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Jüdische Rundschau · 1933-12-08 · Heft 98 (8.12.1933) · p. Seite 931

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 98 (8.12.1933)
Date
1933-12-08
Page
Seite 931 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 98 8. XIT. 1933 jodische Rundschau Seite 929 Kampf der Schwadien Zu Werfelt neuem Roman (Die vierzig Tage des Musa Dagh. Roman von Franz Werfel. P. Zsoliiay Verlag. 2 Bände, 12 M.) Wenn im alten Reiche Israel ein Erschlagener, auf dem Felde gefunden ward und die Untersuchung des Verbrechens keine Klarheit über den Täter gebracht hatte, dann vollzog sich ein uralt geheiligter und streng umschriebener Brauch, In feierlichem Zuge mußten die Aeltcsten und Priester der nächst benachbarten Stadt zum Orte der Tat ziehen, dort ein Sündopfer dar bringen und gemeinsam das Bekenntnis ablejen: Nicht unsere Hände vergossen dies Blut, noch sahen es unsre Augen. Vergib dem Volke, das Du erlöst, o Herr... Dann erst, so heißt es, ward ihre Blutschuld gesühnt. — Auch in unserer Zeit, die so viel des Todes sah, liegt, so scheint es, eine Leiche noch ungesühnt auf dem Felde; und immer von neuem ruft unschuldig vergossenes Blut mit neuen Stimmen um Sühne und späte Gerechtigkeit. Die Tragödie des aTnienischen Volkes, einer friedlich arbeitsamen Völkerschaft, die mitten im Weltkriege nicht von den Feinden, sondern von eigenen Staatsgenossen langsam hingemordet wurde, hat gcrade in Deutschland schon wählend der Kriegsjahre leidenschaftliches Mitgefühl und tapfere Hilfsbereitschaft erweckt. Vor allem bei jenem heldenhaften Pastor Johannes Lepsius, der sein Leben diesem hoffnungslosen Kampfe für die Schwachen opferte; in seinem Ruche ,,Deutsehland und Armenien“ hat er seine unermüdlichen und dock ohnmächtigen Anstrengungen fcstgehalten. Noch im Jahre 1929 sah der Dichter Franz Werfel bei einem Aufenthalte in Damaskus verstümmelte und verhungerte armenische Flüchtlhigskindcr. Das Bild brannte sich ihm ins Herz und lief! ihn nicht los. In der Zeit vom Juli 1932 bis zum Februai 1933 entstand dann sein großartig angelegter, zweibändiger Roman ״Die vierzig Tage des Musa Dagh“. Ein ungeheures Buch, vor dessen elftuindertundviemg Seiten der Leser von heute vielleicht zuerst einige Angst im Busen trägt, weil cs ihm di« Form des Romans beinahe zu sprengen scheint. Und doch mußte es geschrieben — und in dieser Form geschrieben werden. Schon nach den ersten zwanzig Seiten spürt man, daß hier kein Wort zuviel ist. Denn dies Buch enthält ja nicht die Geschichte eines Einzelnen wfie etwa Werfels frühe Werke; auch nicht die Geschichte einer kleinen Gemeinschaft, einer Familie, wie die unvergeßlichen ״Geschwister von Neapel“. Hier ist der Schicksalskampf eines ganzen Volkes dargestellt; und dennoch zugleich wie es dem ״Weltfreund“ Werfei, der doch aus seiner individualistischen Haut nicht heraus kann, ziemte, der Schicksalsweg eines einzelnen Menschen. Dies scheue und verschlossene Volk mit seiner alten Kultur spricht zu uns nicht so sehr durch den Mund seiner Seidenraupenziiehter, Imker, Bauern und Händler, sondern durch den Mund des Gabriel Bagradian, eines Armeniers aus altangesehenem Geschlecht, der, wie so viele seiner Herkunft, Kindheit und Jugend in Paris verlebt hat. Seine Frau ist Französin, sein zwölfjähriger Junge wird zwar von einem armenischen Hauslehrer, aber doch auf französische Art erzogen. Da ruft ihn ein Brief seines sterbenden Bruders in das väterliche Hans nach Yoghonoluk am Fuß des waldigen Musa Dagh zurück. Noch fragt er sich, der ganz in europäische Kultur eingetaucht war: ״Wie komme ich hierher?“; noch spielt er halb mit dem Gedanken der Rückkehr zu seinem alten Vätererhe, zur alten Scholle, zum angestammfen Volke, dem er sich doch entfremdet fühlt Da ... ist er schon gefangen. Obwohl er seihst einst türkischer Offizier war — nach der Verbrüderung der Jimgtürken mit den Armeniern hatte er sicli freiwillig gemeldet — werden ihm und seiner ganzen Familie jetzt die Pässe abverlangt; nicht nur der Auslandspaß, sondern auch die ״Teskere“, der Inlandspaß; ohne dieses Stück Papier darf sich der Untertan des Sultans nicht von einem Dorf ins andere begeben. Von nun an muß er —- unfreiwillig und bald freiwillig — das Schicksal seines Volkes teilen. Das nahende Verhängnis zieht heran; erst langsam und schweifend, als hätte es noch viel Zeit — dann plötzlich donnerts und krachts von allen Seiten; wie aus einer schattenblassen Wolke am östlichen Himmel plötzlich Donner und Blitz losbreehen. Es zeigt sich, daß der uralte Rassenhaß zwischen Türken und Armeniern, der schon unter dem ״blutigen Sultan“ Abdul Hamid zu entsetzlichen Metzeleien au den Wehrlosen führte, trotz der anscheinenden Verbrüderung jetzt im Kriege von neuem aufflainmt. Man hat die scheinbar gemilderte, in Wirklichkeit grausamste Art der Behandlung der Armenier nun in der ״Umsiedlung“ gefunden; alle diese Bauern ״.irid Handwerker mit ihren Familien werden unter rohester Ge- Walt gezwungen, ihr angestammtes Heim und Feld zu ־verlassen und in ״das Nichts“ zu ziehen, in die Wüste, wo sie halb verhungert, halb durch Seuchen entkräftet ankoinmcn. Diesem Schicksal zu entgehen, wählt Gabriel Bagradian und eine beherzte Schar seiner Volksgenossen «in verzweifeltes Mittel; sie ziehen sich auf den Heimatsberg, den waldigen und wasserreichen Musa Dagh, zurück und verschanzen sich dort wie in einer Festung. Der Tod ist dem tapferen Häuflein gewiß; aber der tapfere Tod des Kämpfers, nicht der elende Hungertod des Verbannten. Und nun wird Weifeis Buch für eine Zcitlang so bunt, daß sich jeder Jack London-Leser damit zufrieden geben wird. Hier gibt, wie wir aus Lepsrus Berichten wissen, die Historie selbst den abenteuerlichsten Stoff her. Mit großer Kunst wird gezeigt, wie das wie eine Wetterwolke über den Häuptern hängende Unheil immer wieder durch kühne Ausfälle und glückliche Einzelunternehmungen zurückgescheuclit wird. Eine ganze Horde der Knaben wird ais Sturmtruppe verwendet; unter ihnen spielt der Bagradiansohn Stephan, der in seinem neu errungenen Nationalgcwand, das ihm die französische Mutter nur ungern gönnt, aussieht ״wie ein persischer Prinz“ eine gut beobachtete und sehr liebenswerte Rolle. Wie er tollkühn in das von den Türken längst besetzte Vaterhaus nächtlieh eindringt, um eine Bibel für ein von ihm angebetetes Mädchen zu holen; wie er später allein zwei Feldgeschütze herembringrt; und wie er endlich seinem Abenteuerdrange und der alten Ruhmbegier seines Geschlechtes zum Opfer fällt ... das ist ein kleines Drama fiii sich von erschütterndem Inhalt. — Stephans Tod ist der Anfang vom Ende. Seuche und Zwietracht im Innern drohen die Schar der Schwache« noch mehr zu schwäche«; umsonst faßt der tapfere geistliche Streiter Ter Haigasun, der katholische Priester der Sieben Dörfer, noch einmal alle Kräfte zusammen. Schon ruien die türkischen Batterien, die endlkh herangeschafft worden sind, 11m die Demütigung durch den armenisehen Widerstand auszutilgen, ihren Todesruf zum Musa Dagh herauf. Schon sieht alles den sicheren Tod vor sich, und der Priester weiht die Waffen zum letzten Gange. F)a ... hat ein französisches Kriegsschiff, der Glücken, durch den Feuerschein auf dem Berge an gelockt, in letzter Minute doch noch die Todesinatten entdeckt, Rettung ist da. Aber nicht alle wollen gerettet werden. Für Gabriel Bagradian kommt diese Rettung zu spät. Er hat in der Hölle des Musa Dagh sein französisches Weib verloren, deren leicht beweglich Herz, in den Qualen eines fremden Volksschicksals einem Landsmann zur Beute fiel. Er hat seinen einzigen Sohn verloren, der als ein Opfer dieses gleichen Volksschäcksals grausam getötet wurde. Fr kann nicht mehr zurück in die Welt der Städte und der streitenden Völker. Fr will seinen Tod; und Glück scheint ihm die Türkenkugel, die ihn auf dem Grabe seitles Sohnes niederstreckt. Hinter diesen leidenschaftlich wilden Vorgängen auf dem Musa Dagh aber spielt sich wie hei den homerischen Kämpfen ein ״Zwischenspiel der Götter“ ab. ln unübertrefflieh knapper Profilierung zeigt Werfel ein wenig von den Mächten, die hier Geschichte machen: Pastor Lepsius erscheint im Gespräch mit dem ״lä-chelnden Mars“ Envcr Pascha und vertritt umsonst deutsche Humanität gegenüber türkischer Brutalität. Aber er sieht auch wie in zweitem Gesicht den Ueberfall auf denselben En ver Pascha und hört die Schüsse, denen Enver und Talaat Bey Jahre später seihst zum Opfer fielen ... Traum? Vorgesicht? Nur «in Dichter kann das Unglaubliche für uns auf diese Weis« glaublich machen. — ״Dem Unerklärlichen i5־! uns und über uns.“ So lautet die Inschrift einer Münze, die Gabriel Bagradian wie ein Amulett bei sich tragt; so lautet auch die Ueberschrift des letzten Kapitels. Vielleicht, daß Werfel in diese Worte den letzten Sinn dieses weltumspannenden Buches hineinlegen wollte. Dies Werk wird neben den wahrheitstreuen Berichten des Pastors Lepsius aus der Geschichte unserer Zeit nicht verschwinden können. An einer der packendsten Stelle des Buches, in dem Oespräche des Pastors Johannes Lepsius mit Enver Pascha, führt der deutsche Pastor, nachdem alles andere versagt hat, als letzte Hilfstruppe schließlich noch den amerikanischen Botschafirr, Mr. Morgcnthau, ins Feld. ״Mt. Morgenthau“, hemerkte En rer übermütig, ״ist J ude. Und die Juden stehen immer fanatisch auf seiten, der Minderheit.“ Mr. Mergenthaus Fürsprache hat damals de« gequälten Armeniern kaum etwas genützt. Aber es liegt etwas wie historische Gerechtigkeit darin, daß gerade ein jüdischer Dichter in diesem unschätzbaren Buche das Problem der Armenicr und damit das Problem der Minderheiten überhaupt gestalten mußte. Ktat twam asi — du hist es, der leidet; du bist es, der kämpft — du hist es, der endlich überwindet. Das spürt der Leser in jeder Zeile dieses Buches; und darin liegt seine letzte Botschaft*). Bertha Badt-Strauß. *) A. d. R.: Hs ht vielleicht in dio-em Z u ■־..!mm mh inter- 'smnt, da der bekannte Xahonakoz iali -1 זין. vo!: t!. e e r . MiC'i v n im ,Rock)(. ker Anzeigm“ einen Ar! ikd vc H'ciitliehl״■־! i e 11 ״ r e n d i c \ r m c n i e r z u d 0 11 J u d e n?“ I )er Artikel h «.'ginnt. : ,,Im Verlauf der ras>i>ch1!,־׳ G! 1!!■־r-uchtmL en zu d r ז Tildenfrage Gt: gelegentlich auch das a rmeni >rhc* V o!k ni 1t < len 'jaden in n;!lirn Zusammen bang gebracht \v orden. K> i-f du vi el:a eh *kr (loda nke ausgesprochen worden, dal j die vor ׳fk‘r.1viui i »r ho Rmrn, von de r unzweiielhau Bestandteil! eich im ] hidentum vo r banden sind, die 0 i g e n 11 j che G r u n c 11 a ge «los . armeni<c hm Volk es bilde.‘4 I)r ׳. von Loers kommt jedoch zu dem Seid! .iß: ״Ua alle Wahrscheinlichkeit. Hü t!ir sprieß! . daß cs d׳ •11 hier um rin altes ari'che.s Volk hau de! ־. das Km liglich an .!.'!erordent- ]ich %׳ie! Unglück in ,seiner Gcsc bi(■' btr• erlitt«■] 11 hat, \vi־ ire es ein, Gebot d er Gerechtigkeit, die vi< d lach vorkommvinU m Vergi« i c h c v o n Armeniern u!1 < 1 f u d e n z u v* cr m c i d c n- Sic sind erstens unhaltbar und zweitens sc hädlicli.“ Die Juden Wiens Han* Tietze: Die Juden Wiens. Geschichte — Wirtschaft — Kultur. Mit 30 Tafeln, Bildern und Planen. Verlag E. P. Tal & Co., Wien. 9 RM. Diese Geschichte einer der wichtigsten Judengemeinden Europas ist mehr als eine Monographie; sie ist ein gerade in unserer Zeit wichtiges und überaus fesselndes Bild des Ablaufs jüdischen Schicksals durch tausend Jahre, das auch für andere Gemeinden Europas typisch ist. Dieser Wechsel in Au fstieg und Abstieg, dieser zähe Kampf der Juden tim eine Existenz und eine Bleibe, ihre Verstrickung in bestimmten ökonomischen Funktionen, ihr treues und unbedingtes Festhalten an Glauben «und Volkstum, — dies ist für das jüdische Schicksal ebenso charakteristisch wie die Beziehungen zu den nichtjüdischen Machthabern und dem nichtjüdischen Volk, die sich hier vor uns abrollen. Das größte Interesse findet heute zweifellos die Geschichte der Juden im 19. Jahrhundert, die auch den Hauptteil des Buches ansmacht. In! 10. Jahrhundert hat das Wiener Judentum ebenso wie das Judentum anderer Länder Europas einen großen Aufstieg ditrchgemacht, es hat an den Ideen und Kampien der Zeit i!1 sehr hohem Maße teilgcnomtnen, es hat beste idealistische Kämpfer in den Dienst der allgemeinen Entwichlung gestellt. Wir erhalten aus dem Buche von Tietze nicht nur ein Bild dieses Anteils der Juden am allgemeinen Leben, Vorbereitung dessen, was man am Ausgang des 1<>. Jahrhunderts in Wien die ״Verjudung“ genannt hat, sondern auch ein Bild des innerjiuiischen Geisteslebens, der verschiedenen religiösen Strömungen, der Wirkungen des Liberalismus und schließlich der Umkehr in! jüdischen Nationalismus und Zionismus, die in Wien ihre Metropole halten von Stnolcnski und Birnbaum bis zu Theodor Her/1. Der jüdische Nationalismus bereitet sich schon frühzeitig hier vor. Während 1862 das Buch ״Rom und Jerusalem“ von Moses Heß totgeschwiegen wurde, hat Adolf Jellinek, der damalige Oberrabbiner von Wien und Vater des (getauften) berühmten Staatsrechtlers, schon dain als das nationale Wesen der Jutlenfrage voransgeahnt und schrieb 18W> unter Hinweis auf die neue Formulierung eines ״arisch-semitischen Gegensatzes“, der der, Vorwurf der ״Inferiorität des Semiten‘* zur Folge haben könnte, den charakteristischen Satz: ״Hier handelt es sich nicht für den Juden um ein größeres oder geringeres Maß von politischen Rechten, sondern um den ganzen Menschen, utn sein innerstes Wesen, um seine weltgeschichtliche Ehre‘‘. In den achtziger Jahren beginnt der Aufstieg des Antisemitismus in Oesterreich, der schließlich mit dem Sieg der christlich-sozialen Partei endet. Aber gerade in diesem Wien der Jahrhundertwende entfaltet sich ein überaus reiches jüdisches Lehen und wir begegnen den verschiedensten jüdischen Tipcii, von denen jeder in seiner Art repräsentativ ist. Tietze charakterisiert, um nur einige zu erwähnen, neben Theodor l lerzl Sigmund Freud, Otto Weininger, Karl Kraus, Bcer-Hofmann, Schnitzler, Peter Altenberg, Hofmannsthal und schließlich Chajes und Buber, in deren Werk er die letzten großen schöpferischen Leistungen des Wiener Judentums erblickt. Das Buch ist mit großer Objektivität geschrieben und man würde von der jüdisch-politischen Einstellung des Verfassers nichts erfahren, wenn er nicht selbst in der Vorrede ein Bekenntnis ablegte. Seine Prognose ist freilich höchst pessimistisch. Er meint, daß den Juden nur die Wahl bleibt zrwisehen zwei Arten des Zugrumlegehens: entweder durch den ״vergeblichen Versuch, die Nationalitätcniuee, die sie zermalmt, gleichfalls zu vergotten“, oder durch das ״selbstmörderische Festhalten an dem Humanitätsgedanken“. Der Autor bekennt sich zu der ־zweiten Form des Zugnmdegehens. Nach unserem Gefühl sucht er hier eine Antithese, die wir in dieser Sciiärfe nicht zu sehen vermögen. F.r selbst muß, wie auch das Buch bezeugt, die Assimilation ablehnen und befürwortet ein Leben ״als Volk uner Völktern“, aber als Volk mit einer besonderen Mission, das ״den Traum einer sich einst verbrüdernden Menschheit nicht verleugnet“. Eben dieser Traum scheint uns aber ein wesentlicher Bestandteil des jüdischen Nationalismus zu sein, weil er der unvergängliche Bestandteil des jüdischen Messianismus ist. Audi der Zionismus wird diesen ״Traum“ nicht verleugnen, und er hofft, nicht mit ihm ,,zugrundczugeheti“, sondern für ihn zu I e b e n. Das Buch von Tietze ist sehr gut geschrieben und liest sieh spannend wie ein Roman. Dem Amor ist wirklich gelungen, was er im Schlußahsatz des Buches als seine Absicht erklärt: ״Völker leben gegeneinander, füreinander, ineinander. Das Wiener fmlcntum ist vom Ueberfluß der schönsten und kulturell reichsten deutschen Stadt gewachsen; es hat hier die größte Fruchtbarkeit entwickelt, die irgendeinem westlichen Juden tum beschiedcu war. Es hat genommen und gegeben, zersetzt und geformt; es hat gelebt und leben geholfen, so daß es ein Teil von Wiens Vergangenheit und damit von Wiens Gegenwart geworden ist. Ohne Juden wäre Wien nicht, was es ist, wie ohne Wien ihr Dasein in den neueren Jahrhunderten seiner stolzesten Seite verlustig ginge. Kein Eingriff der Weit vermag diesen Lebensprozeß rückgängig zu machen. Sofern wir historisch denken, fragen wir nicht, ob er für den einen oder den anderen Teil vorteilhaft oder nachteilig war: nur daß er war und wie er war, leidenschaftslos und wahrheitsgetreu zit schildern, war die bescheidene Aufgabe dieses Buches.“ Freunde englischer Literatur verweisen wir auf die vorziiglichcn billigen Ausgaben des Albatros -Verlages, Hamburg. (Näheres folgt.) JOACHIM PRINZ iUU STR I E RT E BESINNUNG RÜCKBLICK /־ ZUKUNFT LE INI NBA NO RM 4.50 G U T K A R T O N I E R T RM 3 20 M I T 32 BILDERN LEIN EN BAND RM 5 80 ERICH REISS VERLAGSBUCHHANDLUNG BERLIN W 15 BRANDUS’SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG BERLIN W 50 Durch jede g u t e B u c h h a n d I u n g

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