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Jüdische Rundschau · 1933-11-21 · Heft 93 (21.11.1933) · p. Seite 833

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 93 (21.11.1933)
Date
1933-11-21
Page
Seite 833 (sequence 1)
Language
German
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Protest der Palästina-Exekutive Einzelnummer Rrt 0,33 JÜDISCHE RUNDSCHA Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition tu o n a t 11 c b 1- RM, vierteljährlich 5»75RM. Bei Nichterscheinen infolge Streike oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch iu! Nachlieferung oder Rückerstattung der Bezugsgehührea. — Auslandsabonnements werden in der Währung der einzelnen Länder berechn» et. Anzeigenpreis: Acht gespaltene Milliraetr-r• reife 030 RM. Stellengesuche 0,15 RM. Einzel-Anzeigen nur gegen Vorauszahlung Nummer 93/ Berlin, 21. XI. 1933 Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b.H,, Berlin W15, Meinekestr. 10. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Anzeigen-Annabme: Montag bis Freitag von 9 — 3 U h r. Anzeigenschluß: Dienstag - Nummer: Freitag nachmittags 3Uhr Freitag - Nummer: Dienstag nachmittags 3 Uhr. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag, P oatachec k •K 011t en: Abonnement!-Abt. (außer Groß-Berlin): Berhn 17^*92, Abonnements-Abt. für Berlin: Berlin 715 73, Buchverlag: Berlin 715 76, Inseraten- Abteilung: Berlin. 716 18, Basel V 9355- Belgrad 680 32, Brüssel 394 33, Budapest 596 93, Danziß 1973, Haag 140 470, Prag 59410. Riga 4155. Straßburg U>4 30, Warschau 190708«, Wien 156030. - Barak •Konten: Dresdner Bank, Dcp.-K 8^<54 י Berlin, Kurfürstendamm 181; Rumänische Kreditbank. Cernawti (Rumänien); ׳\nclo Paiesfiue Co.!זן Rail״, Jerusalem. Tel Aviv; liest! Pank, lallin fF‘:t!3mP; 7 JiO Jewish ColonialTrust (Jiid.Kolonialbank) Ltd.Brookhouse V/alhrook London! .( '.,4 כסלו חרצ״ד Der Zionlsi is ״ü ■ erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm,“ Das ungeflickte Dach Die Freien und die Unfreien Vergangenheit ist ein Erbe und kann damit zum Hemmnis audi werden ״ ־־weh dir, daß du ein Enkel bist!״ In einer Hinterlassenschaft zumal kann diese Enge bereitet sein, in der, aus welcher eine alte Unfreiheit weiterwirkt. Es ist heute in unserem Lande üblich geworden, die Menschen unter die Ahnenprobe zu stellen, und sicherlich, sie kann so manches erkennen lassen und ein besonders Belehrendes an diesem Beschränkenden eben, das aus der Erbschaft eines Knechttums dem Einzelnen wie der Gesamtheit zukommen kann. Manches wird verständlich, wenn vor den Blick dieses Vorfahrentum tritt, die Reihe der Unfreien, der Diener, ob sie nun Livreen trugen oder nicht, die Reihe der Dienematuren, der Dienerseelen. Jedes Gebiet auf Erden erzählt davon, und auch unser jüdischer Bereich hat davon zu berichten. Hinter uns Juden liegen weithin Zeiten äußerer Unfreiheit und innerer, seelischer Freiheit doch, und dann wiederum eine Zeit äußerer Freiheit und innerer, seelischer Unfreiheit auch. Von ihr aus kann vieles, was in unseren Tagen den Hoffenden und Arbeitenden betrübt, begreulicher werden: all diese unfreie Art, unterwürfig und auf sich selbst verzichtend hier, und überheblich, unduldsam dort, Gemeinschaft ablehnend, Gemeinschaft verleugnend hier, und Be- Ziehungen nachtrachtend, Gesellschaften nachjagend dort. So manche Erscheinung, so marache Parteiung, so manche subalterne Machenschaft in unserer Mitte wird von daher faßbar - der Knecht, der Diener ist wieder lebendig geworden. Eines nur vermag aus jedem ״Hause der Knechte״ herauszuführen, der große Gedanke, das Gebot von Gott. Die Gewißheit, die in einem großen, frommen Gedanken gegeben ist, ״ nur in reinen, freien Seelen erwächst er, und die Seelen, die sich ihm eröffnen, werden damit rein und frei - diese Gewißheit dessen, was mehr ist als der Tag, sei es der ehemalige, sei es der heutige, dieser freie, ehrfürchtige Wille zu sich selbst, diese große Liebe zum Gebot löst von aller Erbschaft der Enge, von allem Unfreien los. Sic macht damit die Vergangenheit zur wahren Geschichte, zu der, welche nicht nur war, sondern wird. Für das Denken und Sprechen der Bibel ist dies bezeichnend, daß das Wort Geschichte, das in anderen Sprachen seinen Sinn meist zu der Vergangenheit kehrt, hier vor allem nach der Zukunft gerichtet ist. Geschichte, ״toladot״, das erzählt hier, gewiß, von etwas, was gewesen ist, aber es besagt doch wesentlich das, was kommt, das, was beschieden sein soll und beschieden sein kann, es bedeutet das Kinderland, das neue Feld. Geschichte wird hier eine Mahnung zur Zukunft, zum Bahnen des eigenen Weges, zur Verwirklichung des Gottesgebotes. Wer es so erfährt und es so besitzt, der wird, woher immer er kommen mag, ein Eigener mit seiner eigenen Aufgabe, mit der großen Liebe zu den Menschen, den nahen und den fernen, wie sie jeder erlangt, der sich selber gewinnt. So ist es der Weg ins Freie, der Weg des Freien. Leo Baeck a Weizmann über die Lage in Palästina s. 11. Paris, 19. Nov. 1933. Die Aktion für den ״Mifal Arlosoroff“ (Arlosoroff-Fonds zur Gründung einer Siedlung auf den Namen des ermordeten zionistischen Führers), welche in Frankreich von der Zionistischon Exekutive, dem Keren Hajessod und dem Keren Kajemeth gemeinsam geführt wird, wurde ain 16. d. M. durch eine große Veranstaltung mit Chaim Weizmann als Redner eröffnet. Weizmann kam aus Genf, wo «r eingehende Besprechen!;cn mit dem Oberkommissar für das Flüchtlingskomitee, James MacDonald, gehabt hat. Diese Besprechungen bezogen sich auf den Arbeitsplan des Flüclitlingskomitees und auf die Frage der Koordination dieser Arbeit mit der Tätigkeit der jüdischen Organisationen, welche durch Delegierte im Beirat des Flüchtlingskomitees vertreten sein werden. Soweit Nachrichten über diese Besprechungen vorliegen, gelang es in Genf, mit MacDonald, der sich gegen- "'artig in London befindet, und mehrere Länder besuchen will, zu einem vollständigen Einvernehmen zu gelangen, her Sitz des Flüchtlingskoniitces wird wahrscheinlich Lausanne sein, und der Verwaltung^ 1at der 16 im Komitee vertretenen Staaten soll noch im Laufe des November in Lausanne utsammeutreten. lieber all diese Dinge äußerte sich Cliaim Weizmann in seinein Referate, dem Ansprachen des Versammlungsvorsitzenden, des französischen Ex-Ministers■ Justin Godart, und des Präsidenten des ״Mifal Arlosoroff‘1-Komitees, Robert Ko Hack, vorangingen, nicht, sondern er benutzte die Belegen heit, in seiner französisch vorgetragenen Rede, auf die letzten Vorgänge in Palästina anzuspielen. Cliaim Weizmann führte, von der ־Warte des mit größter Erfahrung ausgestatteten Palästinapolitikers ungefähr aus: ״Wir erleben in Palästina Haussen und Baissen. Ein wirklicher Zionist läßt sich durch derartige zeitgebuiulenc Vorfälle nicht irremachen, wie er auch nicht den Aufsclnvung des jüdischen Palästina in eine Verbindung mit jKatastrophen im jüdischen Leben zu bringen geneigt sein |"’ird. Richtige zionistische Auffassung stützt ihre Hoffnungen auf normale Entwicklung. Die Tendenz zur Normalisierung des jüdischen Lebens in Palästina ist unverkennbar. Im allgemeinen ist die Mischung einer normalisierten Struktur jdermaßen gestaltet, daß ein Drittel deT Bevölkerung mit!Landwirtschaft, ein Drittel mit Industrie und das restliche Drittel in freien Berufen beschäftigt ist. In Palästina können Iw1r feststellen, daß seit der letzten Zählung 1932 «er Anteil der jüdischen Bevölkerung in der Landwirtschaft sich von 24 auf 26 0;״ erhöht hat, und somit in einer Zeit der Landflucht — man denke an die verödeten landwirtschaftlichen Gebiete in U. S. A. — in Palästina eine Tendenz zur Agrikultur festzustellen ist. In Tel-Awivv beträgt der Prozentsatz der in der Industrie Beschäftigten, und zwar hauptsächlich als Arbeiter. 40. Man kann somit die unverkennbare Entwicklung zu einer ökonomischen Normalisierung des jüdischen Volleslebens in Palästina fesfsfellen. Von dieser Entwicklung ziehen auch die Araber bedeutenden Nutzen. Wir haben in Palästina eine arabische Immigration aus Transjorclanien, Syrien und sogar aus Aegypten zu verzeichnen. Diese Tatsache beweist, wie gegenstandslos die Behauptungen von der Verdrängung der Araber durch die jüdische Einwanderung sind. Die Erkenntnis dieser Sachlage muß sich schließlich durchsetzen.“ Heber die Aussichten der zukünftigen Ent- Wicklung in Palästina äußerte sich Weizmann dahin, daß man sich durchaus vorstellen könne. Haifa werde in absehbarer Zeit Alexandrien den Rang ablau len. Und Alexandrien ist eine Stadt von 6(300!)() Einwohnern. Wenn man immer wieder Bedenken äußert, daß, angesichts der Schwierigkeiten und der Kleinheit Palästinas, nicht alle Juden, die daliin streben, dort auch Platz finden können, so kann man darauf nur erwidern: ״Bemühen wir uns, jene Zahl von Juden ins Land zu bringen, die dort die Möglichkeit sich einzugliedcrn finden, und wenn der Sattigungspunkt erreicht ist, dann wollen wir weiter reden.“ Seit einem halben Jahre bemühen sieb die größten jüdischen Organisationen der Welt, die jüdischen Auswanderer aus Deutschland rationell unterzubringen. Insgesamt ist es ihnen gelungen, SO jüdischen Familien eine halbwegs normale Existenz zu schaffen, in der gleichen Zeit sind nach Palästina ungefähr 8000 jüdische Familien ausgewandert, also lOOinal soviel als in die übrigen Lander. Wenn mancher Einwanderer vielleicht darüber die Nase rümpft, daß er in Palästina nicht den gleichen Komfort wie auf dein Berliner Kurfürstendämm findet, so kann man ihm darau I nur die Antwort geben, daß er in Palästina heute den von ihm vermißten Komfort gefunden hätte, wenn er vor 10 Jahren auf unsere Mahnungen gehört hätte. Zum Schlüsse widmete Weizmann seinem Freunde Chaim Arlosoroff Worte herzlichsten Gedenkens. Eine nach dem mit stürmischem Beilall angenommenen Referate Weidmanns veranstaltete Sammlung für den Arlosoroff-Fonds ergab einen ansehnlichen Betrag. Die Aktion wird in Paris und in ganz Frankreich fortgesetzt. (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) gl. Tel-Awivv, 12. November 33. Die Ruhe im Lande ist in jeder Beziehung wied e r h e r ge st e 111, das Leber! hat durchaus seinen normalen Gang wieder angenommen. Wenn man sieh in jüdischen Kreisen bewegt und keine Gelegenheit hak mit Arabern in Berührung zu kommen — und in dieser Lage ist ja der Großteil der jüdischen Bevölkerung — so kann inan gelegentlich den Eindruck haben, als ob nichts geschehen wäre. Die wirtschaftliche Tätigkeit absorbiert wieder alle Interessen und Kräfte. Zudem war ja auch in der Streikwoche von ebner Animosität zwischen Juden und Arabern so gut wie nichts zu spüren. Araber kamen wie sonst in jüdische Geschäfte und Vergnügttngsstatten, und das hat naturgemäß dazu beigctrr.geii, daß die Juden sich fast als Zus c 11 a u e r eines K a n> nies zwischen Engländern und Arabern und nicht so sehr als Beteiligte fühlten. Es ist jedoch ein Irrtum, atmuiehrnen, daß mit der Rückkehr der Ruhe iin Lande das Kapitel des Oktober 1933 abgeschlossen sei. De facto beginnen seine politisehen Auswirkungen erst jetzt. Die arabische Presse, die arabische ()Öffentlichkeit, die arabischen Führer, Intcllektuellen und Jugend — und auf der anderen Seite die Regierung — stehen ganz und gar unter dem frischen Eindruck der Ereignisse, Gleich nach den Demonstrationeu und in den ersten Tagen nach dem Abbruch des Streiks begann eine Hilfsaktion für die Angehörigen der Getöteten und die durch die Unruhe Geschädigten. Bekannte arabische Persönlichkeiten zeichneten größere Beträge, die arabische Presse brachte dauernd Berichte über die Sammlungen in den verschiedenen Städten. Vorschiederie Konferenzen traten zusammen, um sich über die geschaffene Situation und die nun notwendige Reaktion der arabischen Kreise klar zu werden. Eine Konferenz der arabischen Rechtsanwälte fand statt, um sich vom juristischen Standpunkt über das Vorgehen der Regierung auszusprechen. Die Jugendorganisationen berieten. Einzelne arabische Parteiführer traten mit Deklarationen über die Politik der Regierurg hervor. Manche von ihnen bekämpfen den Streikabbruch durch die arabische Exekutive, in den benachbarten Territorien, in Syrien, Irak, Transjordanien fanden Svmnatlüeknndgebungen für den Kampf der palästinensischen Araber statt. Eine Zeitlang wurde syrischen und einem Teil der ägyptischen Zeitungen der Eintritt nach Palästina gesperrt. Der Herrscher von Transjortlanien, Eiuir Ab• dttllah, hat ein Memorandum an den Oberkonnnissar in Jerusalem gerichtet und sich itat übrigen hemülir. die Bewegung in seinem Lande so weit wie möglich, zu dämpfen. Die1 Regierung hat auf verschiedene Weise eine Einflußnahrnc auf die Bevölkerung versucht. Sie hat nicht nur während der kritischen Zeit Tag für Tag Bulletins veröffentlicht, um Informationen zu liefern, sondern auch mit den verschiedensten Kreisen direkte Fühlung gesucht. Bemerkenswert war eine längere Aussprache zwischen dem Oberkoiimüssar und den Redakteur:1:׳ der arabischen Zeitungen, wo sich Sir Arthur Wauchone bemühte, den Journalisten ans Herz m legen, wie wichtig eine Beruhigung der Bevölkerung sei (vgl. ״J. R.“ Nr. 90). Aber es blieb nicht nur bei diesen Versuchen eines persönlichen Kontakts. Das Obcrkommissariat heeilte sich, dem Publikum von verschiedenen vrirts c h a f 11 i c h e n Maßnahmen Kenntnis zu geben, die auf die Hebung der Landwirtschaft abzidkn. Es wurde die Gründung einer speziellen Versuchwation für Zitrusfrüchte publiziert, die Ausgabe von billigen Setzlingen durch die Behörden und ähnliches mehr. Einer der Versuche, die Fellachenbevölkerung, die ruhig gebüeben war, weiter in ihrer Haltung zu bestärken. Die offiziellen formulierten Forderunge» der Araber sind nach wie vor: Sistierung der Einranderung, Verhinderung von Bodenkiiufen und Einsetzung eines Gesetzgebenden Rates als Uebergang zu einer Selbsfregierimg im Lande. Was die Einwanderung betrifft, so ist die Frage vermutlich für die nächste Zeit nicht aktuell. Der Beschluß über die Zahl der Zerufikate für das nächste Halbjahr ist bereits gefaßt (siehe ״J. R.“ Nr. 88), Diesen Beschluß, der bei den Juden ungeheure Gegnerschaft hervorgerufen hat, jetzt zu modi'i/ieren und in diesem Moment mehr Zertifikate zu bewilligen, dazu wird sich die Regierung vermutlich kaum entschließen, so sehr auch die jüdischen Forderungen auf Vernichrung der Zertifikate angesichts!der Lage im Lande berechtigt sind. Die Regierung würde jedoch sich selber eine schwere Schlappe bereiten, wenn sie diese

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