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Jüdische Rundschau · 1933-02-17 · Heft 14 (17.2.1933) · p. Seite 67

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 14 (17.2.1933)
Date
1933-02-17
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14, 17.11.1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 67 Eine neue deutsche Bibelübersetzung Von Dr. Harry Torczyner. H’ic bereits kurz berichtet, hat Dr. Harry Torczyner, der Vorsitzende des Dozent cn-Kollegiums der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, im Rahmen der Öffentlichen Montags-Vorlesungen einen Vortrag über die geplante neue Bibel-l!ebersetzung gehalten. Da der in der ״Jüdischen Rundschau" veröffentlichte kurze Vortragsbericht nur ein ungenügendes Bild von den grundsätzlichen Darlegungen des Vortragenden geben konnte, hat die Rcdahtion der ״Jüdischen Rundschau" angesichts der Wichtigkeil und Schwierigkeit des Gegenstandes sich an Dr. Torczyner selbst mit der Bitte gewandt, uns in gedrängter Fassung den Inhalt seines Vortrages zur Verfügung zu stellen. Wir freuen uns, daß wir in der Lage sind, diese Darstellung, die sicherlich für weiteste Kreise des Gelehrtenwie des Laien - Publikums von höchstem Interesse ist, nachstehend wiederzugeben. Red. Schon vor dem Kriege hatte sich in interessierten Kreisen der Berliner Jüdischen Gemeinde das Bedürfnis nach einer neuen jüdischen Uebersetzung der Bibel fühlbar gemacht, die besonders in Schule und Haus die veralteten jüdischen wie die von christlichem Geiste bestimmten fremden Ucbertragungen ersetzen sollte. Nach einem langjährigen Stadium der Beratungen bekam der Plan greifbare Form, als zu Anfang der Zwanziger Jahre eine vom Gemeindevorstancl beauftragte Kommission, der später auch ich zugezogen wurde, die Ueber- Setzung der einzelnen Bücher der Bibel an eine Reihe von Gelehrten verteilte. Freilich kristallisierte sich die Vorstellung von dem Charakter der zu schaffenden Uebersetzung auch innerhalb der Kommission selbst erst allmählich, 2um Teil erst an der Hand der verschiedenen Uebersetzungen der Einzelbücher, wie sie nach und nach einliefen, heraus, und so ward ich erst in diesem vorgerückten Stadium mit der Ausarbeitung von Grundsätzen für die bereits im Gang befindliche Uebertragungsarbeit, die Umschrift der zahlreichen Eigennamen, die Wiedergabe religiös wichtiger Termini (Gottesnamen usw.) sowie die Herausarbeitung des Stilcharakters an der Hand von Beispielen beauftragt. Als jedoch endlich die Arbeiten der meisten Uebersetzer in die Hand der Kommission gelangten, stellte es sich dennoch heraus, daß das Werk vor der Veröffentlichung einer an sich bereits tiefgreifenden Redaktion durch eine, die verschiedenen Arbeiten zu einem Ganzen formende Hand bedurfte. Vierzehn Uebersetzer hatten sich an der Arbeit beteiligt (Auerbach, E. Bernhard-Cohn, Dienemann, Galüner, Gans, Jacob, E. ■ Levy, L. Levy, Pick, Salzberger, Schreiber, Seligmann, Torczyner,* Wiener) und den Stoff jeweils in anderer Weise behandelt. Dies war — zumal für eine kommentarlose Laienbibel — um so weniger tragbar, als große Partien in verschiedenen Schriften der Bibel sich wiederholen und nicht gut in beiden Fällen anders oder vom Stilcharakter des betreffenden Buches verschieden wiedergegeben werden konnten. Untragbar war auch die Verschiedenheit der Wiedergäbe wichtiger Wörter innerhalb des Bereichs der einzelnen Uebersetzer, die Differenz in Stil und Gesamthaltung gegenüber dem Text, der Anordnung und Gliederung des Stoffes; am schlimmsten vielleicht der Umstand, daß nur ein kleiner Teil der Mitarbeiter den Versuch gemacht hatte, die poetisehen Partien der Bibel als rhythmische Dichtung zu gestalten, während die meisten sich mit einer Uebcrtragung in gehobene Prosa begnügt hatten. Aber selbst die rhythmisch wiedergegebenen Stücke bedurften einer Umarbeitung, da schon durch die geänderten Namen, besonders Gottesnamen, innerhalb der Dichtung der angestrebte Rhythmus wieder zerstört wurde, u. v. a. m. Zudem war auch während der Vorbereitungsjahre unserer Uebersetzung die Wissenschaft und das Schaffen a!1 der Verdeutschung der Bibel keineswegs stchengcblicben, und im besonderen lag der wuchtige Versuch Bubers (und Rosenzweigs) vor, mit dem nun unsere Uebertragung in Wettbewerb zu treten hatte. Wie immer man zu Bubers Uebersetzung steht, unmöglich kann geleugnet werden, daß hier ״nach längerer Zeit wieder ein in sich geschlossenes großes Wollen vorliegt, und es war verfehlt, ein anderes Werk daneben zu setzen, wenn nicht auch dieses in seiner Art mit dem gleichen Ernst und mit dem gleichen Willen, das Letzte aus dem Bibelwort herauszuarbeiten[ und lebendig zu gestalten versuchte. War somit die Aufgabe, die der Redakteur •von vornherein auf sich zu nehmen hatte, schwierig und umfangreich genug, so war sie es doppelt und dreifach mehr für mich, der ich mich — der großen Last, die ich mir damit aufbürdete, nicht völlig bewußt — vor etwa vier Jahren dazu drängen ließ, die Bearbeitung der neuen Uebersetzung zu übernehmen. Denn so gut wie in allen Punkten, die für eine solche Arbeit be- Stimmend sein mußten, hatte ich mir eine eigene, vom Hergebrachten grundsätzlich abweichende Auffassung erarbeitet und in verschiedenen Büchern und Abhandlungen niedergelegt: in der Auffassung der Sprache, nicht nur des Hebräischen, sondern aller Sprachen als solcher, ihrer Entstehung und ihrem Werden; in bezug auf den Wortschatz der Bibel, den ich in jahrzehntelanger Arbeit durchforscht so- Wie als Uebersetzer und als Bearbeiter eines deutsch-hehräischen Wörterbuchs auf seine Kongruenzen und Inkongruenzen gegenüber dem Deutschen bis in die feinsten Verästelungen sorgfältig geprüft hatte; auf den Text der Bibel, betreffs dessen ich gleichfalls grundsätzlich wie in sehr vielen Einzelheiten zu einer eigenen Stellung gelangt war; den Char a k t e r der biblischen Literatur überhaupt, die sich mir anders darstellte als nach irgendwelcher Schnltradition. ln der Betrachtung der Sprache hatte ich mich u. a. in der Richtung bemüht, unser Urteil von dem folgenschweren Irrtum zu befreien, der die Sprache, Wörter und ihre Formen mit den Objekten verwechselt, zu deren Bezeichnung sie dienen. Die logisch-scholastische Sprachbetrachtung unterscheidet die Wörter nach ihren Kategorien etwa als Haupt- und Tat- Wörter, Einzahl und Mehrzahl usw. ln Wirklichkeit jedoch bestehen diese Unterschiede nur au den durch die Sprache (eben nur) bezcichneten Objekten. Es ist dasselbe Wort für ,,unten1‘, das etwa als sogenanntes ״Hauptwort“ in der Mehrzahl, als ״die Beine“, ein anderes für ״vorn“ (hebr. panim), das als Name für ״das Gesicht“ verstanden wird. Jedoch wird die in unserem Denken dominierende Vorstellung des gegenständlichen ״Gesichts“ uns immer wieder verleiten, etwa die hebräische Wendung für ״bevorzugen“ <(״naf30 panim“), als ein ״Nehmen des Angesichts“ aufzufassen, während sie ursprünglich einfach ein ״Vorannehmen, vorzielien“ ist und so wiedergegeben werden müßte. Aehnlich Ist etwa ״Hawel hawalim“ des Kohelet nicht etwa in substantivischer Fassung ״Eitelkeit der Eitelkeiten“, sondern einfach ״eitel, eitel“, wobei nur .der Auslaut des ersten Wortes in der Verbindung mit dem folgenden weggefallen ist 11. v. a. m. Auch die Etymologie stellt sich so anders dar als nach der üblichen Betrachtung. Im ganzen sind die alten Wörter nicht logisch auseinander abgeleitet, sondern es ist ein und dasselbe Wort, das im Laufe seiner Geschichte sich lautlich verändert und — durch das Mißverständnis des Hörenden — eine neue Bedeutung erhält. Dasselbe Wort etwa für ״ausreißen“ kann z. B. aus dem Salze ״ich sehe ausreißen“ Hauptwortbedeutung erhalten, wenn der Hörende das als ״ich sehe Wurzeln“ versteht. Was manchen Uebersetzern als die Etymologie eines Wortes erscheint, ist dies daher in vielen Fällen keineswegs. Für die Uebersetzung steht jedocli neben der Frage nach der Richtigkeit der Etymologie auch die, ob und wieweit die Herkunft des Wortes im Bewußtsein der Ursprache lebendig und daher in der Uebcrtragung wiederzugeben ist. Dies ist wie etwa lautlich so nahestehende, aber bedeutuiigsverscliiedene deutsche Beispiele wie ״Menge“, ״mengen“, ״mannig“, ״manch“ oder ״Weg“ und ״weg“ zeigen, nur in geringem Maße der Fall. Somit wird meist die Wiedergäbe des Wortinhalts bestimmender sein müssen als die Wort h e r k u ״ f t. Die Worte der Bibel bedeuten in ungemein zahlreichen Fällen etwas ganz anderes als das, was Tradition und Wissen- Schaft in ihnen zu sehen gewohnt sind. So habe ich u. a. gezeigt, daß etwa das übliche Wort für ״Griffel“ — ein ״Umschlagtuch“, das für ״Mähne“ — den ״Donner“, ein Wort für ״Kropf“ — die ״Federn“, ja etwa eines für die ״Jünger, Schüler“ — vielmehr die ,,Bänder-* bezeichnet, die um eine Urkunde gebunden wurde und worauf man diese siegelte. Diese Mißverständnisse sind oft grotesker Natur, wie etwa wenn z. B. ein Wort (״tachra“) allgemein als ״Panzer“ verstanden wird, während es wirklich — schon nach der unverstandenen Tradition — Bezeichnung■ eines Körperteils, und zwar des — Afters war. Und das gilt nicht nur von seltenen Einzehvörtern, sondern etwa auch von so häufigen Vokabeln wie ״maschach“, ״ziehen“, das dies in der Bibel nirgends bedeutet. Es ist vielmehr ״fassen, halten“. ״Af“, die Nase, ist an fast allen Stellen der Bibel vielmehr das ganze ״Gesicht“; und selbst wo Wörter in der Haitplsache richtig gefallt sind, ist der genaue Sinn, von dem die Auffassung mancher wichtigen Stelle abhängt, nicht immer erkannt. Und wie die Wörter, so sind oft und oft Wendungen und Sätze dermaßen mißverstanden worden, daß der Sinn großer Partien dadurch verborgen bleiben mußte. Meine Stellung zum Bibelte st ist in ihrer Art, wie bekannt, eine kritische. Dies durfte freilich in der vorliegenden Uebersetzung nicht direkt zur Geltung kommen, die nun einmal den allen Juden heiligen überlieferten Text mit strenger Genauigkeit wiedergeben soll. An vielen Stellen jedoch durfte das Urteil über die Textgeschichtc für die Bedeutungsbestimnnmg manches der zahlreichen Wörter riehtungweisend sein, deren Sinn bisher auch sonst noch nicht festgclegt war. Beispiele würden hier zu weit führen. Für die Anordnung des Stoffes war meine Auffassung vielfach maßgebend gewesen, wonach die literarische Form der biblischen Schriften im ganzen die der R a h menerzählung mit dichterischen Einlagen gewesen ist, die besonders das gesprochene Wort in der Handlung poetisch ausbauen. Diese Anschauung war bestimmend für die Abgrenzung von Poesie und Prosa; die Prosa mußte dem Charakter der Bibel entsprechend schlicht und einfach, die Dichtung rhythmisch, der Betonung־des Hebräischen gemäß im allgemeinen in steigenden Rhythmen (Jambus, Anapäst) gcstaltct werden. Wie, und mit reichem Erfolg ich versucht habe, die Wucht und Schönheit der biblischen Poesie im deutschen nachzuahmen, kann im ein/einen mir das Beispiel zeigen. In allem aber habe ich mich über die aus dem Material gegebenen Notwendigkeiten hinaus bemüht, in jeder Beziehung die Probleme neu zu stellen, nichts als gegeben hinzunehmen, weil ich die nunmehr bevorstehende Veröffentlichung des bis auf drei Bücher durchredigierten Werkes als letzte Gelegenheit, Gelegenheit un<l Pflicht zugleich, empfand, den Fragenkomplex um den Wortsinn der Bibel und dessen deutsche Wiedergabe mit jenem äuScrsten Ernst und jener ßcsesseriheit der bestmöglichen Lösung zuzufüiircn, die allein dieser großen Aufgabe würdig sind. Zum Tode Carl Eürstenbergs. Der verstorbene Vorsitzende des Verwaltungsrates der Berliner Handclsgcsell- Schaft, Carl Fürs ten borg, ist noch vor Jahren, aber schon im biblischen Alter, aus der Berliner Jiidischen Gemeinde ausgetreten. Der Grund zu diesem Schritte war offenbar in der Weigerung Fürstenbergs zu suchen, die auf ihn entfallende jüdische Gemeinde- Steuer zu entrichten. Es liegt für uns anläßlich des Hinscheidens dieses 83jährigen Mannes kein Anlaß vor, seine Bedeutung als Bankier und Wirtscliaftsfiilirer zu beleuchten. Für uns ist er ein Typus jener Schicht von Männern jiidischcr Abstammung, die sich, aus bescheidenen Anfängen in einem jüdischen Milieu, zu Reichtum, Ansehen und Macht aiifgesehwurigen haben und auf diesem Wege sich in immer stärkerem Maße von der Gemeinschaft lösten, der sie ihre Befähigung zu ihrem Aufstieg verdanken, und die sie belasten, indem sie — fälschlicherweise — als Repräsentanten des Judentum betrachtet werden, Cail Fürstenberg hat vor cinigen Jahren seine Lebenserinnen1n!en niedergeschrieben. Schon bei der Lektüre dieser Selbstbiographie, in der er der Tat- Sache, daß Fiirstenberg seinen Aufstieg nicht zuletzt der Unterstützung jüdischer Menschen verdankte, kaum Erwähnung tat, hatte man die Empfindung, daß dieser große und reiche Bankier gemütsarin gewesen ist. Es bezeugt einen peinlichen Mangel an Verantwortungsgefühl, wenn man sich aller Pflichten gegenüber der Gemeinschaft entzog, für deren Konto man gerade in den letzten Jahren der scharfen antijüdischen Kampagne in Deutschland eine so schwere Belastung darstclltc. Jüdische Kundgebung am 20. Februar in der Filmsdiule, Levetzowstr. 1״/2,81־ Uhr abends Hans Goslar spricht a&er: ״Dar weg das deutschen Judentums“ iniiiiiniiHmiiuiiiiimiHmmiimimmiiijiimiiimiiiiiiiiimtiiiiniiiimiiiiiiiiiiiiiiimmiiHnmiiiiHimmiiiran ״Barak“, Bildreportage aus Palästina Gruppe Mansaplatx Ger B.Z.V. American Jewish Congress zur Lage in Deutschland Der ״American Jewish Congress“ Obergibt der Presse die folgende von seinem Ehrenpräsidenten Dr. Stephen S. VVise und seinem Präsidenten Bcrnard S. Deutsch Unterzeichnete Erklärung zur Lage in Deutschland: ״Die Ernennung des Chefs der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands, Adoli Hitler, zum Reichskanzler hat die Juden in Deutschland in eine ernste Situation gebracht. Die Nationalsozialistische Partei fiilirt alle Schwierigkeiten des Reiches seit dem Weltkrieg aul das Wirken der Juden zurück und predigt Haß und Gewalt gegen Juden und jüdische Kultur. Jeder kennt die psychischen Gründe solcher Doktrinen, jeder aber erkennt auch die wahren Gründe dieser psychischcn Erregung, sie liegen in der internationalen Situation. Das große deutsche Volk wird unter den europäischen Völkern wegen seiner Charakterfestigkeit, seines immanenten Gerechtigkeitssinns und seiner Intelligenz geschätzt. In diese guten Eigenschaften der deutschen Volksmassen, in den nüchternen common sense der gegenwärtig mit Adolf Hitler in der Regierung Zusammenarbeiten den Parteien und ganz besonders in die Führung des Präsidenten Hindenburg setzen wir unseren Glauben in dieser ernsten Stunde. Ueberdies glauben wir, daß die Wirkung, die die Uebernähme der Verantwortlichkeit durch eine Oppositionspartei für gewöhnlich auf diese ausübt, auch im Falle Adolf Hitlers und seiner Partei nicht ausbfeiben und daß sich die Verwaitungspoiitik der Nalionalsozt;lüsten von den Schreckgespenstern der Nur-Propaganda den Tatsachen und Not- Wendigkeiten des wirklichen Lebens zuwenden wird. Wir in Amerika — fährt die Er Gärung fort — haben seit der Gründung dieses Staatswesens unter Einrichtungen gclebt, welche keine Unterschiede der Rasse oder des Glaubens kennen und alle Bürger in gleicher Weise beschützen. Wir wissen, daß wir nicht nur für uns, sondern für alle Amerikaner sprechen, wenn wir sagen, daß die Stellung der jetzigen deutschen Regierung zu den fun damentalen .Menschenrechten der Juden und der anderen Minderheiten entscheiden wird, ob die Freundschaft, die das amerikanische Volk dem republikanischen Deutschland cntgcgcngcbracht hat, unvermindert fortgesetzt werden wird. Den Juden in Deutschland versichern wir, daß sic irt Zeiten ihrer Not nicht allein und ohne Hilfe dastehen werden.“ *,* Wir nehmen zu dieser Erklärung an anderer Steile des Blattes Stellung. _ Emir Abdallah wehrt sich Jerusalem. ES. Februar. (J. T. A.) Aus zuverlässiger Quelle wird mitgcteilt. daß Emir Abdullah den Großmufti und die Arabische Exekutive Palästinas hat wissen lassen, daß er nicht geneigt sei, sich seine Politik von p a * 1 ä s t i 11 e!1 s i s c h e n Arabern vorschreiben zu lassen. Dabei hat der Emir erklärt, er werde einer weiteren Agitation gegen seine Person nicht untätig Zusehen. Die p a 1 ä s t i n e n s i s c h - a r a h i s c h c Presse entwortot dem Emir nicht minder scharf und schreibt, seine Ende Januar erlassene offizielle Erklärung, daß er nicht die Absicht: habe, Boden an Juden zu verpachten, bedeute eine direkte Irreführung d e t 6 fT e n 11 f c h e n Meinu!1g; denn während er diese offizielle Ableugnung erließ, habe er das Optionsabkommen bereits unterzeichnet gehabt. Wenn, schreibt ״Falastin", der Emir in dem ״Dementi‘‘ mitgeteilt hat: ״Dieses!.and ist nicht mehr zu verpachten“, so bedeutet dies mir: Dieses Land ist bereits verpachtet. Audi die Gegner des Emir in Amman erklären, der Emir habe das Optionsabkommen betreffend seinen Beuten bereits definitiv unterzeichnet und könne aus dem Vertrag nicht mehr heraus. Der Emir hat darauf ein neues Dementi veröffentiicht, worin er erklärt, nicht an Juden verpachten zu wollen. Kleine Nachrichten Seit Sonntag, 12. Februar, tagt in Berlin unter dem Vorsitz von Berl Locker die von der Zionistischen Exekutive cinbcmfcne K o m m i s s i 0 n f ii 1 (י r g a n i s a t i 0 n u n d Propaganda unter Beteiligung zahlreicher Mitglieder aus Ost- und Mitteleuropa. Ueber die Ergebnisse dieser Beratungen werden wir /iisammenfasseud berichten. Reichskanzler a. 1). Marx nnjifing dieser Tage eine Abordnung jüdischer Zentrumsw .,!hier, bestehend aus den Herren Dr. K o 1 1 e n s e 11!־ r. Olierrahbiner Freimann und Kremd!er. und gab ihnen die Erklarmig ab, daß das Zentrum stets für die < 1 I e i c 11 b e recht! g 11 n g der Juden, sowie für freie Religionsübung und Gewissensfreiheit eintreten wird. Als Anhänger der konfessionellen Schule billige das Zentrum auch die Errichtung jüdischer Schulen. Auch Dr. VE r e d e erklärte in einer Berliner Versammlung, das Zentrum werde mit allen erlaubten Mitteln gegen die Unterdrückung auch der jüdischen Minderheit kämpfen. In einer Pflanzung des Keren Kajenieth in der Nähe von Nahalal wurden etwa 1000 junge Bäume ausgerissen. Die Polizei trieb die Waldfrcvlcr auseinander und verhaftete 13 von ihnen. Der jüdische Abgeordnete Michael Landau legte der rumänischen Kammer in ihrer letzten Sitzung zwei Anfragen vor, von denen die eine die von der Gendarmerie im beßarabischen Städtchen Telenescht im Mai 1932 an jüdischen Jugendlichen verübten Folterungen, die andere die gegen einen jüdischen Kaufmann in Berescht bei Galatz wegen Verweigerung des Verkaufs am Sabbat erhobene Anklage auf Grund des Preistreibereigesetzes behandelt. Die Mitglieder des Lehrkörpers und die Studenten der Hebräischen \! n i v e r s i t ä t Jerusalem hielten eine Gedenkfeier für Professor Moritz Sobernheim ab, der ein warmer Freund der Universität war. Ansprachen hielten Professor L. A. Mayer, der Solicrnhcims Leistungen in der Orient-Wissenschaft würdigte, und Professor F. S. Baer, der auf Sobernhcims Wirken im Dienste des Judentums im allgemeinen hinwies. Unter dem Patronat des High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchopc, wird vom 7. bis 17. Juni 1933 in der Agricultural Hall zu London eine Englisch-Palästinensische Ausstellung zu sehen sein, die die Handelsbc/iehungen zwischen England und Palästina illustrieren und sie fördern soll. Präsident des Ausstellungs-Komitees ist der Marquis of Reading, Vorsitzender ist Lord Meichett. Nach Mitteilung der Haifaer jüdischen Handelskammer war im Verlaut des Jahres 1932 in Haifa kein einziger Fall von Insolvenz zu verzeichnen. Die Zahl der Wechselproteste war von 1605 i. J. 1931 auf 675 i. J. 1932 gesunken. Im Verlauf des Jahres 1932 hat sich die Zahl det von Juden erbauten Häuser in Haifa verdoppelt.

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