Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-09-05 · Heft 71 (5.9.1933) · p. Seite 486

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 71 (5.9.1933)
Date
1933-09-05
Page
Seite 486 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653797--24039-2686968
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 484 Nr. 71, 5. IX. 1933 Die Boykott- und Greuelpropaganda, die gegen das junge nationalsozialistische Deutschland in anderen Staaten ver* anstallet wurde, w׳ar nur der weit angelegte Versuch des internationalen Judentums, auf dem Wege über die öffent* liehe Meinung in anderen Staaten das zu erreichen, was in Deutschland seihst durch unsere Machtübernahme unmöglich gemacht worden war. Man versuchte den deut• scheu Wiederaufbau durch einen groß angelegten Weltboykott in Schwierigkeiten zu bringen und damit am Ende erfolglos zu machen. Wenn wir in dieser kritischen Zeit zum letzten Mittel des üegenboykotts griffen, wenn dabei die in Deutschland verbliebenen Rassegenossen materiellen Schaden erlitten, so können sie sich bei den ihnen Gleichgesinnten bedanken, die jenseits der deutschen Grenze unsera Aufbau Schwieligkeiten bereiten wollten, dabei aber in Tatsache ihre eigene Rasse in wirtschaftliche Bedrängnis führten. Die weiteren für das Judentum daraus entspringenden Folgen hemmen vorausgesellen werden. Wir haben nichts dazu getan, um sie heraufzubeschwören, sie lagen im Zuge der Entwicklung, Viele kluge Juden haben beizeiten erkannt, was damit angcriclitet wurde, vor allem die in Deutschland verbliebenen, die ja am unmittelbarsten betroffen waren. Sie haben mit laut vernehmbarer Stimme gewarnt. Allerdings konnten sie sich nicht gegen die Ueberheblichkeit ihres radikalen Flügels durchsetzen und muhten deshalb nni Ende wohl oder übel den Dingen ihren Lauf lassen. Dieser radikale Flügel bat dem gesamten Weltjudentum und seiner Vormachtstellung einen außerordentlich schweten Schlag versetzt. Er erst hat das Judenproblem zur Debatte gestellt, und wo es debattiert wird, können die Folgen fiir seine Träger nur verhängnisvoll sein. Die Stärke des Judentums liegt in seiner Anonymität; verletzt cs sie, dann wird es nur Schaden nehmen. ״ Wie rat- und ausweglos die Enge ist, in die das Weltjaden tu in durch die Vorstöße seines radikalen Flügels hincinnianövericrt worden ist, dafür gibt der letzte Z i o - ui s t e 11 k o n g r e (i in Prag einen drastischen Beweis. Wen״ sich eine der vielen jüdischen Richtungen nicht einfruchtlosen Debatten ergeht, dann ist das ein Zeichen dafür, daß die jüdische Vormachtstel- Iwng allüberall im Wanken begriffen ist und daß ihre Erschütterung bereits ihre Folgen im Judentum selbst zu zeitigen beginnt. Hinter diesen bewegenden Vorgängen faucht das R a s s e p r o 1> 1 e r 11 in seiner ganzen’Schwere auf. Es wird nicht mehr zur Ruhe kommen, bis cs von den Völkern Europas gelöst ist. Es wird seine Lösung finden, wenn die Völker "in klarer Besinnung ihr eigenes Wohl erkennen und was 711 seiner Festigung notwendig ist. Noch liegt allerdings über unserem Lande der jetzt zwar nicht mehr so offen zutage tretende Weltboykott des internationalen Judentums; noch sind wir eingeengt und bedroht von diesem raffiniert ausgedachten und planmäßig durchgefülirten Weltkomplott..,, Wenn Deutschlands Kampf gegen die Anarchie dazu führte, daß dainii das Rassenproblem zum Weltproblem erhoben wurde, so haben wir das zwar für den Augenblick nicht gewollt, aber es kann uns das schon recht sein. Das Komplott, das gegen Deutschland geschmiedet wurde, wird nicht zu unserem Verderben führen; aber es wird in der Zwangsläufigkeit seines Vollzugs allen Völkern die Augen öffnen. Lassen Sie mich zum Schluß noch ein paar Worte über die Maßnahmen sagen, die wir gegen die Gefahren der gegen uns gerichteten Weltpropaganda ergriffen haben lind weiterhin ergreifen werden. Es* ist •gmikftr( daß ein i so groß geplanter Feldzug gegen Deutschlands Frieden lind Sicherheit von uns nicht unbeantwortet bleiben kann. Eine W e 11 p r 0 p 3 ga n d a gegen uns wird b e - antwortet mit einer Wcltpropaganda für uns. Was Propaganda ist, welche Macht sie darstellt, mit welchen Mitteln und Methoden sie bestritten wird, das wissen wir; wir haben sie nicht am grünen Tisch gelernt, wir sind ihre Meister geworden in ihrer praktischen Handhabung fiir die Arbeit des Tages.., Deutschland wird nicht am Rassenproblem zer* schellen, im Gegenteil: in seiner Lösung liegt die Zukunft unseres Volkes. Wir werden liier wie auf vielen anderen Gebieten der ganzen Weit bahnbrechend voranschreiteii. Pie Revolution, die wir gemacht haben, ist von epochaler Bedeutung. Wir wollen, daß sie in der konsequenten Lösung der ft a s s e n f r a g e den Schlüssel zur!Weltgeschichte findet“ .Wenn wir zu dieser Aeußeriing von Minister Goebbels 1—zunächst mir soweit der Kongreß in Betracht steht — Stellung nehmen, so liegt dem der aufrichtige Wunsch zugrunde, über die Fragen, die uns Juden in erster Linie angehen, uns auszusprechen und damit eine Klärung zu fördern, die nach unserer Ucberzeugting auch für das neue Deutschland wichtig ist, wenn auch naturgemäß die Juden frage für Deutschland nicht die Rolle spielt wie für die Juden selbst. Darum muß zunächst darauf hingewiesen werde», daß die internen Schwierigkeiten des Zionistenkongresses keineswegs eine neue Erscheinung sind, sondern seit 13 Jahren, in der ganzen Nachkriegszeit, die Arbeiten des Kongresses stets erschwert haben. Das liegt teilweise an falschen Arbeitsmethoden, teilweise aber auch an den Gegensätzen, die sich innerhalb des zionistisehen ״Parlaments“, das diesen Namen ja nur in sehr beschränktem Sinne verdient, wie int allen pariamentarischen Körperschaften vorfinden. Durch eine zu weit getriebene Formaldemokratie, die in dieser Zeitung seit Jahren angefochten wurde, verliert der Kongreß viel von seiner Arbeitsfähigkeit und von seiner äußeren Wirkting. Diese Erscheinungen haben aber nichts zu tu n mit den neuesten Ereignissen in bezug auf dasjudenproblem. Wir können nicht zugeben, daß man sie als ein Zeichen betrachtet, ״daß die jüdische Vormachtstellung allüberall im Wanken begriffen ist“, weil nach unserer Meinung von einer ״jüdischen Vormacht- Stellung“ nicht gesprochen werden kann. Aber wo vom Zionistenkongreß die Rede ist, handelt es sich ja um jenen Teil der Juden, die ihr Ziel und ihre Hoffnung auf die Errichtung des Nationalheims in Palästina setzen. Wer hierin den wichtigsten Beitrag zur Lösung der Judenfrage sieht, wer die Realisierung jüdischer Energien in dieses eigene jüdische Milieu verlegen will, wo heute schon Akademiker und Journalisten die Feder mit dem Pflug und dem Hammer vertauscht haben, der kann gewiß nicht verdächtig sein, eine ״Vormacht- Stellung“ in anderen Ländern oder bei anderen Völkern anzustreben. Das judenproblem, das der Zionismus sieht, ist ganz anders gelagert» Nach Auflassung des Zionis* JÜDISCHE RUNDSCHAU Die Tagung des Agencv-Councils Das Fifty-Fifty-Prinzip bleibt bestehen In der zweiten, am 31. August abgehaltenen Sitzung des Council der Jewisli Agency erstatteten Präsident So ko low und Professor B rodetsky Referate über die politische Lage und über die politische Tätigkeit der Agency, in der letzten Arbeitsperiode. Hinsichtlich des von den zionistischen Parteien geäußerten Wunsches nach Verminderung der Vertretung der Nichtzionisten in der Leitung der Jcwish Agency waren die nichtzionistischen Mitglieder des Council sich darin einig, zu einem Abgehen vom Fifty-Fifty-Prinzip ihre Zustimmung nicht zu geben. Es wurde eine Sonderkonimission von 5 Zionisten und 5 Nichtzionisten eingesetzt, die sich mit dieser Angelegenheit zu befassen hatte. Die Nichtzionisten in dieser Kommission erklärten entschieden, einer Verminderung der nichtzionistisehen Vertretung in der Exekutive nicht zustimmen zu können. Sie betonen, daß es ihnen möglich gewesen wäre, über diesen Gegenstand zu verhandeln, wenn die auf Verminderung ihrer Vertretung abziclendcn Vorschläge ihnen früher zugegangen wären, so daß sie Gelegenheit gehabt hätten, mit den Kreisen, die sie im Council vertreten, Fühlung zu nehmen. So aber gebe ihnen ihr Mandat ausschließlich das Recht, auf Grund der geltenden Verfassung mitzuarbeiten. Jede Aenderung des Abkommens könnte dazu führen, daß die Nichtzionisten ihr« Mitarbeit aufgeben, obwohl kein einziger der anwesenden nichtzionistischen Delegierten daran denke, den Dienst am Palästina-Aufbau zu verlassen, gleichgültig, ob die Nichtzionisten innerhalb der Agency verbleiben oder nicht. Doch müßten sie in einem solchen Fall sorgfältig erwägen, in welcher Form sie die Arbeit künftighin leisten könnten. Am 1. September wurde die Tagung des Council der J twish Agency zu Ende geführt Ein Austritt der Nichtzionisten wurde durch Annahme des Vorschlages vermieden, den das zur Beratung des Vertretungsanteils beider Gruppen in der Leitung eingesetzte Sonderkomitee ausgearbeitet hatte. Dem zum Beschluß erhobenen Vorschlag der Kommission zufolge soll das bestehende F i f t y - F i f t y - A b ־ kommen als unverletzlich angesehen werden; solange es aufrechterhalten wird, sollen die Nichtzionisten Anspruch auf das volle Maß der Vertretung haben, wie es in diesem Abkommen vorgesehen ist. In dieser Sitzung des Council referierte Dr. J. Berkson über Erziehuugsfragen und Dr. Werner Senator über die Emigrationsarbeit der Jewish Agency. Dr. Leo Herrm a n n sprach über die Ergebnisse der Keren Hajessod- Sammlungen, Als Vertreter der Nichtzionisten in der Exekutlveder Jewish Agency wurden von den nichtzionistischen Mitgliedern des Council die Herren Prof. Maurice B. Hext er, Dr. Werner Senator und Dr. I. Berkson nominiert. Die Nominierung der zionistischen Mitglieder der Exekutive soll durch den Zionistenkongreß erfolgen, während das am 4. September wieder zusammentretende Administrative Committee die Bestätigung der gesamten Exekutive vornehmen wird. Bei der wähl der 20 nichtz.ionistischen Mitglieder des Administrative Committee wurden 13 der bisherigen Mitglieder wiedergewählt und 7 neue Mitglieder gewählt. An Stelle von Nathan Laski tritt Neville Laski. Ein bisher freies Mandat Amerikas wurde Professor Morris K a r p f übertragen, an Stelle des ungarischen Oberrabbiners Immanuel Loew tritt Baron Hatvany, an Stelle des verstorbenen Dr. Gold flamm wurde Dr. Meisel-Warschau gewählt, an Stelle des bisherigen Vertreters der rumänischen Nichtzionisten Dr. W. Fildcrmann tritt Dr. Max Ritter von Anhauch, an Stelle des bisherigen lettisehen Vertreters Gregori Wolf Herr Muskat. Die 20 zionistischen Mitglieder des Administrative Committee werden vom Zionistenkongrcß hinzugcwählt. In der Diskussion des Council nahm die Frage der Reorganisation einen breiten Raum ein. Zur Vorbereitung der Reorganisation wurde ein Initiativkomitee, bestehend aus dem Nichtzionisten Generaldirektor Weiner und dem Zionisten Dr. Hugo Hermann als Vertretern der Agency- Kreise Europas, sowie aus den Herren Prof. Morris Karpf und H y m a n für Amerika gewählt. Die amerikanischen Zionisten werden noch ein Mitglied in dieses Komitee entsenden. Dr. Werner Senator schlug folgende Resolution vor, die einstimmig angenommen wurde: ״Der Council fordert die neue Exekutive auf, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um den nichtzionistischen Teil der Jewish Agency zu beleben.“ Bei der darauffolgenden Wald des Präsidiums des Coimcils wurden d’Avigdor Goldsmid zum Präsidenten, Morris Rothenberg zum Mitvorsitzenden, Prof. Speyer und Robert Szold zu Vize vorsitzend en gewählt. Es kam eine Vereinbarung zustande, wonach der Vorsitzende des Administrative Committee ein Nichtzionist, der Mitvorsitzende ein Zionist sein solle. Zum Vorsitzenden des Administrative Committee dürfte aller Voraussicht nach Neville Laski gewählt wurden. Nach Ansprachen Leo Motzkins und Prof. Speyers wurde hierauf die Tagung geschlossen. m14s sind die Juden das schwächste Volk der Welt, große Bestandteile dieses Volkes sind verelendet und von jeder natürlichen wirtschaftlichen Betätigung abgeschnitten, sie sind auch der Quell zahlloser Miß- Verständnisse und Mißdeutungen, weil die Umwelt die .pigeotümlicbft,•..;Tragik Z.fißitrwng ,iffld M.acljt-.!asigkeit nicht begreifen kann. Der, Zionismus will däs Problem bei der Wurzel fassen. Er betrachtet es nicht in erster Linie als eine Rassenfrage, obwohl er davon entfernt ist, die Unterschiede zwischen Rassen und Völkern zu bagatellisieren. In erster Linie steht für ihn das Problem der Pro du kti vier u ng. .Was er anstrebt und in Palästina verwirklichen will, ist nicht Macht, sondern Arbeit und Lebensmöglichkeit für die Menschengemeinschaft, die sich andernorts nicht entsprechend entwickeln kann. Und dieses Werk soll, wie schon Theodor Herzl sagte, ״niemandem zu Leide, allen zum Heile“ gereichen. Wenn Minister Goebbels davon spricht, daß die Völker Europas das Rassenproblem erkennen werden, so sollte diese Entwicklung nicht nur in ihrem negativen Aspekt gewertet werden; vielmehr gilt es, sich zur Erkenntnis der Notwendigkeit einer positiven Lösung des jüdischen Problems durchzuringen. Denn nur dann, wenn durch eine Anerkennung dieser positiven Aufgaben der Jude aus der Gefahr, diffamiert zu werden, befreit wird, kann die unentbehrliche Mitarbeit der Juden an dieser konstruktiven Lösung voll realisiert werden. Ein Instrument dieser Mitarbeit sollte der Zionistenkongreß nach dem Wunsch seiner Gründer sein, und er ist es — trotz all seinen Mängeln — bis heute. Er bietet auch die große Chance einer freimütigen Aussprache, die zur Entgiftung der Atmosphäre beitragen könnte. In diesem Sinne glauben wir, daß nicht die ״Anonymitiit“ die Stärke des Judentums Ist, sondern das ehrliche Bekenntnis zu sich selbst, zu seinem Namen. Das bedeutet nicht die Beeinträchtigung anderer Völker, denn diese Völker verübeln ja dem Judentum gerade diese Anonymität und ziehen aus ihr Schlüsse, die nicht dem wahren Wesen des Judentums entsprechen. Das Bemühen des Zionismus geht dahin, daß sowohl die Juden als auch die anderen Völker das Judenproblem in einem neuen Lichte sehen. Dies zu erreichen, scheint unendlich schwer zu sein; aber wir dürfen nicht verzagen und müssen weiter arbeiten, im Bewußtsein der Größe und Reinheit dieses Zieles, Wettere Beschlüsse Ferner wurde folgende Resolution angenommen: ,,Angesichts der gegenwärtigen Notlage, durch die große Massen zum Verlassen Deutschlands gezwungener Juden heimatlos werden, wendet sich der Kongreß an die Regierung der Mandatarmacht mit einem besonderen Appell, der größtmöglichen Anzahl dieser Auswanderer die Einwanderung nach Palästina zu erleichtern. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, das Tatsachenmaterial betreffend die gegenwärtige Lage der luden dem Völkerbund zu unterbreiten zwecks Aufstellung eines Planes einer internationalen Aktion für die Ansiedlung von Juden in Palästina, entsprechend früheren vom Völkerbund vorgenommmsa Aküoasn ific dis ReEakUermg von Elüchüingsmassea, in Anbetracht des besonderen Interesses, das die Vereinigten Staaten Amerikas für die Lage des jüdischen Volkes und den Fortschritt des jüdischen Nationalheimes wiederholt bekundet haben, und unter Bezugnahme auf den Vertrag, der zwischen den Vereinigten Staaten und der Mandatarmacht über Palästina geschlossen wurde, — appelliert der Kongreß an die Regierung, und das Volk der Vereinigten Staaten, an der .Durchführung,'der obenerwähnten Aktion mitzuarbeftpu,“ Beschlüsse über Kulturfragen und Organisation In der Nachtsitzung des Kongresses vom 2. September erstattete der Delegierte Levinsohn den Bericht der Kulturkommission und legte dem Kongreß Resolutionen vor, in denen die Verbreitung der hebräischen Sprache, Kultur und Kunst gefordert wird. Hierauf erstattete Rabbiner Ostrowsky den Bericht für die Kultur- und E rzi e hu n g sk 0 m m i s s i 0 n. Nach diesem Referat wurde die Debatte eröffnet. Ein Teil der vorgeiegten Resolutionen wurde abgelehnt, angenommen wurde der Beschluß, daß die Institutionen der Jewish Agency hebräisch korrespondieren sollen und daß die Jewish Agency in der Diaspora eine Tageszeitung herausgeben soll. Zur Frage der Aufnahme jüdischer Kinder a us Deutschland in die palästinensischen Erzi eh u n gs-1 nstitutionen faßte der Kongreß folgenden Beschluß: ״In der Erkenntnis der großen Bedeutung der Ueberieitung deutscher Kinder in hebräische Schulen fordert der Kongreß vom Erziehungs-Department, alle Anstrengungen zu machen, daß das Erziehungsnetz durch Oeffnung neuer Klassen und Beihilfe zur Errichtung neuer Erziehungsinstitutionen die Kinder der deutschen Einwanderer aufnimmt, damit diese Kinder nicht außerhalb der Schulen bleiben. Ebenso erkennt der Kongreß die Notwendigkeit, neue Fachinstitutionen und Internate für die Kinder deutscher Juden, die ins Land kommen, zu eröffnen, an. Indem der Kongreß es fiir sehr wichtig ansieht, daß die jungen Einwanderer aus Deutschland, die das volksschulpflichtige Alter überschritten haben, eine Facherztehung und spezielle Hachscharah für landwirtschaftliche Arbeit erhalten, begrüßt er es, daß der ländliche Jischuw im Lande in all seinen Teilen Anstrengungen macht, die Aufnahme der Ein- Wanderer in die Landwirtschaften des Landes zu vollziehen. Der Kongreß legt der Exekutive die Pflicht auf, für die Konzentration dieser Tätigkeit unter Bedingungen zu sorgen, die die erwünschte Erziehung und die Aufsicht darüber ermöglichen, und für die Erleichterung für die Einwanderung der Jugend ins Land zu sorgen. Ebenso obliegt es der Exekutive, für die Aufbringung der für die genannten Tätigkeiten erforderlichen Mittel aus jenen Sammlungen zu sorgen, die in der jüdischen Welt zugunsten der deutschen Juden organisiert werden.“ Das Organisations-Referat erstattet hierauf der Vorsitzende der Organisationskommission M er e min sky. In der vom Kongreß angenommenen Resolution, die im Hinblick auf das Verhalten der Revisionisten zu verstehen ist, wird die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation von der Einhaltung der Disziplin abhängig gemacht. Außenpolitische Sonderverhandlungen dürfen nur mit Genehmigung der Exekutive geführt werden. Die Zugehörigkeit zur Zionistisehen Organisation setzt voraus, daß in allen zionistisehen Fragen die Disziplinpflicht gegenüber der Zionistisehen Organisation vor der Disziplinpflicht der anderen Organisation den Vorrang hat. Die Exekutive wird beauftragt, eine ständige Kommission fiir Angelegenheiten der Organisation und Propaganda einzusetzen, deren Aufgabe es sein wird, die Exekutive in den Fragen der Organisation und Propaganda zu beraten. Die Exekutive wird weiter ermächtigt, eine Statuten kommission einzusetzen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.