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Jüdische Rundschau · 1933-10-04 · Heft 79-80 (4.10.1933) · p. Seite 619

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 79-80 (4.10.1933)
Date
1933-10-04
Page
Seite 619 (sequence 11)
Language
German
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f Nr. 79m 4. X. 1933 _JPDiSCHE RUNDSCHAU_ Seite 617 Palästina-Wirtschaft ״Das Steuerwesen Palästinas“ ftesprechant de* neeen Bache* von Dr. A. Granowiky־ Das Buch (in hebräischer, englischer und deutscher Sprache herausgegeben vom Wirtschaftsdepartment der Jewish Agency in Jerusalem), das eine methodische und umfassende Untersuchung des Gesamtkomplexes der Steuerfragen Pallstinas darstellt, ist auf diesem Gebiete eine Pionierarbeit, und die Tatsache seiner Aktualität ist mit ein Zeichen des wirtschaftlichen Fortschrittes, den das Land nach einer jahrhundertelangen Periode der Vernachlässigung und Ausbeutung und vollständigen wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit im Verlauf von nicht ganz anderthalb Jahrzehnten erreicht hat. Die Steuerprobleme Palästinas bedeuten eigentlich zum guten Teil nichts mehr als ein Ringen mit der türkischen Erbschaft, die die englische Verwaltung auf diesem Oebiete übernommen hat Die Aufgabe, das Land unter Anpassung «n die treibe«• den Kräfte einer raschen Entwicklung auf den Weg eines modernen Steuerwesens zu bringen, wird nicht nur durch wirtschaftlich-objektive, sondern auch rein politische Momente beeinflußt, die auf sie eine vielfach retardierende und komplizierende Wirkung ausüben. Und trotzdem muß man sagen, daß England, wenn man einen Augenblick lang von seiner Mandatsaulgabe, dank weleher ihm das Land zur Verwaltung übertragen wurde, ahsehen will, verwaltungspolitisch hier vom Glück begünstigt ist. Man braucht nur 7.11m Vergleich die Schwierigkeiten 11eranzuziehen, die Frankreich mit seinem Syrienmandat hatte und noch hat, einem geschichtlich und national verwandten Gebiet, um das zu erkennen. Dieses Glück besteht in der Prosperität, die über das Land und damit über die Verwaltung selbst infolge der jüdischen Aufbauarbeit gekommen ist und die einen Strom von Geld, von Gewinn und Verdienst für die Bevölkerung des Landes und von Einkünften für die Staatskasse gebracht hat und in steigendem Maße noch bringt. Dieser Segensstrom verdeckt alles, lindert und mäßigt alles. Er verhindert, daß Fehler, auch auf steuerpolltischem Gebiete, sich bis ins letzte auswirken, und er gestattet der Regierung großzügige finanzielle Maßnahmen, die die ungünstige Auswirkung weltwirtschaftlicher Einflüsse neutralisiert und daß der Mandatar mit den geringsten eigenen Opfern große politische Vorteile erzielt. Die Regierung kann großmutig sein, sie kann der arabischen Landwirtschaft fast alle Steuern schenken und gewährte Anleihen streichen, sie kann der arabischen Bevölkerung Schulen und Straßen bauen und Brunnen graben und durch öffentliche Arbeiten in großem Zug vielen tausend Fellachen — und aus dem Nachbarland hereinströmenden Beduinen dazu — Arbeit und Verdienst eben, zusätzliche Arbeit zu der Beschäftigung, die diese cvölkerung direkt von jüdischen Arbeitgebern zu Tausenden erhält und indirekt zu dem gesteigerten wirtschaftlichen Erwerb, den das Land im allgemeinen durch die wirtschaftliche Bewegung im Lande ermöglicht. Es bleibt nur zu bedauern übrig, daß der Mandatar diese außerordentliche Wirtschaftliehe Prosperität nicht auch als Hebel und Anlaß benützt für eine gesteigerte Förderung des Aufbaus der Jüdischen Heimstatte, um damit ihrem Urheber den Lohn zukommen zu lassen für all den Segen, den er über das Land gebracht hat. Das wissen wir schon lange und es ist uns nichts Neues, aber in Granowskys Buch wird das alles sozusagen ln klingenden Zahlen neu vor Augen geführt, sachlich und gemäßigt und wissenschaftlich und eigentlich nur zwischen den Zeilen, aber um so eindringlicher. Dieses Kompendium eines abgegrenzten ״trockenen“ Gebietes, des palästinensischen Steuerwesens, ist für jeden Zionisten eine Fundgrube von ״ziffernmäßig belegten“ außerordentlich interessanten Auf- Schlüssen. Man lernt die Zustände, unter denen zu arbeiten uns bestimmt ist, durch einen Spiegel leidenschaftsloser und geschichtlich erklärter wirtschaftlicher Tatsachen kennen, die wirtschaftlich-kulturelle Physiognomie der Menschen und des Landes, wie sie nach einer jahrhundertelangen Gestaltung auf uns gekommen sind. Das türkische Zollsystem beruhte auf einem unterschiedslosen Wertzoll auf Rohmaterialien und Fertigfabrikaten und war von einem extremen fiskalischen Interesse diktiert. Es unterband jede wirtschaftliche Entwicklung im Lande. Die englische Verwaltung ließ manche Aenderung in der Zollpraxis eintreten, sie gab bisher dem ununterbrochenen Druck der jüdischen Wirtschaftskreise auf manchen Gebieten nach, die den Bedürfnissen der industriellen Entwicklung Rechnung tragen, behielt aber im ganzen das Fiskalinteresse im Vordergründe. Nach wie vor bilden die Zölle die ergiebigste Quelle der Staatseinnahmen. Nicht nur die absoluten Zahlen der Zolleinkünfte steigen von Jahr zu Jahr, sondern auch der für alle eingeführten Waren berechnete Zollsatz stieg von etwa 10 0/0 im Jahre 1921/22 auf 15,5 °/0 im Jahre 1931. Auf dem Gebiete der direkten Steuern ließ die Regierung manche grundsätzliche Aenderungen eintreten, wie z. B. in der Besteuerung des städtischen Realbesitzes, indem das uralte ״Werko“ durch die ״Urban Property Tax“ ersetzt wurde, ferner wurde die Stempelgebühr vollständig reformiert. Trotz vieler anderer Aenderungen wartet das ganze Oebiet der direkten Steuern auf eine vollständige Umformung, wie z. B. die wichtigen, die Landwirtschaft belastenden Oscher und Werko-Stcuern, die eine rohe und primitive Steuer nach dem Brutto-Ertrage darstcllcn und von denen der Verfasser treffend bemerkt, daß sie eine Prämie auf nachlässige und eine Strafe für fortschrittliche Bewirtschaftung bedeuten. Dr. Granowsky will diesen Anachronismus durch ״eine fixe, nach der Produktivität des Bodens berechnete Steuer“ ersetzt wissen, ״die nach dem Reinertrag des Grundstückes in Einheiten bestimmter Kulturen, wie z. B, Weizen oder Orangen, berechnet wird“. Er sieht darin eine für Palästina unumgänglieh notwendige Reform, die sozial ausglcichen und die Land- Wirtschaft in angemessener Weise zur T eilnahme an den Erfordernissen des Staates heranziehen soll. Denn nach der Lage, wie sie sich in den letzten Jahren herausgebildet hat, stellt die Landwirtschaft einen immer eringcren Anteil an die Staatseinnahmen. Er sank von noch 4 <״» im Jahre 1924 auf 11,3 °/0 im Jahre 1931. ״Der Prozeß der Verschiebung der steuerlichen Belastung innerhalb der Bevölkerung des Landes nähert sich auf diese Weise gewissermaßen seinem Abschluß“ (S. 23). Wenn man feststellt, daß die Einnahmen aus den Zöllen, die fast die Hälfte der gesamten Staatseinnahmen ausmachen, überwiegend der Stadt, und damit zum großen Teile der jüdischen Bevölkerung, zur Last fallen, so fällt um so schärfer das Unrecht aut, das auf manchen Seiten der Steuerpraxis gegenüber der jüdischen Bevölkerung geübt wird, wie zum Beispiel bei der Bemessung der Werko-Steucr auf Boden, wenn er von arabischen in jüdische Hände übergegangen Ist (der Araber zahlt die Steuer nach einer Schätzung, die oft vor einer Generation vorgenommen wurde, der Jude nach dem letzten Tagespreis, den er für ihn bezahlt hat), bei den hohen Immobilien-Uebertragungsgebühren, die zum weitaus größten Teil von Juden getragen werden und nicht zuletzt von der Kopfsteuer, die bei der Landung erhoben und den Namen einer reinen Judensteuer verdient. Diese Praxis ist um 80 mehr imgerechtfertigt, als sie mit keiner Notlage begründet werden können und die steigenden Ueberachüsse der Landeseinnahmen eine Abstellung dieser Unzulässigkeiten möglich machen. Diese Tatsache, die steigenden Einnahmen der Staats- Rassen aus den Aufwandssteuern, bildet einen der Haupteinwände Dr. Granowskys ge״en die Einführung der Einkommensteuer, die vor einiger Zeit die palästinensische Öffentlichkeit stark beschäftigt hat. Er weist nach, daß die wirtschaftlichen Voraussetzungen für ihre Einführung noch sehr unzureichend sind und den erforderlichen Behördenapparat nicht rechtfertigen würden. Andererseits bildet gerade die Tatsache der Freiheit von Einkommensteuer einen der Anziehungspunkte für ausländisches Kapital, das durch seine Anlage im Lande indirekt zu einer Vermehrung der Stiatseinnahmen beiträgt. Die ausführliche Behandlung einer Fülle von Problemen, wie der Hinweis auf die Zweiteilung der Wirtschaftssphären im Lande und die daraus folgende Notwendigkeit ihm differenzieüen Behandlung in der Steuerpraxis, wenn eine gerechte Verteilung der Lasten herbeigeführt werden soll; auf die Notwendigkeit der Steuerfreiheit für neu angelegte Kulturen bis zur Erreichung der Ertragsreife und für neu in Erschließung genommene Ländereien, der Festsetzung eines steuerfreien Minimums und andere mehr machen das Buch zu einer notwendigen Lektüre für alle, die sich mit den aktuellen Fragen ■der palästinensischen Wirtschaft und der Schaltung der Bedingungen für eine ungehemmte Förderung des jüdischen Aufbaus beschäftigen, Das Buch ist ein konzentriertes Ergebnis großen Fleißes und einer umfassenden Kenntnis der einschlägigen Literatur, Die durch eine große Anzahl von Tabellen unterstützte Übersichtlichkeit der Dar- Stellung ist um so höher zu bewerten, als die Zahlenverölfentlichungen der Regierung, die dem Verfasser zur Grundläge dienten, durch die von ihr praktizierte zusammenfassende Angaben von Ziffern verschiedenen Charakters ihm die Arbeit nicht erleichterten. Die Regierung fand in Dr. Granowsky einen objektiven, sehr gemäßigten Kritiker ihrer Wirtschaftspolitik. Sie findet in dem Buch eine Fülle durchdachten Materials für ihre steuerreformerischen Aufgaben vorbereitet. Ch. Haller (Tel-Aviw). Drei Kontinente fördern die Levantemesse Tel-Awiw Von Dr. J. Adler, Tel-Awiw. Die Vorarbeiten für die ״Levaiitemesse Tel-Awiw 1934“ (26. April bis 26. Mai) vollziehen sich weiterhin in einer Athmosphäre außerordentlichen internationalen Wohlwollens und Interesses. Jüdische produktive Initiative hat hier, in der jüngsten orientalischen Großstadt Tel-Awiw und ihrer im ganzen Osten einzigartigen Mustermesse, eine neue Welthandelsbröeke zwischen Ost und West errichtet, der man gerade in den sachkundigsten Kreisen des internationalen Güteraustausches hohe praktische Bedeutung beilegt. Ein besonderer Beweis dafür ist die Tatsache, daß bereits bis Anfang Oktober, also noch fast sieben Monate vor Messebeginn, in Tel-Awiw von 12 Verkehrsverwaltungen aus 11 Staaten dreier Erdteile Bestätigungen namhafter Reise- und Tr an Sport ra batte" für die Aussteiler und Einkäufer der kommenden Messe eingegangen waren. Die weltumspannenden Beziehungen des Tel-Awiwer Großmarktes werden durch eine kurze Uebersicht dieser Eisenbahn- und Seliitfahrtsvergünstigungcn ausgezeichnet illustriert. Aegypten: Die ״Khedivia! Mail“-Linie gewährt den Messebesucnern auf der Rückreise 25 °/0 Rabatt. Belgien: Die Antwerpen er Reederei “Armement Deppe“ befördert die Messegüter hin und zurück mit 25 «/# Rabatt. Dänemark: Die Staatsbahnen gewähren den Messebesuchern in Form von Gesellschaftsreisen (mindestens 2) Personen) hin und zurück 30 0/0 Rabatt. Deutschland: Die ״Deutsche Levante-Linie“ (Hamburg) räumt auf den Transport der Messegüter hin und zurück 50p/0 Rabatt ein. Estland: Die Staatsbahnen bewilligen den Messebesuchern auf der Rückreise 50 0/0 Rabatt und befördern Messegüter frei zurück. Griechenland: Die Staatshahnen gewähren für Messebesucher Rückreise zum halben Preis und für Messegüter freien Rücktransport. Großbritannien: Die ״Ellerman and Papayanni“- Linien (Liverpool) ermäßigen die Hin- und Rückfracht für Messegüter um je 25 0/0; das gleiche meldet die große Fracht- Agentur Cox 8 Kings (London) im Namen einer großen Anzahl britischer Schiffahrtslinien, für die sie Frachten bucht Oesterreich: Die Bundesbahnen bewilligen den Messebesuchern aut der Hin- und Rückfahrt je 25 0/0 Rabatt. Polen: Die ״Polish Transatiantic Shipping Co. Ltd, (Gdynia- America-Line)" gewährt auf ihrer neuen Konstantza-Paläs'tina- Line für Messelesucher hin und zurück je 300/0 und für Messegüter hin und zurück je 33»/s *h Rabatt. Schweden: Die ״Svenska Orient Linien“ (Goeteborg) räume« Firmenrepräsentanten, die zur Messe reisen Spezialraten ein und befördern die Messegüter hin und zurück mit je 25 0/# Rabatt. Syrien: Die die südsyrischen Eisenbahnen verwaltende Gesellschaft ״Chemins de Fer de Damas, Horns et Prolongements“ gewährt den Messebesuchern auf die Hin- und Rückfahrkarte 40 0/0 Rabatt. Das ist nur eine erste Bliitenlese. Fast täglich laufen beim Tel-Awiwer Meßamt aus aller Welt neue Rabatt- Ankündigungen ein, so daß die Liste der Verkehrsvergünstigungen sich von Woche zu Woche vergrößert. Ueber den jeweiligen Stand wird noch des öfteren zu berichten sein. Schon heute ist es klar, daß die Levantemesse Tel-Awiw 1934 dank namhafte* Rabatte auf allen wichtigen We^en des Weltverkehrs eine der wohlfeilsten Gelegenheiten sein wird, das wunderbare Aufbauland Palästina — ״die Insel der Prosperität im Weltmeer der Krise“ — aus eigener Anschauung kennenzulernen und neue wirtschaftliche Beziehungen und kulturelle Verbindungen zum Orient zu seinen aufblühenden Märkten, zu seiner ganzen in ihren Traditionen wie in ihrer Modernisierung unendlich reizvollen Lebens- Sphäre zu gewinnen. Länder Europas, Afrikas und Asiens fördern, wie die Uebersicht uns zeigt, die Levanteniesse Tel-Awiw. Das dürfte für die Exportlndustrien aller Industriestaaten ein deutlicher Hinweis sein, die in Tel-Awiw zu erwartenden Absatzchancen nicht außer acht zu lassen. In Afulefi fand eine Konferenz von Vertretern der Emeksiedlungen, der Winzervereiuigung und von Funktionären der Arbeiterorganisation statt, auf der beschlossen wurde, versuchsweise Rizinus-Kultur im Emek einzulühren. Zunächst sollen 500 Diinam mit Rizinus• bäumen bepflanzt werden. Die Feierlichkeiten zur Einweihung des Haifacr Hafens m. Haifa, den 27. Sept. Nach einer gestern ergangenen offiziellen Ankündigung wird die feierliche Eröffnung dos llnifaer Hafens durch den Oborkommissar dor Palästinensischen Mandatsregierung am 8t. Oktober, mittags 12 Uhr, erfolgen. Etwa 500 Güste au» Palästina und den angrenzenden Territorien sind zur Teilnahme an den Feierlichkeiten und an dom hierauf folgenden Bankett eingeladcn, Für die Güste wird auf dem Kai eine besondere Tribüne errichtet. Einem Teil von ihnen steht ein. Sonderzug zur Verfügung, der Jerusalem nm Eröffnungstage morgens 7.45 Uhr und Lydda morgens um 9.36 Uhr verlassen wird. Er wird die geladenen Gäste aus Jerusalem und Jaffa aufneslimen und um 8 Uhr nachmittags wieder Haifa verlassen. Außerdem werden durch die Handelska unter מ eine Anzahl von Eintrittskarten für eine zweite Tribüne verausgabt, fernerhin wird Schulkindern ebenfalls die Teilnahme an dea Feierlichkeiten ermöglicht. Der Oberkomalssar hat den Wunsch ausgesprochen, daß sämtliehe Sc 1t ulkinder von Haifa am Eröffnungstage vom Schulunterricht befreit bleiben. Er wird sich von Jerusnlem im Flugzeug nach Haifa begeben und dort von dem Distriktskommissar empfangen werden. Der Begrüßung werden außerdem die Hafen-Ingenieure, der Zlolldirektor, der auch gleichzeitig Direktor der 1 lafenverwalli-.ng ist, der Generaldirektor der Eiscnkihnvcnvullung, der Bürgermeister von Haifa und andere führende Persönlichkeit on der Stadt beiwohnen. Der Oberkommissar wird alsdann in Begleitung der genannten Herren mich dem Dampfer ״Lnncnstrian Prince“ übersetzen, der der Maiulatsverwaltuiig für diel Zwecke der Eröffnungsfeierlichkeiten durch che Prince- Linie zur Verfügung gestellt worden ist. Aa Bord dieses Dampfers wird er dann in das Hafenbecken einfähren, sieh auf die Mole begeben und dort von dem 2. Bataillon der Seaforth Highlanders empfangen werden, deren Standort Haifa ist. Alsdann wird er den Hafen als eröffnet erklären. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hin״cvviesen, daß die Nachrichten, die von einer Beteiligung des Prinzen von Wales an den Eröffnungsfeierlichkeiten sprachen, sieh nicht bestätigen. Es heißt dagegen, daß der englisehe Thronfolger gegen lende des Jahres den Hafen besichtigen werde. Dieser ist bereits seit Anfang August in Betrieb, worüber hier scincrz,cit berichtet; wurde. Presseschau Die ״Vossischc Zeitung“ veröffentlicht am 29. September einen Artikel ״Orientalische Wirklichkeit*!, worin eilt Korrespondent über eine Fahrt durch die Türkei, Syrien und Palästina berichtet. Ueber Palästina schreibt er unter dem Titel ״D a s Land ohne Krise“ wie folgt: ״Palästina ist von der Natur stiefmütterlich bedacht worden. Der Boden ist dürr und steinig, die Landschaft hat durch weite Strecken Wiistcncharakter. Ilss Land gibt kaum Wahrung für die Schafherden der Beduinen, die wie zur biblischen Zeit auf Eseln und Kamelen kreuz und quer wandern. Wo die Araber seßhaft geworden sind, zeugt alles von größter Aerniliclikeit. Nur an wenigen . Stellen, wo da» Wasserproblem gelöst ist, am Jordan und rings um den Tiberiassce, zeigt die Lands!.halt ein freundlicheres Gesicht. Die Oasen, die bei Jaffa und llaiia einm Reisenden gezeigrt \verden( sind von den Kolonisten unter größten Mühen dem widerspenstigen Boden abgerungen worden. Trotzdem ist Palästina das Land ohne Krise. Handarbeiter sind gefragt; wer die Landessprache beherrscht, findet sogar im Handel sein Auskommen. Dir Zustrom etiropäischen und amerikanischen Kapitals, die li-ülenrdiaftlicbe Hingabe der Zionisten haben dem Lande, d;»s unter tiirbischer Herrschaft im Dornröschenschlaf 1:1er, einen neuen Impuls gegeben. Das beste Zeichen Sur dm Aufschwung Palästinas ist die rege Bautätigkeit, ln ihn Hafenstädten und auf den Hügeln laei Jerusalem werden jeden Monat Dutzende neuer Häuser bezugsfertig, und iuunzr noch hält die Nachfrage für Geschäfts- und Wohiiliäu -er an. Das Bautempo ist amerikanisch, doch ist alles, was hier treu ersteht, von einer soliden Schönheit. Aber — das versichern alle Einheimischen — diese Sn-iierkonjunktur darf nicht darüber täuschen, daß Palästinas A iifnahmefahl gkeit sehr begrenzt ist und kaum mehr als zehn- bis fünfzelnrtausend Menschen in absehbarer Zeit dort Einlaß finden können. Immerhin zeigt das Beispiel dieses Mandatsgeblets, daß! sich eine fleißige Bevölkerung unter einer ordnenden Hand auch bei ungünstigen Bedingungen durchzusetzen vermag. Entscheidend für die weitere Entwicklung Palästinas ist das Verhältnis zwischen Juden und Arabern, Nach den blutigen Unruhen an der Klagemauer ist jetrt Frieden eingekchrt, und beide Volksgruppen arbeiten gemeinschaftlich an der Erschließung des Landes. Aber niemand kann voraussehen, wie sich die Dinge gestalten würden, wenn die Engländer eines Tages ihre Truppen zuriiekzögen,“ Hierzu ist zu sagen, daß der reisende Korrespondent die ihm erteilten Informationen bezüglich der Aufnahmefähigkeit wahrscheinlich mißverstanden hat. Wenn man ihm die Zahl von 10—15 000 Einwanderern nannte, war offenbar vom n Ich s ten Halbjahr die Rede. Vorn palästinensischen Bauwesen. Die Zeitschrift ״Pa- I estine and Middle East Economic Magazine“ in Tel-Awiw hat vor kurzem ein Doppelheft veröffentlicht, das dem palästinensischen Bauwesen gewidmet ist. Das Heft ist sowohl in seinem Umfang wie durch die Fidle der beigegebenen Illustrationen und die in ihm enthaltenen instruktiven Aufsätze außerordentlich wertvoll. Nicht nur der Fachmann kann sich aus ihm über die Frage des palästinensischen Bauwesens informieren, sondern jeder, der wirtschaftlich an Palästina interessiert ist, wird es mit Interesse lesen. Es schreiben u. a. J. Shiffmann über ״Die Bauindustrie Palästinas“, C. Holliday über ״Stadtplanung“, A. Ratner über ״Architektur“, A. Arnstein über ,,Palästinensische Baustoffe“, Dr. H. Neumann über ,,Bausystcrna“, M. Douklian über ״Das Recht des Grundbesitzes“, Dr. H. Farbstein über ״Immobilienkredit“, L. Kaufmann über ״Arbeiterhäuser“, Louis Kantor über ״Zehn Jahre öffentlicher Gesundheitsfürsorge“, H. Broß über ״Ventilationsproblcrne“, E. Dubinsky über ,.Bnuvorsehriften". Die führenden Architekten des Landes sind durch Pläne und Photos der von ihnen errichteten Gebäude vertreten.

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