Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-12-08 · Heft 98 (8.12.1933) · p. Seite 929

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 98 (8.12.1933)
Date
1933-12-08
Page
Seite 929 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653821--24506-2687459
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

־Nr. 98, 8 XII. 1933 jüdische Rundschau Seite 927 1933 rroiei forcn Werkstatt ׳, NO 5S, Kyjt. 9897 Ion Fachmann, fit werden. 1U Kapital. nekeatr.10. :he Textil* Erzeuger, Kloth, mit 9er. Kilo({, nekestr. 10. .) wird für 3SUCHI. :h. Existenz eitlen unter nekegtr. 10.!ung gut hin״ i»rfk la hoten• 1 an rröres, otwerpea jesichert chlotsen »löge rr.i) od lnf. röntficriti» nde. Offert. Jüd. Rundeinekestr. lö ht 500 RM. riehen zur x. Betriebes d. Rundsch., cestraBe 10 I der -׳*■׳״> 10 nehm. nd. Auseer, 151 a. d.Jüd. einekestr.!0 ins mit ca icht. Fachm :ur sofort in 1 Bau- und sdhaft. Off. '.0 Jüdisches einekestr. 10 ler 5erf ufung•, mit raut, tflChl *ortier oder d. Judischn einekestr.10 eiärin kt fraaxM dstud., hebr. yk. In- oder Palaaiin». 11 an d!« Berlin W IS, ame ibraatchine.!, sucht zum Beer! litraße 62. «all*־ lärtn I. I. »34, ranche. trali« 29. itarin tu, ■acht tundenw,, live .1905. LUN6 n Haushalt. tan 4738 atne als Libcadcnhilfe. ’Utz 3747 «wem;t, Auf war* shäuiem. 0197. Liieraiur-Blati Jüdische Bücher zu Chanukkah Man dürfte nicht fehlgehen, wenn man annirnmt, daß in diesem Jahre ein weit (größerer Kreis von Juden ihren Frcunden Geschenke zu Chanukkah machen wird. Die Sitte, zu Chanukkah zu schenken, ist bereits seit einigen Jahren im Zunehmen, aber die Erlebnisse des letzten lahres haben so viele Juden an ihr Judentum erinnert und ihnen das Unwürdige der gedankenlosen Nachahmung nichtjüdischer Bräuche zum Bewußtsein gebracht, ■daß jeder, der herunihört, manchmal mit Erstaunen feststellen kann, wie groß das Bediirfnis geworden ist, jüdische Sitten zu erneuern und jüd i s c h e Feste zu feiern. Zu Chanukkah schenkt man gern Bücher, und in diesem Jahre gibt es eine große Chance für das jüdis che Buch. Denn auch hier ist ein weites Neuland zu bestellen. In den Bezirk der Jüdisch-Interessierten ist eine große Zahl von Menschen eingetreten, die auf so manchem jüdischen Gebiet zumi!ulest Lücken aufzufüllcn bat. Ja wir empfinden zuweilen geradezu den Mangel an geeigneten jüdischen Büchern, die diesen Menschen das geben können, was sie brauchen. Man könnte fast bedauern, daß die jüdischen Verleger so wenig Initiative entwickelt haben und daß wir zu Chanukkah dieses Jahres 1933 nicht die Informations-, Lehr- und Erhauungsbiicher vorfinden, die wir brauchen würden und die wahrscheinlich massenhaft zu sinnvollen Gesehenkzwecken hätten verwendet werden können. Halten wir uns aber an das Vorhandene. Da wird es jeder, der vielen Freunden eine kleine, aber wertvolle und gehaltvolle (iahe geben will, sehr begrüßen, daß der Verlag Schocken (Berlin) noch knapp zu Chanukkah die ersten fünf Bändchen einer neuen Serie vor legt, die — entsprechend den populären Serien anderer Verlage, z. B. Insel-Bücherei -- in geschmackvollen, auch äußerlich gefälligen und vornehmen Ausgaben zu billigem Preis (je M. 1,25) wertvolle Werke jüdischen Gedankengutes ins Volk tragen sollen. Es ist sicher kein Zufall, daß als erstes Bändchen dieser Serie — die uns im übrigen noch nicht v-orliegt — das Buch des zweiten Jesaja (in der Uebcrtragunff von Martin Buber) erscheint, das mit den Worten beginnt: ״Tröstet, tröstet mein Volk“. Wahrlich, Trost und Aufrichtung kann unser Volk schöpfen gerade aus den Worten dieses Propheten, die für das aufnahmewillige Ohr wie an unsere Generation gerichtet erscheinen. Von den weiteren Bänden dieser Serie nennen wir einen Auswalilband von ,,Hundert chassidische Geschichte n “ von Martin Buber. Hier wird sieh vielen Juden eine neue Welt erschließen, von der sie bisher keine ’Ahnung haften, eine Welt der Gottesfreude und tiefen Inbrunst, der Hcrzensfrömmigkeit und echten Lebensweisheit. Durcli diese Auswahl angeregt, wird so mancher zu den Gesamtausgaben der im Schocken-Verhuj vorliegenden ״O 11 a s si d i s c h en Bücher“ Martin Bu- Hers greifen (M. 7,50). Man würde wünschen, daß auch Nichtjtul011, die wegwerfend vom Ostjudentum sprechen, gerade dies« Bücher in die Hand bekämen. Auf viele Fragen, die heute denkende Juden beschäftigen, wird die Antwort in Martin Bubers ״R e den über das J u d e n t u m“ gegeben, die vor vielen Jahren (die erste 1909) gehalten wurden (M. 3, ). Dieses Buch gehe man als Führer solchen Juden in die Hand, denen die Stellung des Juden in der Umwelt zu einem tief empfundenen Problem geworden ist. Die Spannung zwischen Blut und Umwelt, die Stellung des Judentums in der Menschheit, der Sinn des Judentums und der Mythos vom Judentum sind liier in einer Weise dargelegt, die vielen wie eine Erleuchtung erscheinen wird. Weiter ״Fortgcschrittenen“ gebe man die Sammlung der neueren Aufsätze Bubers im Sammelband ,,Kampf um Israel“ (M. 3,50). Auch auf die bisher erschienenen zwölf Bände der Buberscheri Bibel-Uehersetzung sei ■noch aufmerksam gemacht. Ein be• sonders schönes Buch ist das ״Jüdische Lese buch; Send 1! ng u ״ d Schicks a 1“, das Dokumente und Dich• fimgci! ans der jüdischen Literatur aller Zeiten zusammen• stellt (herausgegeben von Nah um Norbert Glatzer und Ludwig Strauß, M. 5,50). Ein Dokument des geistigen Judentums unserer Zeit, das, wurzend in Ewigkeitswerten, auch zu den Problemen cies Tages Steilung nirnmf, ist die Sammlung von Aufsätzen Leo Raecks ״Weg« im Judentum“ (Mark 8,50). Zu jeder Buchsgabe aus dem Schocken-Vcrlag empfiehlt es sich, auch den Schocken -Al m anach beizuschlicßen, der für den erstaunlich billigen Preis von 60 Pf. eine Auswahl von wahren Kostbarkeiten jüdischen Denkens und Dichtens bietet. Wer, neu an das Judcnproblem herantretend, Hinweise über die Juden der Gegenwart sucht, wird diese am besten in dem Werk von /Arthur Ruppin ,,Soziologie des Judentums“ (2 Bände, Jüdischer Verlag, Berlin, M. 25,20) ' finden. Ruppin gibt eine vollständige Üebersicht über das l eben der Juden aller Lander mit allen verfügbaren statistischen Angaben. Von den Werken des Jüdischen Verlages, der bekanntlich die klassische zionistische Literatur, angefangen von Theodor Herzl und Achad Haam, verlegt, sei vor allem das noch viel zu wenig bekannte Sammclbucli von A. D. (lordon ״Erlösung durch Arbeit“ (M. 6,75) genannt. Hier hat ein palästinensischer Arbeiter, der in seinem Aeußercn und auch in seiner Gedankenwelt etwas an Tolstoi erinnert, entgegen aßen Parteischablonen die Rückkehr zu natürlichem Leben und Denken, zu Verbundenheit mit Boden und Arbeit gepredigt und gegen alle konstruierten Massentheorien den Satz verteidigt, daß der wahre Nationalismus beginnt mit der Selbsterlösung des Menschen aus einer erstarrten Begriffsvvelt zu lebendigem Volkstum. Während eine neue Gesamtausgabe von Herzl, wie wir hören, erst geplant ist, erschien eine Sonderausgabe der erstmals 1896 erschienenen Broschüre ,,Der Judenstaat“ in neuer gefälliger Form (M. 0,90), ein Buch, in dessen analytischem Teile auch viele Entwicklungen der Gegenwart prophetisch vorausguahnt sind. Der ergreifende utopische Roman Hcrzls ״A 11 n e u I a n d“ ist vom Verlag Loewit (Wien) neu herausgegeben worden. Als größeres Geschenk ist vor allem das schön ausgestaHefe und mit zahlreichen Bildern versehene fünfbändige ״Jüdische Lexikon“ (Jüd. Verlag, M. 195.— ) zu erwähnen, in dem der Lese- und Lernbegierige unerschöpf liebes Material finden wird. Wenn wir nun zu den ganz aktuellen Büchern übergehen, so sei uns gestattet, zunächst die eigene Publikation des Verlages der ״Jüdiscnen Rundschau“, die Aufsatzsammiung ״J a - S a g e n zum Judentum“ (M. 2,85) zu nennen. Hier sind Aufsätze zusammengestellt, durch die der Jude des Jahres 1933 sich persönlich angeredet fühlen soll. Wer durch die Ereignisse aus dem Gleichgewicht gebracht wurde, dem soll geholfen werden, eine innere Orientierung und einen inneren Halt zu finden, — eine Absicht, die bei vielen tausenden deutscher Juden von Erfolg gekrönt war. Unmittelbar aiigeredet wird der Jude auch in dem Buch von Joachim Prinz ״Wir Juden“ (Verlag Erich Reiß, Berlin, M. 3,20), das die Einreihung des Einzelnen in die Kontinuität des jüdische» Geschehens und zugleich seinen Antrieb zu jüdischer Aktivität bewirken will. Die romantische Verhcrrlichung des Ghetto wird freilich manchem etwas einseitig erscheinen, der die Sprengung der Fesseln des Ghetto als Vor- Bedingung auch der modernen jüdischen Freiheitsbewegung, zu der Prinz aufruft, betrachtet. Die letzten 50 Jahre brachten einen gewaltigen Oestaltwandel des Judentums, der sich besonders kraß in der völligen Umgestaltung des ostjüdischen Lehens ausdruckt. Ohne Kenntnis der eigenartigen Gefühls- und Geisteswelt des Ostjudentums zru Ende der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die heutige Judenfrage gar nicht zu verstehen. Darum ist die Autobiographie von Schmar ja Lev in, von der bisher zwei Bände (״Kindheit im Exil“ und ״Jugend in Aufruhr“. Verlag Rowohlt, Berlin, Preis je M. 7,50) deutsch erschienen sind, für deutsche Juden die Enthüllung einer ungekamiten. aber ungemein anziehenden Welt. Im zweiten Band wird überdies Schmarja Lcvins Aufenthalt im Berlin der achtziger Jahre geschildert, so daß wir hier die Begegnung der ursprünglichen, volksnahen ostjüdischen Persönlichkeit mit dem bereits dematurierten Westjudenlum nacherleben können. Das Verstandnis für diese Entwicklung des Wcstjudentums im Zusammenhang mit den Ideen des 19. Jahrhunderts und der fortschreitenden Assimilation, sowie die Versuche, jüdische Impulse in »euer Form zu retten, erfahren wir aus Max Wieners ״Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation“ (Pliilo-Verlag, Berlin, M. 6,-). Wer die alte Geschichte des jüdischen Volkes, von der wir fast nur protestantische Darstellungen haßen, mit modernen jüdischen Augen sehen will, der sei auf Elias Auerbachs ״W ii s t e und Gelobtes Land“ (Verlag Kurt VPolff, Berlin, M. 13,— ) verwiesen. Das neue Verhältnis des Juden zur jü• disehen Vergangenheit verstärkt auch sein lebendiges Inter- Die Siedler Von Manfred S lurmann Der dörre Boden Ist hart und roll Stein, Geduldig - wir werden ihm Ober sein. Ihn teilen und wässern und brechen. Noch wuchert die Distel, noch!peinigt der Staub, Noch wehrt die quälende Sonne kein Laub, Noch gibt es kein Ruhen 6n Büchen. Du Mann mir zur Seite, der du mit uns baust, Du hast nur den Glauben und nur deine Faust, Dich und das Land iu bezwingen. Verwandelt den Boden I Dies winzige Stück Der Erde Ist Zukunft, es gibt kein Zurück Aus dem groben, dem heiligen Ringen. Beug! nieder die Röcken und hacket und grabt, Bis die 5chailen sich neigen am Abend, dann labi Uns Broi und kOMende Kröge. Wir haben nur Zelte und noch kein Haus, Was macht es! Und reichen die Pferde nicht aus. Wir spannen uns selbst an die Pflöge. Ihr wißt, was nach harten Jahren uns winkt: Der Boden, mit Schweifs und mit Tränen gedöngt. Wird die dunklen. Tage erhellen. Dann werden hier Felder und Herden sein Und wogender Weizen und Früchte und Wein Und Bäume und rauschende Quellen. Der Same wird wachsen, den wir uns gesät. Wie die Wurzel im trächtigen Boden besteht, Die Söhne sind Waller und Wächter. Wir geben die Pflöge in ihre Hand, Als lebendes F.rbe das blühende Land, Die Heimat unsrer Geschlechter. esse für biblische Motive. Es ist zu hoffen, daß das Drama ״Der junge Davi d“ von Richard Beer- Hof mann, das der Verlag S. Fischer ankümligt, noch rechtzeitig zu Chanukkah herauskominen wird. Ein wichtiges Bruchstück dieses großartigen biblischen Dramas erschien in der Zeitschrift ״Corona“, die stets nur besonders Erlesenes bringt (Verlag R. Oklenbotirg, München, 6 Hefte jiihrlieh M. 10,—). Auch die ״Neue Rundschau“ hat einen Akt aus dem Drama in ihrem September-Heft veröffentlicht. In diesem Zusammenhang sei auch auf den Joseph-Roman von Thomas Mann hingewiesen, dessen erster Band ״Die Geschichten J a ■a k o b s“ ein großes Kapitel jüdischer Urgeschichte, psychologisch vertieft und kulturhistorisch ausgeschmückt, neuzugestahen unternimmt, ein Buch, das schon wegen seines Stoffes, ganz abgesehen von ästhetischer Werttmg, jüdischen Lesern nahestchen dürfte. (S. Fischer-Verlag» Berlin, M. 6,50). Ein besonderes Interesse wendet sich naturgemäß Palästina zu. Allgemein ist zu beobachten, daß Juden vor» jüdischen Leben in Palästina anschauliche Schilderungen hören wollen, zumal so viele Menschen jetzt persönliche Be- Ziehungen drüben haben. Hier kommt das Buch von H ti g a Hermunn ״P a 1 ii s t i n a wie es wirklich ist“ (Fiba-Verlag, Wien, M. 3,80) einem wirklichen Bedürfnis entgegen. Das Buch gibt eine lebendige Darstellung der eigenen Reiseerlebnisse des Verfassen, führt aber zugleich in die Probleme des Landes und des jüdischen Aufbauwerkes ein, ohne propagandistisch zu beschönigen. Auch die Bildausstattung erhöht den Reiz des Buches. Wer sich in einer mehr trockenen Form die sachlichen Kenntnisse über Land und Leute aneignen will, für den ist das gegebene Handbuch ״Palästina, Land und Wirtschaft“ von Alfred Bonne (Deutsche Wissenschaftliche Buchhandlung, Leipzig, 2. Aufl. 1933, M. 4,—), das alles wissensweite Material in übersichtlicher Form enthält und für jeden, der sich selbst in die palästinensische Wirtschaft eingliederi! will, fast unetilbehrlich> ist. Der Fiba-Verlag zeigt auch sonst eine erfreuliche Aktivität in Palästina-Publikationen. So bat er soeben unter dem Titel ״Wir bauen Palästina“ die wichtigsten dem XVIII. Zionistenkongreß vorgclegten Berichte veröffentlicht in einer Form, die gar nicht der sonst dem Außenstehenden langweilig erscheinenden offiziellen Berichtsform entspricht, sondern aus dein Material ein anschauliches Bild gestaltet, auch ausgestatfet mit Illustrationen (M. 2,50). Wer über die rein jüdischen Beziehungen hinaus sich mit der Welt des Vorderen Orient bvkanutmachen will, für den sind in deutscher Sprache noch immer am empfchlcnswertesten die beiden großen Bücher von Hans Lohn ״Geschichte der nationalen Bewegung im Orient“ (Verlag Vowinckel, Berlin, 1027, M. 15, ) und ,,Nationalismus und Imperialismus im Vorderen Orient“ (Frankfurter Societäis- Verlag, jetzt /u verbilligtem Preis von M. 5, ). Diese Bücher zeigen eine allseits von der Welt der grollen Politik liegende Welt, die aber in rapide!» inneren Umbau begriffen Ist und eine ganz neue Machtstellung des durch Jahrhunderte 1m Schlafe gelegenen Asiens vorbereitet. Für den Zionisten ist natürlich die arabische Umwelt Pal istinas von größt ein Interesse und die Wirkung des Lind ringens europäischer Ideen seit dein Weltkrieg wird von Hans k'ohn 11!eilt nur politisch-wirtschaftlich, sondern auch gei tig-kulturcll dargestellt. Von sonstigen Bin her!! zu ilie-e 111 Thema seien hier wegen ihrer leichten Faßlichkeit und Zu י;inglichkcit die zwei kleinen Schriften von l’roi. Richard 11 a rt 111 a 11 11, Heidelberg, ״Die W e I t des Islam einst und heute“, sowie ״Die Krise des Islam“ genannt <111 ule in der Saiiunhing ,,Morgenland“, Verlag J. (I liiiric lissehe Buehlia iidlung, Leipzig, je M. 1,59). Auel! hier wird die Antithese von Panislamismus und Nationalismus mul i; 11 /.iisamluenh:mg die Krise des Islam als Religion gezeigt, die den l,ebergang liildet zu einem neuen islamischen ,Modernismu-;. Und da gerade vom Islam die Rede ist, so sei erwähnt, dal! kürzlich gleich drei neue B i o g r a p 11 i e n v o n M o 11 a 111 m e d in deutscher Sprache erschienen sind, einer Gvstall, die schon wegen ihrer Idibrerpuaiihnen heute das Inter esse wieder;»11f sich zieht, ganz airgesehen von der erhöhten praktisch politischen Bedeutung der islamischen Völker. (,. Wuhammed, Tragödie des Erfolges“ von I)agobert von M i k 11 s c 11, Paul List- Verlag, Leipzig. M. 5,51); ״,Mohammed, sein Lehen und Glauben“ von T or Andra e, Verlag Vamlenliook >N Ruprecht, Güttingen, M. 7,; mehr feuilletonistisch: F. s s .-» d Bey ״Mohamined, eine Biographie“, Verlag G. Kiepenlutucr, Berlin). Freunde jüdischer Musik werden einen Saimmelbatid begrüßen, den der bekannte Kantor Leon Körnitz, er lierausgegeben hat, ״Jüdische Klänge“ (Verlag M. Leßmaiin, Hamburg, M, 4, -). Das Buch enthält (für Klavier gesetzt) gottesdienstliche Kompositionen, ferner Melodien für religiöse Zeremonien dm jüdischen Haus, ein weiterer Abschnitt bringt Volkslieder und schließlich freie Kompositionen. Auch das Chanukkahlied ״Mo’os Zur“ finden wir in diesem Fluch sogar in fünf verschiedenen Fassungen, Der 'Text der Vorbemerkung belehrt uns, daß diese populärste aller jüdischen Melodien nichtjüdischen Ursprungs sein durfte, die ersten Takte klingen an ein deutsches Volkslied an. doch ist sie nach Eduard Birnbaum schon seit etwa 1450 bei den Juden Mitteleiiropas verbreitet. Eine andere Melodie zu ״Mo’os Zur“, die gleichfalls von Kornitzcr wiedergetgeben wird, verdanken wir dem christlichen Musiker Benedefto Mareello (16861/ 1739), der auch 50 Psalmen vertont hat. Wer auch in früher Zeit lachen will, findet eine große Zahl bezeichnender Anekdoten und Geschichten /usainmengestellt in dem Buch ״Da s jüd i s c h e V 0 1 k i n d e r A n e k d o t t׳“ des_ unermüdlichen Sammlers ( 111 a i m Bloch, dem wir bereits eine ganze Reihe von Sammlungen verdanken (Verlag für Kulturpolitik, Berlin, M. 6,50). Bei dieser Gelegenheit sei auch nochmals auf die großartige Aiickdoten-Sammlung von J. Ohvangers ״R o s i 11 k e s m i t M a 11 d I e 11“ (Verlag der Schweizer Ge- Seilschaft für Volkskunde, Basel) verwiesen. Pin großes Interesse finden mich hebräische Sprach-’und Lehrbücher. In P:1i;isti״a erscheinen eine ganze Anzahl von schonen und wertvollen hebräischen Büchern, die für den fortgeschrittenen l eser außer der Möglichkeit der Vervollkommnung seiner Sprach!( enntnissc auch den direkten Zusammenhang mit palästinensischem Lebei! und Denken vermitteln. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die entzückenden Kinderbücher des Verlags ,,< )inanuth“. Fine genaue־ Kenntnis Palästinas und der jüdischen Siedlungsgcschichte vermitteln die vom 11;11! p 1b! ir o des Keren Knj cm etil lieraustjegebeneii verdienstlichen Bändeln-11 ,,1-a - n 0,1 ז"', von denen bereits -10 Bande erschienen sind, jeder einzelne eine Monographie enthaltend. Es wäre zu begrüßen, wenn davon eine Auswahl in deutscher Ueherset zung erscheinen könnte. Für l ernende hatte einen große!! Erfolg das Buch von Emil Cohn ״Neuhehräisch schnell gelernt'‘ (Verlag Siegfried Scbolcin, Berlin-Sdi!ineberp, M. 2,85). Für ein systematisches Studium kommt die ״Einführung in das Hebräisch «ler (iegemvnrt“ von David Josef Born stein (Verlag Jüdische Rundschau, geh. M. 8,10) in erster Linie in Betracht, Wir nennen noch das besonders praktische deutsch-hebräische Taschenwörterbuch von Dr. Georg hierlitz. (Kcdcm-Verlag, Berlin. M. 2,85). Im übrigen sind unsere Leser aus den Anzeigen der ״Jüdischen Rundschau“ fortlaufend über Neuerscheinungen auf diesem Gebiet intornüert. Man muß diese — natürlich auf keine Vollständigkeit Anspruch erlichende . Umschau mit einem Wort des Bcdauerns schließen, daß es noch keine wirklich geeigneten jüdischen Kinder- 11 n d J u g e n ti b ü c h e r gibt. Wir hoffen, daf! das gesteigerte Interesse für jüdische Dinge und für jüdische Erziehung die Verleger auf den Plan ruft und daß wir zum nächsten Chanukkali hier schon Günstiges zu berichte ti haben werden. W, Knut Hamsun: Nach Jahr und Tag. Roman. Aus dem Norwegischen von J. Samlrneier und 8. Angermann. ln Leinen M. 7,50, Albert Langen Georg Midier Verlag. München 1933. Ein neuer Hamsun ist für Leser aller Nationen ein Ereignis. 111 Palästina liest man Hamsun hebräisch, sein ,,Segen der Erde“ ist ein Liebliiigshuch der Kolonisten. Der neue Roman des 75j;ihrigen ist so lebendig und packend wie je seine Meisterwerke, voll Ironie für den wurzellosen ״Fortschritts“fanatiker, tief verbunden im Mythos von Boden und Volkstum, aus denen das Geheimnis des echten Menschcittums strömt. Die Typen der kleinen Kiistenstadt Segelfloss gehen ein wahres Panoptikum der menschlichen Spielarten unserer Zeit, gesehen mit der ganzen Liebe dieses lebens* nahen Dichters und gestaltet mit seiner großen Künstlerschaft.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.