Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 15 (19.2.1935)
- Date
- 1935-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jeff« 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 15, 19. II. 1935 Das Stammland der Arier Das Königreich Persien hat bekanntlich vor einigen Wochen offiziell bekanntgegeben, daß der Name des Landes, das gewöhnlich „Persien" genannt wird, in Wahrheit „Iran" lautet und daß daher gebeten wird, in Zukunft nur diese offizielle Bezeichnung zu verwenden. Der Name Iran bedeute soviel wie „Stammland der Arier". Es ist interessant, daß die persische Initiative gerade jetzt erfolgt, in einer Zeit, wo das Arierproblem so scharf in den, Vordergrund allgemeiner Aufmerksamkeit rückte. Die persische Verlautbarung hat in der angelsächsischen Presse zur Erörterung Anlaß gegeben, da verschiedene Stimmen laut wurden, die Verwendung des neuen Namens an Stelle des altgewohnten „Persien" könne Verwirrung stiften. Der persische Gesandte in London hat in der Londoner „Times", der persische Gesandte in Amerika in der „New York Times" zu diesen Einwanden Stellung genommen. In beiden Artikeln wird betont, daß Iran das Land der Arier sei. In dem Brief des persischen Gesandten in Washington, G. Djalal. in der „New York Times" finden wir noch in einer ausführlichen Darlegung der Bevöikerungsverhältnisse folgende interessante Klarstellung: Die Parsi seien reine Arier, welche noch an ihrer alten Zoroaster-Religion festhalten, ebenso wie die nach der arabischen Invasion nach Indien eingewanderten. Auch die Armenier seien von arischer Rasse. Was die Toleranz betreffe, die die Perser stets gegenüber anderen Religionen und Rassen, auch gegenüber den Nestoriancrn und den Juden geübt haben, so handele es sich hier um eine ererbte Charaktereigenschaft der arischen Rasse. Auch die Bibel erwähne die Tatsache, daß es Cyrus war, der nach der Eroberung von Babylon die Juden befreit und sie als unabhängiges Volk wieder nach Jerusalem gesetzt hat. Christlich - schweizerische Kundgebung gegen den Antisemitismus Aiis Zürich wird berichtet: Im Schwurgerichtssaal der Stadt Zürich fand auf Veranlassung der B e z i r k s v e r e i n i - g u n g f ü r d e n V ö i k e r b u ti d, des P f a r r k a p i t c I s d e r Stadt Zürich und einer Reihe von Frauenorganisationen eine große e h r i s t! i c 1t - s c h w eizerischc Kund je i> u n g g e g c n d c n A n t i s c m i t i s m u s statt. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Hauptreferat hielt der Züricher Univeiaitatsprofessor Dr. H. N a b h o I z, der das Problem des Antisemitismus im 1 in seiner Erscheinungsform in der Schweiz behandelte. Infolge der Wirtsctiaft-k rise suche hwei/er Volkes nach einem Sündenbock, den man für die Ungunst der Verhältnisse verantwortlich machen könnte. Dabei hatten bald die J u d e n, bald die F reimaurer herhalten müssen. Es sei bezeichnend, daß alle Schweizer „Fronten" und nationalen Erneueruiigsbewegungcn auch die Bekämpfung des Judentums in irgendeiner Form in ihr Programm aufgenommen haben. Ein Teil dieser Bewegungen, wie die „Union Nationale", die „Volksfront" u. a.. die Judenhetze schlimmster Art betreiben, habe glücklicherweise bei der großen Mehrheit des Schweizer Volkes keinen Anklang gefunden. Etwas ernster müsse man aber die „Eidgenössische Front", die „Heimatwehr" und die „Nationale Front" nehmen. Ihnen gegenüber betonte Prof. Nabholz, daß die angeblichen Gefahren, von denen die Schweiz durch das Judentum bedroht sei, frei erfunden sind. Auf 1000 Schweizer Bürger entfallen 4—5 Juden, von denen 2,5 das Bürgerrecht besitzen. In der Schweizer Politik haben sie nie irgendeinen nennenswerten Einfluß ausgeübt. Auch wirtschaftlich ist ihr Einfluß sehr gering. Unter den bekannten Direktoren der Schweizer Großbanken, die die eigentlichen Vertreter des Schweizer Großkapitals sind, kommt ein einziger jüdischer Name vor. Das gleiche gilt von der Großindustrie und von den Warenhäusern. Die Schweizer Presse ist ausschließlich im Besitz von Ariern, ebenso die Schule. Den wenigen Juden, die an Schweizer Hochschulen wirken, könne das Zeugnis ausgestellt werden, daß sie mit zu den größten Zierden der Wissensehaft gehören. Es sei richtig, daß der Jude ebenso wie der Christ und wie der romanische Schweizer gegenüber dem deutschen seine durch Religion und Geschichte seelische Eigenart besitzt. Falsch sei hingegen und Erfahrung widerlegt, daß die geistige Einstellung standesverfa---ung und die verwehrte, ein nut/ücher sein. Wenn Schweizer Christen sich heute tisntus wehren, so führten sie damit ni Probleme des Allgemeinen Zionismus allgemeine!, und im besonderen ein Teil des S ganze seelische Art es und vollwertiger Staa bestimmte durch die , die Verlern Juden burger zu gegen den Aniisemit nur eitlen Kampf für das Recht von Mitbürgern, sondern auch gegen den Versuch einer Verleugnung vier ganzen Schweizer Kultur. Im Namen der Züricher Frauenorganisationen erklärte Maria Pier /, als Schweizerin wisse sie. daß der Schutz der Minderheiten zu den vornehmsten Ueberliefertmgen der Schweiz gehört. Darum gelte es, die kleine jüdische Miudei heit ge;"en Angriffe zu schut/en. Schließlich wandte sich noch Dr. F 1 c i s c h m a ri n vom katholischen Standpunkt gegen den Antisemitismus. Die Judennot in Polen Eine erschütternde Anklage bildete die Erklärung, die der Vorsitzende lies jüdischen Kittbs im polnischen Sejm, Abg. Dr. Osias Thon, namens des Klubs vor der Abstimmung über den Staatshaushalts-Voranschlag verlas und in der er mit Rücksicht auf die Behandlung der notleidenden jüdischen Bevölkerung durch die Regierung ankündigte, daß sich der Jüdische Klub bei der Abstimmung der Stimme enthalten werde. In der Erklärung heißt es u. a.: Mit vollem Nachdruck stellen wir nochmals vor dem Sejm, der Regierung und dem ganzen Lande fest, daß die wirtschaftliche Lage der Juden in Polen sich so katastrophal gestaltet hat, daß tatsächlich fast die Hälfte der jüdischen Bevölkerung bitterster Not ausgeliefert ist. Denn die Juden haben doppelt zu leiden, indem sie nicht nur von der allgemeinen Krise erfaßt sind, die im ganzen Lande herrscht, sondern dazu noch durch verschiedene Verordnungen und Praktiken der staatlichen Verwaltung, die gegen sie gerichtet sind, betroffen werden. Die Verwaltungsbehörden benutzen jede Gelegenheit, um es den Juden zu erschweren, ja sogar es ihnen unmöglich zu machen, Erwerbsmöglichkeiten selbst im Handel, dem einzigen ihnen noch verbliebenen Tätigkeitsgebiet, auszunutzen. Alle Versuche dagegen, die jüdischen Massen in produktive Berufe überzuführen, stoßen auf unüberwindliche Hindernisse. Unter der jüdischen Bevölkerung hat sich die Ueberzeugtmg verbreitet, daß die Regierung in jüdische Angelegenheiten nur dann eingreift, wenn sie die letzten Reste der den jüdischen Gemeinden gewährleisteten Autonomie vernichten will. Ungerechtfertigte Auflösungen jüdischer Gemeindeverwaltungen stehen auf der Tagesordnung. Dagegen müssen wir feststellen, daß die Regierung da, wo die jüdische Bevölkerung mit vollem Recht Erleichterungen und Begünstigungen seitens der Regierung erwarten könnte, wie zum Beispiel auf dem Gebiet des ausgedehnten privaten nationalen Schulwesens, eher störend eingreift und die Arbeit erschwert, ja sogar unmöglich macht. Zionistische Tagungen in Krakau Von unserem Korrespondenten s. Warschau, 13. Februar Am 10. Februar tagte fn Krakau die Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten Westgaliziens und Schlesiens. Im letzten Berichtsjahr wurden weitere, sehr bemerkenswerte Erfolge erzielt, von denen mit verdienter Zufriedenheit der Vorsitzende der Organisation, Magister Salpeter, berichten konnte. Ein Netz von 170 Lokalkomitees umfaßt das ganze Land; die Exektrtivmitglieder haben im Berichtsjahre 90 Besuche gemacht, 8 Kreiskonfeienzen abgehalten. Gegen 50 °/o der Chaluzim in diesem Gebiete gehören den Allg. Zionisten an. Für den Keren Hajessod und Keren Kajemeth wird mustergültige Arbeit geleistet. Außer den Berichten stand auf der Tagesordnung* nur ein Punkt: „Die Stellung des Allgemeinen Zionismus zu den Problemen der zionistischen Bewegung", worüber Dr. Schwarzbart referierte. Seit der Krakauer Konferenz der Allg. Zionisten sind Ereignisse zu verzeichnen, die die Situation des Allgemeinen Zionismus überaus komplizieren. Während der Ruf nach Verständigung und Zusammenschluß immer lauter, die Konsolidierung der Flügel immer stärker wird, ist der Allgemeine Zionismus noch immer zersplittert Im November war die Landeskonferenz der Allg. Zionisten Palästinas Schauplatz, weitgehender Differenzen und endete mit der faktischen Sezession der fortschrittlichen Gruppen; dann kam im Dezember der Austritt der Eth-Liwnoth-Gruppe aus der Landesorganisation in Kongreß-Polen und ihre Konstituierung als selbständiger kongreßpolnischer Landeszweig des Weltverbandes. Dr. Schwarzbart hat in seinem Referat auf der Krakauer Tagung versucht, auf die Sorgen des Allg. Zionismus einzugehen und Antworten darauf zu geben. Ueber die Beziehung zur gegenwärtigen Exekutive äußerte sich Dr. Schwarzbart etwa folgendermaßen: Der Weltverband beurteile die Tätigkeit einer jeden Exekutive nach nationalen Gesichtspunkten, unabhängig davon, ob er an der Exekutive sich beteilige oder nicht. Die Beziehung zur gegenwärtigen Exekutive sei eine durchaus loyale. Die politische Tätigkeit der gegenwärtigen Leitung sei zufriedenstellend. Die Bestrebungen der Exekutive bewegen sich auf richtiger Bahn. Die Sanierung der Finanzen seitens der Exekutive verdiene Anerkennung, ebenso ihre Bemühungen um die Pazifizierung der Verhältnisse in der Bewegung. Dagegen seien die Allg. Zionisten mit den sozialpolitischen Methoden und Tendenzen der Exekutive in Palästina und mit dem Geist und Charakter der zionistischen Propaganda unzufrieden. Zur Arbeiterschaft übergehend, erklärte Dr. Schwarzbart, daß er mit größter Achtung und Anerkennung das Werk des jüdischen Arbeiters in Palästina betrachte, Den sozialpolitischen Tendenzen der palästinensischen Arbeiterschaft aber müsse sich der Allg. Zionismus widersetzen. Die Meinungen darüber, — stellte Dr. Sdrwar» hart fest — seien innerhalb des Weltverbandes der Allg. Zio. nisten noch nicht völlig geklärt Was nun den Revisionismus anbelangt, müsse fest« gestellt werden, daß der rechte Teil des Allg. Zionismus m mehreren Fragen den Revisionismus bekämpfe, nämlich in der Frage der Disziplin. Zugleich bekämpfe er die Klassentheorie der zionistischen Linken, welche dagegen vom linken; Teil des Allg. Zionismus fast in sämtlichen Fragen unter, stützt werde. Keine Meinungsverschiedenheit gibt es dagegen im afc gemein-zionistischen Lager in bezug auf den^ vom Revisionismus geplanten föderativen Aufbau der Zionistischen Organisation, in bezug auf das von den Revisionisten verlangte Recht auf selbständige politische* Aktionen, und keine Gruppe akzeptiere deren politische Methoden. Während aber di« rechtsgestimmten Allg. Zionisten „konservative" Heilungsmittel den Revisionisten gegenüber anwenden möchten, seien die linken Allg. Zionisten Anhänger eines „chirurgischen Eingriffes". Es liege aber auf der Linie des Allg. Zionismus, daß er sich bemühe, die Revisionisten in der Bewegung festzuhalten. Einen scharfen Trennungsstrich zog Dr. Schwarzhart zw* sehen den Allg. Zionisten und denjenigen Kolonisten, die das Prinzip der jüdischen Arbeit nicht restlos anerkennen. Die Stellung des Weltverbandes zur Histadruth sei noch nicht fixiert und bLs zur nächsten Konferenz der Allg. Zionisten müsse die Schaffung einer allgemein-zionistischen Arbeiterorganisation als Di's zi p 1 inbrtich bezeichnet werden. Die in Krakau zugleich mit den Allg. Zionisten tagenden Revisionisten W e s t ga 1 i zi ens und Schles i e n s haben u. a. eine Entschließung angenommen, daß angesichts der Einführung der Disziplinklausel im SchekeHext sie keine Möglichkeit sehen, am XIX. Kongreß teilzunehmen. Die Revisionisten bilden in Westgalizien eine verhältnismäßig schwache Gruppe. Viel stärker ist hier der zionistische Arbeiter-Flügel, dessen Teil — die Hitachduth — ebenfalls in Krakau vorige Woche ihre Landeskonferenz abhielt. Diese Gruppe hat an Stärke zugenommen und weist eine intensive Tätigkeit auf sämtlichen zkmistisehen Gebieten auf. Die Vereinigung mit den Poale Zion, wie sie bereits in Ostgalizien vollzogen wurde, ist hier noch nicht zustande gekommen. Nach Schluß der Landeskonferenz der Allg. Zionisten wurde in Krakau die diesjährige Keren Hajessod- Kampagne von Dr. Immanuel Olsvanger eröffnet Man erwartet ein zufriedenstellendes Ergebnis, zumal bei dieser Aktion auch die Nichtzionisten sich eifrig beteiligen. „Masaryk - Dorf" Von unserem Prager Korrespondenten h. I. Prag, 15. Februar Am 7. März feiert T. G. Masaryk, der Präsident der Tschechoslowakei, seinen 85. Geburtstag. Im ganzen Lande trifft man bereits Vorbereitungen, um diesen Tag hesonders festlich zu begehen. Der zionistische Delegiertentag beschloß, aus diesem Anlaß eine Sammlung einzuleiten zur Errichtung eines „Kfar Masaryk" (= Masaryk-Dorf) in Palästina. Dieser Beschluß wurde in allen Kreisen des tschechoslowakischen Judentums mit großer Freude aufgenommen. Nach dem bisherigen Stand der Aktion kann man sagen, daß sie die zentrale Ehrung der tschechoslowakischen Judenheit für Masaryk geworden ist. In fast allen großen, aber auch in vielen kleinen Orten haben sich die jüdischen Gemeinden an die Spitze der Aktion gestellt. Alle jüdischen Vereine nehmen an der Arbeit für die Aktion teil. Auch in der uichtjüdischen Oeffcntlichkeit wurde der Gedanke der Errichtung eines „Kfar Masaryk" in Palästina freudig aufgenommen. Im Rundfunk fanden bereits drei P a I ä s t i n a - V o r t r ä g e. in tschechischer, deutscher und ungarischer Sprache statt, in der der breiten Öffentlichkeit von dieser geplanten jüdischen Kolonie in Palästina Kunde gegeben wurde. Ussischkin teilte mit, daß über die endgültige Festsetzung des Ortes der Kolonie in nächster Zeit entschieden werden wird. Es kommen die Gegenden bei Ii et Alfa oder Nazareth in Frage. Die Sammlung, die zur Zeit in 26t) Orten der Tschechoslowakei vom K KL, in Brünn gemeinsam vom K II. und KKL, durchgeführt wird, wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein Rekordergebnis aufzuweisen haben. Masaryk genießt auch in der jüdischen Bevölkerung nicht nur die Verehrung, die ihm als Staatsoberhaupt zukommt, sondern tiefe menschliche Sympathien; war er doch ein Vorkämpfer für Recht und Wahrheit schon lange bevor er Staatspräsident wurde. Als Universitätsprofessor kämpfte er schon um die Jahrhundertwende einen Kampf gegen sein eigenes Volk, um der Wahrheit willen: Seine bedeutendsten Taten waren die Aufdeckung der Fälschung der als Nationalhciligtum geltenden „Königinhofer Handschrift" und der Kampf gegen die Ritualmordlüge im Hilsnerprozeß. Josef Kadlec, Generalkonsul der CSR in Jerusalem, veröffentlicht anläßlich der Gründung des „Kfar Masaryk" eine Kundgebung, worin es heißt: „Der tschechoslowakische Staat nimmt dankend die guten Gefühle gegenüber dem ersten Bürger unserer Republik seitens des palästinensischen Judentums — angefangen von hervorragenden zionistischen Führern bis zum opferfreudigen Chaluz in der entlegensten Kolonie — zur Kenntnis. Diese Sympathie ist ohne Zweifel auch einer der Pfeiler, auf denen wir die wechselseitigen Beziehungen zwischen Palästina und der Tschechoslowakei aufbauen. Es ist erfreulich, wenn mit der Errichtung eines Kfar Masaryk auf dem Boden des Keren Kajemeth ein weiterer äußerer Ausdruck für diese guten Beziehungen geschaffen wird." Ckalnz - Abschied In den vergangenen Wochen haben zwei größere Chaluztransporte die Tschechoslowakei verlassen. Von Prag aus traten 120 Mitglieder des Hechaluz — der größte bisherige Chaluztransport aus der Tschechoslowakei — die Fahrt an, von Bratislava 60 Chawerim undChaweroth des M i s r a c h i. In Prag fand für die Olim ein Seminar statt, in dem hauptsächlich die Fragen der Einordnung im Lande gründlich besprochen wurden und das mit einer großen Abschiedsfeier, schloß. Exekutive und Revisionisten Das „Londoner Abkommen" zwischen Revisionisten und Zionistischer Exekutive, das jetzt in Palästina einem Referendum der Arbeiterpartei unterworfen wird, scheint durch eine neue scharfe Spannung zwischen den beiden Gruppen in Gefahr zu sein. Nachdem die Krakauer revisionistische Konferenz, wie wir seinerzeit berichteten, eine zumindest zweideutige Haltung gegenüber diesen Vereinbarungen eingenommen hat und insbesondere das Postulat einer zionistischen Disziplin weit von sich wies, hat jetzt Jabotinsky, der sich auf einer Propagandareise in Amerika befindet, eine neue Erklärung abgegeben, worin er der Exekutive Verletzung des Friedensabkommens (bei der Zuteilung von Zertifikaten) vorwirft und eine Round- Table-Konferenz aller zionistischer. Gruppen verlangt. Jabotinskys Verhandlungspartner, Ben Gurion, hat als Antwort in Jerusalem erklärt, nach dem Beschluß der Krakauer Revisionisten-Konferenz seien ohnedies weitere Verhandlungen zwisenen Exekutive und Revisionisten unmöglich. Voraussetzung jeder weiteren Zusammenarbeit sei die vorbehaltlose Anerkennung der Zio< nistischen Organisation. _ Antisemitismus im Irak Im englischen Unterhaus fragte kürzlich der Abgeordnete Wedgwood den Außenminister, ob er auf den wachsenden Antisemitismus im Irak aufmerksam geworden sei, eine Erscheinung, die die Stellung Englands in Palästina berühre, und ob der Außenminister Vorstellungen mit dem Ziel, dieser antisemitischen Strömung Einhalt zu tun, erheben wolle. Sir John Simon antwortete: „In den letzten Monaten sind mir Berichte über die Entwicklung einer antijüdischen Strömung im Irak vor Augen gekommen. Es tut mir leid, sagen zu müssen, daß diese Berichte durch meine eigenen Informationen in einem gewissen Umfang bestätigt werden; ich habe aber keinen Grund anzunehmen, daß die Irak- Regierung irgend etwas getan hat, was geeignet wäre, die Stellung der Regierung Sr. Majestät in Palästina zu beeinträchtigen. Der letzte Teil der Anfrage kommt daher nicht in Betracht.'- Abg. Wedgwood: „Ist der Außenminister im Besitze eines Berichtes seitens unserer dort stationierten Luftstreitkräfte? Besteht die Möglichkeit, daß unsere dortigen Vertreter Vorstellungen bei der Irak-Regierung erheben?" Außenminister Simon: „Ich hatte nicht Informationen seitens der von Abg. Wedgwood erwähnten Quellen gemeint. Was unsere eigene Ansicht In dieser Angelegenheit betrifft, so glaube Ich, daß Jedermann verstehen wird, welche Gefühle durch die Dinge erweckt wurden, auf die er aufmerksam gemacht hat." Die jüdischen Zeitungen verschiedener Länder Asiens, u. a. in Schanghai und Bombay, wo viele sephardische Juden wohnen, die durch enge Bande mit den Bagdader Juden verbunden sind, wenden sich in scharfen Artikeln gegen den antisemitischen Kurs int Irak und fordern ein Eingreifen des Völkerbundes. Das Königreich Irak als Mitglied des Völkerbundes habe nicht das Recht, durch innere antijüdische Maßnahmen seine Gegnerschaft gegen die englische Politik eines Jüdischen Nationalheims in Palästina zu bekunden. Hauptschriftleiter: Dr. Robert Weltteil; Berlin-Charlottenburg * Stellvertreter: Kurt Loewemteln, Bertin W 15. Anneigenleiterio and Terantwortlich für den Anzeigenteil: Helene Chancin** Berlin N 54, Verlag und Aroeigenverwaltung: Jüdische Rundschau Berlin W 15, Meinekestr. 10. D.-A. Januar 33 444. — Drw* Stegfried Scholem, Berlin-Schäneberg. i