Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-05-05 · Heft 36 (5.5.1933) · p. Seite 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 36 (5.5.1933)
Date
1933-05-05
Page
Seite 180 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653765--23701-2686598
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 180 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 36, 5. V. 1933 Was es mit unserem ״Reichtum“ und der angeblichen wirtschaftlichen Uebermacht auf sich hat, darüber brauchen nicht viele Worte verloren zu werden. Es muß eine sehr dumme Jüdin gewesen sein, die sich in der Kontroverse mit dem Milchhändler auf ihr Geld berufen hat, und diese Dame wenigstens hat keinen Anlaß, auf ihre ״Intelligenz“ stolz zu sein. Die Angst vor 1' n Mißbrauch jüdischer Geldmacht zur Unterdrückung anderer ist sehr verbreitet, und Juden gaben oft Anlaß ■dazu, daß dieser Eindruck entstand, ln früheren Jahrhunderten haben die Juden sich an das Geld gehalten, weil es, im Gegensatz zum unbeweglichen Besitz, ihnen bei ihrer erzwungenen steten Wanderbereitschaft die einzige schwache Lebenssicherheit bot und weil sie für ihre bloße Existenz den jeweiligen Machthabern schwer bezahlen mußten. Etwas von dieser jahrhundertealten Erfahrung ist vielleicht in der jüdischen Mentalität zurückgeblieben. Die Juden, die sich durch Reichtum zu retten gehofft hatten, werden freilich eines besseren belehrt. Die reichen Juden sind nicht die beliebteren Juden gewesen, und die Legende vom jüdischen Reichtum wird, so fürchten wir, sehr bald zusammengesunken sein. Wie aber steht es mit der Intelligenz? Niemand kann leugnen, daß die Uebcrschätzung der eigenen Intelligenz bei Juden sehr verbreitet ist. Man hält vielfach Klugheit für eine ״jüdische“ Eigenschaft und ist dann besonders überrascht, wenn man die Erfahrung macht, wieviele dumme Juden cs gibt. Audi für die Entstehung dieses Vorurteils gibt es historische Grundlagen. Die Juden sind nun einmal das Volk des Buches, nämlich eines bestimmten Buches, an dem sie durch 2000 Jahre erzogen wurden. Als noch der größere Teil der Juden auf dem Lande lebte — die Zeiten liegen gar nicht so weit zurück — war der Jude unter den Bauern oft der einzige Lesekundige. Wer den Osten kennt, wird schon erlebt haben, wie in einem ruthenischen oder ungarischen Dorf der Bauer, wenn er einen Brief bekommt, zum Dorfjuden geht und ihn bittet, den Brief vorzulesen. Der Jude fand sich damit ab, daß der Bauer den stärkeren Arm und er den stärkeren Verstand hat. Von dieser Bewertung, das können wir ruhig gestehen, ist im jiidischen Bewußtsein etwas zurückgeblieben. Aber hatte es in der hier angedeuteten Situation etwas Gutmütiges, ja Humorvolles an sich, so hat sich diese Idylle mit fortschreitender Assimilation und der jüdischen Konzentration in den Großstädten grundlegend geändert. Dem Dorfjuden von einst fiel nämlich nicht ein, etwas anderes als Jude sein zu wollen und sich zum Sachwalter des Bauernvolkes aufzuwerfen. Die Epoche der Assimilation aber ließ den Juden alle natürlichen Hemmungen und Grenzen vergessen, und da er in dem Volkstum seiner Umwelt nicht organisch und historisch eingewachsen war, suchte er durch Intelligenz zu ersetzen, was an natürlichen Grundlagen fehlte. Der alte jüdische Mutterboden war hier nur hemmend; je freier die ״Intelligenz“ 1'n der Luft schwebte, um so besser war sie zu gebrauchen. Daraus ergab sich eine Uebcrschätzung der cigenen Verstandesmacht, die ganz andere Wirkungen hatte als ihre Träger ahnten. Dieses Pochen auf Intellcktualität, diese naive Selbst,־uifblähung mancher Juden, die dadurch ihre Assimilation zu erleichtern, ihre Stellung innerhalb der Umwelt zu stärken glaubten, wirkte besonders provozierend und hatte sogar zur Folge, daß eine bestimmte Art des lebensfernen, negativen, destruktiven Infellektualismus zu Unrecht als ״jüdisch“ bezeichnet wurde. Zu Unrecht: denn die Geisteshaltung einer rationalistischen Epoche beschränkte sich nicht auf Juden, aber leider liebten es die Juden besonders, sich möglichst auffallend darin zu spiegeln. Diese Juden haben, wenn sie angegriffen und verlästert wurden, sich abgekehrt und sich für die besseren und klügeren Mensehen gehalten. Erst der jüdische Nationalismus fand das natürliche Maß der Dinge wieder, daher war er frei von den bei den Assimilanten üblichen Uebertreibungen der eigenen ״Vorzüge“. Die instinktive Ablehnung dieser jüdischen Zwischenschicht setzte daher von zwei Seiten ein: von Seiten der Nichtjuden in der Form eines verstärkten Antisemitismus, auf jüdischer Seite in der Form der Selbstbesinnung und des Wunsches nach mensch« licher Renaissance, nach Harmonie der seelischen und geistigen Kräfte. Der jüdische Nationalismus, der im Zionismus gipfelt, erkannte, daß es auch für den Juden höhere Güter gibt als Verstandesschärfe; nämlich Verbundenheit, organisches Leben, Charakter und Opferbereitschaft zur Tat. Nicht durch Uebernahme der These von der jüdisehen Minderwertigkeit und auch nicht durch deplaeierte Ueberhcblichkcit dürfen wir auf Feindschaft reagieren. Dies alles sind nur Ausflüchte, Versuche, dem wahren Judcnproblem auszuweichen. Behaupten werden wir uns in der Flut der gegen uns hereinbrechenden Feindschaft nur dann, wenn wir unsere jüdische Art und unser jüdisches Schicksal so zu erleben lernen, wie sie geworden sind, wenn wir uns bewußt in den Zusammenhang der jüdisehen Geschichte und des jüdischen Lebens einstellen. Wir sind nicht schlechter als die anderen, wir sind aber auch nicht besser. Wir haben nur das Unglück, überhaupt vergessen zu haben, wer wir sind. Unsere Kinder müssen es wieder lernen. Wir dürfen nicht aus unsc.v - besonderen Situation Verkrampfungen entstehen lassen. Man braucht nicht die Mode der Geringschätzung der Intelligenz mitzumachen und kann doch zugeben, daß Verstand nicht alles ist. Die Sucht nach Assimilation, die uns wie durch Scheuklappen blind machte gegen alle Realitäten des uns umgebenden Lebens, hat — ohne daß wir es merken — Verzerrungen unseres Wesens bewirkt, die unser Zusammenleben mit der Umwelt erschweren. Erst wenn wir bei uns selbst wieder Boden unter den Füßen gewonnen haben, werden wir auch die Distanz, die Ehrfurcht vor dem Andersgearteten unserer Umwelt wieder haben und dann wird es, auch wo wir zu kämpfen haben, nicht möglich sein, daß wir uns damit beruhigen, wir hätten mehr hinter der Stirn. Was man ist, beweist man nur durch das wirkliche Sein. Darum haben wir ein jüdisches Leben aufzubauen; in vollgültiger Art wird es, so hoffen w׳ir, in Palästina entstehen, aber seine geistigen Wirkungen und das Bewußtsein seines Adels und seiner Pflichten müssen überall lebendig sein, wo Juden wohnen. Ein riehtig verstandenes jüdisches Nationalgefühl wird uns von jeder Ueberheblichkeit heilen. Denn die Sehnsucht nach einer besseren Zukunft und einem ehrenvolleren Dasein unserer Gemeinschaft wird uns helfen, kritisch gegen unsere Gegenwart zu sein. Am Anfang jedes Aufstiegs aber steht die Selbstkritik. Preußische Schulstatistik Probleme der Prozentnorm Wir haben in der vorigen Nummer auszugsweise eine Statistik der jüdischen Schüler za hl an verscliiedenen höheren Schulen veröffentlicht, wobei sich zeigte, daß in großen Städten mit starker jüdischer Bevölkerung in einzelnen Stadtteilen auch die Prozentzahl der jüdischen Schüler an höheren Schulen groß ist. Wir haben dabei bereits darauf hingewiesen, daß man aus solchen einzelnen Daten kein Gesamturteil ableiten darf. Denn es gibt zahlreiche Gegenden Deutschlands, wo die höheren Schulen vollständig j u d c n - rein sind oder nur eine verschwindende Anzahl jüdischer Schüler haben. Wie sich das Verhältnis im ganzen gestaltet, darüber erteilt Aufschluß eine Statistik, die im ״Deutschen Philologenblatt״ vom 26. April 1933 veröffentlicht ist. Aus dieser Statistik, die wir nachstehend abdrucken, ergibt sich, daß in ganz Preußen an den höheren Schulen für Knaben der Prozentsatz der jüdischen Schüler 3,1 ausmacht. An den Mädchenschulen ist der Prozentsatz etwas höher, 5,1. Wenn man bedenkt, daß die offizielle Prozenfnorm nach dem neuen Schulgesetz 1,5 beträgt und die Rieh (zahl hei Einrechnung der bereits an den höheren Schulen befindliehen Schüler und der durch spezielle Vergünstigung (Frontdienst usw.) zugelassenen 5 0/0 beträgt, dann ergibt sich, daß die Ansprüche der Juden auf höhere Schulbildung gar nicht so übermäßig sind, wie oft behauptet wird. Die Sch wierigkeit für die Juden ergibt sich nur daraus, daß sie an einigen Orten konzentriert wohnen, so daß dann an diesen Orten natürlich auch eine höhere Prozentzahl jüdischer Schüler vorhanden ist; wenn man aber den Durchschnitt für ganz Preußen zieht, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Die Schüler and Schülerinnen der öffentlichen höheren Lehranstalten Preußens nach dem Bekenntnis. [Vergleich mit den festangestellten Philologcn(innen)]. Stand vom 1. Mai 1932. a) Knabenanstalten. Gesamt■ zahi der Von der Gecamtzahl der Schüler aind Provinz Schüler (einschl. Mädch.) evanjf. m % kathol. in % jüd. sonat. In % Ostpreußen. . 15 670 13 203 84.2 1 952 12.5 311 2.0 204 1.3 Grenzmark . . 2 676 1 789 68.1 771 29.4 63 2.4 0.1 י* 3 Brandenburg׳ . 1568! 14 591 =93.0 709 4.5 199= O 182 U Berlin. 45 801 37 034 « 80.9 3 473= 745 3 6/4 2* 8.0 1 620 « 3.5 Pommern . . . 10930 10 477 =95.9 267*= 2.4 135 1.7 51 - 0.5 Niedersehleg. . 19 795 13 302 =67.2 5 627 28.4 3.4 *־־ 676 1.0 »־־190 Obers chlesien 9 491 1 687 17.8 7 542 79.5 258 2.7 4 0.0 Sachsen .... 19664 18 158 92.3 1206» 6.1 177 0.9 143 0.7 Schl,•Holstein 11028 10 626 96.4 2.5 ־=־279 44 0.4 79 sr 0.7 Hannover. . ״ 20 661 17 275 83.6 2 889 14.0 267 1.3 230=1.1 Westfalen , . 34612 17 710 51.2 16 233 468 445«• 1.3 224 0.7 Hess.-Nnssau. 19 477!3 505 69.3 23.3 =־ 534 4!232 6.3 206— 1.1 Rheinland. . . 53 257 21 386 es 40.2 30 271 56.8 2.1«־ 1134 461 es 0.9 Saarjfebiet . . 5 641 2 016 «s 35.7 3 518 62.4 102=13 5 0.1 Zusammen: 284 349 7.7»־־ 759 192 79271 27.9 8 717 3.1 3 602 1.3 Festanffsatellte <׳ Philologen (-innen) 1138« 7 819 <8.7 3386 29.7 88 0.8 93=0.8 bl Mädchenanstalten. Provinz Gesamtzahl der Schüler (einschl- Knab.) Von der evang׳. in % Gesamtzahl der Schülerinnen kathol. m % | jud. sind sonst. In % Ostpreußen. . 8969 7455 83.2 1142 17.7 230 2.5 142 1,6 Grenzmark . . 686 502 73,1 163 23.8 17= 2.5 4*=0.6 Brandenburg׳ . 6115 5677 92.8 293= 4.8 17 ־=102 43 0.7 Berlin ..... 29040 23 596 81.2 1 555 5.4 3 023 10.4 3.0*־ 866 Pommern . . . 6055 5 690 94.0 194= 3.2 134= 2 2 0.6 ־= 37 Niederaehle«. . 5713 4 318 75.6 893 15.6 7.3 ־־=415 87 1.5 Oberschlesien 2 803 922 32.9 1684 60.1 196= 7.0 1 =0.0 Sachsen .... 9135 8 652 94.7 295= 3.3 123= 1.3 65 0.7 Sch!..Holitein 5 262 5 046 96.0 134= 25 43= 0.8 0.7־*39 Hannover. . * 9467 8 857 93.5 310 aas 3.3 160= 1.7 140 1.5 Westfalen . . 14 416 9695 67.3 4 358 30.2 1.8 י« 264 99 07 Hea*,-Nassau . 6 778 5091 =75.2 715*10.5 864 «= 12.7 108 1.6 Rheinland. . 18 851 10 978 58.2 6 949 36.9 731= 3.9 193 1.0 Saargebiet . . 2123 1073 50.6 959 45.2 86= 40 0.2=־ 5 Zusammen: 125 413 97 333 77.8 19644 13.7 6388 3.1 1829 1.4 Festangestellte Phüelofcn (-innen) 3 653 3814=77.3 743= 30.3 33=1.4 22=3 0.6 An diese Statistik anknüpfend, müßte man die Frage aufwerfen, welches Ziel die Regierung durch die Prozentnorm verfolgt. Danach erst könnte man die weiteren Wege prüfen. Geht es der Regierung in erster Linie darum, den übermäßigen Andrang von Juden zu den höheren Berufen abzuwehren, d. h. will sie die durch höhere Bildung erworbene ״Berechtigung“ bei Juden auf den Prozentsatz zur Bevölkerung beschränken, dann müßte logischerweise dieser Prozentsatz nicht lokal und nicht an den einzelnen Anstalten, sondern im Durchschnitt für das ganze Land. bzw. Reich genommen werden. Nach den Jetzt durch das S c h u 1 g c - setz geschaffenen Bestimmungen würde sich nämlich ergeben, daß im Landesdurchschnitt auch der den Juden bewilligte Prozentsatz nicht erreicht w׳ird, weil es doch schon aus wirtschaftlichen und anderen Gründen unmöglich ist, daß jüdischc Eltern ihre Kinder in ferne Gegenden schicken, wo noch judenreine Schulen sind, um dort ihre Aufnahme auf Grund der Prozentnorm zu erwirken. Es würde dann also in judenarmen Gegenden die Prozentziffer nicht ausgenützt werden, dagegen müßten in stark jüdisch bevölkerten Orten viele Kinder ausgeschlossen sein. Wenn man also einen gerechten Schlüssel für das ganze Land anwendet, dann müßte eine Elastizität in der lokalen Behandlung platzgreifen. Sollte es aber der Regierung in erster Linie darum gehen, die ״Vcrjudung“ der höheren Schulen zu vermeiden, d. h. will sie verhindern, daß die jüdischen U/״ Prozent sämtlicher höherer Schüler sich an wenigen Orten konzentrieren und dadurch einigen deutschen Schulen ein unerwünschtes Gepräge geben, dann wäre der logische Ausweg der, an stark von Juden bevölkerten Orten jüdische höhere Schulen zu schaffen. Diese Schulen, die von Staats wegen jüdischen Charakter hätten und nur von Juden besucht würden, könnten die zugclasscnc Prozentziffer jüdischer Aspiranten für höhere Bildüng aufnehmen und dadurch die deutschen Schulen entlasten. Damit wäre der Mißstand der ״Verjudung“ der deutschen höheren Schulen beseitigt und zugleich wäre^ was sowohl der Regierung als auch gewissenhaften jüdischen Eltern erwünscht sein müßte, die Möglichkeit geboten, an jüdischen Schulen die durch den Antisemitismus entstehenden Konflikte auszuschalten und die zur höheren Bildung zugelassenen Kinder — natürlich unter der Kontrolle des Staates — auf positiv jüdischem Boden charakterlich zu festigen und zu wertvollen Mitgliedern der Gemeinschaft heranzubilden. Rasseami In Dortmund Der Staatskommissar der Stadt Dortmund hat, wie T. U. meldet, angeordnet, daß bereits jetzt mit dem Aufbau eines Rasseamtes in Dortmund begonnen werden soll. Mit der Leitung wurde der Hilfskommissar für das Gesundheitswesen, Dr. med. Brauß, betraut, der im Rahmen einer Pressebesprechung u. a. mitteilte, das Amt werde diejenigen Fälle zu bearbeiten haben, die mit der Bewerbung um Beamtenstellen, Schüler der höheren Schulen und der Hochschulen Zusammenhängen. Es stehe zu erwarten, daß bereits in allernächster Zeit Gesetze zur Scheidung und Aufartung der Rasse erfolgen. Das Wesentlichste dieser Gesetze werde sein, daß in Deutschland Rassemischchen verboten würden, daß ferner die Bevölkerung in Familien geschieden werden müsse, deren Nachkommenschaft dem Staate erwünscht oder deren Nachkommenschaft als eine Belastung des Volkes unerwünscht sei. Die logische Konsequenz sei die Forderung der Zwangssterilisierung von Verbrechern und anderen asozialen Elementen. Im Zeichen des Arierparagraphen Bei der am 30. April im Hause der Deutschen Presse abgehaltenen Delegiertenversammlung des Rcichsverbands der deutschen Presse wurde der Reichs- Pressechef der NSDAP., Dr. Otto Dietrich, einstimmig zum Vorsitzenden des Verbandes gewählt. Auf Antrag des Landesverbandes Berlin wurde beschlossen, Juden und Marxisten künftighin von der Mitgliedschaft aus/.usclilicBcn und die Entscheidung über das Verbleiben derer, die bisher Mitglied waren, bis zum Erlaß des neuen Pressegesetzes von Fall zu Fall den Vorständen der Landesverbände zu überlassen. Der ״Reichsverband ambulanter Gewerbetreibender“ hielt im Frankfurter ״Handwerkerhaus“ seinen 1. Gautag ab. Der Vorsitzende Gögel betonte in seiner Eröffnungsrede, die Reinigung im Verband werde kommen, man werde aber nicht jene ambulanten Gewerbetreibenden ausschalten, die im Felde gestanden hätten. Dem demnächst zusammentretenden Thüringer Landeskirchenrat wird ein Antrag der Gruppe ״Deutsche Christen“ vorliegen, demzufolge die kirchliche Trauung künftig versagt werden könne, ״wenn durch große Verschiedenheit der Rasse oder des Kulturstandes und des Volkstums der Eheschließenden die Voraussetzungen für eine sittlich hochstehende eheliche Gemeinschaft fehlen“. Bei der Berliner Tagung des großen Verwaltungsrates des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs wurde ״unter Berücksichtigung der besonderen Aufgaben des ADAC.“ das Bekenntnis zum arischen Prinzip beschlossen. Es wurden Durchführungsbestimmungen zu diesem Beschlüsse getroffen. Das Kuratorium der Universität Frankfurt a. M. hat an die Seminar- und Institut-Direktoren sowie an die Universitäts-Bibliotbeken folgendes Rundschreiben gerichtet: 1. Der Einkauf in jüdischen Geschäften wird samtliehen Dienststellen untersagt. 2. Alle laufenden Vertrage mit jüdischen Firmen sind sofort zum nächsten gesetzlieh zulässigen Termin — unter Vorbehalt fristloser Küinügung bei entsprechender gesetzlicher Ermächtigung — zu kündigen. Wie die ״Nachtausgabe“ mitteilt, dürfen auf Grund einer Verfügung des Berliner Oberbürgermeisters in Zukunft städtische Gebäude, Einzelräume und Grundstücke an mosaische Organisationen nicht vermietet oder verpachtet werden. Die bestehenden Miet- und Pachtverträge werden sogleich einer Nachjrrüfung unterzogen und, soweit erforderlich, zum nächstmögliehen Termin gekündigt. Mitteilung des Palästina ־Amtes Das Palästina-Amt teilt mit, daß es zwecklos Ist, Anfragen über die Bestätigung von Zertifikaten an das Amt zu richten. Weder schriftliche noch mündliche Anfragen können angesichts der Fülle der zu behandelnden Zertifikatsanträge beantwortet werden. Jeder Antragsteller erhält so schnell wie möglich schriftlich Nachricht über die Entscheidung, die Uber seinen Antrag gefällt worden ist. Neue Zertifikatsanträge sind durch Vermittlung der Zionistischen Ortsgruppen cinzureichen. Die Zionlstischen Ortsgruppen und Vertrauensleute werden gebeten, sich zu den einzelnen Anträgen gutachtlich zu äußern. Palästina-• Amt Berlin

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.