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Jüdische Rundschau · 1933-10-20 · Heft 84 (20.10.1933) · p. Seite 685

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 84 (20.10.1933)
Date
1933-10-20
Page
Seite 685 (sequence 17)
Language
German
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Beilage der ״Jüdisehen Schule“), äußerte ich, daß in dem Willen der deutschen Juden nach jüdischer Erziehung sich iiire erste aktive Antwort auf die umwälzenden Ereignisse in Deutschland ausdrücke. Dieser Wille, die Bildung des Heranwachsenden Geschlechts als den Brennpunkt aller jüdischen Gcgcnwartsaufg’aben anzusehen, hat : ich voll Monat zu Monat gesteigert. Immer sicherer und zielklarer wurde der Kreis derer, die den Gedanken der jüdischen Schule vorwärtstrieben. Gegner wurden erschüttert, Schwankende gefestigt, Laue mitgerissen. Man darf wohl sagen, daß die überwältigende Mehrheit der deutschen Juden sich ihrer Aufgabe und ihres Weges klar bewußt ist. Es hat sich hier etwas gezeigt, was im politischen Leben so oft sichtbar wird: daß die sogenannte Masse, sie, die man gern von oben herab als Mitläufer bezeichnet, i!t1 entscheidenden Augenblicke mit lebenssicherem Instinkt weiß, wohin sie gehört, während die sogenannten ״Führer“, in Doktrinen und Ideologien erstarrt, nichts als ihr Programm sehen und daher den ״Weg des Lebens“ verfehlen. Wenn heute die jüdische Schule noch nicht da ist, so deshalb, weil diese Führer über ihre Errichtung zu entscheiden hatten. Daß sic morgen und übermorgen da sein wird, daran zu zweifeln,!ließe einen Faktor nicht beachten, der noch wesentlicher ist als selbst der neue Erziehungswille der deutschen Juden: die Kinder! Die jüdische Jugend rebelliert! Ganz, zaghaft hat es begonnen, hier und dort, wo junge Menschen fühlten: das kann so nicht gehen — soll ich denn keine Heimat in der Schule haben, ausgeschlossen sein von der Gemeinschaft, mit der ich Tag für Tag viele Stunden räumlich verbunden bin? — Die so fühlten, waren nicht einmal die, denen Beleidigungen, K. änkuttgen und Zurücksetzungen aller Art das Leben verbitterten, sondern die vielen, die von sich sagen durften, daß ihnen unmittelbar kein Leid geschehe, daß Lehrer Wohlwollen, Mitschüler Verständnis ihnen gegenüber zeigten. Und dennoch — ja vielleicht gerade deshalb — fühlten sie ihre Absonderung, ihr NicJit-Dazugehören. Die nun haben zu rebellieren begonnen. Sie fordern von den Eltern: laßt uns heraus aus den Schulen! Wir wollen nicht als gedrückte, scheue, bemitleidete, wir wollen als stolze, freie, aufrechte Juden leben. Heute sind es Hunderte, die so fühlen und denken — vielleicht schon Tausende, morgen werden es Zchntausende sein. Sie werden Eltern, Gemeinden, Verbände zwingen, alle Kräfte mobil zu machen zur Schaffung jüdischer Bildungsmöglichkeiten. Das werden Schulen sein, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind: in den großen und mittleren Gemeinden. Das werden Ausbiklungsstätten für Handwerk und Gartenbau, das werden endlich S c h u 1 h c i in c sein, für deren Einrichtung ein dringendes Bedürfnis vorliegt, namentlich mit Rücksicht auf Kinder aus kleinen Orten und ländlichen Gemeinden, in denen keine Möglichkeit zur Errichtung einer ortseigenen jüdischen Schule vorhanden ist. Eine solche Fülle von täglich dringender werdenden Aufgaben in Angriff zu nehmen, übersteigt zurzeit vielleicht die Kräfte der Gemeinden. Sie werden das Aeußerstc tun müssen, um Ihrer Aufgabe der Schaffung von Schulen gerecht zu werden. Private Initiative muß hier ergänzend eingreifen. Daß es bereits geschieht, darüber belehrt ein Biick in den Inseratenteil der verbreitetsten jüdischen Zeitungen. Welche Aufgaben diesen privaten Unternehmungen gestellt sind, sei in folgendem an dem Programm des jüdischen I. andschul h citns in 11 e r r 1 i n g e n bei Ulm, dessen Leihing kh übernommen habe, dargestellt. Zunächst ein paar informatorische Bemerkungen, die deshalb von Bedeutung sind, weil sie ein ernstes Stück Geschichte unserer Tage wiederspiegeln. Das Landschulheim der Frau Anna E.tsinger in Herrlingen wurde im Jahre 1926 als eine höhere Schule weltlichen Charakters gegründet. Obwohl in den Jahren seines Bestehens ein überwiegender Prozentsatzjüdischer Schüler in dem Heim lebten, fand diese Tatsache keinerlei Ausdruck im Unterricht der Schule und im Leben der Gemeinsehalt. Leitung und der größere Teil der Schülerschaft entstammten den Kreisen des deutschen Judentums, die, weit entrückt jüdischem!.eben, in der Form, die Unterricht und Leben im Landschulheim fanden, den richtigen Ausdruck für ihre Erziehungsabsiehten erblickten. Daraus ergab sich nach der nationalsozialistischen Revohitio!1 die innere Unmöglichkeit der Weiterfüllrung des Landschnlhcims. Frau Essinger erkannte sofort, mit dem sicheren Instinkt des geborenen Erziehers, daß Lehr« und Leben nur auf Residierter geistiger Grundlage und in der inneren Freiheit des Entschlusses möglich sei und daß die bisherige Form des Landschulheims diese Voraussetzungen nicht mehr erfüllte und sic beschloß daher, ihr Heim nach England zu verlegen, weil sic — wieder mit sicherem pädagogischen Instinkt — das dringende Bedürfnis eines solchen Instituts im Ausland erkannte. Gleichzeitig sah sie aber auch ein, daß hier in Deutschlaut! nur solche Erziehungsstätten Berechtigung haben, die dem jüdischen Kind wieder festen Boden bereiten und eine stärkere und innigere Verwurzelung mit dem Judentum gewährleisten als dies bisher im jüdischen Erziehungswesen der Fall war. Von diesem Gedanken ausgehend, bot sie mir die Uebernähme ihres für die Verwirklichung meiner pädagogischen Absichten alle Voraussetzungen erfüllendes Besitztum unter Bedin- Rungen an, die eine gedeihliche Entwicklung des neuen jüdisehen Landschulheims in Herrlingen sichern. Die Aufgaben dieses Heimes habe ich, entsprechend meinen in veischiedenen Artikeln der ״Jüdischen Rundschau“ dargeleglen Ansichten, in dem Prospekt des Landschulheims wie lolgt formuliert: ״U Ilcimischmachung der Kinder im deutschen und jüdischen Kulluikrcise. 2, Ihre sprachliche Vorbereitung auf eine eventuelle Aus- Wanderung. 3. Vorbereitung auf handwerkliche, gärtnerische und hauswirtschaftliche Ausbildung im Rahmen der beruflichen Umschichtung der Juden. Der Verwirklichung dieser Aufgaben dienen: 0) Unlerwcisim״ der Kinder in den Fachern des allgemeinen Unterrichts. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß dieser Unterricht die Kinder mit den Kulturgütern des deutschen Volkes aufs innigste vertraut machen so 11, ft! dieser Hinsicht soll auch die Tradition des Landschulheims in der Pflege von Musik. Kumt und I.iteratm foitgcfiihrt werden. Andererseits soll dieser Teil der Erziehung und Bildung im weitesten Umfang ergänzt und durchdrungen werden von jüdischkultureller Bildung, der vor allem eine gründliehe Ausbildung in llc'brährh, jüdischer Geschichte und allgemeiner Judcntumsknnde dienen soll. Jüdische Bildung soll im T.indsrlnilhoim ihre Ergänzung und Erfüllung finden durch jüdisches Leben. Das Kind soll mir -dem jüdischen Kalender wieder vertraut werden. Sabbat, Feste, I!alhfcicrlage sollen nicht nur ' Gegen stand unterricht liehet Belelirung sein, sie sollen auch eine das (ädiihl und die Sinne der Kinder beeindruckende Gestaltung linden im Leben des Landschulheims. b) Die sprachliche Vorbereitung auf die Auswanderung wird durch den Unterricht im Englischen, Französischen und Xcu- Hebräischen erzielt. Sie soll ergänzt werden durch eine gründliche Ausbildung in I’ali sl makunde, sowie durch Belehrung über die Lage der Juden in den verschiedenen!.ändern der Will. c) Der Vorbereitung auf die leru fliehe U m s c h i c h - tung sollen Werkunterricht, landwirtschaftlicher und Hauswirtschaft- Hoher Unterricht dienen. Die Voraussetzungen für diese Ausbildung sind sehr günstig. Hin großer Wcrkrntim ist vorhanden, sowie Boden für Unterricht im Gartenbau. Eine Wirtschaft, 'die ca. 70 Personen zu versorgen hat, bietet die besten Möglichkeiten für hauswirtschaftliche Ausbildung.“ So bietet dos jüdische Landschulheim in Herrlingen die Möglichkeit, eine innere Konsolidierung des deutsches Judentntns vorzubereiten durch Erziehung jüdischer Persönlichkeiten, die, fest im Judentum verwurzelt, sich doch die Aufgeschlossenheit unserer Umwelt gegenüber bewahren, die unser Leben als ״Juden im deutschen Raum“ von uns fordert. Die nationalsozialistischen Bildungsziele Von Julius Stern, Der nette dculsche Staat, der mit strenger Folgerichtigkeit und straffer Energie den Neuaufbau in allen Teilen vollzieht, widmet sich mit gleicher Kraft der Formung eines von einheitlichen! Ziel streben geleiteten Er/ieluingswerkos. Es ist gerade für den in Deutschland lebenden Juden, der durch die Ereignisse der letzten Zeit — manchmal etwas unsanft — aus dem Traum der gleichberechtigten Eittglicderung in das deutsche Volkstum gerissen wurde, interessant lind wesentlich, ein Bild vom neuen deutschen Enichungsziel zu gewinnen; wesentlich vor allem deshalb, weil bisher der größte Teil der jüdischen Jugend in allgemeinen Unterrichtsansfalten herangehildct wird. Die Leitgedanken über die Erziehung, die die künftige Praxis in den deutschen Schulen bestimmen werden, sind niedergelegt im Schulprogramm der NSDAP. Unter Punkt 5 heißt es da: ,,Die deutsche Schule ist eine positiv christliche Gemeinschaftsschule.“ Als Ziel der deutschen Schule wird fm Punkt 6 genannt: ״Das Ziel der deutschen Schule in allen ihren Gattungen ist der ״Deutsche Mensch“. Das wird erreicht durch eine entsprechende Bildung des Clicirakters. Der Charakter ist in seinen Anlagen durch die Vererbung und durch die Wtifsmäßige, rassische Zusammensetzung von Geburt an festgelegt. Er ist aber entwicklungsfähig.* ״Quelle der Bildung wird "das deutsche Volkstum sein, dessen tatsächliche Geschichte, nämlich auf rassischer Grundlage, allerdings erst geschrieben werden!miß. Dann wird «1er Geschichtsunterricht der Mittelpunkt einer tatsächlichen Deutschkünde werden, [kiese Deutschkunde wird die deutsche Gcschichte nicht isoliert vor den deutschen Schüler Mnstellen, sondern sic wird hiniiberßreifeii in andere Kulturen und aus diesen vergleichend herausholen, was bedeutsam für das Deutschtum war und ist, und was uns Vorbild sein kann,“ Als Grundidee der Erziehung wird in Punkt 9 dieses Programmes das Christentum bezeichnet. Die Reden und Verlautbarungen der Kultusminister der einzelnen deutschen Länder, als der im wesentlichen verantwortlichen Träger der Erziehungsarbeit, ergeben eine sehr lebendige und klare Anschauung von dem Erziehungsziel der netten deutschen Schule. ״Unsere deutschen Schulen haben den Einzelnen für sielt erzogen und nicht für ein Volk. Hier liegt die entscheidende Wendung, die die deutsche Schule heute zu vollziehen hat. Sie hat sich auszurichten nach dem Geiste unseres großen feldgrauen Heeres und hat dafür zu sorgen, daß ein ganzes Volk in seiner Totalität auf diesen Gedanken hin erzogen wird, itmi daß jeder einzelne sich in seinen Lebensfuriktionen fühlt als ein Glied der großen deutschen Volksgemeinschaft. Es gibt nur ein Bildttngsziel auf weltanschaulichem Gebiete, das ist die Erziehung zu einem bewußten Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft.“ (Preußische I.ehrerzeitung vom 27. 6. 1933.) Mit diesen Worten umreißt der Preußische Kultusminister Rust bei der Einweihung; der Lauenburger Hochschule für Lehrerbildüng die Aufgabe des deutschen Lehrers, des ״SA-Fiihrers der deutschen Volksbildung“. Der Bayerische Kultusminister Scheram sagt in der Tagung des Nationalsozialistischen Lehrerbtmdcs in Leipzig am 8. 4. 1933: ״Das nationalsozialistische Ziel ist gestellt atif die Begriffe: Rasse, Wehr, Persönlichkeit und Religiosität.“ (Berliner Lehrerzeitung, Nr. 17, vom 27. 4. 1933.) Und bei der deutschen Erziehertagung in Magdeburg sagte er: Wir stellen bewußt das Wort Erzieher heraus und schreiben bewußt Volk und Gott, diese beiden Ganzheiten. Die irdische Ganzheit Volk, Blut, Rasse, Boden, Heimatleben und darübergeordnet die Ganzheit Gott. Das sind die Inbegriffe unserer Arbeit als Erzieher.“ (Berliner Lehrerzeitung, Nr. 22, vom 1. 6. 1933.) Diese Erziehung־ zum Volks verbundenen Deutschen soll fn allen Teilern der Schularbeit geleistet werden; besondere Bedeutung für diese Aufgabe kommt aber dem Deutsch- und Geschichtsunterricht, den ״Gesinnungsfächem“, zu. Es ist auch nicht Zufall, daß die ersten pädagogischen Riehtlinien, die veröffentlicht wurden, den G e s ch ich tst! n t e rrieht betreffen. Diese Richtlinien beweisen, in welchem Umfang die Grundgedanken des Schulprogramms der NSDAP bestimmend sied, Der rassische, völkische, volks bürgerliche und heldische Gedanke werden nach diesen Leitgedanken richtunggebend im Geschichtsunterricht in allen deutschen Schulen sein. Der Badische Kultusminister verlangt in einer Rundfunkrede, daß Geschichte und Erdkunde zur ״Deutschkünde“ ziisarnmengcfaßt werden. Eine solche Zusammenfassung ״wird es ermöglichen, daß auch am Beispiel großer deutscher Männer sich der Typus unserer Zeit formt.“ (Beriiner I.ehrerzeitung, Nr. 19, vom 1 1. 5. 1933.) Der Preußische Kultusminister kündigt bei seiner schon zitierten Ansprache anläßlich der Eröffnung der lamlgebundenen Hochschule für Lehrerbildung in Laucnburg ganz neue Lehrfächer für diese Hochschulen an: ״Volkskunde, Wehrgeograpltie, Grenzlandkttnde, Rassenkunde, das sind die Fäeltcr, die schon stofflich den Lehrer und damit den Erzieher und Bilder einer deutschen Jugend von Grund auf ganz anders gestaltet, als er bislang gestaltet worden ist.“ Wir ersehen hier, wie sich ein ganz nettes Bild der deutschen Schule formt, das weder dem früheren der. ״Lertisehule“ noch dem neueren der ,,Arbeitsschule“ völlig entspricht, fn dieser neuen deutschen Schule, die die politische I•rziebung in den Vordergrund stellt, wird auf die Gharakfcr Bildung des jungen deutschen .Menschen stärkster Wert gelegt. ״Der völkische Staat muß dabei von der Voraussetzunjj ausgehen, daß ein zwar wissenschaftlich wenig gebildeter, alter körperlich gesunder Mensch mit gutem, festem Charakter, erfüllt von Entschlußfreudigkeit und Wü- Icnskrnlt für die Volksgemeinschaft wertvoller ist als ein geistreicher Schwächling.“ (Hitler.) Aehnliches kommt wohl auch in dem Ausspruch des Preußischen Kultusministers zum Ausdruck, wenn er sagt: ,,Ich lasse keinen Zweifel darüber, daß wir eine Art Sparliatentutn großziehett müssen und daß diejenigen, die nicht bereit sind, in diese Spartiatengemeinschalt einzutreten, darauf verzichten müssen, jemals Staatsbtirger zu werden.“ (a. a. O.) Um etwaigen Mißverständnissen von vornherein vorznbeugen, sei ausdrücklich darauf hingewiesen: Wir fühlen uns in keiner Weise legitimiert, wertend zu diesen Lrziehungszielen und den sich daraus ergebenden didaktischen Fragen Stellung zu nehmen. Wir verlangen auch selbstverständlich nicht, daß bei der Aufstellung von Erziehungszielen für das deutsche Volk auf unsere Besonderheiten Rücksicht genommen wird. Wir haben stets freimütig anerkannt, daß mir die Anschauungen des deutschen Staates das Erziehungsbild des deutschen Menschen bestimmen könne-it. Wir müssen als jüdische Erzieher aber auf die Konsequenzen hinweisen, die sich hieraus für die Erziehung der jüdischen Jugendliehen ergeben müssen. Die beiden Pfeiler, Christentum und deutsches Volkstum, auf denen die neue deutsche Schule ruht, und von denen sie in ihrer ganzen Arbeit beherrscht wird, können für den jüdischen Jugendlichen nicht in gleichem Maße wie für den nicht jüdischen Deutschen Grundlagen der Bildung sein. Als Bekenner der jüdischen Religionsgemeinschaft kann cs uns nicht gleichgültig sein, wenn G r u n d i d e c der Erziehung auch für unsere Jugendlichen das Christentum ist. Es müssen sich für die Entwicklung des jüdischen Kindes naturmtwendig Spannungen ergeben, die in der Verschiedenheit der beiden Reiigionssysteme begründet sind. Wenn wir auch die Kenntnis anderer Religionen und ein Verständnis für diese bejahen, so können wir aber nicht wünschen, daß andere religiöse Anschauungen Grundlagen für die Bildung unserer Jugend sein sollen. Als bewußte Juden, die wir auch, in der jüdischen Religion ein wesentliches BildungsHenirnt für den jungen Juden erblicken, verstellen wir völlig den Wert, den der christliche Staat der christlichen Religion als Grundidee der Erziehung beimißt, Nationnljuden insbesondere, die die Bedeutung der Volksverbundenheit erkannt haben, wissen auch die Motive zu würdigen, die den nationalen Staat bewegen, deutsches Volkstum ist den Vordergrund der Erziehung zu nickten. Um die Wirkung dieser Er/.ichimgskomponcnte auf den jüdisehen Jugendlichen in der Staatsschule richtig zu werten, müssen wir uns die tatsächliche und rechtlich׳.' Stellung des Juden im netten deutschen Staat vor Augen halten. Für den Juden in Deutschland, der nach Reitender Staatsauftassuu» kein Glied des deuts.hen Volkstums ist, der rassentuul blutmäßig vom Arier unterschieden wird, kann die Erziehung zum deutschen Volkstum nicht unproblematisch sein. Die Rassenkunde, die in deutschen Schulen von jetzt ab einen breiten Rannt einnehmen wird, wird die Bedeutung der nordischen Rassen für die Entwicklung der Menschheit in den Vordergrund der Betrachtungen stellen. Dieser Unterrieht wird in dem niehtarischen Kinde Wirkungen auslösen, die auch der pädagogisch geschickteste Lehrer kaum wird verhindern können. Im jüdischen Jugendlichen werden sich im Zusammenwirken mit sonstigen Erfahrungen Gefühle anhäufen, die für eine gesunde, geradlinige Entwicklung nur hemmend sein können. Minderwcrfigkcitskouiplevc, Trotzein- Stellung tittcl andere seelische Verbiegungen werden den Lebensweg des jüdischen Kindes bestimmen und ungünstig beeinflussen. Es r»1uß auch offen gesagt werden, daß sich in anderen Unterrirhisfächcrn die jüdische Auffassung nicht immer mit der allgemeinen decken wird. Hingcwiescn sei hier nur auf den heldischen Gedanken in seiner germanischen Ausnrägung, der nach den Richtlinien für den Geschichtsunterricht für dieses Fach auf allen Stufen bestimmend sein muß. Jüdisches Heldentum hat «ine andere Prägung, ohne daß mit der Betonung der Verschiedenheit eine Wertung verbunden sein soll. Der deutschvölkisehe Mensch, d־׳r die Eigenart des deutschen Volkstums bcja.Irt, wird auch für andere Geineinschäften besonderes Verständnis haben. Wird das jüdische Kind in der nichtjüdischeti Schule beispielsweise mit dieser heldischen Auffassung germanischer Prägung bekannt gemacht und lernt früher oder später die jüdische Auffassung kennen, so entstellen Konflikte in dem Jugendlichen״ deren Auswirkling nicht immer erwünscht sind. Werden dagegen in der jüdischen Schule die jüdischen Kinder in gleicher Weise mit beiden Auffassungen vertraut gemacht, so lassen sich fast immer unerwünschte Wirkungen vermeiden. An diesem einen Beispiel wird schon deutlich, daß die Erziehung des jüdischen Kindes in der jüdischen Umgebung die Gefahren vermeidet, die für seine Entwicklung in der allgemeinen Schule vorliegen, daß aber andererseits hier allen Forderungen des Staates in vollem Umfange entsprochen werden kann und daß dennoch ein gedeihliches Wachstum des jungen Menschen 1n allgemeiner und jüdischer Hinsicht garantiert ist. Unsere besondere Aufmerksamkeit verdient auch noch die charakterliche E r z i c h u n g, der jetzt noch weitgehende re Beachtung als bisher geschenkt werden soll. Gerade dieser Zweig der Erziehung, der die Formung des Willens- und Gefühlslebens bezweckt״ wird ati Imponderabilien,

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