Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1933)
- Date
- 1933-03-14
- Page
- Seite 101 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 0,25 Goldmark Waudiopes Rede an die Araber JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,—Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Aualandsahonnementa werden in der Währung der einzelnen Linder berechnet. Anzeigenpreis: 8 gesp. Nonpareillezeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr, 10. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Postscheck - Konten: Berlin 173 92, Basel V 9355, Belgrad 680 32, Brüssel 394 33, Budapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155, Straßhurg 164 30, Warschau 190708, Wien 156 030. Bank Konten: Dresdener Bank, Depositen ־ Kasse Berlin, Kurfürstendatnm 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anglo Palestine Co. in Haifa, Jerusalem, Tel-Aviv. Nummer 21 | Berlin, 14. III. 1933 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ט״ז אדר תרצ״ג | xxxvm. jahrg. Pet Zionismus erstrebt «Pr da» JOdlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Helmslatte In Palästina. ״Baseler Programm.» Rede des Kolonienmfnisters Bewunderung der jüdischen Leistung in Palästina Von der Woche Mit der Sonntag vom Reichskanzler im Rundfunk verlesenen Erklärung des Reichspräsidenten ist der erste Abschnitt der Umwälzung in Deutschland abgeschlossen. Die Rede, die der Reichskanzler bei dieser Gelegenheit gchalten hat, ist wohl dahin zu verstehen, daß hinter die Ereignisse der letzten Tage ein Strich gezogen werden soll. Der Reichskanzler hat an die nationalsozialistische Bewegung und ihre Formationen einen scharfen Appell gerichtet, Disziplin zu wahren, und hat anbefohlen, daß Einzelaktionen von jetzt ab zu unterbleiben haben und den An- Ordnungen der Regierung alles überlassen werden muß. Diese Aufforderung des Reichskanzlers ist ein wichtiger Schritt. Mit Rücksicht auf die hierdurch geschaffene Lage versagen wir es uns, auf einzelne Vorkommnisse der letzten Woche zurückzukommen. Ueber die Aktionen gegen jüdische Geschäfte und ähnliche Geschehnisse wurde in den meisten Tageszeitungen teilweise berichtet. Auch uns sind eine Reihe derartiger Berichte zugegangen. Es ist jedoch festzastellcn, daß inzwischen durch Eingreifen der Polizei oder der zuständigen Instanzen der regelmäßigeGesehäftsverkehr wieder gesichert worden ist. Die Haussuchungen beim Central-Verein, von denen hier bereits die Rede war, haben nunmehr, wie die ״C.-V.•Zeitung“ miltcilt, noch in einer Reihe weiterer Städte stattgefunden. Die ״C.V.-Zciung“ veröffentlicht außerdem folgendes Conimunique: ״In einer zwischen dem Kommissarischen Preußischen Minister des Innern, Reiclisminisler Gering, und dem Vorsitzenden des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdisehen Glaubens, Justizrat Dr. Julius B r o d n i tz, sowie dem Syndikus Dr. Alfred Wiener am 3. März stattgefundenen (! — Red. ״J. R.“) Aussprache wurde auch seitens des Herrn Ministers festgestellt, daß Beweise dafür, daß der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit kommunistischen und staatsfeindlichen Bestrebungen Zusammenhänge, nicht vorlägen. Herr Reichsminister Göring erklärte ferner, die Sicherheit des Lebens und des Eigentums der jüdischen Staatsbürger, die sich der Regierung gegenüber loyal verhalten, sei gesetzmäßig gewährleistet.“ Es war zu erwarten, daß diese Zeit auch zu grotesken Erscheinungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft führen wird. Wer die jüdische Geschichte kennt, weiß, daß in Zeiten starker Judenfeindschaft solche Begleiterscheinungen unvermeidlich sind. So wird jetzt z. B. mitgeteilt, daß sich in Kassel eine Gruppe ״Deutscher Vortrupp (Gcfolg- Schaft deutscher Juden)“ gebildet habe, die aus ״nationaldeutsch gesinnten jungen Juden“ besteht und versuchen will, ״gemeinschaftlich mit anderen deutschen rechtsgerichteten hündischen Kreisen an der Wiedererstarkung des Vaterlandes mitzuarbeiten“. Die Teilnehmer erklären, sie ״fühlen sich verbunden mit allen Kräften der jungen nationalen Erneuerungsbewegung“. Schade nur, daß diese Verbundenheit einseitig ist, da es für das Judentum viel besser wäre, wenn dieser ״Deutsche Vortrupp“ reibungslos in der deutschen Erneuerungsbewegung verschwinden könnte. Der Initiator und Unterzeichner des Aufrufes ist übrigens Dr. phil. Hans Joachim Schoeps, der Verfasser einer seinerzeit auch in der ״Jüdisehen Rundschau“ besprochenen Theologie: ״Jüdischer Glaube in dieser Zeit“, der jetzt auch einen Briefwechsel mit Hans Blilher veröffentlicht hat, auf den wir noch zurückkommen werden. Die Nachrichten von einer ״M assenf lucht“ deutscher Juden ins Ausland sind unrichtig. Im allgemeinen können wir feststellen, daß die große Mehrheit der deutschen Juden Würde und Ruhe bewahrt. Auf Grund solcher Sensationsmeldüngen offenbar wurde auch im englischen Unterhaus von antisemitischer Seite eine Anfrage gestellt, ob F.ngland nicht eine Massencinwanderung ausländischer Juden (der Interpellaut sprach von Hunderttausenden) verhindern walle, worauf der Innenminister erklärte, daß England in der Behandlung von Ausländern keine Unterschiede nach Religion und Rassen- Zugehörigkeit machen könne. * Von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Breslau wird mitgeteilt: ״Von irgendeinem Attentat auf den Herrn Reichskanzler, das ein Jude, namens Neumann, in Breslau angestiftet haben soll, ist bei der zuständigen Stelle nicht das geringste bekannt. Bei der An- Wesenheit des Herrn Reichskanzlers in Breslau gingen Gerächte dieser Art um. Eine pflichtgemäße Nachprüfung seitens der Behörden mußte stattfinden, hat aber ergeben, daß cs sich lediglich um völlig grundlose Gerüchte handelt, die zu einem Einschreiten nicht im geringsten Anlaß gaben.“ Die NSDAP, in Essen veröffentlicht den folgenden Aufruf: ״Achtung! Provokateure! Anordnungen zur Entlarvung von Lockspitzeln. Anläßlich der gestrigen spontanen Boykottbewegung der Essener Bevölkerung gegen jüdische Geschäfte und Warenhäuser wurde einwandfrei fcstgestellt, daß Kom- , m u nisten in SA. - Uniform oder mit Hakenkreuzbinden versehen Provokationsversuche unternahmen und ztt unüberlegten Handlungen hinzureißen versuchten. Angesichts dieser Tatsache befiehlt die Gauleitung Essen der NSDAP., daß Angehörige der SA. und SS., sowie Parteigenossen sich in Zukunft von den boykottierten Geschäften fernzuhalten haben.“ Gouverneur Lehman von New York hat sich bereit erklärt, am 15. März neben Felix Warburg den Ehrenvorsitz auf dem Bankett, das die amerikanischen Freunde der llebräischen Universität zu Ehren von Einstein veranstalten, zu übernehmen. In London fand am 8. März die Jahresversammlung des Anglo Palestine Club unter dem Vorsilz von James de Roth- Schild statt. Der Ehrengast und Hauptredner der Veranstaltung war der gegenwärtige Kolonienminister Sir Philipp Cunliffe-Lister. Die Veranstaltung hat insofern eine ganz besondere Bedeutung, als der Kolonienminisler seit seinem Amtsantritt zum ersten Male Gelegenheit nahm, seine Anschauungen über die Palästinafrage ausztisprechcn und seine Haltung gegenüber dem Jüdischen Nationaiheim zu deklarieren. Sir Philipp Cunliffe-Lister, ein entschiedener Konservativer und scharfer Gegner seines (sozialistischen) Amtsvorgängers Lord Passlick!, rückte in seiner Rede deutlieh von l.ord Passfields Politik ab, Uber dessen (von jüdischer Seite bekämpfte) ״Weißbücher“ er spöttische Bemerkungen machte, im übrigen hat Sir Philipp seine positive Einstellung zum jüdischen Nationalheim und seine Bewunderung der jüdischen Leistung dort eindeutig zum Ausdruck gebracht. Sir Philipp Cunliffe-Lister führte in seiner Rede nngefahr folgendes aus: Als ich, sagte Sir Philipp OinüH'e-Lister, in das Kolonialamt kam, war ich mir des Grundsatzes voll bewußt, daß, wenn England eine Verpflichtung übernommen hat, es diese a I s T r e u h ä n d e r i!1 f a i r e r A r t und in stetiger Weis e erfüllen müsse. Wir werden diesem Grundsatz, gemäß unsere Verpflichtungen zum Woide von Juden lind Arabern nach besten Kräften erfüllen. Ich hin kein Freund von Weißbüchern, ich lese sie selten und schreibe sie nie; ich glaube auch nicht, daß wir noch mehr ihrer Art brauchen. Weißbücher sind eine Literaturform, die in unnötiger Weise gelehrten Kommentatoren jeden Glaubens Anlaß zu mühevollen und peinlich genauen Untersuchungen bietet. Untersuchungcn, die dennoch nicht notwendigerweise das wahre Wesen des Wortes enthüllen. Das einzige Pfand, das ich von einem Menschen, dem ich vertraue, haben mö■. hie, ist das Gelöbnis, daß er sein Bestes zu tun entschlossen ist; vertraue ich ihm aber, dann brauche ich auch dieses Gelöbnis nicht. Ich hin glücklich, als meinen Kollegen in der Verwaltung Palästinas einen Mann wie Sir Arthur Wauchopc zu haben, der das volle Vertrauen der Regierung und ebenso das Vertrauen von Juden und Arabern in ganz Palästina hat. Er ist an seine Aufgabe herangetreten mit einem Instinkt, den Erfahrung zur IJeberzeugung gestaltet hat: daß die Zukunft Palästinas auf der Zusammenarbeit seiner Bevölkerungsteile zum Besten der Wirtschaft des Landes begründet ist, einer Zusammenarbeit, bei der die Interessen der heiווי.!.׳ Bevölkerungsteile fundamental und wesentlich die gleichen sind. Jeder, dem Palästina am Herzen liegt, sei er Araber oder Jude, muß von sich aus das Aeußcrste tun, um einen etwa bestehenden Argwohn zu zerstreuen und Schwierigkeiten überwinden zu helfen. Als ich, schloß Sir Philipp Cunliffe-Lister, in das Kolonialarnt kam, war ich, grade was Palästina betrifft, vinbeschwort von Kenntnissen und Erfahrung, obwohl ich im ganzen genommen dem Zionismus nicht völlig f r c tri d gegenüberstand. Der verstorbene Lord Baifour selbst war es, der mich in die Bewegung eingeführt hat. Wenige Schöpfer eines großen Werkes, das auf seiner wirtschaftlichen Seite Landwirtschaft, Industrie, Seßhaftmachung von Menschen und Entwicklung des Handels einschließt, können mit der gleichen Das wirtschaftliche Schicksal des deutschen Judentums Bemerkungen zu einer Schrift von Lesischinsky Von Georg Landauer, I. Eine Darstellung des ״wirtschaftlichen Schicksals“ der deutschen Juden im letzten Jahrhundert, besser gesagt in den letzten 150 Jahren, ist für den Zionismus von großer, von grundsätzlicher Bedeutung. Die Wirtschaft war unter allen Lebensgebieten des Volkes noch das ״neutralisierteste״, d. h. sie wurde der Einwirkung der staatlichen Macht und ihres Apparates am meisten entzogen und überdies mit der Nation und ihren stammesmäßigen und kulturellen Bindungen naturgemäß am wenigsten verknüpft. Die Wirtschaft war gleichzeitig der Träger übernationaler Verbindungen. Dies gilt ebenso für das innerstaatliche Nationalitätenproblem, und es besteht daher ein wesenhafter Zusammenhang zwischen der ״Neutralisierung“ der Wirtschaft, ihrer Entnationalisierung und der Emanzipation der Juden. Was in den volkhaften und reiigiös-kidturell gebundenen, ständischen Wirtschafts- und Sozialgcbildcn der vorangegangenen Jahrhunderte den Juden verschlossen war, sollte sieh ihnen jetzt eröffnen. I)cr volle Zugang zu diesen Gebieten war scheinbar gleichbedeutend mit voller politischer und sozialer Emanzipation. Die Juden glaubten an eine vollkommene Emanzipation, sie sahen daher in erster Linie den wirtschaftlichen Weg des deutschen Judentums klar vorgezcichnct. Es ist anders gekommen. Es waren die ohnehin zur Internationalisierung tendierenden Wirtschaftszweige, wie Großhandel oder Finanzwesen, die auch in der Binnemvirtschaft den Juden aufnahmen. Aber die mehr nach innen gerichteten Berufe und die auf die Deckung des eigenen Bedarfs gerichtoten Wirtschaftszweige blieben auch in der Bimicnwiitschaft mehr oder minder ״national“, ma l denke an den jüdischen Kampt um die Zulassung zur Umversitätsprofcssur, zur Beamtcnschaft, zum Gerichtswesen, an die dauernden, die ganze Genugtuung auf die Gegenwart und mit dem gleichen Vertrauen in die Zukunft bücken wie die Schöpfer des Palästina- Werkes. Wäre jedes L and in der Welt in der Lage Palästinas, die wirtschaftlichen Probleme würden einfach zu lösen sein und wir könnten einer Weltwirt• Schaftskonferenz entraten. Palästina prosperiert nicht nur relativ, sondern auch absolut. Ls hat ein a u s b a 1 a n c i e r t e s Budget, ein blühendes Baugewerbe und beneidenswert wenig Ar beit s- 1 0 s i g k e i t. Die f Iauptnroclukfion, die Landwirtschaft, hehatiptct sieh durchaus. Wir sehen eine ausbrilanderte Oe konomie von Landwirtschaft und Industrie. In Tel- A w i w selten wir Seite an Seite Handel, Industrie und Wohnung!;- kultur. Die Kali-kX’erke am Toter! Meer werden Juden und Andrem in gleicher Weise zugute kommen. Die Häfen entwickeln sieh, weil der I lamlel sieh entwickelt, und die Staelt Haifa kommt empor, ohne daß Jaffa darunter zu leiden hat. Der Kapitalist geht nach Palästina, weil sieh ihm dort gesunde Inves!iert1ngs:nö;:1icl!l.eiten bieten. In Palästina finden wir eine glückliche Kombination von Kopf, Herz und Kapital. Die Regierung wird die ihr in der Verwaltung dieses alten Landes gestellte große Aufgabe stetig erfüllen, aber Fortschritt und Prosperität Palästinas hängt in einem nicht geringen Maße von der!Mitarbeit seiner Bevölkerung ab, deren Interessen die britische Regierung dienen will. Die Veranstaltung wurde durch eine Reihe von Reden eingeleitet. Co!. Wedgwood wies auf die überaus traurige Lage der Juden auf dem europäischen Kontinent hin und erklärte, England müsse etwaigen jüdischen Flüchtlingen ans Europa die Tore öffnen, Die beste Hilfe, die aber England den Juden gewähren könne, wäre die Unterstützung beim Aufbau des Jüdischen Nationaüieims in Palästina. Der Redner beglückwünschte die Juden zu den großen Erfolgen, die sie in Palästina bereits erzielt haben. Nahum S n k o 1 0 w herichtete über den gewaltigen Eindruck, den er bei seiner letzten Palästinareise empfangen hatte. Er unterstrich die Notwendigkeit der Gewährung von Imperial Preference (Zoll- Vorzugshehandlung) für Palästina-Orangen. Sir Arthur Wauchope, so sagte er, ist ein großer Administrator und verstellt den Sinn der Balfour-Deklaration. Sokolow erklärte weiter, daß Sir Philipp Cunliffe-Lister die Absicht habe, demnächst Palästina zu besuchen. Prof. Brodetsky lud den Kolonialminister ein, vor seiner Palästinareise die jüdischen Zentren Europas zu besuch e n, um die Notwendigkeit des Jüdischen Nationalheims besser zu verstehen. Nach der Rede des Kolanialministers sprach l.ord Melchctt, der gleichfalls auf die Notwendigkeit hinwies, daß Sir Philipp Gimliffe-l.isfer vor seiner Palastinareisc insbesouderc Polen besucht. Lord Melchett sprach auch begeistert von der Bedeutung der Weltorganisation M a k k a b i. Nach einer Reihe von weiteren Reden schloß dann der Vorsitzende James de Rothschild die überaus bedeutungsvolle Veranstaltung. Unter den Anwesenden war Lord Plymouth (Unter- Staatssekretär für die Kolonien), der polnische Botschafter, eine Reihe von höheren Beamten des Kolonialarntes usw. Emanzipationscntwickluiig begleitenden, aber vergeblichen jüdischen Bemühungen um Eindringen in die Landwirtschaft, in das deutsche Dorf. Ls wäre gewiß einseitig, die Problematik des deutschen Judentums im letzten Jahrhundert aus diesen Aspekten ganz verstehen und deuten zu wollen; das Gebiet ist jedoch auf alle Falle von fundamentaler Bedeutung. Es bietet wichtigstes Material für die Erkenntnis des Gallith- Schicksals der Juden überhaupt und für die kritische Auseinandersetzung des Zionismus mit den eine Lösung der Judenfrage in der Diaspora suchenden und daher das Eindringen der Juden in die Gesellschaft ihrer Umwelt betreibenden Gruppen. 111 der Schrift von Jakob L e s t s c h i n s k y, ״Das wirtschaftliche S c 11 i c k s a I des deutschen J u - den tu ms, — Aufstieg, Wandlung, Krise, Ausblick“, die als Heft 7 der Schriften der Zentraiwohlfaiirtsstelle der deutschen Juden und der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge kürz* lieh erschienen ist, soll ״die Entwicklung des deutschen Judentums im letzten Jahrhundert Umrissen und im Zusammenhang mit den sozialen und wirtschaftlichen Vorgängen bei dem nichtjüdischen Bevölkcrungsteil erörtert werden“. Die Herausgeber der Schrift beklagen in der Vorbemcrkung mit Recht, daß es, abgesehen von *ganz wenigen Publik,וtionen (Silberglcits ״Statistik der Juden in Preußen nach der Volkszählung von 1025“, Veröffentlichungen von Alfred Marcus und einigen ganz enge Ausschnitte behandelnden Monographien) weder grundlegende Untersuchungen noch Darstellungen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der deutschen Juden im letzten Jahrhundert gibt; von neuer Forschutig ganz abzusehen —, wird nicht einmal das schon zugünglichc Material bearbeitet. Und doch sind Kenntnisse auf diesem Gebiet für die deutschen Juden wichtig zur richtigen Erkenntnis ihres Schicksals und ihrer Lage und auch zur Berücksichtigung bei der Behandlung aktueller Probleme, wie wir sie von verantwortlichen Stellen des deutschen Judentums erwarten können. Lestschinskys Arbeit ist seit langem die erste Leistung von Bedeutung aut diesem Gebiet. Hier wird es unternoinmen, das zerstreute Material zu sammeln, in elf Kapitel zu gliedern und darzustellen, Der Stoff wird aus alten Zeit-