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Jüdische Rundschau · 1935-01-29 · Heft 9 (29.1.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 9 (29.1.1935)
Date
1935-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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/ 5 I Nr. 9^Jahrgang 40 Preis RM -.25 JODISCHE RUNDSCHAU Rpl SehHftleltnng.VerUjf a. Ansalfanvarwaltan« ■ Berlin W1S, M«ln«ke«tr.tO Fernruf: Sammel-Nr. 11 Binmarck 3181/82,7165/70,7240/4Z - Bezugspreia je Monat RM 2,-, i« Vieneljahr RM 5,75. - Postscheck-Konten der Vertrieb« - Abteilung: Berlin 71573 (lür GrofS - Berlin), Berlin 17392 (lür da. übrige Reich). Au.lanHv bezng in jeweiliger Landeswährung. - Erscheint Jaden Dienstag and Freitag» BERLIN mnn mv n'o DIENSTAG, 29. JANUAR 1935 Anzelgenpreisllste Nr. 2 gUltljr. Die 12ge»p. mm-Zeilo 20 Rpl, lür Siellenge« 10 Rpl, lür Familiennachrichten 15 Rpf. Einrelanieigen nur eeKcn Vorsauahluae am Schalter oder auf Posireheck-Konto Berlin 71618 Montan bis Donneretaf; 9-18 Uhr, Freitag 9-15 Uhr. Annahmr»chlur> lür die Dienstag.Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag-Auseabe Mittwoch 13 Uhr (Fatnilicnarueicen bis Donnerstag 10 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer Offentlieh - rechtlich gesicherten Helmstatte In Palästina. (Baseler Programm) Zwischen Rassen und Völkern Nationale Idee und Umwelt Seit über 100 Jahren hat sich im Leben der europäischen Völker das nationale Prinzip durchgesetzt. Auch Volksgruppen, an deren Dasein man eigentlich nicht mehr recht glaubte, weil sie teilweise seit Jahrhunderten keine politische und kaum noch eine kulturelle Eigenexistenz führten, bewiesen ihre Lebenskraft und entwickelten neue politische Formen und kulturelle Kräfte. Dieser Vorgang, der sich vor unseren Augen abgespielt hat und auch heute noch nicht abgeschlossen ist — greift er doch in immer stärkerem Umfange auf die außereuropäischen Länder über —, ist zu einer gewaltigen Macht im politischen Leben geworden. Es zeigt sich, daß die nationale Beziehung von Mensch zu Mensch, die ihre stärkste Stütze im täglichen Erleben und in den Die Ehre der deutschen Juden Eine Erklärung der Reichsvertretung Die Reichsvertrctung der deutschen Juden übergibt uns folgende Erklärung: Auch das überwältigende Ergebnis der Saar-Abstimmung hat zu unserem schmerzlichen Bedauern dem Gauleiter Julius Streicher dazu gedient, in einer Rede in Nürnberg uns Juden zu diffamieren. Er tat dies mit folgenden Worten: „Der Jude Matz. Braun war Beauftragter der jüdischen Rasse, des jüdischen Volkes. Er war beauftragt, zu verhindern, daß das Saarvolk zum Mutterland zurückkehre. Ihr Nürnberger, Deutsche, vergeßt nie: Ein Jude war es, der an der Spitze des Terrors stand, ein Jude war es, der mit dem Geld der Judenbanken und der jüdischen Weltbörse glaubte, dem deutschen Volke das Unglück bringen zu können, daß hunderttausende Deutsche für immer dem deutschen Volk genommen werden. Jawohl, wollen wir nie vergessen: Ein Jude stand an der Spitze der Schande, die wir erlebten." Demgegenüber erklären wir: Dies Ist nicht wahr und stellen fest: Max Braun ist weder Jude, noch jüdischer Abstammung. In derselben Rede hat der Gauleiter Streicher Dr. Walter Rathenau die Worte in den Mund .gelegt: „300 Männer, die sich gegenseitig kennen und durch das Blut verbunden sind, regieren die Geschicke der Welt." Demgegenüber stellen wir fest: Die Aeußerung Rathenaus (in seinem Buch „Zur Kritik der Zeit", Berlin 1912, S. 206) lautet: „300 Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die Wirtschaftsgeschicke des Kontinents und suchen sich Nachfolger aus ihrer Umgebung." Die Worte „durch das Blut verbunden" hat Rathenau nicht gebraucht. Wann endlich werden solche, uns tief verletzenden Ausstreuungen ein Ende nehmen?! Zur Wahrung unserer Ehre bleibt uns nichts als feierlicher Protest! Die Reichsvertretung der deutschen Juden BAECK HIRSCH großen Ereignissen findet, an denen die nationale Gemeinschaft teilnimmt, in unserer Zeit vorherrscht. Die Besinnung auf die Eigenart und die Rückkehr zu den Werten, die das Volkstum in der Vergangenheit geschaffen hat, und die als seine lebendigen Zeugen in unserer Generation fortwirken, führt naturgemäß dazu, daß fedes Volk danach strebt, ein Leben in Freiheit und Ehre und in gesicherter wirtschaftlicher Position zu führen. Diese äußeren Bedingungen ermöglichen der Nation erst die Entfaltung ihrer schöpferischen Kräfte. Der Gedanke der Rückkehr zu der eigenen Substanz birgt aber naturgemäß m sich die Konsequenz, auch für alle anderen Völker das Recht des Eigenlebens anzuerkennen, ja er verlangt geradezu von jedem Menschen, daß er sich der ihm tigenen, von Natur und Geschichte gegebenen nationalen Gruppe zurechnet und dazu beiträgt, daß diese ihre Eigenart pflegt. Das jüdische Volk ist in diesen Prozeß der Nationalisierung seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts 81 steigendem Maße einbezogen worden. Auch bei ihm bestand die Gefahr, daß es in Geschichtslosigkeit versinken könnte; große Teile, besonders des westlichen Judentums, waren den Weg der Absplitterung gegangen, ■ndem sie versuchten, in der Umwelt national unterzutauchen. Dagegen hat sich in unserem Volke die Stimme dcs nationalen Gewissens erhoben und gefordert, daß das jüdische Volk alles daran setzt, seine Eigenart zu Stimmen zur Rassenfrage Gestaltung: des Unterrichts Reichsminister Rust hat im Einvernehmen mit dem Rassenpolitischen Amt der NSDAP, einheitliche Richtlinien für die Zielsetzung des Unterrichts auf den Gebieten der Vererbungslehre und Rassenkunde erlassen, durch die bisherige Ministerialerlasse der Landesregierungen abgelöst werden. Ziel der neuen Verordnung ist, im Unterricht aller Schularten die neuen Erkenntnisse zu vermitteln, aus ihnen die Folgerungen für alle Fach- und Lebensgebiete zu ziehen und dadurch nationalsozialistische Gesinnung zu wecken. Es gilt daher, wie es in den Richtlinien heißt, erstens „Einsicht zu gewinnen in die Zusammenhänge, die Ursachen und die Folgen aller mit Vererbung und Rasse in Verbindung stehenden Fragen", zweitens „Verständnis zu wecken für die Bedeutung, welche die Rassen- und die Vererbungserscheinungen für das Leben und Schicksal des deutschen Volkes und die Aufgaben der Staatsführung haben" und drittens „in der Jugena Verantwortungsgefühl gegenüber der Gesamtheit des Volkes, d. h. den Ahnen, den lebenden und kommenden Geschlechtern zu stärken, stolz auf die Zugehörigkeit zum deutschen Volk als einem Hauptträger des nordischen Erbgutes zu wecken und auf den Willen der Schüler in der Richtung einzuwirken, daß sie an der rassischen Aufartung des deutschen Volkstums bemußt mitarbeiten". Diese Schulung von Sehen, Fühlen, Denken und Wollen soll bereits auf der Unterstufe einsetzen, so daß entsprechend dem Willen des Führers und Reichskanzlers „kein Knabe und kein Mädchen die Schule verläßt, ohne zur letzten Erkenntnis über die Notwendigkeit und das Wesen der Blutreinigung geführt zu sein". Ueber die Anwendung dieser Grundsätze auf die einzelnen Stoffgebiete wird aus den Richtlinien u. a. folgendes mitgeteilt: Da allen deutschen Stämmen und allen Volksgenossen Einschläge nordischen Blutes gemeinsam sind und sie in Wahrheit blutsmäßig zusammenhalten, so liegt hier die biologischrassenkundliche Grundlage des Erlebnisses der Volksgemeinschaft. Das sicherste Kennzeichen einer Rasse wird immer ihre charakterlich-seelische und geistige Haltung und Leistung sein. Aus dem eigenen Rassenstolz folgt ebenso die Achtung vor der Eigenart der andersrassigen Völker. Die Gefahren der Rassenmischung mit fremdartigen Gruppen, besonders mit außereuropäischen Bestandteilen, sollen nachdrücklichst dargestellt werden. Jede Vermischung mit wesensfremden Rassen (leiblich oder geistig-seelisch) ist Verrat an der eigenen Aufgabe und damit am Ende Untergang. Grund der Ausschaltung fremdrassißer Gruppen ist also nicht etwa die Ueberzeugung von der besonderen Schlechtigkeit, sondern lediglich die Feststellung ihrer unabänderlichen Andersartigkeit. Juden und Zigeuner Im Rahmen von Betrachtungen über Rassefragen im Zentralorgan des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen hat der Sachverständige für Rasseforschung beim Reichsinnenministerium, Dr. Achim Gercke, Grundsätze der Arterhaltung als Ziel der Ariergesetzgebung aufgestellt. Dr. Gercke erklärt, Unterbrechung der artgemäßen Entwicklung sei die Sünde wider das Blut, die die heute lebende und auch noch die nächste Generation mit besonderer Schärfe auszutragen haben werde. Unter der arischen Abstammung sei die Entwicklung in den Grenzen des stammverwandten Blutes zu verstehen. Ein Bluteinschlag undeutscher Herkunft müsse wenigstens einem verwandten Volkstum entstammen. Dieses verwandte Volkstum sei bei den europäischen Völkern anzutreffen, insbesondere bei denen, die seit geschichtlicher Zeit unvermischt in geschlossener Volkstumsiedlung in Europa ihre Heimat hätten. Das heimatlose Judentum und die vagabundierenden Zigeuner gehörten diesem Kreis nahestehender Völker mit ähnlicher rassischer Herkunft nicht an. Die Hoffnung auf Milderung der Bestimmungen über die Rassenscheidung und der Versuch, Ausnahmen zu erreichen, gingen von der Absicht aus, die kiare Scheidung von Art und Art zu verwischen, und gingen völlig fehl in der Annahme, daß die Zwischenformen jemals als eine glückliche Lösung betrachtet werden könnten. Verwischung und Vermischung störten die Absichten einer sauberen Rassenpolitik. Die Beurteilungen seien falsch, die vom einzelnen aus getroffen wurden, die ihn als Sonderfall darstellen wollten. Im Voiksatifbau gebe es keine Sonderfälle. Rassendämmerung; Der neuernanntc Professor an der Universität Jena, Präsident des Thüringischen l.andcsamts für Rassewcscn, Professor Dr. Astel, hielt unter groller Anteilnahme der Dozenten- und Studentenschaft seine Antrittsvorlesung über Rassendämmerung und ihre Meisterung durch Geist und Tat als Schicksalsfrage der weißen Völker. Nach einem Bericht des „Völkischen Beobachters" kam Prof. Dr. Aste! auf die Bestrebungen zur Verhütung eines erbkranken Nachwuchses zu sprechen. In diesem Zusammenhang sagte er: „Die Edelrassigen aller Länder haben eingesehen, daß sie von lebensfeindlichen Mächten, dem vorderasiatischen Judentum und seinen Filialen, betrogen und gegeneinander gebracht, lange Zeit ihre Haut zu Markte getragen, gelitten und geblutet haben, und nur zu viele der Edlen kinderlos gestorben sind. Sie wollen ihre Kraft nicht mehr der Verminderung, der Abschwächung des edlen, starken Lebens, sondern dessen Rettung, Erhaltung und .Hochzüchtung zuwenden." Aus der Rechtsprechung Die Zeitschriften „Jugend und Recht" vom 15. 1. 35 und „Deutsches Recht" vom 25. 1. 1935 geben den Wortlaut eines Urteils des Landgerichts Aschaffenburg wieder, das über die Ehelichkeit eines von einer arischen und arisch verheirateten Mutter geborenen Kindes zu entscheiden hatte. Der klagende Ehemann stützte seine Klage auf die Behauptung, daß seine Frau Ehebruch — und zwar mit einem Juden _ — getrieben hahe, von dem nach Lage der Dinge das Kind erzeugt sein müsse. Eine vom Kläger beantragte Blutgruppen- Untersuchung konnte, soweit es sich um die Person des Ehebrechers handelte, nicht durchgeführt werden, da dieser sich zur Blutentnahme nicht bereit erklärte. Die Kiage wurde abgewiesen, weil die gesetzliche Vermutung der Vaterschaft des Klägers nicht entkräftet wäre, und auch eine Blut^ruppcnuntersucliung hierzu nicht ausreiche, jedenfalls solange nicht, als nicht der Ehebrecher in die Untersuchung mit einbezogen werde, was bei seiner Weigerung nicht möglich sei. Die erwähnten Zeitschriften kommen auf dieses Urteil zurück, weil es vom Standpunkte der Rassenpolitik abgelehnt werden müsse, da es der Ras<envermi*chung Vorschub leiste. Die Zeitschrift „Deutsches Recht" bemerkt u. a.S „Man vt rgreemvii o ige >irh die prakti jtidenb'u! ige Kind genickt auf < irund einer Hing" alle Rechte um! Vorteile eine., an-.1v die Beamteai'authahn oken, es ..gilt" eatge des Parteiprogramm-* aK V< >!k -gen 1.-...0. es am dem als Bruder anerkannt weiden Der artige Urteile meglieh nnd, den WVr der 1111 um mit Hilfe einer Legalität ~ierhiuk, d'.e er haben vergeht, .-.ein Uhu in die Yolk-geineai-i Es wird sodann ausgeführt, daß der entschieden werden müssen. 1 F., H/kel lud halt 11 Fall D.i.? Vermul<~, ihm steht sr, Artikel 4 ar.-.ehen Kmat, wenn derti F.n'eugung, lieh zu h:\nd- :aa itmt' ragen." anders hätte wahren und sich die Möglichkeit zu schaffen, unter besseren, gesicherteren Bedingungen auf dem Boden Palästinas sein nationales Leben von Grund auf zu erneuern. Damit sollte nichts gegen die Tatsache gesagt sein, daß das jüdische Volk mit den Kulturgütern Europas durchtränkt worden ist, und daß es in Zukunft nicht mehr ohne diese gedacht werden kann. Wenn wir uns auf unsere Eigenart und unsere kulturellen Leistungen in den Jahrtausenden unserer Geschichte besonnen haben und diese als den zentralen Wert auch der heute lebenden jüdischen Generation anerkennen, so bedeutet dies gewiß keine Ablehnung oder Geringschätzung derjenigen Kräfte in uns und um uns, die aus dem europäischen Kulturbezirk stammen. Für uns Juden ist nun eine schwere Krise dadurch entstanden, daß ein großer Teil von uns sein Leben außerhalb des jüdischen Bezirkes zu führen suchte und heute aus diesem verdrängt wird. Wir meinen damit nicht so sehr die für viele eingetretenen wirtschaftlichen Folgen, sondern in erster Linie den geistigen und seelischen Bruch, der über all diejenigen gekommen ist, die ein geistiges Leben im nichtjüdischen Bezirk zu führen glaubten und jetzt erkennen mußten, daß ihnen trotz ihrer subjektiven Ueberzeugung der wirkliche Zugang dazu noch nicht erteilt worden war. Für all diese kann es heute nur den Weg geben, der durch das Wort von der Renationalisierung bezeichnet wird. Sie müssen erkennen, wo der Schwerpunkt ihrer Persönlichkeit liegt und noch mehr: wo es für sie eine Aufgabe zu lösen gibt. Der Versuch, das Judentum als nationalen Wert auszulöschen, ist mifMtingen. Er wird von der Umwelt bekämpft, die — nach einem autoritativen Wort — jede Entnationalisierung grundsätzlich ablehnt Gewiß liegt dieser Vorgang bei uns Juden, die zwischen den Völkern eingesprengt leben und keinerlei Verbindung zu einem territorial geschlossenen Volkskörper besitzen, die im Westen Europas die gleiche Sprache wie die Umwelt sprechen, anders als bei den Volksgruppen, die als Minderheit im fremden Staatsverband doch auf gewisse Territorien beschränkt sind. Auch bei uns waren es vielfach nicht die besten menschlichen Kräfte, die sich der schrankenlosen Assimilation hingegeben haben. Aber llcngaaat lungaja- 18 Ufa» Uhr. {na 10 Uhr) mm) rs? z ge* '•irtreicher ordert ängig /olks« r vern die* inung 'eiche •utscb heut« 1. a.-a ihrer Jude -ischei >t ist.,, lichta rklärti o\M ndersp oraliefühl derrt 'stieg} eitety jenen lieses tsche ntun» Ju.-i irdert jüdi— I alle» ischo a erw fhör« «hejt ern." über reind :\Aus- ''«"-l tlim*":.*M*| des '1 Ge* d«n ■ sbeiv» aus n tider Klent ident den« irtinf kein .neu von teer äter ver- " iVer und auf daß lenren, rei- ■se: ftsnen rut- _eo ipiirer md ere soll" zuien iau ter 1er er, ich ter in Saiten uen e-; hr H-' las iT« il- '-» ' e-' 'g

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