Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 90 (10.11.1933)
- Date
- 1933-11-10
- Page
- Seite 794 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 792 jodische Rundschau Nr. 90, 10. XI. 1933 Nr werden, wie schon in der Urzeit bestimmte Rassen (Neandertal, Aurignac, Cromagnon) Träger arteigener Kulturen gewesen sin:!. Der Jugendliche soll die Bedeutung der nordrassischen Volker (der ursprünglich nordrassischen Inder, Meder, Perser ec׳.׳.in der Hettiter) für die Geschichte Europas Nordafrika* .:ml Asiens erkennen, ״der Schüier muß die Schicksale dieser VA..!:er als die seiner eigenen Blutsverwandten erleben, die schlifl’.lich unter der UeTbermaclit fremdrassigen Blutes zu• gründe gehend‘ (Vossische Zeitung, Nr. 353, 26. 7. 1933.) Am 11 die griechisch-römische Geschichte soll unter rassenbiologischem Blickpunkt betrachtet werden, der Kampf der Plebejer und Patrizier ist vorwiegend als Rassenkampf zu verstehen. Pie Bedeutung־ der Völkerwanderung ist darin zu erb'i ־ken, dali dem Rassengemisch des römischen Weltreiches frisches nordisches Blut zu geführt wird. Die KuHurblüte des Miitelalters entfaltet sich deshalb nur in den Ländern, in denen sich germanische Völker dauernd niedcrließen, Aus der rassisch verH.mdenen Geschichte heraus sollen die germanischen Eigenschallen abgeleitet und dein Kinde bewußt werden. Die rassisehe Geschichtsbetrachtung soll den Wert des Charakters der veischicdencn Rassen erkennen lassen, deren Seele vergleieben, um ״eine für das Deutschtum organische Rangordnung dieser Werte zu begründen, der Wiilenhaftigkeit des Germanentums auf allen Gebieten naehzuge’nen.׳‘ (Rosenberg, zitiert nach Berliner Lehrerzeitung, Nr. 39, 1933.) Per Erkenntnis vom Werte eines starken, selbstbewußten Volkstums entsprechend soll, der völkische Gedanke im Ucsrhichfsnnterrieht verankert werden. Alles, was die Volksg -!:umschatt fördert und stärkt, soll gepflegt, alles, was sic s. k.vhgt, /uriiekgedrängt werden. Der kommende deutsche .V,;■eth soll keinen Hang zum Fremdländischen haben; er soll ecu k!s Nntionalbcwiißtscin besitzen. Per tieschicht.s*.interricht in der neuen deutschen Schule so'l auch den Zusammenhang mit eien außerhalb der Reichsr :!/cu lebenden Deutschen herausarbeiten. Der volksbürger- 1; h ■ Gedanke, der die Einheit mit dem Grenz- und Auslandsd ״;!«:. htuni betont, soll die Heranwachsende deutsche Jugend mit dem Schicksal dieser Volksfeile vertraut machen und zur vcrrnitmurtliPH :1 Teilnahme an ihrem Ergehen erziehen. Die politische Geschichte, einschließlich der Kriegsgeschichte, soll vor kulturellen Betrachtungen den Vorrang einnehmen. Pie Leistung der Einzclpcrsönlichkeit, der Führerg. ■■־,alten im deutschen geschichtlichen Werden soll in den .Mittelpunkt treten; die heldischen Eigenschaften der germain״-: n״A .Wuschen sollen zur i leidenverehrung und zum Führer- ״ da!(!• :חי erziehen. Besondere Bedeutung kommt dem Ges. hei;,■n der letzten 29 Jahre zu; der ״Aufbruch der Nation“ s!li i1־ ,'dien seinen Ph.urn lebendig in die Jugendliche Seele Gr.g.-pllan/t werden; die Helden-' und Führergestalten der wc. c-'ti-i Zeit sollen in der deutschen Schuljugend die Grundlagen für I landlon gsbereitschaft im nationalen Geiste legen. Die Gestaltung des Geschichtsunterrichts läßt deutlich die geistige Grundhaltung hervortreten, die das Bild der neuen deutschen' Schule bestimmen wird. Die völkische Grundlage der Erziehung in ihrer Notwendigkeit und Tendenz kommt sehr klar irr dem kürzlich erschienenen Buch. von Ernst Anrich ..Neue Schulgesfaltung aus nationalsozialistischem Denken“ (Verlag W. Kehlhammer, Stuttgart 1933) zum Ausdruck. Abgelehnt wird hier die Zielsetzung der vergangenen ־Generationen; man will nicht erziehen z!1 einer ״Menschheit“ im Sinne der Ideen von 1739“ (S, 9). ״Nicht Humanität, sondern vollendete Nationalität ist also unser Bildungsideal“ (S. 17). Dieses nationale Erzichungsstreben erfolgt aus der Anschauung, daß die Kräfte jedes Einzelwesens in seinem Volkstum wurzeln, und ihre Weiterentwicklung nur untcr_ Anerkennung dieser naturgegebenen Bedingtheiten möglich ist. Zwischen Einzelwesen und Nation bestehen dieselben Bindungen wie zwischen Nation und Menschheit. Der Einzelmensch hat nur Bestand in seiner Nation. ״Pie Nation... schafft ihm Prägung des Blotes der Sprache, der Denkart, sie schafft ihm Raum“ (S. 18). Die Elng'iedmmc׳ in sein Volkstum gibt ihm erst die Möglichkrit einer Mitwirkung; ,,Weil er ein Volk hat״ (S. 18). Aus dieser bejahenden Einstellung zum Volkstum erfolgt die Anerkmmmg und Forderung einer im Völkischen wurzelnden Bildung. ״Pas aber ist der Sinn und die Wesenheit der Bildung, die Krj'tc, das Wesen, den gesamten Organismus des Menschen von innen heraus, aus seinen Gesetzen heraus in eine wir-!•:ende, entfaltete und doch geschlossene Einheit zu formen. So :hingt ganz ans der inneren Wesenheit der Bildung für den deutschen Menschen heraus das Bildungsideal ganz Deutscher zu werden, oder, wie Novalis gesagt hat: ganz Volk zu werden. Pas Hi'dungsideal der vollendeten Nationalität ist also nicht ein ledigiidi’ aus dem politischen Dienst der Nation gesetztes, sondern es erwächst ebenso vom Menschen her. Die innere Weseiisgk-ichheit der Formulierung vom Volk wie vom Mensehen aus ist lediglich ein erneuter Beweis der inneren grundlegenden untiennbaren Verknüpfung.“ (S. 18.) Für die Schule ergibt sich hieraus die Forderung: ״Die Schule hat Bildunesschule zu sch“ mit dem Erziehungsziel: ״zum lebendigen Deutschen innerhalb der deutschen Nation“ (S, 21). Der Inhalt der deutschen Schule wird von diesem Bildungsziel bestimmt. Eine Dreiheit muß den Unterricht im Einzelfach und im ganzen durchdringen: ״Einheit der Vermittlung des Wissens, der Schulung des Denkens und der unmittelbaren Umsetzung in Haltung und Handlung“ (S. 42). Diese Auffassung vom Wesen und der Bedeutung der Nation, sowie vom Werte einer im Völkischen ruhenden Erziehung wird beim jüdischen Leser besonderes Interesse erregen, wo es sich darum handelt, die Bedeutung der volkliehen Bindung für die jüdische Gemeinschaft zu bewerten. Der Begriff der ״vollendeten Nationalität“ wird freilich innerhalb des Judentums kaum In dieser Schärfe betont werden können. Landschulheim Caputh Von Dr, F r i e d m a n n. Mit diesem Artikel setzen wir die in Nr. 84 der/?." (mit dem Aufsatz über das Landschulheim Herrlingen) he• gonnene Selbstdarstellung füdischer Erziehungsanstalten fort. (Lied.) Es ist in diesen Blättern schon überzeugend klargelegt worden, wie die jüdische Jugend spontan nach Bildung»• statten verlangt, die ihren geistigen und seelischen Bedürfnissen gerecht werden. Für den Erzieher gesellt sich zu dieser elementaren psychologischen Einsicht schon seit längerer Zeit die Erkenntnis, daß die jungen Menschen von sich aus nach einer festen Bindung im Geistigen drängen, nach einer Grenzziehung, die gewiß nicht das Allgemein-Menschliehe und Ueberzeitüche ausschließen will, aie aber weiß, daß auch die höchsten Werte in einer bedingten Form erscheinen. Die Landerziehimgsheime gehören zu den Bildungs- Stätten, die eine fest umrissene Lebenssphäre schaffen, in der Schule und Leben nicht auseinanderfallen, sondern sich durchdringen, nicht anders wie die Mitarbeiter eines solchen Instituts ihre Aufgabe als Lehrer nicht abzutrennen vermögen von ihrem allgemeinen pädagogischen Einsatz in den von ihnen betreuten Kindergruppen. Wenn unter der Rückwirkung der kritischen Nachkriegsjahre auf das gesamte Erziehung»- wesen die Idee ihrer Gründer in den Landerziehungsheimen nicht mehr restlos zu verwirklichen war, weil die Anlässe zur Unterbringung in einem solchen Heim häufig einer aktuellen Erziehungsschwierigkeit entsprangen, so vollzieht sich gerade jetzt ln den jüdischen Elternkreisen ein Anschauungswandei, der eine jüdische Bildungsstätte dieser Art wieder sehr viel näher an die ursprüngliche Zielsetzung der Landeserziehungsheime heranrückt. Diese Wandlung spielt sich deutlich in der Entwicklung des Landschul• und Kinderheims Caputh Wider, das 1931 in der Nähe Berlins durch private Initiative gegründet und der Aufsicht der Potsdamer Schulbehörde unterstellt worden ist. Gewiß liegt der Grund, seine Kinder dort unterzubringen,_ für viele Eltern in sozialer und wirtschaftlicher Not — wie könnte es nach den umwälzenden Ereignissen dieses Jahres anders sein? — aber die Fälle, wo eine spezifische Erziehungs- Schwierigkeit vorliegt, treten heute weit zurück gegenüber dem Bedürfnis, seine Kinder einem Institut mit. einheitlicher jüdischer Atmosphäre anzuvertrauen, gerade damit ihre natiirliehe Wohlgeratenheit keinen Bruch erleide. Die Belegzahl des Heimes ist von 9 Kindern im Oktober 1931 auf 54 Jungen und Mädchen im Oktober 1933 angewachsen. Sieben Kinder sind noch im vorschulpflichtigen Alter, während sich die übrigen Altersstufen auf die vierjährige Grundschule und die der Unter- und Mittelstufe der höheren Schule entsprechenden Kurse verteilen. Die Schule ist bereits jetzt so ausbaufähig, daß sie auch Kinder, die ihrem Alter nach zur Oberstufe gehören, aufzunehmen vermag. Nach 21/2 Jahren liegen also schon Erfahrungen vor, die vielfach die heute aus der veränderten Situation des Judentums heraus erkannten Theorien der Erziehung und des Unterrichts durch die Praxis bestätigen. Als durchgehende Erscheinung zeigt sich, daß auch die Kinder, die von Haus aus keine jüdischen Inhalte mitbringen, eine Empfänglichkeit für alles Jüdische besitzen, die nicht erst aus der notwendigen Umkehr eines großen Teiles der deutschen Judenheit in ihnen wachgerufen werden konnte. Sie verlangen nach festen kultischen Formen, die freilich nicht einfach in der Nachahmung der gottesdienstlichen Handlung in der Synagoge bestehen dürfen, sondern gemäß der Eigengesetzlichkeit einer so und so beschaffenen Gemeinschaft sich in einer besonderen Ab- Wandlung entwickeln müssen. Der Freitagabend und die Morgenfeier am Schabbath ist ihnen der Gipfelpunkt der Woche und mit den Feiertagen, zu deren festlicher Ausgestaltung di« Kinder beitragen, erleben sie den Rhythmus de» Jahresablaufs. Schon dreimal begingen in ernster Sammlung die Kinder in der Gemeinschaft des Heimes das Roschhaschanahfest und den Jom kippur. Schon besteht im LandscltulheitTi Caputh die Tradition, die Feste Chanukkah und Purim mit Theateraufführungen zu feiern, die in wochenlanger Vorbereitung auch die bildnerischen und musikalischen Kräfte der Kinder anspannen und sie schließlich ein von ihnen gestaltetes Ganze erleben lassen. Solche Gelegenheiten, das Bedürfnis des kindlichen Geistes nach Anschaulichkeit zu befriedigen, werden um so mehr gesucht, als naturgemäß die jüdische Ueberlieferung einen starken Anspruch an das Abstraktionsvermögen des Kindes stellt. Von dieser Seite 11er gelingt es dann auch leichter, den Kindern im Unterricht der Schule das große Bildungsgut des Judentums zu übermitteln. Das Hebräische wird nicht nur im Sinn einer modernen Fremdsprache gelehrt; cs dient weitgehend der Möglichkeit, in jüdische Wesensart einzudringen und ergänzt durch eine ausgewählte Lektüre die sogenannten Kulturfächer: Deutsch una Geschichte. Dabei ist nicht etwa gedacht, in der Zusammenstellung des Stoffes dieser Fächer lediglich die jiidische Materie zu berücksichtigen, denn es muß bei jedem Unterricht, der den Anspruch auf Gegenständlichkeit erhebt, von der unmittelbaren Umwelt, in die das Kind hineingestelh ist, ausgegangen werden. Hieraus ergibt sich, daß der Lehrplan der öffentlichen Schulen in seinen Grundzügen für das Landschulheim Caputh beibchalten werden kann, modifiziert durch die speziellen jüdischen Erziehungsaufgaben. So kommt es — um ein auch auf andere Fächer anwendbares Beispiel zu bringen — im Geschichtsunterricht entscheidend darauf an, daß die deutsche Geschichte dauernd zur Geschichte des jüdischen Volkes in Beziehung gesetzt wird, nicht nur bei zeitlichen Parallelen und historischen Ueberschneidungen, sondern unter dem Gesichtspunkt, daß die jüdische Geschichte in ihrer Verknüpfung mit der Geschichte der Menschheit ein Ausdruck jüdischen Schicksals und ein Spiegelbild jüdischen Wesens ist. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß die Eigenart des Landschulheims im Rahmen der jüdischen Gegenwartsauf■ gaben eine weitgehende praktische Schulung ermöglicht. Werkarbeit, Gartenarbeit und Hausarbeit stellen die Kinder schon jetzt auf eine Tätigkeit ein, wie sie in Hinsicht auf die angestrebte Berufsumschichtung vonnöten ist. Dieses praktische Erziehungsziel fügt sich organisch in die allgc meine pädagogische Forderung ein, daß die Kinder in der Gesamtheit ihrer geistigen und leiblichen Anlagen und Fähigkeilen erfaßt werden sollen. Bei der manuellen Arbeit ist auch die Möglichkeit gegeben, auf die Kinder jene Realität einwirken zu lassen, deren Fehlen den Landerzieliungsheimen oft zum Vorwurf gemacht wird. Die Kritik stützt sich darauf, daß draußen aie große Welt eine Erwachsenenwelt ist, nach der sich die Kinder zu richten haben, während umgekehrt in der kleinen Welt des Heimes das gesamte Leben um die Kinder kreist. Das Landschulheim Caputh hat dieser . In keiner romantischen Abgeschlossenheit mehr aufwachsen, sie sollen die Ausstrahlungen des politischen Geschehens, die Wandlungen in der sozialen Struktur der deutschen Judenheit, überhaupt die entscheidenden Veränderungen der Zeit unmittelbarer beobachten und verspüren, da sie keinesfalls bei ihrer künftigen Lebensgestaltung diese mächtigen Faktoren werden ausschalten können. Aber auch mit autoflomen Mitteln der Erziehung ist es bisher schon gelungen, den Kindern die Anknüpfung an die Wirklichkeit der AUßSnweit zu ermöglichen. Dadurch, daß die Kinder in einzelnen Gruppen wöchentlich einmal während eines ganzen Nachmittags im gesamten Haushaltsbetrieb des Heimes mitarbeiten müssen, lernen sie den Unterbau ihres kleinen Staates in seinen mannigfachen Verzweigungen kennen und wissen, daß alles das, was sie als fertiges Ergebnis täglich genießen, erst Von vielen Seiten her geschaffen werden muß. Durch ver■ antwortlicbe Aemtcr, deren Ausübung für das Gemeinschaftsleben und den geregelten Tagesablauf notwendig ist, wir:! die Selbständigkeit der Kinder unablässig gefördert. Schließlieh bilden die eigentümlichen Gesetzmäßigkeiten eines Gemeinwesens, mit denen sich das Individuum in Zustimmung und Widerstand auseinanderzusetzen hat, eine wirksame Realität. Sie lassen in eine Gemeinschaft, die ihrem Wese!! nach das, was sein soll, zu betonen hat, das notwendige Maß dessen, was ist, einströmen. Nur in solchem Gleichgewicht bildet sich eine Jugend, die sich jeden Fußbreit Boden ihrer künftigen geistigen und materiellen Existenz ,,heilignüchtern'‘ wird erkämpfen müssen. 1!!i1i!y!1!:1!i:11®1m!11!1!!1)111111m11mHi11!111!!1H1m1!M1!m1n111111m111t11111!11m .......... Briefe an die Redaktion Ludwig Tieiz als Arzt Z. ZI Sülzhagen J. H., den 8. 11. 1933. Dr. Steins Neues Sanatorium, Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin W15. Erschüttert, und im ersten Augenblick nicht fassend, habe ich die Nachricht vom Ableben Dr. Ludwig Tietz׳ gestern in der-״Jüdischen Rundschau“ gelesen. Ich bin sein Patient gewesen. Und nur wer ihn so gut wie ich kannte, wer ertahren, wie gut er war, wie er versuchte, jedem zu raten und zu helfen, der nur weiß, was für ein Mensch er gewesen ist. Iqh bitte Sie, diesen Zeilen von einem Unoe* kannten, der den Toten gut kannte, Raum zu geben. Als ich mich von Dr. Tietz im Juli für mehrere Monate verabschiedete, sprach er zu mir: ״Erholen Sie sich gut und haben Sie nur Mut; es wird schon alles gut werden. Die Hauptsache ist ja, daß Sie gesund zurückkotnmen. Natiirlieh müssen Sie Geduld und Ausdauer haben; denn Geduld und Ausdauer sind bei jeder Krankheit wichtige Hillsfaktoren.“ Er, der anderen geholfen, — sie zur Vorsicht gemahnt, — hat diese Vorsicht selbst außer acht gelassen. Ich erinnere mich, es mag im Monat März gewesen sein, Dr. Tietz war mit Arbeit überlastet, gönnte sich kaum Ruhe, und sah sehr schlecht und überarbeitet aus. Sie müssen sich schonen, — Sie sehen so schlecht aus, sprach ich zu ihm. Doch seine Antwort lautete: ״Ich wünschte, der Tag hätte 48 Stunden, damit ich meine Arbeit bewältigen kann.“ Kann ein Mensch selbstloser für das Judentum und für die Interessen der jüdischen Jugend gearbeitet und gewirkt haben, als er es tat? Jeder, der ihn kannte, mußte ihn lieben; und ewig wird er in den Herzen derer, die ihn kannten, und derer, die von seinem Werk für Judentum und jüdische Jugend gehört haben, weitcrleben. Julian Salomon, Aus den Gemeinden Bremen. Am 5. November besuchte der Bezirkdeiter Herbert Rülf die jüdischen Pfadfinderbünde (J.P.D.) in Bremen. Am Vormittag fand eine Aussprache im Führerring statt, an der auch die Führer von Verden, Hoya und Delmenhorst teilnahmen, Nachmittags vereinigten sich über 60 J.P.D.er im Lehrsaal. Rabb. Dr. Aber, Vertreter der Gemeinde, die Führer der Z. 0.0״ des jungzionistischen Kreises und des Snif-Hechaluz waren anwesend. Nach einer kurzen Begrüßung sprach Herbert Rülf über Ziel und Arbeit des J. P. D, Mit einigen hebräischen Liedern wurde die Kundgebung beendet. Essen. Wie ln den meisten Gemeinden des Ruhrbezirks ist auch hier eine Unterabteilung des Jüdische״ Kulturbundes gegründet worden. Den Auftakt der Veranstaltungen bildete ein Kammermusikabend mit Emanuel Feuermann und W. Steinberg. Die große musikalische Wirkung der Veranstaltung wurde durch den weihevollen Raum der hiesigen Synagoge noch unterstrichen. Der Abend wurde eingeleitet durch eine Ansprache des Gemeindevorsitzenden Dr. Georg Hirsch* 1 a n d. Aus dem Kreise der ansässigen jüdischen Künstler hat sich die ״Jüdische Künstlerhilfe“, Essen, gebildet, die zugunsten notleidender jüdischer Künstler Kleinkunstabende veranstaltet. Die Synagogengemeinde hat Bildungskurse für Jugendliche und Erwachsene eingerichtet, in denen folgende Themen behandelt werden: 1. Geschichte der Juden in Spanien; 2. Das jüdische Haus; 3. Palästina-Kunde; 4. Die jüdische Gemeinschaft. Außerdem werden die hebräischen Sprachkurse für Anfinger und Fortgeschrittene weiter ausgebaut. Herr Rabbiner Dr. Hahn behandelt in seinen Freitagabend-Ansprachen ״Köpfe des Talmud“. Frankfurt a. M. In den Sukkauthtagen starb Herr Hugo Fraenkel, Mitglied der konservativen Fraktion des preu- Bischen Landesverbandes. Das lsr. Mädchenheim, dessen Vorstana der Verstorbene jahrzehntelang als Schatzmeister, später als Ehrenmitglied angehörte, veranstaltete am 5. November eine Trauerfeier zu seinem Gedächtnis. Die verschiedenen Ansprachen ergaben ein Bild des bescheidenen, aufrechten Mannes, dessen bestes Lebensteil unermüdliche Arbeit im Dienste jüdischer Vereinigungen war. Glelwitz. Die von dem ehemaligen Opernregisseur am Breslauer Stadttheater, Hans Baron, In Glelwitz am 4. und ln Beuthen am 5. Nov. veranstalteten Synagogen-Konzerte wurden, insbesondere durch, die Mitwirkung Prof. Alfred Wi 11 en bergs, zu schönen Feierstunden, ln dem ruhig ,und sicher dahingkitenden G-dur Trio Nr. 1 von Haydn fand man ernste Sammlung. Die Schlußszene ans Stephan Zweigs ״Jeremias“ gesprochen von Frau Lotte Schwarz-Rosenbaum, ergriff die Zuhörer. In der darauffolgenden Chiaconne von Bach, durch Wittenberg vorgetragen, staunte man über die souveräne Bewältigung der Anforderu!!■ .. . Probe s«ines Könnens ablegen durfte. Mächtig und erhaben gestaltete er die ״Schöpfungsarie“ von Havdn, und in der Arie ,,Es Ist genug..“ aus ״Elias“ von Mendelssohn-Bar• tholdy zeigte der Sänger seine Fähigkeit zu dramatischer Beseelung. Ais Abschluß wurde das H-dttr Trio Op, 8 von Brahms geboten. Hier erreichte das Zusammenspiel der auf das feinste zueinander abgestimmten Instrumente fraglos den Höhepunkt. Jetzt kamen außer Prof. Wittenbergs Meister• schaft vor allem der Pianist Walter Goldman» und der junge Cellist Paul Blumenfeld. mit verblüffender Klangstärke und -reinheit zur Geltung. H. Buky. Karlsruhe. Um dem starken Bedürfnis nach wertvollen I kulturellen Darbietungen Genüge zu tun und zugleich den! jüdischen Künstlern Verdienst zu schaffen, wurde hier ein:'■ Konzertabteilung des Vereins für jüdische Geschichte ־und■ Literatur geschaffen. Als erste Veranstaltung fand ein Lieder•■ abend von Hermann Schey (Berlin) statt. Der Sänger■ formte mit seiner schönen Baritonstimme und großer musi-1 kalischer Gestaltungskraft jedes einzelne Lied zu einem 1 Kunstwerk. Ein besonderes Lob ist der hervorragenden I Klavierbegleitung durch Kapellmeister Curt Stern zu zollen 1 Für den nächsten Abend ist das Hebraikon-Streichquartett aus Berlin gewonnen. Köln. Am 13. Nov., abends S'/V Uhr, findet in der Synagoge, Roonstraße, eine Eröffnungsveranstaltung des In■ dischen Lehrhauses statt. Programm: Eröffnungsansprache: Rabbiner Dr. Kober; Arie aus Elias von Mendelssohn: Ruth Kisch-Arndt; Die jüdische Geschichtsauffassung: Prof, Dr. Martin Buber, Eintritt: Erwachsene 1, 2 M., Jugendliche 0,50 M. — Kurse und Arbeitsgemeinschaften sind vorge sehen: 1. Einführung ln Pentateuch: Rabbiner Dr. Woltf. am Sonnabend, abends 8—9 Uhr, Hohenstaufenring 111 2. Lei Dr. H der צ Dr. 1־ schic! Donn lioon: beits;! ptaki Rita» im S: 7 Uh Dr. 1 Dr. 3 Dr. 1 F agog! Mine! Be/ir schlu Pcisk de», disch in di1 f statt. herzl gcsel Cohn ,,Sein rabbi Jona: ward Bczii den reke! Selb: die; Wirt traut inner von weit! als 1 Jona lohn Bczi fahrt und Obe: plöt; vers; herz m e־ drüc 1׳ung grei ־unsc Plat nah: ste Jude Ver: küss der zwe steh Wo] gew A gen; chai der gern 2. die Leb ein von sei in der den Kib ni s 111z) Tht zioi His hie; lut!׳ za! 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