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Jüdische Rundschau · 1933-09-20 · Heft 75-76 (20.9.1933) · p. Seite 556

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 75-76 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
Seite 556 (sequence 12)
Language
German
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Seite 554 jodische Rundschau. Nr. 75,/76, 20. IX. 1933 Wadi Chavareth und die Ansiedlung deutscher Juden Zur jüdischen Kolonisation Palästinas in der Nachkriegs• zeit haben wir noch nicht die richtige Distanz, um sie in ihrer ganzen Bedeutung einschätzen zu können. Aber schon heute kann, gesagt werden, daß diese zweite Epoche unseres Siedlungswerkes sich würdig anreiht an die erste, die vor mehr als fünfzig Jahren mit den Biluim begonnen hat. Namen von Landschaften und Oertlichkeiten, die uns anfangs fremd klangen, sind Millionen von Juden inzwischen geläufig geworden und neue Namen tauchen auf, die uns in einiger Zeit ebenso vertraut klingen werden. Vor dreizehn Jahren hörten wir zum ersten Male von Mahd und Nuris, Namen von zwei arabischen Dörfern im Emek Jesreel, wo der Keren Kajemeth durch Erwerbung von zwei großen Bodenkomplexen den ersten großen Schritt zur friedlichen Eroberung des Emek getan und mit einem Schlag seinen Bodenbesitz in Palästina verdreifacht hat. Malul ist vergessen, Nahalal, das auf diesen! Boden errichtet wurde, ist ein ruhmreicher Name geworden. Dunam nach Dunam des zwischen den beiden Blöcken liegenden Bodens wurde erlöst, Dorf auf Dorf entstand und heute gibt es eimiuddreifiig Sied'.ungspunktc im Emek Jesrcel, der alt-neuen Kornkammer Palästinas. Vor sechs Jahren tauchte zum ersten Male ein neuer Nar/.e aut: Wadi Chavareth! Auch dieser Name!eitet ein Kapitel der jüdischen, landwirtschaftlichen Kolonisation ein, dessen Geschichte schon bisher nicht ohne Reiz war. Die denkwürdige Reise LJ s s i s c!1 k i n s nach Kanada im Früh- Sommer 1927 gab den Anstoß fiir die Erwerbung des großen Bodenkomplexes von Wadi-Ghavairth. Es gelang Ussischkin, von unseren Gesinnungsgenossen in Kanada 300000 Dollar bar und außerdem die Verpflichtung zu erhalten, dal! sie auch den Restkaufpreis des Bodens von 70.)01)0 Dollar auibringen werden. Die langwierigen Kaiifverhainiltiingen begannen, im Mai 1929 erhielt der Keren Kajemeth den Ktischan (Raiih'ertrag) auf 30 71S 1 tun,irrt, aber erst im August 19)0 konnte der Boden in Besitz genommen werden. Die Araber-1'nrniien von lögi beeinflußten diese Transakiion. Beduinen, die vorher auf einem Teil des Bodens saßen, wollten ihn nicht räumen. Das Direktorium des KKL. sali sich genötigt, auf einen Vermittlungs Vorschlag des Oberkammissars von Palästina ein/ugehen, und verpachtete 3900 Dunam bis September 1933 an die Regierung, die sich ihrerscits verpflichtete, nach diesem Zeitpunkt die Beduinen an einer andern Stelle des Landes anzusiedeln. In den Jahren 3691 und 533)2 wurde mit den Ameliorierungsarbeiten begonnen, denn viele Stelle.׳! müssen entsumpft werden. Diese ersten Arbeiten verrichteten der Irgun Mithin und der Irgirn Gimmel Haeniek. Schon im Mai 1932 ging man an die Aufteilung des Bodens, die seither fortgesetzt wird. Acht Arbeiterg r 11 p p e n mit insgesamt 517 Familien und neun Mittelstandsgruppen mit insgesamt 3S0 Familien erhielten zu¬ Weitere» Zeugenverhör in der Arlosoroff ״ Morduntersuchung Jatfa, 16. September. (J.T.A.) Am 14. September wurde das Zeugenverhör in der Untersuchung gegen die der Teilnahme an der Ermordung Dr. Arlosoroffs Beschuldigten fortgestezt. Der Hörer der Hebräischen Universität Jerusalern Meyer Scblunk sagte aus, er habe an einer in Haita zur Zeit des Schewuoth-Festes abgehaltenen Versammlang teilgenommej, in der der Angeklagte Achi Meir eine Rede gehalten und sich über die revisionistische Studenten- Vereinigung Shachmona lustig gemacht habe, deren Mitgliedern er vorwarf, nicht vou wahrem nationalistischen Geist beseelt zu sein. Achi Meir habe ferner vorgeschlagen, eine allgemeine Versammlung der Mitglieder des Britb Trumpeldor von Haifa, Tel-Awiw und Jerusalem einzuberufen, um über Vergeltungsmaßnahmen gegen Arheiterpartciler zu beraten, die er beschuldigte, Mitglieder des Rrith Trumpeldor angegriffen zu haben. Der Zeuge erklärte schließlich, weder Rosenblatt noch Stavsky zu kennen. Achi Meir lehnte es ab, Fragen an den Zeugen Schlunk 2u stellen, und erklärte, seine Aussage sei nichts als Pro- ■vokation gewesen. Der Zeuge sei nicht in der Lage, wörtlich wiederzugeben, was er — Achi Meir — auf jener Versamm- ]1111p wirklich gesagt habe. Polizeiinspcktor Schiff erklärte auf Grund des gerichtlich angeordnelcn Lokalaugensuieins an der Mordstelle, (laß die Narben an Stavskva reditem Daumen den Abständen der Stacheln an dein Stacliekiraht des Zaunes entsprechen, der sich auf dem Hügel in der Nähe der Mords! die befindet. Der Poli/eiheamle Weiß!) erg' berichtete über die Ahdrücke, die von den Fußspuren an der Mordstelle gemacht worden waren und über die Ergebnisse des Vergleichs der Abgüsse mit den Schuhen der Angeklagten. Bei diesem Vergleich hätten sich Abweichungen von wenigen Millimetern ergeben, doch könnten diese Abweichungen dadurch erklärt werden, daß die Tritte beim Lauf besonders kräftig waren. Aut eine Frage Stavskys gab der Zeuge an, daß die Spuren auch von andere!! Schuhen gleicher Größe hernähren können. Die Spuren, erklärte Weißberg, stammen von einem größeren und einem kleineren Mann, eines der beiden Scliuhpaare war halb besohlt. Im weiteren Verlaufe des Untersuchungsverfahrens wurde der soeben von einem Krankeimrlaub zurückgekehrte Poliz.ist Keßler vernommen. Er erzählte, daß Stavsky, den er mit Sicherheit wiedererkenne, zuj Zeit des Bauarbeiterstreiks in Petach Tikvvah Ende März in einen Betonblock eine Grabiuschrift für Dr. Chaim Arlosoroff eingemeißelt hatte. Stavsky war mit anderen revisionistischen Arbeitern als Streikbrecher nach Petach Tikwah gekommen. Der Polizist Keßler, der bei einem von Streikposten bewachten Hause Dienst tat, beobachtete Stavsky, wie er in einen Betonblock folgende Worte eingrub: ,,Hier ruht der Leiter der Jewish Agency, Dr. Chain! Arlosoroff.“ Der Polizist Keßler warf den Block auf den Grund der Erdaushebung für einen Neubau, um zu verhüten, daß die Arbeiter die In- Schrift lesen, was leicht zu Unruhen hätte führen können. Am nächsten Tage fand er einen Betonblock mit einer ahnliehen Inschrift für Ben G 11 r i o n. Von den übrigen fünf Zeugen erklärte der Polizist Karpf, dal! Dr. Arlosoroff, mit dem er im Hadassali- Spita! sprach, ihm gesagt habe, er habe die Angreifer nicht erkennen können, weil sie ihn mit der Taschenlampe geblendet hätten. Eine weitere Befragung Dr. Arlosoroffs durch die Polizei liätlen die Aerzte verboten. Der stellvertretende Leiter der britischen Polizei in Palästina, Riggs, berichtete über die Untersuchung der Fußspuren an der Mordstelle. Außerdem wurden noch Frau Käte Dan, die Besitzerin des Hotels, in dem Dr. Arlosoroff abgesfiegen war, die Nachtschwester der Ambulanz des Roten Magen David Frau Cha׳a Ros in und der Polizist Ostrowski, der von Frau Dan zur Rettungsstation geschickt worden war, vernommen. Die Verhandlung wurde sodann auf den '27. September vertagt. sammen 17 665 Dunam. Der frefgewordene and durch Am eff»■ rierunpsarbeiten inzwischen vorbereitete Boden von zusammen 5705 Dunam wird an zwei weitere Arbeitergruppen von 120 Fa• milien und drei Mittelstandsgruppen von 190 Familien aufgeteilt. Darunter befinden sich zwei Gruppen deutscher Juden mit zusammen 150 Familien, die etwa 2000 Dunam erhalten sollen. Wenn der ganze Boden aufgeteilt sein wird, werden auf diesem Teil von Wadi Chavareth zwanzig neue Dörfer mit etwa 1300 Familien (über 6000 Menschen) stehen, die eine Gesamtfläche von 25 000 LDunam bearbeiten. Wadi Chavareth ist nicht nur ein neues Kapitel in der Geschichte der jüdischen Kolonisation, sondern bedeutet auch den Beginn einer neuen Epoche in der Bodenpolitik des Keren Kajemeth. Der größte Teil des Bodens im Emek Jesreel und auch an anderen Stellen des Landes, den der KKL. bisher erworben hat, war mir für extensive Bewirtschaftung geeignet, bei der auf 190—150 Dunam eine landwirtschaftliche Familie angesiedelt werden kann. Seit sechs Jahren bemüht sich der KKL. in der Pflanzungszone Fuß zu fassen, um mögliehst viel von dem hochwertigen Boden, wo auf 10—20 Dunam Lebensraiim für eine Familie vorhanden ist, in seinen Besitz zu bringen und fiir eine dichte Besiedlung selbstarbeitender Kolonisten vorztisorgen. Wadi Chavareth ist der erste — leider nur bescheidene — Anfang dafür. Sechstausend Mensehen werden auf einer Fläche ihre Existenz finden, für die man im Emek Jesreel sechsmal soviel Boden braucht. Aut Grund der Feststellungen, die die Experten der Jewish Survey Commission bereits vor fünf Jahren machten, legte Ussischkin dem Züricher Kongreß seinen großen Plan vor, innerhalb zwei Jahren den wichtigsten Teil der Scharon- Ebene — 200 000 Dunam — für den KKL. zu erwerben. In vier Jahren ist nur ein Bruchteil realisiert worden, weil mangelnde Erkenntnis innerhalb unserer Reihen die urigelietire Wichtigkeit einer nationalen Bodenreserve bagateüisiert hat. Zehntausend Familien hätten Siedltingsboden in der Pflarmmgszotie gehabt, während wir heute, zum Teil auch infolge der Bodenspekulation und rapiden Preissteigerung der Ilödrn in diesem wichtigsten Gebiet der Neukolonisafion machtlos sind. Noch ist es aber nicht zu spät, wenn wir die gegenwärtige, tatsächliche Bereitschaft in der jüdischen Welt auszunutzen verstehen werden. Viele Aufgaben harren unser in Ercz Israel, aber niemand wird bestreiten, daß die Erlösung des Bodens heute die dringendste ist. Adolf PoIIak. * Jerusalem, 11. September. (J.T.A.) In einer offizicllcn Verlautbarung wird die Geschichte des Bodenkaufs des Jüdischen Nationalfonds in Wadi Chawarith und der nachfolgenden Verhandlungen mit dem auf diesem üebiet siedelnden Beduinenstamm betreffend die Zu- Weisung neuer Siedlungsplätze dargestellt. Nach Ablauf des vorn Nationalfonds mit den Siedlern des nördlichen Teils von Wadi Chawarith durch Vermittlung der Regierung abgeschlossenen Pachtvertrages am 31. August und nach endgültiger Abweisung der arabischen Ansprüche auf 600 Dunam im südlichen Teil hatte der Distriktskomnüssar des Norddistriktes dem Stamm am 14. August ein Angebot gemacht, in dem die Regierung die Wiederansiedlung der Beduinen auf entwässertem und nötigenfalls auf Regierungskosten vorher tief gepflügtem Boden vorschlug, wobei jede Familie 40 bis 60 Dunam erhalten sollte. Außerdem war kostenlose Ueberführung des Stammes und seiner Halle, sowie eine Entschädigung von 2300 Pfund für die in Chawarith zurückzulassenae Ernte vorgesehen. Dem Stamm wurden 14 Tage Bedenkzeit eingeriiumt. Nunmehr haben die Beduinen das Angebot der Regierung abgelehnt. Die Regierung erwägt daher andere Möglichkeiten für die kiinftige Ansiedlung des Stammes. JUdisch-arablsche Landwirte-Organisation Safe d, 17. September, (j. T. A.) In Anwesenheit von über 100 Delegierten jüdischer und arabischer Dörfer Galiläas fand im Hause von Hussein Ihn Chaj Mohammed el Ali zu Safed eine Beratung statt, die zur Bildung eines Verbandes der arabischen und jüdischen Landwirte führte. Auf der Beratung wurde die Notwendigkeit einer gemeinsamen organisierten Aktion der jüdischen und arabischen Landwirte zur Bekämpfung der Notlage der Landwirtschaft nachdrücklieh betont, Woluiangsnot ln Tel-Awiw T el-Awiw, 17. September. (J. T. A.) Ungeachtet der in Tel-Awiw herrschenden Bautätigkeit — in! August allein sind 1050 neue Wohtiräume im Gesaintausmaß von 35 000 Quadratmeiern fertiggestellt worden, — ist der Wohnungsman• gel in der Stadt sehr drückend. Die Organisationen der Arbeitersehaft, der Handwerker und die Mietervereinigung haben die Stadtverwaltung aufgefordert, gegen die Preiserhöhungen der Hausbesitzer einzuschreiten. Vom Jahresbeginn bis zum 1. September wurden Baubewilligungen für eine Fläche von 291 5(» Quadratmeter erteilt. Es wird erwartet, daß die Bevölkerung TeLAwivvs infolge der Einwanderung dieses Jahres um mindestens ein Drittel vergrößert werden wird. Polnisch-palästinensisches Chemlkalien-Abkommen. Wie der ,,Köln Ztg.“ gemeldet wird, schweben gegenwärtig Ver- Handlungen zwischen polnischen Chemiegruppen, die unter der Führung der Boruta A.-G. in Zgierz stehen, und palästinensischen Eiiifuhrfirmen über die verstärkte Einfuhr polnischer Chemikalien nach Palästina, Aegypten Syrien und dem Hinterland dieser Gebiete. Man nimmt an, daß diese Verhandlungen, di« sich insbesondere auf Erzeugnisse der organischen Chemie und Feinchemikalien erstrecken, sehr bald zi!m Abschluß kommen werden. Prüfung der neuen Zcrtifikatcanforderung Jerusalem, 14. September. (J.T.A.) High CommissionerSir Arthur Wmchope empfing den interimistischen Leiter der Palästina-Exekutive Ben Zwi und das Mitglied der neugewählten Exekutive Mosche Schertock, die ihm die Forderungen der Agency betreffend die Arbeitereinwanderungsschedtile für das kommende Halbjahr unterbreiteten und diese begründeten. Der High Commissioncr versprach, den Vorschlag der Agency Ende Oktober nach seiner Rückkehr von seinem Ferienaufenthalt in Rhodos zu prüfen. Zionistische Jugendarbeit In Schweden. Am 8. August ist in Malmö der Zionistische Jugendbund Herzlia 711m ersten Male 1n die Oeffentüchkcit getreten. Zu dieser Veranstaltung hatte sich ein großer Teil der Jüdischen Gcmeindc Malmö eingefunden. Das leitende Referat hielt an diesem Abend Herr Pipper aus Erez Israel. Er sprach über das Thema: ״Die jüdische Jugend und ihre Aufgabe zum Aufbau Palästinas“. Anschließend sprachen einige Chaluzim aus Kopenhagen über zionistische Arbeit. Am Schluß des Abends fand eine Diskussion statt, in der Herr Rabbiner Dr. Berlinger über Jugenderziehung sprach. Am 20. 8. fand der zweite Vortragsabend statt, bei dem 200 bis 250 Menschen zugegen waren. Den Abend eröffnete Martin Lcmpert (,Malmöl, wonach Frcdi Jung mann von! Haschaumer Ha/air das Referat über Erziehungsarbeiten hielt. Weiter sprachen Herr Rabbiner Dr. Berlinger und der 1. Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung Kopenhagens S. Skorochoe I, Am 3. September fand der dritte Vortragsabend statt. Fs sprachen S. Krcn/isky (Malmö) und Fredi Jungmann. Das Hauptreferat des Abends hielt Benno Braun Berufliche Umschichtung deutscher Juden In Litauen. Der litauische ״Ort“ hat sich bereit erklärt, seine technischen Lehrwerkstätten tind landwirtschaftlichen Einrichtungen für die Ausbildung einer Anzahl von deutschen Juden zur Verfügung zu stellen. Zunächst wird ein praktischer und theoretischer, für!>» Jahre berechneter, Kursus in Kowno eröffnet zur Ausbildung von 25 Maschinenschlossern. Die Lehr- und Unterhaltungskosten stellen sich auf monatlich 55 M. den sich insgesamt auf monatlich 55 M. pro Person stellen. Teilnehmer für diesen Kursus (im Alter von 17 bis 25 Jahren) wollen sich, unter Angabe des Namens, der genauen Adresse, des Alters, der Staatsangehörigkeit, des Geburtsortes und des Berufes an die Gesellschaft ״Ort“, Berlin W57, Bülow- Straße 90, wenden, Es werden ferner in Litauen Vorkehrungen getroffen für die Einrichtung eines landwirtschaftlichen Kursus für 30 Personen, Dauer 1 Jahr, und eines elektrotechnischen Kursus für 25 Personen, Dauer 1 Jahr. Auch für diese Kurse werden von der ״Ort“־Gescllschaft Gesuche entgegengenommen. יוויוייווו1י1יו1וווי1ו!111ו^ Die nächste Nummer der ״Jüd. Rundschau“ erscheint am 26. d. M. Inserate für diese Nummer können wegen der Feiertage nicht mehr angenommen werden. Für die Freitag-Nummer vom 29. d. M. (Jom Kippur-Nr.) Schluß der Inseratenannahme am 26. d.M.3Uhr. Siedlung in Australien? Ein Leser schreibt uns: Unter den verschiedenen Vorschlägen 2ar AnsJedlimg von Juden in den außereuropäischen Ländern, abgesehen von Palästina, ist kürzlich Pressemeldungen zufolge die Möglichkeit einer Siedlung in Australien seitens der dortigen offiziellen Stellen erwogen worden. Die Londoner Wirt- Schaftszeitschrift »The Statist“ befaßt sich mit den in letzter Zeit regierungsseitig forcierten Bestrebungen zur Er- Schließung des nördlichen Teils von Australien — das ist das Gebiet an das für Siedlungszwecke vorwiegend gedacht ist — und kommt zu einem völlig negativen Ergebnis. Es handelt sich um ein Gebiet 1m Ausmalle von 524 000 Quadratmeilen, von denen 426 000 in der tropischen Zone liegen. Davon sind 140000 Quadratmeilen gänzlich trocken und praktisch unbrauchbar. Mehr als die Hälfte des übrigen Gebiets hat nur spärliche und sehr unregelmäßige Regenfälle. Selbst dort, wo — wie an der südlichen Grenze — Regen häufiger niedergeht, ist die Vegetation nicht sehr üppig. Der größte Teil des Landes ist Weideland. Der Boden wird im ganzen als steril bezeichnet. Die Bevölkerung des Gebiets, die, ausschließlich der Eingeborenen, 1889 7500 Personen umfaßte, sank bis 1931 auf 4160, unter denen sich etwa 800 Chinesen befinden. Die Hauptbeiätigimg bildet die Viehzucht, Land- Wirtschaft besteht zurzeit überhaupt nicht. Die schlechte Bodenbeschaffenheit und mangelnde Bewässcrung stehen dem im Wege. Die australische Regierung scheint zurzeit bemüht, dieses Gebiet aiiszubauen und hat vor einigen Wochen erklärt, sie wäre bereit, eine oder mehrere Gesellschaften, die eine Betätigung in diesem Sinne aufnehmen wollen, weitgehend zu unterstützen. Man weist demgegenüber darauf hin, daß diese Pläne als übereilt mit großer Vorsicht aufzunehmen sind. In einem ausführlichen Report hat auch Sir Georg Buchanan im Jahre 1926 betont, da» in jenen Gebieten nur Viehzucht und auch die nur unter ziemlichen Schwierigkeiten betrieben werden könne. Man wird danach gut tun, solche Siedlungs- Vorschläge im Einzelfalle mit der nötigen Vorsicht aufzunehmen. K. Th. Wie die Zionistische Exekutive in einem offiziellen Communiqui mitteilt, haben 1m Auftrag der Exekutive Prof. Brodetsky, Ben Gurion und Berl Locker in Meran Besprechungen mit Dr. Weizmann betreffend die Organisation der Sonderaktion zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina, deren Leitung vom Kongreß Dr. Vi'eizmann übertragen wurde, abgehalten. Das polnische Innenministerium hat an alle Wojwodschäften und an den Regierungskommissar in Warschau ein Rundschreiben gerichtet, in dem mitgeteilt wird, daß die olnische Regierung die hebräische Universität in erusalem alsrlochschule anerkannt hat. Demzufolge sei polnischen Bürgern, die sich zum Studium an der hebräischen Universität nach Jerusalem begeben, ebenso wie allen anderen Hochschulhörern ein Aufschub der Militärdienstzeit zu gewähren. _____ Persönliches. Man schreibt uns: Der Ordinarius fiir Physik an der Universität Perugia, Bemardo Dessau, der Bruder des verstorbenen Berliner Universitätsprofessors und Mitgliedes der Akademie der Wissenschaften des Judentums, Hermann Dessau, vollendete am 13. v, M. das 70. Lebensjahr. Professor Dessau, der aus Offenbach a. M. stammt, hat viel über drahtlose Telegraphie gearbeitet. Bekannt und mehrfach aufgelegt ist sein dreibändiges ״Mauale de Fisica“, das auch in deutscher Uebersetzung als ״Lehrbuch der Physik“ 1922 bis 1924 erschien. Die Tochter Bernhard Dessaus, Dr. Fanny Dessau, Rom, ist in der jüdischen Frauenarbeit in Italien (״Associ azione della Donne Ebrae d’ltalia per assistenza sociale Ebraica in Italia e in Palestina" (abgekürzt ״Adei“]) an führender Stelle tätig. — Herr Jean Heilbrunn, Berlin, wird seinen 80. Geburtstag außerhalb verbringen und bittet liöflichst, von Blumenspenden usw. abzusehen. Die Beträge hierfür wolle man dem Jüdischen Wohlfahrtsamt als Spende überweisen.

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