Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 84 (20.10.1933)
- Date
- 1933-10-20
- Page
- Seite 686 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653807--24249-2687188- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 3× ep/1047930
OCR text
Seite 684 jüdische Rundschau Nr. 84, 20. X. 1933 des Seelenlebens .־»!knüpfen, die vcrschjedentliche Ausdrucksformen bei jüdischen und!lichtjüdischen Jugendlichen finden. Ein wesentlicher Teil dieser Erziehungsarbeit wird wahrscneinlich in außerschulischen Gemeinschaften geleistet werden, die dem jüdischen Jugendlichen verschlossen sind. Die Gefahren, die sich für den jüdischen junger! Menschen ans dieser Er/iehimjg ergeben können, liegen auf der Hand; Gemeinsehaftsfeindüdikeit, asoziales Verhalten und fihnliehe Aus- Wirkungen bedrohen dann der! jüdischen jugendlichen. Es kann, wie schon gesagt, nicht der Sinn dieser Ausführungc'1 sein, elwa von unserer Sonderstellung als Juden ans, Wünsche für die Gestaltung des deutschen Er/ichungswesens auszusprechen. Wir haben jetzt hier nur die Aufgäbe, Eltern und verantwortlichen jüdischen Organen immer wieder vor Augen zu führen, was sie ihrem jüdischen Nachwuchs schuldig sind, welche ungeheure pädagogische Verantwortung jetzt in erhöhtem Maße auf ihren Schultern lastet. Wie wir rechnen (Aus der Jüdischen Schule Klopstoekstraße) Von Franz O 11 e n d o r f. ״Man muß Ja soviel denken“, sagen die Kinder; ״früher, da wars schöner, da haben wir mehr gerechnet!“ Wie stehts um dieses Urteil? Was wollen wir mit unserem Rechenuntcrricht? Wir verfolgen drei Ziele: 1. Ein praktisches Ziel: Sichere Beherrschung der R e c h c n t c c h!1 i k. 2. Ein wissenschaftliches Ziel: Volles Verstandnis aller mathematischen Lehrsätze bis zur Möglichkeit, sie jederzeit logisch zu reproduzieren. 3. Ein men s c 111 i c 11 e s Ziel: jüdische Lebenskunde vom Standpunkte der realen Zahleinvelt. Das praktische Ziel: Es wird straff gearbeitet, es muß schnell iin Kopf gerechnet werden können: ״Kennt ihr die Quadratzahlen noch immer nicht auswendig?‘•;,Wer rechnet die Flache eines Baumstammes aus? 60 cm Durchniesscr; abschüt/en!“ ,,Waswrinhait des Toten Meeres etwa 121)100 Millionen Tonnen; 2 Chlorkaligehal 1, 1 Tonne gleich 150 RM. Weltmarktpreis; Gesamtwert der Clilorkalimenge?“ Das wissenschaftliche Ziel: Gedanklich bis ins Strengste durdigefuhrt; aber formal immer an Beispielen entwickelt, die uns nah, geläufig, anschaulich sind. Der Begriff des Buches: Wir lassen, natürlich nur in Gedanken, im nahen Tiergarten, einen Baum fällen. Bald ist er in der Sagemühle von starken Arbeiterhänden auf gleitende Wagen geladen. Er wird, wir sehen es auf der Zeichnung ganz deutlich, im Abwärtsfahren gegen das kreisende Sehneiderad gedrückt, unten wird der zerteilte Stamm fortgetragen. _— Die Entstehung des Winkels: Ein klappernder Storch. Eine Leiter, die an die Wand gelehnt wird; versucht zu Hause, wann sie umfällt! — Der Potenzbegriff: Es wird gebacken, die Hefe geht. Oder: In den Alpen wirds Herbst: die erste Lawine rollt vernichtend zu Tal, wie wird sie das Dorf erreichen? Das menschliche Ziel: Nicht ״Stoff“ sollen die Anwendungen sein, sondern eigentlicher Inhalt der Rechen- Stunde. Zahlen sind wahr, klar, unerbittlich. Und deshalb spiegelt unsere Lebenskunde in Zahlen unser ganz eigenstes, fetziges, ungeteiltes Leben wieder. Nebeneinander: Kinderspiel, Großstadttreiben und Abenteuerlust; tiefer, gleichzeitig, in allen Kindern das Bewußtsein der jüdischen Schicksalswende und de! Wille zu dieser Wende. Und mit dem Wissen, daß wir etwas Positives daraus machen: das Land, die neue Heimat. Das alles, ein ungeheurer Inhalt isis an Erlebnis, an Arbeit, an Könnenmüssen. Sehen wir, an Beispielen, wie es in ein?einen Lebenskreisen bewältigt wird. Erster Lebenskreis: Unser Körper. Sei etwa die Bruchrechnung unser Thema. Mund und Nase werden aufgesperrt; in starkem Strome zieht die Luft in unsere Lungen. Anders, verbraucht, kommt sie wieder heraus; man siehts ja an der Kerze, die, in begrenzter Luftnienge brennend, vor unseren Augen so rasch ersticken mußte. Wie lange reicht also der Sauerstoff hier im Zimmer? Was sagt die Gesundhcitsnoli/ei dazu? —- Dasselbe Thema vorn Standpunkte der Algebra: Wir lesen im Kriegstagebuch, wie die Lebensrnittel verteilt werden, wir rechnen die'kargen Rationen der Notzeit nach. Oder wir unterhalten uns über Bevölkerungsstatistik: Geburtenüberschuß und Sterblichkeit; natürliche Bewegung und Alijah; Mtersvertcilung hier, Altersv!׳Heilung in Erez, dein ,,Land der Kinder“. — Prozentrechnung: Wir legen Nährwerttabellen der wichtigsten Lebensmittel an. Wieviel müssen wir essen? Hat das Klima einen Einfluß darauf? Wic.'jf’l braucht eine Kwiizah? Die Antwort: Von den kiinftigen ('haluzoth werden Mahlzeiten zusammengestcllt, Preis und Nährwert werden kontrolliert. Zweiter lebenskreis: Haus und Haushalt. Es wird gewaschen: Ist das Wasser weich genug? Schafft Soda heran! Wieviel für den Eimer? Was ist im Persil enthalten? Chlort ihr zu Hause? Warum nicht? Zeichnet eine Wringmaschine auf. — Ein Haushalt in Palästina: Wieviel Wasser braucht eine Familie? Wieviel verdunstet im Sommer? Wie groß mul, man die Zisterne anlegen? Was für Feuerung nehmen wir drüben zu וזו Kochen? Kohle ist zu teuer, auch Holz: karg man nicht nehmen. Also: Petroleum oder elektrische Küche־ Vergleicht die Heizwerte, vergleicht die Preise! Dritter Lebenskreis: Verke 11 r, Sport, Wandern. Seht den Fahrplan für uiisern Ausflug nach! Wozu stehen so viele Kilometersteine an der Strecke? Richtig, wir sahen ia am Bahnhof Grunewald den Meßwagen, mit dem man Im Fahren schlechte Schienen feststellen kann. Wieviel Arbeiter wohl anpacken müssen, um so ein gefährliches Ding auszuwcchseJn? Dazu muß man Gewicht und Form der Schiene wissen; die sieht am besten eine Maus, die auf dem Gleisschotter herumläuft. Wir versetzen uns in die Maus hinein — eine Zeichnung ״aus der Mausperspektive“ eiltsteht. — De! Sportplatz: Wie wird die Aschenbahn geglättet? Wieviel wiegt die Walze? — Leider haben wir kein Schwimmbad. Wir lege« eins an! Natürlich mit frischem Wasser aus dem nahen Fluß. Der Grundriß ist rasch gezeichnet, Erfnschitngshalle und Sprungturm sind nicht vergessen. AbeT wie liefern wir den Bauleuten die Qucrschnittszeichnung? Machen wir ein Modell der ganzen Anlage im Sandkasten; da kann man richtig mit dem Messer durchschneiden, und jetzt sicht jeder, wie der Querschnitt aussieht. Vierter I.ebenskreis: Die Arbeit. Erlebnisse in der Fabrik: die Stempeluhr, das laufende Band und sein Einfluß auf die soziologische Struktur der Großstadt. Rationaiisie. rttng; Mensch oder Maschine, Krise und Arbeitslosigkeit ־— zeitgemäße Themen, die wir an Hand von Lohntarifen, von Steuerlasten und von Absatzmöglichkeiten durchdenken. Die Arbeit im Lohnbüro: das Klappern der Rechenmaschine; wie funktioniert sie? Von der Fabrik zur Urproduktion: Heute fahren wir 1ns Bergwerk ein, morgen besuchen wir ein Stahlwerk, ein drittes Mal geht» in die Gasanstalt oder ins Elektrizitätswerk: Wieviel Kohlen braucht Berlin an einem Tage? Wieviel Oel wird täglich im Elektrizitätswerk Haifa verbrannt? Von der Technik zur Landwirtschaft: Wollen wir nicht als Ctialurim auf eigenem Boden arbeiten? Wir messen Land für ein Kinderheim mit Garten und Baumschule aus; wir legen am Berghang einen Mandelgarten an; wir pflügen, säen und ernten: Segen der Erde. Fünfter Leberiskreis: Alte und neue Heimat. Wir zeichnen die Kurve des jährlichen Exportes von Jaffa-Orangen; die ankommenden Kisten werden in Marseille geprüft. Aus der ״Jüdischen Rundschau“ entnehmen wir die Verteilung des palästinensische« Etats; wir stellen die Zahkntafel in einem übersichtlichen Schaubild dar. Die Eröffnung •des neuen Hafens in Haifa wird nacherlebt: Wie sieht der Kai, wie die Mole aus? Wieviel Steine braucht man zum Bau, und wieviel Menschen fanden dort Arbeit? Wo verläuft die neue pipe line für das mesopotaniische Erdöl? Wie kommen die Rohre an Ort und Stelle? Vergleichen wir einmal: Karawane oder Lastauto? Was mag ein Kamel, was ein Esel schleppen können? Wie stark müssen die Seile für solche Lasten sein? Machen wir rasch einen Zerreißversuch: Ein einfacher Zwirnsfaden hält über ein Kilogramm aus! Alte und neue Heimat: die Schule ist nur der Wegweiser, die Kinder aber die lebendigen Mittler. Dazu müssen sie umdenken: Sich aus dem gewohnten, bürgerlichen Milieu heraus einreihen wollen in die Reihe der Menschen, die unbeugsam, unermüdlich, gläubig mit ihren Händen schaffen. Wie steht es damit? Die Kinder selber mögen antworten, und damit sei dieser kleine Arbeitsbericht abgeschlossen: Berutsumschichtung der jüdischen Jugend. (Eine Statistik der II. Klasse.) Har56tj*laberufe Akadem. Berufe Sociale Berufe Handw, Berufe Laudw. Beruf« Zahlen Eltern — ... - 3S ZnV tu 1 1 0 Kinder - .. .. 96 Z»M 0 10 6 ד 1f» Eltern % 60,5 84.J 25 2,6 0 - K i u d e r % 0 STJ.5 1a,r 19.T s«,t - Jüdischer Musikunterricht Von Julius Goldberg, Musiklehrer am jiid. Reformgymnasium Jawne, Köln. Ist es heute, wo die jüdische Schule sich mehr und mehr praktisch verwertbaren Stoffen zuwenden muß, nicht unzeitgemäß, Fragen der Kunstpflege in der Schule auch nur zur Debatte zu stellen? Sollte man nicht lieber überhaupt auf den gesamten Kunstunlerricht verzichten und anstatt dessen die Zahl der Handferligkeiisstunden erhöhen? Der Gedanke hat etwas Bestechendes. Um so mehr muß deutlich daran! hingewiesen werden, wie falsch er ist. Die Schule darf kein Institut lediglich zur Vermittlung praktischer Kenntnisse und Fertigkeiten und zur Verstandessclm'ung sei!. Eine solche Schule würde einen unharmonischen und deshalb den! Lebenskampf nicht gewachsenen Typ züchteil. Je rauher die Wirklichkeit ist, desto stärker ist naturgemäß bei der Jugend das Bedürfnis nach Besch: f.igung mit dem Schönen als notwendiges Gegengewicht gegen schulmäßiges Lernen und gegen häusliche Sorgen, die heute an keinem Kind spurlos Vorbeigehen. Mehr aber als alle pädagogischen und sonstigen theoretischen^ Beweise zeigen unsere Kinder und Jugendlichen selbst durch ihre Singfreude die Notwendigkeit des Musikunterrichts. Die jüdische Jugend singt gern und viel, Wenn auch nicht immer schön. Sie nimmt aber dankbar Anregungen musikalischer und gesanglicher Art an und sucht ihren Gefühlen gerade in hebräischen Liedern Ausdruck zu geben. Ist es nicht für jeden musiklicbcnden Juden eine Freude, zu sehen und zu hären, wie oft und gern in den jugendbünden hebräisch gesungen wird? Hier hat die Schule mit ihren ausgebildeten Musiklehrern die Pflicht, anzuregen und auszubilden. Allgemeine und musikpädagogisch selbstverständliche Forderungen, wie, daß zu den Feiertagen Feiertagslieder gesungen, daß geeignete Lieder biblischen und historischen Inhalts dramatisiert und aufgetührt w׳erden, daß, wo ein Orchester besteht, jüdische Instrumentalmusik gepflegt wird, brauchen hier wohl nicht ausführlich gestellt zu werden. 111 einer Zeit, wo den Juden künstlerische Schöpferkraft vielfach abgesprochen wird, erhöht es das Selbstbewußtsein, zu erfahren, daß aus dem eigenen Boden Anfänge einer origineilen Volksmusik erwachsen. Dem europäischen Juden fällt es nicht leicht, in diesen Stil, der aus Arbeit tind Land zu verstellen ist, sich einzuleben. Es bedürfte eines besonderen Aufsatzes, die Eigenart dieses Stils an typischen Beispielen zu zeigen. Aufgabe des Schulmusikunterrichtes ist es (neben seinen selbstverständlichen allgemein - musikalischen Aufgaben), das jüdische Kind an diesem Strom jüdischer Lieder und so auch musikalisch an den! historischen Akt der Wiedervolkwerdung teilnelimen zu lassen. Dieser Gesichtspunkt ist pädagogisch von ganz besonderer Bedeutung für die vielen Kinder aus bisher jüdisch-indifferenten Farnilien, die jetzt den Weg in die jüdische Schule finden. Das Lied wirkt über Mund und Ohr auf Herz und Kopf und kann infolgedessen jeden Typ in jüdisches Gefühl und Bewußtsein einführen, leichter und zugleich tiefer als irgendein anderes Mittel dies vermag. Der Stil des hebräischen Liedes verlangt von dem Lehrer, will er wirklich verantwortungsvoller Mittler zwischen Volk und Jugend sein, auch methodisch eine besondere Ein- Stellung. Hier soll schlagwortartig nur das Wichtigste gesagt werden: Einführung in die Chromatik an einem viel früheren Zeitpunkt, als die Eigenart des deutschen Volksliedes das verlangt, Pflege des einstimmigen Gesanges auch im Chor, Er- Ziehung des harmonischen Funktionsgehörs unter Einbeziehung der sog. Kirchentonarten in das Dur-Moll-System. Das erfordert eine Einführung in di« Musiklehre unter starker Zuhilfenahme optischer und manueller Anschauungsmittel wie Klaviatur, Blasinstrumente, selbstgebaute Instrumente (Weingläserklavicr), usw. Von besonderer Bedeutung Ist der hebräische Liedgesang auch für den Sprachunterricht. Reim, Rhythmus und Melodie sind ausgezeichnete Gedächtnisstützen. Wer Latein gelernt hat, entsinnt sich der ״geistvollen“ in Verse gekleideten grammatischen Regeln. Ihnen liegt dasselbe psychologische Gesetz zugrunde. Hinzu kommt neben dem spielenden Einprägen von Vokabeln, Redewendungen usw. vor allem noch der ästhetische und gefühlsmäßige Wert des Singens eigener Volkslieder. Auf die Bedeutung des Musikunterrichts als Hiltsfach für Geschieht«• und Religionsunterricht besonders hinzuweisen, hieße Eulen nach Athen tragen. Es besteht ein fühlbarer Mangel an Unterrichts, material für den jüdischen Musikunterricht. Jeder Lehrer ist auf die Ergebnisse eigenen Suchens und Sammelns angewiesen. Der Verfasser (Köln, St. Apemstr. 29/31) bittet alle Lehrer, die Musik unterrichten, alle Chorleiter und sonstigen praktisch Interessierten um Angabe ihrer Adresse, um die Verbreitung von Liedern, Chorbearbeitungen und den Austausch von Erfahrungen zu ermöglichen. Briefe an die Redaktion Abschieds - Spende Berlin, den 16. Oktober 1933. Verehrl. Redaktion! Gestatten Sie mir, Ihren geschätzten Lesern nachstehende Anregung zu unterbreiten: Am Montag, dem 9. Oktober, ging ein größerer Trans- P, . . -׳ * ’ -- ״ י JJ- —- ׳ .... war im allgemeinen eine ernste, aber zuversichtliche. Beim Anblick der großen Schar der Begleiter tauchte in mir die Frage auf, ob es nicht angebracht wäre, sich zu Hause oder durch einige Zeilen zu verabschieden und die Kosten, die die Begleitung verursacht, als Spende dem KKL zuzuführen. Man kann mit Bestimmtheit annehmeti, daß jeder Begleiter mindestens 70 Pf. (Fahrt und Bahnsteigkarte) ausgibt. Die Zahl der Begleiter betrug an diesem Abend Schätzung«- weise 800—1000 Personen. Multipliziert man 800 x 0,70 RM, so erhält man 560 RM. Da die Transporte mehrmals im Jahre stattfinden werden jedesmal zirka 600 RM. unfruchtbar vergeudet. In einer Zeit großer Not könnte mit diesen Beträgen viel getan werden. Dr. E. F i n k e 1. * Ansiedlung von Akademikern and Kanfleuien Kassel, d. 17. 10, 1933. Sehr geehrte Redaktion! Die an sich begrüßenswerten Vorschläge des Herrn Dr. Kahn beschäftigen sich im großen ganzen mit der Um- Schichtung der deutschen Juden unter der Voraussetzung, daß jeder Einzelne über £P 1000 Kapital verfügt. Wenn man aber nur an solche Menschen denkt, die mindestens £P 1000 Vermögen besitzen, so ist dies m. L. ein« Härte gegen diejenigen, die über den erwähnten Betrag nicht verfügen. Es gibt unter den deutschen Juden viele Familien, die ihr Vermögen cingebüßt haben, an sich aber rechtschaffene, ehrliche und arbeitsliebcnde Menschen sind. Wenn unter diesen Familien die Eltern z. B. in den 50er Jahren sind, aber erwachsene Kinder haben, so sind _ diese 20—25jährigen Kinder auch wertvolle Arbeitskräfte, die in der emischten Großsiedlung nutzbringende Verwendung finden önnten. Ich bin z. B. vom Lande gebürtig, ca. 50 Jahre alt, kenne die ländliche Arbeit gut und bin ihr vollauf gewachsen, um jede Tätigkeit im Stall, Feld und Garten zu übernehmen. Auch die Frauen fänden Betätigung im Haushalt usw. Unsere erwachsenen Kinder müßten sofort unter Leitung von Instruktoren der praktischen Landwirtschaft zugeführt werden. Das jüdische Solidaritätsgefühl könnte so seine Stärke erweisen, wenn Kieinkapitalisten mit Leuten ohne Kapital vermischt die Siedlung aufbauen. Praktisch müßte es doch möglich sein, ebensoviel ״Kapitalistcn“ wie Minderbemittelte mit Hilfe der bestehenden oder noch zu schaffenden Institutionen in einer Siedlung zusammenzuschlicßen; denn nur dadurch kann ein sozialer Ausgleich geschaffen werden. Das erforderliche Leihkapital müßte von den Institutionen zur Verfügung gestellt und könnte nach einem aufzustellenden Schlüssel später zurückgezahlt werden. Die vielfachen Vorschläge vem anderer Seite, die dahingehen, die Jugend hier in Deutschland auszubilden, dann nach Palästina zu schicken und später die Eltern nachkonimen zu lassen, sind in vielen Fällen abwegig. Es gibt Falle, in welchen die Jugend in Deutschland oder im Ausland noch Verdienst hat und die in Deutschland lebenden Eitern unterstützt, also schon aus diesem Grunde ihre Arbeitsstelle nicht aufgeben kann, weil durch den entfallenden Verdienst die Unterstützung an die Eltern fortfiele. Der Organisationsgedanke muß also auch diese Mensehen erfassen, damit das Band der Familie nicht zerrissen wird, sondern zusamniengehaiten bleibt. Praktische Tatkraft muß sich auf diesem Gebiete schnell entwickeln; ich stelle diese meine Anregung daher zur Diskussion. Ferdinand Stern fei s. * Da« hygienische Institut In Haifa Sekretariat für Gesundheitswesen beim Waad Letimi (Uebersetzt aus dem Hebräischen) Jerusalem, 2. Oktober 1933. Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin. In Nr. 72 Ihrer Zeitung erschien eine Notiz über den Plan eines Hygienischen Instituts in Haifa• Darin wird u. a. gesagt, daß die große Sanierungsarbeit, die Palästina zur Aufnahme auch der Einwanderung aus Deutschland befähigt hat, von der Internationalen Gesundheitsstation und dem Pasteur-Institut gemacht wurde. Ich beabsichtige uiclrt, den Wert der wichtigen Tätigkeit dieser Institute vor und während des Krieges herabzusetzen. Aber es ist allgemein bekannt, daß in den ersten Jahren nach dem Kriege die sanitären Bedingungen Im Lande nicht weniger schwer waren als vor dem Kriege. Die Internationale Gesundheitsstation wurde damals aufgelöst. Die Aufgaben des Pasteur-Instituts gingen in der Hauptsache auf die Gesundheftsabteilungen der Regierung über. Die große Verbessern״? in bezug aut Malaria, Tuberkulose und andere Krankheiten im Lande war ein Ergebnis folgender Faktoren: 1. die wichtige Tätigkeit der jüdischen kolonisatorischen Instanzen (Keren Kajemeth, Pica u. a.); 2. die medizinische und präventive Tätigkeit der jüdischen medizinischen Institute, Hadassah, Kupath Cholim (Arbeiter- Krankenkasse), Malaria-Forschungsinstitut; 3. die sanitäre und prophylaktische Tätigkeit der Regie- *üng. Ich will hier keine Ansicht über den Plan eines Hygieniichen Instituts in Haifa ausspreclen, dessen Einzelheiten mir nicht bekannt sind. Ich wollte nur darauf hinweisen, *lab die betreffende Notiz an den verantwortlichen Faktoren für die Sanierung des Landes in den letzten 13 Jahren vollständig vorübergeht. Hochachtungsvoll Dr. Abraham Katznelson. Wie der Vorsitzende des Hilfskomitee» f deutsche Juden beim American Joint Distribution Committee, Rabbi Jonah B. Wise, bekanntgibt, wurden im Zuge der von dieser Organisation eingeleiteten Sammelkampagne in des ' ,Vereinigten Staaten bisher J 2DQ.09Q □o 11a r aufgebracht.