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Jüdische Rundschau · 1933-09-12 · Heft 73 (12.9.1933) · p. Seite 516

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 73 (12.9.1933)
Date
1933-09-12
Page
Seite 516 (sequence 6)
Language
German
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Seit514 *׳;JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 73, 12. IX 1933 S1die, die den Religionsunterricht erteilt hat, als Zusatz• bernerkung einzutragen.“ Eine Verfügung gleichen Inhalts ist in Sachsen für die Schüler der Volks• und Hilfsschulen am 18. April ergangen. Der jüdische Religionsunterricht, der bisher »ehr unter der Freiwilligkeit litt, kann, wenn die sächsische Regelung allgemein wird, nur gewinnen, wenn auch der pädagogische l.rfoig eines Unterrichts, der nur unfreiwillig und unwillig!,1׳.,sucht wird, nicht überschätzt werden soll. Daß mit einer d'trch behördliche Verfügung gestärkten Position des Reiiginnsunterrichts die Problematik des jüdischen Rcligionsunternciits nisht gelöst ist, ist selbstverständlich. Die trüberen Bestimmungen, die jüdisch-religiösen Eltern die Möglichkeit geben, ihre Kinder vom Unterricht am babfvit befreien oder sie an diesem Tage nicht schreiben ztn lassen, behalten nach ausdrücklichen Verfügungen des preußischen und badischen Kultusministers noch ihre Gelhing, während nach einer Mitteilung der ״Frankfurter Zvitun׳״' vom Iß. Jtiii 1031 (Nr, 52U23) in Hessen ״die israeiitischen Kinder und diejenigen der Adverrtisten an dem Schulunterricht am Samstag teiizunehmen haben“. Unabhängig von der bisherigen innerjüdischen Ein• Siedlung wird jeder, der diese behördlichen Bestimmungen mit eiern ihnen zukommmdvn Ernst betrachtet, zu der Forderung < iner jüdischen Schule für jüdische Kinder komme!: müssen. Eine christlich-nationale Schule, wie sie die deutsche Staatssehule sein soll, kamt — und das ist kein Vorwurf — keine jikii'־.cl1e!1 Kinder zu bewußten Juden er- :ziehen. Sie kann auch jüdische Jugendliche nicht zu Charakter- ■vollen Mensehen heranbiiden; denn der jüdische Schüler muß in einer solchen Anstalt zwangsläufig seelisch verbiegen und innerlich verkrüppelt aufwachsen. An einer solchen Entvicklung kann weder de-r Staat noch die jüdische Gemeinschaft ein Interesse haben. # Bund und Schule Von W alter 11 a 1 z m a n 11, Frankfurt a. M. Die zahlreielien Wünsche und Vorstellungen über die kiinftige jüdische Schule *:irtei ebenso, wie die nicht minder timlangrciclii-n Sclnvierigk. iteti finanzieller, polnischer und pädagog'isen praktischer Art wahrend der letzten Monate in der jüdischen Oeffeutiiehkeil weif mehr ״mannt worden, als die Existenz von i: r / i e h w!1 g sgemeins c haften, die. rächt nur im jüdischen Kreise, dazu berufen sind, den leeren Raum zwischen alter und neuer Schule zu überbriieken. Denn daß ein derartiger leerer Ramm entsteht, ja schon vorhanden ist, das iudHt ein Zustand von zwar beschrankter, aber nicht kurzer Dauer, in dem die Notwendigkeit der Schaffung einer neuen Schule dringlich erscheint, aber aufs erste nicht durchführbar ist, wird gerade dien während der Diskussion über die Neugestaltung der jüdischen Schule offenbar. Niemand anders aber kann diesen Raum ausfüllen, als die hündischen Gemeinschaften, so wie es auch bisher die Bünde waren, die mit mehr oder weniger Znstinimung der äiferen Generation die Forderungen vertraten und naclt Möglichkeit erfüllten, die man heute als Forderungen der jüdischen Schule erkennt. In diesem Zusammenhang sei noch einmal, wie schon manchmal, aber noch viel zu wenig, daraut hingewiesen, daß die Diskussion um die jüdische Schule, angeregt durch die äußeren politischen Ereignisse, die uns als Juden trafen, keincsfalls in der Auseinandersetzung um die jüdische Kulturarbeit stecken bleiben darr und die Anempfehlung bestimmter neuer Berufe längst keine ausreichende Antwort auf die Fragwürdigkeiten unserer Zeit ist. Auch die Bünde hatten seit Jahrzehnten ihren Aufgabenkreis weit über das jüdisch Kulturelle und die Berufsumschiehtung hinaus gesteckt. Der Umbau des Menschen ln seinen Wertbegriffen und seiner Lebenshaltung war der Sinn jeder hündischen Gemeinschaft. Und die Heranerziehimg eines Menschen, der nicht, weil ihm nichts anderes übrigbleibt, zu neuen, früher ungewöhnlichen Berufen greift, sondern weil es ihm so gefällt und ihm bei früheren Generationen vorhandene soziale Hemmungen fremd sind, der nicht deshalb das Eigcnstämniige pflegt, weil man ihn immer und daucrnci dahin /uriiekstöHt. sondern weil er dazu erzogen ist, erst im eigenen auf/ugehen, ehe er sich, wie Dr. Grünewald aus Mannheim kürzlich sagte, im Fremden überhöhen darf, wird 11 e ute so zur ersten und richtunggebenden Aufgabe der jüdischen Schule, wie cs seit langem das (irund/iel jeder Erziehungsarbeit in den Bunden war. Wichtiger als die Einrichtung von Handwerkskursen und neuhcbräisdien Sprachkursen in den jüdischen Schulen ist ein neuer Geist, der den Schülern von den Lehrern eingehaucht werden muß. Man kann ihn nicht beschreiben, man kann ihn auch nicht lernen, sondern man kann ihn nur erleben, und wenn einer von den vielen jüdischen Lehrern, denen er fremd ist, fragt, was er unternehmen solle, urn diesen Geist kennen zu lernen, dann schickt ihn in die Jugendbünde. Es ist festgestellt worden, daß ein« ״Erziehung der Erzieher“ notwendig sei. Diese Erziehung kann nur in den hündischen Gemeinschaften vor sich gehen. Aber in dein Augenblick, in d em der Lehrer den Bund betritt, beginnt er nicht nur mit der Arbeit an sich selbst, sondern leitet auch bereits jene Beziehung zwischen sich und den Schülern ein, die eine der wichtigsten Forderungen der neuen Schule ist. Unschätzbar sind die Verdienste der Bünde im Sinne unserer Forderung nach jüdischen, neuen Schulen dort, wo es keine jüdische Schule geben kann und den Kindern auch nicht die Möglichkeit gegeben ist, eine jüdische Schule in der Umgebung zu besuchen. Diese Bünde werden uin noch vieles fruchtbarer werden, wenn hinter ihnen nicht nur die Zentrale ihrer Verbände steht, sondern wenn sie auch Verbindimg mit jüdischen Schulen haben. Denn so stark in den Bünden der Kleingetneinden oft der hündische Gedanke bercits verankert ist, so sehr fehlt es ihnen meist am Stofflichen, am Wissen um Quellen, um Literatur usw., und auch die Bünde der Großgemeiudcn werden es begrüßen, wenn sie den Stab ihrer Referenten aus den Reihen der Lehrerschaft vergrößern können. Aber umgekehrt wird auch der Schuibetrieb einen neuen Auftrieb erhalten, wenn die Schulen versuchen, die Bünde in das Schulhaus hereinzuziehen. Sportliche und künstlerische Veranstaltungen, sowie Schulfeiern sind, durchaus gemeinsam mit den Bünden durchführbar, desgleichen Arbeitsgemeinschäften und Vortragsabende. Daß selbst während des Unterrichts die Verbindung zwischen Bund und Schule in Erscheinung tritt, und dadurch die Schüler eine neue Freude am Unterricht bekommen, ist nicht nur möglich, sondern wenn die Lehrer die Bünde besuchen, einem Bunde *ngehören, ganz unvermeidbar. Man wird die jüdische Schule nicht demonstrativ umgestalten können. Aber man wird sie langsam umbauen können, so wie ja schon seit längerem der hündische Geist durch die Junglehrer in den Schulen Eingang gefunden hat, und die jüdischen Bünde auch seither bereits die Erziehungsarbeit der jüdischen — und nichtjüdischen — Schule zu ergänzen trach* teten. Zur kulturpoUnscheu Erziehungsarbeit Von Johannes Wolff. Unsere Zeit strebt vom Pluralismus der Weltanschauungen weg. Auch auf geistigem Oeblet heißt das Entblei: Totalität Aus dieser Ueberlegung ergibt sich die Forderung natfh bewußter kulturpolitischer Erziehungsarbeit in der jüdischen Schule. Die jüdische Schule darf freilich keine Brutanstalt uniforiner ״Gesinnung“ sein. Im Oeeenteil: Die "Vielfalt der Gedanken und Ansichten, die Problematik des geistigen Lebens soll in Aussprachen, in These und Antithese, deutlich zum Ausdruck kommen. Nur darf die Diskussion nicht Selbstzweck werden, nie darf das Ziel aus dem Auge verloren werden: zur Entscheidung zu kommen, zu einer für jeden einzelnen verbindlichen und verpflichtenden Entscheidung. Aufgabe der jüdischen Lehrerschaft muß heute sein, die Entscheidungsfreu־ digkeit der Jugend zu erhöhen, eine Generation zu bilden, die! zwar wägt — aber auch wagt. Unsere kulturpolitischen Betrachtungen sollen der Jugend die Einsicht vermitteln, daß Geist Macht bedeutet, und daß wir Juden nicht ohnmächtig sind, solange man das Judentum nicht geistig überwunden hat. Selbstbewußtsein ohne jeden Dünkel, Stolz ohne jede Ueberheblichkeit, Demut aber keine Unterwürfigkeit! In unsern Tagen der Umwertung aiier Werte braucht die Welt einen Wertmesser von unverrückbarer Stabilität. Und wir — das Volk, das durch Jahrtausende Hüter der Bibel war bis auf diesen Tag — sind nicht unbescheiden, wenn wir der Welt sagen: der Maßstab, mit dem wir messen, ist die Bibel. Was den Hauch der Liebe atmet und der Menschlichkeit, das nennen wir groß. Unsere Jugend soll die Bibel lesen und mit ihr ringen; soll sich bezwingen lassen von der Wucht ihrer Fordentngen und für ihre Verwirklichung so wenig ein Opfer scheuen wie unsere Väter einst. Zur praktischen Schularbeit sei dies kurz bemerkt: Die kulturpolitische Erziehungsarbeit muß dem gesamten Unterricht einer wesensjüdischen Schule immanent sein. Unsere Auffassung der Geschichte, jüdische Gestaltung des Familienlebens, damit zusammenhängend Fragen der Frauenemanzipation, Probleme der Mutterschaft u. a. m. sind ungezwungen mit den Schülern der Oberstufe zu behandeln. Im übrigen gelte allgemein etwa folgendes: Die Problematik im geistigen Leben der Gegenwart soll von Lehrern und Zöglingen unserer Schulen so lebendig gesehen werden, wie sie sich in den Spalten der Tageszeitungen spiegelt. In erster Reihe denke ich daran, daß in unseren Schulen die hebräische Zeitungslektüre systematisch in den Unterricht eingebaut wird. Damit würde nicht nur dem Sprachunterricht ein vorzügliches Unterrichtsmittel geboten werden, sondern dem gesamten Unterricht weitoffene Weite und zugleich eine gewisse Eigenständigkeit verliehen sein. Alles, was als Schlagwort durch unsere Zeit geistert und so häufig nicht die Schlechtesten vergiftet hat, muß kritisch unter die Lupe genommen werden. Sozialismus, Kommunismus, Bolschewismus — Nationalismus, Klassenkampf» Trennung von Kirche und Staat — Probleme der Ehegestaltung, Probleme der Todesstrafe, Kunst und Tendenz, Führer und Gefolgschaft, Individualität und Gemeinschaft! das sind beispielsweise einige der Themen, über die die Schule nicht zur Tagesordnung übereben darf, von denen ich fordern möchte, daß sie der Reife er Schüler entsprechend bereits auf der Schule ihre Behändlung finden mögen. Vorbedingung dafür ist eine kulturpolitisch interessierte und geschulte Lehrerschaft. Es wäre notwendig, daß sich allerorts verantwortliche Führer des Judentums mit Lehrern aller Schulgattungen zusatnmenfindeu, um den Versuch zu unternehmen vom Judentum her zu den Problemen der Zeit einen präzisen Standpunkt zu gewinnen. Es wird schwer sein, immer nur eine, ״die“ Antwort zu finden. Eines jedoch ist gewiß: das Judentum wird die Grenzen abstecken, innerhalb deren die Antwort zu suchen ist. Nachbemerkung der Redaktion: Die wichtigen Fragen, die von Joh. Wolff hier angeschnitten werden, bedürfen einer weiteren Klärung und ins Einzelne gehenden Behandlung. Die Forderung der Einbeziehung von Tagesfrager in den Schulunterricht wird vielleicht nicht allgemein Zustimmung finden. Daher muß der Standortsbestimmung, die hier vorgenommen wird, die eingehende Betrachtung der einzelnen Gebiete folgen, die so behandelt werden solle!, wir hoffen, über diese Fragen noch Wesentliches bringen m können. iiiiiiiiumiiiiiuiiiiMiiniMiwimuiH^ ״Jeder hat nur 30 viel Bimmel Ober 3einem Haupte, alt er Boden unter iditen Wen hat." BODEN IN PALÄSTINA für Jüdische Jugend KUHDREBUNREH ZU ROSCH-HfiSCHRHRH Mittwoch, 11 September GroB. Saal Klient, Hatenhelde 19*11, *0»/, Uhr Redner: Rabbiner Dr. Joachim Prinz Btzlrk1gr*pp«n NanMII * ■ M •SS Mittwoch, 19. September Bei Gerecht, Am KSnlgegraben *, SO1/., Uhr Redner: E. Liebenstein. F^llx Isaak BllIrkiiMM•2•'!'•* Donnerstag, 14. September GroSer Saal, Logenhaus Klelststr. 10, SO'/״ Uhr Bilder vom Aufbau Erez Israels Landschaft / Mansch»» / Slsdlungsn Werk» / Schulsn / Kinder / Häuser / Vsrkshr Redner: Dr. M. Bandmann, Ad, Pollak 8«1irk»arup|W Siv!gnyp(*t> urd WittanbcrgpliU Donnerstag, 14. September Synagoge, LessingstraBe 10, 20»/, Uhr Redner: Dr. E. Mechner, Dr. E. Sereni Bail rkigriipp• Nil) i 1 , llti BERLINER ZIONISTISCHE VEREIRIRUH8 Die Berliner «Schule der Jüdischen Jugend" Von Dr. HermannOerson. Ende 1928 trafen Junge jüdische Menschen aus dem zionlstischen und deutschjüdischen Lager zusammen, um eine freie, von der Jugend selber bestimmte Abendschule zu schaffen (siehe ״J. R.“ 1929, Nr. 2). Mit Unterstützung der Berliner Gemeinde und organisatorisch ihrem Jugendpflegeausschuß angeschlossen wird die Arbeit der Schule seit damals mit geringen Unterbrechungen durchgeführt. Die Zahl der Teilnehmer an festen Kursen bewegte sich in den einzelnen Trimestern zwischen 200 und 400 Menschen. Zwei Ziele haben der Leitung der ״Schule“ stets vorgeschwebt. Zunächst wollte man die in der Jugend weithin herrsehende jüdische Unbildung überwinden. Als Leiter und Schüier fanden sich vorwiegend westjüdische Menschen zusammen, welche ihre Entferntheit vom Leben des jüdischen Volkes als Lücke und Not empfinden gelernt hatten. Nun sahen sie, daß der bloße Wille zur Rückkehr ins Judentum noch wenig änderte, daß auch die politische Mitarbeit an den Aufgaben der jüdisehen Volksgegenwart den inneren Menschen nicht tiefgehend genug wandelte, ihn nicht jüdisch machte. Das ״Lernen“ als ein Weg, um weder Anschluß zu finden, um sich wieder der geistigen Geriprationenkette einzugliedern — hier lag die zen״ trale Absicht der Träger der Schule. Ma% wollte die jüdische Frage beim Einzelnen möglichst tiefgreifend anpacken; der Empfindung und Erkenntnis von der persönlich-menschlichen Bedeutung der jüdischen Frage für den Einzelnen entsprach eine humanistische Zielsetzung in der Methode des Unterrichts; der Lernende sollte möglichst rasch an die wertvollsten geistigen Gehalte der jüdischen Volksgeschichte herankommen (datier wurde z. B. im hebräischen Unterricht das Lesen meist über das Sprechen gestellt, schon im Anfänger-Unterricht die Bibel- Lektüre betont}. Zum anderen wöllte man den Kosmos des Jüdischen möglichst umfassend zur Darstellung bringen und betonte dabei insbesondere die Wichtigkeit des Erfassens der historischen Werte und Gegebenheiten. Dementsprechend war auch das Programm, meist recht vielfaltig: das Hebräische war stets stark vertreten, daneben Bibel, Geschichte, erste Gesamteinführung in jüdisches Wissen, Literaturgeschichte, Palästinakunde, moderne Soziologie, Musik, Werkunterricht. Fast alle Kurse haben die Form von Arbeitsgemeinschaften, die eine intensive Vorbereitung und Mitarbeit aer Teilnehmer verlangen. Das andere Ziel der Schule ergab sieh aus ihrem Charakter als Jugend schule. Hier sollte ihrem Wollen ein Ort der Klärung und geistigen Auseinandersetzung erstehen, aber auch eine Möglichkeit, ihren Willen kundzutun. Hier wollte man ferner die Bünde und besonders ihre Führer in eine persönliche Fühlung bringen, die für die gemeinsame Aufgabe der Gestaltung des jüdischen Lebens ein wichtiger positiver Faktor werden kann (eine Absicht, deren Verwirklichung mindestens für einen bestimmten Menschenkreis auch wirklich glückte). In die- ( ser Hinsicht sollte die ״Schule“ also ein Ausdruck der seit Jah- ‘ ren in breiten Jugendschichten vorhandenen Ueberzeugung sein: die bisherigen Parteien und Formen im innerjüdischen Leben sind überholt, ihre Unterscheidungen treffen meist nicht mehr das heute zur Diskussion Stehende. Es will uns scheinen, als ob die hier gewählte — in mehreren anderen Städten dann wiederholte — Organisationsform einer Schule der Jugend, in der Leitung, Schüler und meist auch Lehrer aus der Jugend selber — meist aus den Bünden — kommen, sehr viele Vorzüge hat. Da sie vielleicht auch für die notwendige Neugestaltung unseres Bildungswesens in Deutschland überhaupt eine Rolfe spielen kann, so sollen hier einige Schwierigkeiten gezeigt werden, die sich in den vier Jahren ergaben, und die bei einer breiteren Aufnahme dieser Form des Zusammenschlusses in unser Bildungswesen entsprechend zu berücksichtigen wären. (Dabei wollen wir von der schweren Frage der geeigneten Lehrer ganz schweigen.) Die ״Schule“ hat stets sehr darunter gelitten, daß sie — außer einer ganz kurzen Zeit im Anfang — nie einen bezahlten Leiter hatte. Jede Sache braucht eine Person, die sich ihr wirklich widmet, sie in sich sozusagen darstellt und sie trägt. Bejaht man die Wichtigkeit dieser Bildungsform, so müssen auch die äußeren Vorbedingungen ihres Erfolges geschaffen werden. Die zweite Frage ist weit schwerer anzupacken; denn sie ist in der geistig-seelischen Lage der deutschen Juden begründet. Es fehlt uns ein für alle verbindliches, mit fordernder Kraft ausgestattetes Bildungsziel. Das traditionelle jüdische Bildungsideal ist ja für die meisten von uns nicht mehr gültig, etwas anderes, Umfassendes trat noch nicht an seine Stelle. Hier liegt wohl der wesentlichste Grund dafür, daß es so schwer ist, unorganisierte Jugendliche an ein tiefgreifendes Lernen heranzubringen•, das gelang der Schule nie in größerem Umfang. Man empfand in weiten Kreisen der jüdischen Jugend das Lernen eben nicht als notwendig. Allenfalls reichte es zu einem oberflächlichen Kennenlemcn der paar für die Apologetik wichtigen Tatsachen (und man darf ja auch den Emst und die kulturelle Fruchtbarkeit der heutigen Konjunktur für Hebräischlernen nicht allzu hoch einschätzen). Wir müssen allerdings leider sagen, daß der jüdische Bildungswille in unseren zionistischen Bunden auch oft recht eng und historisch horizontlos ist; meist will man gerade nur modernes Hebräisch, neueste Geschichte und Palästinakunde lernen. Bei der Neuprägung des deutschen Juden (ob er nun zur Alijah kommt oder hier bleibt) ist es eine wichtige Voraussetzung, daß diese Lage sich ändert. Allerdings Ist uns fraglich geworden, ob eine fruchtbare, Menschen wirklich gestaltende Arbeit im Rahmen einer tendenzlosen Schule geleistet werden kann. Wir haben die Eignung der Jugend im Zeichen des gemeinsamen Lernens freudig begrüßt. Aber man muß sich heute zugeben, daß sie praktisch nicht durchgeführt wurde. Zu den Kursen der einzelnen Bundesführer kamen vorwiegend die Menschen ihres Bundes. Anscheinend ist der Wille des Jungen Menschen zum einheitlichen Aufbau seines Lebens doch zu gT0ß, als daß er auf eine Gestaltung seines Lernens durch die Richtung, zu der er sich im ganzen zugehörig fühlt, und auf Gemeinsamkeit mit seinen Weggefährten auch an dieser Stelle verzichten könnte. So fehlte der ״Schule“ stets ein bestimmter Schwung, wie er sich aus einer gemeinsamen Lebensrichtung ergibt, fehlte es an der ,jLuft“, wie sie rechte Gemeinsamkeit junger Menschen sonst mit sich bringt. Ein schweres Problem tut sich hier auf: die Situation drängt die geringen vorhandenen jüdischen Kräfte zur Einheit, — diese gemeinsame Arbeit aber verhindert zugleich volle Aus- Wertung der für jede Richtung gesondert bestehenden Gestaltungsmöglichkeiten. Die Entscheidung fällt hier nicht leicht; wegen ihrer grundsätzlichen Wichtigkeit muß die Frage aber einmal freimütig und unpolemisch besprochen werden. Kinder nach Palästina. Die Lehrerin Frau Erna Cohn- Machscheies (Wohnung: Charlottenburg, Fritschestr. 56. Tel.: CI, 0853) teilt uns mit, daß sie Anfang nächster Woche auf zirka drei Wochen nach Erez Israel fährt und bereit ist, für Eltern, denen an persönlicher Informierung zwecks Unterbringung ihrer Kinder im Lande liegt, entsprechende Aus• küafte zu besorgen.

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