Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1933)
- Date
- 1933-03-03
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE KUNDSCHÄÜ Nr. 18, 3. TO. 1933 Seit« 86 und auch mit größeren und kleineren Industrieprojekten belaßt, vielfach besteht die Absicht, einen Betrieb, der im Ausland keine Existenzmöglichkeiten mehr hat, nach Pa* lästina zu verpflanzen oder die vorhandenen Fachkenntnisse zu verwerten. Fast alle diese Pläne sind heute noch im Sta* dünn des Projektes; sie zeigen jedoch eine ebenso interessaiite wie gesunde Tendenz, nämlich die Anlagekapitalien aus den bisher monopolhaft vorherrschenden Kanälen des Häuserbaus und der Orangerien auch aut andere Gebiete abzuzweigen. Da es sich bei fast allen diesen Fällen um Neuland handelt, ist eine sehr gründliche Vorarbeit notwendig. Aus den Erfahrungen der Arbeit des letzten Jahres zeigt sich nicht nur das gewaltig anwachsende Palästina-Interesse und die Sehnsucht und Notwendigkeit vieler, hier eine neue Existenz zu gründen, sondern auch der Mangel ausreichender praktischer Palästina-Kenntnisse hei der überwiegenden Zahl der Fragesteller. Trotz Propaganda und Aufklärung während langer Jahre fehlten bei vielen die primitivsten Verstellungen über das Leben im Lande, über die Bedingungen, die wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen. Daraus ergibt sich die Not- Wendigkeit, die Informationen aus Palästina zu vervielfachen und ihnen eine mehr konkrete, praktische Richtung «1 geben. Der Iniormationsdienst der H.O. G. kann fraglos auf diesem Gebiete viel leisten, er muß aber unvollständig bleiben und auch zu einem Teile unproduktiv, wenn nicht in Deutschfand auf diesem Gebiete in ganz anderem Maßstahe als bisher, mit viel größerem Nachdruck und mit größeren Mitteln eine _ parallele Arbeit aufgenoinmcn wird. Wie diese Arbeit im einzelnen aussehen soll, ob es nicht geboten ist, dafür eine spezielle Stelle zu schaffen (eventuell in der Form eines Wirt- Schaftskomitees, das in engem Kontakt mit der bestehenden palästinensischen Stelle arbeitet mul dieser auch die unuingängliehe materielle Grundlage für ihre weitere: Arbeit schafft), das muß im einzelnen von den zuständigen Stellen beraten werden. Im Vorstand der llitachdntli Oie Germania wird zurzeit dieses Problem bearbeitet. Wirtschaftliche und berufliehe Beratung ist heute zu einer absoluten Notwendigkeit geworden. Mari muß erwarten, daß sie in Zukunft an Bedeutu:!.; noch gewinnen wird. Und es ist dafür zu sorgen, «laß sie mit aller notigen Umsicht und Gründlichkeit durchgeführt wird. Die 11.0, G. hat diese Arbeit aufgenommen, sie hat int Laufe des Jahres ihren Mitarbeiterkreis und die Anzahl der Orgnnisationsmitglicder ständig vergrößert, ein Büro eingerichtet, viele Verbindungen nach Deutschland atifgenominen und tut dl ich die Adresse geschaffen, an die sich der deutsche lüde vor und nach seiner Einwanderung wegen Information, Beratung und Unterstützung wenden kann. Diese Stelle muß ausgeb.mt werden, und das wird mir möglich sein, wenn Deutschland, das bisher diese Stelle nur in Anspruch nahm, sie jedoch nicht in nennenswertem Maße unterstützte, an ihrer Basicnnig mitarbeitet und die Möglichkeiten schafft, die hier gesammelten Materialien drüben entsprechend auszuuutzen und zu verbreiten. * Aus T e 1 - A \v i w wird uns ferner berichtet: Am 30. Januar 1933 fand in Tcl-Awiw unter der Leitung von Herrn Felix R o s e 11 h I ii 111 vor einer zahlreich erschienenen Mitgiiederschaft die G e n e r a 1 v ersa m m I t! n g der Hitachdutli Oie Germania statt. Dr. Ernst L e w v, der stcllvcrtretende Vorsitzende der Vereinigung, erstattete den Tätigkeitsbericht über das erste Arbeitsjahr. Die Hitachduth Oie Germania, gegründet, um Einwanderer aus Deutschland vor der Uebersicdlung zu beraten und ihnen nach der Ankunft im Lande behilflich zu sein, wird heute getragen von zirka 250 Mitgliedern in Tei-Awiw und Umgegend, den deutschen Chatuzim aus Givath Brenner, die sich kooperativ der Vereinigung ange• schlossen haben, und kleineren Gruppen in Haifa, Jerusalem und Chederah. Im ersten Arbeitsjalir wurde ein Büro eingerichtet, das sich vor allem mit der Beantwortung der Anfragen aus dem Auslande beschäftigte, ihre Anzahl ist dauernd im Steigen, die ausgegebenen Informationen beziehen sich auf die verschiedensteil Zweige des palästinensischen Wirtschaftslebens, Beruisberatung, Ausarbeitung Verschiedener Handels-, Gewerbe- und Industrieprojekte, Hinweis von Kapitalisten auf bestehende und projektierte kapitalbedOrttige Unternehmungen und Hilfe für Mitglieder des Verbandes, die in Not oder Schwierigkeiten geraten sind. Außerdem bildet die II. O. G. die Gesamtvertretun״ der deutschen Einwanderer gegenüber den Behörden, speziell gegenüber dem deutschen Generalkonsulat. 111 dieser Eigenschaft tungierte der Verband als die Vertrauensslelle hei der Beurteilung von Kapifalireigabegesuchen. Die H. O.G. beteiligte stell an den Vorbereitungen zu einer Koordinierung und Zentralisierung des Informationswesens, insbesondere für landwirtschaftliche Projekte, die unter Anteilnahme der Jewish .Ageriev in die Wege gt ieitet werden. In Zusammenhang mit den immer wachsenden Anforderungen nach Arbeit, versucht die H.O.G., den neuen Einwanderern Arbeitsstellen nachzuweisen, in Verbindung mit den ArhcitsnachweNst ׳Een de; I.arides; auch die Einrichtung eines Spczialhnfendicnstes für die Neueinwanderer ist in Bearbeitung. I lern Kontakt der Mitglieder untereinander und der Einführung der Einwanderer in palästinensiäche Probleme dienen Vorträge über Fragen der Verwaltang. des Kreditwesens, der S311it.it usw. Aehnlicheir Dingen dient ein Mitteilungsblatt, das jetzt dreiwöchentlich erscheinen soll; die Frage :1er Erleichterung des 1 lehrätsehlernens — noch immer ein dorniges Problem — wird zurzeit von einer Speziallconimission bearbeitet; es ist beabsichtigt, hebräische Kurse und Diskussionsabende einzurichten. Ferner ist man zurzeit mit der Gründung einer 1 lilfs- oder Darlehenskasse besch.'iftigt, um in solchen Fällen vorübergehende Hilfe gewähren zu können, hei denen ein normaler bankmäßiger Kredit nicht zu erhalten ist. Die Generalversammlung wählte einen neuen Vorstand unter dem Vorsitz, von Dr. Zloeisti. Ferner wurde vom Vorstand ein größerer Beirat nominiert, der dem Vorstand beratend und unterstützend zur Seite stehen soll. Mitglieder des Vorstandes: Dr. Theodor Zloeisti, Vorsitzender; Dr. Ernst Lewy, stellvertr. Vorsitzender; Dr. Robert Weiß, Kassenwart; Edith Buchholz, Erich Ney, Dr. Ludwig Pinncr, Dr.Walter Preafl, Beisitzer. Mitglieder des Beirats: Dr. Bernhard Arinstciii, Hermann Bein, Dr. Briinn/Chedcra, Heinrich Cohn, Dr. Felix Danzigcr, Ernst Davidsohn, Paul Hayimi, Dr. Max Hirsch, Hans Koch, Dr. Gustav Kroianker, Dr. Alfred Landsher;,׳. Gerda Luft, Heinrich Margulics, Nanny Margulics, Dr. Saily Margulies, Dr. Heinz Nagler, Felix Roscnblüth, Werner Rosolio, Dr. Jakob Sandbank, S. Schur, Dr. Weinberg, Heinrich Wozniansky, Helmut Zerkowsky. Wie unser Warschauer Korrespondent mitteilt, fand in Lein b erg die Vcrcinigungskonferenz der ostgalizisehen ״H i ta ch d u 111“ und Po a I e Zion statt. Die Hitczhduth war bisher die stärkste zionistische Partei Ostgaliziens, so daß die neue sozialistisch-zionistische Partei, falls sie sich als innerlich einheitlich bewährt, eine große Aktionstnöglichkeit haben wird. Gegenwärtig seien jedoch, insbesondere ausgehend von der vereinigungsfeindlichen Hitachduth Kongteßpolcns, Bemühungen im Gange, gewisse Teile zum Austritt aus der Einheitspartei zu bewegen. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Saloniki und das Saionikier Rabbinat haben einstimmig Rabbiner Dr. Zwi Hirsch Kor et z aus Berlin zum Oberrabbiner von Saloniki gewählt Dr, Koretz hat die .Wahl angenommen, Was der ״Völkische Beobachter“meldet Hamiuchung beim Zentralverein Der ״Völkische Beobachter“ vom 2. d. M. bringt unter der Ueberschrift: Jüdische Organisation der K. P.D. ansgerSumt! Haussuchung beim Zentralverein ״deutscher“ Staatsbürger jüdischen Glaubens folgenden Bericht, den wir mit den im Original vorhandenen Sperrungen bzw. Fettdrücken wörtlich zum Abdruck bringen. ״Der sogenannte Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat offenbar, wie dies auch anderweitig zurzeit überall beobachtet wird, allen Grund, die politische Entwicklung der jüngsten Zeit zu fürchten. Der Geschäftsführer dieses von uns wiederholt gebührend gekennzeichneten Zentralvereins, der jüdische Herr Dr. Rose, hat dieser Furcht dadurch Ausdruck gegeben, daß er bei einem Sattler drei Koffer kaufte, die unter allen Umständen ״gebraucht“ sein sollten. Herr Rose betonte, daß diese Koffer ״ruhig teurer“ sein könnten, als neue. Er hätte damit auch Verdacht auf sich gelenkt, ohne, wie es der Zufall wollte, diese sonderbare Bestellung ausgerechnet bei einem S. A.-Mann zu machen. Daraufhin wurde bei dem Zentralverein durch Kriminal- und Hilfspolizei eine umfangreiche Haussuchung vorgenommen. Es wurde eine Unmenge von Hetzmaterial gegen die Freiheilsbewegung gefunden und beschlagnahmt. Der Zentralverein hat sich für dieses Heizmaterial in außerordentliche Unkosten gestürzt. Das ungemein *ehässige und aufreizende Material zeigt einwandfrei, daß sich unter dem harmlosen Namen dieses Zentralvereins, der mit Vorliebe die Rolle des Märtyrers spielt, eine kommunistische Hilfsorganisation verbirgt. Das in großen Mengen efundene (nebenstehend) abgebildete Hetzplakat läßt keinen weifel, daß der Zentralverein lediglich Steigbügelhalter des Kommunismus ist. Sechs Mitglieder des Zentralvereins wurden zum Polizei- Präsidium gebracht und die Büros geschlossen. Aus den beschlagnahmten Akten wurde einwandfrei die geldliche und ideelle Unterstützung des Kommunismus durch den Zentralverein festgestellt. Es ist erfreulich und notwendig, daß auch diese Brutstätte der Zersetzung endlich ausgeräuint worden ist. Mit welcher Frechheit noch immer jüdische Herausfordcrungen unternommen werden, zeigt auch ein Vorfall am Mittwoch mittag in der U 111 a n d s t r a ß c. Dort wurde aus einem mit drei Juden besetzten Kraftwagen heraus wahllos in eine voriibermarschierende Abteilung der S.A. hineingeschossen. Da der Schütze offenbar des Waffenhandwerks unkundig war, wurde glücklicherweise niemand getroffen. Daß man in einem solchen Falle zur Selbsthilfe greift, ist nicht verwunderlich. In derselben Gegend wird zurzeit die — offenbar planmäßig betriebene — Verbreitung des albernen ״Vorwärts“-Geriichtes bemerkt, nach dem der Reichstag von Nationalsozialisten in Brand gesteckt worden sei. Fs ist beobachtet worden, daß dieses Gerücht in bestimmten Gegenden, offenbar auf Druck vom Arbeitgeber von dem Dienstpersonal jüdischer Familien und Geschäfte weitergetragen wird. Diesem herausfordernden und vergiftendem Treiben muß begegnet werden. Es wird sich empfehlen, von Fall zu Fall über deraftige Herausforderungen mit genauen Unterlagen Anzeige zu erstatten.“ * Was die Hausdurchsuchungen beim C.-V. betrifft, wird uns mitgetcilt, daß die Darstellung des ״Völkischen Beobachiers“ nicht den Tatsachen entspricht. Manche Behauptungen, xvie die, daß der C.-V. eine ״kommunistische“ Organisation sei, sind so absurd, daß die Unwahrheit ohne weiteres klar ist. Wir drucken weiter unten eine Erklärung des C.-V. ab. Unverständlich ist es nur, wieso die Zeitung in den Besitz eines Plakates kommen konnte, das angeblich bei der Hausdurchsuchung gefunden wurde. Man kann doch nicht annehmen, daß ein Pressevertreter des ״Völkischen Beobachters“ offiziell an diesem polizeilichen Akt beteiligt war. Wie wir weiter erfahren, gibt es unter den Beamten des C. V. keinen ״Dr. Rose“, wohl aber einen christlichen technischen Angestellten namens Johannes Rohse. Auch wurden keineswegs sechs Mitglieder des C. V. mitgenommen, sondern zwei Personen, nämlich der genannte Rohse und der Syndikus Dr. Hirschberg. Die beiden wurden polizeilich vernommen und wieder freigclassen. Was den zweiten Teil des Berichtes des ״Völkischen Beobachtcrs“ betrifft, so ist festzustellen, daß es sich hier um unkontrollierte und unbewiesene Behauptun gen handelt, die geeignet sind, größte Verwirrung in der Bevölkerung anzurichten. Wir glaubten den Sinn der Not- Verordnung so zu verstehen, daß Nachrichten über angebliche Gewalttaten mir auf Grund von offiziellen Polizeiberichten in die Oeffentlichkeit getragen werden dürfen. Daß eine Zeitung ein Monopol dafür besitzt, solche Nachrichten ohne jede Kontrollnkiglichkeit zu verbreiten, ist ein Zustand, der entschiedenen Protest erfordert. Die Erklärung des C.-V. Unmittelbar bei Redaktionsschluß geht uns die angekiindigte Erklärung des C.-V'. zu, die lautet: ״Der Central-Verein ist die Vereinigung der deutschen Juden, deren Aufgabe die Bekämpfung des Antisemitismus ist. Diesen Kampf führt der Central-Verein im vollen Lichte der Oeffentlichkeit und ausschließlich auf legalem Wege. Die Druckschriften des Central-Vereins sind in vielen Tausend Exemplaren der deutschen Oeffentlichkeit immer zugänglich gewesen. Aus der grundsätzlichen Einstellung des Central- Vereins, die ihm die unbeirrtc Pflege der deutsch-vaterländischen Gesinnung und die kraftvolle Verteidigung der jüdischen Religion gegen jegliche Angriffe zur Pflicht macht, ergibt sich die Unmöglichkeit jeder Verbindung mit kommunistischen Zielen. Wir weisen jede Behauptung eines wie immer gearteten Zusammenhanges mit jeder staats- und religionsfeindlichen Bewegung voll Entrüstung zurück.“ Auf die innerjüdische Seite der Sache wird noch einzugehen sein. Am Dienstag, dem 28. Februar, gegen 10 Uhr abends, erschien Polizei überraschend in der vom Verband der Ostjuden unterhaltenen ״Jüdischen Teestube“ in der Rosentlialer Str. 55 und nahm sämtliche Anwesende, über 20 Personen, fest. Die Festgenommenen wurden auf Lastwagen zum Polizeirevier gebracht, wo ihre Personalien festgestellt werden. Die Aktion hat keinerlei politischen Charakter. Hebräische Musik — verdächtig Anläßlich des Konzertes traditioneller jüdischer Musik, über das wir an anderer Stelle berichten, klagt der Kritiker d< s ״Volk. Beobachters“ darüber, daß Direktor Schünemann die Hochschule für dieses Konzert zur Verfügung gestellt hat, um! schreibt: ״Es handelt sich hier nicht darum, ob die Leute gut oder schlecht sangen -- sie taten das sogar recht gut und mit der ihnen eigenen Inbrunst — sondern darum, ob wir uns gefallen lassen müssen, daß eine landfremde Ge- Seilschaft mit ausgesprochen destruktiven Tendenzen einen ganzen Abend hebräisch singt, ohne daß eine beglaubigte Uebersetzung vorliegt, ohne daß ihre Darbietungen überwacht werden. Wuliten wir, was da vom Podium herab verkündet wurde? Konti, ten wir uns das fatale Grinsen des Dirigenten zu seinen Hörern und das verständnisinnige Schmunzeln dieser unter, einander oder deren frenetische Beifallsausbrüche richtig deuten? Verstanden wir den Sinn oder vielleicht den Doppelsinn der Erstaufführungen von lauter Komponisten russischen Namensgepräges unter den Titeln L’cho Dodi, Weschomru, Sefirat Hoomer, Naarizcho? Möglich, daß es Kultgesänge sind, möglich aber auch anderes. Man 11,!t schon Särge als Behälter für Konterbande benutzt und groß war die Entrüstung gegen die Zollbeamten, die nicht einmal vor der Majestät des Todes usw. . . .“ Der ״V. B.“ berichtet noch, daß am Ausgang Einladungen zu einem Purim-Ball verteilt wurden, und fragt: ״Wißt ihr, was Purim ist? Buch Esther, 9. Kapitel, 5. und folgende Verse, berichten darüber, wie auf Geheiß Mardochais die Juden ״eine Schwertschlacht schlugen und würgeten und brachten um und taten nach ihrem Willen an denen, die ihnen Feind waren‘׳ . . . Empfindsame Geister mögen finden, daß so etwas nicht in eine Musikbesprechung gehöre, es gehört nicht nur hierher, es gehört in jedes Deutschen Hirn.‘ (Sperrungen von uns. — ״J. R.“) Diese Schreibweise des ״Völkischen Beobachters“ ist ein fast unglaubliches Wiederaufleben mittelalterlicher Beschuldigungen. Die hebräische Sprache ist keine Geheimsprache. Sie ist z. B. die Sprache der Bibel und wird auch von protestantischen Christen studiert. Unseres Wissens wird sie sogar an protestantischen Gymnasien gelehrt. Jeder Christliehe Theologie muH die Sprache beherrschen. Der Vertrauensmann des ״Völkischen Beobachters“ hätte, wenn es ihm auf die Wahrheit ankäme, die Möglichkeit gehabt, sich bei Christliehen Gewährsmännern über die in dem Konzert gesungenen hebräischen Gesänge zu informieren. Wenn es ihm auf die Wahrheit ankäitic . . . Presseschan Die englische Zeitschrift ״Near East and India“ macht den Vorschlag, eine Konferenz zwischen Vertretern des Emirs Abdullah von Transjordanien, arabischen Politikern Palästinas und Repräsentanten der Jewish Agency unter dem Vorsitz eines Bevollmächtigten der Palästina-Regierung stattfinden zu lassen, um die Frage einer jüdischen Sied lungsarbeit in Transjordanien nach jeder Richtung hin zu erörtern. Die Zeitung bedauert, «laß dieser Plan durch Sclilagworte verdunkelt wird, und meint, daß bei einer solchen Aussprache jede Partei Gelegenheit haben wird, das Für und Wider durch Argumente zu erhärten. Der Emir Abdullah sei unter doppelten Druck gesetzt; Einerseits zwingt ihn die traurige Lage der Bevölkerung Transjordaniens, hervorgerufen durch schlechte Ernten und allgemeine Wirt- Schaftsdepression, seinen Boden zu verpachten, andererseits stemmen sich die palästinensischen Araber gegen den Plan einer Ausdehnung des jüdischen Siedlungswcrks auf Transjorclanien. Diese nichts als negative Haltung der palästinen* sischen Araber, schließt die Zeitung, wird aber nicht den 1Hunger ihrer Brüder in Transjordanien stillen; es sei denn, daß die palästinensischen Araber bereit und in der Lage sind, den freistehenden Boden selbst zu pachten oder auch nur Geld zu dessen Entwicklung vorzustrecken. Das Bodenverkaufsverbot in Transjordanien wurde einzig und allein aus politischen Gründen erlassen; es bleibt abzuwarten, wie lange cs noch aufrechterhalteri werden kann, d. 11. wie lange ► lie Bevölkerung Transjordaniens sich eine solche wirtschaftsschädigende Politik gefallen lassen wird. Die Finanzierung des bebrüiscben Schalwerks J e r u s a 1 e m, 27. Februar. (J. T. A.) Der Waad Leumi der Knesseth Jisrael hat die Leitung des öffentlichen jüdischen Schulwesens in Palästina von der Jewish Agency übernommen, wobei die jewish Agency erklärt hat, daß sie die weitere Verantwortung der Weltjudenheit für die jüdische Erziehung in Palästina anerkennt. Die J. A. hat sich ihrerseits verpflichtet, zu dem Erzielmngsbudget des Jahres 5693 (1932/33) 40000 Pfunu aus Keren Hajessod-Sammlungen beizutragen. Die Erhaltung des gegenwärtigen Schulwerks erforderte i. J. 5692 110 000 Pfund. Diese Summe setzt sich zusammen aus den Zuschüssen der Regierung in Höhe von 19 200 Pfund, des Keren Hajessod von 40 000 Pfund, der Pica von 5 500 Pfund, der Lehrer und anderer von 8 500 Pfund, aus Schulgeldern und Zuweisungen von Gemeinden im Betrage von 36 200 Pfund- Die zur Deckung des Minimalerfordernisses i. 1• 5693 verfügbaren Gelder ergeben eine Fehlsumme von 8000 Pfund; das ist der Betrag, der im vergangenen Jahre von der Lehrerschaft durch Verzicht auf ein Monatsgehalt beigetragen wurde. Zur Deckung dieser Fehlsumme wendet sich der Waad Leumi an jede zionistische Gruppe und jede jüdische Organisation mit der Bitte, sich an der Erhaltung des öffentlichen Schulwesens der Juden in Palästina durch Bewilligung eines jährlichen Stipendiums für einen Schüler im Betrage von 25 Dollar aus ihrem Verwaltungsbudget zu beteiligen. Der Plan hat die Genehmigung der Jewish Agency und des Keren Hajessod. Der Aufruf ist nur an organisierte Gruppen gerichtet. Die Auslührung des Planes bedarf nicht der üblichen Propagandamethoden, es ist daher kein Wettbewerb mit anderen palästinensischen Sammlungen zu befürchten. Die spendende Gruppe verpflichtet sich nur für ein Jahr, sie kann aber freiwillig das Stipendium für weitere Jahre erneuern. Ein jüdischer Toter. An der Ecke der Schiller- und Grolmanstraße jn Berlin-Charlotten bürg wurde am 27. Februar kurz vor V«4 Uhr der 26jährige Günther Falkenstein in einer Blutlache bewußtlos aufgefunden. Man brachte ihn sofort ins Westend-Krankenhaus, wo die Aerzte nur noch den Tod feststellen konnten. Ein Messerstich hatte ihm die Halsschlagader durchschnitten. Die Mordkommission der politischen Polizei nahm die Ermittelungen auf. Unter dem Verdacht der Beteiligung an der Bluttat sind zwei Charlottenburger Arbeiter, Hans Baumann und Adolf Preuß, festgenommen worden. Ueber die Motive der Tat wird erst die Untersuchung Klarheit schaffen können.