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Jüdische Rundschau · 1933-04-21 · Heft 32 (21.4.1933) · p. Seite 153

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 32 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
Seite 153 (sequence 1)
Language
German
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Urt Namen der christlichen Ethik. Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslandsabonnements werden in der Wahrung der einreinen Länder berechnet. Anzeigenpreis: 8 £pbp. Nonpareitlezeil© 0,50 G.-M. Stellengesuch© 0,25 G. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. tn. b. H., Berlin W15, Meinekestr.iö. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag s ch m i 11 aga 4 XJ h ז Postscheck •־ Konten: Berlin 17392, Basel V 9355. Belgrad 68032, Brüssel 394 33, Budapest 59693. Danzig 1973, Hsag 140 470, Prag 59410. Riga 4155, StraÄburg 164 30. Warschau 190708, Wien 156 030. Bank-Konten: Dresdener Bank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfürstendaaam 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anglo Palesune Co. in Haifa. Jerusalem, Tel.Aviv. Nummer Zjl | Berlin, 21. IV. 1933 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ה ניסן תרצ״ג | xxxvm. Jahr*. Der Zionismus erstreb! fOr das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Das Erste Die deutschen Juden sind mit dem jüdischen Weltschicksal konfrontiert worden. Was immer nun weiter geschieht, sie werden nicht mehr anderswoher als von dieser Konfrontation aus leben können. Ob sie aber als durch sie Zerschlagene oder als durch sie Erhobene leben werden, das liegt — trotz allem — an ihnen selber. Daß diese Stunde eine Probe des Christentums ist, diese wichtige Tatsache geht nicht uns an; uns geht an, daß sie eine Feuerprobe des Judentums ist. Was uns widerfährt, ist, auch wenn es uns ans Mark greift, nicht das Entscheidende; das Entscheidende ist, wie wir uns dazu verhalten, — was wir daraus machen, was es aus uns macht; gerade weil es uns ans Mark greift, kommt es darauf an, was nun von diesem, von dem Innersten ausgeht. Es hat sich zu erweisen, wie wir zuinnerst beschaffen sind. Das erweist sich, bei der Gemeinschaft wie bei der Person, erst in der grausamsten Not. Nicht unsere Leistungen im Gleichmaß der freundlichen Tage, sondern unsere Beschaffenheit, wie sie sich in solch einer Randerfahrung bewährt, weist uns vor der einzigen zuständigen Instanz aus. Was wir wirklich sind, tut sich erst kund, wenn es uns ans Sein geht; bis dahin wußten wir es selbst nicht; jetzt werden wir es zu wissen bekommen, jetzt wird es gewußt werden. Unsre Beschaffenheit ist nicht eine ruhende Fläche, die man betrachten kann; wenn wir uns vom Grund heraufholen, uns drangeben, uns erproben, erst dann ist sie bezeugt. Das Erste, dessen der deutsche Jude in dieser Probe bedarf, ist eine neue Rangordnung der persönlich-existentiellen Werte, die ihn befähigt, der Situation und ihren Wechselfälien standzuhalten. Die alte Rangordnung beruhte auf einem System von Sicherungen: Sicherung des Lebens, der Berufsstellung, des Besitzes. Diese Sicherungen sind erschüttert oder zusammengebrochen. Wenn wir in der alten Wertordnung, für die sie bestimmend waren, verharren, sind wir verloren; dann, erst dann wäre das was uns widerfährt kein bloßes Unglück, sondern ein Untergang. Nicht aber sind wir verloren, was immer geschehe, wenn wir erkennen, daß über jenen Daseins־ werten, und zwar nicht etwa ,,in der Idee“, sondern ganz faktisch andere stehen, über der Wahrung des Besitzes die Wahrung unseres eingeborenen Selbst, über der Treue zum Beruf die Treue zu unserer Berufung, über der Verbundenheit mit dem Leben, zuoberst, die Verbundenheit mit dem Unnennbaren, die Gebundenheit an den Bindenden, die echte Freiheit, der echte Dienst. Wenn wir unser Selbst wahren, kann nichts uns enteignen. Wenn wir unsrer Berufung treu sind, kann nichts uns entrechten. Wenn wir mit Ursprung und Ziel verbunden bleiben, kann nichts uns entwurzeln, und keine Gewalt der Welt vermag den zu knechten, der in der echten Dienstbarkeit die echte Seelenfreiheit gewonnen hat. Es ist uns überliefert (Kohelet Rabba III 15), Gott ״suche den Verfolgten auf“, auch wenn der Verfolger gerecht, auch wenn der Verfolgte ungerecht ist. Wir wissen, daß, wie immer es um die Gerechtigkeit zwischen uns und den andern steht, wir unserm Ursprung und Ziel gegenüber ungerecht sind. Wir haben lange einer falschen, leeren, schlechten Freiheit angehangen, einer Freiheit ohne Richtung und Sinn. Wir haben nach der Freiheit des Geistes gestrebt und haben vergessen, daß der Geist nicht anders wahrhaft frei sein kann als in der Bindung an die hohe Macht, die ihn entsandt hat. Wir haben die Freiheit des Wandels geübt und die Einsicht aufgegeben, daß der Wandel nicht anders wahrhaft frei sein kann als in der Bindung in die hohe Ordnung, die ihn umschließt. Wir haben die Freiheit des öffentlichen Wesens verherrlicht und haben nicht erkennen wollen, daß das öffentliche Wesen nicht anders wahrhaft frei sein kann als in der Bindung unter das hohe Gebot, das ihm in der Gemeinschaft zu erfüllen obliegt. Nun sind wir in die Unfreiheit getan worden und an Besitz, Beruf und Leben andrer Macht, andrer Ordnung, andrem Gebot: der Macht, der Ordnung und dem Gebot der Menschen untertan. Aber in dieser Unfreiheit werden wir von Gott aufgesucht, — mitten in der Heimsuchung sucht er uns auf. Wenn wir uns ihm zuwenden, den Wahn der falschen Freiheit mit all ihren trügerischen Sicherungen fahren lassen, zur Gottesfreiheit, die die Gottesgebundenheit ist, umkehren, wird sich dieses Taumeln durch die finstere Schlucht als ein Weg, als unser Weg ins Licht manifestieren. Ein führender protestantischer Theologe hat mir in diesen Tagen geschrieben: ״Ihr Volk hat ja immer ,in der Tiefe‘ Gott finden müssen und ist damit der ganzen Menschheit zum Segen geworden... Die Zeit der Wüstenwanderung, die jetzt für Sie begonnen hat, kann ja auch eine Zeit großer Offenbarung werden. Gott gebe es. ״ Gott gebe es. Martin Bub er. Umschau Das neue Deutschland — Es geht um die füdlsehe Ehre — Die englische Unterhaus-Debatte und die Auslands-Meinung Ir! dieser stürmisch bewegten Zeit, wo kaum ein Tag ohne große politische Akte vorübergeht, darf der Geburtstag des Reichskanzlers als ein Anlaß g(N nommen werden, die neue deutsche Entwicklung ein* mal von der unpolitischen Seite zu sehen. Denn in den Ehrungen, die dem Reichskanzler zuteil werden, drückt sich in solenner Form das allem Politischen zugrunde liegende Gefühl aus, das heute das deutsehe Volk beherrscht. Der Wille zu einer andersgearteten deutschen Zukunft verbindet sich mit der gläubigen Hoffnung auf die Gestalt des Führers. Nach einer skeptischen Periode, in der die kritische Vernunft nur allzu sehr die elementaren Gemüts-Werte zurückdrängte, bricht sich das Bedürfnis nach Glauben, nach Hingabe an eine Idee, Bahn, und dies ist begleitet von heftiger Ablehnung der bisher maßgebenden Geisteshaltung. Nur wenn wir uns dieses Sachverhalts bewußt sind, können wir dem Phänomen der jetzigen Umwälzung gerecht werden. Und gerade wir Juden, die durch diese Umwälzung in eine noch nie dagewesene Krise gestürzt wurden, sind verpflichtet, uns von dem wirklichen Wesen der Vorgänge Rechenschaft abz.ulegen und über die Erscheinungen der Oberfläche hinweg zu sehen, was sich in tieferen geistigen Schichten abspielt. Denn so zügellos auch der Judenhaß sich heute auslebt, so sehr der geistige Umschwung bei der Jugend mißverständlicherweise die Form einer fanatischen Abwehr des Judentums annimmt, so schwer schließlich wir Juden unter Maßnahmen dieser Neuordmmg zu leiden haben, — wir selbst betrachten die Entwicklung ohne Gehässigkeit, und je stärker wir selbst im Judentum verwurzelt sind, desto leichter ist es für uns, den klaren Blick nicht ■zu verlieren. Die nationalsozialistische Bewegung hätte ihren großen politischen Erfolg nicht erreichen können, wenn sie nicht an tiefere als bloß politische Bedürfnisse appelliert hätte. Sie'tW. auf im Namen der Idee des ״Ringens um den neuen deutschen Menschen“. Dies ist eine Sinngebung, deren gerade die idealistischen Kreise eines Volkes, vor allem die Jugend, bedürfen. Und wenn man sich klar macht, wieviel Faules sich wirklich in der bisherigen Gesellschaftsordnung festgesetzt hatte, wie die Wirtschaftskrise die sozialen Ungerechtigkeiten besonders kraß hervortreten ließ, dann wird man begreifen, daß viele junge Menschen nach einem Sonnenstrahl der Befreiung sich gesehnt hatten, Diesen unpolitischen, menschlich-geistigen Momenten ist es vielleicht zunischreiben, wenn die Person des Reichskanzlers und die neue Regierung in den letzten Monaten zahlreiche neue Anhänger gefunden haben. Freilich mögen auch viel Konjunktur-Politiker dabei sein, und die Schnelligkeit, mit der jetzt zahlreiche Vereine und Unternehmungen den Arier-Paragraphen bei sich einführen, wurde schon von nationalsozialistischen Fiihrern verspottet. Wir erleben das Schauspiel, daß die neuen Adepten der nationalen Bewegung sich häufig gerade dort auszuzcichnen versuchen, wo die Linie des geringsten Widerstandes ist, nämlich gegenüber den Juden. Schon hört man vereinzelt auch im nationalen Lager Stimmen, die sich dagegen wehren, die Judenfrage zum alleinigen Schibbolet werden zu lassen. Es besteht die Gefahr, daß durch sie die konstruktiven Absichten der Regierung überwuchert werden. Wir glauben — und als Juden haben wir das Recht, dies zu sagen — daß die Gefahren, die dem neuen Deutschland von dieser Seite geistig drohen, noch erheblicher sind. Daß die Judenfrage einer Klärung bedarf, wurde von uns niemals geleugnet; aber wenn mar! an Stelle einer Klärung ein Phantom setzt, so ist niemandem damit gedient. Die Führer des neuen Deutschland scheinen in der Judenfrage ganz feststehende Ansichten zu haben, die vielleicht zu irgendeinem Zeitpunkt entstanden sind, für die man aus verschiedenen dazu passenden Ereignissen Bestätigung ziehen zu können glaubte, die aber offenbar niemals später überprüft worden sind. Mag sein, daß die regiorenden Persönlichkeiten jetzt keine Zeit haben, sich auf Diskussionen über die Judenfrage einzulassen; sie wissen offenbar auch nichts von der Existenz eines neuen Judentums, das nicht in der Form von Korruptions-Skandalen von sich reden machen konnte. Sie gehen geradlinig ihren Weg der Ausschaltung der deutsehen Juden auf allen Gebieten des Lebens. Die Prozentnorm wird zum schematischen Regulativ, ohne Prüfung der sachlichen und geschichtlichen Gegeben* 4^265386464^184361218703^1175366892113^31570003^4710096138190251

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