Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 63 (8.8.1933)
- Date
- 1933-08-08
- Page
- Seite 410 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653790--23956-2686878- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 408 JODISCffE RUNDSCHAU m-.es, 8.vnr.t$8 legende erzählen, die das Quaken der Frösche (weil seines inneren Sinnes kundig) fast über die Lieder des König Dawki stellt; ihnen wird es auch nicht wunderbar erscheinen, wenn auf die Frage nach dem ״Zweck“ eines schädlichen Insekts (neben aller sonstigen naturwissenschaftlichen Aufklärung) die Geschichte vom König Dawid, der Spinne und der Hörnisse erzählt wird. Reiferen Schillern braucht man vielleicht die Antwort Ravs, daß alles in der Welt sinnvoll sei, nicht vorzuenthalten. Wesentlich für alles Gesagte Ist, daß es unseren Juragen und Mädels hebräisch gesagt werden kann; daß es nicht ״zitiert“, sondern spontan dem Augenblicksbedürfnis entsprechend überliefert wird. Sache der Lehrer ist es, die Quellen kennenzulemen und aus dieser ihrer Kenntnis heraus jüdische Naturbetrachtung zu verlebendigen. Situation und Ausweg Ed. Sprangen Stellungnahme zur Psychologie der jüdischer» Jugend Von Simon Maring er, Köln. Daß die Psyche des jüdischem Menschen und insbesondere des jüdischen Jugendlichen ein spezifisches Problem, eine ״ וJudenfrage“ für sich ist, beweisen uns die vielen Aufsätze,;Bücher und wissenschaftlichen Stellungnahmen, die besonders in jüngster Zeit auch von mchtjüdisclier Seite diese Frage, oft ״J u d e n t u תו s n c u r o s e“ genannt, zum Anlaß einer mehr oder weniger tiefen, individualpsychologischen oder psychoanalytischen Untersuchung machten. Alfred Adler, der Schöpfer der Individualpsyehologie, charakterisierte in einem (resprach mit mir in München dir nationaljüdische Bewegung mit den Worten: ״Ich halte nichts von einer Bewegung, die aus einem Schwächegefubl heraus entstanden ist.“ Fin solches Bestreben erscheint ihm als eine Art Ueberkompcnsation zu faktischer oder eingebildeter Inferiorität. —• Sehr viel tiefer und aufschlußreicher gegenüber dieser oberflächlichen, gerade auch für den Juden Adler charakteristischen Stellungnahme wirk: die vor etwa sieben Jahren in einem Briefe an Frl. Rosi Lechner clargesfellte ״Psychologie der jüdischen Jugend“ des Nichtjuden Fciuard Sprang er, die bisher noch nicht, wie sic es verdiente, in die breitere Octfcntlichkeit gedrungen ist. Gerade di« Aktualität des. Themas und die in dieser Untersuchung wunderbar erkannte zuständliche und geistige Prohlemati/itat des jüdischen Jugendlichen seitens einer auch im neuen Reich hochgeschätzten und anerkannten Persönlichkeit, veranlassen mich, diesen Brief einem breiteren Publikum zu unterbreiten. Ich lasse ihn hier in seiner Vollständigkeit folgen: ״Ich will versuchen, Ihre Frage zu beantworten, soweit es in der Kürze möglich ist Die Besonderheit in der seelischen Entwicklung von Jugendlichen jüdischer Abkunft beruht zunächst auf einem Naturfaktor: die Entwicklung vollzieht sich schneller, die Pubertät tritt trüber ein. Die Seite der Sexualität ist dabei im allgemeinen stärker betont als bei nordischen Völkern: das Blut pocht stärker. Dazu kommen die Einflüsse der Umweit. Die Kampfstellung, in der sich die jüdische Minorität inmitten einer vielfach übelwollenden gesellschaftlichen Umgebung befindet, erfordert frühe Anspornung der Kräfte des Wettbewerbs: daher gesteigerte lntellektualität, oft bis zum Uebermaß von Reflexion, im Dienste der Selbstverteidigung und Durchsetzung, ln der Zeit des eigentlichen seelisehen Erwachens bedeutet daß Bewußtwerden der Sonder- Stellung eine Verschärfung der allgemeinen Krisis. Hierbei treten zwei Errtwicklungsforrracn auf: bisweilen ein radikaler, fast prophetischer Idealismus, der auf äußerste Sittenstrenge, Reinheit, Gerechtigkeit drängt (Typus des Zionisten), bisweilen aber auch «in zersetzender Zweifel, der sich von aller Tradition, von allem Glauben and aller Gemütstiefe loslöst, während das freie 5>piel des Intellektes um so stärker brilliert (nur ohne das Fundament von Charakter, durch das der Intellekt erst fruchtbar und‘ aufbauend wirkt). Die Folge ist eine zerstörende Tendenz, weitgehende Haltlosigkeit aut sexuellem, manchmal auch auf geschäftlichem oder politischem Gebiet- — Endlich ist bekannt, die auf Jahrhunderte alter Vergangenheit beruhende enge Verflechtung des Judentums mit der Geldwirtscliaft und das daraus folgende besonders lebhafte Interesse jüdischer Jugendlicher für dieses Gebiet. Tiefere Naturen suchen früh Gegengewichte dagegen in sich auszubilden. Datier dann eine stärkere Hinwendung /um Geistigen, besonders zur Wissenschaft oder zum Aesthdisehen. Aber man fühlt leicht, daß es sich hierbei »in eine Art von Selbstschutz handelt, nicht um frei von innen heraus Gewachsenes. Lassen Sie mich zum Schluß noch sagen, daß es eirf junger Jude in unserer Welt sehr schwer hat, daß er aber, wenn er in diesem inneren nnd äußeren Kampfe siegreich bleibt, zu den stärksten und wertvollsten Kräften der gemeinsamen Kultur gehört. Unter meinen besten Freunden sind nicht wenige Juden. Mit freundlichen Grüßen Ihr Eduard Spränger.“ Die Erwähnung des Naturfaktors ist gewiß insofern wichtig, als vieles, was bisher von besonders eifrigen Psychologen schnell als ״Komplex“, ״Kompensation“ eines Minderwertigkeitsgefiihls, Verdrängüng u. a. gedeutet wurde, hierdurch seine natürliche Erklärung findet, wie z. B. die schnelle und dann leicht exzessive Begeisterung des Juden, sein revolutionärer Fanatismus, seine zu Martyrium bereite Aufopferung und inbrünstige Hingabe, das tief Ur- und Elementarhafte seiner fast visionären Konzeption tisw. Wichtiger jedoch, da das eigentliche Problem, ist die gedrängte Darstellung der verhängnisvollen Wechselwirkung zwischen der intellektuellen Grunddisposition und ״Voraussetzung“ einerseits (mit mediz. Terminus: dem praetnorbiden Zustand) und einer unterdrückenden und entwertenden Umwelt andererseits. Ich habe einmal an anderer Stelle etwas ausführlicher das Wesen der jüdischen lntellektualität (die übrigens meist mit Begabung und Intelligenz identiliziert wird) einer Untersuchung unterzogen und schrieb: ״Der Hang des Juden zur Abstraktion, zur Speku* lation, zu einer subtilen Spiritualität ist zweifellos eine jener Erscheinungen, die man als das Ergebnis einer historischen ״Begabungszüchtung“ bezeichnen kann. (Die hieraus sich ergebende große Befähigung der Juden zu intellektuellen Bernfen, der Sinn für die Dialektik, ist also keineswegs als Phinomen apriori, als Begabung, als elementare Disposition anzusehen.) Dieser Hang liegt nun, je nach der individuellen Mentalität bald stärker, bald schwächer betont, als ״Voraus- Setzung“, als Dispositionsbegriff, als historische Erbmasse im jüdischen Menschen. Hierdurch ist also von vornherein eine etwas von der Generallinie des ״normalen“ Menschen abweichende Stellung des Juden bedingt. Das jüdische Kind zeigt in der nichtjüdischen Schule eine größere Auffasstings-' und Kombinaliousgabe. (Wohlverstanden, ich warne davor, an eine höhere ״Begabung“ des jüdischen Kindes im allgemeinen zu glauben. Seine historisefr/akkumulierte Fähigkeit ist nichts anderes als ein geschichtlich bedingtes Training, das ebenso, wären die geschichtlichen Umstände anderer Art gewesen» eine andere, sagen wir besonders manuelle Eignung, hätte bedingen können.)“ Wir befinden uns in einem häßlichen Zirkel von geradezu metaphysischer Tragik: Züchtung einer überspitzten intellektuellen Pan-Konzeption durch die jeweiligen historischen Wel• ten und permanenter Zusammenstoß ran ihnen. Hier stehen wir unmittelbar vor der tragisches» Ursache unserer psychisehen Zwiespältigkeit und unserer politischen und soziologisehen Problematik in der praktischen Realität. Wir lehnen es in diesem Zusammenhang ab, wie es oft in psychologischen Untersuchungen geschah, den Antisemitismus als eine auf einem verstärkten Minderwertigkeitsgefühl beruhende neurotische Entwertungssucht gegenüber einer intellekiuellen Ueberlegenheit des Juden (z. B. in der Schule usw.) zu charakterisieren und damit m ״widerlegen“. Es ist dies eine unsachliche und müßige Art der ^Beweisführung“, da man nicht sachlich forschen, sonder« zu einem vorgefaßten und gewünschten Resultat kommen will. Spranger wies auf besonders zwei Entwicklungsformen hin. Man wird geneigt sein, die zweite als jenes in Romanen und Aufsätzen sattsam behandelte neurotische Objekt, jüdischneurotische Objekt, zu typisieren. Bevor wir jedoch "die Berechtigung einer solchen Typisierung untersuchen wollen, gilt es vor allem, den Begriff der Neurose, der heute sehr geläufig und sehr mißverstanden ist, in zwei knappen Sätzen individualpsychologischer Perspektivik zu umreißen. Dem der wissenschaftlichen Inhaltsbestimmttng der Neurose gewidmeten 3. Heft der ״Internationalen Zeitschrift für Individualpsychologie", herausgegeben von Dr. Alfred Adler, kann man ungefähr folgendes Resultat entnehmen: Der Neurotiker leidet unter einem verstärkten Mindcrwcrtigkeitsgefiihl, schätzt daher die sozialen Lebcnsaufgaben und Pflichten sehr hoch ein und wird daher, soweit er sie überhaupt zu bewältigen vornimmt, iri der Ausübung dieser oder jener scheitern; damit dieser Fchlschiag nicht seinem Sehuldkonto zugeschrieben wird, errichtet er einen genialen Trickbau von somatischen Symptomen (z. B. Lälimung, Bronchialasthma u. a.) oder merkwürdigen Verhaltungsweisen, erfaßt jede Aufgabe tendenziös in dem Sinne, daß er sie in Berufung auf diese oder jene Beschwerde ״leider“ nicht erfüllen kann und flüchtet somit in ein fiktives Reich des Nichtstuns und der Ablehnung. Gibt es nun diesen jüdischen Neurotiker? Zweifcllos. Wird das jüdische Kind nicht tagtäglich zur Mehr- Icistung aufgefordert? Muß es nicht tagtäglich von den Eltern hören: ״Gerade wir Juden haben die besondere Pflicht...“ usw. So wird von klein auf alltäglich in dem Kind das Bewußtsem der Schlachtfeldatmosphäre der Welt, der Quivive- Situation, des Flucht-Gebotes hin ein gebildet, angezüchtet. Angst, Abwehr, Feigheit, Asozialität, Egoismus werden gleichsam zur unwillkürlichen, selbstverständlichen Reaktion: in Organsprache ausgedrückte seelische Gefühlssituation. Ich schrieb an anderer Stelle: ״Das jüdische Kind ist in Schule und Straße, in Schrift una Bild dem Angriff der Entwertung ausgesetzt. Wir kennen genügend den kompensieTenden Typ des jüdischen Strebens, die jüdische ״Chuzpe“, Unverfrorenheit und alle jene Eigenschaften, als da sind: vorlaut, rechthaberisch, verneinend, oppositionell, revolutionär, radikal usw. Der Jude ist ein großer Könner. Große Leistungen jedoch, die aus dem zermürbenden Gefühl der Minderwertigkeit heraus entstanden sind, dienen in den wenigsten Fällen der Bereicherung ihres Schöpfers oder der Gemeinsehaft, sondern sind nur unter der Tendenz und für den alleinigen Zweck des Machtbesitzes geschaffen worden. Sie sind unnütz, verstiegen, negativ.“ Dem von Spranger geschilderten erwachsenen Neurotiker darf inan zweifellos in den Reihen der radikal-assimilatorischen Selbsthasser und jüdisch-kommunistischen Agitatoren suchen. Hier brilliert tatsächlich der Intellekt als Selbstzweck, ist gleichsam rettendes Versteck vor dem tiefen timor vacui, dem Herze« ohne Werte, dessen Generalmotto: Ablehnung aut jeden Fall! heißt. Ihr psychischer Nihilismus stellt gebieterisch die ewig neurotische Forderung: Alles oder nichts!, was nichts anderes heißt als: Alles, weil nichts! Der Wille nach persönlicher Macht lechzt nicht nach Vera ntwortung, die stets mit der Macht verbunden ist, sondern nach den ״Insignien der Macht“, der Diktatorgeste, der Hoheitsatmosphäre. Ahasver auf der Flucht vor sich selbst, vor dem Erkanntwerden, daher stets exponiertester Punkt, stets Superlativ, stets ein wenig ״zu“. Es kommt nicht darauf an, ob inan diese Erscheinung mit Kompensation, Veidrängung oder Ambivalenz bezeichnen will, liier geht es nicht um Begriffe, sondern um Schicksale. Wir sehen Menschen ohne Glauben, ohne Wertewelt, ohne Hoffnung, mit dem permanenten Gefühl, in ״Feindesland“ zu stehen, verkrampft, extremistisch, seelisch verkrüppelt, in metaphysischem Hader: Kinder, die ihre Unbefangenheit verloren!iahen, die nicht fordern, sondern ängstlich abwehrend dem leben gegenüberstehen, denen das Judentum Fluch bedeutet Warum? — Weil sie, innerlich leer, sich hungrig auf die nächstbeste Weltweit stürzten, diese jedoch nie ohne schlechtes Gewissen (in einem höheren m«tapl1ysischen Sinn) vollkommen assimilieren konnten. Voilä, die Rechnung! Was ist zu tun? — Mit dieser Frage leiten wir die Suche nach einem gangbaren Erziehungsweg, einer totalen Lösung unserer tragischen Gespaltcnheit ein. Wie sagt Spranger? ״...daß es ein junger Jude in unserer Welt sehr schwer bat, daß er aber, wenn er in diesem inneren und äußeren Kampfe siegreich bleibt, zu den stärksten und wertvollsten Kräften der gemeinsamen Kultur gehört.“ Heilt man diesen Menschen nun, indem man ihn in die Schweiz schickt, oder indem man als aktives Mitglied eifrig für eine Abstinenz- oder Esperantobewegung eintritt, oder indem man enthusiastisch eine neue Kunst, Wissenschaft, Weltanschauung, Reiigion u. a. propagiert? Auf welchem Gebiet, auf Grund welcher schicksalhaften Situation erlitt dieser junge Mensch sein tief verhängnisvolles Trauma? wo ist das Problem, der archimedische Punkt? — Es gilt festzustellen: Nicht jene Vorwürfe unserer sittlichen, rassischen, kulhi- Teilen und menschlichen Minderwertigkeit schufen jenes tiefe Trauma, jenen seelischen Schock, nein, diese konnten, wenn auch mit peinlichen Gefühlen, abgewehrt und widerlegt werden. Antisemitismus ist viel mehr als bloße zeitbedingte Hetze oder ״Sozialismus der dummen Kerle“. Nein, viel tiefer: unser Trauma ist die notwendige Folge unserer Existenz in der Diaspora im allgemeinen und unserer anormalen ״Deutsche Judenfrage und Palästinasiedlung11 Dr. GEORG LANDAUER spricht über dieses Thema am Montag, dem 14. August, abends 8 Uhr, in der Aula der Schute Kolserstraße £0/30 Berliner Zionistische Vereinigung GRUPPE ZENTRUM GRUPPE FRI ED R1CHS H AI N Schichtung im besonderen: unser Jadesein ist also das Problem! — Nun, stellen wir die Formel auf» linden wir das bedeutsame Heilmittel der Ermutigung, die Therapie des heiligen Ja-Sagen s, des urgewachsenen Stolzes! Gegenüber äußerer Entwertung und äußerer Bedrückung gibt es nur die innere Freiheit und diese wiederum mir durch das Bewußtsein einer wunderbaren eigenen und ewigen Wertwelt. Wertschaffung!, das ist unsere erste große Etappe auf dem Wege der Totaltherapie der Judentums-Neurose. Hier tritt die ungeheure Bedeutung der jüdischen Schule als Vermittlerin jüdischer Werte und jüdischen K111turgutes besonders zutage, als politisch-akute und psychischtherapeutische Notwendigkeit. Es sind da besonders zwei Perspektiven, die sowohl von einer höheren historischen als auch individuell-persönlichen Warte aus die radikale Regeneration durch Totalgesundung vorbereiten müssen, und zwar innerhalb des Rahmens der Schule: Umschichtung in körperlicher und geistiger Hinsicht mit dem Ziel vor?Ilern auch der Schaffung einer neuen!!!«geschichteten Mentalität (die Schule als geistige Hachscharah) und jüdisches Er- 1 e b n i s. Denn das jüdische Erlebnis, vermittelt durch das jüdische Fest, das jüdische Lied, durch Sprache, durch das Erleben der Geschichte und des Landes ist ein quasi s^mbolischer Akt, kann zu einer Art Katharsis, innerer Reinigung werden: Ausdruck der Bereitschaft zu jüdischer wertrezeption. Hier wären wir an einen Punkt gelangt, wo man die tiefsten Wurzeln des Antisemitismus und auch des Zionism u s erfühlt und begreift, wie wir sie oben erkannt haben. Der Blick ist nicht mehr befangen, sondern frei, die psychisehe Konzeption nicht mehr Abdruck ״tendenziöser Appcrzeption“. Man erkennt, daß Abwehraktionen nur Symptom, doch nicht Krankheits-Behandlung bedeuten, da das tiefe eigentliche Problem ja nicht gesehen wird, weil man es nicht sehen will und es daher verdrängt. Man wird mit Faust jenen Prokfophantasmisfen belächeln, der glaubte, mit ausgekliigelten Definitionen und herrlichen Begriffen eine Realität fortzaubern zu können und seiner Enttäuschung mit dem Rufe Ausdruck verlieh: Ihr seid noch Immer da! Neirt, das ist unerhört. Verschwindet doch! Wir haben ja aufgeklärt! Das Teulelspack, es fragt nach keiner Regel. Wir sind so klug, und dennoch spukt’s in Tegel. Frei nach innen, frei nach außen, aufrecht und selbstbewußt, sachlich und klaren Blicks steht nun der jüdische Jugendliehe da. Ahasver ist zur Ruhe gekommen, die Jagd nach neuen Werten ist zu Ende, denn er trägt seine eigene Welt beglückt in seinem Herzen. Fluch- und Schicksalsjudentum sind zu Bewußtseins- und Stolz-Judentum geworden (denn ist nicht, wie der Schweizer Jung sagt, ein charakteristisches Merkmal des seelisch gesunden, unneurotischen Menschen auch ein gewisser amor fati?), die seelische Verhandlung!- basis zu einer auf gegenseitiger Achtung und gegenseitigem geistigen Austausch beruhenden Wir-Bildung, einem tiefen und heiligen, sittlichen und veredelnden Kosmopolitentum, seelisch-geistiger Weltgemeinschaft, vormals neurotisches Fluchtziel, ist nun geschaffen, die psychologische Judenfrage hat ihre Lösung gefunden. Wie ruft uns Bub er zu? ״Daß der jetzt Heranwachsende Jude sich auf den Urbestand seines geschichtlichen Wesens besinne und sich aus ihm neu aufbaue zu dem Menschen, der die Problematik der Gegenwart am exponiertesten Punkte bewältige, das ist das Ziel unseres Bildens, ihr jüdischen Erzieher aut deutscher Erde! — Wir wollen ungespaltene, unbefangene, ■unabhängige Geschlechter erziehen.“ (Unser Bildungsziel, Jüd. Rundschau, Nr. 54.) Erzlehungsmoglichkeit in Palästina Nach den Nachrichten der Erziehungs-Kommissfon des Waad Leumi haben folgende Schulen in den Siedlungen des Keren Hajessod ihre Bereitschaft erklärt, jüdische Kinder aus Deutschland aufztmehmen: In Moschawira: Nahalal 50 Kinder Ejn Chaj 30 » Kfar Jehoschua 27 Beer Tuwia 25 T el-Adaschim 25 Merchawia 25 Ben Schemen 11 Balfuria 10 99 zusammen; 203 Kinder In K wuzoth: Ejn Charod 60 Kinder Beth Alfa u. Chefziba 40 Gan Schmuei 30 Ramath David 30 Kirjath Anawim 30 מ Tel Josef 30 » Ramath. Hazafon 25 Kwuzah Schiller 25 Dagania Alef 20 99 Dagania Beth 20 99 Kinereth 20 Gcwah 20 Ginegar 20 יו Merchawia 20 Mischmar Haemek 20 Sarid 15 Misrah 15 Kfar Gun 10 99 zusammen: 450 Kinder Aus der Lehrerschaft Aus Duisburg wird uns geschrieben: Seit 1928 veranstalten die jüdischer» Lehrer unseres Bezirkes unter der Leitung des Kollegen Nußbaum (Bocholt) regelmäßige Zusammen• künfte. Ir. den letzten Jahren fanden dieselben allmonatlich in den Räumen der Loge zu Duisburg statt. Die Arbeitssloff« werden aus allen Gebieten jüdischen und hebräischen Wissens gewählt. Vorträge über Liturgie und Vorschriften der Frier■ tage, Studium der auf die Festtage bezüglichen Mischnah־ und Gemarahtraktate nebst Kommentaren stehen im Mittelpunkt der Arbeit. Zu Bialiks Geburtstag lasen wir Midraschim aus seiner Sammlung Sefer haagadah. Im Anschluß an die wissenschaftliche Arbeit werden Standes- und Unterrichtsfragen besprochen. In zwanglosem Zusammensein werden Erfahrungen ausgetauscht und Anregungen vermittelt. Die Arbeitstagungen erfreuen sich wachsenden Interesses und einer steigenden Teilnehmerzahl. Wünschenswert wäre eine stärkere Einbe- Ziehung neuhebräischer Literatur in die bisherigen Arbeitsgebiete. Die Arbeitsgemeinschaft bedeutet eine wertvolle Vervolikommnung und Vertiefung unser jüdischen und hebräisehen Bildung, die wir für unsere Gemeinden und besonders für die uns anvertraute Jugend heute mehr denn je benötigen. Gottfried Israel. 1•■