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Jüdische Rundschau · 1933-11-03 · Heft 88 (3.11.1933) · p. Seite 761

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 88 (3.11.1933)
Date
1933-11-03
Page
Seite 761 (sequence 17)
Language
German
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Sie schnittea das Getreide, banden es in Garben und brachten die Garben in die Scheune. Hier zählten sie die Oarben ab und teilten sie in zwei gleiche Teile, Die Oarben des älteren Bruders legten sie an die eine Seite der Scheune, — des jüngeren an die andere. Müde und hungrig gingen sie dann in ihre Hütten. In der Nacht konnte der jüngere Bruder nicht schlafen. Er dachte: ״Es ist nicht recht von mir, daß ich ebenso viele Garben genommen habe wie mein Bruder, ich bin allein und brauche nicht so viel wie er. Mein Brur dagegen hat Frau und Kinder, für die er zu sorgen hat. braucht also mehr als ich“. Er stand auf, ging leise zur . Jreune und legte mehrere von seinen Oarben zu den Garben des Bruders. Zufrieden kehrte er in seine Hütte zurück und schlief bald ein. Zur selben Zeit wurde auch der ältere Bruder ach. Er dacht«: ״Ich habe meinem jüngeren Bruder heute ein großes Unrecht getan, als ich ihm r.ur die Hälfte der Garben gab. Er ist jünger und schwächer als ich, und hat außer mir niemanden, der sich um ihn kümmern soll. Ich aber habe Frau und Kinder und selbst wenn ich nicht mehr arbeiten kann, können meine Kinder arbeiten und für mich sorgen‘•'. Er stand dann ganz leise aut, ging zur Scheune und legte mehrere von seinen Garben zu den Oarben des jüngeren Bruders. Er freute sich, daß der Bruder es nicht gemerkt hat und ging zufrieden heim. Am Morgen wachten beide Brüder sehr froh auf. Jeder von ihnen war zufrieden, den anderen Bruder versorgt zu haben. Jeder von ihnen wunderte sich aber, als er in die Scheune kam, daß die Mengen der Oarben aut beiden Seiten ebenso einander gleich waren, wie am Tage zuvor. Auf 4iesem Berge Moria, auf dem so viel Bruderliebe herrschte, wurde viele Jahre später der Tempel (בית המקדש) erbaut. Ein Erlebnis Ich möchte ein Erlebnis erzählen. Vorausschicken möchte ich, daß ich im J. P. D. bin (jüdische Pfadfinder Deutschlands). Anläßlich der Uebersicdlung meines Ortsgruppenleiters nach Palästina machten wir eine große Sonntagsfahrt. Diese möchte ich, da sie wohl die schönste Fahrt meines Lebens war, hier erzählen. Rrrrr läutete am Sonntagmorgen um 5 Uhr die Weckubr. Verschlafen rieb ich mir die Augen. Dann ging es aus dem Bette. Vor dem Weggehen die üblichen Ermaliniingcn der besorgten Mutter, und dann stürmte ich in den Keller, holte mein Rad hervor und fuhr mit lialsbrccherisehem Tempo zur Sammelstelle. Punkt 6 Uhr waren alle anwesend. Nun mußten wir 15 Kilometer auf dem Rade zurücklegen, um zu der benachbarten Ortsgruppe zu gelangen. Leider konnten wir unseren Wimpel nicht mitnehmen. Das konnte uns aber unsere fröhliche Stimmung nicht nehmen. Als wir bei den Kameraden unsere Räder untergeslellt hatten, zogen wir los. Lustig das Lied ״Die Glocken stürmen vom Bergwaidsturin“ singend, zogen wir unseres Weges. Nach!1!,״istündigem Marsche machten wir Halt. Es wurde zuerst ein Appell gemacht, in der uns unser Führer ermahnte: Nie das Judentum zu vernachlässigen und immer ein echter Pfadfinder zu sein. Dann wurde abgekocht. Nach dem Essen machten wir eine Fuchsjagd. Dann wurde gesungen. Unter anderem auch die Hatikwah. Dann überreichte unser neuer Gruppenleiter dem alten ein fabelhaftes Buch. Das Lager endete mit einem 5 Minuten langen Horratanz. Ermüdet kamen wir alle zu Hause an. R. W. BRIEFE &usPt m TINA Meine Reise nach Palästina Tel-Awiw, den 23. 6, 33. Liebe Klasse! Am ersten Tag war auf dem Schiff ein großer Sturm, und fast alle wurden seekrank. Da waren nur sechs Leute im Speisesaal, und es gab furchtbar viel zu essen. Ueberhaupt war es aut dem Schiff sehr schön. Es war furchtbar groß, so wie 15 Häuser. Und man verlief ich andauernd. Auf dem Schiff waren Fahrstühle und furchtbar viel Aufenthaltsräume, und man merkte gar nicht, wenn es fuhr, und dachte manchmal, man sei in einem Riesenhotel. Interessant War auch das Linlind Ausladen mit den großen Kränen. Unsere Schiffsreise hat sechs Tage gedauert, und wir haben zwei Tage in Alexandrien gelegen. In Jaffa mußten wir eine Treppe runtergehen, und kamen in ein Boot, das uns zum Land fuhr. Dann mußten wir zwei Stunden im Hafen bleiben, um die Zoll- und Impfgeschichten zu erledigen, und dann fuhren wir in die Pension. Tel-Awiw ist eine sehr grolle Stadt und manchmal denkt man, man ist in Europa. Das Wetter ist hier sehr schön und es ist unmöglich, daß es regnet. Das Wasser im Meer ist so warm wie in der Badewanne, liier muß mau beim Baden sehr vorsichtig sein, denn mau kriegt sehr leicht einen schlimmen Sonnenbrand. Wir fahren jetzt vier bis sechs Wochen zu Bekannten auf den Karmel. Da wir noch nicht wissen, wo wir bleiben, komme ich noch nicht in die Schule. Aber bald fange ich an. Viele Grüße David. Die ersten Erlebnisse in Palästina Tel-Awiw, 27. 8. 1933 Hier ist es sehr schön. Wir waren schon am Strand. Fs gibt liier sehr schöne Muscheln. Bei unserer Ankunft kriegten wir eine Spritze und wurden geimpft. Dienstag müssen wir wieder zum Arzt und kriegen noch eine Spritze. IS tut gar nicht well. Ich!iahe mir einen Muschelbeutel genäht und saninnif jet/t Muscheln. Ich komme im Laufe dieser Woche zu Frau W. naeli Jerusalem. Gestern sahen wir eine Karawane mit sehr vielen Kamelen. Wir brauchen hier nicht unter .Moskitonetzen schlafen. Gestern, am Scbnbbaih, sahen wir einen Mann mit einem Horn durch die Straßen gehen. Er bließ ganz laut auf dem Horn, um den Anfang des Schabbaths zu verkünden. Ich muß jetzt Schluß machen, denn wir gehen. Viele Grüße von Han nah. den 3. Oktober 1933. Gestern hat hier in Gan Schmuei die Schule angetan gen. Bis jetzt hatten wir große Ferien. In -. , - . _ .. _ ... .. Deutschland sind wohl schon wieder Herbstferien, Hier hat es schon mal geregnet. Es war schon der erste Regen. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, was das für eine Aufregung war. als die ersten Regentropfen fielen! — Ein Esel haben wir auch schon. Er hat eine braunschwarze Farbe und ist sehr groß. Die Esther ist jetzt, wo der Vatel in Jerusalem ist, schon drauf geritten. Die Lea Lotte wollte auch reiten, aber, als sie aufstieg, ist sie mit dem Esel zusammen hingefallen. — An Rausch Haschono haben wir ein Spaziergang nach Telmegged gemacht. Zuerst waren wir bei Brünn. Dort haben Vatel und Muffel sich ne Ewigkeit unterhalten und ganz dran vergessen, daß wir noch auf misern Bauplatz gehen wollten. Zum Schluß sind wir aber doch noch gegangen. Ganz in der Nähe von unserm Bauplatz ist der Wasserturm, in dem man schwimmen kann. Danach kommen eine Menge Bauplatze. Darunter ist unser auch. Auf unserm und auf noch drei oder vier andent Bauplätzen liegen Steine und Sand zum baueii. Wir brauchen nur noch einen festen Entwurf und Arbeiter, dann können wir anfangen zu hauen. Die Muttel oder der Vatel (ich weiß nicht mehr wer es war) hat gesagt, daß wir im Frühling schon in Telniegged (also in unserm Hanse) sein wollen. Ich weiß aber nicht," ob was wird. Wenn es so ist. daß war herrlich. — Hier mit der Schule ist das Das ist Tel-Awiw Bilder und Text von Wolf, Tel-Awiw Mein Schulweg im Mai °חסך! ם ם ם ח' 'L1־rr t Oh Politist oder Rechtsanwalt Aus Ntw-York, Berlin oder Posen — In Palästina geht Jung u/td AU Mit Schillerkragen and kurten Hostnl — •nrf derselbe Weg im Oktober .Eskimo — Kar Eskimo —' Hört man immer — i«t et heiß Das heißt 4ו allen Sprachen so Und ist Schokoladeneisl

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