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Jüdische Rundschau · 1933-11-24 · Heft 94 (24.11.1933) · p. Seite 857

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 94 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
Seite 857 (sequence 13)
Language
German
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Nr 94, 21, XI. 1933 jüdische Rundschau Seite 855 Neue Zeichnungen von Moses Barasch Moses Barasch, der junge jüdische Waler, von dem wir in Nr, 75/76 der ״Jüdischen Rundschau“ zwei Zeichnungen (Propheten- Kopfe) veröffentlicht haben, wurde dieser Tage Bar Mizwah. Das große Interesse, das die von uns veröffentlichten Zeichnungen in Bettler unserem Leserkreis hervorgerufea haben, veranlaßt« uns, Moses Barasch aufzufordern, uns wieder einige Zeichnungen «inzusenden. Aus den Blättern, die er uns schickte, wählen wir hier vier zur Wiedergabe aus. Wir glauben, daß cs für unsere Le-ei von Interesse sein wird iu hören, was der Knabe selbst über seine Zeichnungen schreibt. In einem Briefe äußert er sich folgendermaßen: ״Ich mache zumeist biblische Zeichnungen, denn diese Motive ziehen mich über alles an. Es ist doch kein Wunder, denn ich glaube, oder besser gesagt, cs ist bestimmt so: dal) Kunst und Religion denselben Ur- Sprung haben. Ich habe einen Moses gemalt. Es ist nicht Moses in bestimmten Momenten. Es ist nicht diese oder die andere Handlung. Wie verschwindend klein sind die Handlungen im Vergleich zu Ideen. Es ist der Begriff ״Moses“! Da sitzt der Moses, mit seinem W e r k, und auf seinem Haupte die Glorie des Werkes, als ob er sagen wollte: ״Das bin ich!“ Auch den Hiob habe ich gezeichnet. Die drei Freunde habe ich mit Absicht ausgelassen, denn er spricht nicht mehr zu Menschen, er spricht schon jetzt zu Gott! Und nun ist der Moment gekommen. Er kann nicht mehr ertragen, jetzt muß er vor Gott treten und Ihm das ״Warum“? sagen. Eine dritte Zeichnung soll die Opferung Isaaks darstellen. Es ist ein althergebrachtes und viel behandeltes Thema, und trotzdem kann man es immer neu gestalten. Mit meinen Augen gesehen, ist die Opferung nur ein Zeichen der Ueberzeugung Abrahams. Seinen einzigen Sohn, den er so liebte, sollte er nun fürdieldee opfern. Und aus seiner großen Ueberzeugung, daß es so recht ist, weil cs Gott verlangte, ging er eben, sein Liebstes, das er hatte, opfern. Aber Gott wollte nicht, daß ein so überzeugter Mensch Ihm dieses Opfer bringen soll und dadurch trauern müßte, und darum hinderte er ihn rechtzeitig.... .... Auch einen Bettler habe ich gemalt. Während er die Hand zum Betteln ausstreckt, kann man ein leichtes, hoffnungsvolles Lächeln auf seinem Gesicht sehen. Es ist eben die Hoffnung, vielleicht etwas zu bekommen.“ iip Auf mulirrrf־ An fristen, aus mucirm T.o:-!־'rkjni■־ Gilrn wir mit, da(׳• G- <-■!:;0!ui׳־!:!n;ir׳! w' Wd 1׳ lt 1,!!!.!ו:נ1ו^ dis <m a!!!! i-.■},< 1׳! UV! kes vuii MüSCs; Baratt־!» noch ni..ht gibt. Diu A n - idiukai u:n (PluHOgrapmcn), die v0'* den Gemälden genrmht wurden, neben, da die Farbcnwir• kung wesentlich Ft, nur einen >chr uu vollkommenen!׳!iudruck der wirkli.clien Originale. f/f w v! /GA: Opferunt] tsankt ............. Jüdischer Dank an Selma Lagerlöf Die große nordische Märchen-Erzählerin — ״die Groß- ■nulter Europas“ nannte sic Ricarda Huch einmal — scheint auf den ersten Blick wcltenweit von Juden und Judentum entlernt zu sein. Kein Jude betritt den Bannkreis der Kavaliere auf Ekeby; und auch bei den Wikingern und Königinnen schwedischer Vergangenheit sind die Juden nicht eben häufige Gäste. — Und doch ist sowohl Leben wie Schaffen dieser außergewöhnlichen Frau von Juden und jüdischen Werten stark beeinflußt worden; und wenn wir heute, nachdem die von ihr ungewollten Glückwünsche zu ihrem 75. Geburtstage verkiunge« sind, daran erinnern, so geschieht es voller Dankbarkeit gegen ein Geschick, das unserer kämpfenden Gemeinschaft die Kraft gab, diesem überreichen Frauengeist auf seinem schweren Wege ein wenig zu helfen. Georg Brandes, der große dänische Kritiker, der Ja auch einen Nietzsche als erster in Europa erkannte, hat schon damals, als in Schweden noch ein gut Teil der ״akademisch Gebildeten“, der strenge af Wirsen an der Spitze, ihr frühes Werk ablehnte, den Funken des Genies erkannt, der in ihrem ungebändigten und doch unvergeßlichen Erstling Gösta ßerling aufblitzte. Ihm hat Selma Lagerlöf später selbst öffentlich gedankt, als inan sie mit den! Nobelpreis gekrönt hatte, als einem ihrer ersten Förderer. Aber neben ihm steht in dieser Dankesrede die Gestalt der Lebensfreundin, die durch dreißig Jahre hindurch ihren Weg begleitete, Sophie Elk an, Noch heute zeugt das Sophie-Elkan-Zimmcr in ihrem ganz mit ihrer Persönlichkeit erfüllten Hause in Marbacka davon, daß die Freundin bei Selma Lagerlöf unvergessen ist. Sophie Elkan war ״eine echte Jüdin von jener vornehmen Art, wie sic nicht ganz selten in der Freiheit der oberen Gesellschaftsschichten curopäiseher Großstädte gedeihen, feinfühlig, lebhaft, geistvoll, mit einem Zug von Schwermut unter heiterer Oberfläche, weltgewandt und tatkräftig“. Ihre Schriften sind heut vergessen; aber ihr Bild steht noch heut lebendig vor uns, weil . . . Selma Lagerlöf selbst es uns entworfen hat. In einer erschütternden Rede am Grabe der Freundin faßt sie ihren Dank für eine dreißigjährige Freundschaft zusammen und zeigt der Verblichenen noch einmal ״ihres Lebens Herrlichkeit“. Von den Reisen spricht sie, die sie zusammen unternahmen, wie sie über den

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