Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 10 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1 r Nr. 10 /Jahrgang 40 Preis RM-.25 JODISCHE RUNDS Mirlftleltaiif, VarUf '"• Aa«eI*MT»rw»ltw»i ■ ■•»Hm Wl I, MalaakMtr.M f«ani: Su>m«l-Nr.Jl Bl.m.rck 3181/82,7165/70,7240/42. - Bmfpnit j«Moaat KM %-. i* Viwi.liihr RM 5,75. - Po«Ki»cfc-KeaWB 4m Vtraimb» - AbteOo»r B«rHa 71573 (Wt Graft-Berlin), B«rli* 17392 (für d« übri*. Reich). AualaneUfc*mg *> jMrstlii« LMtdnwahruBf. - IndMtal )»<U» Dl«uta| mm€ Ptritaf. BERLIN rrsnn Bar no FREITAG, 1. FEBRUAR 1935 »Rp A»««l(*n|»»Ullrt* Ifri 10 Rpf, Kir FamiliennechrichteW Schalter oder auf Foeucheck-KW Freitet 9 -15 Uhr. Annehmeechluk die Freitag.Ausg.be Mittwoch D Der Zionismus •rstrabt für das Jüdisch« Volk dl« Schaffung «rinor öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstatte Land im Aufbau Warum Palästina? Unsere Zeit, in der man wieder über jüdische Dinge nachzudenken und jüdische Gefühle aus der verschütteten Kammer des Innern zu befreien beginnt, ist anzuknüpfen an die Zeiten eines ungebrochenen jüdischen Bewußtseins, das das jüdische Volk auf sdnen vielen Wanderungen und in den Wandlungen seines Schicksals nie verlassen hatte. Nur das vergangenen Jahrhundert hat uns aus diesem natürlichen Zusammenhang gerissen und in jüdischer Hinsicht instinktlos werden lassen. Die Juden-Emanzipation fällt zusammen mit der Zeit des aufsteigenden Kapitalismus, der Vorherrschaft der Technik, der Mechanisierung des Lebens und der spielerischen Ausbreitung der sogenannten allgemeinen Bildung in einem saturierten Bürgertum. In weiten Kreisen gab es im Grunde nur zwei Interessen: Geschäft und Vergnügen. Auch die Juden machten diese allgemeine Entwicklung mit. Damit aber schwand die letzte Verbindung mit aktivem Judentum. Nur weil wir die Erben dieser Generation sind, ist es für uns überhaupt nötig, wieder klar zu sagen, warum für uns Palästina ein wesentliches und unlösliches Element des Judentums ist. Für alle Generationen bis zum Beginn (im Osten bis zum Ende) des IQ. Jahrhunderts war dies selbstverständlich. Wir aber mußten erst so manche Erschütterung durchmachen, um uns zurückzufinden. Wartim Palästina? Seit der Entstehung des jüdischen Volkes ist seine Existenz mit diesem Lande verbunden, und zwar auch zu einer Zeit, wo es noch nicht dort lebte. Dies ist ja das Einzigartige in der Beziehung \on Volk und Land, was es bei keinem anderen Volke der Welt gibt: auch wenn Israel nicht in Palästina lebt, ist es durch seine Beziehung zu dem Lande bestimmt Es ist das Land der Verheißung. In einem grausigen - Wüstenzug entflieht das Volk den Fleischtöpfen der Knechtschaft, um in diesem Lande Freiheit zu finden, auch kein besonders bequemes Leben, aber doch seinen Platz, den ihm zugewiesenen, wo es seine Aufgabe erfüllen kann. Der große Führer darf das Land nur sehen, nicht betreten. Und nun entspinnt sich ein Verhältnis der Innigkeit, der Zärtlichkeit, der Unlöslichkeit zwischen Volk und Land. Und als das Volk später vertrieben -wird, dann ist ein Schatten der Trauer über ihm, und der Sänger spricht die unsterblichen Worte. „Wenn ich dein vergesse, Jerusalem, werde meiner Rechten vergessen". Das Leben Israels zwischen den Völkern ist vom jüdischen Standpunkt begreifbar und definierbar nur als „Galuth", das heißt als Gegensatz m Erez Israel; und wenn noch so wenige oder gar keine Juden in Palästina wohnen, in den übrigen Ländern des Erdballs aber viele Millionen, so besteht in der jüdischen Vorstellungswelt doch diese Antithese: Erez Israel und Oahith. Es ist kein Quantitäts-, es ist ein Qualitätsmaßstab. In den dunklen Zeiten der Galuthexistenz wird Palästina zu dem Lande der nationalen Hoffnung und des messianischen Ideals, beides verschmilzt miteinander. Durch Jahrhunderte war das Volksleben durchzogen von der Sehnsucht nach dem Lande, sie hat die edelsten Blüten der hebräischen Poesie hervorgezaubert, sie hat das Volk immer wieder hoffen und nicht untergehen lassen. Nun ist in unseren Tagen Palästina wieder eine Realität geworden. Das Palästinastreben des jüdischen Volkes hatte im Laufe der Zeiten verschiedene Formen, heute tiat es die Form einer modernen Koloni- »ationsbewegung. Der Zionismus hat dem Judentum unserer Zeit und dem Palästinagedanken das Unverbindliche genommen. Heute und hier, mit den Mitteln «od in den Formen dieser Zeit, wird Palästina zur Stätte Nischen Lebens gemacht. Volk und Land vereinigen sich wieder. Menschen stehen im Dienste, sie sind oft Werkzeuge und wissen nicht, wofür. Niemand von uns *eiß, welche geistige Wirkung für das Judentum Palästina haben wird. Heute ist alles im Werden, die Nahsicht des Alltags trügt oft. Menschen sind keine pötter, kleine Interessen sind die Motoren des täglichen «bens, dort wie hier und wie überall. Aber was damit Rem eint ist, was jüdische Geschichte und jüdischer ueist bezwecken, das wissen wir nicht. Die nun etwa fünfzig Jahre alte jüdische Siedlung. Palästinas hat schon heute das gesamte Judentum der Deutschlands Außenhandel Der „W estdeutsche Beobachte r", Köln, bespricht in der Ausgabe vom 30. 1. die Industrialisierung Palästinasund den durch die jüdische Einwanderung dort entstandenen wirtschaftlichen Aufschwung. Dabei wird auch das Interesse der deutschen Industrie am Palästina-Handel, das in der letzten Zeit von einer ganzen Reihe deutscher Zeitungen stark betont wurde, erörtert. In dem Artikel heißt es: „In jüdischen Kreisen hofft man, Palästina zum Zentrum des wirtschaftlichen Lebens des nahen und mittleren Ostens machen zu kennen. Man wird allerdings zugelwn müssen, Haß auf diesem \\Yr»c in der letzten Zeil nicht unbedeutende Fortschritte gemacht wurden und diese Tatsache dürfte auch für die deutsche Wirtschaft nicht unbedeutend sein. Palästina zeigt sich trotz der verständlichen Abneigung gegen das nationalsozialistische Deutschland aus guten ('■riinden immer no< h als nicht unbedeutender Abnehmer deutscher Maschinen. Wenn auch zur Zeit der Absatz für die deutsche Industrie und für den dcutsefien Arlwiter Vorteile bringt, so wiid man überlegen müssen, wie sich dies in Zukunft auswirken kann, wenn das inzwischen jüdi-ch gewordene Palästina sich mit Hille deutscher Maschinen eine eigene Produktionswirtschatt aufgebaut hat, die es dann zur Verdrängung der deutschen Produktion der Länder des nahen und mittleren Ostens verwenden wird." Diese Stellungnahme scheint uns insofern bemerkenswert, als die Abneigung gegen das Judentum in einer Sache, die ein zugestandenermaßen vorliegendes deutsches Interesse betrifft, zu unlogischen Konsequenzen führt. Die Motive der Juden werden auf alle Fälle verdächtigt. Würden sie keine deutschen Maschinen kaufen, so wäre das „antideutscher Boykott"; wenn sie deutsche Maschinen kaufen, so betrachtet das der „Westdeutsehe Beobachter" gleichfalls als eine Bedrohung der deutschen Wirtschaft. Es ist schwer, ein sachliches Urteil zu erwarten, wo offenkundig vorgefaßte Antipathien den Blick trüben. Der Verfasser der Notiz scheint nicht zu bedenken, daß auch andere Länder Maschinen exportieren und auf diesem Gebiet sogar ein sehr scharfer Konkurrenzkampf um die Expnrtmärktc geführt wird. Es liegt die Frage nahe, ob es im deutschen Interesse günstiger ist, daß die palästinensischen Juden solche Maschinen aus anderen Quellen beziehen. Die „() a z c t a Handlo w a", Warschau, Nowv Swiat 16, eine polnische Handelszeitung, veiöffenUicht eine monatliche Palästina-Beilage, deren Janiiarnummer uns vorliegt. Die Beiträge behandeln fragen des polnisch-palästinensischen Handels, sowie Darstellungen aus der Palästina-Wirtschaft und sind teilweise polnisch, teilweise in englischer und französischer Sprache geschrieben. Unter den Mitarbeitern finden wir Dr. Marcus (llaitai, Dr. Nawrat/kv, Leo Levitc u.a. hin Artikel über Inlands i'aiastina-l'olnik stammt von Alexander Hafflka, Referent für Minoritätsfragen im polnischen Innenministerium. Die Zeitschrift zeigt, welches Interesse in allen europäischen Ländern dem Palästina-Handel heute zugewandt wird. Dies beweist auch ein kürzlich in der Wiener „Neuen Freien Presse" veröffentlichter Artikel von Regierungsrat Dr. Sattlcr-Dornbachcr, Sekretär des Außenhandelsdienstes der österreichischen Handelskammern, über den deutsch-palästinensischen Handel, worin er nach Darstellung der Daten an den österreichischen Handel die Aufforderung richtet, den Export nach Palästina zu verstärken und die Konkurrenz mit Deutschland aufzunehmen. Zum Berner Prozeß Wie bereits in der vorigen Nummer mitgeteilt, hat der Gutachter der Angeklagten, Oberstleutnant a. D. Fleischhauer, der Herausgeber des „Welt-Dienstes" (W. D.) in Erfurt, nunmehr dem Gerichtshof in Bern sein Gutachten über die „Protokolle der Weisen von Zion" überreicht. Es ist anzunehmen, daß der Experte sich in dem Gutachten, das ja zur Entlastung der Angeklagten dienen soll, für die Echtheit der Protokolle einsetzt. In diesem Zusammenhang interessiert eine Mitteilung, die wir in der letzten Nummer des „Stürmer" finden. Danach hat sich ein Komitee gebildet mit der Aufgabe, „Klarheit in die Angelegenheit der Protokolle zu bringen". Dieses Komitee (dessen Mitglieder nicht genannt werden) veröffentlicht einen Aufruf, in dem erstens aufgefordert wird, ihm Material zur Verfügung zu stellen (gemeint ist offenbar Material, das die Echtheit der Protokolle erweisen sali), wobei es heißt: „Aus scheinbar harmlosen Nachrichten, deren Tragweite der Absender gar nicht zu übersehen in der Lage war, gibt und ergab sich oft der Schlußstein des Mosaikbildes." Die zweite Bitte, die ausgesprochen wird, ist die um finanzielle Unterstützung. Es wird gebeten, Spenden auf ein Konto in E rf u rt zu überweisen, das die Bezeichnung trägt „Aryan Christian Protection Fund". Warum eine englische Bezeichnung gewählt wurde, ist nicht ersichtlich. Wir haben den Aufruf dieses Komilees, der ja wahrscheinlich an viele Zeitungen versandt wurde, in keiner deutschen Zeitung mit Ausnahme des „Stürmer" gefunden. Daraus darf man wohl annehmen, daß keine andere Zeitung sich — besonders nach den Enthüllungen des Berner Prozesses — für die These einzusetzen bereit ist, die der „Stürmer" im Anschluß an den Aufruf dieses Komitees in der letzten Nummer wiederholt: „Die Protokolle von Basel sind echt. Sie sind das Teufclswerk der Juden und werden es immer bleibe n." Diplomaten-Empfang bei Sokolow Die Polnische Telegraphen-Agentur (PAT.) meldet aus London: Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, gab am 28. v. M. einen Empfangsabend für den polnischen Botschafter in London, Raczynski, und dessen Gattin. Anwesend waren u. a. der englische Außenminister Sir John Simon und der Kolonialminister Sir Philipp Cunlilfe- L ist er, ferner eine Reihe anderer Persönlichkeiten aus englisch politischen und literarischen Kreisen, die Mitglieder der polnischen Botschaft und des Generalkonsulats und eine Reihe von führenden Zionistcn. Während des F.tnpfangsahends spielte der berühmte polnisch-jüdische Pianist Arthur Rubinstein. Welt geistig, moralisch -und auch physisch verändert. Auch die Gegner — es gibt noch welche — sind in ihrer jüdischen Haltung von der Palästina-Idee beherrscht, sei es auch negativ. Die wirtschaftliche Prosperität im heutigen Palästina ist sicherlich kein ewiges Faktum und keines, auf das man eine Idee bauen könnte. Aber die Tatsache bleibt bestehen, daß in Zeiten großer Not (die ökonomische Not der Juden in Polen ist furchtbar) Palästina der einzige Ausweg und die einzige Zuflucht ist. Gewiß, der ideale Zustand wäre, daß Juden, denen es gut geht, nach Palästina gehen, nicht denen es schlecht geht. Aber auch diese Seite der Sache können wir nicht übersehen. Aus allen Ländern fließen Kräfte und Mittel der Juden in Palästina zusammen. Die Versprengten von allen Enden der Welt finden sich, lernen sich kennen, es wächst eine neue Generation heran, die bereits den neuen Typus des „Juden ohne Bindestrich" darstellt. Keiner, der heute verächtlich spricht, kann wissen, ob er nicht morgen schon dem Lande für die Atifnahme eines nahen Angehörigen dankbar sein muß. Palästina geht aber auch die Juden an, die nicht persönlich unmittelbar damit verbunden oder gar materiell daran interessiert sind. Es ist der Ort der Bewährung für das moderne Judentum, die einzige Möglichkeit einer Widerlegung der Behauptung von unserem „parasitären" Dasein. Die Zionistische Vereinigung fiir Deutschland veranstaltet in diesen Tagen eine P a I ii s t i n a - W o c h e. In Berlin und anderen Städten werden Kundgebungen stattfinden, die Bedeutung des Palästina-Gedankens für die Juden wird herausgestellt. Die deutschen Juden sollen mit den Realitäten Palästinas vertraut gemacht werden. Das ist keine von außen kommende Forderung, es ist ein elementares Bedürfnis. Die „Jüd. Rundschau" bringt in ihrer heutigen Nummer eine Fülle von Material, Ausschnitte aus dem Leben und der Arbeit in Palästina, Unsere Leser haben ohnedies die Möglichkeit, die Entwicklung im Lande ständig sachlich und objektiv zu verfolgen. Es gibt wenig Dinge in der heutigen Welt, die sich einfach an Interessantheit mit Palästina messen können. Aber bei alledem wissen wir und müssen das stets gegenwärtig halten, daß Palästina mehr ist als ein kolonisatorisches Experiment oder ein politisches Problem. Es ist für uns eine Idee, es ist ein Wesenselement des jüdischen Volkes, zugleich Aufruf zu höchster Leistung und Anspannung zur Erfüllung unseres geistigen Berufes als Volk. Nur wenn in einer modernen Form jene tiefen seelischen Kräfte der innigen Verbundenheit mit dem Land und seinem Boden, die die ganze jüdische Geschichte beherrscht haben, lebendig werden, dann wird der Palästina-Aufbau seinen wahren Sinn bekommen. c!lcng«Ä ilun««pj -rauh* Uhr.«« loUhH imm) *s" rz ges. /•irt-;reichfj /ordel» längig; Volks- •r veren die hnung velche eutscb heute u. a.3 ihrer Jude rischa bt ist.,, nichts« :rklärti r°lk4 mders toraliiefühi i der» fstiegj reitet, senen diese» itsche .'nrurrji J U •«! urder» jüdit alle; lisch© -n erw ifhör« schert;ern.f* über Feind •tum«* des' Oe- . deß;' ibeir. aus :nt;- ,1 der uden udent idenartiti keim chert von 4eert 'äter ver- Wer und auj! daß d engen, •refrse: iftsii en eut- Leo apiirer und tere so» >n" zuden jau iter ner ter, ach ter in Tanten tuen ie-: hr :!f< das ir- •iletl le-' ag.