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Jüdische Rundschau · 1933-05-16 · Heft 39 (16.5.1933) · p. Seite 201

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 39 (16.5.1933)
Date
1933-05-16
Page
Seite 201 (sequence 3)
Language
German
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Kr. 39. 16. V. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 199 2158 jüdische Anwälte in Preußen Das preußische Justizministerium hat die Zahl der endgültig in preußischen ObeTlandesgericlits-Bezirken zugelassenen arischen und nichtarischen Anwälte bekanntgegeben. Insgesamt sind in Preußen 11814 Anwälte bisher /!!gelassen gewesen, davon 8299 Arier und 3515 Juden. Von diesen Juden waren 735 Frontkämpfer und 1383 Alt- Anwälte. Gegen 923 Juden und US Kommunisten sind Vertrctmigsvcrbotc erlassen worden. Insgesamt sind an jüdischcn Anwälten künftig 2158 zugelassen. Die zugelassencn nichtarischen Rechtsanwälte verteilen sich auf die einzelnen preußischen Oberlandesgcrfchtsbezirke laut folgender Aufstellung, in der die sogenannten Alt-Anwälte (bereits vor August 1914 zugelassene Anwälte) mit A, die auf Grund ihrer Teilnahme am Frontkampf /»gelassenen mit F bezeichnet werden. Hierzu ist zu bemerken, daß selbstverständlich auch sehr viele ״Alt-An<- walte“ Frontkämpfer waren. Berlin: 797 A, 406 F, zusarnmen 1203 (früher 1998). Königsberg: 53 (33 A, 20 F, früher 105). Marienwerder: 10 (6 A, 4 F), früher 17. Breslau: 239 (164 A, 75 F), früher 304. Stettin: 47 (23 A. 21 F), früher 59. Kiel: 46 (27 A, 19 F), früher 54. Celle: 56 (31 A, 25 F), früher 84. Hamm: 9!) (65 A, 25 F), früher 158. Kassel: 31 (19 A, 12 F), früher 41. Naumburg: 53 (32 A, 21 F), fr. 95. Düsseldorf: 88 (55 A, 33 F), fr. 141. K ö In: 77 (40 A, 37 F), fr. 124. Frankfurt a. M.: 165 (91 A, 74 F), fr. 275. Die Ziffern stimmen insofern nicht überein, als die Zahl der zugelassenen jüdischen Anwälte in der Tabelle geringer ist als die Zahl, die sich ergeben würde, wenn man von der früheren Ziffer die Zahl derer, gegen die Vertretimgsverbotc erlassen wurden, abzielit. Wie dazu die ״Frankf. Ztg.“ erfährt, erklärt sieh diese Differenz daraus, daß in dem Rest der Fälle noch keine endgültige E n t s c h c i - düng getroffen wurde. Meist seien es Fälle, in denen noch nachzilprüfen sei, ob cs sich um einen Frontkämpfer handle. Terncr Ist zu berücksichtigen, daß die Zahl der ״nichtarisch cn“ Anwälte nicht nur die Juden um'faßt, sondern auch getaufte und Judenstämmlinge. Vor dem Frankfurter Gerichtsgebäude fand eine Ansammlung mehrerer hundert Menschen statt, die gegen die Zulassung jüdischer Rechtsanwälte demonstrierte. Einige Gruppen drangen auch in das Anwaltszimmer ein, ans dem sie durch die SA-Wache entfernt wurden. Die Ruhe war bald wieder hergestellt. Wie unfreundlich ein Teil der Auslandspresse die deutsche Politik heute betrachtet, geht aus den Bemerkungen des ״T i ni c s“-Korrespondcnten hervor, der zu der Nachricht über die Ziffern der Rechtsanwälte folgendes hinzufügt: ״Die Ankündigung hat eine große Ucberraschung hervorgerufen, besonders in den Kreisen der jüdischen Rechtsanwälte, die eine viel schärfere Ausschließung erwartet hatten. Es sind aber so viele Möglichkeiten einer inoffiziellen Verhinderung in diesen Zeiten, daß noch gewisse Zweifel bestehen, welcher Teil der zugelassenen jüdischen Anwälte in der Praxis es wirklich möglich finden wird, vor den Gerichten aufzutreten.“ * In dem jetzt verkündeten Gesetz, über die Zulassung von Steuerberatern heißt es u. a.: .,Personen, die itn Sinne des Gesetzes zur Wiederhersfelhing de? Berufsbeamtentums voin 7. April 1933 nichtarischer Abstammung sind, dürfen als Steuerberater nicht allgemein /!!gelassen werden; Zulassungen, die solchen Personen bereits erteilt . worden sind, sind zurückzunehinen. Rechtsanwälte oder Notare, auch wenn sie nichtarischer Abstammung sind, dürfen als Bevollmächtigte oder Beistände in Steuersachen von Falt zu Fall zugelassen werden. Andere Personen nichtarischer Abstaminung dürfen grundsätzlich auch nicht von F a 11 z u F a 11 als Bevollmächtigte oder Beistände in Steuer- Sachen zugclassen werden.“ Die Reform des Rechts Aut einer unter dem Leitwort ״Für deutsches Recht und deutsche Rechtspflege“ im Plenarsaal des Preußischen Landtages abgehaltencn Juristenversaninilung, an der neben Vertretern der Richterschaft, der Anwaltschaft und des Bundes nationalsozialistischer Juristen auch Reichsjustizminister Dr. Gürttier und Staatssekretär Schlegelberger, die Justizminister der deutschen Länder und zahlreiche sonstige Verfreier der deutschen itnd österreichischen Justiz, teiinahmen, erklärte Reichskomrnissar Dr. Frank II: ״Den Einfluß des Judentums im deutschen Recht haben wir binnen kurzem gebrochen. Es mag manchem schwer sein, das Tempo des Vorgehens und die Erfordernissc des Staates mit den programmatischen Wünschen der Bewegung in Einklang zu bringen. Lias Tempo der nationalen Revolution bestimmt unser Führer. Niemals aber wird der Bund nationalsozialistischer Juristen von der Forderung ablassen, daß alle Juden restlos aus jeder Form des Rechtslebens heraus müssen.“ (Stürm. Beifall.) Ferner erklärte Dr. Frank, der Erfolg des Nationalsozialismus, den er als germanische Revolution kenn/cichnete, habe cs zum erstenmal ermöglicht, daß der Begriff der Rasse Eingang in das Recht findet. Er wolle ausdrücklich _ feststellen,' daß der Kampf um das deutsche Recht eine nationalsozialistische Angelegenheit sei und ausschließlich von den Machtcxponcnten dieser Bewegung geführt werde. Der Staat sei nicht gewillt, die Hunianitätsduselei vergangener Epochen fortzu setzen. Außer Reichskommissar Dr. Frank sprachen noch der Führer der nationalsozialistischen Fraktion im Preußischen Landtage Oberpräsident Kube, der Preußische Justizminister Kerrl, der Dekan der juristischen Fakultät der Berliner Umversität Geheimrat Hevmann, Ministerialdirektor Dr. Freisler und andere. ״Blut und Boden" 11! dem Entwurf des neuen Gesetzes über die Ausdehnung des Erbhofrechtes (Anerbenrecht) auf ganz Preußen heißt es: ״Einen Erbhof kann als Bauer nur besitzen, wer deutscher Staatsbürger und deutschen Blutes ist. Deutschen Blutes ist nicht, wer unter seinen Vorfahren im Mannesstamm oder wer unter seinen übrigen Vorfahren bis ins vierte Glied eine Person jüdischer oder farbiger Herkunft hat. Deutschen Blutes im Sinne dieses Gesetzes ist aber selbstverständlich jeder Germane. Eine in Zukunft erfolgende Eheschließung mit einer Person nichtdeutschen Blutes macht die Nachkommen dauernd unfähig, als Besit/er eines Erbhofes Bauer zu sein.“ — Im Vorwort zu den(, neuen Gesetzentwurf über das Erbhofrecht heißt es: Die unab*' lösbare Verbundenheit von Blut und Boden ist die unerläß*' liehe Voraussetzung für das gesunde Leben eines Volkes. Wirtschafts - Antisemitismus Der ״W ürzburger General-Anzeiger“ vom 10. d. M. enthält nachstehende Notiz: Dir^ *Nntionalsozialisltsche Deutsche Arbeiter-Partei, Caiibctrirbswlle, Abteilung Unterirankcn, Wiirzburg, erläßt folgende Kundgebung: ״Juden sind keine Freunde fies deutschen Volke*, der Deutsche ist des Juden Todfeind und umgekehrt ist cs das gleiche. Der Deutsehe, dem cs ernst ist am Wiederaufbau und au der Erneuerung Deutschlands, weiß was er zu tun hat und Ich nt cs konsequent ab, die Erzeugnisse von Juden zu kaufen. Es gibt Leute, die besitzen diesen Stolz und dieses Elngefühl nicht ז sie gehören sogar za den sogen, besseren K r<i-M־n der im-Mgcn }'rauenweh. Die Frauen, die öffentlich oder hintenherum von Juden kaufen, müssen als Judenhörig gebrandinarkt werden. Tn einer /eit, in der der Jude in der ganzen Welt ch.s deutsche Volk in der verbre-heri-rhsten, charaklerlosevten Wei -<׳ l>e־-chimpft und verleumdet, bringen es die.se fiesrhöpfe fertig, für d׳*n Vei le11.׳nd*־r öfientlirh einzutreten und sieh 7.U ihm zu bekennen. Es wird ratsam sein und nueh verwirklich! werden, daß man in Dachau daran geht, eine Abteilung fiir weihlieht* VoiDyerr.her z.u -rhaff.n. Eben-o 1\f es ratsam, alle die Frauen, die jüdhrlie Erzrugnhse kaufen, zu brandmarken, in der Zeitung 711 veröhVittlHirn und zu bestrafen. Wer den Sinn, das Tempo und die Tut der Nationalen Revolution ver־m*ht, der weiß bestimmt, daß auch «lies noch verwirklicht wird. Deutsche, merkt Euch dies«‘ }Tauen, die mit dein deut-chrn Volke nichts mehr gemein haben! Denn eines Tages — und d<r Tag wird auch nieht mehr so ferne liegen — kommt auch für diese Menschen die Abrechnung.־‘ Wir sind [jberzeugt, daß die Regierung־, entsprechend deren Verordnungen gegen Einzel-Eingriffe in die Wirtschaft, solche Veröffentlichungen nicht billigt. Es wäre dringend zu wünschen, daß entsprechende Weisungen ausgegeben werden, damit nach dein Sieg der nationalen Revolution die jüdischen Bürger nicht derartigen Kränkungen ausgesetzt sind. KflnsUerhlüe nor für Arier Aut einer städtischen Pressekonferenz, berichtete der Dezernent für das städtische Kunst- und Bildungswesen in Bcrlin, Staatskoni missar H afeman n, über seine Tätigkeit. Ij. a. teilte er mit,!laß aus den Mitteln der Berliner ״Künstlerhilfe“, für die im Etat ein Betrag■ von 75 000 RM. eingesetzt ist, in Zukunft nur arischen Künstlern Beihilfen gewährt werden sollen. Die Künstlerhilfe ist dazu bestimmt, bedürftigen Künstlern, die von irgendwo ein Angebot haben, das Reisegeld oder die nötige Kleidung zu verschaffen. Bisher wurden auch Juden durch die Kiinstlerliiife unterstützt. Ferner schilderte Staatskomniissar Hafcmann die planmäßige Entfernung der jüdischen und marxistischen Zeitungen, Zeit- Schriften und Bücher aus der Magistrats- und Stadtbibliothek, sowie aus den Bezirksbüchereien. Bei der Bücherverbrennung am 10. Mai seien rund 1800 Exemplare aus städtischem Besitz verbrannt worden. Ein Teil der geächteten Bücher stehe noch in den Regalen, in den Katalogen werden sie jedoch nicht mehr geführt. Es stehe noch nicht fest, ob man sie verbrennen oder einstampfen oder in besondere Kammern bringen werde. Eine große Londoner Buchhandlung habe vor dem Autodafe ein telegraphisches Angebot an die Stadt Berlin gemacht, die zur Verbrennung bestimmten Bücher i!1 Bausch und Bogen anzukaufen. Es sei unnötig zu sagen, erklärte Staatskomniissar Hafemann, daß die geschäftstüchtigen Engländer hiermit kein Glück gehabt hätten. Jüdische Ullstein-Redakteure Der Kreisbefriebszcllenleiter des Gancs Groß-Berlin der N'SBO. teilt mit: ״Die Belegschaft des Verlages Ullstein hat am 12. Mai in Anbetracht der passiven Haltung der Direktion gegenüber berechtigten Forderungen auf Abbau der Riesengehälter und Ersetzung der jüdischen Jour nalisten durch deutsche zur Selbsthilfe gegriffen. Der Betrieb wurde ah 3 Uhr nachmittags stillgelegt, so daß die Abendblätter nicht erscheinen konnten. Durch Eingreifen der Rcichsleitimg der NS BO. wurde erzielt, daß die Arbeit ab 10 Uhr wieder atifgenommen wird, und daß mit der Direktion Verhandlungen über die Durchführung der Forderungen aufgenommen werden. Die Morgenbläffer des Verlages erscheinen wieder.“ Der Verlag feilt hierzu mit: ״Im Verlauf des gestrigen Tages haben Teile der Angestellten- und Arbeiterschaft der Verlagsleitung Forderungen gestellt, denen diese nicht entsprechen k o n!11 e. Infolgedessen kam es zu einer vorübergehenden Arbeitsniederlegung. Nach eingehender Darlegung der Sachlage wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Aus den erwähnten Gründen konnte die Abendausgabe der ״Vossischen Zeitung“ nicht erscheinen.“ Dorcltsnchnngei! in München In einem Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde M ü n - chen, in welchem verschiedene jüdische Organisationen und Vereine ihre Büroräume haben, wurden am vergangenen Freitag von Organen der Polizei Haussuchungen vorg e n o m m c!1. Eine Reihe von Vereinen wurde für aufgelöst erklärt. Die Jüdische Gemeinde München bemüh/ sich, die Angelegenheit aufzuklären. Die Verhandlungen hierüber mit den zuständigen Behörden sind noch im Gange. Hilfsaktionen London, t0. Mai. (J.T. A.) Das unter Leitung des Präsidenten der United Synagogue, Lionei de Rothschild und Anthonys de Rothschild stehende Zcntralhilfskomitec für deutsche luden kündigt die Erlassung eines Aufrufs zur Durchführung einer großen Sammelaktion in England an. Amsterdam. 11. Mal. (J.T. A.) An! 17. Mai wird in Holland eine großzügige Sammelkampagne für die Ijilfsaktion zugunsten deutscher Juden durchgeführt. Die. Leitung der Kampagne Hegt In den Händen eines Komitees, dem Persönlichkeiten der jüdischen und nichtjüdischen Gesellr Schaft angehören. I Haben Sie schon ihren Neu - Abonnenten in dieser Woche י־*־׳־" Juden In der Wissenschaft In der ״Preußischen Zeitung“, Amtliches Nachrichtcnblatt aller staatlichen und städtischen Behörden, Königsberg i. Pr., finden wir unter der L'eberschrift ״Das Eindringen der Juden in die Wissenschaft“ einen Artikel, der folgendermaßen beginnt: ״Wissenschaft bedeutet fiir einen Juden nicht eine Aufgäbe, nicht eine Verpflichtung, nicht: ein Bereich für schöpferische Gestaltung. Wissenschaft bedeutet für eine« Juden ein Geschäft. Wissenschaft wird aber weiter fiir den Juden ein Mittel zur Zerstörung der Kultur seiner Wirtsvölker.“ Der Mann, der das niederschreibt, muß ein sehr großer Mann sein, denn wie könnte er es sonst wagen, gegen hunderte Forscher, die in selbstloser Hingabe und leidenschaftlichem Erkenntnisdrang der Wissenschaft gedient, so von oben herab summarisch ab/tiurteilen. Nachdem er dann gezeigt hat, wie die Juden in die Wissenschaft ,.eindrarigen“, schließt er wie folgt: ״So kam es, daß die wichtigsten Lehrstühle deutschgenannter Hochschulen mit Juden besetzt winden. Man räumte für ihre S c 11 111 a r o t z e r t ä t i g k e i t F o r - scherstellen ein und b e 1 o 11!11 c s i e m i t N o b e Ipreisen. Aber ihre Herrschaft über die deutsche Wissenschaff festigte und stärkte sich mit ihrer politischen Macht. Eine jüdische Presse sorgte dafür, daß jüdische Gelehrte bekannter wurden als deutsche. Jüdische Verlagsanstalten sorgten dafür, daß Judenbücher gedruckt und verbreitet wurden, wahrend deutsche Forscher mit wertvollen Hand- Schriften verhungern mußten, weil sie keinen Verleger fanden. Jüdische Kritiker sorgten dafür, daß ihre Volks- und Rassegenossen eine breite Lesernnd Anhängerschaft zur Verfügung hatten. So ist die Lage zu Beginn des Jahres 1933. Docli die Aufräumung beginnt. Die Aufräumung!fieses veri 11 d e t e n W i s s e!1 s r 11 ה f t s b e f r i 1■ b e s nimmt ihren Anfang. Sie wird fortgesetzt werden, bis die Wissenschaft wieder auf deutsche Art von deutschen Männern verwaltet wird. Wenn die Juden Wissenschaft treiben wollen, dann sollen sie jüdisch e Wissenschaft t 1׳ e i b e n und können nach Jerusalem ziehen, wo sic sich ja jüngst eine eigene 1 lodisihule und hebräische Forschtingsansfalten geschaffen haben. Aber sie sollen uns damit verschonen. Wenn sie j ii d i s c 11 e Machw e r k e als wisse n s c h a f 1 ז io 11 e Erzen g!1 i s s e veröffentliche 11 wollen, dann können sie es in jiidischer Schrift und Sprache tun. Aber sie sollen unsere Schrift und Sprache nicht dazu mißbrauchen.“ Obwohl kein deutscher Wissenschaftler hörbar gegen solche Auslassungen protestiert hat, wissen wir, daß sie nicht die Ansicht des gebildeten Deutschland darstellen. Aber die Mahnung, jüdische wissenschaftliche Leistungen, die bisher nur Deutschlands Ruhm gemehrt haben, von nun an unter jüdische Flagge zu stellen, verdient Beachtung, selbst wem! sie von dieser Seite kommt. Wer vertritt die deutschen Juden? Im ״Gemeindcblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin“ (Amtliches Organ des Gemcindevorst:indes) veröffentlicht Dr. Arthur Lilienthal, Generalsekretär der Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände, einen Aufsatz, in dem er die Versuche, eine einheitliche Instanz de! deutschen Judenheit zu schaffen, folgendermaßen schildert: ״Das deutsche Judentum hat heute eine einheitliche Verfretung, ■die Jahre eingehender Verhandlungen nicht zustande gebracht hatten. Ohne komplizierte Organisationen und wohl ausgeklügelte Verfassung haben die Landesverbände eine Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände geschaffen, die die Interessen des gesamten deutschen Judentums wahrnimmt und sie der Regierung gegenüber vertritt. Ein sechsgliedriges Präsidium ist zur Führung der (jeschäfte bestellt, das aus dem Präsidenten des Preußischen Landesverbandes Kammergerichfsrat Wolff sowie Rechtsanwalt Dr. Köllen sc her als weiterem Vertreter des preußischen Landesverbandes, dem Präsidenten des bayerischen Landesverbandes Oberlandesgerichtsrat Dr. N e 11!11 e y e r, dem Vorsitzenden des badiselten Landesverbandes Prof. Dr. Stein sowie den Rabbinern Dr. Hacek (Berlin) und Dr. 11 o r 0 v i 1 ,׳ (Frankfurt a. M.) besteht, Ais Präsidenten der Reichsvertretung fungieren Rahbiner Dr. Baeck und Kammergerichtsrat Wolff. Die Führung der laufenden Geschäfte liegt naturgemäß hei den drei Berliner Mitgliedern des Präsidiums, denen als Vertrauensmann der süddeutschen Landesverbände Dr. Ludwig 'I ietz beigeordiiet ist. Die (icschäftsiühriiiig liegt in den Händen des Verfassers dieser Zeilen. 15,1s Plenum der Reichsverfretung, dem u. a. auch die Führer der übrigen großen Landesverbände angeboren, unter denen besonders der Präsident des Württenibergisdien Landesverbandes Ministerialrat Dr. Hirsch hervorgehoben sei, tritt in regelmäßigen Zwischenräumen zusammen, um die Berichte der Präsidenten entgegenzimchnien und die notwendigen Maßnahmen festzulegen. Hinter der Reichsvertretung stehen die großen jüdischen Verbände, die die lebendigen Kr.äfte des deutschen Judentums verkörpern, stehen der Ceiitral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Zionistische Vereinigung für Deutschland, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Durch ihren Präsidenten, Dr. Baeck, ist die Reichsvertretung gerade jetzt aussichtsvoll bestrebt, diese großen politischen Gruppen des deutschen Judentums auf eine einheitliche Linie des Ffandelns festzulegeti, das in der Reichsvertretung verwirklicht werden soll.“ Es ist richtig, daß der Versuch, in der Reichsverfretung eine handlungsfähige Instanz des deutschen Judentums zu schaffen, gemacht wurde und von allen größeren Gruppen des deutschen Judentums, darunter auch von der Z, V. f. D., unterstützt wird. Daß trotzdem die Zionisten dieser Reichs- Vertretung, die bisher zwar viele Sitzungen abgehalten, aber noch sehr wenig Positives geleistet und das von den deutschen Juden ersehnte anieiiernde und aktivierende Wort nicht gesprochen hat, nicht kritiklos gegcmiberstchen, zeigt der Artikel ״Echte oder scheinbare Wandlung?“ von Kurt Blume nf cid, den wir in der ״Jiidisehen Rundschau“ Nr. 37 veröffentlicht haben. Der Israelitische Oemciniiebuml der Schweiz hat als Vertreter der schweizerischen Judenheit dem Bundesrat (schweizerische Regierung) eine Resolution überreicht, in der dem Bedauern über judenfeindliche Aeußerungen in einer Reihe in letzter Zeit in der Schweiz abgehaltencn Versammlungen Ausdruck gegeben wird. Der Bundesrat hat daraufhin eine Erklärung veröffentlicht, in der er es als seibstverständlieh bezeichnet, daß die Schweizer Staatsbürger der Verfassung gemäß in gleicher Weise ohne Berücksichtigung des Unterschiedes von Konfession oder Rasse behandelt werden.

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