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Jüdische Rundschau · 1935-01-15 · Heft 5 (15.1.1935) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 5 (15.1.1935)
Date
1935-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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H. E.* hat hinten ein weißeäfPapier : hingeklebt. Pa schrieb er drauf: gestiftet von der Jüdischen Schule!) Dann aßen wir zuerst die Suppe. Nachher gingen wir in die Synagoge, sie dauerte bis 7.25 Uhr. Dann stellten wir uns auf und zogen ins Schwarzwaldheim. Als wir heimkamen, machte Herr B. Kiddusch. Dann gab es ein Nachtessen, weil man es auf den Abend aufgehoben hatte. Das war sehr hervorragend. Der Nachtisch war gekochter Träublekuchen, das war sehr gut. Dann sangen wir Schir hamalos und auch das Beiischen, weil man am Schabbos das Benschen singt. Das tun .wir jeden Freitag und Samstag. Nach dem Abendbrot sangen wir verschiedene Lieder. H. Sch., H. V., L. F. und A. Z. trugen „Ein kelokenu" vor. Dann hat H. Sch. die „Glocke" vorgetragen, das war so schön. Dann gingen wir ins Bett, weil es schon 9 Uhr war. Auch diesen Abend konnte ich gut einschlafen. 4. Tag Heute haben wir zum Frühstück Kuchen und Kakao gehabt. Dann gingen wir in die Synagoge. Da haben wir noch von Freitagabend die hebräische Bibel mit in die Synagoge «..^g^o.jy.^.». •.^gCKHST?*'SEiäWto^ alt aus^rierr B. hat die Thora geholt und las sie vor. Es ging sehr schnell und war sehr schön. Um 10.30 Uhr war die Synagoge aus. Dann gingen wir ins Heim zurück und machten Kiddusch. Herr B. hatte noch nicht gefrühstückt; er hatte nur vor der Synagoge eine Tasse Kaffee getrunken. Dann gingen wir Imnau zu, fast waren wir in Imnau. Dann setzten wir uns hin. Da flog gerade ein Wespenschwarm auf mich. Da bekam ich 5 Stiche. Die anderen lachten alle, weil ich lief und schrie. Das war nicht schön. Es ist so dumm, daß es unnützliche Tiere gibt. Wir gingen heim. Die Erdbeeren dufteten uns verlockend entgegen. Aber wir durften doch keine pflücken, weil es ja Schabbos war. Als wir heimkamen, hatten wir einen großen Hunger. Nachmittags gingen wir auf eine Waldwiese. Schwester E. war auch dabei. Dann: hat uns Herr B. von Hillel erzählt. G. M. erzählte uns von dem Mann mit den Kerzen. Dann spielten wir Faulei und Schinkenpatscheries. Ich war nie das Faulei. Alswir heimkamen, aßen wir Pudding und gingen ins Bett. Im Bett machten wir Gaude, die R. B. machte einen Butsebaum. So verging der Tag sehr schön. Es war ein richtiger Tag der Ruhe... Der „Tag des J.P. D." Mit Krachen, Poltern und Stöhnen ziehen wir den mit Besenstielen und Bettüchern vollbepackten Handwagen zum Bar-Kochba-Platz. Endlich angelangt! Schon 7.40 Uhr. Schnell wird der Wagen zur Lagerstätte gezogen. Dann geht's Hals über Kopf zur Sammelstelle. In Reih und Glied warten wir auf das, was uns heute mitgeteilt wird: Der Tag des JPD. soll ein Ersatz für Fahrt sein! Er soll die Gemeinschaft stärken. —Nun geht's im Galopp wieder zu den Lagerplätzen. Auskleiden, zum Sammelplatz stürmen und zur Morgengymnastik antreten ist eins. Bald bemühen wir uns schwitzend, die vorgeturnten Ucbungen auszuführen. Nach etwa Vi Stunde ist Schluß. Das Vornüttagsprogramm wird vorgelesen, und dann sausen wir nochmals zu dem uns zugeteilten Platz. Nun aber ran!! In Vi Stunde müssen alle Zelte stehen, doch kein Zcltmaterial darf dazu benutzt werden. Wie ein Ameisenhaufen sieht der Platz aus. Ueberall werden Pflöcke und Häringe eingeschlagen. Merkwürdige Hnringc! Klammern und Zweige halten auch! Die Besenstiele wollen ewig Die Sieger im Zeltbau werden photographiert nicht in die Erde, und jedesmal reißt ein anderer Faden! Fast wäre das ganze Zelt eingekracht! 9.50 Uhr, 9.55 Uhr, .9.57 Uhr, 10. Uhr!! Alle Kwuzoth stehen in einer Reihe vor ihren Zelten und der Preisausschuß sieht sich von außen und innen die „Kunstwerke" an. Was gibt es da für verschiedene Zelte! Kleine, flattrige aus Papier, große, straffgespannte Stoffzelte, alle möglichen Formen. Aber in nur wenigen hat eine ganze Kwuzah Platz. Unseres ist eins von diesen besonderen. Aber o weh, gerade als die Herren Preisrichter unser Zelt mit beifälliger Miene betrachten wollen, kommt ein starker Windstoß und — unser Zelt war einmal! Trotzdem wir es sofort wieder aufbauen, bekommen wir gleich zwei Minuspunkte. Nach der Besichtigung ist Frühstückspause. Nachdem wir unseren Riesenhunger gestillt haben, finden die Wettkämpfe statt, Völkerball, Wert- und Staffellauf. Die Beteiligten versammeln sich am Start. Wer wird gewinnen? Da sausen schon die ersten Läufer an uns vorüber. „Schnell, schnell!" Doch auch das Rennen geht vorüber, und jetzt kommt das Schönste, das Wettkochen! Von uns schälen Ruth und Lia die Kartoffeln, Rahel und Liesel bauen den Herd. Nachdem dieser aus Steinen aufgestellt ist und nach langem Mühen das Feuer flackert, werden die Kartoffeln darauf geschoben. Schnell wird noch ein Herd für das Gemüse aufgerichtet; und jetzt heißt es aufpassen, daß das Feuer nicht .ausgeht! Alle zwei Minuten müssen wir es durch Blasen anfachen. Die Zeit vergeht langsam. Das Gemüse ist schon heiß, aber die Kartoffeln wollen nicht weich werden! Schon ist die erste Kwuzah fertig, nun auch die zweite, und endlich wir an dritter. Stelle! Wir bringen die Töpfe mit Stöcken zum Zelt. „Mh, schmeckt das fein!! Und nicht einmal angebrannt 1<4 Hurra, Essen!!! Nun kommt das Beste, das Spezialgericht, eine eben zubereitete Torte aus Mazze und Schokolade. Leider kann jede von uns nur ein Stück bekommen, so gerne wir auch den um milde Gaben Bittenden der anderen Kwuzoth etwas abgegeben hätten! Friedel überlegt schon, ob ihren Mädels das viele Essen nicht schaden könnte und will sich gern opfern. Nun ist Mittagsruhe. Wir essen unser Obst und erzählen uns Geschichten. Danach finden die Schlußkämpfe statt. Wir sind Sieger im Völkerballkampf der Mädelsjüngernschaft! (Leider ohne Preis!!) Nach heißem Kampfe werden die Ergebnisse mitgeteilt. Jetzt können wir uns nochmal bei einem lustigen Theaterstück richtig auslachen, und dann heißt es, 'Beim Frühstück an das Einreißen der Zelte gehen. Wie schade, es steckte; soviel Arbeit darin! Endlich scheiden wir mit einem herz-s liehen „Chasak" und ziehen mit unserem verdächtig leer, gewordenen Handwagen nach Hause. Hoffentlich werden wir bala wieder so einen schönen Tag gemeinsam verleben können. J. P. D. Leipzig, Kwuzah Chassidah (13 J.)

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