Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 39 (16.5.1933)
- Date
- 1933-05-16
- Page
- Seite 203 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653768--23727-2686627- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 2× ep/1046078
- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
OCR text
Nr, 39, 16. V. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 201 Selbstkosten gedeckt werden, an Einwanderer und verabreiche in der Gemeinschaftsküche den Insassen der ״provisorischen Gemeinde“ den Unterhalt zum Selbstkostenpreis. Auf diese Weise wird man die Lebenshaltungskosten vielleicht um die Hälfte drücken können. Das wäre die rein wirtschaftliche Seite der Angelegenheit. Die pädagogische Seite: Die Einwanderer würden, was für Palästina außerordentlich wichtig ist, bei aller Freiheit, die dem Einzelnen gewährt bleibt, zum Gemeinschaftsleben erzogen. Es könnten gemeinsame Kurse, und zwar nicht nur zur Erlernung der hebräischen Sprache, sondern auch Kurse in bestimmten Arbeitsgebieten eingerichtet werden. Es können dann langsam die Fühler von dieser Siedlung aus ins palästinensische Wirtschaftsleben ausgestreckt werden. Das kann z. B. in der Weise geschehen, daß zunächst erst ein Familienmitglied einige Zeit auf Arbeit geht, daß dann vielleicht Kindergärten geschaffen werden, so daß die samtliehen erwachsenen Mitglieder der Familie Außenarbeit leisten können. Findet dann eine der Familien auswärts ihre Existenz, so wird sie ihre Wohnung im Holzbau aufgeben und in ihre neue Wirkungsstätte übcrsiedeln. Entschließt sich nach Teiflicher Prüfung einer der Inwohner zur Seibständigmachung, so hat er das Kapital, das er mit ins Land brachte, nicht übermäßig angreifen müssen und ist in seinen Betriebsmitteln nicht von vornherein lahmgclegt. Für denjenigen, der Palästina nicht kennt, hört sich der Vorschlag grausamer an, als er ist. Der Begriff ״Baracke“ erinnert Deutsche zu sehr an Leute, die des Mieterschutzes verlustig gegangen sind. Wer Palästina gesehen hat, weiß, daß solche Barackenhäuser recht wohnfähige Gebilde sein können. Ich denke auch nicht daran, daß diese Baracken nur eine Art Schutzdach für Flüchtlinge sein sollen, sondern ich glaube, daß es möglich wäre, solche Baracken so auszustatten, daß deutsche Emigranten sie durchaus wohnlich finden. Zwei Zimmer, eventuell drei, eine kleine Kochgelegenheit und Baderaum —־ wer weiß, ob nicht eines Tages die Zeit kommt, wo die deutschen Juden so etwas als Luxus betrachten werden! Was die Kosten der Herstellung anlangt, so sagte ich bereits, daß jeder Einwohner die angemessene Miete zahlen soll. Diese Miete könnte nun allerdings verbilligt werden, wenn der Boden, auf dem eine solche Barackensiedlung entsteht, nicht angekauft, sondern auf Widerruf zur Verfügung gestellt würde. Ich kann mir vorstellen, daß der Keren Kajem e t h, der in der Nähe von Haifa noch brachliegendes Gelande hat, auf 1—2 Jahre dieses Gelände für solch provisorisches Holzdorf zur Verfügung stellen wird. Ich kann mir auch vorstellen, daß die Stadtgemeinde Tel-Awiw ein Interesse daran hat, auf städtischem Boden vorübergehend ein solches ״Holzdorf“ zu errichten: denn schließlich bedeutet doch die auch nur vorübergehende Ansiedlung von einigen hundert Leuten im Stadtgebiet zugleich einen wirtschaftlichen Nutzen für die Stadt. In der Nähe der Stadt müßte allerdings m. E. eine solche provisorische Siedlung sein, damit eben den Insassen Gelegenheit geboten ist, mit den verschiedenen Berufen, und nicht nur mit dem landwirtschaftlichen, in Fühlung zu kommen. Ich möchte diesen Vorschlag zur Diskussion stellen. Finden sich genügend deutsche Juden, die sich an ihm beteiligen wollen, so stelle ich mir die Organisation nicht allzu schwer vor, zumal neben der Hilfsbereitschaft unserer palästinensischen Brüder vielleicht auch mit einer Unterstützung der Behörden, auch der deutschen Behörden, gerechnet werden könnte. M. E. käme es auf einen Versuch an, Mißglückt er, so glaube ich nicht, daß dem Lande und den Betroffenen unersetzlicher Schaden entstellt. Gelingt er, so erweist er vielleicht nicht nur einigen hundert Einwanderern, sondern der Geschichte der Immigration einen Dienst. Die Lage der deutschen Juden ist jedenfalls so, daß der Vorschlag in Erwägung gezogen werden sollte. Förderung der Landwirtschaft In der Lehrfarm Akko fand vor einiger Zeit eine vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope einberufen c Ver- Sammlung palästinensischer Landwirte und Beamter der Regierungsabteilung für Landwirtschaft statt, an der über 200 Personen, unter Ihnen 40 Vertreter der jüdischen Siedlungen, Teilnahmen. Der High Commissioner gab einen Ucber״־ blick über die von der Regierung im abgelaufenen Jahre getroffenen Maßnahmen zur Förderung der palästinensischen Landwirtschaft und über die weiteren Absichten der Regierung auf diesem Gebiete. Insbesondere behandelte der High Commissioner die Frage der Produktion von Saatgut in den verschiedenen landwirtschaftlichen Stationen, die Maßnahmen zur Hebung der Viehzucht durch Einfuhr von Zuchttieren und Errichtung von fünf neuen Geflügelfarmen in Gaza, Hebron. Beerschewa, Nablus und Safed, die Förderung des O r angenbatis und des Genossenschaftswesens. Die Versuchsstation für Citruspflanzung in Rechowot h, über deren Leistungen der High Commissioner mit besonderer Anerkennung sprach, soll in diesem Jahre erweitert und ihr fünf Jahre hindurch ein Regierungs- Zuschuß gewährt werden. Zur Erprobung der in den Labora* fori'n erzielten Resultate will die Regierung ein Versuchsfeld für Citrusbau bei Sarafan anlegen. Der Obstbau wurde im vergangenen Jahre durch Errichtung von Obstbauabteilungen an den landwirtschaftlichen Versuchsstationen in Mejdel und Ferradi, sowie durch Erweiterung der Stationen in Jerusalem und Jericho gefördert. Infolge dieser Erweiterung war es möglich, im Jahre 1932 18 000 Obstbaum- Setzlinge und 10 700 Pfropfzweige aus den Obstbauabteilungen der staatlichen landwirtschaftlichen Stationen abzugeben. Ferner wurden 51 000 Olivenbaumsprößlinge im letzten Jahre verteilt gegenüber bloß 11 500 im vorangegangenen Jahre, hn kommenden Winter sollen insbesondere im Kreis Safed 30 000 gepfropfte Reben zur Ausgabe gelangen. Der High Commissioner gab der Ansicht Ausdruck, daß die Obstzucht in Palästina sehr große Aussichten habe. Die Regierung habe deshalb 350 Versuchsfelder für Obstbau angelegt. Die Bienenzucht wurde durch Ausgabe einer Anleihe von 500 Pfund zwecks Anschaffung moderner Bienenkörbe, die einen erhöhten Honigertrag gewährleisten, sowie durch Einrichtung von Bienenzuchtkursen in Akko gefördert. Kriegsbeschädigte dürfen von jüdischen Aerzten nicht bebandelt werden. Der Reichsarbeitsminister hat durch die Ver׳ Ordnung vom 22. April 1933 für die kassenärztliche Behändlung der Sozialversicherten, darunter der zurückgekehrten Kriegsbeschädigten, bestimmt, daß nur arische A e r 11 e zugelassen sind. In Auswirkung der genannten Ver- Ordnung hat der Reichsarbeitsminister nunmehr in einem Er* laß an die Hauptversorgungsämter vorgeschrieben, daß auch die gleichen Vorschriften auf die Behandlung nichtvcr• sicherter Kriegsbeschädigter anzuwenden sind. Wie der ״Berliner Beobachter“ mitteilt, hat Staatskommissar Hafemami bekanntgegeben, daß alle laufenden Verträge der Stadt Berlin mit jüdischen Aerzten und Zahnärzten gelöst und ihre Stellung mit nationalen Aerzten besetzt wurden. Weiter seien Lieferungsverträge mit dem Konsumverein und derv■Warenhaus Hermann Tietz gelöst worden. Palästina -Wirtsdiaftsnadiriditcn Von unserem palästinensischen Korrespondenten In der Kommission für Landwirtschaft und Marktfragen hat die Regierung ihre Absicht bekanntgegeben, eine Handelsdelegation zusammenzustellen, die in verschiedenen Ländern die Absatzmöglichkeiten für palästinensische Produkte studieren soll. « Nach einer jetzt fertiggestellten Untersuchung belaufen sieh die Kosten für Wohnbauten in Tel-Awiw auf 4—5 Pfund pro Quadratmeter Baufläche. Es werden dabei in der Hauptsache Silikatziegel, Zementziegel und Beton verwendet. Transportbedingungen, Besonderheiten der Baufläche und Maferialwahl bedingen selbstverständlich Schwankungen in diesen Standardpreisen. In Haifa ist der Durchschnittspreis für einen Quadratmeter Baufläche auf etwas über 4 Pfund errechnet worden. Hier handelt es sich hauptsächlich um Bauten aus Rohsteinen, die mit Beton verbunden werden. Die Kosten für die Errichtung industrieller Gebäude sind in beiden Städten bedeutend niedriger als die von Wohnbauten. Die Preise für Bauplätze schwanken heute beträchtüch. Bei der letzten umfassenden Untersuchung, die im Januar ausgeführt wurde, bewegten sich die Preise für Bauplatze in Tel-Awiw zwischen 700 Mils (1 Pfund entspricht 1000 Mils) und 4 Pfund pro Quadratmeter, fn Hadar Hakarmel, dem jüdischen Viertel von Haifa, stellt sich der Durchschnittspreis für einen Quadratmeter auf 1 Pfund. * Mit Unterstützung der Jewish Agency und unter Anteilnähme verschiedener Organisationen (Vereinigung der Pflanzer, Arbeiterorganisation, allgemeine Zionisten, Bne Binjamin, Hitachduth Oie Polania, Hitachduth Oie Germania u. a.) ist ein zentrales Büro für Information über Böden und Pflanzungen gebildet worden. Den Anstoß dazu gab die starke Preissteigerung für städtische und landwirtschaftlichc Böden (in Tel-Awiw bis zu 4 Pfund pro Quadratmeter. in den alten Kolonien zwischen 40—50 Pfund pro Dunam, in Scharon 12—20 Pfund pro Dunam, in den neuen Kolonien 10—15 Pfund pro Dunam), die infolge der verstärkten Nachfrage und der Spekulation einsetzte. Die Zentrale liegt bei dem Palestine Bureau of the American Economic Committee for Palestine. Dieses soll eine allgemeine Informationsstelle für Investitionen in der Landwirtschaft und in Bodenkäufen werden. Man erhofft sich von dieser Neugründüng eine gewisse Regulierung des Marktes; zugleich wird die Notwendigkeit für eine einflußreiche Bodenkaufsgesellschaft immer fühlbarer. * Be! einem Besuch des Delegierten der russischen Handelsmission aus Konstanfinopel in Palästina wurde der erste Kauf einer kleinen Quantität von Orangen und Grapefruit für Rußland abgeschlossen. Man erwartet nach diesem ersten Schritt eine Ausweitung der Exportmöglichkeiten Palästinas nach Rußland. * Die Spätregen, die in verschiedenen Teilen des Landes in starken Mengen gekommen sind, haben die Ernte* aussichten, die während des Winters ungünstig schienen, in einzelnen Gegenden gebessert Dennoch wird in den Strichen, die von der Dürre betroffen sind, ein Eingreifen der Regierung zugunsten der Bauernwirtschaften notwendig sein. Es verlautet jetzt, daß die Behörden in diesem Jahre keine Darlehen geben, sondern statt dessen öffentliche Arbeiten zur Beschäftigung der bedürftigen Landwirte organisieren wollen. Da der Lohn bei Regicrungsarbeiten niedrig ist und nur für rin sehr bescheidenes Leben ausreicht, erhebt sich für den Teil jüdischer Wirtschaften, der unter der Dürre leidet (vor allem das Jordantat und der Kurisblock), die Frage, ob diese Art der Regierungshilfe für sie in Betracht kommt. Es haben Verhandlungen zur Klärung dieser Frage eingesetzt. * In der letzten Saison wurden in Palästina l*/a Millionen Kisten für Orangen hergesteilt. Das sind ein Drittel des Gesamtverbrauchs. Der größte Teil ist jüdische Produktion; nur 200000 Kisten wurden von Arabern in Jaffa fabriziert. Es sind verschiedene größere Projekte für Kistenfabrikation in der nächsten Saison in Bearbeitung. Es wird verlangt, den Zoll für importierte Bretter 1n derselben Höhe wie für fertige Kisten anzusetzen, um ein Hindernis auf dem Wege der heimischen Industrie wegzuräumen. In Ramat-Gan, der Vorstadt von Tef-Awiw, die verschiedene Industrieunternehmungen zu konzentrieren beginnt, wird eine Fabrik für Jute-Säcke errichtet. Das Garn soll hier gesponnen, die Säcke gewebt und genäht werden. Diese Ware wird heute ins Land im Betrage von 35 000 Pfund pro Jahr importiert. Als Abnehmer kommen hauptsächlich die großen Fabriken, wie Pottash-Company, die große Mehlmühle in Haifa, die Salzwerke in Athlith und die Zementwerke bei Haifa in Betracht. * Die Tätigkeit der hebräischen Verlagsanstal* ten im Lande ist in einer stetigen Ausbreitung begriffen. Nach den letzten Erhebungen ist im Laufe der drei letzten Jahre je ein Buch täglich im Lande erschienen. Die wichtigste Stelle unter den Veröffentlichungen nimmt die Belletristik ein, wobei Uebersetz ungen eine große Rolle spielen. Den zweiten Platz erhalten Kinderbücher, danach folgen wissenschaftliche Werke. Der Verkauf hebräischer Bücher belief sich in den letzten zehn Jahren auf 316009 Pfund; der größte Teil wurde auf dem lokalen Markte untergebracht egenüber den 2956 hebräischen Büchern, die in den letzten zehn Jahren erschienen sind, stehen 447 fn anderen Sprachen. Davon entfallen 100 auf das Arabische, wobei die Hälfte davon durch die Regierung oder jüdische Organisationen gedruckt wurden. Englische Bücher erschienen 216, davon 108 durch jüdische Körperschaften und 89 durch die Regierung. 1930 besaßen die jüdischen Druckereien 56 Druckerpressen, enthielten ein Kapital von 94 000 Pfund und beschäftigten 527 Arbeiter, m Untersuchungen über die Möglichkeiten einer Metall- Industrie in Palästina ergeben günstige Aussichten. Der Import von Metallwaren nach Palästina und Syrien (außer Maschinen der verschiedensten Art) beläuft sich auf nahe an zwei Millionen Pfund jährlich. Palästina, das keine Einkommen- Steuer und ähnliche Abgaben, die die Industrien anderer Länder schwer belasten, bis heute kennt und nahe an den noch unerschlossenen Märkten des Nahen Ostens liegt, bietet gün* stige Perspekiven. * Eine Reihe industrieller Projekte, die seit langern vorbereitet wurden, kommen jetzt zur Ausführung. Es ist interessant, daß die meisten Werkstätten in Tel-Awiw wicklet üKerdsai j*wsaicm spürt wenig von der kegumenden Industrialisierungsbewegung, und auch Haifa ist bisher von dem Strome kaum berührt. Von neuen Werken sind zu nennen: Eine Unternehmung zur Herstellung elektrischer Batterien. Standort Tel-Awiw. Beschäftigung für zehn Arbeiter. Eine Fabrik für Olaswaren, Standort entweder Rehowoth oder Haifa. Herstellung von Scheiben und Flaschen. Beschäftigung für 40 Arbeiter. Eine Fabrik für Holzhäuser, die nach modernem Plan gebaut, mit doppelten Wänden, den Ansprüchen des Klimas und der Hygiene entsprechen sollen. Ein Haus soll komplett 40 Pfund kosten. An weiteren Projekten sind in Bearbeltung: Herstellung von Spielwaren, Wäsche, fertige Kleider. Die Bedingungen für den Aufbau einer Filmindustrie werden studiert. Die Projekte, die jetzt vorbereitet werden, liefern zusammen Beschäftigung für 300 Arbeiter. Gewerkschaftstragen in Tel-Awiw Tel-Awiw, 9. Mai. (J.T. A.) Der Stadtrat von Tel- Awiw hat ein am 2. Mai von der Exekutive des Stadtrats mit der Vereinigung der Bauunternehmer, der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation, der revisionistischen Arbeiter- Organisation, der Handwerkervereinigung, dem Hapoel Hamisrachi und der Vereinigung der jemenitischen Arbeiter getroffenes Abkommen über die Aufteilung aller in Tel- Awiw auszuführenden Bauarbeiten ratifiziert. Das Abkommen sieht die Einsetzung eines ständigen vereinigten Komitees vor, das die Arbeiten unter den bestehenden Arbeiter- Organisationen und den nichtorganisierten Arbeitern aufteilen soll. Arbeitsbedingungen und Lohnsätze sind in dem Vertrag genau festgelegt. 66 «0 der Arbeiter sind von der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation, 11״;׳׳ vom Hapoel Hamisrachi, 11 «/« von den Revisionisten und 11 <;6 von den Jemeniten beizustellen. Streitfälle sind zunächst der ständigen Kommission und, falls diese zu keiner Entscheidung gelangt, einem von den beteiligten Parteien zu wählenden Schicdsgcricht vorzulegcn. Dem Abkommen wird große Bedeutung Für die Erhaltung des Arbeit s friede ns in Tel-Awiw beigemessen. _____ Kleine Nachrichten Mit dem amerikanischen Dampfer ״Augustus“ ist die erste von der amerikanischen C h a 1 u z - O r g a!1 i s a t i o n zusammcngestellte Pioniergruppe, bestehend aus 2S 1!1Ü!111liehen und weiblichen Jungarbeitern, nach Palästina abgereist. Die Haifaer Mittelstandsvereinigung hat mit der Errichtung eines neuen Wohnviertels auf Nalionalfondsboden an der Haifa-Bucht begonnen. Es sollen mehrere hundert Häuser errichtet werden. In einem durch die New Yorker Rundfunksfation WOV verbreiteten Vortrag stellt der Richter Benjamin I. Greenspan die Forderung nach stärkerer Ausnutzung der Maglichkeiten für eine großzügige Judcnkolonisatien in Palästina und Trans Jordanien als Mittel zur Lösung der Judenfrage auf. fn Tel Mond (in Mittel-Palästina) wurde ein Denkmal für den verstorbenen Lord Melchett (Sir Alfred Mond) errichtet. Das Material für das Denkmal wurde in der! Sela- Steinbrüchen zu Jerusalem gewonnen. Die Enthüllung des Denkmals, eines Werkes der Jerusalemer Bildhauerin Batya Lischansky, soll im September stattfinden. Die Jüdische Gemeinde Alexandria (Aegypten) hat beschlossen, im Rahmen einer Hilfsaktion für deutsche Juden einen Fonds zu schaffen, aus dessen Mitteln eine Kolonie deutscher Juden in Palästina errichtet werden soll. In Nahalal fand die Grundsteinlegung zu einem zweiten Gebäude für die dortige jüdische Mädchenfar in statt. Die Mitte! zur Errichtung des Gebäudes wurden von der Wizo-Exekutive mit besonderer Unterstützung von Ladv Erieigh, Lady Sieff und einein anonymen Spender zur Verfügung gestellt. Ansprachen hielten 11. a, Frau Wera Weizmann und die Gattin Edwin Samuels. Die griechische Regierung hat die Ernennung des Berliner Rabbiners Dr. Zwi Hirsch Koretz zum Oberrabbiner von Saloniki bestätigt. Oberrabbiner Dr. Koretz wird am 10. Mai in Saloniki eintreffen, um sein neues Amt anzutreten. In Bukarest fand unter dem Vorsitz des stellveriretenden Ministerpräsidenten Mironescu eine Sitzung des Ministerrates statt, in der strenge Anweisungen gegeben wurde, der antisemitischen Agitation, die in letzter Zeit in vielen Dörfern der Bukowina und in der Gegend von Akerman in Südbessarabien, wo deutsche Kolonien liegen, besonders heftig betrieben wird, schärfstens entgegenzutreten. Irn Alter von 61 Jahren starb in London der Gründer der im Jahre 1917 gegründeten Zeitung ״Jewish Guardian“, Laurie Magnus. Er leitete das Blatt bis 1931, in welchem Jahre es sein Erscheinen einstellte. Magnus war Mitglied des Council der Jewish Agency, des Council der West London Synagogue, des Jcws’ College und der Jewish Hospital Society. Briefe an die Redaktion Zar Schultrag« Köln, 10. Mai 1933. Sehr geehrte Redaktion! Die. sehr beachtlichen Ausführungen des Dr. Grüne* wald in Nr. 35 der ״Jtid. Rundschau“ werden vor allem für diejenigen Großgemeinden von besonderer Aktualität sein, die bis zum heutigen Tage noch nicht über eigene höhere Schulen verfügen. Für unsere Kölner Verhältnisse liegen die Dinge insofern etwas anders, als wir dank der Opferwilligkeit eines verhältnismäßig kleinen Kreises bereits im Reformrealgymnasium Jawnc eine Vollanstalt für Knaben und Midchen besitzen, die in den letzten Jahren schon von mehr als einem Drittel aller jüdischen Knaben und Mädchen, die sich überhaupt auf einer höheren Lehranstalt in Köln befanden, besucht worden ist. Es ist Vorsorge getroffen, daß die Einrichtungen der Schule, auf die man heute schon allenthalben in den jüdischen Gemeinden des Rheinlands mit größtem Interesse blickt, so ausgebaut werden, daß allen neuen An* forderungen entsprochen werden kann. Für uns jüdische. Schulmänner, die wir seit fahren für die höhere jüdische Schule gekämpft haben, ist heute aber weniger als je Zeit zum Reden oder Schreiben; wir sind ja bereits mitten in der Arbeit. Jedoch erscheint cs mir als eine Selbstverständlichkeit, daß man bei etwaigen Neugriindungcn in Gemeinden, die bisher kein Schulwerk besaßen, die organisatorischen und schultechnischeri Erfahrungen und Vorarbeiten, über die wir zum Glück bereits verfügen, an den maßgeblichen Steilen nicht unbeachtet läßt. Wer die alljährlich erschienenen Jahresberichte der Jawne kennt, weiß, daß für uns die programmatischen Forderungen von Dr. Grünewald seit Jahren lebendige Wirklichkeit sind. Hochachtungsvoll Direkten Dr. cri־׳h Klibansky.