Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 2 (4.1.1935)
- Date
- 1935-01-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Saite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 2, 4.1.1935 Ein „Polizei-Beridit" über Palästina Aus den Memoiren eines Polizei-Offiziers Im Verlag von John Murray In London ist soeben ein ebenso interessantes wie aufschlußreiches Palästina-Buch erschienen, das in jüdischen und vor »Hein in zionistischen Kreisen verdiente Aufmerksamkeit finden sollte. Sein Verfasser igt Douglas V. Duff, der kurz; nach Kriegsende als einfacher Polizist mit der „British Gendarmerie of Palestinc" ins Land kam und es nach den Unruhen von 1029 als hoher Poli/cioffi/ier verließ. Er war eine Zeitlang der bestgehaßte Beamte bei den Juden, weil er es war, der am Jom Kippur 1925 den Wandschirm an der Klagematior entfernte, — gegen seinen Willen und auf ausdrücklichen schriftlichen Befehl des Dlstriet Commtssioners, wie er in seinem Buche berichtet. Nicht lange darauf war der ganze Jischuw seine« Lobes voll: war er es doch, der 1929 die Kolonie Mischmar ha-Emek vor dem Untergang rettete. Bevor Duff seine Erlebnisse in Palästina Schildert*), gibt er einen Bericht über »ein vorheriges Leben, den der jüdische Leser nicht tiberschlagen sollte, weil er aufschlußreich ist für die Psyche des Verfassers und typisch für eine gewisse Schicht des britischen Kolonialbeamtentum?, das seinen Aufstieg aus dem Bcrufssoldatentum genommen hat. Der junge Douglas wird mit 13 Jahren Kadett in der Kriegsmarine, erlebt als Sechzehnjähriger alle Schrecken des U-Bootkrieges, erleidet mehrfach Schiffbruch durch Torpedierung, wirei nur durch ein Wunder gerettet - und gelobt dafür,(in ein Kloster /u gehen. Zwei |ahre fast hält er es als Novize au«, aber wenige Tage vor Äblegtmg der bindenden Gelübde tritt er aus und in die Roval Sri-.lt Constabulary ein. Er macht den Biirgctkrieg in Irland mit, um nach dessen Beendigung die nächste (ielcgenheit zu ergreifen, „sein Schwert zu verdingen". Da irerade Polizeimmpcn für Palästina angeworben werden, meld et er sich und kommt so, ein moderner Centurione, nat h Suez Israel, Der maitniüfa, be Dienst eines Mannes der aktiven Pohzcitruppc, der von der Pike auf dient und schließlich ein hohes Kommando innehat, bringt ihn mit allen Bevftlkerungskreisen in Berührung und fuhrt ihn über das ganze Land. Küstendienst gegen die Schmuggler die Jagd auf illegale Immigranten war damals, noch nicht aktuell , Sicherheitsdienst in der lerusalemcr Altstadt in den kritischen Ostertagen, Hilfsexpedition wahrend des- Erdbebens, Kampf gegen die Strabcnraubcr und endlich die nerveii/errüttenden Tage der Unruhen von 1mJ<i bis /um Eintreffen der britischen Streitkräfte aus Aegypten sind Höhepunkte dieses ebenso interessanten wie an-tt engenden Lebens, Duff beschreibt sie In einer ebenso ansprurh-losen wie anschaulichen Weise, und der Leser bekommt durch ihn lue/. Israel von einem ganz eigenartigen Gesichtspunkt aus zu sehen. Viele, die sein Buch heute in Palastina lesen, werden mit Erstaunen Dinge erfahren, die sich sozusagen ,,nebenan" abgespielt haben, ohne daß sie je darum wußten. L.s liegt eigentlich nicht in der Natur eines „Lands* knechts", innerlich Anteil zu nehmen am Leben des Landes, in das man ihn schickt, und der Menschen, unter denen er „Ruhe und Ordnung" aufrecht erhalt. Duff ist sieher alles andere als sentimental, aber es spricht für ihn, daß er in Palästina weit mehr Wurzel gefaßt hat, als die Mehrzahl der britischen Beamten. Er hat nicht nur Arabisch gelernt und sich ausgezeichnete Kenntnisse in palästinensischer Landeskunde erworben, sondern auch die Politik der Regierung, der er diente, mit kritischer Aufmerksamkeit verfolgt und sich sehr entschiedene Anschauungen darüber gebildet. Er war einer der damals äußerst seltenen englischen Beamten in Palästina, die nicht antijüdisch waren und der Balfour- Deklaration innerlich zustimmten, bis gibt in seinem Buch eine für uns erschütternde Schilderung des Gegensatzes /.wischen dem Empfang und dem Abschied Sir Herbert Samuels als High (.oniniissioner. Bei seinem Scheiden wurde ihm wenig von dem Glanz, und Potttp zuteil, mit dem er empfangen worden war. Damals kaut er auf einem Kreuzer, die Truppen waren in Regmieutsfront aufmarschiert, um ihn zu einpf -igen, und die Kanonen donnerten einen königlichen Salut. Bei seinem Abschied wurde er in einem kleinen Ruderboot aufs sdini gebracht, nachdem er die Front von einigen Polizisten abgeschritten hatte, die seine ganze Ehrengarde bildeten. Lud kaum war der Dampfer aus dem Hafen, als auch schon die sogenannte englische „Gesellschaft"' begann, die jiidi-oben Eamilien über die Achsel anzusehen, mit denen sie unter dem Regime Samuels verkehren mußten, als es ratsam war, mit den zionistischen Führern höflich umzugehen.... Nun war es nicht mehr gefährlich, Antisemit zu sein, und die offizielle britische „society" konnte ihren langgehegten Gefühlen freien Lauf lassen____ Gegen Fmk* des Buches verteidigt sich Duff einmal gegen den Vorwurf, pro-zioni-tisvh und anti-arabisch zu sein, «feil bin keines von beiden, ich hin mir pro-p:dä«tinetisisch. Ich Hebe und bewundere den Araber, es gibt keine feinere Menschenart als ihn---- Wogegen ich bin, das sind die niedrigen CffeinlN. die, da sie nicht mehr wie ihre Väter sich dadurch erhalten können, daß sie als Inhaber eines kleinen Regierungsamts Bestellung und Erpressung anwenden, sich der Politik zuwenden. Andererseits habe Ich nicht viel für gewisse städtische luden über, für die Leute, die, was I» auch notwendig ist, kleine In den in Jerusalem, Jaffa oder Haifa unterhalten. Aber ich habe die tiefste Bewunderung für die Chahi/im, jene Pioniere, Mfinner und Frauen oft aus den besten Familien, die begriffen haben, daß ihr Volk so reich in so vieler Hinsicht, der grundlegenden Klasse des Landmanns ermangelt, ohne die keine Nation bestehen kann - und die freiwillig auf das meiste verzichtet haben, was das Leben angenehm macht, Um ein neues jüdisches Baucrnvolk zu schaffen. In den kleinen Kolonien und den trollen landwirtschaftlichen Siedlungen sieht man diese geraunten, wetterharten Männer Und Frauen, die auf ihren Feldern Frondienste leisten, um ihren Boden zu einem unveräußerlichen Besitzstand des neuen Jüdischen Heims in dem fiten Mutterland zu machen. Und es gibt Raum für alle, für Juden und Araber , , . Raum gell u gl" Dieser wahre Freund Palästinas hat das Land verlassen müssen, weil die Anstrengungen des Dienst«, insbesondere während der Unruhen von 1939 und eine hartnäckige Malaria, die er sich auf der damals noch verseuchten Ebene von Mcgiddo geholt hatte, seine Gesundheit untergruben. Sein Ruch wird mit größtem Interesse von all denen in Palästina gelesen werden, die die Zeit, die es schildert, selbst erlebt haben und von denen viele den Verfasser persönlich kannten. Aber auch den Neuankömmlingen und darüber hinaus der zionistischen Leserschaft sei es empfohlen als eine der vorläufig noch sehr seltenen Schilderungen jüngster zioniitlsch-paläMlncnsisoher Geschichte aus eigenem Erleben. G. Z. Klötzel, Jerusalem. *) 5Word for Hirc. The saga of a modern frec-compwtoa. By Douglas V. Duff, London, John Murray, 330 S. Zwei neue Romane Otto Flake: Die junge Ivlonthiver. — S. Fischer Verlag, Berlin. Fünfhundert Seiten, gut gerechnet: aber sie fliegen vorbei wie der Traum einer Nacht. Was erlebt man alles in diesem höchst unterhaltsamen Buche: deutsches Rokoko in einer kleinen badischen Residenz; Paris, wo das Rokoko unvermittelt durch die Fanfaren der Revolution abgelöst wird; nordostliches Europa, von Petersburg bis nach Riga und Stockholm. Das anmutige Hoffräulein Salome de Mont hiver und ihre verschiedenen Liebhaber vom Pfarrersohn Anselm W i t s c h g c r bis zum schwedischen Leutnant Axel Torsela vertreten mehr oder weniger die Rolle von sehr reizenden, aber ein wenig schattenhaften Wegweisern durch das gesamte unendlich interessante Kulturleben der Zeit eigentlich zweier Zeiten, die von Hölty und Klopstock bis zu Brentanos Oodwi reichen, von der Aufklärung bis zur Romantik. Der Kulturforscher gewinnt — gewinnt auf eine sehr unterhaltsame und ergötzliche Weise, was der typische Romanleser verliert. Dazu ist dieser Flake selten erfahren in der Kunst, eine Zeit in Andeutungen sprechen zu lassen. Wie lebendig wird die Zeit Moses Mendelssohns und der Französischen Revolution: der badische Pfarrer Witschger erscheint, seitdem er nicht mehr im Amte Ist, manchmal des Freitagabends in der Synagoge, „wo die Vorsteber, um den gelehrten Mann zu ehren, ihm ihre Psalmen und heiligen Bücher entgegenbringen, worauf er das Pensum des Tages (?) in hebräischer Sprache laut vorliest" — das klingt fast wie ein Kapitel aus Mendelssohns Leben, als der Jude aus Berlin und der Pfarrer aus Dingsda einander bei der Wolfischen Definition des Gottesbegriffs „Ens summum, optimum, maximum!" freundlich die Hände reichen. — Freilich ist auch damals die Zeit noch nicht gekommen, da in Straßburg die Statuen am Chor des Münsters, die Christentum und Judentum darstellen, wieder aufgestellt werden können — man hat sie bei den Revolutionskämpfen, welche die Stadt durebtobten, entfernt. Weimar wird besucht, aber Goethe ist /um Leidwesen der Reisenden und zum Glück für den Leser — dem sonst bestimmt wieder ein posthumes Gespräch beschieden gewesen wäre! — verreist. Und auch Wieland läßt sich /.war in Osmannstädt besuchen, weigert sich aber, ein Gedicht in den ihm vorgelegten Oberon zu schreiben; Flake ist nicht nur klug im Reden, sondern auch klug im Schweifen. Gegen den Schluß des ersten Teils taucht noch in Gesellschaft des Pfarrerssohnes und Liebhabers, kurz ehe er ohne viel Abschied unseren Augen ganz entschwindet, eine geheimnisvolle junge Dame auf, aus Kanada gebürtig, blauschwarzen Haares, Mademoiselie Lamour genannt — Betty Liebe hieß sie in ihrer Kindheit — und läßt noch heute zum Gedächtnis ihrer Großmutter vierundzwanzig Stunde« das Totenlichtcheit brennen. Lang ist das Buch, und doch nicht lang genug: von dieser Betty und dem romantischen Pfarrerssohn und Miscellcnschreiber wüßten wir gern noch einiges mehr, als uns Flake mitteilt. Aber... vielleicht liegt hierin eben der Reiz des Buches: daß es nicht alles sagt, was sich sagen ließe. a. s. Ernst Weiß: „Der G e f 3 n g n i s a r 1t*. — Julius Kittels Nach f. Verlag, Mährisch-Ostrau, Die Welt des letzten Werkes von Ernst Weiß „Georg; Letbam, Arzt und Mörder" war die Welt der Krankheit, der Häßlichkeiten, der Verneinung. Trotzdem ist Weiß eher Ethiker als Nihilist: über die Verlorenheit des Lebens siegt die sittliche Tat. Auch die Welt seines eben erschienenen Romans „Der Gefängnisarzt" ist die Krankheit — krank Ist die Liebe des Ocfängnisarztcs Konrad D. zu seinem Bruder, den Kokain zerfrißt, krank ist die Schwester, die Mutter, die in der Anstalt in Depressionsz.uständen liegt; krank sind die Menschen, denen sie ausgeliefert sind, ein korrupter Kommissar, ein magenleidender Rauschgifthiimiler Und Spielklubbesitzer, eine ihm und seinen Pülverchen gehörige Frau; krank ist die ganze Atmosphäre des Spielklubs, der behördlichen Durchstechereien, der Inflation. Wieder fehlt diesem Bau das Oleichgewicht in der Verteilung von Positivem und Negativein. Aber die sittliche Opfertat eines Georg Lctham bleibt diesmal aus — aus dem Ethiker Weiß ist ein Moralist geworden. Sein Vergeltungsprinzip arbeitet zuverlässig, auch noch so schwierige kriminalistische Verwicklungen werden diesseits der Grenzen von Gut und Böse gelöst, und ein auf allen Fronten einbrechendes happy eud stellt die erschütterte Gleichgewichtslage des Weltbildes wieder her. Nachdenklich stimmt, daß die Kräfte, die erlösen und strafen, heilen und vergelten, Prototvpen preußischer Provenienz sind: der Gefängnisdirektor, Hauptmann a.D. v. Ohr, der alte Wehrkreispfarrer, für den Kokain eine „jüdische Erfindung" ist, und seine Tochter Flossie — gerade, gesund, Trägerin der Familie und Staatsidee. Sie reißt ihren Mann Konrad aus der schuldhaften Verstrickung, in die ihn das Verbrechen des Bruders gestürzt hat, sie hilft darüber hinaus dem Bruder als ehemaligem Freischärler durch einen Appell an seine nationale Verantwortlichkeit die Krankheit überwinden. Diese tragische und niemals ausgesprochene Liebe eines jüdischen Schriftstellers zum deutschen Konservativismus ist getragen von einer manchmal dämonischen Gewalt der Erzählergabe. Herbert Friedenthal. Neue Gedidite Fritz Nauenberg: Stille Stunde. Gedichte. Berthold Levy Verlag, Berlin. Hadassah: Psalmen. Druck von Berthold Levy, Berlin. Abraham Heschel: Der Schein Hamfattroscb: Mensch. Warschau, 1933. „Weil Dir ein Vers gelang in einer gebildeten Sprache, die für Dich dichtet und denkt: glaubst Du schon, Dichter zu sein?" — Man möge es mir verzeihen. Aber an dies harte Wort, das ein Dichter aussprach, der es wissen mußte, dachte ich wider meinen Willen, als ich die ersten beiden der genannten Bücher durchblätterte. Fritz Nauenberg ist noch sehr jung, und das ist sein bester Teil; so darf man hoffen, daß die seltenen eigenen Töne, die sich in seinen unbewußt größeren Vorbildern nachgedichteten Versen finden, in Zukunft einmal deutlicher vernehmbar werden. Aber bei der Dichterin, die unter dem Namen „Hadassah" unsere alten Psalmen in formvoll gewandter Verssprache widergibt, kann ich außer eben dieser sprachlichen Gewandtheit kaum eine eigene Note heraushören. Vielleicht in dem einzigen, letzten Gedicht „Lied vom Tode", das sie den Psalmcn- Uebersctzungcn hinzugefügt hat; aber auch das hat die heut verschollene Karoline von Günderode in ihrer Grabschrift schon knapper und schöner gesagt: „Erde, Du meine Schwester, uua Du mein Bruder, der Lufthauch . .." In eine ganz andere Welt treten wir, sobald wir uns an das dritte der oben genannten Bücher wagen. „Wagen" sagte ich mit Bedacht. Denn hier ist es nicht die Sprache, die für den Dichter dichtet und denkt. Diese Gedichte sind jiddisch geschrieben. Und diese Sprache weint Und lacht, sie zürnt und schmeichelt — aber sie dichtet und denkt nicht für ihren Dichter. Im Gegenteil: oft scheint es, als sei hier von harter Hand ein Weg durch Felsgestein gesprengt worden; und dann ist's wieder, als ob durch uugepfiügtes Erdreich der Pflug sich langsam seine Balm breche. Hier spricht eine unendliche Liebe zum Menschen in all seiner Not und Schuld und Pein; eine Liebe, die so groß ist, daß sie durch den Menschen und nur durch ihn zu Gott dein Herrn empordringt. Und sie tut das nicht mit der Demut des Beters, sondern mit der Kühnheit des Fordernden. „Gott, hilf mir helfen!" Das ist der Grundton in allen diesen Gedichten. Solchem überkülmen Kiudergriff beugt sich die Sprache in ungeahnter Weise. Dabei ist es nicht die Sprache der religiösen Hymne allein, die hier klingt. Ein Mensch mit offenen Augen sieht Gottes Bilder in allen Plätzen der Großstadt, in den Gärten und Cafes; manchmal wird man an die frühen Gedichte Franz Werfeis erinnert in ihrer furchtlosen Durchleuchtung des Alltags von heute. Selbst die technischen Bilder des modernen Lebens werden aus dieser Allgegenwart Gottes und lies anklagenden Menschen nicht ausgeschlossen; Treibriemen, Ventile erscheinen in dieser Welt gleichberechtigt mit Blumen und Gras. Ein ungestümer Drang nach Vollendung durch Liebestat lebt in diesen manchmal erschütternd eindringlichen Versen. B. B.-St. Wiedererweckung des Maasse-Buehes Geschichtenbuch. Aus dem jüdisch-deutschen Maassebuch ausgewählt und übertragen von Ludwig Strauß. Bücherei des Schocken-Vcrl. 18. Vor einigen Jahren schon unternahm es Bertha Pappen he im, die auch die Frauen-Bibel (Zccnnoh-Urrcnnoh) erneuert hat, nach der Amsterdamer Ausgabe von 1723 das Maasse-Buch, diese Schatzkammer unserer jüdisch-deutschen Volksdichtung, wieder zum Leben zu erwecken. Ihre Wiedergabe bewahrt völlig den Charakter des Originals und ist fast durchweg eine Umschrift in deutschen Lettern, freilich mit vielen Erläuterungen der eingestreuten hebräischen Ausdrücke; dem Kultiirforscher, der keine hebräischen Buchstaben lesen kann, wird diese Umschrift immer wertvoll Meißen, aber der dichterische Glanz und die eindringliche Schlichtheit der Erzählung mußten notwendig unter den vielfachen Einschaltungen und Erklärungen leiden. Ludwig Strauß hat jetzt einundzwanzig Geschichten aus dem Maasse-Buch ins Deutsche übertragen und konnte bei seiner Arbeit besonders für die Anmerkungen Gasters kürzlich erschienene und an dieser Stelle schon gewürdigte, schöne englische Uebertntgting, die den gelehrten Altmeister unserer jüdischen Volkskunde als trefflichen Märchen-Erzähler zeigt, noch benutzen. Seine Uebcrtragtmgen lesen sich wie deutsche Volkserzählungen, etwa aus der Zeit des Johann Peter Hebel, an den der Uebersctzer vielleicht manchmal nicht zu seinem Schaden dachte, und wahren doch viel von dem ursprünglichen Reiz des Urbildes. Das Büchlein stellt sich nach Strauß' eigenen Worten die Aufgabe, den heutigen Leser zu innigerer Beschäftigung mit dem Erzählungsgut unserer Ueherlieferting anzuregen. Diese wichtige Aufgabe wird es in vollem Maße erfüllen; aber wir sind unbescheiden genug, darüber hinaus noch etwas von dem zu verlangen, was die Gastersche Uehcrtragtmg erfüllt. Bei unserer Armut an wirklich jüdischen Kinderbüchern wäre hier ein großer Schatz, zu heben gewesen. Aber in der heutigert Gestalt scheint dies Büchlein, so reizend es ist, nicht für Kinder bestimmt. Oaster war kühn genug, ohne den Charakter der Erzählungen irgendwie zu schädigen, doch einige Derbheiten auszumerzen oder wegzulassen. Vielleicht erneuert Ludwig Strauß selbst oder ein anderer nun einmal das Maasse- Buch als Kinderbuch; wir konnten'» gut brauchen. -bs- Selbstanzeige D,T,nl?ri1? nl3i1'zä. Hebräische Unterrichtshefie. Ausgewählt und bearbeitet von Nissan Berg grün, Leiter der Hebräischen Lehranstalt der lüdischen Gemeinde zu Berlin, und Betty Berggrün, Oberlehrerin. Heft 1. 24 Seiten, Preis 0,35 RM. Verlag Buchhandlung Rubin Maß, Bcrlm-Charlottenburg 4. Die lüdische Gemeinde zu Berlin hat in diesem Winterhalbjahr "für die Schüler ihrer Mittelschule und ihrer Volksschulen einen fakultativen Unterricht im lebendigen Hebräisch eingerichtet. Für diesen Unterricht galt es, Lesestoff nt sammeln, der auf den im Religionsunterricht geschaffenen Vorkenntnissen aufbauend, den Sprachschatz der Schüler erweitert und ausgiebige Möglichkeiten zum Sprechen bietet. Alles in diesem Unterrichtsheft enthaltene Sprachgut wurde auf seine Korrektheit genau geprüft und nach Möglichkeit auf seine einfachste Formel gebracht. Das Heft enthält in kurzen Lesestücken ungefähr das, was gemäß dem Lehrplan der fakultativen Kurse nach einer etwa sechswöchcntllchen Vorbereitung im Sprechen und Schreiben in der ersten Zeit durchgearbeitet werden kann. Soweit es der enge Rahmen iuließ, sind von allem, was hier behandelt werden kann, Proben gegeben worden; Anekdoten, kurze Erzählungen, Rätsel, Sprichwörter wechseln mit Stoffen aus der jüdischen Geschichte, der Aggada und aktuellen Berichten aus dem heutigen Palästina. An diese Proben anknüpfend, kann der erfahrene Leser, der das Hebräische beherrscht, den Unterricht durch ähnliche Stoffe erweitern und bereichern. Auch Lieder sind gebracht worden, da das gesungene Lied eine wichtige Belebung des Unterrichts bedeutet und das Gedächtnis wirksam unterstützt; doch sind nur solche Lieder gewählt worden, deren Betonung und deren Rhythmus der scfardischetl Aussprache entspricht, denn die Gedichte mit asehketiasischem Rhythmus sind von zweifelhaftem Wert für den Anfangsunterricht. Das Unterrichtsheft enthält atillerdcm einen grammatischen Anhang, in dem die wichtigsten Paradigmen enthalten sind. Es ist besonderer Werf auf einen schönen, klaren Druck gelegt worden, Der Stoff des ersten Unterrichtsheftes ist so ausgewählt, daß es auch nach einer kurzen Vorbereitung als LeseheTt im Anfangsunterricht von Erwachsenen in hebräischen Sprachkursen verwendet werden kann. N. Berggrün,