Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 90 (10.11.1933)
- Date
- 1933-11-10
- Page
- Seite 793 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE JÜDISCHE SCHULE Blätter für jüdische Erziehung 10. November 1933 Beilage der ״Jüdischen Rundschau“ Nummer 6 Land, Sprache, Buch Die iüdisdie Schule in Deutschland von Palästina aus gesehen Von Dr. Kurt Wittkowski (Palästina). I. Die Notwendigkeit -<ler jüdischen Schule ist heut« für die deutschen Juden kein Problem mehr. Nur das Wie der jiisehen Schule ist problematisch. Und schon werden wieder Gegensätze sichtbar,, die bei klarer Erkenntnis der geschiehtliehen Situation der deutschen Juden leicht überbriiekbar sind. Die einen betonen die Pflege und zentrale Stellung des jüdischen Kulturgutes, die andern fordern Erziehung zum reinen Menschentum. Auch di« politischen Schlagworte der Gegenwart, wie Minorität, Dissimilation usw. werden ins Pädagogische übernommen. Indessen wird kostbare Zeit und Kraft vergeudet in einem Augenblick, in dem alle deutschen Juden Zusammenarbeiten sollten und könnten, um wenigstens der kommenden Generation eine gesunde, freie Kindheit zu ermögliehen und das Rüstzeug: für ihren Lebenskampf zu verschaffen. Was kann Palästina tun, um an dem Aufbau und Ausbau der Jüdischen Schule Deutschlands mitzuhelfen? Zunächst kann es durch sein bloßes Vorhandensein der jüdischen Schule Inhalt und Richtung geben. Wenn Bildung vom Wort« ״Bild“ abzuleiten ist, wenn das Kind nach einem Bilde erzogen werden soll, so kann Palästina ein solches Bild geben. Palästina, so wie es heute ist, mit seiner Landschaft, seinen Siedlungen, seiner Arbeit, seinen Menschen. Keine jüdische Schule in Deutschland ohne eine lebendige, persönliche Beziehung zu Palästina durch Lehrer, Schüler, Eltern und Freunde der Schule. Das Palästina-Zimmer der Schule, reichlich mit Karten-, Bild-, Buchand Zeitungsma־terial ausgestattet, soll für Lehrer und Schüler höchste Anziehungskraft besitzen. Palästinensern sollte man die Türen der Klassenzimmer weit öffnen, damit sie den Kindern viel von Erez Israel erzählen, Nach Palästina auswandernde Lehrer und Schüler dürfen die Fühlung mit ihrer alten Schule nicht verlieren. Recht viele jüdische Lehrer mögen für einige Zeit nach Palästina reisen, wenn auch nur für drei Monate. Wenn so Palästina Bildungsgut der jüdischen Schule wird, das wirkliche, lebendige, heutige Palästina, nicht irgendein romantisches Ideal, dann werden all die Schlag- und Streitwerte verfliegen. Sie werden sich als Luftgebilde erweisen, ohne tatsächliche Bezeichnung zu einem gesunden, einfachen, freien jüdisehen Leben, wie es in Erez. Israel gelebt wird und wie es alle denkenden Juden Deutschlands als höchste Erfüllung für die kommende Generation ersehnen, gleichviel in welchem Lande die Kinder einmal leben werden. Ueber dieses Vorbild, über diese feste Grundlage für die Entwicklung des Charakters, über diese Atmosphäre einer lebenskräftigen Gemeinschaft hinaus gibt es noch genug Probleme, über deren Bewältigung die Geister sich scheiden werden. So möge die einzelne jüdische Schule ihr eigenes Gesicht haben je nach ihrer Stellung zu Religion, Kunst, Wissenschaft, Arbeit. Obwohl auch die Gegen- Sätze auf diesen Lebensgebieten, wenn erst einmal die feste Grundlage eines selbstverständlichen jüdischen Lehens gegeben ist, mehr ein Mit- und Nebeneinander als ein Gegeneinander der verschiedenen Schultypen bewirken werden. Dali aber das jüdische Leben der jüdischen Schul« in Deutschland bis zu einem höchstmöglichen Grade aus der Problematik, aus dem Bereich der Ideologien herauskommt und selbstverständlich, sicher, blutvoll wird, *das kann nur durch eine lebendige Beriihrung mit Palästina erreicht werden. II. Mit dem Bilde Palästinas ist ein Zweites mitgegehen: die hebräische Sprache. Die hebräische Sprache als Sprache der Verständigung, als Sprache des Volkes, als Sprache der Jugend. Auch da, wo die Eltern in Palästina noch deutsch, jiddisch, russisch, polnisch sprechen, bestehen die K in der auf dem Hebräischen, weil es ihre Sprache ist, die Sprache ihres Spiels und ihrer Arbeit. In dieser Sprache finden sie zueinander, aus welchem Lande die Eltern auch gekommen sein mögen. In dieser Sprache lernen, singen, denken sie. Nach den Gesetzen dieser Sprache formt sich ihr Weltbild, in dieser Sprache erfahren sie durch Buch, Zeitung und mündliche Belehrung von allem Wissenswerten der Welt. Jede weitere Sprache ist für sie Fremdsprache. Keine jüdische Schule in Deutschland wird die hebräische Sprache in diesem Grade zum Besitz der Jugend machen könneu und dürfen. Deutsch wird die erste Sprache, die Mutterspräche (der Begriff ״Muttersprache“ wird in der jetzigen Geschichtswende des jüdischen Volkes äußerst problematisch) des jüdischen Kindes bleiben, solange es in Deutschland lebt. Das Hebräische wird aber durch möglichst große Anzahl von Wochenstunden und durch eine geeignete Methode den Kindern ein lebendiger Besitz werden müssen, auf dem sie nach Vcrlassen der Schule weiter aufbauen können. Briefwechsel mit palästinensischen Alterskameraden, das im Palästina-Zimmer gesammelte und leicht zugängliche Material, hebräische Lieder werden binzukommen, um die hebräische Sprache zu verlebendigen. Die Kinder werden aber auch teilhaben müssen an der eigenartigen Entwicklungsstufe, auf der sich die hebräische Sprache in Palästina befindet, an ihrer Wiedergeburt nach jahrlumdcrtelangem Brachliegen, an diesem Kampf um ihre Ausspräche, ihre Reinheit, ihre Bereicherung. Und damit ist ein Drittes gegeben, ein Bildungsgut, um dessen Wert nirgendwo in der Welt zwei Juden ernsthaft streiten werden, so verschieden ihre Meinung auch sein mag, worin eigentlich der Wert liegt: die Bibel. Sie ist in ihrem klaren, kernigen, bald wuchtigen, bald zarten Stil der unausschöpfbare Brunnen für alle Wort- und Satzbikluiig des sogenannten Neuhebräischen. Trotz vieler Germanismen, Romanisincn, Slavismcn (auch die europäischen Sprachen weisen eine Fülle solcher gegenseitiger Beeinflussungen auf) ist die hebräische Sprache in sich in ihrem ältesten Wort- und Phrasenschatz reich genug, um den, der sie beherrscht, sagen zu lassen, was er denkt und fühlt. Vielleicht fehlen oft die Feinheiten der Vor- und Nachsilben der europäischen Sprachen, wie sie die wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskussion der führenden europäischen Schichten der letzten Jahrhunderte erzeugt haben, z. B. der -heit und -keit und -11 ng und -iglceit des Deutschen, dafür aber wird bei Besinnung auf das biblische Wort eine in sich geschlossene Klarheit und sinnliche Konkretheit' gewonnen, der gegenüber sich die modern-europäischen Feinheiten als Spitzfindigkeiten und verschleiernde Unsicherheiten entlarven. Und mit dem Sprechen geht das Denken Hand in Hand. Und mit dem Denken das bewußte geistige Lehen. Und mit ihm das Leben überhaupt als ein tägliches Atmen, Aufnelimen, Schaffen. Und wo die Bibel in ihrer auf das Wesentliche gerichteten Sprache Bildungsgut der jüdischen Jugend wird, da zerstäuben wiederum die Gegensätze der theoretisierenden Erwachsenen. III. Was hier als rin Dreifaches bezeichnet wurde, Palästina, hebräische Sprache, Bibel, ist in Wirklichkeit ein Einzi g e s. Die palästinensische Landschaft mit ihren Brunnen und Herden und Zeiten, mit ihrer klaren Luft, mit ihren felsigen Bergen und weiten Tälern ist die Landschaft der biblischen Geschehnisse. Die hebräische Sprache des heutigen Palästina ist ebenso ein Spiegel des neu erwachenden Volkslebens wie ein Aufleben des alten biblischen Sprachgutes. Das biblische Sagen- und Geschichlsgut gibt jedem Fleckchen Erde des Laudes die Weihe des uralten Geschehens, das in die Weltgeschichte eingegangen ist. Land, Sprache, Buch vereinen sich zu einem einzigen Kulturgut. Und damit ist die Möglichkeit gegeben, eine Forderung zu erfüllen, die die moderne europäische Pädagogik für die Arbeit der Schule in den Vordergrund rückt, die Forderung der Konzentration. Dieses so vcr■ lebendigte, ebenso gegenwartsnahe wie uralte, ebenso primi■ tive wie geistig differenzierte Kulturgut kann eine keimhaft»; Milte der neuen jüdischen Schule werden. Es ist hier nicht der Platz, im einzelnen ausz.ufiihren, wie sich diese Neu- Orientierung in den einzelnen Schulfächern auswirkt, welch« Fächer eventuell neu zu schaffen sind, welche miteinander in Verbindung treten müssen. Es wird die praktische Verwirk• Hcliung auch stark \011׳ den örtlichen Möglichkeiten und per• s&nlichen Neigungen abhängen. Wenn nur das Grundprinzip des Lebendigen, Gegenwärtigen, Einheitlichen gewahrt bleibt, wird die jüdische Schule bei noch so verschiedenem Arbeitsplan und noch so abweichender Fächer- und Stundenvertei• iung hier und dort dasselbe erreichen. IV. '' Noch ein Wort über die Stellung des Deutschen, der deutschen Geschichte, der deutschen Kultur im Rahmen dieser neuen jüdischen Schule. Wiederum, werden einige meinen, ein Streitapfel der Parteien, der Weltanschauungen. Und doch liegt auch dieses Problem für den, der sehen will, klar und eindeutig vor uns. Die so in sich gefestigte, auf eigenen Füßen dii. auf den festen Füßen des alt-neuen jüdischen Kulturgutes stellende jüdische Scht.de Deutschlands wird auch die Stellung finden, die sie zur deutschen Kultur einzunehmen hat. Nur in sich unsichere Menschen fragen im Leben stets nach dem Primaf dieses oder jenes Gefühls, dieses oder jenes Gedankens, dieses oder jenes Weges. Der sichere Mensch — und zu ihm wollen wir unsere Jugend erziehen! — der Mensch, der hogriffen hat, was es heißt ״Das Eine tut not“, ־tut das Line und findet von diesem Einen ans Wege in Hülle und Fülle zum Zweiten und Dritten und Vierten. Mögen tausend jiidis che Schulen in Deutschland tausend Wege finden zum ileutsehen Kulturgut, tausend Pläne, die deutsche Sprache »1 pflegen, die deutsche Geschichte zu lehren. Je eindeutiger das jüdische Kulturgut in der Mitte der Schularbeit, ja, des gesamten Scliullebens, auch der Feste und Wanderungen, steht, desto leichter wird sich der geistige Ort bestimmen lassen, an dem die Beschäftigung mit dem deutschen Kulturgut ein״ zitsetzen hat. In denk- und fühlreiner Distanz wird das deutsche Kulturgut dem jüdischen Kinde veranschaulicht werden als ein ('int, an dem es durch seine Sprache und durch sein Weilen in Deutschland teilhat. Ohne Ueberhebüchkeit und ohne Groll, aber auch ohne Angst und ohne Minderwertigkeitsgefühl wird deutsches Kulturgut takt- und verständnisvoll dem jüdischen Kinde nahegebracht werden. Natürlich werden die Berührungen zwischen deutschem und jüdischem Geist (Lessing, Mendelssolin, Heine, Cohen, Gundolf, um mir beispielhaft einige Namen zu nennen) besonders interessant sein, aber sie dürfen nicht zu dem engstirnigen Grundsatz verführen, deutsches Geistesleben unter dem Anhängsel-Gesichtspunkt ״und die Jitden“ (Goethe, Schiller usw. ״und die Juden“) zu behandeln, als ob die Judenfrage jemals iin Mittelpunkt deutschen Lehens stand. Nicht einmal heute ist sie es, wenn sie auch im politischen Bereich sehr in den Vordergrund gerückt ist. Zur Erfüllung dieser Aufgabe gehören freilich starke, sichere, weitschauende Lehrer, die seihst von der Größe des jüdischen Kulturgutes erfüllt sind und die leidenschaftlich brenneu, es der Jugend weiterzugeben als einen unverlierbaren, »inraubbaren Hort. V. Kann Palästina auch dazu beitragen, die Probleme zu lösen, die mit der nötigen Berufs Umschichtung der deutsehen Juden gegeben sind und die sich heute so grausam und unerbittlich aufdrängen, daß sie die bisher berührten Fragen des geistigen Lebens fast in den Hintergrund schieben? |a. Und das ist das Vierte, das Erez Israel in seinem täglichen Leben bildhaft lehrt: die Arbeit. Die täglich nötige, körperliche Arbeit muß wieder zu Ehren kommen. Erheben wir sic freiwillig, weil einsichtig und voraiissdiatiend, auf den Elirenscliild, bevor immer noch größere Not uns zu ihr zwingt. Im Palästina-Zimmer der Schule werden viele Bilder aus den Kvvuzoth, aus dem Leben des Poel, auch ans dem Leben des arbeitenden Kindes im Kinderdorf hängen, Bilder, die unseren Kindern zeigen werden, daß Arbeit nottut, ob sie schmeckt oder nicht, und daß sie befriedigt, weil unsere eigenen Hände sie tun. Freilich werden Bilder und Erzählungen nicht gen ftgen, die jüdische Schule wird sich organisatorisch umstellen müssen auf eine Arbeitsschule. Arbeitsschule im primitivsten Sinne des Wortes, angefangen von der Arbeit des Reinigens der Zimmer, des Waschens, des Nähens, Kochens bis zur berufsvorbereitenden Arbeit in Werkstatt und Garten. Und auch diese körperliche Arbeit wird sieh kon/entrativ an die drei Elemente angliedern müssen, die das jüdische Geistesgut ausmachen, an Palästina, hebräische Sprache und Bibel. Bei der körperlichen Arbeit wird man der palästinensischen Jugend näher und näher kommen, hei ihr wird man hebräische Lieder singen, und schließlich wird dem Kinde erst mit ihr und durch sie die Lehensfülle und -Wahrheit der Bibel, der großen ktilturellen Tradition unserer Gesetze aufgehen. Ohne eine harte Arbeitswoche kein Sehabbath, ohne die Berührung mit Boden und Werkzeug kein jüdisches Fest. Das Geschichtsbild in der neuen deutschen Schule Von Julius Stern. Die jüdische Schule in Deutschland wird in ihrer Struktur und Arbeitsweise geformt aus dem Zusunmenwirken :•׳wein־ veischiedener Kraftquellen. In den deutschen Kulturkiris ein gebettet, mit der deutschen I sind •chaft verbunden, der staatlichen Aufsicht unterstellt und zur i )iirchftihrimg *der von ihr ausgehenden Verfügungen verpflichtet wie jede andere pädagogische Institution in Deutsciilrid. AIs Lr/ichimgssfätte jüdischer Kinder, von jüdischen 1 ein!.ruhen geleitet, von! VGlle:1 zur jmli-'clien ( iemeiiiscliaft getragen, verwurzelt im jüdischen Denken, bekommt sie aller noch ihre besonde re Prägung, empfängt sie noch ihre besondere Aufgabe. Die Eigenart dieser jüdischen Schalle klar zu umreiBen, ist hier niehriach versucht worden. Weniger vertraut aber sind vielen \0;1 uns die pädagogischen Bemühungen, die die allgemeine d e 111 s c h e S t a a t s s c 11111 e einer grundlegenden Umwandlung unterziehen wollen. Eine reiche Fülle neuer pädagogischer Bücher, zahlreiche Arbeiten in pädagogischen Zeitschriften schaffen das Material für die Ncufonmmg dieser Schule herbei. Der jüdische Erzieher in Deutschland muß über diese Bestrebungen unterrichtet sein, nicht nur, weil die auf Grund behördlicher Anordnungen demnächst erfolgende Neugestaltung des deutschen Erziehungswesens auch ihn angeht, sondern weil es überhaupt unmöglich ist, in geistiger Isolierung pädagogrisch erfolgreich zu arbeiten. Für den j 110.11sehen Laien bestellt ebenfalls erhebliches Interesse, über die Grundlagen der Erziehung der künftigen Träger des Staates unterrichtet zu sein; Verständnis für alle sich daraus ergebenden Maßnahmen vermittelt nur die Kenntnis der geistigen Grund- Haltung, aus der heraus sie erfolgen. Neben Biologie und Deutsch mifit man dem Oes c h i c 111 s 11 111 e r r i c 11 t in der deutschen Schule der Gegenwart wesentliche erziehliche Bedeutung hei. Die Richtlinien des Reichsininisters des Innern für die Bearbeitung von Geschichtsbüchern lassen im einzelnen die Durchsetzung der iKuen pädagogischen Gedanken im Geschichtsunterricht erkennen. Line Zusammenfassung der in ditc-vn Leitsätzen enthaltenen GnnK!,1׳t1scl1nuü:1gren um! der im Aiisdiliiö daran entstandenen Fachliteratur ergibt ein lebendiges Bild der geschichtlichen Unterweisung in der neuen deutschen Schule. Geschichte ist nach den Worten Hitlers dazu da, dein Durchschnittsmenschen ״jenes Maß geschichtlichen Einblicks zu vermitteln, das nötig ist für eine eigene Stellungnahme in den politischen Angelegenheiten seines Volts'em״) ."*־.Mein Kampf'*.) Die Bedeutung des geschichtlichen Unterrichts erschöpft sieh deshalb nicht in einer Vermittln!!:..׳■ des Wi-sens vom Werden des deutschen Volkes; seine Krönung erfahrt er erst, wenn durch Kenntnis der Dvnaniik jenes Werdens Schwung, Ethos und I lanilhntg'sbercitseh.ift vermittelt wird. Der Geschichtsunterricht so'l zum flandein fuhren, ,g'inn und Ziel des Geschichtsunterrichts, die Schiller durch 111!'gehendes Begreifen und!erfassen der :;roßen geseliiclitücheii Eniwieklungszusanmuniliänge und Schicksals verbunden beiten s.r.viu •der geschiehtsbüdenden Mächte' und Kräfte zu tu Verstand!! s, zur Beurteilung und zur Beherrschung der Gegenwart zu fuhren, damit sie zur freudigen, zielbewußten und verantwort im gsbereiten ,Mitlind Weiterarbeit an unseren völkischen Kulturaufgaben befähigt werden.“ (Kurt Krippendorf, Grundsätzliche Erwägungen zur Neugestaltung des (ieselürli's mterricliK Vorgangenheit und Gegenwart, lieft 9, l'-Hi.) Diese Auffassung vom Wesen des Geschieh 1s:mterrirbis irnil diese Zielsetzung bewirken naturgemäß auch eine veränderte Ktolfanordmin« und neuartige Bewertung der einzelnen geschichtlichen Beg«b׳׳nbeiten innerhalb der deutschen Entwicklung; sie führt gleichfalls zu einer Stoffbcschränkung; denn mir das kommt als geschichtliches Bildungsgirt in Frage, was in wahrem Sinne der nationalpolitischcn Erziehung dient. Die deutsche Vorgeschichte, die bisher in deuts'hen Schulen nur geringe Beachtung fand, soll jetzt den ihr gvbi'ihrenden Platz einnehmen. Es soll gebrochen werden mit der bisher üblichen Anschauung vom germanischen Meus-hen, dessen Wirken für die kulturelle Entwicklung bedeuimigsh-s gewesen sei. An Hand der Funde ans vorgis ־hiebtlieber Zeit soll die kulturelle Höhe des nordischen Menschen gezeigt werden; es soll der deutschen Jugend zum Bewußtsein gebracht werden, daß die Völker des mittel- und nordeuropüischen Erdratunes bestimmend für die Geschichte Eurasiens waren. ״Indogermanische Völkerslämme ergossen sich strahlenförmig aus dem Ostseeraume nach fast allen Richtungen bis Asien und Afrika und riefen als führende I lerrcnsdiicht gewaltige Ft anten und hohe Kulturen ins Leben.“' (Kurt Krinpeiulorf, a. a.O.) ״Wenn erst jeder Deutsche weiß, daß nordische Kultur und nordische Menschen durch Jahrtausende die Gebenden in Altcuropa waten, dann werden bald auch die letzten Schalen fremder Uebertünchung von unserem ureigensten deutschen Bildungsgute abfallend‘ (Hans Reinert, Deutsche Vorgeschichte in Heft 27, Jahrgang 1932 der Nationalsozialistischen Monatshefte.) Der rassen biologische Gedanke, der die heutige Geschichtsauffassung beherrscht, soll den gesamten Geschieh!'- unterricht durchziehen. ״Eine Geschichtsanschanting, die nicht auf dem Grunde einer Rassenanschauung stünde, ist in ZnkinnT undenkbar.“ (Modler van den Bruck, Das Ewige Reich, S. 13.) Schon von der Urgeschichte an soll dargestellt werden, daß Kultur eine Schöpfung der Rasse ist. Es soll gezeigt 276632 880037