Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 10 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10, 1. II. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU 1! Bericht über die Alijah aus Deutschland Eine Veranstaltung der Reichsvertretung Die Reichsvertretung der deutschen Juden veranstaltete am 29. Januar gemeinsam mit dem Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau einen Informationsabend für die Vertreter der jüdischen Öffentlichkeit, bei dem Dr. Georg Landauer einen Bericht über die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina erstattete. Ein /ahlreiches Auditorium hatte sich eingefunden; alle jüdischen Organisationen waren durch ihre Spitzen vertreten. Man sah u. a. für die Reichsvertretung Dr. Baeck, Dr. Otto Hirsch; für den ZentralausschuR Dr. Kreuzberger; für die Zentral wohlfahrtsstelle Dr. Paul Eppstein; für den ReichsausschuR jüdischer Jugendverbände Dr. Friedrich Brodnitz; für die Zionistische Vereinigung für Deutschland Dr. Moses, Landgerichtsrat Rau, R.-A. Benno Cohn, Dr. Lubinski: für den Kcren Hajcssod Dr. Traub; für den Hcchaluz Marduk Sehattner; für den Centrai-Verein Justizrat Brodnitz, Dr. Hirschberg, Frau Eva Rcichmann-jungmann; für den R. j. F. Dr. Löwenstein; weiter nahmen an der Veranstaltung u. a. teil: Rabbiner Dr. Hoffmann, Frankfurt a. M., und Herr Salmann Schocken, Jerusalem. In warmherzigen Begrüßungswortcn eröffnete Dr. Leo Baeck die Versammlung, wobei er die Verdienste Dr. Landauers um den Zentralausschuß mit Dankbarkeit hervorhob und darauf hinwies, daß gerade seiner Energie sehr viel für das Zustandekommen der Arbeit zu verdanken sei. Das mehr als einstündige Referat Dr. Landauers gab den Versammelten einen instruktiven und zum Teil sehr detaillierten, mit Zahlenmaterial bis in die Einzelheiten belegten Bericht über die Tätigkeit des Zentralbüros zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina. Er berichtete zunächst über die Erfolge der amerikanischen Sammlungen, über die Verteilung der eingegangenen Gelder, sowie über die Voranschläge für das Ergebnis der in diesem Jahre stattfindenden Sammlungen. Er ging dann weiter auf die Tätigkeit des „Büros" ztrt- Einordnung der deuts.hcn Alijah ein und referierte eingehend über die Verwendung der Gelder in Palästina. Bei der Beschränktheit der Mittel mußte das „Büro", um die Ansiedlung auf dem Lande zu ermöglichen, eine neue Form der Ansiedlung finden — oder wenn man will, eine alte: man vergrößerte die bestehenden Siedlungen soweit als möglich. So sind etwa 1000 Siedlerstellcn geschaffen worden. Dr. Landauer ging dann ferner auf die Probleme der Wohnungsnot in Palästina ein, die eine planmäßige Besiedlung erschwert, weil das Baugewerbe der stürmischen Einwanderung nicht zu folgen vermag. In der Berufsilmschichtung und im Lehrlingswesen konnte das „Büro" durch Kreditgewährung und Schaffung von Lehrlingsstellcn gute Erfolge erzielen. Zum Schluß wandte sich der Redner dem Problem der Jugend-Alijah zu, die er als besonders wichtig bezeichnete, weil sie die weitestgehenden Folgen für die Bevölkerungsstruktur der deutschen Juden haben wird. Das Referat wurde von den Zuhörern mit lebhaftem Beifall begrüßt, und Dr. Baeck sprach wohl im Sinne aller, als er dem Redner herzlich dankte und dabei den Wunsch aussprach, daß man gern diesen Bericht einmal gedruckt lesen würde. Alsdann nahm Herr Salmann Schocken das Wort zu einer umfassenden Ergänzung des Referats von Dr. Landauer. Drei große Tätigkeitsbereiche waren es, über die Herr Schocken sich äußerte. Zunächst sprach er eingehend über die T ä t i g k e i t d e s K K L, die er vor allem von wirtschaftlichen Gesichtspunkten her betrachtete, wobei er insbesondere auf die Frage der Zweckmäßigkeit von Anleihen des KKL einging. Ein wichtiger Teil dieser Ausführungen galt dem H u 1 e - G e b i e t. Der zweite Tätigkeitsbereich, über den der Redner berichtete, war die I I e b r ä - ischc Universität, die eine große Anzahl von deutschen Akademikern in der letzten Zeit bei sich aufgenommen hat. Durch Neubauten, die jetzt in Angriff genommen werden, hofft man, die Erweiterung fortsetzen zu können. Endlich äußerte sich Herr Schocken über das Problem der Privatwirtschaft in Palästina und ihre besondere Problematik. Er schilderte mit Eindringlichkeit und an Hand instruktiver Beispiele die Unternehmungslust der eingewanderten deutschen Kapitalisten, die oft mit unzureichenden Mitteln Betriebe ins Leben rufen, von denen dennoch anzunehmen ist, daß sie die Schwierigkeiten überstehen und sich weiter entwickeln werden. Auch in der Frage der heute so viel genannten Bodenspekulation vertrat der Redner den Standpunkt, daß man die Gefahren nicht überschätzen dürfe. Wenn man nämlich die Bodcmreise in Palästina mit den Bodenpreisen in anderen Ländern vergleiche, so müsse man doch zu dem Ergebnis kommen, daß entweder keine oder nur eine verhältnismäßig geringe U eberteuer ung vorhanden sei. Palästina, so führte Herr Schocken zum Schluß aus, muß stets mit der Golah verbunden bleiben. Dieses Referat wurde ebenfalls von dem Auditorium mit lebhaftem Beifall begrüßt, und Dr. Baeck dankte im Namen aller für die instruktiven Ausführungen. Die Veranstaltung bewies das starke Interesse, das alle Kreise des deutschen Judentums den Palästinafragen entgegenbringen. F.s zeigte sich hier wiederum mit aller Deutlichkeit, daß die Arbeit in und für Palästina jenseits aller Diskussionen geeignet ist, als Element der Einigung im deutschen Judentum wirksam zu werden. Am Tage vorher hatte die Zionistische Vereinigung für Deutschland die jüdische Presse zu einem Informatious-Abend eingeladen, bei dem Dr. Landauer über die Ansiedlung der deutschen Juden in Palästina Auskunft gab. Sämtliche jüdischen Zei'ungcn waren der Einladung gefolgt, und es entwickelte sich nach dem Bericht Dr. Landauers ein lebhafter Frage- und Antwortwechsel, bei dem zahlreiche Irrtümer und Unklarheiten aufgehellt werden konnten. Die überaus gutgelungcne Veranstaltung wird sicher dazu beigetragen haben, das Verständnis für die zionistische Idee zu vertiefen. Zeitschriftenschau Eine Würdigung Karl Joels Im letzten Heft der „K a n t s t u d i e n" findet sich ein Nachruf am den im vorigen Jahre verstorbenen jüdischen Philosophen Karl Joel, dem wir u. a. folgende Sätze entnehmen: „Wenn wir den Sinn der philosophischen Bewegungen seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts darin erblicken, die Vorherrschaft eines mechanistischen Naturbegriffs und einer an ihm orientierten Erkenntnistheorie zu brechen, so wird Joel als ein Vorkämpfer dieser Bestrebungen unvergessen bleiben. Auf einem eigenen Wege, geleitet vor allem durch die große idealistische und romantische Tradition der deutschen Philosophie, hat er sich einen Weg ins Freie gebahnt... Alle Schriften Joels sind von einem lebendigen Ethos erfüllt, das sich in einer für die heutigen Leser vielleicht ein wenig befremdenden, gefühlvollen und rhetorischen Sprache ausdrückt, dessen Echtheit aber darum nicht weniger sympathisch wirkt. Die Kant-Gesellschaft wird dem verdienten Gelehrten ein ehrenvolles Andenken bewahren." Diese Charakteristik Joels sagt zwar nicht, daß er ein Jude war, aber sie ist von um so größerem Interesse, als hier ein Jude als Antipode der sonst den Juden häufig zugeschriebenen „mechanistischen" Anschauung gewürdigt wird. Der Einfluß von Juden auf die Intelligenz der Umgebung Die erstaunliche Feststellung, daß Juden das geistige Niveau ihrer Umgebung herabmindern, macht Prof. I■ J. Bykowski in einem Aufsatz „Untersuchungen des intellektuellen Niveaus der arischen und jüdischen Schüler in den polnischen Gymnasien" („Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde", Januar 1035). Er berichtet in dieser Arbeit von experimentellen Forschungen, die er an 2,9 obersten Klassen in 14° polnischen Gymnasien an insgesamt 6978 Schülern angestellt hat, unter denen 5563 Polen und 1240 Juden sich befanden. Es zeigte sich, daß „das allgemeine intellektuelle Profil der arischen, insbesondere der polnischen Jugend, in den obersten Klassen durchschnittlich ein besseres ist als dasjenige der Juden... Ein umgekehrtes Verhältnis ist sehr selten und macht sich in der Rcgci dort bemerkbar, wo der Prozentsatz der Juden in der Klasse bedeutender ist. Ganz blondere werden die Juden von den Polen auf dem Gebiete d^r Beobachtungsgabe, Merkfähkrkeit und Phantasie über»roffen ... Diesen Mangel der Merkfähigkeit betrachte ich als angeboren, was mit einem bestimmten psveho-physischen Tvpus in enger Verbindung steht." Nach der Feststellung, daß die polnischen Vorzugsschüler die schlechtesten um ein Drittel übertreffen, während die jüdischen Vorzugsschüler nicht einmal die Hälfte der weniger entwickelten erreichen, fährt der Verfasser mit folgenden, immerhin des Reizes der Neuheit nicht entbehrenden Entdeckungen fort: „Es stellt sich heraus, daß eine größere Anzahl Juden in einer Klasse oder sogar in einer Anstalt einen deutlichen Rückgang der Intelligenz bei der arischen Jugend zur Folge (sie!) hat... Andere nationale Minderheiten dagegen, besonders die slawischen, zeigen, soviel ich feststellen konnte, weder grundsätzliche Unterschiede mit der polnischen Jugend, noch übt ihre Anwesenheit irgendwelchen si iitbarcn Einfluß aus. Nur die Juden tragen ihr eigenes eigentümliches Wesen z ir Schau. Dieses umgekehrte Verhältnis zwischen der Anzahl der Juden und der psychischen Höhe der gesamten arischen Jugend ist sehr bedeutend, denn es zeigt sich nicht nur innerhalb der Schule, sondern auch in der ganzen Bevölkerung des Ortes, wo sich die Schule befindet: das intellektuelle Niveau der Schuljugend sinkt in den stärker verjudeten Städten." Zur Erklärung dieses Phänomens will der Verfasser die angeborenen Anlagen der Juden heranziehen. Bisher wurde von der antisemitisch eingestellten Rassenforschung immer behauptet, daß das intellektuelle Wachstum der jüdischen Jugend sich schneller vollziehe als das der arischen, während der eigentliche Reifeprozeß der Arier erst nach dem 21. Lebensjahr einzusetzen pflegt; gerade deren „Intellektualismus" macht man vielfach den Juden zum Vorwurt. Es ist daher interessant, von einem offenbar antisemitischen Autor auch einmal das Gegenteil zu hören. In Civitavecchia (bei Rom) fand ersten jüdischen Marineschule die Eröffnung statt. der Aus dem Wodienabsdinitt für Sdiabbat, den 2. Februar Umfrage nicht Wahngerüchll reiche nimmer deine Hand einem Frevler, dafe du zu Unbill Zeuge würdest. Sei nldil Im Gelolg einer Mehrheit zum Bösen. Stimme Ober einen Streitfall nicht so, dich zu beugen ins Gefolg einer Mehrheit - und so zu biegen. Auch den Armen beschönige in seinem Streitfall nicht. Wenn du auf den Ochsen deines Feindes oder seinen Esel triffst. der umlrrl, zurück bring' ihn. zurück Ihm. Wenn du den Esel deines Hassers unter seiner Tracht erliegend siehst, enthalte dich, ihms zu Oberlassen - herunter, herunterlassen sollst du zusammen mit ihm. Biege nicht das Recht deines Dürftigen In seinem Streit. Von Lugs Sache entferne dich! wer unsträflich und bewährt ist, den darfst du nimmer umbringen helfen. Denn einen Frevler werde ich nicht bewährtsprechen. Beschenkung nimm nicht an. denn die Beschenkung blendet Klaräuglge, sie verdreht die Reden der Bewährten. Den Gaslsassen quäle nichl: ihr selber kennt Ja die Seele des Gasts, denn Gastsassen wart ihr im Land Aegypten. 11. Buch Mose. Kap. 23. Vers t -9 llebersetzung Iiubrr-}{i>scnz\veir} Franz Werfet; „Der Weg der Verhelfliitig" Wegen der heutigen Palästina-Sondernummer anläßlich der Palästinawoche der Z. V. f. D. muß die Fortsetzung des Abdrucks des Bibeldramas „Der Weg der Verheißung" von Franz Werfel aus Raummangel für die nächste Nummer zurückgestellt werden. IN ALLER KURZE Der hebräische Dichter Saut Tschern ichowski wurde eingeladen, in das E h r c n p r ä s i d i u in der Pen- Cl u b-Zentral c als Vertreter der hebräischen Literatur Palästinas und der übrigen Ländereinzutreten. Rabbi Meir Berlin, der vor kurzem sein Amt als Vorsitzender der Exekutive des Misrachi-Verbandes niederlegte, hat seine Demission zurückgezogen. Das Pariser Jüdische Konsistorium hat in seiner letzten Sitzung an Stelle des verstorbenen Barons Edmond de Rothschild zu seinem Vorsitzenden Baron Robert de Rothschild gewählt. Baron Philippe de Rothschild in Paris, Sohn des Barons Henri de Rothschild, hat sich mit der (iräfin Elisabeth de Chambure vermählt. Die dem hohen christlichen Adel angehörende Braut ist vor der Trauung zum Judentum übergetreten. Nach längerem Leiden starb in Bern Dr. Frit/ Ephraim, ordentlicher Professor der Chemie an der Universität Bern, im Alter von 59 Jahren. Das Kollegium der juridischen Fakultät der Kopen» hagener Universität hat einstimmig d-n Recht --gelehrten Dr. Stephan llorowitz /um l'rotcssor der Rechtswissenschaft gewählt. In Tel-Awiw wurde am 20. Januar eine Konferenz jüdischer Landwirte eröffnet. Der Püning wohnten zahlreiche Delegierte und (i.iste bei. Wie die Londoner „Times" mitteilt, steht die Bildunrr einer Gesellschaft zur E n t w i c k I u n n d e r K a 1 i - Produktion des Toten Meeres imimiC-1 bar bevor. D;e Aktien werden haupKuhlich in PakUinn untergebracht, doch sei auch ein Teil des Kapitals auf privatem Wege von englischer Seite beigestellt worden. u:id die Aktien" sollen an der I omloncr Hi-r-v gehandelt weiden. Es handelt sich nach Mitteilung der „1 imev um ein Uesamtkapital von nicht mehr als 50! ODO Pfund. Die englische Zeitschrift „T Ii e F o r t n i g h 11 y R e - view veröffentlicht in ihrem Januarheft einen Aufsatz von Israel Cohen über die Fortschritte in Palästina. Der Verfasser stellt die gewaltige Umwandlung des I andes, seiner wirtschaftlichen und sozialen Vcrhältnivse unter der Einwirkung der jüdischen Einwanderung dar. Im letzten Teil wendet sich der Verfasser gegen die geplante Einrichtung eines Legislative Council. Prof. Max Jakob A s k a n a z v, der seit 1005 als Professor der anatomischen Pathologie und der allgemeinen Pathologie an der Genfer Universität lehrt und bisher deutscher Staatsangehöriger war, wurde zum Ehrenbürger des Kantons Genf gewählt und somit naturalisiert. 5H3P~ INVENTUR-VERKAUF Elegante Kleider und Mäntel in großen Weiten zu stark herabgesetzten Inventurpreisen BlllSen, reiche Auswahl, moderne Formen........von RM 3,90 an Crepe-GeOrgette, bedruckt, gute kunstseidene Qualität RM 1,00 Noppen-Wollstoff, reine Wolle, 130 cm breit.......RM 3,50 Hcllijng«^ thlunf '-18 Ufa* »Ulli,«» ( 10 Ulw> amm) srs" ttrz ge< Wirtgreicho worden ihängig Volks» er ver-;en die* chnung welche leutscb ' heut« u. atva ihrer ■ Jude Vrischet :bt ist, nichta erklärt Volk} ondersr norali- Gefühl n dem uf stieg} :reitet, esenen dieses utschc entunt 5 JU, 'urdert-; jüdiht alla discho m e iw ufhör» i scher* kern/* : über Feind t*A^';L--- Ttumt'-^s^ t des i Qe- ' dap i üben» - aus e n tr 8 der Juden luden uden- 1 artin kein sehen von Meer ^äter ver- Wer und auf daß idenigen, Frei- >rse: ifts- :men leut- Leo Capihrer und tere soon" zuiden Gau nter hier der, lach iter in zia- :ntlen au-' lea je-: ihr chV <1iaa oralen Jeag. 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