Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 84 (20.10.1933)
- Date
- 1933-10-20
- Page
- Seite 675 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653807--24238-2687177- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1933 Nr. 84, 20. X. 1933 jüdische RUNßscHAU Seite 673 istina Palästina;haftlicr.(! Vorder- 1 Organi- )twendi-״ ו einer :rem obirtschalt• Mehrung formnlioii 311 durch r veva m• cn. Nachurch das e n xi n d jetzt die ieriiii cn Wirt•;ion wir:! o gerich• anen von gen ״Zentrale : an, <1: 5 irtscha't“ stinc" ice zur lustrlel• rbeiter- ׳ung in Hit aelic C«mc 1• a f t s• agen ans londcnzcn ו W 15, inzung sgedehute und von ir in I\a• ׳kauls an griuideics en Juden, 1 Erwerb mgen m. icrnehmen an der :Seilschaft, e Gesell- 1 Grunderwerben, zer ihrer tngen hin n Namen in diesem rechenden ammission Pflanzung;egrenzien r verteilt, ielt wird, en Eigen■ lie Rechte (Kuschan) tun an! der Menajoth) n Dunam ׳e Käufer :rtrag der >ro 1 1)11- •iclitunpen!aus usw. von Fach- In Abzug 1׳ a- A m t, itr. 10. wi\v fand verschiedes Land-! Merkas es starken 11 Kolot eine linier rung von 1 späteren 1 Arbeiter Erschuftemien veraften Ha- : gemein- Iranslach En!:■ deren Hi- : Früchte 1 geerntet portsaisori Palästina kommengerechnet ier Jahren l auf ׳-'er Musik und Literatur Die ״Dreigroschenoper" bei ״Ohel" T el-Awiw, Ende September 1933. Solange es den palästinensischen Bühnen nicht gelungen ist, die Dramatiker zu finden, die unsere Probleme für ihre Bühnenstoffe auswerten, soll es uns recht sein, wenn wir die interessantesten Werke der dramatischen Weltliteratur in hebräischer Sprache auf den Brettern Tel-Awiws, Haifas, Jerusalems und der Kolonien ru sehen bekommen. Aber auch wenn das Ziel erreicht ist, daß wir im Lande über erstrangige jüdische Bühnenautoren verfügen,. wollen wir nicht den Fehler begehen, uns selbst von dem Uenuß von Werken anderer Kulturpreise auszuschliefkn. Die Ankündigung der ״Dreigroschenoper des Bert Brecht“ rief in Palästina gleichermaßen Erwartung wie stärkste Skepsis für das Gelingen dieses Experimentes hervor. Um es vorweg zu nehmen: die Aufführung des ״öhel“ kann einen Wendepunkt zum Guten für das ganze alästinensische Theater bedeuten, wenn man auch in Zuunft den Mirt zeigt, so wie man es hier getan hat, eine Tradition über Bord zu werfen, die man wahrhaftig nicht als die jüdische Theaterkunst ausgeben sollte. Die Uebcrsetzung des Brecht sehen Manuskriptes besorgte A. Schlonslsi mit einem solchen Feingefühl für die Mögliebkeifen der hebräischen Sprache, in die das Manuskript gebracht wurde, mit einem hundertprozentigen Verständnis für die deutsche Sprache, aus der das Manuskript übersetzt wurde, mit so gutem Erfassen des Milieus, in dem die ,,Dreigroschenoper“ spielt, daß jedes Lob für diese Arbeit zu gering wäre. Insbesondere die Chansons, fiir die, wie man weiß Brecht zum Teil Vorwürfe Francois Villons und Rudyard Kiplings benutzte, treffen auf das genaueste den Rhythmus der Sprache Brechts und der Musik Kurt W e i 11 s. Allzu derbe Strophen hat Schlouski in eine neue Form gebracht in dem richtigen Empfinden, daß der hebräischen Sprache Grenzen für die allzu große Freiheit des Ausdrucks gesetzt sind. Gcnia Berger, eine Jaeckcl-Schiiierin, zeichnet für das Bühnenbild. Man lernt in ihr rin Talent von atißcrordentliehen Graden kennen, und es ist zu hoffen, daß ihre einfachen, aber um so eindrucksvolleren Bilder, die man mit großer Begeisterung aufnahm, für das palästinensische Theater auch in Zukunft richtunggebend sein werden und man von dem bisher häufig üblichen, etwas bombastischen (und sehr kostspieligen) Stil abkoinmt. Das Nichtvorhanderis ein einer Drehbühne bereitet Genia Berger keine Schwierigkeiten, sie schafft bezaubernde Bilder, die mit einem Handgriff für die nächste Szenerie verwandelt werden. Ihre Bettlerpuppen in dem Kontor von Peachum & Co. wird man nicht vergesen. Regisseur ist Alfred Wolf, der sich früher in Süddeutschland mit ein paar Inszenierungen einen Namen geschaffen hatte. Die ״Dreigroschenoper“ ist einer der schwersten Prüfsteine für einen Regisseur. Dieses Gebilde, das Brecht nach, dem Muster der über 2(» Jahre alten ״Beggars Opera“ des John Gay bearbeitet hat, stellt einerseits den Urtypus der Oper dar, indem es die Elemente des Dramas und der Oper in sich vereinigt, andererseits wird es zur komischsten Opernparodie, die man je sah. Eine klare Linie herauszuarbeiten, wo der Ernst anfängt und die Parodie aufhört, wo die Oper beginnt und das Drama endet, das ist die Aufgabe des Regisseurs, und man sah sie wohl selten in einer der bisherigen Aufführungen so eindeutig gezeichnet wie in der Inszenierung Wolfs. Er verzichtet auf einige erprobte Wirkungen, z. B. auf das Henkersmahl des Mackie Messer vor seiner Hinrichtung, auf Formierung des Bettlerzuges und andere LMnge und greift dafür teilweise auf den Urtext der ״Beggars Opera“ zurück. Er setzt den Ansager wieder in seine Rechte ein. Mit der Gestaltung der Chansons kann man sich nicht ganz einverstanden erklären. Ich glaube, daß ein Chanson immer aus der Ruhe kommen muß und nicht aus der Bewegung. Das Chanson ist auf das Wort gestellt, und das Wort hat seine Wirkung zu tun. Freilich ist für den palästinensischen Schauspieler das Chanson eine bisher unerprobte Angelegenheit, und es scheint, daß Wolf die Unmöglichkeit cinsah, das Fluidum, das vom Cliansonsänger ausgehen muß, bei den Ohe!-Schauspie!ern zu erreichen und er daher eine Unterstreichung durch die Geste gestattete. Die Besetzung des Musikkörpers war insofern nicht zureichend, als der Dirigent offenbar nicht erfaßte, worum es Kurt Weiß mit seiner Musik ging. Die Stärke Weills liegt gerade darin, daß er seine Musik dem Stiigemisch des Manuskriptes ganz bewußt an paßte. Die Drehorgchnusik einer Moritat ist bei ihm ebenso vertreten, wie die große Opernarie, oder die Parodie auf den Opernchor. Dal* das Ganze eine Jazzmusik darstellt, bedeutet für ein ungeübtes Orchester eher eine Erschwerung, an der es scheitern muß, wenn ihm der Dirigent fehlt, der das letzte aus dem Klangkörper herauszuholen versteht. Wenn hier gesagt wurde, daß diese Inszenierung für das palästinensische Theater von höchster Bedeutung sein könnte, so deshalb, weil man hier zum erstenmal auf der dramatischea Bühne Erez Israels den Mut hat, einen Stil anzustreben, der von der viereckigen Exzentrik eines nicht riehtig verstandenen Expressionismus weit entfernt ist. Es ist zu hoffen, daß der riesige Erfolg, den ״Ohe!“ mit dieser Aufführung im ganzen Lande erzielte, für die Zukunft die Wirkung lat daß man diesen Weg weitergeht. Wolf hat aus den Ohel-Leuten Schauspieler gemacht, in denen man beim besten Wißen die Darsteller des ״Nachtasyl“ und des ״Rachei und Jakob“ nicht wiedererkennen kann. Freilich erweist sich bei dieser Gelegenheit, daß kaum einer von ihnen über das Mittelmaß eines Provinztheaters hinausreicht. Zum Teil muflte man sich mit Verlegenheitsbesetzungen begütigen, einfach weil es an Menschen material fehlte. Bei dem Darsteller des Mackie Messer vermißt man leider jenen Charme, mit dem dieser große Gauner die Frauenherzen immer wieder einfängt. — Die Jenny in dieser Inszenierung läßt sehr viel grünes Strumpfband sehen und ist auch sonst etwas grob gezeichnet. — Interessant ist der Peaehuin, der Bettlerkönig, leidender Vater, duldender Gatte in einer Person ist und nebenbei ein pedantischer Buchhalten und Erpresser. Für das Chanson fehlt ihm das Organ. — polly und Lude tun ihr Bestes und haben auch hier den entsprechendem Erfolg» wenn sie sich iit die Haare geraten. — Der Darsteller des Polizeioberhaiiptes Brown verfügt über einen manchmal etwas zu stark gebrauchten Baß und legt seine Arie vom ״reitenden Boten“ mit viel Verve hin. — Aus der Reihe von Mackies Bande fällt ein kleiner schmächtiger Schauspieler mit roter Perücke besonders auf, der das stärkste Talent des Ensembles zu sein scheint. Besonders gerühmt sei das hervorragende Funktionieren des technischen Apparates mit den Filmprojektionen, mit der Bewältigung der Versatzstücke und den vielen tausend ׳ Kleinigkeiten, mit denen eine unsichtbare Hand zum Gelingen einer Aufführung wesentlich beiträgt, Manfred Gels, Konzerte jüdischer Musik Prograntmvorschläge von Joachim S t u t sc 11 c w s ky, Wien. Verfolgt man die Programme jüdischer Veranstaltungen in Deutschland, so nimmt man mit tiefer Beküinmerung wahr, daß die jüdischen und auch zionistischen Kreise gegenüber der Existenz einer jüdischen Musik sich gänzlich gleichgültig und desinteressiert verhalten. Die Vorstellung des Jüdischen in der Musik ist noch immer an den Namen Mendelssohn geknüpft — sein Genie bleib« unangelastet — und damit glaubt man Genüge getan zu halten. Daß aber inzwischen eine ganze Kunstgattung, eine lebensfähige jtidische Musik entstanden ist, scheint man nicht zu wissen oder nicht wissen zu wollen. (Die ״Jüd. Rundschau“ hat über «lie vorhandene jüdische Musik ständig in der unter Leitung von Alice Jacob-Locwensoii, der unermüdliehen Vorkämpferin jüdischer Musik, stehenden Musikbeilage fortlaufend ausführlich berichtet. — A. d. R.) So veranstaltct der Kulturbund Rhein-Ruhr eine Konzerttournee mit dem Cellisten Feuermann und Pianisten Steinberg. Die jüdische Musik ist durch eine Sonate von Mendelssohn vertreten. Feuermann ist einer unserer begabtesten inia vielseitigsten Künstler mit einem ungewöhnlich umfangreichen Rcperloir, darunter auch die Rhansodie ״Schelomo“ und ״Baal Schern“ von Bloch. Warum spielt er nicht eines dieser Werke? Ist es schon bedauerlich genug, daß die Künstler selbst keine Werke jüdischer Musik auf ihr Programm setzen, so ist es erst recht die Aufgabe der verantwortlichen Stellen des Kulturbundes, die Einbeziehung der jüdischen Musikliteratur zu verlangen. Nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Voraus- Setzungen im Judentum von heute erfordern eine intensive Wandlung und Umstellung, sondern auch die geistigen und künstlerischen. Wäre es nicht Pflicht der jüdischen Vereine, sowie des Kulturbundes, sich für die jüdische Musik einzusetzen? Im folgenden gehe ich eine Auslese der Werke, die zur Aufführung bei jüdischen Veranstaltung-en und Konzerten besonders geeignet sind. 1. Symphonische Werke: Ernest Block: 1״srae!“ Symphonie mit Sopran-, Alt-, Baß-Solo und Frauenchor; ״Schdomo“, Rhapsodie für Orchester und Cello; 3״ Psalmen“, Orchester und eine Singstimme. Alex. Kr ein: ״l.Svmphonie“; ״Kaddisch“, Svmph. Kantate für Tenorsolo, Chor und Orchester. Alex. Weprik: ״Lieder und Tänze des Ghetto“, für Orchester. Mich. Gnessin: ״Jüdisches Orehester aut dem Ball beim Bürgermeister“. I. Brandmann: ״Hechaluz“, Symphonisches Poem für großes Otchesier. 2. Kammermusik: Mich. Lew in: ״Elegie“, für Streichquartett und Klavier. Alex. Krein: ״Esquisses Hebraiques“ Op. 11 und Op. 13, Klarinette und Streichquartett. Joel Engel: Suite aus der Musik zu ״Hadibuk“, Streichqunrtett, Klarinette und Schlagwerk. S. Rosowsky: Phantastischer Tanz für Violine, Cello und Klarier. M. Gnessin: Variationen über ein Volksthema, Streichquartett. I. Achron: Kindersuite für Klarinette, Klavier und Streichquartett. M. Stillman: Phantasie über chassidische Themen für Klarinette, Streichquartett und Klavier. I. Brandmann: Variationen über ein palästinensisches Tanzlied, Streichquartett oder Streichorchester. 3. Violine und Klavier: Paul Kirmann: ״Chanson Palestinienne“, ״Clant du Jemen“, ״Chant des Sephardim“, ״Danse galicienne“. Ernest Bloch: ״Bai Schern“. 1. Ach ron: Hebräische Melodie, Hebräischer Tanz, Suite Stempenju, Violinkonzert. Alex. Krein: Op. 21, Caprice hehraique, Op. 41, Air. Ferner freie Bearbeitungen von Volksliedern und Volkstänzen von Engel, Gnessin, Ssaminsky und Rosowsky. 4. Violoncell und Klavier: L. Zeitlin: ״Eli Zion“. M. Gnessin: Schirat abbir noded. EL Bloch: Meditation, Prayer, Supplication, Jewish Song. 1. Ach ron: ״Scher“ (Tanz). J. S tut s c h e w s k y: Eli, Eli . . . M’chol Kedem, Dweikuth. 5. Klaviermusik: I. Ach ron: ״Traum“, ״Begnifiung“. S. Rosowsky: ״Poem“, , Badchan“. M. Mill- ח er: ״Agada“, ״Baim Rehben’n zu Miave-Malke“. H. Koptt: ״Freilachs“. Alex. Krein: Sonate, 3 kleine Stücke, Alex. Weprik: 2. Sonate, Danse. 3 Volkstänze. J. Wolf- John: Paraphrasen, ,,Jüdische Rhapsodie“ (letztere mich mit Orch,). J. Stutschcwsky: 4 jüdische Tanzstücke, Rilcluid (Tanzstück), Palästinensische Skizzen, Bagatellen. 6. Oesamrsli teratur: I. Acliron: Op. 52, Zu Dir führt mein Wandern, Canzonetta. •M. Millner: Wiegenlied, Der Vogel, ftn Chcjder. J. Engel: Der goldene Pfau. Mi. Gnessin: Op. 33, Aus dem Hohen Liede, Op. 35, 5 hebräische Lieder. Alex. Krein: Op. 29, 2 hebräische Lieder, Op. 31, Ohasellen und Lieder, Op. 42, Ornamente (ohne Text). Alex. Weprik: 2 jiddische Lieder. I. Brandmann: 2!Jeder zu Texten von Bialik. Fast sämtliche Werke sind durch die Universal Edition in Wien und die Berliner Auslieferungsstelle zu beziehen. Erstes Konzert des Kulturbundes Deutscher Jaden Dieses erste Konzert des Kulturbundes war ein großer lind ergreifender Anfang. Menschlich gesehen: ein neuer Beweis für Beharrungs-Willen und -vermögen der Juden. Kirnstkrisch gesehen: ein Beweis für jüdischen Wahrheitsfannfismtis in geistigen Dingen. — Sicher werden viele Hörer ahniiches empfunden haben. Unser Dank gilt vor allem Michael Taube. In kürzester Zeit die einzelnen Musiker aneinander zu binden, diktatorisch ihren virtuosenhaften Isolierongsdrang zu brechen, in mühseligster Kleinarbeit ihnen e i n gültiges Gestaltungsbild aufzmzwingen, das vermochte nur ein uneitler, selbstloser, von heiligem Eifer erfüllter Mensch, wie er es ist, — ein Dirigent, der in Fachkreisen schon lange als einer der Besten unserer Zeit gilt. Er hat die Voraussetzung gen für die künstlerische Fortentwicklung des Orchesters geschaffen. Das Spiel des Streichquinrtertts ist nobel, warm, klar; unter den Bläsern machen jedoch die jugendlichen Hornisten noch einige Ungeschicklichkeiten. — Das Konzert wurde eingeleitet mit dem D־moll Concerto grosso des Weltbürgers Händel, Zu welchem Leben entstand da dieses saftige, daseinsfrohe Werk, das vor 13 Jahren von dem Musikhistoriker Rolland ״abstrakt ■und zerhackt“ genannt wurde. Wunderbare Artikulation, Klangfülle und Durc'nsichtlgkeit! Kunstwissenschaftlich interessierte Hörer konnten durch einzelne aufleuchtende, in diesem hoclibarocken Concerto sich wunderlich ausnehmende Madrigalharmonien besonders gefesselt werden (im 1212 ״. bis 21., nach dem 49. Takt des Air; bei dem, zuerst im 5. Takt auftauchenden, später noch oft erscheinenden Baßthema des letzten Allegros). Den größten Erfolg des Abends hatte die erregend« Tschaikowsky-Serenadc, vor allem der Walzer, den man sich vornehmer, süßer, ko- Retter musiziert nicht vorstellen könnte. — Solisten waren jefnmal Stefan Frcnkel mit dem D-dur-Violinkonzert von Mozart, ein anderes Mal Boris Schwarz mit dem A-dur- Konzert. Frcnkel spielte den ersten Satz, dessen Kadenz nicht nach dem Geschmack des Komponisten gewesen wäre, merkwürdig virtuos, ohne liebevoll mit den Passagen und Fioriitireri umzugehen, den mittleren und letzten Satz dagegen richtiger gefühlt, mit schönem, biegsamen! Ton. Boris Schwarz ging es ähnlich wie Frcnkel; erst im Adagio wurde er gesainmelter und vermied einen, anfangs auffallenden, etwas zu groben, schrillen Bogenansatz; sein Strich wurde nun groß und aufrichtig. — Trotz dem großen Beifall muß gesagt werden, daß Frcnkel und Schwarz, beide ernsthafte und verdienstvolle Geiger, nicht die geeigneten Mozartinterpreten sind; ihnen gebühren andere Aufgaben, Sie lassen das für Mozart notwendige tänzerische Vibrieren und vor allem diese österreichisch-wienerische ״Glückseligkeit“ vermissen, die Taube mit dem begleitenden Orchester oft genug streifen konnte. Hans Nathan. Jüdischer Knllur-Aufbau Aleinhart Main, der zurzeit eine ln- und Auslands-Rezitations-Tournee vorbereitet, hat mit seinem Programm ״Das wahre Gesicht des Judentums im Spiegel seiner Dichtung und seiner Gedanken‘׳ den Weg des jüdisch-kulturellen Aufbaus beschritten. Sein Programm erfährt einen weiteren wesentlichen Ausbau durch Rezitationen aus der Bibel und aus den Dichtungen Bialiks in hebräischer Sprac h e, sowie durch besonders aktuell nnmutende Teile aus den Werken Theodor l ler/is und Max Nordaus, Ueber die von ihm bei seiner künstlerischen Arbeit verfolgten Ziele äußert sich Meinhart Maur folgendermaßen: ״Es gilt im besonderen Maße, eine seelische Erneuerung iin Judentum durclv »führen und aus den reinen unverfälschteil Quellen neue Widerstandskraft zu schöpfen. Es muß aller Weit, Freund und Feind, vor größter ('.)Öffentlichkeit gezeigt ■werden, was das Judentum in Wahrheit und Wirklichkeit irt. Ls muß verkündet und in die Hirne gehämmert werden, wie die größten Geister der Menschheit »her das Judentum, über seine geistigen uml kulturellen Werte für die Menschheit, über das Buch der Menschheit, über das Buch der Bücher, die Bibel, gedacht haben. Fs muß gesagt werden, daß die größten Schöpfungen eines Michelangelo, eines Rembrandt, 1-incs Tizian, eines Leonardo da Vinci, eines Rubens, eines Dürer, eines Hol he in usw. von dieser Bibel der Juden inspiriert worden sind, daß alle diese Werke, diese un verging - liehen Mcisterschöpfungen der Malerei und Skulptur ihr Entstehen dem Judentum verdanken; daß Goethe, der größte deutsche Dichter, sich zum Prolog i!n Himmel, zu seinem größten Werk, zum Faust, von der Bibel, vom Buch Hiob, inspirieren ließ. Es gilt, dem jüdischen Geist wieder Achtung zu verschaffen.“ Lachower fünfzig Jahre Der hebräische Kritiker, Essayist und Literarhistoriker Fischei Lachower wird dieser Tage fünfzig Jahre alt. In Polen geboren und aufgewachsen, hat er den geistige® Werdegang des hebräischen Intellektuellen um die Jahr• hundertwende durchgemacht, d. h. jüdisches Wissen von Kindesbeinen auf als Naturelement aufgenommen und za dieser klassische® Grundlage die neuzeitliche europäische Bildung hinzuerworben — was, wie man ohne Dünkel sagen kann, die beste Gewähr für einen sauberen Gebrauch der journalistischen Gaben bietet und den Träger solchen Erbes ohne Einschränkung zur Wissenschaft legitimiert und qualifiziert. Lachower hat fast gleichzeitig als Verleger, Redakteur und Schriftsteller begonnen, wobei er andere gefördert und betreut hat, als er selber noch auf literarischem Gebiet die ersten Schritte machte. Anerkennenswert bleibt es, daß er als ganz junger Mensch schon den richtigen Blick hatte für das, was echte Dichtung und echte Geistigkeit ist. I!n Rahmen des Stybel-Verlagcs, den er spater jahrelang geleitet hat, konnte er vor allem durch die Quart,3!s bände der ״Hutekuta“, die er fast allein redigierte, der hebräischen Literatur auf ihrer letzten von uns beobachteten Wanderung — nach der Zerstörung des großen östlichen Zentrums — ein Stück Heimat und Wirkungsstätte schaffen; bezeichnend, daß dieses inzwischen eingestellte periodische Organ laufend neue Auf• lagen der vorhandenen Bände erlebt. Seit längerem in Palästina ansässig, gehört Lachower zu den Herausgebern der Zeitschrift ,,Mosnajirn“. Hier und anderswo verstreut sind seine Essays erschienen, von denen er auch eine erste Sammlung, in Buchform, herausgelraelit hat. Sein Lehenswerk ist die noch im Erscheinen begriffene, aber bereits his an die Schwelle der Gegenwart (geführte Geschichte der neuhebraischeti Literatur, ein grofhngelcgtcs Handbuch für Schule und Selbststudium, aber auch ein Lesebuch für den gebildeten Laien, der hier außerdem charakteristische Proben der behandelten Dichtungen findet. Besonderes Augenmerk hat Lachower auf die Zuverlässigkeit der biographische» Daten gewendel, ein Gebiet, das vordem ziemlich im argen gelegen hat. Sowohl als Journalist wie als Literarhistoriker ist er durchaus ursprünglich, er gebt nicht vom europäischen Feuilleton aus und arbeitet nicht nach irgendeinem ״westliehen“ Schema. Zu wünschen wäre, daß er einmal auch das veröffentlicht, was er auf dein Gebiete der Wissenschaft vom alten Judentum untersucht und erforscht hat. Emanuel bin Gorion. Breslau. Konzert jüdischer Künstler. Das zweite Konzert jüdischer Künstler erfreute sich eines sehr starken Besuches. Um die mindestens ebenso wichtige, qualitativ hohe Bedeutung bemüht sich mit Erfolg Hans Baron. Er hat in der Person des bekannten Berliner Pianisten Georg Bertram für die stärkste Anziehungskraft gesorgt. An einein geeigneteren Instrument als es der vorhandene Fiiigel war, hätte Bertram manche Passagen gewiß nicht, so verwischt zum Vorschein gebracht; aber an den Ivriscli verträumten Stellen in Schumanns ״Carneval“ und hei Chopin zeigte er die ganze Delikatesse seiner hochkultivierten IClavierkunst, die <r im Türkischen Marsch von Mozart zur besten Geltung brachte. Susanne Stein, noch vor wenigen Monaten Mitglied des Stadttheaters, ließ ihre gepflegte Altstimme Liedern von Schubert und Brahms zugute kommen, doch den Vortrag hätte zuweilen eine noch belebtere Charakteristik fördern sollen. Den reinsten Genuß bot der Violoncellist Jascha Bernstein mit der fein geschliffenen Wiedergabe alter und neuer Miniaturen. Frau Schoeps-Rogosinski war die zuverlässige Klavierbegleiterin. Dr. P. R. Der hebräischen Uraufführung von Rigoletto in der Oper von T el-Awiw wohnte Kaiserin Ouizero Menen von Abessinien in Begleitung des aliessinischen Außenministers bei. Anläßlich des Besuches der aliessinischen Kaiserin stattete der abcssini&che Außenminister dem Bürgermeister Dizengoff einen Besuch ab.