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Jüdische Rundschau · 1933-07-25 · Heft 59 (25.7.1933) · p. Seite 365

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 59 (25.7.1933)
Date
1933-07-25
Page
Seite 365 (sequence 1)
Language
German
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27. 7.1933 Erziehung deutscher Juderikinder in Pal&siina. Einzelnummer RM 0,2: JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedonDienstagu. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Reichsmark, vierteljährlich 5,75 Reichsmark. AubWruisabonnemems werden in der Währung der «sbixelnpn Lander berechnet׳ Anzeigenpreis: 8 gespaltene Nohpareiilezeile 0,50 RM. Stellengesuch® 0,25 RM Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b.H., Berlin W15, Meinekestr. 10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dienstag ־ Nummer : Freitag nachmittags 4 Uhr Freitag - Nummer: Dienstag nachmittags 4 Uhr. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Po! t« check. Konten: Berlin 173 92, B«sel V 9355. Belgr«d 680 32, Brüssel 394 33. Budapest 59693, D״uig 1973. Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155, Stratburg 164 30, Warschau 190708, Wien 156 030 Bank-Konten: Dresdner Bank, Depositen-Kasse Berlin, Kurfürsiendanmi 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anglo Palestine Co. m Haiia, Jerusalem, Tel *Aviv. Nummer 59/ | Berlin, 25. VII. 1933 ב אב תרצ״ג | xxxvm. jahr?. Per Zionismus erstrebt iOr da» jPdlsche Volk die Schäftung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte ln Pa1a»«in», ״Baseler Programm.‘* / Wieviel ״Nichtarier“ gibt es in Deutschland? Ein statistisches Rechenexempel I Von Ernst Kahn ' Zn den beliebtesten Unterlialtungsstoffcn in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen gehört gegenwärtig; die Frage, wieviel Krypto-, Halb- und Vierteljuden wohl in Deulschland leben. Unter ״Krypfojuden“ sind alle jene zu verstehen, die sich nicht zum Judentum konfessionell bekennen, blutmäßig aber voll zu ihnen zählen, während bei den Halbjudeu zwei, bei den Vierieijuden drei Großelternteilc arisch waren. Die Frage ist deshalb naheliegend, weil man durch ihre Beantwortung einen Begriff bekommt, wieviele Menschen dem verschiedenen Gleichschaltehcstiminungen unterliegen. Denn die amtlichen Zählungen ermitteln ja nur die religiös organisiert e n Juden. Ihre Zahl dürfte seit der letzten Feststellung durch Abwanderung, Austritte und Sterbeüberschuß aut rund 500 000 gesunken sein; das sind nur % ״« der Bevölkerung. Der vorherrschende Eindruck geht nun dahin, daß die Zahl der ״Nichtarier“ ein Mehrfaches umfasse. Die üblichsten Schätzungen schwanken zwischen zwei und drei Millionen; vereinzelt hört man gerade auch in gebildeten Kreisen von sieben und acht Millionen sprechen. Es ist kein Zufall, daß die ״bessere“ Gesellschaft besonders hoch schätzt. Denn sie ist in der Tat sehr stark mit jüdischem Blut durchsetzt. Das gilt nicht etwa nur für das großstädtische Künstler- und Literatentum, für die Akademikersebicht im allgemeinen und die Professoren im besonderen, sondern für den Add gerade irn Großgrundbesitz, und das Offizierskorps. Man Übersicht aber, daß diese immerhin dünne Oberschicht gegenüber der großen Masse der Arbeiter, Bauern und Handwerker numerisch kaum ins Gcwicht fällt. In diesen Ständen aber wird man wenig Vermischimgen feststellen können. Daneben ist nicht zu vergossen, daß die verblüffende Häufigkeit von Mischehen erst in der jüngsten Zeit eingesetzt hat. Jener Auflösungsprozeß, der die deutschen Juden fast unaufhaltsam zu dezimieren drohte und der jetzt vielleicht auf ein entscheidendes Hindernis gestoßen ist, war erst seit wenigen Jahrzehnten voll im Gange: fm Jahre 1002 schlossen beispielsweise erst 626 Juden Mischehen, gegen 1542 im Jahre 1031. Und schließlieh wird wohl übersehen, daß diese Mischehen sogar in dem so geburtenarmen Deutschland einen Rekord an Sterilität darstellen. Während nämlich die durchschnittliche Kinclerzah! je Ehe im heutigen Deutschland etwa 1,6 sein mag, dürfte für Mischehen zwischen Juden und Nichtjuden diese Zahl neuerdings rund 0,5 sein. Das heißt also, daß erst jede zweite Ehe dieser Art überhaupt ein Kind aufweist. (Dieser Umstand möge eifrige Rassentheoretiker auf beiden Seiten nicht zur oft gelesenen Annahme verleiten, daß hier b i o - logische Gründe vorliegen; eine derartige Behauptung wäre nämlich nachweisbar falsch; vor dein Zeitalter des Geburtenrückganges waren vielmehr die verhältnismäßig seltenen Mischehen in den gehobenen Schichten sehr kinderreich. Der Grund für die beispiellose Sterilität liegt vielmehr auf soziologischem Gebiet; es handelt sich vorwiegend um Kreise, die den Rationalismus und den Individualismus auf die Spitze treiben, spät heiraten und sich auch leicht scheiden lassen,) Aus den bisherigen Bemerkungen ergibt sich bereits die Vermutung, daß die Zahl der Nichtarier überschätzt wird. Wie aber kann man einigermaßen exakte und verwendbare Ziffern gewinnen? Der Schreiber dieser Zeilen hat sich eine Methode zurecht gelegt, die zum mindesten in ihrem theoretischen Teil kaum angefoehten werden wird; die praktische Nutzanwendüng freilich wird auf Grund von Sondernntersuchungen vermutlich verbessert und korrigiert werden (was niemand mehr begrüßen wird als ich). Nun also die Methode; Als Quellen der praktisch nichtertaßten ״Nichtarier“ kommen im weseniliehen nur in Frage die aus dem Judentum Austrcfenden und die Mischehen. Es ist somit testzustellen, wieviel Menschen aus dem Judentum ausgetreten sind, und wieviel von ihnen und ihren ebenfalls testzustellenden Nachkommen noch leben. Dazu sind die heute noch lebenden Sprößlinge aus Mischehen zu zählen. Eine derartige Untersuchung braucht nicht weiter in die Vergangenheit zurückzugehen als bis zum Jahre 1830, so daß also ein Jahrhundert genügt. Der Grund für diese Beschränkung liegt nicht etwa 111 der Verhältnismäßigen Seltenheit von Abspaltungen in der weiter zurückliegenden Zeit, sondern in dem Umstand, daB die noch lebenden Nachkonnnenden vor 1830 aus unserer Gemeinschaft Geschiedenen vorwiegend weniger als 25 0״ jüdisches Blut autweisen und damit für unsere Untersuchung ausscheidcn. (Daß unter diesen hier Ausgeschiedenen ein erheblicher Teil unseres Hochadels und so manche prominente Menschen sich befinden, ist eine Sache für sich.) Ein Mangel dieser Methode besteht darin, daß sie die sogenannte Wan derbewegung außer acht läßt; da kaum in beträchtlicher Zahl eine Einwanderung von getauften Juden nach Deutschland stattfand, dagegen immerhin derartige Elemente oder ihre Nachkommen ausgewandert sind, muß unser Resultat eher zu hoch als zu niedrig werden. Soweit die theoretische Uebcrlegung. Viel schwieriger ist in diesem Falle deshalb die praktische Nutzanwendung, wir sowohl über die Austritte wie über di e Mischehe recht lückenhaftes Material besitzen. den Jahren Schätzung der Austritte Mischehen 1831/40 1 500 200 1841/50 1 500 300 1851/60 1 OOO 400 1861)70 1 OOO 1 000 1871/80 1 OOO 2 000 1881/90 1 OOO 3000 1891/00 2 000 4 500 1901/10 2 000 8 220 1911/20 3 500 12 660* 1921/30 8000 15 288* 1931/32 2 030 3 400 Diese Tabelle beruht mit Ausnahme der besonders gekonnzeichneten Ziffern, wie schon bemerkt, auf Schätzungen. Indessen sind diese Schätzungen keineswegs willkürlich; sie sind vielmehr zustandegekommen entweder auf Grund von Teilallgaben für einzelne Landesteile oder nach IJcbcrlegungen. So finden sich beispielsweise für die Mischehen Eändcrangaben bis 1875 in dem Standardwerk von Ruppin über die ״Soziologie der Juden“. Wenn hier für die weiter zurückliegenden Jahrzehnte verhältnismäßig wenig Mischehen angenommen wurden, so geschah das deshalb, weil in jener Zeit die Juden religiös und örtlich noch sehr stark von ihrem Wirtsvolk geschieden waren und die wenigen Mischehen zum erheblichen Teil erst nach erfolgtem Austritt des jüdischen Partners aus seiner Konfessionsgemcinschaft vollzogen sein dürften. Diese Juden aber sind bereits in der Rubrik ״Austritte" berücksichtigt. Was nun diese anbelangt, so sind hier Teilangaben zugründe gelegt; der zeitweise starke Rückgang in der Mitte des Jahrhunderts fällt mit der Hochblüte des Liberalismus zusammen, während das Hinaufschnellen in der Nachkriegs־ zeit mit der allgemeinen Kirchenaustrittsbewegung dieser Periode zusammenfällt. Selbstverständlich muß immer wieder betont werden, daß gerade diese Tabelle sehr wohl einer Verfeinerung durch Sonderiintersuchungcn bedarf, wie ja auch der statistische Begriff der Mischehe nicht ohne weiteres mit dem tatsächlichen sich deckt (siche mein Buch ״Der internationale Gehurtenstreik“). Was ist nun aus den Ausgetretenen geworden und wieviel Kinder sind aus den Mischehen hervorgegangen und wiesiel leben von allen diesen Menschen und ihren Nachkommen heute noch? Man wird das am besten ermitteln, wenn man das Schicksai jedes Dezeniums für sich betrachtet und fiir jede der zehn Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 19. Juli bringt einen Leitarfikel unter der Ueberschrift ,,Betriebsabwanderung und Heimatrccht“, worin die Stellungnahme verschie- «lener hoher Wirtschaftsinstanzen Deutschlands gegen eine Ah- •Wanderung deutscher Betriebe ins Ausland besprochen wird. Die Zeitung erinnert zunächst daran, daß schon nach dem Pfund-Sturz eine Tendenz zur Verlegung deutscher Betriebe nach England aus wirtschaftlichen Motiven beobachtet werden konnte. Im zweiten Teil des Artikels bespricht die Zeitung manche Erscheinungen der jetzigen Abwanderungsbewegung und bemerkt dazu: ״... Man müßte einen genaueren Ueberblick über die Fälle haben, die dem Industrie- und Handelstag Veranlassung gaben, von ״sich mehrenden Klagen“ über Betriebsverlegungen ins Ausland zu sprechen. Man miißte ins- Neue Verhaftungen in Palästina Eine revisionisiisdie Terrorgroppe? Dem Warschauer ״Hajnt“ wird aus Tel-Awiw feiegraphiert, daß am 23. d. M. die Polizei etwa 20 Rcvis i o n i s t e n im Zusammenhang mit der Mordaffärc Arioso- 10ft verhaftet hat. Es heißt, daß neue wichtige Spuren entdeckt worden sind, die der Polizei Grund zur Annahme gaben, daß eine revisionistische Terrorgruppe besteht, die zusammen mit Stawsky an der Vor- Bereitung des Mordes beteiligt war. Unter den Verhafteten Befinden sich: Aba Achi-Meir, Jewin, Dr. Har-Ewen (Stein- Berg), Lichter. Die Verhaftung hat im ganzen Jischuw einen sehr starken Eindruck gemacht. Bis zum Vorliegen weiterer Meldungen und offizieller polizeilicher Mitteilungen empfiehlt es sich für das Publiiuim. keine voreiligen Schlüsse zu ziehen• Gruppen ermittelt, wie sie sich vermehrt und wieviel von ihnen noch heute leben. Zu diesem Zweck müssen hier das durchschnittliche Aller hei den! Austritt aus dem Judentum, für die Heiratshäufigkeit der Austretendeii, für die Lebensdauer der in Frage kommenden und für die durchschnittliche Lebensdauer Grundlagen gegeben werden. Offensichtlich schwanken diese von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, da einerseits die Lebensdauer ständig gewachsen, die Kimler/ahl aber zuriickßegangen ist. Für die Lebensdauer werden zweckmäßigerweise die amtlichen Sterbetafeln mit entsprechenden Abänderiingen zugrunde gelegt. Ferner wurde angenommen, daß das Durchschnittsalter beim Ausscheiden aus dem Judentum 2t) Jahre betrage. Die Kimler/ahl wurde von 1831 bis 1800 mit drei, von 1SQ1 bis 1000 mit zwei, von 1001 bis 1910 mit anderthalb, von IQI 1 bis 1020 mit eins, von da ah mit cinhalb angenommen. Schließlich ist der Generationen Wechsel in dieser Gruppe, das luifit also der mittlere Abstand von Eltern zu Kindern, mit dreißig Jahren angenommen. Dann erhalten wir folgendes Ergebnis: Es leben heute noch Ans dem Aus־ Nachkommen von Ausgetretenen und Mi»ch<*her» Jahrzehnt getretene 1. Generation 2. Generation 3, Generation 1831/40 ■— 2 000 3 400 1841/50 — 600 7 500 10 500 1851/60 — 1 440 7 200 7 000 1861/70 40 3 500 7 000 5 500 1871/80 250 6 400 9 000 — 90׳ 1881 580 8 800 8 500 1891/00 1 400 11 000 5 000 __ 10׳ 1901 1600 13000 1911/20 2 900 15000 — __ 1921-30 6 800 11000 — ._ 1931/32 1 800 2 000 — 15 370 72 740 46 200 26 400 Wenn d iese Rechnung richtig ist, so beträgt die Zahl der kn!1;essionell nicht nachgevieseiieri Nichtarier nur rund 160 000; da: s wären zusammen mit den 300 000 offiziellen Juden nur 97000(1 ״der ruml 1 ״■׳ der Grsamtbevc ilkerung. Fs wirti mm interessant sein, ab andere Kenner der Materie und st atistiseher Methoden bei einer Nachprüfung ohi Säer Berochimng m v/t 'sentlicli a n d! sren Ergebnissen gelangen. Denn für eine ganze Reihtvon wicht igen politischen Erwäguncen ist eine h r m i t t 1 11 n 1/ d c r 'T' a t s a c h e n rechi notwendig■- Betont sei, daß der hier ebene V e r s u e־״ e׳; > v i e 11 e r h in keiner Weise irgend etwas ״bewe ise־n“ will; der Zweck war lediglich der W u n s c h n a c h KI a r 11 e i t. Das Frgcbnis — das sei ausdrücklich betont — überrascht den Verfasser, der höhere Zahlen erwartet hatte. besondere über die Motive unterrichtet sein, aus denen heraus gegenwärtig deutsche Unternehmer sich genötigt sehen sollten, ihren Betrieb in Deutschland zu schließen und wenn möglich ins Ausland zu verlegen.... Dal! das Thema der Indiistrieabwanderung von neuem aktuell geworden ist, hängt zum Teil sicherlich mit den in der ganzen Welt verschärften und jetzt jedenfalls bei den Absaf/di :וירן■ätionen mehr und mehr zur Geltung kommenden Ahschlicßungstendenzen zusammen. Wahrscheinlich wirke״ hierbei aber auch gewisse Boykotterscheinungen mit, von denen in Deutschland zweifellos ziemlich breite Kreise betroffen werden, obschon von verantwortlichen Instanzen der Wirt- Schaftsführung aus der Erkenntnis heraus dagegen Front gemacht worden ist, daß die Folgen dem Wob! der < iesanrtheit abträglich sein müssen. In wiederholten amtlichen Erklärungen und Erlassen ist der Wirtschaft Sicherheit und ungestörtes Arbeiten unbedingt garantiert worden, und zwar der Wirtschaft ohne Unterschied. Für die Juden bestehen auf diesem Gebiet keinerlei Ausnahmegesetze, worauf amtlieh bereits besonders hingewiesen wurde. Weil sich zeigte, daß in der Praxis der Auftragsvergebung auf den verschiedensten Gebieten trotzdem Unterscheidungen wie zwischen ״deutschen“ und ״nichtdeutschen“ Firmen Eingang fanden, an manchen Stellen nach der Staatsumwäl/uiig sogar als Selbstverständlichkeit empfunden wurden, gab schon Entlc Afai der damalige Reichskommissar für die Wirtschaft,!>!•. Wagener, in dem bekannten Schreiben an den Vorsitzenden des Kommunalpolitischen Amtes der NSDAP Klarheit darüber, daß eine Erschütterung des Wirtschaftslebens, auch wenn sie im Wege solcher Unterscheidungen erfolge, keinesfalls im Sinne der Reichsregierung läge. ״Jede Untemehmang in Deutschland, gleichgültig woher sie ihr Kapital besitzt und wer sie leitet“, solle ״in die deutsche Volks- Wirtschaft als ein Glied derselben eingefügt“ werden, ln diesem Schreiben wurde insbesondere auch die ausdrückliehe Anweisung gegeben, zu verhindern, daß von den Gemeindeverwaltungen Fragebogen versandt würden, in denen der Ulirtscha ״! Die Juden -1—— f

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