeschnitten ist, gehölt schon ceradezu zu den Tagesneuigkeiten. Hei der zweiten Sturmwelle wurden die Verhältnisse noch schwerer als beim ersten Male: Tagelang keine Eisenbahnverbindung nach Haifa und auch eine kurze Zeit hindurch keine zwischen Jaffa und Jerusalem; grobe Störungen im Telephondienst, weil der Sturm die Telegraphen- und Telephonstangen umlegte; unpassierbare Wege uberall; Abschneidung Transjordaniens von Westpalästina, so dali man den Emir Abdullah, der gerade westseits des Flusses war, zu Schiff nach der anderen Seite bringen mußte, weil der Jordan plötzlich zu einem Strome angewachsen war. Bei den jüdischen Siedlungen war die Lage im nördlichen Scharon am schwersten. Kein Auto kam mehr durch das Wasser und den Morast, man bekam nicht mehr genügend Lebensmittel und konnte andererseits nicht die landwirtschaftlichen Produkte, die sich in den Schuppen häuften, zu Markte bringen. Es gab keine Zeitungen und keine Post, man saß wie auf einer abgeschnittenen Insel, die gelegentlich nicht einmal durch Telephon mit der Außenwelt verbunden war. Gegen solche Wetterkatastrophen ist man hilflos und niemand kann dafür beschuldigt werden, daß sie sich einstellen. Ihre Auswirkungen müssen jedoch durch die Technik soweit wie möglich abgeschwächt werden, und es wird daher mit Recht mit allem Nachdruck von der Regierung verlangt, das Straßennetz, besonders das durch den Scharon, endlich aiis/iilniien. Es scheint auch, als ob die Regierung einzusehen beginnt, daß sie ihr Arbeitstempo dem Wachstum der jüdischen Siedluugsarbeit anpassen muß. Es ist zu hoffen, tlaß die Chaussee der Scharonkolonien in allernächster Zeit weitergeführt werden wird. Bei aller Wucht, mit der sich die Stürme und die Regengüsse und Hagclsehl.ige in Palastina auszeichneten, scheint die schümm-de Welle doch Palästina nicht berührt zu haben. Die Belichte, die in den letzten Tagen aus dem Libanon und aus Syrien, auch aus den Höhen des Iran kommen, deuten damit hin, daß es dort weit bedrohlicher zuging als bei uns. Ungeheure Regenfälle, die ganze Dörfer überfluteten, und große »chueefälic, die die Wege in den höheren Regionen versperrten, sind das Los dieser Gegenden. Der blaue, absolut flci kenbwe Himmel, der zur Zeit über Palästina .strahlt und auf rote Anemonen und weißblühende MainUlaaiimeheii bei absieht, scheint freilich alle Berichte von Regen, Schnee und Stürmen Lügen zu strafen. Eine Bausparkasse in Palästina Uns wird geschrieben: Von einer Reihe von Fachleuten aus Deutschland ist die Aktiengesellschaft Z c I K o r a t i, The First Palestine Saving and Building Corporation Ltd. Tel-Awiw, in engem Zusammenwirken mit der Mizrahi Bank gegründet worden. Im Gegensatz zu der bisherigen Praxis, in der nur geschlossene Gruppen sich am Kollektivsparen beteiligen konnten, kann sich jeder einzelne der Zel Korati anschließen. Die Kasse gewährt lediglich das B a u g e 1 d, so daß der Sparer in Erez Israel bauen kann, wo er will und auch durch wen er will. Dem Sparer ist es freigestellt, eine Vertragssummc zwischen 100und 1000 Pfund zu wählen. Das Zuteilungssystem berücksichtigt, daß derjenige, der im Verhältnis zu der Summe, die er erhalten will, mehr als ein anderer geleistet hat, früher an die Reihe kommt. Andererseits dürfen dadurch die Sparer, die summenmäßig weniger bezahlt haben, aber sich der Kasse früher anschlössen, nicht benachteiligt werden. Die Zuteilung erfolgt daher nach einem kombinierten System, wobei 50 <Vo nach dem Zcit-mai-GcId-System (Spartage mal Sparraten, dividiert durch die Vertragssumme), 30 "'o nach der Reihenfolge des Beitritts und 20 °/o durch das Los bestimmt werden. Die Verteilung der Darlehen erfolgt durch einen unabhängigen Auditor. D'n Beträge werden nicht an die Bausparkasse, sondern auf ein Sonderkonto der Mizrahi Bank in Tel-Awiw eingezahlt, die jeden einzelnen Bausparvertrag (fegenzeichnet. Die Baudarlehen werden von Zel Korati völlig zinslos vergeben. Andererseits werden auch die Sparguthaben von der Kasse nicht verzinst. Die Amortisation der Darlehennschuld erfolgt langfristig. Die Tilgung macht etwa den gleichen Betrag aus, der sonst allein für den Zinsendienit aufgewertet werden muß. Als Sicherheit dient eine erst« Hypothek. Die Beleih ungsgrenze beträgt 60 »o des Wertes des Bodens, zuzüglich des Wertes des Gebäudes. Zel Korati will durch seine Arbeit die Boden Verbundenheit und Vermögensbildung in Palistina fördern helfen. Belebung des Wertpapiermarktes Von Dr. Ernst Wolfgang, Jerusalem Palästinensische Wertpapiere wurden auch schon in früheren Jahren ausgegeben und umgesetzt. Es handelte sich aber hierbei meistens um Beteiligungen oder Darlehen, die nur äußerlich die Form von Wertpapieren hatten, in Wirklichkeit aber als Anlagen auf sehr lange Sicht gedacht waren. Als Beispiel mögen hier etwa die Aktien und Anteile der verschiedenen palästinensischen Banken genannt werden, die zum größten Teil bei einem kleinen Kreis privater Kapitalisten in großen Posten abgesetzt, aber kaum an das Publikum verkauft wurden. Rentenpapicre bestanden nur in ganz geringem Umfange und waren meist nach dem Ausland verkauft worden, wie z. B. die 6Va"/oige Anleihe der Stadt Tel-Awiw von 1923, die in New York placiert wurde, oder die 7°,oigcn Debentures (Pfandbriefe) der General Mortgage Bank ot Palestine. Seit Anfang 1933 hat sich auch hier, wie auf so vielen anderen Gebieten, eine grundsätzliche Wandlung vollzogen. Es sind eine große Reihe neuer palästinensischer Werte zur Ausgabe gekommen, die im Gegensatz zu früher nicht mehr im Ausland, sondern fast ausschließlich in Palästina selbst Unterkunft fanden. Am begehrtesten waren die Pfandbriefe der General Mortgage Bank. Die kürzlich erfolgte Konversion und Ausgabe von 5'' igen Pfandbriefen ist nicht ohne Kritik geblieben, da die Besitzer der 7<"oigcn Pfandbriefe nur ungerne in eine Schmälerung ihrer Zinseinlagen um 2 <»/o einwilligen wollten. So sehr man es verstehen mag, daß ein Kleinrentner — und um solche handelt es sich meist — auf den Genuß seiner Zinsen angewiesen ist, so ist es andererseits durchaus zu begrüßen, daß die Hypothekenbank einen großzügigen Versuch gemacht hat, ihrerseits zur Senkung des Landeszinsfußes beizutragen. Die Konversion war, wie gemeldet, ein großer Erfolg. Die Hypothekenbank ist bestrebt, ihr Aktienkapital immer in einem bestimmten Verhältnis zu den umlaufenden Pfandbriefen zu halten und gibt infolgedessen laufend 6'i'oige Vorzugsaktien, und zwar zur Zeit zu einein Kurse von 110 aus. Diese Vorzugsaktien haben, abgesehen von einer obigen kumulativen Dividende, Anspruch auf eine Zusatzausschüttung, sofern auf die Stammaktien eine höhere Dividende als 6 °/o gezahlt wird. Die außerordentlich lebhafte Emissionstätigkeit der G. M. B. wird am besten dadurch demonstriert, daß in den Jahren 1933 und 1934 rund .CP 600 000 Pfandbriefe und über KP 100 000 6"oige Vorzugsaktien abgesetzt werden konnten, während in den voranfegangenen zehn Jahren kaum £P 200 000 fiuige Pfandriefe untergebracht wurden. Die hauptsächlichen Käufer der Pfandbriefe waren Juden aus Deutschland, die mit Wertpapieranlagen von jeher vertraut waren und eine besondere Vorliebe für Anlage in Pfandbriefen hatten. Die einheimische Bevölkerung zieht andere Formen der Anlage, vor allem Erwerb von Hypotheken oder Ankauf von Grund und Boden, vor. Davis Trietsch Dr. Rappin sendet uns nachstehenden Nachruf für Trietsch. Obwohl in der „Jäd. Rundschau" die Persönlichkeit des Verstorbenen bereits gewürdigt wurde, glauben wir auch den folgenden Zeilen noch Raum geben zu sollen, weil sie von einem Manne kommen, der von Trietsch jahrelang mit größter Heftigkeit bekämpft wurde. Red. Mit tiefer Trauer erfüllt mich das Hinscheiden von Davis Trietsch. Ich habe mit ihm in den Zeiten nach dem Kriege aut Kongressen und in der Presse manche Lanze gebrochen. Ich habe, weil ich die Wirklichkeit anders sah als er, vielen seiner Palästinaprojekte entgegentreten müssen, aber ich habe nie aufgehört, aufrichtige Zuneigung für ihn zu empfinden. Seine weitfliegencle Phantasie, seine reizvolle Art im Gespräch, seine außerordentliche persönliche Genügsamkeit, seine restlose Hingabe an eine von ihm erfaßte Idee und sein unversieglicher Optimismus in allen Nöten des Lebens waren dazu angetan, ihm die Herzen vieler Menschen zu gewinnen. Sein Glück und sein Unglück waren, daß er seiner Zeit um Jahrzehnte voraus war. Das gab ihm die Möglichkeit, unter Beiseitesetzung der Schwierigkeiten, die in der Gegenwart wurzelten, Pläne zu entwickeln und sich an ihnen, unbeschwert von Bedenken, zu erfreuen. Aber diese Pläne hatten den Nachteil, daß sie beim Anprall mit der Wirklichkeit nicht standhielten. Bellamy konnte ein Bild der von ihm angestrebten sozialen Zustände zeichnen, in dem er die Verwirklichung aut das Jahr 2000 verlegte. Trietsch wollte nicht warten, sondern verlangte die sofortige Durchführung seiner Ideen, auch wenn die Zeit dafür noch nicht reif war. Es ist für denjenigen, der wirtschaftliche oder technische Neuerungen in einem bestimmten Lande einführen will, ebenso verhängnisvoll, wenn er der Gegenwart um Jahrzehnte voraus ist, als wenn er Jahrzehnte hinter ihr zurück ist. Ich zweifle nicht daran, daß in der Zukunft viele der Ideen von Trietsch sich als brauchbar zeigen werden. Schon jetzt, bei einer jüdischen Bevölkerung in Palästina von 300 000 ist manches möglich, was vor 15 Jahren, bei einer Bevölkerung von 70—80 000 noch nicht möglich war. Es ist unsere Ehrenpflicht, in der Geschichte des Palästina-Aufbaus mit Achtung und Sympathie des Mannes zu gedenken, der der Verkünder von Ideen gewesen ist, für die die Zeit erst nach seinem Tode reif wurde. Jerusalem, am 1. Februar 1935. Arthur Ruppiu Zum Tode König Alls In Bagdad starb Exkönig Ali, ein Bruder des verstorbenen Königs Feisal von Irak und des Emir Abdalla von Transjordanien. Ali, der 1924 vor dem endgültigen Sieg Ibn Sauds kurze Zeit „König von Hedschas" war, wurde tine Zeitlang als Kandidat für den syrischen Thron genannt. Seine Tochter ist mit seinem Neffen, König Ghazi von Irak, verheiratet. Nach Alis Tode ist nunmehr Abdalla von Transiordanien das älteste Haupt der Haschimiten-Familie. Alfs Vater. König Hussein, ist bekanntlich in einem Ehrengrab In der Aksa-Moschee In Jerusalem beigesetzt worden. Die Jewish Agency in Jerusalem hat dem Emir Abdalla von Transjordanien und König Ghazi von Irak Beileidstelegramme geschickt. Der Geldumlauf in Palästina betrug am 31. lanuar 1935 £ 4778 964. Es wird vielfach als Mangel empfunden, daß neben den, Pfandbriefen Anleihen der Regierung sowie kommunale Emissionen nahezu ganz fehlen. Die palästinensische Regierung hat zwar 1927 eine Anleihe von •Ii'.. Millionen Pfund aufi gelegt und wird in kurzem eine weitere Anleihe von 1 Millionen zur Ausgabe bringen; jedoch sind diese Anleihen, die übrigens von der englischen Regierung garantiert wurden, dem Londoner Markt vorbehalten worden. Es ist jedoch anzunehmen, daß dem palästinensischen Publikum zum mindesten Gelegenheit geboten werden dürfte, sich an der neuen Anleihe durch Zeichnungen zu beteiligen; allerdings wird die zinsmäßige Ausstattung dieser Anleihe sich nach den Sätzen des Londoner Marktes richten. Man darf kaum eine höhere Rendite als 3 "o erwarten, nachdem in London 3°/oige, von der englischen Regierung garantierte Anleihen bereits de:i Paristana überschritten haben. Industrielle Emissionen sind bisher nur in geringem Umfang in Palästina untergebracht worden, jedoch läßt sich beobachten, daß von den im Ausland placierten Paketen kleinere und größere Posten nach Palästina zurückfließen. Diese Repatriierung hat vor allem in den letzten Monaten starke Fortschritte gemacht und trotzdem ist der palästinensische Kapitalmarkt noch nicht aufnahmefähig genug, um Emissionen größeren Stils in verhältnismäßig kurzer Zeit aufzunehmen. Man beschreitet deshalb jetzt den Weg, Emissionen im Ausland, speziell in London, unterzubringen und bestimmte Tranchen für den palästinensischen Markt zu reservieren. Damit ist allen Teilen geholfen; vor allem erfährt der palästinensische Wertpapiermarkt hierdurch eine Bereicherung. Von Wichtigkeit ist, daß die einzelnen Emissionen nicht zu klein sind, damit auch später wirklich ein regelmäßiger Handel entsteht. Bisher finden in Palästina regelmäßige Umsätze in Aktien der Palestine Electric Corporation (z. Z. 160 <yo), Palestine Potash Ltd. (z. Z. 120 o/o) und Palestine Hotels (z. Z. 85 <%) statt. Dagegen sind die Umsätze in den Aktien Nesher Cement Co., sowie der Palestine Land Development Co. verhältnismäßig sehr selten. Auch die an der Londoner Börse inoffiziell gehandelten Stamm- und Vorzugsaktien der Jerusalem Electric fV Public Service Co. (Kurse 125 o/o bzw. 110 o/o) werden in Palästina kaum umgesetzt. Wiederholt ist die Frage einer Börse für Palästina erörtert worden. Manches spricht für, manches gegen die Errichtung einer derartigen Institution. So lange die Zahl der gehandelten Papiere und der Handel selbst noch einen beschränkten Umfang hat, dürfte eine Börse noch keine unbedingte Notwendigkeit sein. Zweckmäßig erscheint es aber, schon jetzt alle Vorbereitungen für Eröffnung einer Börse zu treffen, damit zu einem späteren Zeitpunkt, an dem der Handel in Wertpapieren sich entsprechend erweitert hat, die grundsätzlichen Vorfragen bereits geklärt und die Grundzüge der Börsenorganisation festgelegt sind. Es ist jedenfalls erfreulich, daß schon jetzt in der Selbstversorgung des Landes mit Kapital eine Anfangsstufe erreicht ist, die recht vielversprechend ist und die recht günstige Perspektiven für die Zukunft eröffnet. Notizen aus der Landwirtschaff Die Wirtschartsberatung des Palästina-Amtes Berlin teilt mit: Zitrus«Anbau und Ernte Die größte Rolle spielt nach wie vor der Zitrus-An. bau. Es sind im Jahre 1934 etwa 25 000 Dunam von Juden neu bepflanzt worden. Für den Winter 1934/35 sind Neu- Pflanzungen in ungefähr derselben Höhe zu erwarten. Trotzdem ist allgemein ein Abgehen von der Monokultur zu bemerken, und eine stärkere Betonung des gemischwirtschaftlichen Charakters der landwirtschaftlichen Siedlung gewinnt immer mehr Boden. Die diesjährige Zitrus-Ernte wird auf etwa 61/» Mit lkmen Kisten geschätzt gegenüber 6 Millionen im Vorjahr, Bis Mitte Dezember wurden ungefähr 900 000 Kisten Zitrusfrüchte versandt, davon ca. 710 000 Kisten Orangen, der Rest Grape-Fruits. Die Qualität der diesjährigen Früchte ist ausgezeichnet Die erzielten Preise sind gut. Obstanbau Erhöhte Bedeutung gewinnt der Anbau von Obst. Die Aussichten für die inländische Obstbaumzucht sind als ausgezeichnet anzusehen. Die Einfuhr an Frischobst nach Palästina ist immer noch sehr hoch. Sie beträgt beispielsweise für Aepfcl im Jahre 1933 fast £ 45 000, und im ersten Halbjahr 1934 schon ca. ii 42 000. Die gesamte im Besitz von Juden befindliche Anbaufläche für Obst beträgt ausschließlich der Zitruspflanzungen zur Zeit nach Angaben von Agronom Josef Weiz, Jerusalem, 41 500 Dunam, davon entfallen 25 000 Dunam auf Weintrauben 7 500 Dunam auf Mandeln 6 000 Dunam auf Oliven. 1 200 Dunam auf Bananen 1800 Dunam auf anderen Obstbau Die Qualität der Ostsorten der neuen jüdischen Pflanzungen ist recht gut zu nennen. Lediglich der Insektenschaden ist für eine rentable Bewirtschaftung noch zu hoch. Die Gesellschaft „El Hahar", die in Kfar Etzion (zwischen Jerusalem und Hebron) 20 000 Dunam Terrassen-Boden zur Obstbaumzucht parzellierte, hat jetzt mit der Bepflanzung begonnen. OemQse Der Gemüse-Verbrauch der palästinensischen Bevölkerung belicf sich nach einer Schätzung im Jahre 1934 auf etwa eine halbe Million £P. Hiervon wurden nur ca. 50 von Juden geliefert. In Betaniah (in der Nähe des Tiberias- See) wird mit der Ansiedlung deutscher Juden begonnen. In dieser Kolonie — Kidmat Kincreth — soll Gemüse für den Export erzeugt werden, und zwar gani besonders Früh-Gcniüse für den europäischen Markt. Der Kartoffel-Import betrug: Januar bis Juni 1934: £P 28 729 gegenüber £P 17156 für den gleichen Zeitraum des Jahres 1933. Die mit Kartoffeln bebaute Fläche beträgt 2000 Dunam, von denen ungefähr 1500 Tonnen geerntet werden, das bedeutet ca. 20 »<o des palästinensischen Konsum«. Die Regierung unterstützt den Kartoffelanbau im Lande durch die Verteilung billiger Saatkartoffeln an Araber. Schafzucht Die Schafzucht nimmt in Palästina an Umfang zu. ZB' Zeit beschäftigen sich zwanzig jüdische Siedlungen mit diese» ljmdwirtscliaftiichen Zweig.