Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 96 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 899 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 96, 1. XII. 1933 7DDISCHE RUNDSCHAU Seite 897 Das jüdische Berlin Gemeinden vor den Toren der Stadt In einer Zeit grundlegender innerer Umwälzungen innerhalb des deutschen Judentums ist es wichtig, die Aufmerksamkeit auf die kleinen und Kleinstgemcinden zu richten und zu fragen: Was wird aus ihnen? Hat sich ihr Leben grundlegend verändert? Mit dieser Fragestellung haben wir einige Oe me in den in den Vororten Berlins besucht, um uns einen Eindruck von dem dortigen jüdischen Leben zu ■verschaffen. Wir Großstädter sind ja in jeder Hinsicht verwöhnt; jede Annehinlichkrit und jede Erleichterung betrachten wir als seibstverständlieh; das rege geistige Leben innerhalb der Berliner Gemeinde können wir uns nicht fortdenken; gut besuchte Gottesdienste gehören einfach zti unserem Dasein, als könnte es nicht anders sein; Anregungen jeder Art betrachten wir als eine Naturnotwendigkeit, über deren Vorhandensein man nicht weiter nachdenkt. Nachdem man durch einige Vororte gekommen ist, drängt sich einem wieder diese Problematik des Großstädterdaseins auf. In den untersuchten Gemeinden — Spandau, Nauen, Potsdam und Köpenick -- war es nun freilieh nicht so, dal) man Menschen der ״Provinz“ augetroffen hätte, bei denen jede künstlerische Darbietung und jeder Vortrag eine Sensation bedeutet (dazu ist Berlin zu nahe); aber man spürte doch stets, daß der Grad der Dankbarkeit für solche Dinge dort größer ist — eben weil die Anregungen noch nicht in dem Mafie zur Selbstverständlichkeit geworden sind wie bei uns. Es ist anzunehmen, daß diese Empfänglichkeit mit der Entfernung vom geistigen Mittelpunkt zunimmt. Ein eigenes geistiges Leben gibt es in den genannten Gemeinden kaum. Diejenigen, die das Bedürfnis nach Anregungen haben, scheuen die Ausgabe des Fahrgeldes nicht, um an den Veranstaltungen in der Berliner Gemeinde teilzundhmen. Ein großer Teil der ücineindemitglieder hat sich dem Kulturbund abgeschlossen und nimmt durch ihn an den wichtigsten künstlerischen und wissenschaftlichen Ereignissen im Berliner Gemeinddeben teil. Selbst zu Gottesdiensten begeben sich eine große Anzahl von Menschen nach Berlin, sei es, um bestimmte Predigten zu hören oder um überhaupt in besonilers geeigneter Umgebung ihre Andacht zu verrichten. Das eigene religiöse Leben ist in diesen Gemeinden darum recht gering, mit Ausnahme von Potsdam, das seinen eigenen Rabbiner und eine sehr hübsche Synagoge hat. Auch Köpenick besitzt einen eigenen Prediger; aber die religiöse Indifferenz selit'int trotz ernsthafter Bemühungen doch recht erheblich zusein. 111 Spandau berichtete man mit Stolz, daß sich nunmehr sogar mehr als die vorgeschriebenen zehn Personen zu in Gottesdienst einfänden — ein Zeichen, daß das religiöse Bedürfnis hier nicht besonders lebendig ist. 111 Nauen gar begnügt man sich vollends mit der Abhaltung von Gottesdiensten an den Hohen Feiertagen, für die nun sich einerseits einen Knlhisbeamten ans Berlin verschreibt und andererseits auch noch Besuch von außerhalb einladcu muß, damit Minjan vorhanden ist. ״,Aber lebenswichtiger in dieser Zeit sind die wlrtsch a f t liehen und bevölkerungspolitischen Fragen. Hier hat sich in den vier untersuchten Gemeinden ein durchaus einheitliches Bild ergeben. S pandau ist mit seinen 1000 jüdischen Menschen die größte (iemeinde. Ihre Wohlfahrtshsten sind nicht gering; etwa 70 Familien sind heute dort unterstitzungsbedürftig; und außerdem unterhält die Gemeinde ein eigenes Altersheim. Eine Anzahl Familien — genaues ließ sich leider nicht ermitteln — sind aus Spandau fortgezogen, teils nach Berlin, teils ins Ausland, darunter einige nach Palästina. Die soziale Schichtung ist die unter Juden übliche; etwa 24 Akademiker (die z. T, aus dem Judentum oder aus der Gemeinde ausgetreten sind) und der Rest von kleineren und größeren Kaufleuten ergeben das bekannte Bild. Die Zahl der Mischehen Zionistische Veranstaltungen Bezirksgruppe Friedrichshaiti der B.Z.V. Montag, den •1. Dezember, abends 20.30 Uhr, in den Unions-Festsälen, Greifswalder Str. 221/223, Bildbericht aus Erez Israel, Begleitender Vortrag; Walter Tempel. Bezärksgruppe Jannowitzbrücke der B.Z.V.: Sonnabend, d. 2. Dez., abends 20.30 Uhr, bei Connard, Briickenstr, 6 a, Bildbericht aus Erez Israel. Begleitender Vortrag: Dr. Mühl- Lauer. Bezirksgruppe Schmargendorf-Steglitz der B. Z. V.: Mittwoch, den 6. Dezember, abends 20.30 Uhr, im Victoriagarten, Wilhelmsaue 114, Adolf Pollak, ,,Palästina als Wirklichkeit“. Arbeitsgemeinschaft ״Ivria“: Dienstag, den 5. Dezember, abends 20.30 Uhr, im ״König von Portugal“, Burgstr. 16, Bildbericht aus Erez Israel. Zionistisches Seminar. Montag, den 4. Dez,; Dr. M. Broscris, ״Einführung• in die moderne hebräisch« Literatur“. Monlag-, den 4. Dez.: Dr, Ernst Meditier, ״Die zionistischen Gruppen und Verbände“. Dienstag, den 5.!>/..: Kurt Blumen- Feld, ״Grundgedanken des Zionismus“. Mittwoch, den 6. Dez.: Dr. Georg Lubinski, ״Die Judeiiirage — Demographie der Jaden“, Die Vorträge finden mit Ausnahme des von Dr. Meehner im Logwuliaus, Kleiststr. 10, 20() Uhr, statt. Der Vortrag von Dr, Meclmer Meinekestr. 10, 20*/s Uhr. Karten in der B. Z. V., Meinekestr. 10, und an der Abendkasse. Zweiter Hebräischer Abend der Kulturabteilung drr Ber- 1111er Zionistischen Vereinigung am 3. Dez., um 20'/״• Uhr, in der Sing-Akademie, Am Festungsgraben 2. Dr. Kalcko hält eine hebräische leichtverständliche Ansprache. Mit Rücksicht auf den Teil der Hebräisch Lernenden, die das gesprochene Wort noch nicht genügend beherrschen, spricht Dr, Mas6 in deutscher Sprache über ״Hebräisch ais moderne Sprache“. Im künstlerischen Teil des Programms wirken mit: I'aula Lindberg (Gesang), Charlotte Rosen (Violine), Hans fiaer (Klavier), Suse Swoboda und Susanne I.ewinger (Tänze), ha bei der vorigen Veranstaltung viele Hunderte von Be- Suchern aus Raummangel an dem Abend nicht teilnchmen konnten, wurde diesmal ein wesentlich größerer Raum, der besonders für solche Veranstaltungen geeignet ist, gewählt. Es ist zu erwarten, daß das gesamte Helbräisch sprechende wid Hebräisch lernende Publikum dieser» Abend besuchen Aird. EUern-Abcn<f der Gruppe Westen (G’dud Brennet) der Jüdischen Jugendgemeinschaft Habonim!war chaluzi. Sonnabend, den 9. Dez., abends 8 Uhr, im Logenhaus, Kleist- Straße 10. Alle Eltern und Freunde des Bundes sind herzliehst eingeladeii. Programm: Hebräische Lieder; Vorführung scheint «licht gering zu sein; eisi Kenner der Verhältnisse schätzte sie auf 30״/<j- Vor allem aber fehlt es an Nachwuchs, so daß die Gemeinde, falls kein Zuzug von außen erfolgt, in absehbarer Zeit aussterben wird. Das wirtschaftliche Leben hat dieselben Veränderungen erfahren wie überall; besonders ein Teil der Akademiker ist in sehr schwieriger Lage. Zwanzig Kilometer von Spandau entfernt liegt Nauen. Diese Gemeinde besteht aus 7 Familien: insgesamt etwa 20 Menschen. Eine Familie ist nach Berlin gezogen; ein Kautmann, der sein Geschäft nicht forlfüliren konnte. Drei Kaufleute arbeiten weiter; die geschäftliche Lage ist, im ganzen gesehen, stabil. Ein Arrt und ein Rechtsanwalt betreiben ebenfalls ihre Praxis weiter. Auch die Gemeinde Nauen, und sie wegen ihrer Kleinheit in besonderem Umfang, leidet an dem Nachwuchsmangel; drei schulpflichtige Kinder sind zurzeit da. Diese Kinder wachsen übrigens ohne Religionsunterricht auf, da sich die (iemeinde keinen Lehrer aus Berlin kommen lassen kann. Vom jüdischen Standpunkte aus ist das keineswegs he■ grüßen sw ert; es müßte sich unseres Erachtens ein richten lasse™, daß die Kinder etwa in Spandau mit unterrichtet werden. Die Gemeinde Potsdam umfaßt ungefähr 400 Menschen, Die zahlreichen Akademiker sind wirtschaftlich stark betroffen worden, einige sind ausgewandert, andere leisten jetzt Büro• arbeit «der sonstige Dienste. Es leben in den Potsdamer jüdi■ sehen Familien fast nur ältere Menschen; der Nachwuchs ist sehr gering. 33 Schüler (einschließlich Nowawes) sind zurzeit zu betreuen. Eheschließungen kommen kaum noch vor. Eine Wiederbelebung des Potsdamer Üemeindelebens wäre möglich durch Anschluß an die Berliner Gemeinde; es würde auf diese Weise Gel frisches Blut dem langsam erkaltenden Körper zugeführt werden können. Köpenick erfaßt mit den Nachbarorten (Johannisthal, Friedrichshagen usw) etwa 700 Menschen. Trotz seiner Eingcmcindung in die berliner Gemeinde stagniert dort das jüilische Leben in auffallender Weise. Es wurde allseits geklagt, daß sich die Berliner Gemeinde nicht genügend um die Küpenicker kümmere. Die dort lebenden Juden!mißten viel haufigerin Veranstaltungen aller Art ztisammengefaßt Herden; aber es geschieht in dieser Richtung leider fast nichts. Die Uni 11teressiertlieit der Köpenicker Juden scheint andererseits außerordentlich groß zu sein. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind als relativ stabil anzusprechen. Ein großer Teil der Jugend ist ausgewnndert (davon etwa 15 junge Leute nach Palästina). Selbständige zionistische Ortsgrup p e n gibt es in keinem der genannten Orte, da sie in dieser Hinsicht Berlin angeschlossen sind. Erfreulich ist das, was man über die Jugend erfuhr. Sie ist fast überall positiv-jüdisch uml zionistisch eingestellt, strebt nach einer gesunden BerufsschicSitung und lernt mit Eifer Hebräisch. In Potsdam insbesondere haben sich den hebräischen Kursen nicht nur junge, sondern ,auch ältere Leute abgeschlossen, die gar nicht die Absiclit haben auszuwandern, sondern nur um der jüdischen Sache willen lernen. Das Gesamtbild, das sich aus den vier Vorortgemeinden ergibt, ist in einer Beziehung erfreulich: die Lcbeiisverltältnisse liaben sich zwar verengert, aber die Menschen arbeiten intensiv daran, nicht zu unterliegen. Erfreulich ist auch die positive Haltung der Jugend zum Judentum und ihr Wille zu einem neuen Weg. Andererseits spürt man überall eine starke Resignation bei den Aelteren, die deutlich sehen, wie diese Gemeinden langsam sterben, weil sie sich nicht mehr ergänze». Wie ein dunkler Schleier fegt sich diese Hoffnungslosigkeit iilwr die Menschen; sie schafft eine eigentümliche Atmosphäre der Ruhe und der Ratlosigkeit; und nur der Pulssclilag der großen Stadt iibertönt zuweilen diese Vorahnung eines nahenden Endes j des Gemeindelebens. —nn. des Films von unserer Fahrt nach Dänemark; Referat Leo Steinberg: ,,Ziel und W׳eg des Bundes“; Referat Harts Gärtner: ״Schule, Bund und Elternhaus“. Ankündig ungen Oberkantor Magnus Davids«ohn veranstaltet mit :'.einer Tachter Ilse 1111 r a t o r - D a v i «I s o 1111 am 2. I)ez,, abends 8(? Uhr, im große» Saal des Logenhauses, Kleiststr. 10, einen Untcrhaitimgsabend. Es werden Lieder und Dielthingen ernsten und heiteren Inhaltes zum Vortrag kommen, insbesondere Werke jüdischer Autoren. Karten zu 1,— und 1,50 M. bei Hochmeister, J 7, 2557, und Abendkasse. Oberkantor Leivandowski singt Arien ans ״Tosca“ und ״Bajarzo“ in der Mittagsveranstaltung des Jüdischen Wohlfahrts• und Jugendamtes, Bezirksstelle Süden, Sonntag, den 3. Dez., vorm. II Uhr, im luisentheater, Reichenberger Straße 3-1. Im Anschluß TonfiLa ״Madame Butterfly“. Karten RM. 1,— in den Synagogen Lindenstraße und Kottbusser Ufer und an der Theaterkasse. Reinertrag für die Bekleidüng bedürftiger Kinder zu Clianukkah. Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde. Hauskonzert am 7. Di81 ..׳.־ ’s Uhr, in Villa, Am Rupenhorn 10. Fährverbindung: Straßenbahn 58 und 75 bis Stößenseebriicke. Mitwirken*!«.‘: Georg Bertram (Klavier), Susanne Landsbcrg-Hallancier (Sopran), am Flügel: Salvador L e y. Werke von Händel, Schumann, Chopin, Lieder von Schubert, Brahms u.a. Karten zum Preise von RM. 2,— sind zu haben: Wirtschaftsliilfe der Jüd. Gemeinde, Oranienburger Str. 31 (T<1.: D 2, 5131), Zimmer 34, Buhne und Brettl, Joachimsthaler Strafte 13, Kasse 11—1 Uhr (Bismarck J 1, 6979), Buchhandlung Kedem, Charlottenburg, Dahlmannstr. 8. Klassischer Operettenabend, Sonntag, den 3. Dezember, abends 8 Uhr, in den Räumer! des Jiid. Religions-Vereins Friedenau, Steglitz־ und Umgegend, Stierst!1 ,21 .־ Tr. links. Erna Eisncr (Sopran), Kammersänger Max Kuttner (Tenor), am Flügel: Ernst W ei Bier. Karten RM. 1,50 in der Papierhandlung■ Oscar Wolff, Friedenau, Rlicinstr. 52, und bei E. Eisner. Wilmersdorf, Ühlandstr. TJ5 (H 6, Erriser Platz 4614) und Abendkasse. Konzert Goldniaun-Wittenberg-Blumenfeld-Trio unter gfftiger Mitwirkung v«u Agnes Lembach (Alt) am Sonntag, dem 3. Dez., abends S Uhr, im großen Logensaal, Kleiststr. 10. Programm 11. a.: Schottische Lieder mit Begleitung von Klavier, Violine und Violoncello von Beethoven und Forellenquintett. Eintrittspreis RM. 1,50. Karten sind zu haben beim Hauswart im Logenhaus, Kleiststr. 10, und bei Frau Alfred Wittenberg, Wi 15» Pfalzburgec Str. 82; Tel.: Oliva 2286. Konzert im Logenliause, Kleiststr. 10, Sonnabend, den 9. Dez., abends 8 Uhr, unter Mitwirkung der Herren Dr. Kurt Singer (Violine), tk'nerahmisikdir. Josef Rosenstockl (Klavier), Fritz Leehner (Bariton), Stefan Autal (Klavier) lind der Damen Frida Flelilmrg (Sopran) und Ilse Intrator (Rezitationen): am Flügel: Erna Klein. Eintrittskarten M. I.— bei Ada!Gierst, W, Rankcstr. 29, Bavaria (B 4) 1871, und beim Hauswart der Loge. Der jüdische Mh'nnergesang-Verein ״Sängerbund Harinonie 1883“ (Dir.: W. Zwilleiiberg) gibt aus Anlaß seines 50jährigen Bestehens ein Festkonzert am 2. Dezember im großen Saal des Hotels ״König von Portugal“. Als Solisten wirken mit; Frau Dora Bernstein-Börner (Gesang), Herr Hans Soberskv (Gesang) und Herr Mus.■Dir. Max Wachsmann (Violine). Klavierhegleit.: Herr Hermann Schwarz. Die Vereinigung für die Interessen der Alten Synagoge eröffnet das Winfersemesier am 2. De/., abends 8 Uhr, im Verwaltungsgebäude, Kosi-netr. 2 1, mit einem Vortrag des Herrn Ha 111 »iner Dr. Jacob I reimann: ,Jerusalem in alter und neuer Zeit“. Ferner: ,,Ilrbrsis/fie Gesänge, die wir in der Svuagoge 11 i0111 lun eil". Vortragender: Herr Kantor Josef A p fc 1. Der Verein Synaßo ne S.iifzowstraße veranstaltet am 17. Dez., jiadim. 1,I l'lir, im (j.n V :)mal de.-׳ I.ogenhauses, Kleiststr. 10, eine (. 11 a 11 1: K k a 11 - ' vier für Kinder. Eltern, Verwandle lind Freunde vserden um ihr I.!scheinen gebeten. — Am Freitagabend n.u li der Andacht h i ul im '1 rausaal der Synagoge Lüt/ow■strafte rin br-ondem Kiddu-cl! für Kinder und Jugendliche verunstalte!. Es wird g chetcii, die Kinder regelmäßig zum Gotte.di not am Freitag e> Uhr abends in die Synagoge Liit/owstraln: ai schicken. Zweite! Seminar-Abend Kurt Biumenfeld Vor einem Zuinirerkreis, der doppelt so groß war als der des vorwöchentlichen Lr<">fl'nu״f;s:tUe11<l.s. setzte Kurt Biumenfeld seinen Seini iiarz.yklus ״Grundgedanken des Zionismus“ mit einem Vortrag über Volk und Lund fort. Hatte im Mittelpunkt de-, ersten Abends Wesen und Dy nainik der 'Tatsache ״Volk“ gestunden, die der Redner als einen Lebensprozeß gekenn/.ei ebnet hatte, so wurde diesmal die Realität. ,״E r e z Israel‘‘ in der ,jüdischen Geschieht« her• ausgearbe itet, insbcsoiulere in der Zeit der Assimilation. Diese Periode hat alle möglichen Kinwunderungsländer begünstig(, stier Palästina!!!)gelehnt. Palästina war eben immer für eine von sieh selbst abgefallene ,jüdische Welt etwas im tiefsten Sinne Gelührlielies; es ist ein hartes Land gewesen, als es unser Volk geformt und ihm ewige Forderungen in die Diaspora mitgegeben hat; und es hat inmitten der territorialen Abhilfeversuche seine Ausnahmestellung behalten, es ist kein Nachtasyl und nicht der Boden Fftr eine mechanische Lösung. Wenn seit April Xiclit/ionisten nach Palästina streben, aber seit den Oktober-Unruhen stuizig wurden, so sind ׳ sie nicht jetzt im Irrtum, sondern waren es schon im ApriL Palästina ist, wie immer, auch heule eine Aufgabe und ‘,י will von jedem Einzelnen innerlich erobert werden, der sich ,‘i dorthin wendet. Es ist der Ort, über!1 ach die Garantie für den letzten inneren Ent scheidungsknmpf des .Judentums. Die ernste Gcda 11 kenführu 11 g; des zionist i.sdie«! Erziehers Blumenfehl, besonders prägnant in der Uernusai/beifung des 7״,ione- Zionismus“ beim Uganda-Kongreß 1903, machte tiefen Eins druck 111!J alte und neue Zionisten. R. Vf. Vorträge und Konzerte ln der ״Freien jüdischen Voikshodi&chule“ liieli Dr. W. Nußbaum , der Lener Ger ״A! ■bciN:־׳ viiiui iiscl 1aft für jüdische Frbforsch 1111g timl Fi!)pflege“. 1 ׳im׳ V! ):!N lü׳׳1rl. über ״Di e Juden im Lehen 1 der Völker'־, in! Ei m/ani; sw 11 iwr auf vier Abende verteilten Vorlesungen erliii.U TU' '1 )!׳. Vt!!; bäum di w Tut- Stellung e les Judentums 1tini!.■:! i) 11! HT M'i'ir 1 ntwieidimg einen lebendige 11 IJcberbliek. 1 de f 1 '1! K ( , י ־)!> "ISK M.T dus I mutigen | udenttmi s im Zusammenhang niii ( Irin \'r jiid uiiluni stelieu, könne nur mit Hilfe der I r hirhro U's\<y< ll'llt WUT■ den. Ls war inten ,■f.sani, die em/tinen jü u i-dw׳ n Mui'i■ buntvnun kennen-?ulemen, die der Rednei durel 1 1 iuhi :bikler und ander es Bildmaterial erläuterte. An Hand dur \ 011 der׳. ״Arbeit/ ■ ,gemeinschaff für jüdische Erbforschung und Fib pflege־■ vorgetiotnnie• nen anthropologischen l 'mersuelnmgeii und Messungen an 350 Kindern im Alter von I 15 Jahren, die sämtlich phofographirrt wurden, konnte der Rainer ii.tehweiseii, daß die einzelnen Typen des ullnnlastineiisisdn/ii jüdischen Volkes Achnlichkeit mit der lieiitigeu europäisch-jüdischen Brvölkerung aufweisen, insbesondere aber mit der gesamten Mittelmeerbevölkerung in nächster Verwand tsehaft stehen. Julius Walter. Uraufführungen jüdischer Musik. Heutzutage Musik von Lebenden zu spielen, ist immer noch ei 11 Wagnis. Wie viele verschließen ihr romantisches Herz einem neuen, ungewollt!- ten Stil! Innerhalb einer .solchen Situation gewinnt nun der erste Abend des Neuen S t r e i c 11 q u.1 r t e 11 s besondere Bedeutung, zumal er gerade U r a u f f 11 11 1׳ u n g e 1! von jü- (lischt: n Komponisten hraeiiie. Das 2. Streichquartett op. 26 von Berthold (i u l d s e 11 m i 111 verdankte seinen Erfolg vor allem dem geistreichen Fhi/ltncIh'ii Presto; ihm ging ein wesentlich auf Rhythmus gestelltes Allegro molto und ein Andante mit interessanten, sptöden Klängen voraus. Der 67. Psalm von Leo Lcwy stellt aufrichtige Musik von sauberem, an spatromantischcn VUrbildern geschultem Handwerk dar. Paula I. itidberg geduftete mit ihrem lierrliehen Alt unter anderem ostiiidische Fieder (mit Streichtrio• begleitting, bearbeitet von Weil und Roskin), feingeistig. Line grolle Leistling bot das Neue Strcielujuartett (Frey, Prager, Meyer, Weil); nach Goldschinidt und dem vielleicht etwas zu spirituell ang!׳faßten Hugo Wolf (Italienisch!: Serenade) gelang es ihm, an die Tiefen eines späten Beethoven zu rühren — was viel besagt. Hans Nathan. Konzert der Künstlerhilfe. Die Künstlerhilfe veranstaltete am Totensonntag int I. oqcnliaus, Joachimsthaler Straße, ein Solistenkon/ert, dessen Programm in den ,,ernsten Gesängen“ von Brahms ,gipfelte. Fritz Leehner, als Opernsänger bestens bekannt, erwies sicli auch auf dem Konzertpodium mit seiner schönen Stimmt,• mul einwandfreien Technik als ein Künstler von Rang, der mit den genannten Liedern die Hörer stark beeindruckte. Der Pianist Salvador Lev, der auch alle Begleitungen stilvoll und anschmiegsam ausführte, riß durch sein meisterhaftes Spiel in der C-dur- Toccata von Schumann die Hörer zu spontanem Beifall hin. Die beiden mitwirkciulcn Damen standen dagegen etwas zu-