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Jüdische Rundschau · 1933-06-09 · Heft 45-46 (9.6.1933) · p. Seite 239

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 45-46 (9.6.1933)
Date
1933-06-09
Page
Seite 239 (sequence 1)
Language
German
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Doppelnummcr RM 0,40 Der jüdische Dichter deutscher Zunge JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,—Reichsmark, vierteljährlich 5,75Reichsmark. AusUndsabnanements werden in der Währung der einzelnen Länder berechnet. Anzeigenpreis: 8 gespaltene Nonparefflezejjle 0,50 RM* Stellengesuch• 0,25 RM Redaktion, Verlag und Anzeigen - Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr. 10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dien•( ag und Freitag nachmittag• 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck Konten: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 394 33, Budapest 596 93. Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410. Riga 4155. Straßburg 164 30, Warschau 190708, Wien 156030 Bank Konten: Dresdener Basic, Depositen. Kasse Berlin, Kurftirstendarrmj 52.־ Rumänische Kreditbank, Cersauti (Rumänien); Anglo Paleatine Co. in Haifa. Terusalem, Tel-Aviv. Nummer 45/46 J7 Berlin, 9. VI. 1933 ט״ו פיון תרצ״ג | xxxvm. Jahrg. Der Zlon»«m1» erstreöt für das JOdlsclio Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Pal&stlna. ״Baseler Programm.“ mcdoiaM zur J»dt»!rag« Eröffnung der Anglo •Palästina -Ausstellung London, 7. Juni. (J. T. A.) Die Eröffnung der A n g J o - Palästina-Ausstellung am Nachmittag des 7. Juni gestaltete sich zu einer imposanten Manifestation. Primeminister Macdonald der die Eröffnungsrede hielt, erklärte als den eigentlichen Grund für seine Anwesenheit das Bedürfnis, in diesem besonderen Zeitpunkt seine Sympathie für den jüdisehen Schaffensgeist und die dankbare Anerkennung der großen Dienste zum Ausdruck zu bringen, die das jüdische Volk auf den Gebieten von Wissenschaft, Kunst, Politlk und'Zivilisation im allgemeinen vollbracht hat. MacDonald schilderte sodann die Leistungen in Palästina und die Begeisterung der zionistischen Arbeiter und rief aus: Meine jüdischen Freunde, solange das der Stoff ist, aus dem ihr gemacht seid, könnt ihr noch vielen Verbannungen und Verfolgungen trotzen und werdet doch blühen und gedeihen! In Palästina gibt es kaum ein Arbeitslosen-Problem wie in Jedem anderen Lande. Ich sah die erste mühsame Bodenbcarbeitung in den ersten Kolonien, die jetzt auf dieser Aus- Stellung nicht nur als großer Beweis von Cilauben und Treue, sondern als Frucht schwerer Arbeit und fruchtbaren Bodens vertreten sind. Ich hoffe, ihr werdet bereit sein, eure Intcili*- genz und eure Muskeln zu brauchen, um die Fundamente zu einem noch schöneren Heim und Land zu legen. MacDonald wandte sich sodann an die Nichtjuden und forderte sic auf, Palästina zu besuchen. Palästina ist aber auch vom kommerzielten Gesichtspunkt aus von äußerster Bedeutung. Mac- Donald erklärte sich sodann mit Lord Reading, der den Vorsitz führte, in dessen Appell für eine jüdfsch-arabische Zusammenarbeit, auf der die Zukunft Pafästinas beruhe, solidarisch. Sie haben, fährt der Primeminister fort, Beschwerden gegen die Regierung gehabt. Das habe ich auch. Aber es ist das Schicksal von Regierungen, allzu ungeduldige Menschen zu enttäuschen. Bedenken Sie: Das Palästfna-Problem ist ein äußerst schwieriges. Ansiedlung. Ent- Wicklung und Einwanderung — das sind mit die schwersten Aufgaben, die je eine Regierung zu lösen berufen wurde. Fahren Sie aber fort mit Ihrem ungestümen Drang nach vorwärts, und wir werden unser Bestes tun, um Sie zufriedenzustellen. Lord Reading dankte dem Primeminister besonders für seine offen zum Ausdruck gebrachte Sympathie und sein Interesse an Palästina und dem großen Werk des Naiionalfonds, unter dessen Auspizien die Ausstellung organisiert wurde. Diese Ausstellung, erklärte er, zeigt den bemerkenswerten und _ manifesten Fortschritt in Palästina unter dem englischen Mandat. Sie zeigt auch die Vorteile des palästiriensisch-engiischen Handelsaustauschs. Außerdem aber zeigt sie in ihren archäologischen und historischen Abteilungen, daß die erzieherische, kulturelle Seite nicht vernachlässigt worden ist. Lord Reading schloß: Wir blicken voll Vertrauen in die Zukunft. Hier ist ein Land, das seine Tore für Juden öffnet, begrenzt nur durch seine ökonomische Aufnahmefähigkeit. Freudig erwarten wir die zukünftige Zusammenarbeit von Juden und Arabern, die glücklich und zufrieden Zusammenleben sollen, im Genüsse der Vorteile der englischen Verwaltung unter dem Mandat. Nach einer kurzen Ansprache Lord Melchetts, des Vorsitzenden der Ausstellung, ergriff Dr. Wcizmann das Wort; er regte ein Dankesvotum an den Prem i e r m i n i s t e r an und sagte dann: Zu einer Zeit, wo das jüdische Volk eine dunkle Periode in seiner Geschichte durchmacht, Ist es eine Freude, einen mit der jüdischen Sache verbundenen ״arischen“ Premierminister zu sehen. Der Premierminister sagte, es gäbe in Palästina kaum Arbeitslosigkeit. Darf ich ihn achtungsvoll dahin korrigieren: — es gibt dort überhaupt keine Arbeitslosigkeit, sondern Arbeifermangel. Es gibt eine Besonderheit hinsichtlich dieses Landes: Je mehr Menschen In Ihm leben, um so mehr Raum ist für andere — eine sonderbare Elastizität. Die Ausstellung hat am ersten Tag Tausende Besucher, Juden wie Nichtjuden, angezogen. Palästina ist mit 5000 Aus- Stellern vertreten. Die englische Abteilung zeigt Maschinen und Warenerzeugnisse für den Palästinaexport. Die Leistungen des Keren Kajemeth innerhalb der allgemeinen Palästinaent- Wicklung sind besonders eindrucksvoll und übersichtlich dargestellt. Einem vor der Eröffnung (nach einem Besuch der noch unvollendeten Ausstellung) geschriebenen Berichte, der uns aus London zuging, entnehmen wir noch: Auf allen Bahnhöfen, in allen Untergrundbahnen Londons und überall in den interessierten englischen Städten werben Plakate in Blau und Weiß für den Besuch der Palästina-Aus- Stellung. Eine Plastik: Ein Mann, der die Waage hält zwischen dem einst und dem neuen Morgen, zu dem der Zeiger ausschlägt. Premierminister MacDonald und der frühere Vizekönig von Indien werden die Ausstellung um 3 Uhr mit Ansprachen eröffnen. Die Reden werden überall hin durch Rundfunk übertragen. 500 Kinos werden Bilder der Feierlichkeiten bringen, die Londoner Theater bereits zwei Stunden nach Er- Öffnung. Man erwartet Sonderzüge aus Frankreich und aus allen Gegenden Englands, von Glasgow, Hüll, Liverpool, Manchester, Edinburgh und Leicester. Die Agricultural Hall an der Angel Station in Islingtoit) einem eingemeindeten Vorort Londons, entspricht in ihrer Größe der großen Ausstellungshalle am Kaiserdamm. Durch eine Ausstellung englischer interessierter Exportfirmen, Schifffahrtslinien und Luftflotte hindurch betritt man die eigentliche jüdische Ausstellung mit rechts und links imposant gebauten Eingangstoren. Wandbilder der Mosaiks der Synagoge in Betli Alpha, das Portal der Synagoge in Kfar Birirn, ein Gemälde .,Jacobs Traum“ aus dem 8. Jahrhundert vom Altar Saba, Bilder von Elfenbeinplastiken israelitischer Könige aus Samaria zeigen die historische Kunde des jüdischen Volkes. Aber ein viel wärmeres, erquickenderes Bild wird der ״Garten der Biblischen Blumen“ bieten, den rin Pionier, Jacob Nizan aus Tel-Awiw, mit den zwei Schiffs׳ Ladungen jüdischer Güter nach London gebracht hat. Von den dekorativen Kakteen wird man die Rose von Sharon, Pharaos Finger, die Königsrose, die Rose von Jericho, Virgins Hand und die goldenen Aepfel, das Geschenk Reubenis an seine Mutter, die Citrusfrucht, den Medianapfel zwischen Sclnvertiilien, Tulpen und Narzissen bewundern können. Die Geschichte des jüdischen Volkes ist demonstriert durch die beiden Flächen der We’tkuget und in ihnen der Schatten des ewig wandernden Juden: Nach Babylon im 6. Jahrhundert vor Christ Geb. Nach Spanien im 5. Jahrhundert nach Christi Geh. Nach Frankreich im i. Jahrhundert nach Christ^ Ge!) Nach Deutschland im 4. Jahrhundert nach Christ u h. Nach Polen im 8. Jahrhundert nach Christi Geb. Nach Rußland im 8. Jahrhundert nach Christi Gel! Nach England im 7. Jahrhundert nach Christi Geb. Nach Amerika im 17. Jahrhundert nach Christi Geb. Aber der ״Jüdische National Fond“ bereitet ihnen wieder eigenes Land vor, das Land des Volkes Israel. Eine Bibelstelle wird zitiert: Amos 9:14/15: ״Und sie werden weite Städten bauen und bewohnen Und ich will sie über das ganze Land pflanzen Sie werden nicht mehr hin und hergezerrt werden Lind sie werden nicht mehr aus dem Lande gehen, das ich ihnen schuf!“ Eine Kartenfolge zeigt das Land der Könige David und Salomon, die gegenwärtigen Grenzen und das moderne Siedlüngswerk Palästinas. Ein® ganze Abteilung ist der Internationalen Zionistischen Frauen-Organisation gewidmet. Gute Fotoschnitte zeigen sie als Helferin im Wiederaufbau Palästinas mitten in den Pflanzungen. Der Keren Hajessod zeigt interessante Statistiken. Die Fabrik ״Karahashian N. Palian“, Jerusalem, stellt schöne Keramik aus. Leider bleibt sie noch in den alten, ornamentalen russischen Mustern stecken, und wo Wege zu neuer Kunst gehen, wirkt es noch grob. Aber in der Drucktechnik, in den Spielzeugen verspürt man modernen jüdischen Geist. Das alte Trendelspiel lebt wieder auf. Eine wunderschöne, Kindern leicht faBbare Landkarte auf Karten lehrt die Kinder im Spiel ihr eigenes Land kennen. Bilderbücher mit seltsamer Mischung chinesischer, islamischer und europäischer Stilart wirken neu. Hier scheinen die Künstler tatsächlich schon die glückliche, verbindende Lage Palästinas erkannt zu haben. Die glückliche Lage oder wie sich — Die neue jüdische Technik: die ,,Palästina Eisenbahngesellschaft“ dokumentiert: Als Verbindung zweier Kontinente. Sie und das Tiberiaskraftwerk zeigen an eigenen Dekorationen ihre Photos, auch das Jordankraftwerk, die Steintore am Jordan-Yarmuk Kanal-Schleusen und ihre Beamten- und Arbeitersiedlungen. Die Elektrizität der ״Palestine Electric Corporation“ wurde 1921 mit 100 «'׳> angenommen, wuchs 1928 auf 550 ״» und betrug 1932 2150 0/0! Das Steinwerk Athlit bringt Proben prachtvoller Bausteine, Nesher Portland Cement Konanie ist mit Abbildungen vertreten und Barzellit in Tel-Awiw ringt eine erstaunliche Schau von Drahtzäunen, bis zu den feinsten Maschennetzen, eine gelungene Dekoration seiner Baunägelproduktion und -Stacheldrähte. in der Ecke am Eingang ist als Kuriosum ein Bazar des ״wirklichen Ostens“, eine Straße des Ghettos, aufgebaut. Nun, das war nicht notwendig, die Gründe erscheinen heute zwingender als dieser Vergleich. Aber man muß berechnen, daß die Ausstellung nicht mit der neuesten Zeit Schritt halten konnte und wollte. Aber der Weg vom Gallith soll in ein neues, schönes Land führen und so hat man die Straße des modernen Pafästinas aufgebaut. Man stellt einen Laden mit in Palästina erzeugten Radioapparaten und elektrischen Zubehörteilen, die Produkte der ״Lodzer Textilfabrik“, Bindfaden, den Palästina-Schuhcreme ״Telingator“, Menskit Waschpulver und die berühmten amerikanisch-palästinensischen ,,Soldoro“- Porzellanzähne aus. Als Delikatessen ״Uebers“-Srhokoladen, Hausmacher• Kekse und Mürbekuchen und die Weine der Rischon le Zion- Weinkeller, Arvis Ltd. und der Lieber-Companic. Shemen bringt eine Tabelle des Wachstums seiner Oliven- Ölproduktion. Er macht auch wundervolle, reine Olivenseifen, eine wunderschön aufgemacht als ״Blumen von Gaiilea“. ״Kadimah‘, die Makkaronifabrik, produziert bereits seit 1905. Eine besondere Schau ist den Fruchtweinen aus Mandarinen, Orangen und Grapefruit gewidmet. Ein Laden zeigt Palästina- Zigaretten und Tabak. Und dann kommt die Riesenschau der Sorten von Mandeln, Mandarinen, Feigen, Pflaumen, Papaya, Weintrauben und Jaffaorangen, Zitronen, Artischocken, Weizen und anderer Feldfrüchte, Bohnen, Erbsen, Blumenkohl und Karotten. Heinz Kiewe. Streiflichter zur deutschen Einwanderung Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gi. Tel-Awiw, 30. Mai 1933. I. Man pflegt sich gelegentlich in Jerusalem zu beklagen, daß von der großen Expansionswelle, die über das Land geht, nur die letzten schwachen Ausläufer hingelangen. Aber der Jerusalemer selbst übersieht leicht, wie stark sich die Stadt in letzter Zeit entwickelt hat, wie sich die neuen Vierte! ausdehnen, in welchem Tempo die Stadt sich modern»- siert. Jerusalem, die Stadt der Vergangenheit, der Geschichte, der Religionen, ist unverändert da, übt ihre unvergeßliche Wirkung, in Landschaft, Bergen, Bauten, in der Altstadt, wo in den Basaren auch in den letzten ereignisreichen Jahren sich kaum ein Stein geändert hat. Aber neben diesem ewigen Jerusalem ist ein anderes entstanden. Es ist ״modern", aber in einem ganz anderen Stile als Tel-Awiw, das geistig und baulich einer Mischung von Osteuropa und Amerika, einem Schaufenster aller mir denkbaren Judenartcn und -fassen zu ähneln beginnt. Der Fortschritt in Jerusalem i>t solid, elegant, überlegt. Die Häuser, die aus Beton gebaut werden, versuchen wenigstens so atiszusehen als waren sie ans Stein. Die neuen Viertel, vor allein das jüdische Zentrum Rehawjah. atmen Wohlstand und lassen Ansprüche vermuten. Ansprüche an Komfort, an Beständigkeit, an guten Geschmack, an gehobenen Lebensstandard. Hier baut man sich genau durchdachte, gegen Hit/e und Kälte geschützte Eigenhäuser, hier entstehen sehr geräumige und komfortable Mietwohnungen. In einer Landschaft, die gerade durch ihre Baumlosigkeit und Verlassenheit ehrfurchtgebietend wirkt, die keineswegs zu menschlicher Niederlassung ermutigt mit ihrer kargen Herbheit, wachsen diese anspruchsvollen Bauten auf. Sie wachsen zu einem Steinmeer zusammen, wo überall gehämmert und gesprengt, gemauert und gestrichen wird. Und in diesem Steinmeer werden Inseln geschaffen. Die Felsen werden gesprengt, planiert, Esel schaffen Erde herbei, der karge Boden muß Gärten tragen. Wenn endlich die bald sagenhaft gewordene große Wasserversorgung von Jerusalem hergestellf sein wird, werden diese Inseln noch weiter sich ausbreiten. ln diesem Viertel konzentriert sich ein Teil der dcutsehen Einwanderung, der Jerusalem erreicht. Hier sucht und findet man eine Anzahl alter deutscher Zionisten, die seit langem im Lande leben und die jetzt als Ratgeber für die Neuen in Anspruch genommen werden. Hierhin tendieren Immigranten, die noch eine Lebensmöglichkeit in einem akademischen Beruf erwischt haben oder zu erwischen hoffen und solche, die genügend Geld haben, um ihren Neigungen folgen zu können. Sie nehmen in der Regel die großen Zivilisationscrrungenschäften des neuen Jerusalem, die alte Palästinenser an Jahre schwerer Entbehrungen erinnern, als selbstverständlich auf. Gelegentlich haben sie noch dies und das und iciies aus»!״ setzen und zu fordern. Gelegentlich kommen sie auch mit offenem Verständnis, mit der Bereitwilligkeit zu lernen, sich an/.upassen. Jerusalem betrachtet sie gelassen als eine neue, bisher nur wenig gekannte Spielart seiner Bewohner. II. Im Autobus, der von Tel-Awiw nach Jerusalem fuhrt. An der Wagen wand ist ein Schild befestigt, auf dem die Werkstatt vermerkt ist, in der die Karosserien gebaut werden. Mein Nachbar fragt mich erstaunt, ob solche Arbeiten bereits im Lande ausgeführt werden. Ich erzähle ihm, daß in der Tat eine große Werkstatt in Tel-Awiw jetzt die Karosserien für die Autobusse 11 erstellt, daß auch die arabische Linie zwischen Jaffa und Jerusalem dort ihre Bestellungen macht. Und ich füge hinzu, daß die Leitung jetzt an einen deutschen Juden übergegangen sei. Das macht großen Eindruck auf den Fragesteller, und er meint; ״Vielleicht bringen uns die deutschen Juden Kenntnisse und Kultur!*‘ So denken viele im Lande. Besonders unter den Massen der Juden aus dem Osten hat man eine Art Achtung vor dem deutschen Judentum. Man schreibt ihm Kenntnisse zu, einen hohen Grad der Zivilisation, Organisationsfähigkeit, Disziplin, Geschmack. Man hofft, daß sich Fachleute unter ihnen finden werden, um neue Unternehmungen aufzuhauen, daß sie zur Hebung' des Geschmacks und der Ordnung beitragen werden. Ein geschäftstüchtiger Mann, der hier eine neue Pension eröffnet, schreibt in seine Anzeiger als besondere Attraktion ״Fachleute aus Deutschland“. Viele hoffen, daß das Land nicht nur den deutschen Juden etwas geben wird, sott• dern daß es auch von ihnen etwas empfangen könnte, was ihm bisher gemangelt hat. III. Es gibt auch eine andere Einstellung zu den deutschen Juden, die jetzt kommen. So mancher fürchtet ihre Entjudctheif, ihr mangelndes Wissen um jüdische Fragen und jüdische Werte, ihre Wurzellosigkeit, die heute, wo sich die Begriffe ihrer Zusammenhänge kaleidoskopartig wandeln, beängstigend zutage tritt. Man fürchtet ihre Unfähigkeit, sich rasch und elastisch umzustellen, cinzusehen, daß hier sehr vieles anders: ist als drüben, daß man umlernen muß. Diese Haltung beginnt bei Kleinigkeiten — man ist erstaunt, wenn nicht entsetzt, daß es in Palästina nicht üblich ist, Zimmer möbliert und mit Bedienung zu vermieten! ■— und endet hei zentralen Dingen, bei Kultur- und Erzichungsfragen. So mancher alte Palästinenser versteht, daß eine solche Gemeinschaft wie das deutsche Judentum nicht mit einem Schlage umgeformt werden kann, daß seine Ueberfuhrung in andere Lebens-, Wirt-

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