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Jüdische Rundschau · 1933-12-01 · Heft 96 (1.12.1933) · p. Seite 893

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 96 (1.12.1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 893 (sequence 13)
Language
German
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Nr 96, 1. XII 1933 jüdische Rundschau Seite 891 v\\\Y Früher und jetzt Früher wußten wir viel von den Sitten und Bräuchen der alten Römer und Griechen und von den Kriefgsbräuchcii der Indianer. Von jüdischen Bräuchen, von den Sitten der Juden in anderen Landern wußten wir nichts. Jetzt kennen wir die Sitten und Bräuche der alten Römer und Griechen genau so gut wie früher, wir wissen aber auch, daß cs jüdische Sitten und Bräuche gibt, die uns naher angehen. Früher verehrten wir die alten Griechen und Römer, weil sie berühmte Männer und Weisen hatten. Jetzt wissen ־ wir, daB zur selben Zeit und noch viel früher jüdische Weise lebten, die Großes und Bleibendes schufen. Früher lernten wir Latein und Griechisch, um Ovid und Homer zu lesen. Jetzt lernen wir Hebräisch, um die Schriften unserer Weisen und Dichter zu lesen und um selbst unsere Sprache zu sprechen. Früher fühlten wir nur selten, daß wir Juden sind, nur 7u Hause, an einem Feiertag, jetzt wissen wir es alle. Oh in Palästina oder in Deutschland, im Gruncwakl oder am Alcxandcrplatz, wir jüdischen Kinder haben alle gemeinsame Vorfahren, gemeinsame Geschichte und eine gemeinsame Zukunft. Unsere Jugendgruppen in Berlin .. . Ich hin in einer jüdischen Gruppe, welche zionistisch eingestellt ist. Wir haben eine Oberprimanerin zur Führerin. Sie ist sehr knorke. Wir haben einmal in der Woche Heim. Da basteln wir drei Bühnenbilder aus den Entwicklungsjalircn des Judentums. Die erste Stufe ist ,,Das Gettho“, zweitens stellen wir einen Tempel und nebendran eine Kirche dar und ein assimilierter europäischer Jude zeigt auf den Tempel. Dann schreiben wir drüber ״Judentum ist Religion“. Das dritte Bild stellen wir dar, indem wir einen Chaluz machen mit einem Pferd, weicher gerade den Boden bcarbeitet. Natürlich soll das in Palästina sein. Wir basteln es so: Drei Kisten stellen wir nebeneinander, so: Gettho Tempel und Palästina Kirche Die Figuren kleben wir mit Buntpapier lind das andere machen wir fast genau so. In dem Gettho gehen alle Juden mit langten Bärten, Tallis, T'phillim und Gebetbüchern umher. Außerdem machen wir öfters eine Sicliah. Wir sprechen augenblicklich über den Zionismus, die Judenfrage, gehört Palästina ׳den Juden oder Arabern? usw. Dann gehen wir sehr oft »jd Fahrt. ■ ־''׳. i% ׳; Herzliche, Grüße ,, ז• |i' * . Schalom! I. W., 11 Jahre. ... und in Jerusalem Ich bin Schiller in der 3. Klasse des Gymnasiums in J'crusalem. Aber ich will Euch nicht von der Schule, sondern von den Pfadfindern erzählen. Wir treffen uns hier zweimal in der Woche in unserer Baracke. Die haben wir uns vor 8 י/. Jahren zusammen mit 2 Tischlern selbst gebaut. Damals war ich noch nicht bei den Pfadfindern, aber mein Bruder nahm mich schon immer mit, so daß ich den Bau gesehen habe. Ich hin 31 '_> Jahre in der Legion, so heißen die Pfadfinder hier. In der Baracke haben manche Gruppen ihre besonderen Ecken. Auch wir haben uns eine Ecke gerichtet, aber es ist noch sehr viel daran zu arbeiten: es fehlen noch Bänke, ein Tisch, eine Tür, ein Fenster und andere Dinge. Das alles machen wir am Mittwoch. Außerdem arbeiten wir an diesem Tag noch im Garten und in der Wirtschaft. Im Garten müssen wir pflanzen, gießen, pflücken und reinigen. In der Wirtschaft haben wir 2 Schafe, 3 Ziegen, 7 Kaninchen, 4 Enten, 1 Huhn und fünf Paar Tauben. All diesen Tieren müssen wir Futter geben, ihre Plätze säubern, und manchmal müssen wir in das Bassin der Enten frisches Wasser geben. Das andere Mal treffen wir uns am Schabbath: meist gehen wir auf Fahrt. Unsere letzte Fahrt ging zum Beispiel nach F.jn Fara, das ist 2>2 Stunden nördlich von Jerusalem. Von dort kommt auch das Wasser hierher. Das ist eine wilde schöne Gegend, aber sehr einsam: außer in der Station, wo wir die Nacht über blieben, trafen wir auf dem Weg keinen Menschen. Am Morgen gingen wir noch weiter, bis wir zu großen Felsen kamen, in denen Mönche ihre Wohnungen haben. Z11 diesen Wohnungen führen keine Wege, inan muß mit Leitern zu ihnen hinaufsteigen. Wenn cs regnet, können wir keine Fahrten machen. Dann bleiben wir in unserer Barocke und spielen. Uri Bergmann. Pein erster Freitagabend 20 Worte Hebräisch Fs war eigentlich nicht der erste Freitagabend, den ich mitgeniacht habe, aber es war •der erste, bei dem ich mir wirklich etwas gedacht habe. Meine früheren hatten sich nur dadurch von den Wochentagen unterschieden daß es warmes Abendbrot gab, man Lichter'anzündete, und ich statt um sieben um halb zu Haus sein mußte. Ich ging Pfingsten zum erstenmal auf Fahrt. Unsere Gruppe war noch mit einer anderen zusammen. Wir saßen alle i'11 weißen Blusen um den Tisch mit den Lichtern, den Barchissen und den Tellern mit Bonbons und Schokolade. ,,Siiko“ nennt man das bei uns im Bund. Es waren viele sehr musikalische Mädel unter lins, und das ״L’cho Daudi“ und die anderen hebräischen Lieder klangen schön. Nach dem Abendbrot (es bestand nicht aus Suppe und Hühnchen, sondern einlach aus Stullen) begann die Führerin der anderen Gruppe über Chassidismus zu sprechen. Sie erzählte über .seine Entstehung, Ausbreitung und Bedeuhmg. Manchmal erklärte sie auch alles durch eine Geschichte vom Baal-Schem näher. Weil ich sehr müde war, habe ich von damals nicht viel behalten lind verstanden, aber es war das erstemal, daß mir ein Mensch richtig vom Judentum erzählte. Liebe Rundschau-Kinder, wir erfüllen Kucrn Wunsch und bringen Euch 20 Worte Hebräisch statt 10. li adi ich habe einen Bruder יי אח T idrrno David sein Name ist David שבזי דוד ' T : lo uder er hat ein Buch יו בן.־־ «n&chnu in'dabrim wir sprechen Iwrith bebraiech אנחנו?זדבךים עברית ant omdr: ich sage: אני אומד: bo h£na! komm horl "בא הנה!" "ד ha ba er kommt הוא בא t£n 11 elh ha1s£fer gib mir das Buch "תו די את הספד!" ß'wakafchä! Bittp! "בביייטח!" 6 Ö Dann gingen wir auf eine Wiese und tanzten solange Horra, bis wir alle nicht mehr pusten konnten. Um uns herum flogen die Glühwürmchen, sicherlich die ersten in dieser» Jahr; es war ein schöner Abend. Trotzdettt Töh ‘dämalsGiöclv seffr" uhjüdlsch* \var und man vom Zionismus bei mir noch Tccine Spur merkte, hatte ich doch einen tiefen Eindruck‘ von diesem Sehäbbat.' Es war mein erster mit der Gruppe und der erste Freitagabend, den ich mitgeholfen hatte, in der richtigen Weise zu feiern. Mira Herschberg, Berlin. /7V7Y3ch wtfn/che >efntn B1״fefw«h/el /AX 1 ....mit einem gleichaltrigen (15 י D J.) Jungen oder Mädchen aus Palästina. Die Korrespondenz möchte ich gern in hebräischer Sprache führen. Es wäre allerdings auch gut, wenn der oder die Betreffende auch deutsch versteht. G c o r g U I o c h, Tarnowskie-Gory. Ul. Nakiclska 4. Polska. .... niit 13—löjälirigetn Mädel oder Jungen. Möglichst mit organisiertem Zionisten. Auch aus Palästina. Margot K e 11 e r m a n n, Lvck (Ostpr.), Kaiser-Willielmstr. 50. .... mit einigen ־ zionistisch gesinnten Kindern. Sara Zwy (13 Jahre), Riga (Lettland), Krischjana Baronschstraße 2, Wohnung 0. ..,.mit 11 — 13j:ihrigem Jungen oder Mädel aus Erez Israel. Rudolf Dan zig er (12 י G Jahre), Kaschbach Eule Post Steinseifersdorf (Schlesien). Das Zeichen ״r“ bedeutet, daß die betreffen•!(' Silbe betont wird. Die Palästina-Reise auf dem Tisch (Fortsetzung) Ich hin also voriges Mal in Haifa gelandet. Meine Sachen habe ich alle ausgelacfen. Le tr at׳ ja 'bequem, da das Schilä direkt am Ufer anlegen konnte, jetzt sehe ich mir die Stadt an, das bekannte I laifaer Technikum und auch den herrlichen Karmel, auf dem es so viel Bäume und Grün gibt. Damit ich auch später den Karmel wiederfinde, schneide ich aus grünem Papier einen y kleinen Kreis, klebe ihn unter die Stadt Haifa (M) und schreibe Karmel darunter. Von I laifa fahre ich in die Korn- Kammer Palästinas, den Emek- Israel. Da ist alles ein blühender Garten und eine Siedlung neben der anderen. Ich feile die längere Seite (S) der Karte in drei Teile, schneide aus grünem Papier einen 2 cm breiten Streifen und klebe ihn so, daß es Haifa mit •dem ersten Teilstrich (I) der Seite (S) verbindet; er dart aber nicht an die Linie seihst heraiikommen. Der grüne Streifen ist der Emek. Ich fahre also von Haifa durch den Emek und mache i!1 verschiedenen Stationen Ltalt. Da ist N a h a i a I, die landwirtschaftliche Mädchenschule. Ich male einen kleinen Kreis und schreibe darüber Nahalal (Nb. Etwa-■ wiäter befindet sich die Kolonie Balfotiria, die zu lehren von Lord Baitour so genajuitwird. Ich malewieder einen kleinen Kreis und schreibe B a I f o u r i a (B) darüber. Jetzt komme ich nach Merchawia, wo ich so viele Bekannte habe. Hier mache ich ebenfalls einen Kreis und schreibe Merchawia (M) darüber. In der Nähe befindet sich das Dorf K'farlladitn. Ich male wiederum einen Kreis und schreibe K’far-! 1 a d i m (K) darüber. Jetzt sehe ich mir noch Fn-Cliarod an (E), von dem ich so viel gehört Lahe, und meine Reise ist für heute zu Ende. Nächstes Mal kann die Reise weitergeilen und dann habe ich meine eigene Palastinakarte auch bald feitig. Die nächste Kinder-Rundschau erscheint zu Chanukkah. Wir müssen alle Eure Aufsätze, Zeichnungen usw. spätestens am 6. Dezember haben. Schickt uns auch Chanukkah - Geschichten! Lustige Sprachlehre 1AHER •״, * .»-»oi* .N,ec«01viT * -r«o<T ftt-iwe 'vü1r1'>.KT srr>u der , /imoter״n(1.i in'chonith) Automobil) מכ^ית *1r!ö (m.ihir) schnell ehoUr) Schutzmann«) שו$ד Oft« .Ata. AW1* Kommt GeR.0// /׳CM V0׳« * /£» (-1 > AJ ב* t &ג\* £ ז B! ערבי, (*rawi) Araber -חמין (chimör) Esel D‘«*׳0 , ־vi?«AM ״ ׳»*.wAOE/w m.t # - APAM* אדה (onijdh) Dampfer ים (jam) Meer T ב?י 9ךם (b'n* adäm) Menschen (Xsl. a0£a׳£ j־ . oan al.‘ 0< fc, OA AVaCx ■V A M AU *גמל (gamäl) Kamel T 7 נמר (nara&l) Haien T T

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