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Jüdische Rundschau · 1933-12-08 · Heft 98 (8.12.1933) · p. Seite 933

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 98 (8.12.1933)
Date
1933-12-08
Page
Seite 933 (sequence 17)
Language
German
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DIE JÜDISCHE SCHULE Blätter für jüdische Erziehung 8. Dezember 1933 Beilage der ״Jüdischen Rundschau1* Nummer 7 Der Antangsunterricht in der Bibel Von Dr. Viktor Kellner, Direktor des Chajesrealgymnasiums in Wien Primäres Ziel aller jüdischen Erziehung ist Verwurzelung des werdenden jüdischen Menschen in einer ihm wesentlichen Gemeinschaft einerseits und in der uralten Kultur seines Vol- Kcs andererseits. Nur wer so verwurzelt ist, hat in der natür- Sehen und der geistigen Welt einen sicheren Standort, von dem aus er, wertend und handelnd, zu allen Erscheinungen des Lebens die richtige Beziehung findet. Soll im jüdischen Kinde das Gefühl der Geborgenheit, der inneren Heimat entstehen, dann muß es eintauchen in die Kantinuität der jüdischen Geisteswelt und muß vor allem in der Bibel zu Hause sein, jener stärksten Manifestation der schöpferischen Kräfte unseres Volkes. Wenn die Welt des äußeren Lebens arm und gering ist, muß die innere jüdische Welt des Kindes u!n so reicher und erfüllter sein. Die jüdische Schule hat schon auf der untersten Stufe die Aufgabe, die grofkn Gestalten unserer Vorwelt, einen Abraham, einen Moses, einen David und viele andere, so vor die Seele des Kindes zu stellen, daß es von nun an in ihnen und mit ihnen lebt, daß sie ein unverlierbarer Besitz seines Innern werden. Es muß sie in all ihrer Konkretheit erleben, mit all den individuellen, so ungemein charakteristischen Zügen, die ihnen die biblische Erzählung verleiht. Es muß sie kritiklos und naiv erleben, ohne jede moralisierende und theologisierende Tendenz, mit all ihren Vorzügen und ihren Schwächen. Man zeige Ihm, wie wahr, wie menschlich die Mensehen der Bibel sind, wie die Bibel sich freihält von jeder Idea- Esiening, wie sie nichts verhüllt und nichts beschönigt. Selbst der größte Mensch der Bibel, Moses, ist nur ein Mensch und nicht von Sünden rein. Es gibt für das jüdische Kind keine bessere Erziehung zu menschlichem Wesen und Wert als durch die Bibel. Indem der Lehrer den tiefen psychologischen Gehalt der einzelnen Geschichten — wie unendlich reich ist etwa die Josefsgeschichte, und welch tiefe Aufschlüsse über jüdisches Schicksal vermittelt das Buch Esther — in das Bewußtsein des Kindes hebt, nicht dozierend, sondern fragend und Fragen erzeugend, macht er dem Kind sein eigenes Seelenleben verstand- Sch. Es gibt in der ganzen Weltliteratur kaum ein Buch, das auf engem Raume eine solche Fülle von Begebenheiten und Schicksalen darstellte, die so menschlich, so von innen her bestimmt und darum so ergreifend und rührend sind, wie die Bibel. Wer zuerst in ihrem reinen Spiegel Welt und Menschen schauen darf, dem verschmilzt Menschentum und Judentum zu harmonischer Einheit. Man bringe dem Kinde jene Gestalten zunächst als j ii - idische Gestalten nabe; es erlebe sie als sich zugehörig, als Teil seiner selbst, als die Ahnen seines Volkes. Indern sie ihm so nicht allein religiös, sondern auch national bedeutsam werden, stärken sie sein jüdisches Sclbstbewußtsein und werden ihm Schutz und Schirm nicht nur gegen alle Gefahr der Entjudung, sondern gegen die viel größere des Zweifels am jiidi* sehen Wert, der Demoralisierung und des jüdischen Selbst- Hasses unserer Zeit. Man lese es in den Jugenderinnerungen ß t a 1 i k s, wie ostjüdischen Menschen die Welt der Bibel geradezu an die Stelle der realen Weit getreten ist, wie alle Spiele des Kindes, all seine Gedanken und Phantasien auf die biblischen Gestalten bezogen sind, wie es in die Umgebung seines Heimatdorfes die historisch bedeutsamen Orte Palästinas verlegt und wie ihm so neben den gewaltigen inneren Erlebnissen die äußere Wirklichkeit verschwindet. Solch unerhörte Erfülltheit des Bewußtseins ist im Westen nicht denkbar; aber etwas von dieser Art des Erlebens, wie sie sich bei ostjüdischen Kindern findet, die der traditionellen Erziehung teilhaftig werden, müßte auch der neuen jüdischen Erziehung innewohnen. Der jüdische Erzieher bringt sich zu Bewußtsein, wie gewaltig das UebergewichtdernichtjüdischenU mweit ist und wie die Gestalten der deutschen Sage und Geschichte das jüdische Kind erfassen und beherrschen. Jüdische Erziehung muß jener deutschen Welt, der wir nicht entrinnen wollen und können, die ungeheure jüdische Welt der Bibel au die Seite s t e i '? n, damit das Kind hier seine seelische Heimat gewinne. Wohl ist die Zweiheit der Vclten für den Juden der Diaspora schicksalhaft; es gilt aber für den jüdischen Erzieher die beiden Welten, deren jeder ihr Recht werden muß, im Innern des Zöglings harmonisch zu vereinen. Die biblische Welt ist wesentlicher Teil der jüdischen Urwelt, die wir in uns tragen; wenn das Kind in ihr und mit ihr lebt, dann wird die nichtjüdische Um- und Bildungsweit seinem Wesen so zueigen werden, daß sein Erleben jüdisch bleibt, auch wenn der Stoff des Erlebens dem Judentum fremd ist. Die Geschichten der Bibel sollen dem Kind von seiner frühesten Jugend a!1 erzählt werden und es soll sie wiedererzählen lernen. Gutes, anschauliches Erzählen macht Gehalt «und Form lebendig. Man gewöhne das Kind selbst in der Bibel zu lesen und immer wieder zu lesen. Sie sei ihm das Buch der Bücher. Man lasse die biblischen Menschen und ihre Erlebnisse und Schicksale sich dein Herzen und dem Gedachtnis des Kindes einprägen und sie werden formende Kraft ge- Winnen. Nicht das ״Wirkliche“ ist es, das Gewalt hat über unsere Seele, sondern das Wahre; das jüdische Volk findet seit je die ‘größte und reinste Wahrheit in der Bibel. Nur ein Kind, das mit der Bibel aufwächst, wird jüdisch sein, wird den Weg zu sich, zur Gemeinschaft und zu ihren Werten finden. Ein besonderes Problem ist das der Sprache. Die jiidischc Schule gebe die Bibel nicht nur in der Ursprache, sie suche sie auch hebräisch zu erklären und verlange die hebräische Nacherzählung. Daß diese Methode schon von der rein sprachliehen Seite der Sache gewaltige Schwierigkeiten bereitet, ist klar. Soll bei der Nacherzählung der biblische Stil gewahrt bleiben? Darm ist das Nacherzählen ein auswendig Hersagen. Oder soll In der modernen Sprache erzählt werden? Dann wird die Nacherzählung freier und lebendiger, aber die Eigenart des biblischen Stils, dessen gedächtnismäßige Einprägung von großem Werte ist, geht verloren. Es bedarf besonderen sprachliehen und methodischen Takts seitens des Lehrers, um den richtigen Ausgleich zwischen beiden Methoden herzustellen. (Von der Uebersetzung äst weiter unten die Rede.) Nur wenn das Kind die Bibel im Urtext liest und zu diesem Urtext eine starke innere Beziehung gewinnt, dann wird ihm mit der Fabel auch die Sprache wahrhaft lebendig. Es ist etwas Ehrwürdiges und Heiliges um diese Sprache; keine Uebersetzung kann ihrem Zauber gerecht werden. In dem Kind, das die Bibel hebräisch liest, wächst mit der Vertrautheit das Gefühl der Ehrfurcht, die nicht nur der Anfang jeder Weisheit, sondern Urgrund des Judentums ist. Das Gefühl, daß es heiliger Boden ist, auf dem es hier steht, darf dem Kinde nie verloren gehen. Gerade die Besonderheit und Fremdheit der Sprache, ihre Schönheit und Feierlichkeit, die dem gewaltigen Inhalt so wunderbar angemessen ist, schafft eine Distanz, die das Gelesene in eine höhere geistige Sphäre hebt, in die Sphäre des Religiösen. Die Unmittelbarkeit des Erlebens, die Konkretheit und Anschaulichkeit des Erlebten darf dabei nicht aufgehoben werden. Ehrfurcht ist Nähe und Distanz in Einem. Freilich, das hebräische Lesen der Bibel hat seine Gefahren. Das Kind, das auf der untersten Stufe die hebräische Sprache nicht so weit beherrscht, um die Erzählungen der Bibel halbwegs zu verstehen (die Bibcllcktüre muß mindestens ein halbes Jahr lang durch intensive Pflege der lebenden Sprache vorbereitet werden), ist noch viel weniger imstande, das Gelesene hebräisch wiederzugeben oder gar in dieser Sprache die Gedanken und Gefühle mitzuteilen, die sich ihm an die Lektüre knüpfen. Der Lehrer wird immer wieder zur Uebersetzung greifen müssen dort, wo das Gelesene verdeutlicht oder wo ein ästhetischer oder religiöser Wert herausgearbeitet werden soll. Man lege sich nicht auf die Methode rein hebräischen Unterrieht es fest. Gerade die Spannung zwischen den Sprachen erzeugt neue Werte. Dadurch, daß inan übersetzt, wird man sich nicht nur über den fremdsprachigen Text, sondern auch über sein eigenes Denken klarer. Die alte Uebcrsetzungsmethodc des ״Cheder" ist nicht ganz zu verwerfen. Die moderne jüdische Schule wird bei all ihrem Streben nach Hebraisierung es vermeiden müssen, durch ein Allzuviel an Hebräisch das Erfassen des innersten Sinnes, das Erleben des tiefsten Gehaltes der Bibel zu schädigen und zu verkümmern. Wir müssen auch hier erkennen, daß die Zweiheit der Sprachen und Kulturen eine schicksalhafte ist. Viele moderne Hebräer versündigen sich aus einer begreiflichen Tendenz zur Verlebendigung und Verweltlichung der Sprache sehr an ihrem tiefsten übernationalen Gehalt; die Sprach« wird oft zum Fetisch und ihr bloßer äußerer Gebrauch ohne Beziehung zu ihrem inneren Wert erscheint I. Der Kampf um die jüdische Schule in Deutschland ist beendet. Die Notwendigkeit dieser Einrichtung wird heute von allen Teilen des deutschen Judentums bejaht. Entschieden wurde diese Auseinandersetzung aber nicht etwa durch eine innere Wandlung der bisherigen Gegner; mir die äußeren Geschehnisse des letzten Jahres‘bewirkten diese einheitiiehe Stellungnahme der deutschen Judenheit. Die Einstellung zum Problem der jüdischen Erziehung findet jetzt nach Beendigung des Streites um die Errichtung der jüdischen Schule ihren Ausdruck im Ringen um ihre innere Ausgestaltung. Die früheren fanatischen Verneiner einer gesonderten jüdischen Erziehung bemühen sich jetzt, Ziel und Arbeitsweise des neu zu schaffenden jüdischer! Schulwerks in Deutschland zu bestimmen. Sie setzen den alten Kämpfern für die jüdische Schule ihr Bild vom Wesen einer solchen Einrichtmig entgegen, sie wollen für die innere Ausgestaltung dieser Schulen keine Konsequenzen aus den veränderten Verhaltiüssen ziehen. Die ״gleichen Erziehungsideale", die für die früher schon von jüdischen Gemeinden errichteten und erhaltenen Schulen Geltung hatten, sollen auch die pädagogische Arbeit der neuen jüdischen Schulen maßgebend beeinflussen. Sie sollen den deutsch-jüdischen Menschen beranbilden und Frzichungsstättcn zu ״wahrer Humanität“ sein. Jüdische Schulen dieser Art werden außer der allgemeinen Bildung, die sie wie alle anderen Schulen vermitteln, eine vertiefte jüdisch-religiöse Erziehungsarbeit leisten. Di« Erfolge in dieser Hinsicht werden angesichts der günstigeren äußeren Umstände größer sein können als in den früheren Rcligionsschulen. Diejenigen jüdischen Pädagogen, die die besondere Siüiation des jüdischen Kindes in der nichtjüdischcn Umwelt und die Sonderaufgaben einer jüdische 11 Erziehung stets erkannten, und deshalb schon immer für Errichtung jüdischer Schulen eintraten, wünschen auch jetzt eine diesen Erfordernissen entsprechende Gestaltung jüdisch-pädagogischer Arbeit. Auch sie wollen den jungen jüdischen Menschen zu einem wertvollen Glicde der Menschheit hera «bilden, auch die ״Wesens jiidi sehe“ Schule soll eine ״Werkstatt wahrer Humanität“ sein. Wir dürfen aber nicht verkennen, daß die wahre Humanität ihre Grundlage Finden muß in der Verwurzelung in der eigenen Gemeinschaft. Erst von dieser Basis aus kann die Er- Ziehung zum ״Menschentum“ erfolgen. Ebenso ist es nach dieser Ansicht mit der Bildung des deutsch-jüdischen Menschen. Auch hier übersieht mail keineswegs die besondere Aufgabe, die darin liegt, den im deutschen Kulturkreis geborenen, aufgewachsenen und lebenden jungen, jüdischen Menschen heranzubilden. Die Geschehnisse der letzten Zeit haben uns aber auch sehr deutlich erkennen lassen, welche Grenzen dieser Synthese vom deutschen Volkstum aus gesetzt sind. schon als ״nationale Tat“. Vielleicht ist die Unkompliziertheft, ja Ungeistigkeit der heutigen palästinensischen Jugend zum Teil auf ihre Einsprachigkeit zurückzuführen. Das hier über die Sprache Gesagte gilt für das Anfangs- Stadium des Unterrichts; für eine spätere Zeit ist das Streben nach vollständiger Hebraisierung des Bibel• ,Unterrichts, ja des gesamten Unterrichts in den jüdisehen Fächern durchaus legitim. Indem das Kind lernt, den Gehalt der Bibel in der ihr eigenen Form in hebräischer Sprache wiederziigeben, werden in ihm sprachschöpferische Kräfte wach. Das Hebräische der Bibel wird ihm ganz anders zueigen, als wenn er es nur auf dem Wege der Uebersetzung kennen lernte. (Von dem praktischen Zweck der Erlernung des Neuhebräischeu wird hier völlig abgesehen.) Nur durch hebräische Wiedergabe der Bibel gewinnt das Kind jene Kenntnis des Textes, die man hebräisch ..Beteriiith" nennt und die so ungeheuer wichtig und wesentlich ist für das Erlernen einer Sprache, welche wie keine andere an ihren Ursprung gebunden ist. Sie wird nur dann eine Sprache wahrer Kultur sein, notwendiger Ausdruck einer schöpferischen Innerlichkeit und nicht bloßes Mittel äußerer Verständigung. wenn sie immer von neuem aus dem ewig jungen Born der Bibel schöpft. Auch hier ist ein schweres Problem gegcbc-ri: wer zuviel auf den Inhalt geht, der kann darüber den eigenartigen, originellen und charakteristischen Ausdruck verlieren und wer zuviel das Wort und den Vers beachtet, hüßt leicht den inhaltlichen Zu• sammeiiliang ein, und jenes naive Erleben des Gehalts der Bibel, von dein oben die Rede war, geht verloren- Die Bibeltektüre ist nicht ״biblische Geschichte“' und nicht ״hebräische Philologie“ allein. Der rechte Lehrer wird nicht nur eine S y n t h e s e beider Lern- und Betrachtungsweisen an Treben, sondern er wird über alles bloß äußerlich Methodische hinaus bemüht sein, den ewigen m e n s c h I i c 11 e 11 u n d j ii d i s c h e n G e h a 11 der Bibel seinen Schülern vor die Seele zu führen, indem er selbst ihn immer aufs neue erlebt Die Bibcllcktüre ist eben kein rein meth o d i s c h e s Problem, sondern ein g e i s t i g e s und als solches ein Problem der Persönlichkeit des Lehrers und des Ueberpersönlifhcn, das im Stoffe liegt. Hier sollte zunächst nur von dem Anfangsunterricht in der Bibel, von dem naiven Sichaneignen des biblischen Stoffes die Rede sein. Die primäre Aufgabe der jüdischen Schule ist es, in jenem Alter, welches das bildsamste und empfänglichste Ist, die konkrete Wirklichkeit der Bibel vor dem Kind erstehen zu lassen und es in dieser Wirklichkeit, die angeschaut werden muß, zu verwurzeln. Die Welt des Judentums als einer Idee kann sich nur auf der körperhaft wirklichen Welt des jüdischen Volkstums aufhauen. Nichts ist unfruchtbarer und darum dem Ziel sinnvoller Erziehung widersprechender als abstrakte Geistigkeit. Geist und Volk gehören zusammen. Vom neuen jüdisehen Erzieher, besonders vom Lehrer der Bibel wird es wesentlieh abhängen, oh die Wiedergeburt des Volkes, die wir ersehneu, auch eine Wiedergeburt des jüdischen Geistes sein wird, von dem aus allein das jüdische Dasein Sinn und Rechtfertigung erhält. Für die ״wesensjüdische“ Schule ergeben sich deshalb ganz bestimmte Aufgaben: Die Biklunpsarbeit am jüdischen Menscher! in Deutschland muß an die beiden Komponenten auknüpfen, die für die Gestaltung seiner Persönlichkeit maßgebend sind, an die (i c ntsc h c und an die j ü d i s c h c. Die Verbundenheit mit deutscher Kultur, deutscher Sprache, deufscher Landschaft, die sich aus der Geschichte der in deutsehen Landen seit Jahrhunderten lebenden jüdischen Gemein- Schaft zwangsläufig ergibt, wird selbstverständlich in der ״w esensjiidischcn“ Schule ihrer! Niederschlag finden. In der jüdischen Schule dieser Prägung wird deutsches Kulturgut nicht vernachlässigt werden, ln dieser Frage der Eingliederung deutschen Kulturgutes besteht keine unterschiedliche Auffassung. Pas jüdische B i I d u n g s e 1 e in e n t, das den jungen Juden allseitig umfangen soll, bedarf besonders pfleglieber Behandlung in der jüdischen Schule, und in der gradueilen Stärke dieser j ü d i s c h e n Erfassung und Gestaltung des Rildungssfoffes scheiden sich die Ansichten. Zur Verwurzelung in der jüdischen Gemeinschaft muß der junge jüdische Mensch eine fundierte jüdische Bildung erhalten, er muß die besonderen Werte des Judentums erkennen lernen, und deshalb wird jüdisch-religiöse Erziehung selbstverständlich in der ״wesensjiidisclicn“ Schule den ihr gebührenden Platz einnehmen. Aus der Kenntnis der jüdischen Geschichte müssen dem Schüler Ciegemvaris- und Zukunftsaufgaben seiner Gemeinschaft lebendig werden; das jüdische Kind muß bewahrt werden vor einem Gefühl der Minderwertigkeit anderen Gruppen gegenüber; im jüdischen Jugendlieben muß Verstandnis erweckt werdet! für die besondere Situation und Eigenart der Judenheit, die weder Volk noch Religionsgesellschaft im üblichen Sinne, sondern eit! Volk sui geucris ist. Diese jiidischc Bildungsarheit kann nicht in wenigen besonders hierfür zur Verfügung stehenden Stunden geleistet werden, sie ist nicht besonderes Unterrichtsfach, sondern Unterrichts p r i n zip. Man wird in der ״wescnsjüdischet!“ Schule bemüht sein, m allen hierfür geeigneten Unterrichtsfächern Grundlagen für eine vertiefte jüdische Bildung zu vermitteln. Die größte Gefahr für die Verwirklichung der ״Wesensjüdischen“ Schule scheint mir darin zu liegen, daß man sie als ״Parteischule“, zionistische Schule, abstempelt. Wir dürfen diese irrige Ansicht über die ״wesensjüdisehe“ Schule im deutschen Judentum nicht aufkommen lassen. Keinem jiidisehen Erzieher kann an einer einseitigen Erziehung irr einer bestimmten innerjüdischen Richtung gelegen sein: es muß eine Einigung aller deutschen Juden auf ein ge• meinsames Erziehung« programm möglich sein, das zwar bestimmten religiösen Anschauungen Raum zur sperifischen Gestaltung übrigläßt, das aber in seiner Grundhaltung Anerkennung bei allen deutschen Juden finden kann. Wir können uns als jüdische Gemeinschaft in Deutschland in An* betracht unseres zahlenmäßigen Umfanges den Luxus einer Flip ein gemeinsames Schul - Programm Von Julius Stern

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