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Jüdische Rundschau · 1933-11-14 · Heft 91 (14.11.1933) · p. Seite 801

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 91 (14.11.1933)
Date
1933-11-14
Page
Seite 801 (sequence 1)
Language
German
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1£11.1i'33 Die Zaqc in der Berliner Gemeinde — Beiblait ״Jüdischer Sport* Einzelnummer RM 0,23 JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienetag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich Z— RH, vierteljährlich 5.75 RM, Bei Nichterscheinen infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückerstattung der Bezugsgebühren. — Auslandsaboanememe werde» in der Währung der einreinen Länder berechnet. Anzeigenpreis: Achtgespaltene Millimeter- *eile 030 RM, Stellengesuche^!!) RM. Einzel *Anzeigen nur gegen Vorauszahlung Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. tn. b. H., Berlin W15, Meinekestr.lO. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Anzeigen-.Annahme: Montag bie Freitag von 9-3״Uhr. Anzeigenschluß: Dienstag . Nummer: Freitag nachmittags 3Uhr P ostichack.Kooten: Abonnements-Abt. 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Dar BowWimi» «»trabt fOr da» Jüdlitho Volk die Schaffung •Inev CffanUlch ■ rechtlich gesicherten Heimstätte »n Palästina. ״Baseler Programm.»* Die Judenfrage nach den Wahlen Durch das Ergebnis der Volksabstimmung und der Reichs- 1 fagswahl vom letzten Sonntag ist die neueste Geschichte I Deutschlands in ein neues Stadium eingetreten. Das Tempo der | Geschichte hat sich gegenüber früheren Zeiten vervielfacht .Wenn man bedenkt, welche gewaltigen Veränderungen im Jahre 1933 in Deutschland vor sich gegangen sind, wenn man sielt, wie die Entwicklung von Stufe zu Stufe eilt und in wenigen Monaten Strecken zurücklegt, für die sonst die politische und psychologische Arbeit von Jahren und vielleicht Jahrzehnten notwendig war, so läßt sich ermessen, welche gewaltigen Anforderungen diese Lage an den einzelnen Bürger stellt, der in diesem Staate lebt. Die Träger der nationalsozialistischen Bewegung leben dies alles von innen her mit. Wer nicht in der nationalsozialistischen Bewegung steht, hat den realen Tat- Sachen ins Auge zu sehen. Wir haben nur für die Juden zu sprechen. Deutschland befindet sich in einem Prozeß tiefstgehender weltanschaulicher, politischer und sozialer Umformung, Die unbestrittene Führung liegt in der Hand einer Partei, die nicht nur satzungsmäßig-formal, sondern auch organisch aus ihrem ganzen Fühlen und Denken heraus die Juden ausschließt. So sind die deutschen Juden in eine zwiespältige Lage geraten, weil sie — in Deutschland lebend und mit Deutschland verbunden — das Beste für Deutschland wünschen und ihre fruchtbarsten Kräfte für eine aufbauende Arbeit einsetzen möchten, dennoch aber keinen Raum für eine politische Betätigung haben, weil die einzige existierende Partei für Ju- «fen keinen Raum hat. Es war zu erwarten, daß die unter der Devise ״Friede, Ehre und Gleichberechtigung“ an das deutsche Volk gestellte Frage eine so gut wie einmütige Antwort finden wird. An einer solchen Volksabstimmung, die außerhalb von Parteifragen aller Art steht, konnten auch die deutschen Juden, die ja nur einen verschwindenden Bruchteil der deutschen Staatsbürger ausmachen, feilnehmen. Ohne daß nach der gegebenen Sachlage Juden in der Abstimmungsbewegung irgendwie aktiv hervortreten konnten, hat die repräsentative Stelle der deutschen Juden, die Reichsvertretung, in schlichter Form zum Ausdruck gebracht, welche Stellung die Juden einnehmen. Nun das Ereignis vorüber ist, und über 40 Millionen Deutsche sich hinter die Außenpolitik der Reichsregierung gestellt haben, ist es für uns Juden am Platze, uns Rechenschaft darüber zu geben, wie unsere Position im Staate ist. Zwischen den Ja- Sägern der Volksabstimmung und den bei der Reichstagswahl für die Liste der NSDAP, abgegebenen Stimmen ist eine kleine Differenz von nicht ganz einer Million. Auch für die Liste der NSDAP, wurden fast 40 Millionen Stimmen abgegeben. Ein« so ungeheure Masse, die praktisch so gut wie das ganze deutsche Volk repräsentiert, muß naturgemäß in sich differenziert sein, und daher kann angenommen werden, daß nicht in der Gewichtsverteilung aller Einzelfragen vollständige Uebereinstimmung besteht. Innerhalb des Programms der NSDAP., deren Wählerschaft jetzt so außerordentlich gewachsen ist, mag der eine diesen, der andere jenen Punkt stärker betonen. Ein großer Teil der früher nicht der NSDAP, angehörenden, jetzt für sie stimmenden Wähler hat sicherlich vor allem im Sinne gehabt, sich an der eindrucksvollen Manifestation einer noch nicht dagewesenen Volkseinheit zu beteiligen. Der Aufruf des Reichskanzlers zur einigen Volksgemeinschaft hat gewiß seine Wirkung nicht verfehlt. Wir Juden können auch konstatieren, daß im Gegensatz zu den Wahlen vom 5. März diesmal dieJudenfragekeineRollegespielt hat, was nur logisch war, da es sich ja heute in erster Reihe um den Versailler Vertrag, also um eine Auseinandersetzung mit den Großmächten und um die Austragung der durch Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund entstandenen Sätuation handelt. Freilich fehlt es in der deutschen Publizistik nicht an Versuchen, auch dieaußenpoli tischen Schwierigkeiten Deutschlands mit der Judenfrage in Verbindung zu bringen. So z. B. versteigt sich die Zeitschrift ״Deutschlands Erneuerung“ in ihrem Novemberheft dazu, die Juden, die man früher allgemein als ״Pazifisten“ bezeichnet und bekämpft hat, jetzt als Kriegshetzer zu charakterisieren, die ״kein Interesse am Frieden auf Erden“ haben (obwohl doch in jedem Krieg und nach jedem Krieg Juden aller Länder schwerste Opfer bringen ,mußten und oft noch in tiefes Elend gestürzt wurden). Diese Zeitschrift behauptet: ״Deutschland steht im konzentrischen Feuer einer vom Judentum getäuschten und trotzdem immer noch durch sie geleiteten und beeinflußten Welt“, und setzt z. B. auch die neuen Beziehungen Amerikas zu Sowjetrußland auf das Konto des Judentum?. Durch solche die wahre Lage verzerrenden Betrachtungen mochten jene Stimmen verführt sein, die man — in außenpolitischem Zusammenhang — im Radio und im Tonfilm den Zwischenruf ״Juden!“ machen hörte. In Wahrheit weiß jeder Gebildete, daß ganz and tre Kräfte und Interessen die Politik der Großmächte beherrschen. Wir können jetzt sogar oftmals in nationalsozialistischen Zeitungen lesen, daß sich in anderen Ländern eincantisemitische Stimmung breit macht. Wir, die wir wissen, daß dleJudenfragenichtaneinenOrtgebunden ist, wollen dahingestellt sein lassen, ob dies wirklich so allgemein zutrifft, wie man aus manchen Berichten entnehmen könnte; aber selbst wenn es zuträfe, so würde dadurch wahrscheinlich die Haltung der betreffenden Mächte in der Abrßstungsfragc und in ihrem Verhältnis zu Deutschland wenig beeinflußt werden. Ist es doch am seltsamsten, daß manche deutsche Zeitungen zuweilen Genugtuungüberden wachsenden Antisemitismus in Polen äußern. Wir Juden (einschließlich der polnischen Juden) täuschen uns nicht darüber, daß die polnischen Nationaldemokraten scharfe Antisemiten sind und in gewissen Schichten an Einfluß gewinnen. Aber vom Standpunkt der deutschen Politik ist dies wenig erfreulich, denn die Nationaldemokratie ist eine chauvinistische Partei, die Deutschland als den Erbfeind betrachtet, und wenn sie ans Ruder käme, würde zwar vielleicht der Antise mitism us in Polen wachsen und das europäische Judenproblem noch auswegloser gestalten, zugleich aber würden auch die Chancen einer deutsch-polnischen Verständigung, die ja eines der deutsehen Friedensziele sein muß, stark vermindert. Niemand kann ein Interesse daran haben, die außenpolitischen Probleme nicht so zu sehen, wie sie wirklich sind. ln dem großen Drama der politischen Auseinander- Setzungen deT Großmächte haben die Juden keine Stfmme, und wenn Amerika ■die Sowjetunion anerkennt — was ja die Großmächte, Europas einschließlich Deutschlands längst getan haben —, so tut es dies aus, Erwägungen seiner Außenpolitik Und Handelspolitik; es bedarf schon einer gewaltigen Erkünsfelung, um ״jüdische“ Einflüsse damit in Verbindung zu bringen. In demokratisch regierten Ländern, wo alle Bürger die politischen Entscheidungen initbeeinflussen, haben die jüdischen Stimmen nicht mehr und nicht minder zu sagen, als ihnen nach Zahl und Gewicht zukommt. Hat die Judenfrage bei den letzten Wahlen keine Rolle gespielt, so wollen wir uns doch nicht darüber täuschen, daß di« die Juden betreffenden Punkte des Parteiprogramms weiter bestehen. Der Reichskanzler hat erklärt, den früheren innerpolitischen Gegnern des Nationalsozialismus solle die Hand ztir Versöhnung gereicht werden. Wir glauben, daß dieser Satz auch für die deutschen Juden Geltung haben kann, — freilich etwas modifiziert, denn die Distanz ist hier anderer Art. Gerade uns, die wir stets — auch gegenüber Angriffen --י für jüdische Würde und aufrechte Haltung eingetreten sind, liegt es fern, etwas auf uns zu beziehen, was nicht auf uns gemünzt ist. Aber was wir deutschen J u den anstreben, wissen wir: Wir wollen In diesem Staat eine geachtefe Gruppe von Bürgern sein, die ehrlich und offen ihren Berufsgeschäften nachgehen, Ihre Pflichten im Staate und gegen den Staat peinlich und pünktlich erfüllen, und dabei ihr geistiges Erbe pflegen, auf dessen Größe und Schönheit wir stolz sind. Die Touristen Einwanderung Strenge Efnschränkungs-Mabn-ahmen Zu den hier mitgeteilten neuen Einwanderungs-Vorschriften der Palästina-Regierung nehmen wir weiter unten Stellung. (Red. ״J.11.“) London, 10. November. (J.T. A.) in der am 9. Nov. abgehaltenen Sitzung des Unterhauses gab der Minister fiir die Kolonien, Sir Philip Cunliffe-Lister, in Beantwortung der auf seine Aufforderung vom Abgeordneten Captain Peter MacDonald nochmals schriftlich cingeb rächten Anfrage über die illegale Einwanderung nach Palästina eine bedeutsame Erklärung ab, in der er strenge Maßnahmen gegen die illegale Einwanderung ankündigt«. Der Minister führte u. a. aus: ״Es gibt zwei Kategorien von Einwanderern, die ohne Erlaubnis nach Palästina kommen: 1. Personen, die die Grenze ohne Erlaubnis überschreiten, und 2. Personen, denen als Reisenden ein Aufenthalt bis zu zwölf Monaten gestattet wurde und die nach Erlöschen des Aufenthaltsrechtes im Lande verbleiben. Die Zahl der zur ersten Kategorie gehörenden Personen ist verhältnismäßig gering und wird durch Maßnahmen, die die Palästina-Regierung an der Grenze in Zusammenarbeit mit den französischen Behörden in Syrien trifft, noch weiter herabgedrückt. Bezüglich der zweiten Kategorie, die, wie festgestellt wurde, eine beträchtliche Zahl von Personen betrifft, hat der High Commissioner mit meiner Zustimmung vor kurzem toigende vorbeugende Maßnahmen beschlossen: 1. Ein besonderer Beamtenslab wird mit der Durchführung genauer Erhebungen betreffend die Zahl der als Tou- Wir bilden keine ,,Opposition“ im Staate, jede politische Betätigung wäre ein lächerliches Unterfangen; wir anerkennen, mit einem klaren Blick für den Gang der Geschichte, die politischen Gegebenheiten, und wir stellen dort, wo uns die Möglichkeit gegeben ist, also in den Bezirken des persönlichen täglichen Lebens, für unsere Ehre und G 1 e i c h b c r e c h t i g u n g ein. Wir schämen uns nicht unseres Judentums, und wenn der Staat die Rasscnzugehörigkeit des Einzelnen za einem politisch erheblichen Kriterium macht, dann wollen wir, daß auch unsere Rasse, die eine große Geschichte hinter sich hat, nach ihrem wirklichen Wert und Wesen, nicht aber nach Verkrüppelungen und Ver- Zerrungen gemessen wird. Sind wir auch — als eine verschwindende Minderheit innerhalb des deutschen Volkes —- andersrassig, so können wir doch niemals die A!1schau ung akzeptieren, daß wir mit Recht ein Objekt der Geringschätzung oder gar Verachtung sein sollten. Wir glauben, daB sich, nachdem der neue Staat nunmehr über alle Zweifel erhaben konsolidiert ist, nachdem er über 90 Prozent der deutschen Wähler hinter sich hat, auch für uns Juden die Möglichkeit ergeben muß, in diesem Staate als Juden zu leben. Der Weg der Auswanderung steht nur Wenigen und besonders Qualifizierten offen. Wir sprechen jetzt für die, die in Deutschland leben. Wir nehmen unser Judenschicksal auf uns, wir wollen Juden sein, wir können nichts anderes sein als wir sind, aber wir wollen aus diesem Judesein eine fruchtbare Realität machen, eine befeuernde Kraft unserer seelischen Entfaltung und Erhebung, und wir sind fest überzeugt, daß wir gerade dann im Vaterland als wertvolle Glieder der Gesamtheit leben können, wenn wir ehrlich zu unserem Judentum stellen. Die vergangene Epoche mit ihren Zweideutigkeiten hat uns kein Glück gebracht. Klare Verhältnisse sind vorzuziehen, und wir können, wo wir als Juden irn vollen Licht stehen, auch unseren Namen verteidigen. Wir werden cs auch weiter sehr schwer haben, dies ist das l os des Juden; wir geben 11ns nicht der Illusion hin, daß bald für uns oder für den einzelnen im wirtschaftlichen Daseinskampf stehenden Juden im materiellen Sinne eine ,,bessere Zeit" anbridtt. zäher wir werden diese Zeit der S e 1 b s 111 e s i n 11 1111 g u 11 d innere 11 Sammlung, die uns durch die äußeren Verhältnisse zuteil wurde, dazu nutzen müssen, um unsere sittlichen Kräfte zu steigern. Es ist ein e i n! i g a r t i g e r M o m e 111 in der Geschichte des Judentums, und nicht mir des deutschen Judentums. Nicht nur einzelne Juden, sondern alle, jeder Einzelne für sich, muß dieses ganze wunderbare Geschelten und den heiligen Auftrag, den es für unsere Bcwälm-ing als Juden mit sich bringt, zutiefst in seiner Seele empfinden, und das ganze Maß der Verantwortung, d:e ruf alle verteilt ist, auf sich nehmen. risten ins Land kommenden und dort illegal verbleibenden Personen beauftragt. 2. Einem geschulten Beamten wird die Organisierung eines Ucbcrwachungsdienstes zur Kontrolle der Fremden, von denen angenommen werden kann, daß sie dauernd im Lande zu bleiben beabsichtigen, und zur Ausfindigmachung von Personen, die ohne Visum eingereist sind, übertragen. 3. Besondere Maßnahmen werden ergriffen werden, um Personen, die Touristen- oder Transitvisa erhalten, darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich irn Lande nicht niederlassen, keine Arbeit annehmen und keine Arbeitsgelegenheit suchen dürfen. 4. Die britischen Konsular- und Paßkontroflbeamten bestimmter Länder werden die Instruktion erhalten, von allen Reisenden, mit Ausnahme derjenigen, die I. Klasse reisen, die Hinterlegung von 60 Pfund in bar als Kaution oder eine entsprechende Garantie einer angesehenen Bank oder einer anderen Institution zu verlangen. 5. Künftighin werden Personen, die bloß Nansen-Pässe oder gleichartige Personaldokumente haben, nur in Ausnahmefällen Visa erhalten. Ich möchte hiimifupeii, daß die Berechnung der Halbjahrsquotc für Arbeitereinwanderung aut der Basis der Aufnahtnefähigkeit des Landes erfolgt. Der High Commissioner hat hetont, daß er bei seiner Entscheidung den Faktor der unerlaubten Einwanderung mit berücksichtigt hat. Man wird bald cinsehen, daß die Herabdrücktinq der unerlaubten Ein- Wanderung auf ein Minimum im Interesse aller liegt. Die Zain der zuzujassenden Einwanderer muß von der Aufnahmefähigkeit des Landes abhängig sein und diese zu beurteilen. f

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