Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1933)
- Date
- 1933-02-17
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 68 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 17. n. 1933 Die Zukunft Tel-Awiws Grofje Pläne zur Entwicklung der Stadt (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) gl. TcI-AwKv, 7. Februar 1933. Die Entwicklung der Stadt Tel-Awiw ist in den letzten Jahren mit Riesenschritten vorwärts gegangen. Das iiat viele Gründe: Tel-Awiw fängt noch immer einen großen Prozentsatz der neuen Einwanderer ab, die nur langsam von hier in die Kolonien oder anderen Städte abströmen oder auch ganz hierbleiben. Die Entwicklung der Orangenzone hat das Hinterland der Stadt gestärkt und erweitert, Ihre Lokal- Industrie hat sicli eine feste Basis geschaffen, einen Absatz erobert und ihre Produkte vervollkommnet. Tel-Awiw ist die lebendigste Stadt des Landes, sie konzentriert alle möglichen gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen Unternehmungen und macht in ihrer Lebendigkeit, ihrem gewaltigen Verkehr, ihrer großen Bewegtheit den Eindruck einer Stadt von mehreren Hunderttausenden. Sie ist in letzter Zeit auch ein Anziehungspunkt für jüdische Rentiers aus der ganzen Welt geworden, die sich hier Häuser bauen. Die immer noch anhaltende lieberhafte Baubewegung macht das Areal der Stadt zu einem ricsigen Bauplatz, In allen Straßen arbeiten die Betonmischer, Materialien werden transportirrt, die Gebäude schießen mit beängstigender Schnelligkeit aus dem Boden. Die seit Jahren leeren Plätze zwischen den einzelnen Häusern werden aufgefüllt, die Straßen beginnen kompakte Blocks zu bilden und während auf diese Weise auf dem gegebenen Flächenraum die Zahl der Hauser •sich mehrt, dehnt sich zugleich das Weichbild über die früheren Grenzen. hn Norden reicht die Stadt bereits bis an den Jarkon, manche Imlustrieimterneliniungen machen sich in Vororten ansässig, weil sie dort billigeren Boden und mehr Au-dc!un1ngsraum erhalten, das Wegenetz nimmt an Güte und Länge zu. Diese Expansion der Stadt ist zugleich eine Atifwiirtdwwcgimg im Standard, die Bevölkerung umfaßt mehr wohlhabende Elemente, wird eleganter und anspruchsvoller, füllt die Cafes, die Kinos, die Laden. Trotz der beginnenden Arbdtcreimvanderung sind Lohnarbeiter und 11 and werter beschäftigt, zum Teil überbeschäftigt. Die Stadt zeigt die jüdische Prosperität in Palästina in gesteigertem Maßstabe. Soeben hat sieh eine Gesellschaft ztisammeugesehlossen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, diese Entwicklung zu fördern und zu lenken. Fs sollet! eine Reihe von Bedingungen geschaffen werden, die die weitere Ausbreitung der Stadt erleichtern. Den vielen inve-.tilionslustigen Kapitalisten!missen Erleichterungen geboten werden, um sie zu Anlagen in der Stadt zu veranlassen. Das Programm umfaßt die Schaffung eines Industrieviertels, die Er!iehtung eines perrr.anenten A u s s f e 1! u n g s g e I ä n d e s und den Ausbau des Strandes der Stadt 111 der Art eines bequemen und modornen Badeortes. Das Anfangskapital der Gesellschaft soll £ 10 000 betragen, das in Aktien zu je £ 2 geteilt ist. Abgesehen von dem Wunsche, bei der weiteren Entwichlung der Stadt zu assistieren und weitere Kapitalien für ihren Ausbau heranzuziehen, hat bei der Gründung dieser Gesell- Schaft die Ueberlegung eine Rolle gespielt, daß mit der Er- Öffnung des Hafens eine rapide Entwicklung Haifas einsetzen muß, die unter Umständen Tel-Awiw beeinträchtigen kann. Bisher hat dieses den Hauptteil der cinwandcrndcn Menschen und Kapitalien an gesogen. Mit dem Beginn des Hafenbetriebes jrSloch wird der wirtschaftliche Schwerpunkt des Landes und damit auch eines Teils der jüdischen Wirt- Schaft nach Flaifa gravitieren. Schon heute benutzen die Auslandsreisenden Haifa und nicht mehr Jaffa als den Ausgangshafen. Ein Teil des Orangenexports geht schon heute durch den nördlichen Hafen, da er verschiedene Vorteile in der Verschiffung bietet. Mit der Aufnahme des normalen Hafenbetriebes muß sich diese Tendenz, über Haifa zu exportieren, noch merklich verstärken, da auch die Regierung daran intercssiert ist, zur Propagierung des Hafens, dem Haitacr Handel Erleichterungen zu gewähren, Wenn cs auch klar ist, daß Haifa in Zukunft mehr den Charakter einer internationalen Handels- und Industriestadt spielen wird und das jüdische Element dort nicht so hundertprozentig den Ausschlag geben kam! wie in Tel-Awiw, so steht es doch außer Frage, daß auch jüdisches Kapital und Initiative mehr nach Haifa tenditren und daher in gewissem Maße von Tel-Awiw abgezogen wird. Das Moment, daß Tel-Awiw eine ״rein jüdische Stadt׳‘ ist und dal!er für den jüdischen Immigranten eine einzigartige Atmosphäre besitzt, wird freilich seine Wirkung nicht einbüßen. Es wird jedoch ökonomische Kräfte auf die Dauer nicht überwinden können und cs ist mir logisch, wenn man der Entwicklung der jüdischen Stadt auch mit ökonomischen Maßnahmen zu Hilfe kommt. Der Versuch, Kapitalinvestitionen in Tel-Awiw zu erleichtern, muß sich auch auf die Erkenntnis gründen, daß zurzeit ein bedeutender Teil der Arbeiter in der Bauindustrie beschäftigt wird, so daß hiervon Teile bei einer Abnahme der Baubewegung freigesetzt werden, wie wir cs in den Jahren 1926/27 erlebt haben. Die Ueberlcitung von Kapitalien fn konstante Unternehmungen, die auf laufende Produktion eingestellt sind, ist eine bestimmte' Sicherung gegen plötzliche Arbeitslosigkeit. Ein ״Industrieviertel“ hat es bisher in Tel-Awiw nicht gegeben. So wie die Stadt in den Anfangsjahren ohne Plan wuchs und daher einen Mangel an ausgiebigen Verkehrsadern und freien Plätzen zeigte, wurde auch kein besonderer Distrikt für Fabriken abgetrennt. Es kam daher so, daß Unternehmen an den verschiedensten Ecken der Stadt herauswuchsen, was sowohl ihre eigene Entwicklung wie auch die der sie umgebenden Wohnviertel stark beeinträchtigte. Jetzt soll der Versuch gemacht werden, eine zusammenhängende Bodenfläche für Fabriken und Werkstätten bereitzustellen, die durch eine Bahnlinie und eine Chaussee mit Hafen und Eisenbahn verbunden wird und die auch die entsprechende Wasser-, Licht- und Kraftversorgung erhält. Zugleich soll mit dem Bau einer Reihe von Werkstättenbauten begönnen werden, um Handwerkern und kleineren Betrieben ein entsprechendes Unterkommen zu angemessenen Preisen zu verschaffen. Für Industriebauten soll Boden bereitgestellt werden, der in Raten abzuzahlen ist. Dieses, zusammen mit einem Kreditprogramm, ist selbstverständlich der Maximalplan der Gesellschaft, der nicht sofort in vollem Umfange in Angriff genommen werden kann. Er ist ein Zukunftsziel, das die künftige Entwicklung in großen Umrissen andeutet. Es wird vermutlich in kleinerem Maße begonnen werden, um nach und nach Größeres zu schaffen. Mit der Zeit wird dann die Gesellschaft auch größere Gelder zu konzentrieren versuchen. Die Errichtung eines permanenten Ausstellungsgeländes wird unter dein Gesichtspunkt für nötig gehalten, daß die Levantemessen sich als ein Erfolg erwiesen, es jedoch untunlich ist, jede zwei Jahre von neuem alle Bauten für dieses Werk aufztiführen, die nachher wieder abgetragen werden. Es soll ein Gelände für diesen Zweck bereitgestellt werden, das durch bequeme Straßen mit der Stadt verbunden ist, ein für allemal mit den entsprechenden Gebäuden und Installationen versehen wird und dann für die regelmäßigen Ausstellungen und andere Veranstaltungen benutzt werden kann. Matt erhofft sich davon eine größere Zahl von Be- Suchern, Anknüpfung neuer Handelsverbindungen, eine Propaganda für die jüdischen Produkte und damit einen weiteren Impuls für Gewerbe und Industrie. Der Ausbau des Strandes wird bereits seit Jahren als eine ■dringende Notwendigkeit empfunden. Die Zahl der Einheimischen, die ihre freien Stunden am Meere verbringen, ist ebenso gewachsen wie die Zahl der Besucher aus dem Lande und dem Auslande. Der Strand befindet sich jedoch in einem recht primitiven Zustand, er bietet keinen Schatten, keine Gelegenheit für sportliche Spiele, es ist im Grunde nicht viel mehr da als Sand, Wasser, eine primitive Badeanstalt und Felsen, die eine Gefahr und eine Plage darstellen. Die Umwandlung nach europäischen Vorbildern würde der Stadt eine neue große Attraktion verleihen. Die Gesellschaft zur Entwicklung Tel-Awiws, die unter der Führung des Bürgermeisters Dizcngoff sicht und auch mit dem Keren Kajemeth zusammenarbeitet, hat gerade jetzt, wo jüdisches Kapital aus aller Welt nach Anlagemöglichkdtcu in Palästina sucht, Aussichten auf Erfolg. Ihre Projekte sind sehr lockend und geeignet, das Interesse der Besitzenden anzuziehen. Sie sind nicht nur für Tel-Awiw und Palästina, sondern auch für das Galutli interessant, das materiell und praktisch ein immer größeres Interesse und Beteiligungsmöglichheit an der Palästina-Wirtschaft erhalt. Kommissionen der Z. V.!. D. Der Land esvotstand der Zionistischen Vereinigung für I Deutschland hat in seiner Sitzung vom S. Januar die Wahlen folgender Kommissionen vorgenommen: 1. Keren Hajessod-Kommission: Alexander Adler, Dr. S. Altschul, Dr. Martin Ascher, Alfred Frank, Hugo Frankel, R.-A. Dr. Georg Gerson, Frau Nusia Gottheit, Dr. Georg Herlitz, R.-A. Hermann Hirsch, Josef Hirsch, Dr. Salli « Hirsch, Dr. Gerhard Holdheim, Dr. Erich Hurwitz, R.-A. Dr. Walter Katschke, Dr. Gabriel Knoller, R.-A. Dr. Alfred Lei!- mann, R.-A. Heinrich Levinsohn, Dr. Ernst Marcus, Dr. Erich I Moses, Dr. Hans Nathan, R.-A. Dr. Fritz Neumarin, Alfred | Peltesolin, Dr. Martin Rosenblüth, Kurt Rupnin, Dr. Alfred j Schwarz, Max Tischler, Dr. Heinrich Strauß, Dr. Michael t Tratib, Hugo Wolfermann, Dr. Georg Wollstein, Frau Dr. j Zadik — sämtlich Berlin. _ 2. Keren Kajemeth •Kommission: Max־ Woll- Steiner, Dr. Albert Baer, Helga Caro, Dr. W. Erhard, Alfred Frank, Frau Hcnnv Frank, H. Grunvvald, Dr. Jacobowifz, Frau Levvinsohn, Fritz Lichten stein, Dr. Fritz Löweristein, Dr. E. Mechner, Adolf Pollak, Frau Ravidowicz, Dr. Egon R osenberg, Walter Roth, Kurt Ruppin, Frau Sobcrskv, A. Schiff, Arthur Schragenheim, S. Tschertok, Josef Wahl, Dr. G. Wöllstein — sämtlich Berlin, Edgar Heinemann, Hambürg, Dr. Holzer, Chemnitz. 3. Gemeinde-Kommission der Z. V. f. D.: Alexander Adler, Dr. Martin Ascher, Alfred Berger, Kurt BlumenfeM, R.-A. Benno Cohn, Boris Eisensfadt, Dr. Herbert Foerder, Moses Ooldmann, Dr. Nahum Goldmann, Ministcrialrat Hans Goslar, Dr. Salli Hirsch, Frau Dr. Edith Hirsch, Dir. Georg Knreski, Dr. Alfred Klee, I. Künoff, Dr. M. Kollenschcr, f)r. M. Kreutzberger, Dr. Abraham Loch, Dr. Fritz Löwcnstein, Dr. Georg Lubinski, Dr. Siegfried Moses, Else Nathan, Dr. F. Ollendorff, Dr. Alfred Rabau, Landgerichtsrat Arthur Rau, Dr. Julius Rosenfeld, Dr. A. Sandler, Dr. Werner Silberstein, Dr. Heinrich Strauß, Moses Waldmann — sämtlich Berlin, ferner: Arnold Wiener, Beuthen, R.-A. Max Jacobsohn, Frau Else Rafain, Eugen Samson, Dr. Hugo Schachtel ־— sämtlich Breslau, Dr. Max Sichel, Chemnitz, Landgerichtsdirektor ,Wirtin Alterthum, Dessau, Oberrabbiner Dr. M. Schornstein. Dresden, Dr. H, Epstein, Duisburg, F)r. Richard Wolfheiin, Erfurt, Dr. Hans Frankenstein, Essen, Dr. Hugo Emmerich, Frankf.öW, Dr. Fritz Noack, Gotha, Dr. Ernst Kalmus, Hamburg, Dr. Willy Victor, Wandsbek b. Hamhurg, Studienrat Lew Wolff, Köln, Dr. Ludwig Lehrfreund, Leipzig, Dr. Hugo Rothschild, Lübeck. Dr. Elias Straus, München, Dr. I. Kainberger, Nürnberg, Dr. Meinhold Nußbaum, Nürnberg-Ebensee, Dr. Walter Deutschmann. Oppeln, R.-A. Dr. M. Pfälzer, Weinheim a. d. Bergstraße. Ortsgruppen WHzenhausen. Am 22. Januar hielt Rechtsanwalt Dr. Kugelmann - Kassel im Jüdischen Jugendbund einen Vortrag, zu dem fast alle Gemcindcmifgliedcr als Zuhörer erschienen waren. Das Thema des Abends war: ״Etas Judentum in der Wirtschaftskrise und der Palästina-Aufbau“. Der reiche Beifall, der dem Redner zuteil wurde, zeigte, daß seine Ausführungen bei der großen Zuhörerschaft allgemeines, reges Interesse hervorgerufen haben. Wuppertal. Am 14. Januar sprach im Rahmen einer Ortsruppen-Veranstaltung Moscheh Brach mann (Giwath renner) über ,,Boden und Freiheit“. Die ausgezeichneten Ausführungen wurden von dem Auditorium, das sich zum roßten "feil aus Jugendlichen zusammensetzte, mit großem eifalt entgegen genommen. Jakob Herzberg (Frankfurt a. M.) spracft in einer öffentlichen Versammlung unserer Ortsgruppe am 25. Januar über das Thema: ״Judennot — Judenhaß — Zionismus“. Bei den Anwesenden hinterliaf! der Vortrag einen starken Eindruck. — Auf gemeinsame Einladung der hiesigen Z. O. G. und des jüdischen Frauenbundes sprach am 11. Januar Frau Jettka Levv-Stein (Berlin) über den ,.Misrachi“. Besondere Betrachtungen widniete die Referentin der Kindererziehung im Galuth und in Erez Israel im Sinne misraehistischer Auffassung. Der Vortrag hinterließ bei der aus Zionisten und Nichtzionisten bestehenden Zuhörerschaft einen nachhaltigen Eindruck, der nicht zuletzt auf die hervorragende Vortragskunst der Referentin zurückzuführen ist. L. A. Der Yerwaltungsrat der Jüdischen Gemeinde Rom hat in einer Sondersitzung den langjährigen Vorsitzenden der Gemeinde, Adv. Angelo Sereni, zum Ehrenpräsidenten der Gemeinde gewählt. HECHALUZ A I i j a h. Oie erste Gruppe der Chaluzim, über deren Abreise aus Deutschland wir kürzlich berichteten, ist im Lande angekommen. 8 Cliawerim sind in üiwath Brenner, 10 in Naaneh und 8 in Raananah eingeordnet worden. Die zweite Gruppe hat Triest am 1. Februar verlassen. Holland. Am 1. und 2. Januar kamen zum ersten Seminar des holländischen Hechaluz in Amsterdam 25 holländische und 5 ausländische Chawerim zusammen. Ein Referat über ״Die Situation der westjüdischen Jugend“ bot Anlaß zu einer lebhaften Diskussion, insbesondere über die Lage der jüdisch-holländischen Jugend und das Eindringen chaluzischer Oedankengiintje in die Jugendföderation des Landes. Ein zweites Referat behandelte ״Die Lage der palästinensischen Arbeiterschaft“. Die Snife Hechaluz in Amsterdam und Groningen haben sich in der letzten Zeit stark entwickelt. Besonders der Amsterdamer Snif zeigt eine große Aktivität in der Tarbutharbeit. — Von den Chawerim aus Deutschland, die in Holland gearbeitet haben, kommt ein großer Teil im Februar zur Alijah. Die anderen Chawerim aus Holland, die ihre Zertifikate bekommen haben, werden sofort nach Beendigung ihrer landwirtschaftlich-theoretischen Kurse ihre Alijart antreten. Kleiderakfion der Wizo. Die Kleideraktion, die von der Wizo in ihren Ortsgruppen mit gutem Erfolg durchgeführt wurde, hat es dem Hechaluz ermöglicht, die dringendsten Bedürfnisse der Olim zu befriedigen. Der Merkas dankt allen Ortsgruppen für ihre Hilfe und ebenso den Jugendbiinden, die ihn bei der Aktion unterstützt haben. Informationsblatt. Soeben ist die reichhaltige Doppelnutnmer Januar-Februar unseres Informationsblattes erschienen (Preis 30 Pf.). Aus dem Inhalt: ״Die Einheit der Arbeiterbewegung und der religiöse Arbeiter“ (Elijahu Go- Iornb), ״Der Arbeiter im Zionismus“ (Ben Gurion), ,,Kapitaleinwatiderung und Arbeiterkolonisation“ (Liebenstein). Ferner: ״Zu Bialiks 60. Geburtstag“, ״Das Hechaluzlager in Südwestdeutschland“ 11. a, Der 3. Band der Schriftenreihe ״J e s s 0 doth“. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß der 2. Teil des Werkes von Walter Preuß ״Die jüdische Arbeiter- Bewegung in Palästina“ im Laufe des Februar erscheint und zum Preise von RM. 1,25 plus Porto beim Merkas erhältlieh ist. Kunstausstellung der Berliner B. B.-Logen. Die Aus- Stellung, die am 5. Februar im Logenhaus in der Kleist- Straße eröffnet wurde, und am 19. schon, wieder geschlossen werden soll, bietet nur an die 25 Arbeiten. Man hat seine Freude an den Aquarellskizzen der Rahel Szalit. besonders an der kühn gesehenen ,,Brücke“. Wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, in der Szalit die Graphikerin, die interpretierendc Illustratorin z.u suchen, und sind immer' aufs! neue überrascht, einer so reichen Begabung für Farbe und bildnvißige Komposition zu begegnen, vor allem aber diesem Sensualismus der Form, der von der gewollten Dürftigkeit der Ausdrucksmittel nbsticht, — der Zuflucht so vieler Heutiger, wie auch Arthur Segalls, der mit ein paar Landschäften vertreten ist. Eine kräftig hingcmalte Landschaft zeigt Trude Grätz, und es ist wieder eine Frau, die durch Plastiken fesselt, Erna Rosenberg-Nonnenmacher. Es sind Kleinplastiken, die aber Irgendwie groß und stark wirken, wie die Terrakotta ״Junge Mutter“. Erwin Geismar bringt das Motiv des. ״Thoraaushebens“ in einer modernen Version mit Jungcns der heutigen großstädtischen Generation, die die Schriftrollen in ihrem alten Schmuck tragen. Else Meidncr, Henoch Barczvnski, Leo Prochovvnik, Adele Reifenberg, Julius Rosenbaum, Rleßner haben einige Arbeiten beigesteuert. Die Ausstellung ist als ein Versuch gedacht, der .wiederholt werden soll, wenn er Anklang findet. Die Veranstalter, der Kunstausschuß der Logen, sollten sich aber nicht nach den Erfolgen dieses ersten Versuches richten. Man kennt die Tatsache daß die großen Erfolge oft erst das Ergebnis mehrerer, mitunter sogar mißglückter Tatversuche sind.. Die Kulturarbeit muß heute zu besonders starken Werbemitteln reifen. Eine Ausstellungsreihe, wie sie die Logen planen, edarf einer vorbereitenden Arbeit, vor allem der Einführung durch die Presse unter Heranziehung aller, die' in Berlin für das Verständnis und die Geltung jüdischen Kunst- Schaffens wirken. Den logen ist zu ihrem interessanten. Beginnen die stärkste Resonanz der Oeffentüchkeit zu wünsehen. Ausstellungen jüdischer Künstler können in unserer freudlosen Zeit zu gesellschaftlichen Ereignissen gestaltet werden, so stark ist das Bedürfnis nach .Mitteilung und Oemeinschaftserlebnis. Wenn erst der organisatorische Rahmen geschaffen ist — der architektonische Rahmen, der von Baumeister Bloch renovierte ״Neue Saal“ in der Kleiststraße bietet eine würdige Fassung für derlei Veranstaltungen, — wird auch die Künsilerseliaft das sichere Gefühl gewinnen, daß hier wirklich eine weit sichtbare Tribüne gegeben ist, für die man sein Bestes Vorbehalt. Rahel Wischnitzer-Bernstein. Gruppenverband Sachsen-Anhalt Am 12. Februar fand in Dessau eine Tagung des Gruppenverbandes Sachsen-Anhalt statt. Wenn auch der Besuch seitens der auswärtigen Gruppen zu wünschen übrig ließ, so war doch die Tagung für alle Teilnehmer ein unvergeßliches Erlebnis und ein großer ‘ propagandistischer Erfolg. Das lag vor allem an dem glänzenden Referat von R.-A. Dr. Bileski (Berlin), der in außerordentlich klarer und eindrucksvoller Weise die gegenwärtige politische Situation in Erez Israel beleuchtete und die sich aus dieser Situation für die Zionistische Organisation ergebenden Konsequenzen formulierte. Das großangelegte Referat, das das Problem unter z. T. ganz neuen Gesichtspunkten betrachtete, hinterließ einen starken, nachhaltigen Eindruck. Nach einer ausgiebigen Diskussion ergriff der Redner das Schlußwort, das u. a. eine ganz neuartige, geistreiche Analyse des Nationalismus, seiner Entwicklung und seiner Erscheinungsformen brachte und das in ungemein fesselnder und interessanter Weise Wesen und Ziele der jüdisch-nationalen Bewegung in ihrer Besonderheit darstellte. Die glänzenden Ausführungen wurden mit größter Aufmerksamkeit und starkem Beifall aufgenommen und werden für unsere Gruppen noch lange Zeit ein Gegenstand des Nachdenkens und des Gedankenaustausches sein. Die Krönung des Tages stellte eine Aufführung des Ahasver von Bernson, eine Bilderfolge von jüdischer Not und jüdischem Autbau, der, gespielt von der Dessauer jüdischen Jugend, die sich unter Isi Reiß׳ bewährter künstlerischer Leitung mit voller Hingebung ihrer Aufgabe widmete. Der große Saal des Getncindehauses, in dem auch zahlreiche interessierte Nichtzionisten anwesend waren, war bis in den letzten Winkel hinein überfüllt. Die glanzend gelungene Aufführung löste wahre Stürme der Begeisterung aus und immer wieder wurde zum Schluß Isi Reiß, der aus der Dessauer Ortsgruppe hervorgegangen ist, gerufen. Mit der Absingung der Hatikwah schloß die Veranstaltung. A.