Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 66 (18.8.1933)
- Date
- 1933-08-18
- Page
- Seite 437 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r T / I Juden werden Arbeiter Einzelnummer RM 0,25 JÜDISCHE RUNDSCHAU ■ deut• 1 wollen, 1er Berl r tUeteti •BI. Off. tenir. 10. Erscheint jeden Dienstagu. Freitag. Bezugspreis beider Expedition monatlich 2, —Reichsmark,,Viertel] ährlich 5,75 Reichsmark. Auslands• bonnements werden in Wahrung der einzelnen Lander berechnet. Anzeigenpreis; 8 gespaltene Nonj^dreillezeile 0,50 RM. Stellengesuche 0,25 RM Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15-, Meinekestr. 10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dienst**־ ׳ Nummer: Freitag nachmittags 3 Uhr Postscheck* Konten: Berlin 17392, Basel V 9355. Belgrad 68032. Brüssel 394 33, Budapest 596 93. Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Riga *4155, Straßburg 164 30, Warschau 190708, Wien 156030 B mk - Ko nten: Dresdner Bank, Depositen• Kasse Berlin, KuHürstendamtn5*2; Rumänische Kreditbank. Cernauti (Rumänien); Anclo *’alesrine Co. m Haida,?crusalem, Tel Aviv: Eesti Pank, Tallin (Estland) Nummer 66 f | Berlin, 18. VIII. 1933 Redaktionsschluß Sonntag und Mi ttwoch nachmittag. כ ו אב תרע "ג [ xxxviii. Jahrg. tifiicfc rstuf•) 6. Der Zionismus erstreb« tQr das JOdlscho Volk die Schaltung einer Öffentlich - rechtlich gesicherte n Heimstätte In Palästina. ,,Baseler Programm." ch!mell proBeu pffcxit. sler e 56 iinmiiH ssheim « r 0 11-1 sonn;flscfi) nicht» *eiten. IANM ä« 14/16 , 9171 if PI. 3747 arrlcht, aberlUllgM r ichöler) r*n, larhin• cht. an die in Vf 15, L 4 ahnt siu«, shaft Komfort׳ ia-Luiscu. F 143 indschau, fstr. 10 n!ahme •paar Vorort F124 Jtehau. ettr. 10 •hretuhl, 4k. 30.—־, f. 2S111 *rit 5178 nmer r Dame •acht. ן an die Berlin Je 10. Ae er, Bad, tatet g»tr. 23 nmer od. ■ptt. nieten. lenaa, fordert». I noen BP. nereer.) Stal• an die aatswlO Der ״Volk. Beobadifer“ zum Konjjrefj Der ״Völkisclie Beobachter“ vom 17. d. M. widmet einen längeren Artikel dem bevorstehenden Zionisten- Kongreß in Prag, wobei er von dem Leitartikel der vorigen Nummer der ,,Jüdischen Rundschau“ ausgeht. Der Artikel ist mit A. R. unterzeichnet, und man darf daher vermuten, daß der Verfasser Alfred Rosenberg ist. Es würde dem Artikel eine besondere Bedeutung verleihen, wenn er von einer Persönlichkeit herrührte, die als Chef des Außenpolitischen Amtes der NSDAP, eine maßgebende Rolle im neuen Deutschland spielt. Aber gerade dieser Umstand legt uns auch die Pflicht auf, den Artikel nicht unbeantwortet zu lassen. Denn der Respekt, den wir einem Führer des neuen Deutschland schulden, läßt uns auch erwarten, daß wir Verständnis finden, wenn wir in aller Offenheit unsere Sache vertreten. Der Verfasser des Artikels im ״Völkischen Beobachter“ gibt zunächst die Meinung der ״Jüdischen Rundschau“ über die Art und Weise, wie der Kongreß das Judenproblem behandeln sollte, wieder, und fügt dann hinzu: ״Man will also einerseits nach außen hin beruhigend wirken, fürchtet aber doch, daß dieses Bereden keinen richtigen Erfolg haben wird und entzieht sidi durch Nichterscheinen den dann zu erwartenden Konsequenzen in Deutschland.“ Auf eine so einfache Formel läßt sich das Verhalten der deutschen Zionisten nicht bringen. Gewiß wissen wir, daß in einer revolutionären Zeit, wie Deutschland sie heute durchlebt, eine erregte Atmosphäre herrscht, die leicht Mißverständnisse aufkommen läßt, die unter anderen Umständen unmöglich wären. In solchen Zeiten hekommt jeder in dem Milieu Lebende ein stärkeres Gefühl für die Pflicht der Besonnenheit und Selbstkontrolle. Wir haben die große deutsche Umwälzung stets unter geschichtlichem Aspekt gesehen und wenn bei diesem Ereignis die deutsche Judenfrage in überaus heftiger Weise zum Ausbruch gekommen ist, so haben wir doch die Hoffnung nicht aufgegeben, daß in einer etwas ruhigeren Zeit, die dem positiven Aufbau gewidmet ist, auch diese unser eigenes Leben bis in die tiefsten Tiefen berührende Frage eine befriedigende Lösung finden wird. Dies kann nicht durch Vertuschung geschehen, sondern nur durch zielbewußtc Arbeit. Wir Zionisten glauben, hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten zu können, und da wir die Jtidcnfrage stets in allen ihren komplizierten Zusammenhängen zu erkennen bestrebt waren, so haben wir uns auch zu einer gewissen Unabhängigkeit und Unbefangenheit des Urteils durchgerungen. Der Zionismus hat die judenfrage als ein Problem der Realpolitik atizupacken versucht, und in der Politik sind bekanntlich diejenigen schlecht beraten, die sich Sentiments hingeben, statt mit den Machtverhältnissen zu rechnen. Ob nun ein Volk die Judenfrage so oder so sieht, ob es etwa wie heute das deutsche Volk die Juden aus seinen gesellschaftlichen Gebilden ausscheiden will, — vom jüdisehen Standpunkt gesehen, besteht stets die eine Aufgäbe: eine neue Lebensform für die Juden zu finden, die die Ursachen jener bedauerlichen Konflikte beseitigt. Der Zionismus kann seinem ganzen Wesen nach nicht gegen irgendein Volk Stellung nehmen, da er sein Werk nur im Einvernehmen mit der Gemeinschaft der Völker vollbringen kann. Es ist daher nicht richtig, daß von zionistischer Seite Proklamationen ״gegen das erwachte Deutschland geschleudert“ werden können, denn es fällt keinem Zionisten ein, dem deutschen Volk Vorschriften über seine Lebensform machen zu wollen. Womit sich der Zionismus aber beschäftigen muß, ist die Lage der Juden, die natürlich auch durch die Haltung anderer Völker beeinflußt wird. Der Zionistenkongreß hat als solcher nichts mit der aktuellen Lage in Deutschland zu tun. Seit 1897 gab es Kongresse, er ist bereits der XV1I1. seiner Art, er hat also bereits getagt, lange bevor die deutsche Judenfrage in ein akutes Stadium getreten war. Gewisse Prinzipien müssen dabei als feststehend angesehen werden: Das stolze Bekenntnis zum jüdischen Volk und zur jüdischen Art schließt natürlich eine Ablehnung der Vorstellung der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse ,in sich. Auch der erbittertste Gegner der Juden wird nicht erwarten, daß die Juden selbst die These von der jüdischen Minder- Wertigkeit übernehmen. Erfreulicherweise mehren sich auch in Deutschland im nationalsozialistischen Lager die Stimmen, die bei aller Betonung der Andersartigkeit der jüdischen Rasse keine Diffamierung wünschen. Es läßt sich aber auch nicht leugnen, daß gerade jene antisemitischen Aeußerungen besonders bekannt geworden sind, die dem Juden alle moralischen Qualitäten absprechen. Eine Bewegung, die sich die Regeneration des jüdischen Volkes zum Ziel gesetzt hat, die an den Idealismus der jüdischen Jugend und der jüdischen Massen appelliert, um sie für ein Werk der harten Arbeit, aber der großen Ehre zu gewinnen, kann sich mit Anschauungen, die dem Juden Ehre und Idealismus absprechen, nicht abfinden. Es ist nichts natürlicher — und muß auch vom Gegner als natürlich empfunden werden —, als wenn man sich gegen solche Charakteristik zur Wehr setzt. Es ist aber ebenso selbstverständlich, daß eine große jüdische Konferenz. für das Prinzip der Gleichberechtigung der Juden eintritt. Denn diese Gleichberechtigung ist nicht nur eine materielle Frage, sondern zugleich eine Frage der Ehre und der Menschenwürde. Für diese Ideen der Gleichwertigkeit der jüdischen Rasse und der Gleichberechtigung jüdischer Menschen will der Zionismus werben, aber die tiefe Einsicht in das Wesen der Judenfrage behütet ihn hier vor der Wahl falscher Mittel. Sein Weg ist der mühevolle Weg der aufbauenden Arbeit. Wenn nun vom ״V. B.“ erklärt wird, die deutschen Zionisten hätten früher ״über das Elend Deutschlands triumphiert“, dann müssen wir eine solche Beschuldigung zurückweisen. Die deutschen Juden und mit ihnen die deutschen Zionisten sind in ihrem Schicksal so eng mit Deutschland verbunden, daß die Idee, sie hätten über Deutschlands Elend triumphiert, geradezu absurd erscheint. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß die in manchen Ländern gegen deutsche Waren gerichtete Boykott-Propaganda auch deutsche Juden in gleicher Weise wie Nichtjuden trifft. Wir haben in der ״Jüdischen Rundschau“ wiederholt gegen diese Boykott-Propaganda Steilung genommen, weil wir der Meinung sind, daß Boykott überhaupt keine geeignete Waffe im politischen Kampf ist. Wenn der ״Völkische Beobachter1■‘ von einem ״zionistischen Weltboykott gegen Deutschland“ spricht, so beruht diese Bezeichnung auf einem grundlegenden Irrtum. Im Schlußteil des Artikels von A. R. wird angedeutet, daß der Verfasser sich wohl bewußt ist, welche Motive bei Boykott-Propaganda mitspielen können. Nicht nur im Bereich der Judenfrage, sondern auch anderswo im politischen Leben können wir oft genug beobachten, daß die Motive für verschiedene Aktionen nicht so eindeutig sind, wie es nach außen hin den Anschein hat. Der Politiker aber muß wohl zu unterscheiden wissen zwischen dem Kern einer politischen Bewegung und den Erscheinungen, die sich in wechselnder Form um sie herumranken. Was die Grundhaltung des Zionismus hetrifft, so können wir hier nur wiederholen, was wir bereits am 13. Juni, als im ״Völkischen Beobachter“ gleichfalls eine Anspielung auf angebliche zionistische Aktionen erschien, geschrieben haben: ,,Der Zionismus anerkennt die Existenz der Judenfrage und will sic in einer großzügigen, konstruktiven Weise lösen. Er will hierfür die Mithilfe aller Völker gewinnen, der judenfreundlichen ebenso wie der judenfeindlichen, weil es sich nach seiner Auffassung hier nicht um Sentimentalitäten, sondern 11m ein reales Problem handelt, an dessen Lösung alle Völker interessiert sind- Wenn daher einzelne Juden in den verschiedensten Ländern auf eine Manifestation der Judenfrage durch kleinliche Racheakte oder Bovkott-Propaganda reagieren, so ist dies durchaus ״unzionistisch“ gedacht. Der Zionismus als Weltbewegung sucht keine Kämpfe solcher Art, er will überhaupt nicht bekämpfen, sondern überzeugen und aufbauen. Und gerade der deutsche Nationalsozialismus braucht wohl nicht erst lange überzeugt zu werden, daß es eine Judenfrage gibt und daß sic der Lös u n g bedarf .“ Der Zionismus hat von dem Tage seines Entstehens an den größten Wert auf das Prinzip der (■)Öffentlichkeit gelegt Alle seine Handlungen liegen offen und kontrollierbar vor ailerWelt. Darum bedauern wir, daß A R. in seinem Artikel zum Schluß die Vermutung aufstellt, daß neben den offiziellen Beschlüssen des Zionistenkongresses noch irgendwelche ״wirkliche“ Beschlüsse einhergehen. Ein solches Mißtrauen erschwert die Auseinandersetzung außerordentlich. Denn maßgebend für eine Bewegung können nur die offiziellen Reden und Be- Schlüsse sein. Mit ihnen allein hat der Politiker zu tun. Die Arbeit des Zionismus ist darauf gerichtet, durch Regelung der jüdischen Wanderung nach Palästina und Einordnung eines beruflich normal geschichteten Juden- Volkes in das Land die Judenfrage auch für die anderen Länder zu erleichtern. Denn wenn in einem Lande die Judenfrage sich zuspitzt, so leiden keineswegs nur die Juden darunter. Wie die Dinge heute liegen, könnte man die Erwartung aussprechen, daß gerade auch in Deutschland, wenn man sich erst von der grundsätzlichen Ablehnung alles Jüdischen freigemacht hat, die zionistisehen Bemühungen aufrichtiges Verständnis finden werden. Die nationalsozialistische Bildungswelt Zur pädagogischen Situation des Jüdischen Kindes Von Hugo R-osc!1111 a I. ln den Fragen der jüdischen Schule stehen sich drei, streng genommen vier Gruppen gegenüber: Die erste Gruppe fordert die jüdische Schule schlechthin, die ״w e - s e 11 s j ü d i s c 11 e“ Schule. Darunter wird eine Schule verstanden, die die Funktion hat, an der Fortpflanzung des geistigen Gehalts des Judentums, mit/uwirken, wobei die Tat- Sache, daß es sich um Schulen liandelt, die dem deutschen Kulturkreis eingegliedert sind, von wesenhaftcr Bedeutung ist. Die zweite Gruppe versieht unter einer jüdischen Schule eine ״konfessionelle“ d e w t s c 11 e S e h 11 1 c, d. h. eine Schule, deren Funktion es ist, den geistigen Gehalt des Deutschi ums fortzupflanzen und gleichzeitig das religiöse Kulturgut soweit zu übermitteln, wie es für eine Verständnisvolle Anteilnahme am religiösen l.chcn der Gemeinschaft erforderlich ist. Die dritte Gruppe lehnt die jüdische Schule grundsätzlich ab. Für die Uebermittlurig des religiösen Kulturgutes betrachtet sie eine mehr oder weniger große Zahl von Religionss111 mlen für hinreichend. Angesichts der Tatsache* jedoch, daß jüdische Kinder in der nichtjüdischeil Schule heute vielfach äußere und innere Schwierigkeiten haben, spricht sie solchen Kindern das Recht auf Untcrbringuug in jüdischen Schulen zu. Die vierte Gruppe deckt sieh hinsichtlich der grundsätzlichen Ablehnung jüdischer Schulen mit der dritten. Sie imierseheidet sich von ihr insofern, als sie der Ansicht ist, daß die Kinder unter allen Umständen in den allgemeinen Schulen verbleiben müssen. Nur insoweit Kinder aus diesen ausgewiesen werden (betrifft die ״höheren Schulen“), ist sie mit der Einrichtung von jüdischeu Schulen für solche Schiller einverstanden. Für die beiden ersten Gruppen hat die jüdische Schule eine positive Bedeutung. Ganz allgemein gesprochen bejähen beide das Vorhandensein von Gemeinsamkeiten bei den Juden, die ihren notwendigen Ausdruck in Erziehung und Bildung finden müssen. Für die dritte und vierte Gruppe hat die jüdische Schule nur negative Bedeutung: Besser, sie wäre nicht da, brauchte nicht da zu sein. Sie hat keine innere Berechtigung, denn es gibt keinen besonderen jüdischen Gehalt, der zu seiner Fortpflanzung die jüdische Schule notwendig brauchte. Die — wenn auch nur oberflächliche — Nebeneinander- Stellung der verschiedenen Gruppcnansichten über Sinn oder Nichts»!» jüdischer Schulen zeigt die tragische Verschlungenheit der Frage, die nicht anders als in ernster Gedankenarbeit zu entwirren ist. Der Gefahr einer subjektiven und tendenziösen Betrachtungsweise wird man dabei am besten wohl dadurch ausweichen, daß man zunächst davon absieht, den umstrittenen jüdisch-weltanschaulichen Standpunkt ein zunchmen, vielmehr zu erfahren sucht, w e I c 11 e Funktion die S c 11 111 c na c h der Ans e h a u u n g d e r rf cuts c h e n Pädagogen dieser und der j ü 11 g s t ver g a 11 g e 11 e n Zeit im volklichen Leben erfüllt. Daraus werden sich auch Schlüsse für die Fragen der Organisation eines jüdischen Bildungswesens ziehen lassen. Wir können uns hei Betrachtung der Anschauungen deutsch er Pädagogen!1 i c 111 aut j ü d i s c 11 - deutsche Pädagogen beziehen. In der Geschichte des Bildungswesciis der letzten hundert Jahre spiele» Juden eine überraschend unbedeutende Rolle. Das isi tun so auffälliger, als es sonst kaum einen Zweig des deutschen Kulturlebens gibt, auf dem Juden nicht Hervorragendes geleistet hätten.( Von der Arbeit jüdischer Psychologen muß hier abgesehen werden, da sie nur gelegentlich und mittelbar aut die Gestaltung des Ri!- dungswesens einwirkten. Die Möglichkeit fruchtbarer Einflußnah me, die durch eine ״Psychologie des jüdischen Kindes“ gegeben war, wurde von ihnen nicht erkannt.) Daß Juden aut dem Gebiete des Erzicliungs- 11 ml Bildungswesens so wenig geleistet haben, obwohl es zeitweilig ein ausgedehntes Netz jüdischer Volksschulen, Rabbiner- und Lehrerseminare sowie eine, wenn auch nur kleine Zahl höherer Schulen gab, obwohl sogar eine nicht unbeträchtliche Zahl jüdischer Lehrer an den Volks-, höheren und Hochschulen wirkten, kann nur seinen Grund darin haben, daß in der erzieherischen Arbeit der meisten jüdischen Pädagogen eit! Riß war. Zwischen dem zu gestaltende» Stoff und dem Gestalter lag eine Distanz, die jene innige Verbundenheit zwischen Materie und Schöpfer verhinderte, durch welche erst der schöpferische und formende Gedanke erstehen konnte. Man kann heute von einer 11 a t i o n a 1 s o z i a I is t i - sehen Pädagogik sprechen. Das ist aber nicht so zu verstehen, als hätte der Nationalsozialismus sich eine Er/iehungstheorie geschaffen, auf der er nun sein Bildungswcsen aufbauen wollte. Diese Pädagogik ist vielmehr die eigen״esetzliehe Fortentwicklung der pädagogischen Anschauungen der letzten Jahrzehnte. Dieselbe Kraft, die im Nationalsozialismus eine neue Idee des deutschen Volkes Form gewinnen läßt, bewirkte auch, daß diese Idee eine Erziehungswissenschaft vor fand, die sie in sich auf/unchmcu vermochte. Die folgenden Ausführungen gründen sich auf das in diesem Jahre in zweiter Auflage erschienene Buch von Philipp Hördt ״Theorie der Schule*). Seine Lektüre sei allen, die ernsthaft um die Probleme der jüdischen Schule ringen, empfohlen. Hördt ist in seinen Anschauungen befruchtet von Ernst K r i e c k, dem ehemaligen Volksschullelirer und gegenwärtigen Rektor der Frankfurter Universität Krieclt ist Nationalsozialist, und die von ihm vertretene Erziehunjfswisscnschaft dürfte als maßgebend angesehen werden für den Geist der nationalsozialistischen Bilduugsorganisation. Zu den Fragen, ״welche Arten, Stufen und Verzweigungen des Schulwesens es gehen soll, wie die höheren, mittleren und niederen Schulen, die Fach- und allgemeinbildenden Schulen abzugrenzen und zu verbinden sind“ — Fragen, die sich *) Verlag Moritz Diesteweg, Frankfurt a. M.