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Jüdische Rundschau · 1933-08-29 · Heft 68 (29.8.1933) · p. Seite 462

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 68 (29.8.1933)
Date
1933-08-29
Page
Seite 462 (sequence 2)
Language
German
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Seite 464 JÜDISCHE RUNDSCHAU t|:-. i; r r;fl Nr. 68, 29. Vü!. 1933 hier die Judenfrage in einer politischen Form zu* tage getreten. Die neue deutsche Gesetzgebung unterscheidet zwischen Ariern und Nichtariem, wodurch den Juden eine Sonderstellung zugewiesen wird. Sokolow setzte sich vor allem mit der Ideologie auseinander, die dieser deutschen Stellungnahme zugrunde liegt Es ist nur selbstverständlich und wird — über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg — auch in Deutschland als selbstverständlich empfunden werden, daß der Präsident der zionistischen Organisation die Lehre von der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse zurück wies. Sokolow wandte sich aber auch gegen die Behauptung, daß die deutschen Juden ״Feinde des deutschen Staates" seien. Diese Erklärungen sind um so bedeutsamer, als sie von einer jüdischen Persönlichkeit ausgesprochen wurden, die nicht selbst deutscher Staatsbürger ist und nicht in Deutschland lebt. Aber Sokolow kennt die deutschen Juden, er kennt auch die Einstellung, welche Juden als Staatsbürger überall in der Welt zu ihrem Vaterland haben, und er ist daher legitimiert, wenn er sagte: ״Die vaterländische Gesinnung, die unverbrüchliche Treue der deutschen Juden und ihre Anhänglichkeit an den deutschen Staat, an deutsche Kultur und Sprache, sind so echt, daß sie keiner Versicherung und Beteuerung bedürfen.“ sondern darüber hinaus auch die Einschaltung einer Boykott-Parole durchzusetzen, ln dem von ihr cingebrachten Resolutionsantrag wird die zionistische Bewegung aufgefordert eine Aktion zu organisieren, die *um Ziele habe, daß die jüdischen Massen in allen Ländern Ihre Kaufkraft und ihren wirtschaftlichen Einfluß ausschließlich zugunsten der Produktion jener Staaten einsetzen sollten, die das Prinzip der unbedingten Gleichberechtigung ihrer jüdischen Bürger grundsätzlich anerkennen. Die Revisionisten bemühten sich sehr darum, die Stimmung des Kongresses für die Annähme ihrer Resolution reif zu machen. Das Ergebnis war ein vollständiger Mißerfolg. Es gelang ihnen nicht einmal eine Debatte durchzusetzen, für die sich zum ersten Male während des Kongresses ihr Führer Jabötinsky zum Wort gemeldet hatte- Daraufhin verließen sie nach ziemlieh turbulenten Szenen demonstrativ den Saal, setzten aber noch in den Wandelgängen ihre Auseinandersetzug fori, bis sie schließlich durch Ordner und Saalpolizei zur Ruhe gebracht wurden. Die überwältigende Mehrheit von 256 Stimmen, mit der dann die von den anderen Fraktionen eingebrachten Resolutionen angenommen wurden, ist das deutliche Abrücken des Kongresses von der Boykott-Par 01 e Jabotinskys. Das entspricht auch der Ansicht der führenden zionistischen Politiker, die wiederholt den Stand- Punkt vertreten haben, daß besser als Proteste, auf die man freilich nicht ganz verzichten za können geglaubt hat, die aktive Hilfe für diejenigen *ei, die im neuen Deutschland keinen ausreichenden Lebensraum mehr finden. Es war vor allem Dr. Ruppin, der im Einvernehmen mit den anderen Führern der Linken und der Mitte beton! hat, daß diese aktive Hilfe, d. h. Insbesondere eine organisierte Pal äs tina wande rung, schwerlich ohne Zusammenarbeit mit der deutschen Regierung durchgeführt werden könne. Daß sich diese realpolltische Einstellung weder politisch-psychologisch noch praktisch-wirtschaftlich mit dem Aufgreifen der Boykott-Parole vereinbaren lasse, war von vornherein klar. Kommt doch schon für den Transfer jüdi־ scher Vermögensbestandteile nach Palästina in erster Linie eine Form ln Frage, die den Ankauf deutscher Maschinen durch die palästinensische Wirtschaft vorsieht, also das gera d e G egen tei I von Boykott bedeutet Aber auch grundsätzlich sind sich offenbar die führenden Persönlichkeiten des Zionismus klar darüber, daß das Judentum, das eben keine Weltmacht, sondern eine Reihe meist recht schwacher Minderheiten in vielen Ländern darstellt, seine Lage nicht dadurch erleichtern kann, daß es eine Kampfposition bczieht, sondern nur durch besonnene Aufbauarbeit. Man wünscht, wie cs scheint, daß diesem Standpunkt und nicht irgendwelchen Stimmungsbedürfnissen im Verlauf des Kongresses Rechnung getragen werde.״ Die Lage der Juden in der Welt Und er fügte hinzu: ״Nicht allein deutsche Juden, sondern auch Juden der Welt sind Freunde des deutschen Volkes. Nicht allein die Gemeinschaft hoher Interessen und menschlicher Ziele, die gereifte Irin sieht der Geister machen diese Freundschaft volkstümlich in unseren Kreisen. Deutschland ist einer der ältesten Telle unserer nachcxiliscben europäischen Geschichte, und unsere neuere Geschichte war mit Deutschland eng verbunden." Diese Worte aus dem Munde des Präsidenten der zionistischen Organisation sind keine Liebedienerei. Sie auszusprechen, ist für einen führenden Juden ein Bedürfnis, gerade dann, wenn er sich mit einer für das Judentum schwierigen Situation in Deutschland auseinandersetzen muß. Hervorzu lieben ist noch die entschiedene und wirkungsvolle Erklärung Sokolaws gegen die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion, Der Protest gegen den Mißbrauch dieser Fälschungen darf nicht verhallen. In überzeugender Weise charakterisierte Sokolow die Absurdität der Legende eines jüdischen Strebens nach Weltherrschaft: ״Die Schaffung einer neuen jüdischen Existenz als eines Volkes von Arbeitern und Bauern, von Handwerkern und Geistesarbeitern ist das Ziel unserer Bestrebungen. In die Angelegenheiten anderer Völker wollen und werden wir uns nicht einmischen, am allerwenigsten wollen wir andere beherrschen.“ * Der Zionismus und Palästina, so konnte Sokolow mit Recht feststellen, sind in dieser kritischen Stunde eine gewaltige seelische Stütze für das deutsche Judentum und das Weltjudentum. Welche praktischen Möglichkeiten für die Erleichterung der Lage der dcutsehen Juden Palästina bieten kann, zeigte das zweite Hauptreferat, das Expose Dr. Ruppins über Seßhaftmachung deutscher Juden in Palästina. Ruppin, der bedeutendste Soziologe der jüdischen Gegenwart, begnügte sich aber nicht mit der Darstellung der kolonisatorischen Projekte, sondern er entwarf in großen Umrissen einen Lösungsplan für die gesamte deutsche Judenfrage• Auf Grund der natürlichen Verminderung der deutschen Juden, meint Ruppin, daß es sich in den nächsten zehn Jahren um die Unterbringung von 200 000 Juden handeln wird, die in Deutschland ״überzählig" werden. Palästina wird davon ein Viertel, vielleicht auch mehr, aufnehmen können, der Rest soll nach einem Plan in anderer Form eingegliedert werden.. Besonders bedeutsam war es, daß Ruppin vor einer panikartigen Auswanderung warnte und die unbedingte Notwendigkeit organisierter Auswanderung hervorhob, zu der auch eine wohlwollende Kooperation der deutschen Regierung erforderlich sei. Erst im Lichte dieser beiden Referate kann man die wirkliche Einstellung des Zionistenkongresses zum jüdisehen Problem in Deutschland beurteilen, und es wird auch offenbar, wie sehr die deutschen Juden daran interessiert sind, den Anschluß an die sich hier bietenden praktischen Möglichkeiten zu finden. Im Interesse der Sache muß man wünschen, daß sich auch in der deutsehen Oeffentlichkeit und in den maßgebenden Kreisen Deutschlands Verständnis für diese Notwendigkeiten zeigen wird, die sich auf dem Boden der Tatsachen ergeben. * Ueber die Sitzungen des Kongresses, die der deutschen Judenfrage gewidmet waren, und den Inhalt der Referate, sowie den Text der Resolution und die Stellungnahme des ״Völkischen Beobachters“ bringen wir nachstehend ausführliche Berichte. Wir schicken hier die Darstellung der ״Frankfurter Zeitung“ vom 26. 8, voraus, weil dieser Bericht eine objektive Zusammenfassung des wirklichen Sachverhaltes enthält. Die ״Frankfurter Zeitung“ erklärt: ״Der Annahme der Resolutionen, die in später Nachtstunde erfolgte, sind heftige Kämpfe vorausgegangen zwischen dem rechten Flügel des Kongresses — der revisionistischen Partei Jabotinskys —• und der aus den übrigen Parteien bestehenden großen Mehrheit. Während diese den Standpunkt vertrat, daß die Resolutionen nur einen moralischen Protest und den Aufruf zur Hilfeleistung enthalten dürften, versuchte die revisionistische Minder heit, hinter der aber nur ein Siebentel des Kongresse* steht, nicht nur eine weit schärfere Tonart der Resolutionen, Sokolow» Referat Sokolow wies einleitend darauf hin, daß die jetzige Lage der Juden in der Welt vieles Gemeinsame mit der Lage vor 36 Jahren, als der Zionistenkongreß zum erstenmal in Basel zusammentrat, hat. Nur habe sich die Lage bedeutend verschlimmcrt. Das jetzt durchlebte Stück Menschheitsgeschichte zeige ein viel verwickelteres und verworreneres Gewebe als zur Zeit, da die erste Nordau-Rede gehalten wurde. Nach der Veränderung der politischen Landkarte durch den Weltkrieg, nachdem der Zionismus zu einem verbrieften Völkerrecht geworden und Millionen von Juden Minoritätsrechte gewährleistet worden waren, habe die jetzt noch andauernde kritische Nachkriegsperiode begonnen. Der Entwicklung der jüdischen Lage in den einzelnen großen Zentren der Judenheit sich zuwendend, besprach Sokolow׳ zunächst die Entwicklung des jüdischen Schicksals in der Sowjetunion. Die einst im Gcsamtjudentum geistig führende russische Judenheit sei aut einen toten Punkt gelangt. Verfolgung des Zionismus, sinnlose Aus- Schaltung der hebräischen Sprache aus der jüdischer! Erziehung und dem jüdischen Leben, an die Zeiten Hadrians erinnernde Angriffe auf die jüdische Religion seien die Folgen der Zionistenhetze der Jewsekzia, einer Gruppe assimilatorisch-kommonistischer jüdischer Propagandisten, die den Zionismus als ״antirevolutionär“ denunzierten. In den Gefängnissen und Verbannu 11 gsorten des fernsten Sibiriens schmachte eine große Zahl von Anhän gern des zionistischen Gedankens einzig und allein darum, weil sie dem Gebot ihres nationalen und religiösen Gewissens folgen wollten. Der Kongreß, fuhr Sokolow fort, sei nicht versammelt, um an irgendeinem Volke oder an irgendeinem Staate Kritik zu üben. Es gehöre nicht zu seinem Programm, über diese oder jene Stäatsform, dieses oder jenes wirtschaftliche System deji Stab zu brechen. Doch müsse das jüdische Volk, kein roaterialistischcs Krämervolk, das nur um die Fleischtöpfe Aegyptens besorgt ist, sondern das Volk des Buches, die einem Kulturvolk zukommende Autonomie und Freiheit des Geistes, wie er sich in den Jahrtausenden seines Ringens offenbart habe, fordern. Auf die k ol o n is-a to ris cn en Versuche in Rußland blicke der Zionismus keineswegs mit sclieleu Augen. Er wünsche ihnen im Gegenteil Erfolg. Die Entwicklung des Jüdisehen Nationalheims werde sich auch auf die Siedlungsbestrebungen in der Diaspora anregend auswirken. Sodann ging Sokolow zur Besprechung der p oi ä t i s c h e n und wirtschaftlichen Lage der polnischen Jud e n h e i t über. Er betonte, daß er sich, obwohl er seit Geien Jahren außerhalb Polens lebe und in England naturalisiert sei, zu den ״polnischen Juden״ zähle, weil er und eine lange Reihe seiner Vorfahren in Polen geboren wurden und vielleicht auch deshalb, weil ״polnischer Jude“ ein Schimpfwort war und immer noch ein gewisses Odium an der Bezeichnung hänge. Mit Polen verbinde die Juden tausendjährige Erinnerung an gemeinsames Geschick. Durch Einlassung eines großen Juden stroms aus anderen Ländern habe Polen ein Reservoirfürdie jüdische Welt geschaffen und dadurchpositivzurErhaltung der jüdischen Nation beigetragen. Die Teilung Polens habe für die polnische Judenheit einen Zerfall in Assimilation (preußischer Teil), Verarmung (galizischer Tei!) und Unterdrückung (Kongreßpolen) gebracht. In der neuesten Zeit habe Polen eine Erklärung zugunsten des Judentums abgegeben, seine Regierung habe gegen Pogrome, Verfolgung und antisemitische Agitation und für friedliche Entwicklung Stellung genommen. Trotzdem hätten die Juden Polens auch weiter noch um ihre Minderheitsrechte und ihre Emanzipation zu kämpfen. Andererseits übersteige die Verarmung der polnisehen Judenheit in den letzten Jahren alles, was Nordau seinerzeit als Judennot bezeichnet hat. Ke Wirtschaftskrise treffe die Juden in Polen weit härter als die Nichtjuden und habe ihnen eine Katastrophe gebracht, für die es in keiner Periode der Vergangenheit eine Parallele gäbe. Das System der Vergesellschaftung und der Verstaatlichung von Industriezweigen habe eine wesentliche Verminderung jüdischer Beteiligung und jüdischer Arbeit nach sich gezogen. Die Geldsendüngen aus Amerika haben aufgehört. Angesichts dieses Eiends sei die unerhörte Energie und Vitalität zu bewundern, mit der das polnische Judentum sich aufrechterhalte. Diepolnische Judenheit erwarte von der Regierung eineder spezifisch jüdischen Notlage Rechnung tra-!ende ökonomische Politik. Sie wollte kein Privileg, wolle aber auch kein Aschenbrödel sein. —• Anschließend besprach Sokolow die zionistische Bewegung in Polen, deren wachsende Fortschritte die Ueberführung eines bedeutenden Teiles der polnischen Judenheit nach Erez-lsrael ermöglichen. Bedauerlieh sei der übertriebene Parteienkampf, in den auch die Jugend allzu früh hineingezogen werde. Besonders bemerkenswert v/aren Ausführungen, die Sokolow an die Betrachtung der jüdischen Lage in Deutschland knüpfte. Die Zionisten, erklärte er, die das Wesen der Judenfrage seit jeher erkannt hätten und durch ein großes Aufbauwerk an ihrer Lösung arbeiteten, seien bestürzt angesichts der unerwarteten Zuspitzung eines Konflikts, durch die ein bedeutender Teil der jüdischen Gemeinschaft ln eine fast ausweglose Situation geraten sei. Es gehe hier nicht um das deutsche Judentum allein. Wenn von Minderwertigkeit der jüdischen Rasse gesprochen werde, so seien nicht nur die deutschen Juden, sondern das ganze jüdische Volk betroffen. Nach der Feststellung, daß die Zionisten es nicht als ihre Aufgabe ansehtn, die innere Entwicklung des deutschen t Volkes, das durch den Krieg und seine Folgen schwer gelitten habe, zu beeinflussen oder zu kritisieren zu versuchen, skizzierte Sokolow die Auswirkung der auf dein Rassen Grundsatz aufgebauten neuen deutsehen Gesetzgebung aut die jüdische Bevölkerung in Deutschland. Sokolow wandte sich entschieden gegen die Legende, die deutschen Juden seien Feinde des deutschen Staates. Alle berufenen Vertreter der jüdischen Bcvölkerung Deutschlands hätten diese Behauptung mit Entrüstung zurückgewiesen. Die zionistische Bewegung als Avantgarde des 16 Millionen umfassenden jüdischen Volkes weise gegen das jüdische Volkstum und dessen Ehre gerichtete Angriffe mit Stolz zurück. Die Unterschiede zwischen Rassen oder Nationalitäten hinwegieugnen zu wollen, erklärte Sokolow, ist sinnlos. Wir wollen nicht die Welt in einen kosmopolitischen Urbrei verwandeln und ln einem Orkus verschwinden sehen, in dem alles National-Individuelle vom allgemeinen verschlungen wird. Dein schwergeprüften deutschen Volke die Segnungen gedeihliehen friedlichen Fortschrittes zu gewähren — wer von uns würde sich nicht dafür begeistern? Was wir bekämpfen, ist die neue Form des Antisemitismus, die sich dort offenbart. Als eines der ältesten Kulturvölker, als das Volk der Bibel und der Zehn Gebote, als das Volk der Treue zum Geist und zur Sittlichkeit sind wir erhaben über die These von der angeblichen Minderwertigkeit unserer Rasse. W i ז volksbewußten Juden, die wir uns stets zu unserem Blutszusammenhang und zu unserer Geschichte bekannt haben, wissen, daß wir eine Menschengruppe eigener Art und Präjgung.sind: aber wi.e ,wir. weit.da.v.on entfernt as in.3 ,an d e r.e R ä s s e n h e r a b z W se t z e n, so protestieren wir dagegen, daß man unsere Rasse herabsetzt und schmäht. Im Nainen der Menschenwürde, die gerade deutsche Geister und Philosophen als höchstes natürliches Gut jedes Erdenwesens proklamiert haben, verlangen auch wir, gleichgeachtet und gleichberechtigt zu sein. Wir lehnen gleichzeitig den Gedanken der Assimilation, diese Gleichberechtigung durch Preisgabe unserer Sonderart erkaufen zu wollen, ab. Wir verleugnen nicht die durch unsere Eigenart und unsere Geschichte entstandenen Differenzierungen und glauben, gerade durch unsere Haltung und Auffassung ein ehrliches und aufrichtiges Verhältnis gegenseitiger Achtung zwischen iüdischen und nichtiüdischen Weltbürgern schaffen zu können. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß Zionismus und Emanzipation untrennbar sind und einander bedingen. E 5 gibt keine ihres Namens würdige Emanzipation, solange das jüdische Volkkein Zentralland auf der Erdkugel besitzt, das es als Heimat für die Konzentrierung seiner En er - wirkenden und entwicklungsfähigen “Zionismus, solange die Juden in den Ländern, in denen sie wohnen, nicht vollberechtigte Staatsbürger sind und teils im Ghetto, teils auf seinen Ruinen ein kümmerliches Dasein fristen. Emanzipierte Juden haben die Grundlagen jüdischen Nationalismus gelegt und nur freie gleichberechtigte jüdische Bürger aller Länder werden am monumentalen Bau des Judenlandes mit Erfolg Weiterarbeiten. Sokolow legte hierauf Verwahrung ein, daß gegen die Juden mit Argumenten, die aus einem bisher mit Verachtung ignorierten Machwerk, den gefälschten sogen. ״Protok ollen der Weisen von Zion“ genommen werden, gekämpft wird. Es ist ein Wahn, sagte er, von Plänen einer jüdischen Weltherrschaft zu sprechen. Das jüdische Volk, überall in der Minderheit, in seinen großen Massen verelendet, schwer um seine Existenz ringend, sucht sich aus der anormalen Lage der Galuth zu befreien, indem es sein Nationalheim in der alten Heimat wieder aufbaut. Wir Zionisten streben danach, die Kräfte aller Juden auf dieses Ziel zu konzentrieren, ln der Ueberzeugung, daß dadurch auch die Lage der Juden in den anderen Ländern erleichtert wird. Die Schaffung einer neuen Existenz als eines Volkes von Arbeitern und Bauern, von Handwerkern und Geistesarbeitern, ist das Ziel unserer Be- Strebungen. In die Angelegenheiten anderer Völker wollen und werden wir uns nicht einmischen, am allerwenigsten wollen wir andere beherrschen. Der Zionismus bedarf zu seiner Verwirklichung der Unterstützung und des Wohlwollens der Welt. Wir appellieren an die weit, daß sie uns diese Unterstützung angesichts der heute manifest gewordenen Judenfrage leiht. Wir glauben, daß es sich hier um ein alle Völker angehendes Weltproblein handelt. Vielleicht wird es nötig sein, daß ein erheblicher Teil der deuischen Juden mit Hilfe der Regierung und des Völkerbundes in geordneter Auswanderung, nach anderen Ländern, vorzugsweise nach Erez Israel, geht. Alle unseren wackeren Kämpfer, die es sich zur Lebensaufgabe Güter zu schirmen und zu schützen, werden sich wie ein Mann in den Dienst eines solchen Rettungswerkes stellen- Zum Schluß seines Referats gab Sokolow der Hoffnung Ausdruck, daß die gesteigerte Not ein Ansporn zur Saflunlung und Vereinigung aller jüdischen Kräfte sein werde«

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