Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1933)
- Date
- 1933-03-28
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 122 JÜDISCHE EUN'DSCHÄÜ Nr. 25, 28. TU. 1933 Spaltung der Revisionisten für Palästina-Uebersfedlung wünschen. Dabe! ergeben sich oft erschütternde Erfahrungen. Es zeigt sich, daß sehr viele Interessenten bisher nicht das geringste von Palästina gehört haben, daß sie ganz falsche Vorstellungen mi!bringen, da sie weder je an der jüdischen Palästinaarbeit beteiligt waren, noch die von dort kommenden Informationen verfolgten. Es melden sich Menschen, die gänzlich abseits standen. Von einer geistigen oder praktischen Palästinavorbereitung kann in den meisten Fällen dieser Art nicht die Rede sein. Die hebräische Sprache ist diesen Juden fremd. Dazu kommt noch, daß gerade unter den ganz* lieh Uniformierten sich in der letzten Zeit völlig falsche Gerüchte und Vorstellungen über die Möglichkeiten und Tatsachen Palästinas verbreitet haben. Man hörte etwas von der ״Prosperität“ Palästinas, wo es keine Wirtschaftskrise und keine Arbeitslosigkeit gibt, und — gezwungen von der Aussichtslosigkeit in Deutschland —, wünscht man einen Weg nach diesem Lande der günstigen Konjunktur. Viele Akademiker, besonders Aerzte, wollen nach Palästina gehen, und je ferner sie bisher dem zionistischen Werk standen, mit um so größeren Prätentionen glauben sie auftreten zu dürfen. Daß es in Palästina genügend Aerzte gibt, die als Pioniere hingingen, und sich in langjähriger schwerer Arbeit eine Existenz aufgebaut haben, ist den meisten dieser palästinafremden Palästina-lntcressenten unbekannt. Aehnlich ist es auf anderen Gebieten. Oft macht man die unglaubhaft klingende Beobachtung, daß jüdische Persönlichkeiten, die sich als aktive Antizionisten hervorgetan haben, jetzt ihre Bekannten der Obhut des Palästina ־ Amtes empfehlen. Das Jüdische Nationalheim in Palästina sollte in erster Linie das Heim der jüdischen Nation sein, der Brennpunkt des jüdischen Volkslebens, die Heimat des geschmähten, nirgends in Reinheit erkennbaren Volkstu ms; aber darüber hinaus soll es und muß es auch ein Heim für den individuellen Juden sein, der keinen Boden unter den Füßen hat und, des Galuthschicksals müde, in seinem eigenen Volke seine Existenz wieder aufbauen will, dadurch mitwirkend auch am Aufbau des Volkes. Viele Jahre haben wir Zionisten mit der ganzen Leidenschaft und Sehnsucht dafür zu wirken uns bemüht, daß durch Mithilfe aller Juden das Nationalheim politisch und wirtschaftlich stark untermauert und dadurch für möglichst viele Juden aufnahmefähig wird. Jahrzehnte haben wir an die Türen der Juden geklopft und um Mithilfe gebeten. Wir können mit Genugtuung sagen, daß etwas Lebensfähiges geschaffen w־urde, aber wenn Palästina heute nicht viele Tausende Juden mehr aufnehmen kann, dann ist das nicht die Schuld der Zionisten und der anderen Juden, die mitgetan -haben, sondern die Sch•״!J derjenigen Juden, die nicht mitgetan haben. Hätte man einen Teil des Geldes, das für nutzlose sogenannte ״Abwchr-Propaganda“ ausgegeben wurde, für konstruktive Unternehmungen in Palästina verwendet, dann hatten Hunderte und Tausende aus wänderungsbedürftiger deutscher Juden heute einen Rückhalt. Es hätte auch dann noch so kommen können, wie Hcrzl es vor 35 Jahren formuliert hat: Durch die Auswanderung von Tausenden deutscher Juden hätte sich auch das Schicksal der im Lande Verbleibenden gebessert und man hätte somit auf diese Weise auch einen Erfolg auf dem Gebiete erreicht, dem die Abwehr-Propaganda dienen sollte. Die zionistische Bewegung fühlt sich in diesem Moment nicht als eine, Partei, sondern als Repräsentantin des Volkes. Das Nationalheim in Palästina soll auch nach zionistischem Wunsch nicht Parteibesitz sein, sondern Heimat des Volkes. Jeder Volksgenosse, der hingehen will, um zu arbeiten, ist willkommen. Aber diejenigen Juden, die jetzt aus ihrem bisherigen deutschen Wohlleben in ein vorgesielltcs palästinensisches Wohlleben ohne große seelische Schwierigkeiten hinüberwechseln wollen, müssen wissen: Palästina erschließt sich nur dem, der mit ganzer Seele sich es zu eigen machen will. Das Jüdische Nationalheim ist ein werdendes Volksleben, das unter großen Opfern, in größter Anstrengung und Anspannung der Kräfte, mit allen Geburtswehen der neuen Schöpfung entsteht. Die Mühsale und Opfer dieses Aufbaus sind beglückend für die Menschen, die daran teiluehmen, weil sie wissen, daß ihre Mühe nicht vergeblich ist. Niemand soll meinen, weil er etwa in Deutschland eine angesehene Stellung hatte (und sich dabei um Palästina nicht kümmerte), könne er nun auch ״Ansprüche“ in Palästina stellen. Palästina wird die rückkehrenden ״verlorenen Söhne“ mit aller Liebe aufnehmen, aber seinen tnteil an dem neuen Leben muß jeder sich selbst erarbeiten. Den deutschen Juden bleibt heute keine Wahl. Viele von ihnen müssen sich nach einer neuen Heimat umsehen. Das deutsche Judentum kann Palästina viel geben. Diese kritischen Tage können einen Strom gewaltiger Energie, Intelligenz, organisatorischer Kraft nach Palästina lenken und dem Aufbauwerk fruchtbar machen. Das ganze deutsche Judentum ist hieran interessiert. Die alten Parteigegensätze sind sinnlos geworden. Nur verbohrter Doktrinarismus kann angesichts der Erfahrungen, die die deutschen Juden am eigenen Leibe machen, die Existenz der Judenfrage und die Notwendigkeit Palästinas in Abrede stellen. Es kann nicht Sache der Zionistischen Organisation sein, allen Auswanderungsbedürftigen allein die nötige Hilfe zu gewähren. Die offiziellen Instanzen und die großen Verbände des deutschen Jabotinskis coup d'£tai Kattowitzer Beratungen ohne Ergebnis. — Mehrheit gegen Jabotinski. — Jabotinski als ״Diktator“. ~ Großmann droht mit Ausschluß Jabotinskis. (Von unserem Korrespondenten.) g. Warschau, 23. März 1933. Die Ergebnisse der revisionistischen Parteiratssitzung in Kattowitz sowie die darauffolgenden Ereignisse bilden eine ungeheuere Ueberraschung, und zwar nicht nur für die breite zionistische Oeffcntlichkeit, sondern auch für die Revisionisten selbst und sogar für die Delegierten und Teilnehmer an der Kattowitzer Beratung. Es ist aber gar nicht leicht, darüber einen Bericht zu erstatten, da während der abgehaltenen Konferenzen und Verhandlungen ein solcher Knäuel von Strömungen und Enunziationen entstand, die Vorschläge und Ent- Schließungen sich immertort so blitzschnell geändert haben, ein solches Maß von Pilpulistik angewendet wurde, daß man wahrlich staunen muß, wofür soviel Energie, Temperament und Scharfsinn vergeudet wird. Und erst nach Kattowitz platzte die Bombe. Auf dem Weg von Kattowitz nach Lodz entschloß sich Jabotinski, einen Staatsstreich dtirchzuführen, proklamierte von Lodz aus seine Diktatur in der revisionistischen Partei, und als inzwischen Großmann gestern in Warschau anlangte, erfuhr er hier aus der Presse, daß er mit der gesamten Exekutive der Union — suspendiert sei. Wütend verfaßte er eine Erklärung gegen ״Herrn Jabotinski“, und so sind wir Zeugen eines Spektakels, das Schmerzgefühle bei jedem aufrichtigen Zionisten hervorrufen muß. Und es ist zur Stunde noch nicht abzusehen, was wir morgen und übermorgen in der Union erleben werden. Diese Zeiten werden niedergeschrieben, noch bevor Jabotinski in Warschau eingetroffen ist, bevor er die nächsten Schritte getan hat. Wollen wir versuchen, den Gang der sich überstürzenden Ereignisse zu schildern. Die Parteiratssitzung in Kattowitz wurde einberufen, um wieder die prinzipielle Streitfrage, die in Prag geboren, in Calais formuliert und in Wien bereits interpretiert wurde, zu lösen. Es handelt sich bekanntlich um die Frage des Primats der?. ionist i sehen oder revisionistischen Parteidisziplin. In Wirklichkeit geht es darum, ob die revisionistische Union ein Bestandteil der zionistischen Weltorganisation mit allen statutenmäßig vorgesehenen Pflichten und Rechten bleiben oder aber als selbständige Partei außerhalb der zionistischen Weltbewegung existieren solle. Die erdrückende Mehrheit der Weltunion der Revisionisten, insbesondere in Polen, die Mehrheit ihrer zuletzt in Wien gewählten Exekutive mit Meir Großmann, viele ihrer führenden Mitglieder, wie Lichtheitn, Stricker, Soskin, Machower, sind für das weitcre Verbleiben iti der Weltorganisation. Eine Minderheit, in allen Ländern, nur in Palästina und Frankreich die Mehrheit, ist für den Austritt aus der Weltorganisafion. Dies erklärt noch nicht ganz den heiligen Zusammenstoß beider Richtungen, die nach parlamentarischen Regeln einen normalen inneren Kampf in der Union führen könnten. Die zweite sog. maximalistischc Richtung wird aber angeführt von Jabotinski, dem Begründer des Revisionismus und was die Hauptsache jetzt ist,־ dem ״Kommandanten“ des ,,Brith Truftipeldor“. D a h e r die fortwährenden Bemühungen seit Calais, einen Ausgleich zwischen beiden Gruppen herbeizuführen, Bemühungen, die aber vergeblich waren, erstens infolge der Intransigenz Jabotinskis und zweitens infolge der faktischen Kollisionen, die unvermeidlich sind, wenn keine klare und eindeutige Stellung seitens der Union angenommen wird. Die Ereignisse der letzten Monate drängten aber zu einer endgültigen Klärung. Die Notwendigkeit dazu schufen das Urteil des Ehrengerichts, das den revisionistischen Sonderverband suspendierte und die Vorbereitungen zu den Kongreß wählen. Sollen die Revisionisten sielt an dem XVIII. Kongreß beteiligen oder nicht — das ist die Haupttrage, die gegenwärtig alle Revisionisten beschäftigt und selbstverständlich für sämtliche zionistische Parteien von großem Interesse ist. Unter der Psychose der Kongreß wählen trat die Kattowitzer Beratung zusammen und alles, was sich bis nun ereignete, ist in erster Linie unter diesem Aspekt zu verstehen. Die Mehrzahl der Delegierten war diesmal entschlossen, Jabotinski nicht nachzugeben, wenn auch der gesamte Parteirat alles daransetzen wollte, eine Spaltung oder gar eine Sezession Jabotinskis zu vermeiden. Jabotinski stellte an den Parteirat folgende zwei Forderungen: 1. Klare und eindeutige Anerkennung der vollständigen Unabhängigkeit der revisionistischen Partei, also unzweifelhafte und undiskutable Anerkennung des Primats der revisionistischen Disziplin. 2. Wird dies anerkannt, stelle sich iabotinski in den Dienst der revisionistischen Kongreßwahlampagne, mache aber die Beteiligung der Revisionisten an dem XVIII. Kongresse von dem Ausgang der Wahlen abhängig. Erlangen die Revisionisten keine Mehrheit, habe es keinen Sinn, — erklärte Jabotinski in Kattowitz — zum Kongreß zu gehen. Eine Koalitionspolitik könne er nicht billigen. Die zwischen Punkt 1 und 2 schon auf den ersten Blick sichtbare Inkonsequenz wollte eben Jabotinski damit begründen, daß er seinen Gegnern, die die feste Hoffnung hegen, den zionistischen Kongreß zu erobern, entgegenkommen wolle. Ferner verlangte Jabotinski die Kooptation von drei seiner Anhänger in die Exekutive der Union, um sich dort — eine Mehrheit zu sichern. Sämtliche Forderungen Jabotinskis wurden nach langdauernden, an Spannungen und leidenschaftlichen Ausbrüchen reichen Debatten — abgelehnt. Es gelang nicht, trotz stärkster Bemühungen, eine Ausgleichsformel zu finden und eine Einigkeit herzustellen. Großmann und insbesondere Judentums müssen hier mit wirken. Die Zionistische Organisation kann ihre großen Erfahrungen zur Verfügung stellen. Aber die Bewegung nach Palästina kann zu der zentralen Aufgabe des deutschen Judentums werden. Palästina, einst als Utopie verlacht, ist heute, wo die meisten Einwanderungsländer sich sperren, die einzige reale Hilfe. Und die einzige Garantie, daß nicht die Judenfrage mit dem Judenström von einem Land in das andere verschleppt wird, sondern daß Juden wirklich eine jüdische Heimat finden können, ein Leben, In dem sie ihr Eigenes bewähren und ihre eigenen Leistungen vollbringen können. Erez Israel ist im Dunkel der Galuth der Stern der Hoffnung. _ Stricker verteidigten mit allen möglichen Argumenten den Standpunkt der Mehrheit. Das Problem des Disziplinprimats, erklärte Großmann, sei im gegenwärtigen Zeitpunkt unaktuell, die Eroberung des Kongresses sei die wichtigste und nicht schwer zu verwirklichende Aufgabe der Revisionisten. Stricker betonte ausdrücklich, es sei unmoralisch, am Kongreß- Wahlkampf teilzunehmen, ohne an den Kongreß zu glauben und mit dem Wunsch des Austrittes aus der zionistischen Welt- Organisation. Im übrigen versicherte die Exekutive der Union und der Parteirat jabotinski, daß man, wie bis nun, auch fernerhin ihn nicht majorisieren und ihm weitgehendste Handlungsfreiheit einräumen werde. Damit ging man in Kattowitz auseinander; formell, erklärte der Vorsitzende des Parteirats Dr. Lasarowitsch (Czcrnowitz), bleibe der status quo, die Wiener Be- Schlüsse seien weiter maßgebend. Man hoffte, daß Jabotinski nach den erhaltenen Versprechungen sich damit abfinden werde. Nach Beendigung der Sitzungen des Parteirats traten die Exekutive der Union und die schekelzahlenden Delegierten (90 Prozent sämtlicher Teilnehmer) zu einer Beratung zusamrnen und arbeiteten einen genauen Plan der künftigen Wahltaktile aus. Mit diesen Beschlüssen ging man Mittwoch frühmorgens auseinander. Mittwoch abend sprach bereits Jabotinski auf einer Massenversammlung in Lodz und während seines Aufenthaltes in Lodz führte er überraschenderweise seinen coup d’etat aus. Jabotinski erließ folgenden Aufruf, dessen Inhalt bereits seine Pläne aulhellt: ״Ich. der Präsident der Weltunion der Zionisten- Revisionisten, erkläre, daß ich von heute nb persönlich die faktische Leitung der revisionistischen Wcltunion und die Führung aller Angelegenheiten der revisionistischen Weltbewegung übernehme. Die Tätigkeit der bisherigen zentralen Wcltinstanzcn der Bewegung wird hierdurch liquidiert. Bis Ende der Woche werde ich ein vorläufiges Sekretariat ernennen, welches provisorisch als Exekutivkomitcc der Wcltunion funktionieren wird. Während mciner Anwesenheit 1n Polen wird der Sitz des Sekretariats in Warschau sein. Gleichzeitig ernenne ich ein provisorisches Kommissariat, welches die Angelegenheiten der revisionistischen Schckclzahlcr leiten und einen Aufruf an die breiten Schichten der revisionistischen und der betharischcn Bewegung zur Teilnahme an den Wahlen zum 18. Zionistenkongreß erlassen wird. In kurzem werden zwei weitere Aufrufe erscheinen, die den genauen Sinn der in Calais und in Wien angenommenen Beschlüsse über Wesen und Recht unserer Wcltunion erläutern und die Pflichten der revisionistischen Schckclzahlcr gegenüber der revisionistisehen Union und gegenüber der Zionistischen Weltorganisation festsetzen werden. Indem ich meinen Beschluß als das einzige Mittel zur Sicherung der Einheit der revisionistischen Bewegung in schwerer Zeit und als die heilige Pflicht des Begründers der Bewegung ansehe, fordere ich alle Revisionisten auf, ihren Präsidenten zu unterstützen und durch brüderliche, ruhige und sclbstbchcrrschte Haltung zu helfen, daß wir in Ehren die heutige Krisis Überwinden im Namen der hohen historischen Mission unserer Judenstaatsbewegung. gez. Zecw Jabotinskv.“ In einem speziellen Aufruf wendet sich Jabotinski an den Brith T r u m p e 1 d 0 r mit dem absoluten Verlangen, Ruhe und Disziplin zu bewahren und kräftigst die revisionistische Bewegung ״sowohl in ihrer selbständigen Tätigkeit, als auch in ihrem Wahlkampf zum XVIII. Kongreß zu unterstützen“. Jabotinski hat in einer Unterredung die Motive seiner ungewohnlichen Handlung damit erklärt, daß, nachdem die Beratungen in Kattowitz zukeinemErgebnis gefühlt haben, die Partei ohne Direktiven und ohne einheitliche Führung geblieben sei. Er habe also persönlich die Leitung der Union übernommen, um die Partei geeinigt in den Kongreßkämpf zu führen. Die Diskussionen über die Primatfrage sollen bis nach dem Kongresse aufhörciy Sämtliche Revisionisten, die sich mit der offiziellen zionistischen Organisation fest verbunden fühlen, werden jetzt die Möglichkeit haben, sich an den Kongreßwahlen zu beteiligen. ״Auf dem Kongreß — erklärte j. — werden wir bestrebt sein, eine solche statutarisch festgesetzte Lage zu schaffen, welche eine Harmonie zwischen der revisionistischen und zionistischen Disziplin herbeiführen soll. Wird uns dies nicht gelingen, dann wird jeder Revisionist persönlich die Konsequenzen aus dieser Situation ziehen.“ Sollten Zweifel entstehen über die Legalität seiner letzten selbstherrlichen Handlung, meint weiter Jabotinski, sei er bereit, ein Plebiszit in der revisionistischen Bewegung durchzuführen. Unseres Erachtens bedeutet der letzte Schritt Jabotinskis einerseits eine Herausforderung an die jetzige Exekutive der Union, andererseits aber einen R ü c kzug gegenüber den bisher von ihm gepredigten Anschauungen (Betetligung am Kongreß, Entscheidung über die Frage des Primats) und eine Kapitulation vor der großen Mehrheit der Revisionisten, die, wie J. sich in Kattowitz überzeugen mußte, ihn in seinem Austrittsbestreben nicht unterstützen werden. Die Parteimasse der Revisionisten hat noch keine Gelegenheit gehabt — 24 Stunden nach Bekanntwerden des ״Staats- Streiches" — darauf zu reagieren und wir meinen, sie könnte eigentlich, vom Standpunkt der Kongreßaktion, mit der neuen prinzipiellen Stellung J. zufrieden sein. Aber Großmann hat heute — kaum in Warschau angelangt — bereits die ersten Pfeile gegen Jabotinski geschleudert, indem er einen Aufruf erläßt, in welchem er ״Herrn׳‘ Jabotinski stark angreift, seine Handlung als unerhört und uni egal bezeichnet, die revisionistische Bewegung auffordert, der von der Weltkonferenz gewählten Instanz zu gehorchen, die Befehle J. als nicht bindend erklärt und allen, Jabotinski ausarücklich nicht ausgenommen, mit Ausschluß aus der Partei im Falle des Ungehorsams gegenüber der Exekutive droht. Großmann geht aber in seinem Aufruf noch einen Schritt weiter. Er beschuldigt Jabotinski der Absicht, die revisionistische Bewegung irrezu führen, indem er plötzlich einen ״Frontwechsel gegenüber der Zionistischen Organisation vornimmt“. ״Damit — behauptet Großmann — bezwecke Jabotinski einzig und allein indirekt die Aktion der Revisionisten, den Kongreß zu erobern, zu stören. Der Aufruf Jabotinskis — schließt Großmann — werde nicht nur keine Einigkeit herbeiführen, nur das Gegenteil davon hervorrufen.“ Laut offiziellen Informationen durch das Hauptbüro der Palästina-Polizei dienten im Jahre 1932 in der Paiästina-PoIizei 344 Juden als Polizisten und höhere Polizeibeamte. Die Gesamtzahl der Polizisten in Palästina wird mit »84 angegeben, von denen 1545 Araber sind.