Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1933)
- Date
- 1933-01-27
- Page
- Seite 38 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- James Simon 4× ep/1011066
- Alexander Baerwald 2× ep/1032902
- Haifa 2× ep/1047930
- Lesser Ury 2× ep/1025712
- Daniel Itzig 1× ep/1003985
- Eugen Landau 1× ep/1034191
- Hermann Cohen 1× ep/1004894
- Jacob Steinhardt 1× ep/1009311
- Jim Simons 1× ep/1005252
- Joseph Budko 1× ep/1038932
- Leopold Zunz 1× ep/1026402
- Ludwig Meidner 1× ep/1026235
- Maimonides 1× ep/1002614
- Max Liebermann 1× ep/1025314
- Michael Sachs 1× ep/1006104
- Moritz Daniel Oppenheim 1× ep/1028430
- Paul Nathan 1× ep/1023795
- Rudolf Levy 1× ep/1026207
- Safed 1× ep/1046078
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Seite 38 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 8, 27.1.1933 Das jüdische Museum Mit der Ueberführung der Kunstsammlung aus dem Ver* waltunpgebäude der Jüdischen Gemeinde, den alten an die Bibliothek angrenzenden Räumen, in das Haus Oranienburer Straße 31, ist ein mit den Jahren akut gewordenes au m Problem seiner Lösung entgegengebracht worden. In beklemmender Enge hausten nebeneinander Bibliothek und Kunstsammlung, es wuchsen die Bestände, es differenzierten sich die Aufgaben, beide Institute litten unsagbar unter der starren Unnachgiebigkeit der Ratimverhältnisse. Die Kunst- Sammlung insbesondere trotzte ihnen und Dr. Schwarz hielt Ausschau mit zäher Ausdauer, bis es ihm gelang, ein freigewordenes Nachbarhaus für das Museum zu erhalten. Bei der Einweihung des Museums hat es sich nun er־ wiesen, und das war eine überraschende Entdeckung, — daß die Lösung der Raumfrage die Lösung einer noch wichtigeren Frage mitbedeuten wird, — des Problems der Gestaltung eines Jüdischen Museums überhaupt. Dic__ jüdischen Kunstsammlungen sind meistens Synagogen oder Gemeindehäusern angegliedert, sie bieten Retrospektives, sind auf die Vergangenheit abgestimmt. Das, was in Zeitschriften verschiedentlich versucht wurde, — im ״Ost Und West“ noch, im ״Rimon“, neuerdings auch in den entwicklungsgeschichtlichen Darstellungen jüdischen Kunstschaffens — die Aufzeigung einer kontinuierlichen Entwicklungslinie, das ist die Aufgabe, die sich das Berliner Jüdische Museum gestellt hat. Der Weg führt von der Bsomimbüchse, der alten, guten Stube hinaus zur modernen Malerei und Graphik, zur modernen Plastik, zum heutigen Kulturgerät. Die kontinuierliche Darstellung bedeutet vor allem Gliederung des Muscumsmaterials, An Stelle des losen Ancinanderrcihcns der Ausstellungsobjekte tritt das Erspüren der Zusammenhänge, und je vielseitiger die Geslchtspniikte des Sammelns, desto tiefgründiger der Einblick in das Gewebe kuitur- und kiuistgcschichtliehcr Bindungen. Im Judentum sind die Querverbindungen besonders ausge• baut, hat doch keine Erscheinung des jüdischen Kulturlebens je Anspruch auf isolierende Betrachtungsweise erhoben. Das Altertum dokumentiert sich im Museum durch AI* güsse von für das Judentum bedeutsamen historischen Denkmalern, wie der Mesa-Stein, che Siloa-inschrift, die Warnungstafei des 1 ierodiarnsehen Tempels u. a., sowie durch ausgestellten Ausgrabungsobjekte vertiefen. Besonders sVhcnst wert ist die stets wachsende Sammlung der palästinensischen Ton lampen aus älterer, sowie römischer und byzantinischer Zeit. Lin wichtiges Zwischenglied in der Entwicklung der Chanukkalampe bietet die schwarze Basaltlampe mit den acht getrennten Üelreservoiren, eine Leihgabe aus der Sammlung Alex Baerwald. Gefäße, Siege! und Münzen, darunter eine Anzahl Neuerwerbungen, gestalten diese Abteilung auf vielseitige und reizvolle Weise. Ts wird demgegenüber nicht leicht sein, die mittelalterliche Abteilung auf/iibauen, befinden sich doch die illuminierten Handschriften, sowie das Wenige, das von dem mittelalterlichen Kultgerät erhalten geblieben ist, in festen Händen, und dazu vornehmlich im Auslände. Hier mögen die Sammler einspringen. Sehr gut präsentiert sich das 18, Jahrhundert mit dem Kultgerät, hauptsächlich deutscher Provenienz, das eine außerordentliehe Verbreitung bis in die entferntesten östlicher! Judenemeinden gefunden hat. Es erfreuen das Auge die für die cutschen Entstehungsorte charakteristischen Torawimpeln, anspruchslose Erzeugnisse der Volkskunst, die sehr wirkungsvoll aufgehängten Clianukkalampen aus dem volkstümlichen Gelbkupier, die Zinnschüsselu und Silberbecher und die Estherrollen im klassischen Kunststil mit volkskunstmäßigen Varianten, darunter Neuerwerbungen aus der Münchener Auktion der Sammlung Sally Kirschstein in Nikolassee. In me vorher gesehener Fülle prangen Bsomimbüchsen aus dem Besitz Baerwalds und Emil Hirschs. Eine besondere Sehenswürdigkeit des Jüdischen Museums sind die Bildnisse aus dem 18. und aus dem 19. Jahrhundert, zu denen wir auch bereits den gehörigen Abstand gewonnen haben, — Voraussetzung für so manche kiinstlerische Wirkung. Unter den modernen Bildnissen, abgesehen von so unumstrittener! Werten, wie das jüngste, 1933 gemalte herbe, frische Selbstbildnis Max Lichcrmanns, befindet sich manches Porträt, dessen künstlerische Qualität erst zu werten sein wird, wenn das Verhältnis zum Dargcstellten, zum Menschen aus Fleisch und Blut unserer Zeh und un* seren Geistes erloschen sein wird. So führt das Jüdische Museum uns von der. Anfängen der Geschichte Israels in allgemeinem Abriß zur aktuellen Gegenwart. Wir fürchten diese Gegenüberstellung nicht, weil es uns heute auf die schöpferischen, erzieherischen Werte des modernen Lebens mehr denn je ankommt. Wir hoffen, daß das Jüdische Museum den Jungen eine Stätte besinnliehen Schaums, des Forschens und unmittelbaren Erlebens bedeuten wird. Die Räume mit zitronengelbem, teilweise grauem Anstrich sind gut aufeinander abgestimmt, auch die Beleuchtungskörper sind zweckentsprechend und in ihrer Schlichtheit wirkungsvoll. — Die Raumgestaltung lag m den Händen des Gemcindearchitekten Baumeister Baer. Rahel Wischnitzer-Bernstein. Im Anschluß an die Eröffnungsfeier, über die auf der ersten Seite berichtet wird, wurden die Sammlungen unter Führung von ür. Schwarz besichtigt. Gleich an den Wänden der Eingangshalle drei Monumentalgemälde: Lesser Urys ״Jeremias“ und ״Sterbender Moses“ und eine Prophctendarstellung von Jakob Steinhardt, in der Mitte des Raumes die Jünglingsgestalt des ״David" von Arnold Zadikow. An den Wänden Tassaerts berühmte 1795 entstandene Mendelssohn-Büste und Max Levis Büste Abraham Geigers. In dem Durchgang zu den vorderen Räumen eine Reihe kleinerer Gemälde, u. a. das ״Ephraimsche Palais“ von Julius Jacob, palästinensische Landschaften des verstorbenen Architekten Alex Baerwald, das Doppelbildnis Hugo Krayns und seiner Mutter, Werke der Corinth-Schülcrin Helene Tischbein, des Litauers Issai Kulviansky, Max Rappaports und Friedrich Feigls. Die drei großen jüdischen Impressionisten Pissaro, Israels und Liebermann sind an dieser Wand mit charakteristischen Arbeiten vertreten. An der anderen Wand ein Aquarell von Maurice .Minkowsky und ein Porträt von Joseph Oppenheimer (Georg Kareski). Beim Betreten der Porträtgalerie fällt der Blick aut das Bildnis Ludwig Börnes von Moritz Oppenheim. Man sieht mehrere Porträts hervorragender jüdischer Aerzte, daunter das Porträt des Chirurgen Prof. James Israel von Max Liebermann. Von den Oberältesten der Berliner Gemeinde sind vertreten Jacob Moses, Daniel Itzig, Isaac Daniel Itzig, man sieht das Moses-Mendelssohn-Porträt von Frisch, Porträts von Leopold Zunz, Michael Sachs, Rabbiner Dr. Baeck (von Ludwig Meidner), Josef Israels, das letzte Selbstporträt von Lesser Ury, ein Bildnis Dr. I. Kastans von Joseph Oppenheimer, das bereits mehrfach erwähnte Selbstbildnis Max Liebermanns. Man sieht weiter Bildnisse Jakob Wassermanns von Susanne Carvallo, Ernestine Eschelbachers von Kätc Ephraim-Marcus und Ludwig Hardts von Eugen Spiro. An den Pilastern des Saales sind Büsten von Dr. James Simon und Dr. Paul Nathan, beide von Arnold Zadikow, und der Kopf Albert Einsteins, sowie Emst Casslrers von dem Berliner Kidhauer Kurt Harald Isenstein. — Im Saal der modernen Maler fällt zunächst das bekannte Gemälde von Samuel Hirszenberg ״Golus“ auf. Mit charakteristischen Werken sind hier vertreten Geskei Salomon, Max Band, Kaneiba, Zygmunt Menkes, O. Lubitsch, Mare Chagall, Lesser Ury, Rudolf Levy, Joseph Budko, Henocli Barczynski, Abraham Neu. — Von einer außerordentliehen Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit sind die Kulträume 1 bis 3, die Kunst- und Kultschätze aus den ältesten geschiehtliehen Epochen bis auf den heutigen Tag vereinen. Ein vierter Raum ist der Archäologie Palästinas gewidmet. Es sind darin Gegenstände aus der ältesten Kanaaniter- bis zur Römer-Zeit. Eine Schrifttafel veranschaulicht die Entwicklung der hebräischen Schriftzeichen. Im Gange ist eine Auswahl von Werken moderner jüdischer Graphiker. Es folgt eine Wand mit Bildern, die die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Berlins und anderer jüdischer Großgemeinden illustrieren, daneben sieht man Dar- Stellungen jüdischer Feste und Gebräuche. Der letzte Teil stellt einen Synagogenraum dar, worin das Innere der alten Synagoge in Schönfließ (Mark) aufgebaut wurde. An die Führung schtoß sieh ein gemütliches Beisammensein. Der Maler Eugen Spiro gab unter allseitiger lebhafter Zustimmung der Genugtuung darüber Ausdruck, daß die Gemcindebehörden und Dr. Karl Schwarz über der Würdigung der Vergangenheit die Nöte der lebenden jüdischen Künstler nicht vergessen. ______ Ausstellungen. Der Maler Erich Brill war im vergangenen Jahre acht Monate in Palästina und zeigt nun in der Kunsthandlung Helbing, Lützowufer 5, die künstlerische Ausbeute dieses Studienaufenthaltes. Brill, dem Motive aus südfranzösischcn Städten gut gelangen, ringt noch mit dem Problem von Licht und Raum in der intensiven palästinensischen Landschaft. Er hat die Eigenart des Landes erfaßt, wenn auch noch nicht restlos innerlich bewältigt. Am besten scheinen uns die Bilder aus Jericho, z. B. der Bananengarten, bei dem das Oasenhafte in den Kontrasten von Wüste und Fruchtiand stark hervortritt. Auch auf anderen Bildern vermittelt Brill einen Eindruck der Ueppigkeit des halbtropischen Landes und seiner orientalisch-architektonischen Formen. An jüdische Objekte hat er sich bisher nur vereinzelt herangewagt, so in Porträts von Struck und Schmarja Levin. Aber er ist mehr Landschaftsmaler als Porträtist. Brill hat in Jerusalem, Haifa, Akko, Safed, am Kinereth-See, in arabischen Dörfern gemalt, die Ausstellung bringt viele dem Patästinakenner vertrauten Ansichten; derjunge Maier hat Talent, das sich noch entwickeln wird und Forderung verdient. Der Besuch der Ausstellung ist zu empfehlen. In angrenzenden Räumen kann man dabei eine Nachlaß-Aus• Stellung der verstorbenen jüdischen Malerin Vally Friedmann kennen lernen, die manches Interessante bietet. — Eine rühmenswerte Begabung ist Käthe Münzer-Nemnann, die im Deutschen Lyzeumsklub, Lützowplatz, eine Kollektion ausstellt; besonders stark wirken ihre Männerporträts, die von packender Lebendigkeit sind. Auch die holländischen Landschaften und Kinder seien erwähnt, und ein Mädchenbildnis mit den großen versonnenen Augen eines Jeschiwabachurs. — Ein ganzes kunsttheoretisches Seminar und zugleich einen hohen künstlerischen Genuß bietet die Ausstellung Arthur Segal im Verein der Künstlerinnen, Schöneberger Ufer 35. Der Maler hat zu der Kollektion, die seine eigene Entwicklung von 1916—1933 darstellt, einen Kommentar geschrieben, an Hand dessen man sein Fortschreiten vom Prinzip der ״optischen Gleichwertigkeit“ über die ״prismatischen Bilder“ zur Entdeckung des ״Blick- Punktes“ und schließlich zum neuen Naturalismus studieren kann. Das alles ist aber kein Theorctisieren, sondern alles wird überzeugend ״illustriert" durch die wundervollen Arbeiten, die hier ausgestellt sind. Hier ist ein Maler, bei dem intellektuelle Bewußtheit nicht die Unmittelbarkeit des künstlerischen Erlebens und Ausdrucks hemmt. — Bei Cassirer schließlich (Victoria- Straße 35) finden wir in der Ausstellung ״Lebendige deutsche Kunst“ neben vielem sehr Sehenswerten ein großes Gemälde von Oskar Kokoschka ״Jerusalem“. Es ist ein Blick vom Oelberg auf die Stadt, eine ganz ähnliche Vorlage wie eines der Bilder von Brill hat (Vergleiche soll man nicht anstellen). Kokoschkas Bild ist von hinreißender Farbenpracht und starker innerer Bewegtheit, wie wir sie von den Werken dieses Meisters kennen. Die unvergleichliche Hoheit des Haram esh Scherif leuchtet im Vordergründe auf, dahinter das endlose und doch zusammengedrängte Gewirr kleiner Gassen, eingezwängt in die strengen Maße der Stadtmauer, das ganze schwebend am Rande des Abgrundes über dem Höllentale des Kidron. Bei einer Stadt freilich, die — wie Jerusalem — jedem Beschauer sein ei gen e s unvergeßliches Erlebnis einprägt, ist es schwer, in einem Bild Allgemeingültiges festzuhalten. Aber fesselnd ist es stets, ein solches einzigartiges Objekt durch das Temperament eines Malers vom Range Kokoschkas zu sehen. In derselben Aus- Stellung steht man dann erschüttert vor den Plastiken Ernst Barlachs, die man, weil sie menschlich Tiefstes und Ewiges ausdriieken, auch ״jüdisch“ betrachten kann. Man wird dann in den Zügen des ״Zweiflers“ Verwandte? finden, wird in den unvergleichlichen ״Lesenden Mönchen“ dieselbe Bereitschaft zum Dienst am Wort und Mühen um die ״alte Kasche“ entdecken, die wir von Talmudisten her kennen, und wer je jüdisehe Emigranten im Osten wandern gesehen hat, wird in tiefe Erregung geraten vor Barlachs ״Flucht“, die geradezu an Figuren aus dem Dybbuk gemahnt. Und man wird empfinden, daß die letzten und ewigen Nöte des Menschen über alle — darum nicht gering zu schätzenden — aktuellen und tatsächlichen Unterschiede hinweg Gemeinsames sind. s. 1, Vortrag Prof. Cassirer. In der Reihe der religiösen Sonntagsvorträge sprach am 22. Januar in der Synagoge Prinzregentenstraße der Professor der Philosophie an der Hamburger Universität, Cassirer, ein Schüler Hermann Cohens, über Judentum und Philosophie in Hermann Cohens System. Einleitend gibt Prof. Cassirer einen Abriß des allgemeinen philosophischen Systems von Hermann Cohen. Conen vertritt den Grundsatz der absoluten Autonomie des Denkens. Doppelt eigenartig ist seine positive Stellung zur Religion, wie er sie in seinem letzten großen Werk ״Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums“ und seiner Kongreßrede über den Beitrag des Judentums zum religiösen Fortschritt der Menschheit vorträgt: Im Judentum stellt sich für Cohen am besten und höchsten die Synthese religiöser Gottesbindung mit dem Prinzip des autonomen Denkens und Wollens dar. Die Propheten haben nach Cohen als erste dem ethisch-einzigen Gotte als Ebenbild die Einheit des menschlichen Ich zur Seite gestellt. Aus ihr entwickelt Cohen Im Einklang mit den jüdisehen Propheten die Einheit der Menschheit als sozial-ethisches Ziel. Er sieht im Judentum drei Formen religiöser Vorstellung: Mythos, Ritus, Ethos, in diesen Formen verkörpern sich ihm die drei Stadien religiösen Lebens: Ueberlieferung, Gegenwart und Zukunfts-Hoffnung. Nur aus der Ueberlieferung kann Religion erwachsen. Sie bedarf zu lebendiger Darstellung und Er- Haltung der Gemeinschaft und ihres Zusammenhalts in gemeinsamer Form religiösen Lebens. Dies alles dient aber gerade im Judentum dem Endziel der Verwirklichung höchster Sozial- Ethik, die in der Vorstellungswelt des fudentums auf diese, die irdische Welt, bezogen wird. So hat Cohen, wie Prof. Cassirer abschließend dartut, ähnlich wie Maimonides für sein Zeitalter, die harmonische Verknüpfung reinen Denkens und philosophisehen Wahrheitswillens mit den religiösen Grundlagen des Judentums gefundenf Jahresversammlung des Hilfsvereins Der Hilfsverein der Deutschen Juden hielt am Montag, dem 23. Januar, abends, im Brüdervereinshaus unter dem Vorsitz von Generalkonsul Eugen Landau seine Jähresvcr- Sammlung ab, die im Zeichen des Gedenkens an den ver* storbenen langjährigen Vorsitzenden J a m e s Simon stand. Der Generalsekretär des Hilfsvereins, Dr. Mark Wisch- ת i t z e r, erstattete den Bericht über die Arbeit des Hilfs- Vereins im Jahre 1932, den er mit einem warmen Nachruf für James Simon einleitete. Er gedachte ferner der Verstorbenen Prof. Sobernheim, Prof. Simonsen, S31. Reinach. Sodann schilderte der Redner die Lage der Juden in den einzelnen Ländern — ein trübes Bild, in dem nur Palästina einen Lichtblick darstellt. Der Hilfsverein hat ein großes Arbeitsfeld. Unter seiner Fürsorge passierten im Berichtsjahr Berlin 16984 Aus- und Rückwanderer, davon 3871 Nichtjuden. Die Aufwendungen für das Auswandererfürsorgewerk betrugen im Jahre 1932 : 77 900 RM. Die Fürsorge für die Ukraine- Waisen nähert sich ihrem Abschluß. Verschiedene Kinderfürsorgeanstalten in Deutschland und im Auslande wurden gestützt. In Polen beteiligte sich der H.-V. an einer großzügigen Aktion für die Speisung jüdischer Schulkinder, insbesondere in den östlichen Gebieten, wo die Not unbeschreiblieh ist. Er hat es übernommen, für 1000 Kinder im Verlaufe der Winteimo late 1932/33 die erforderlichen Kosten zu tragen. Für die Verpflegung von Zöglingen einer Anzahl von Jeschiwoth in Polen, die in großer Bedrängnis waren, sowie für Verschickung kranker Zöglinge wurden Beträge bewilligt. Zur Ausgestaltung einer Sommerferienkolonie in Siebenbürgen, in Tihuta, sowie zur Errichtung einer Sommcrfcrienkolonie in Strunga, unweit Jassy, ferner zur Errichtung von Halbtageskolonien in Karpatliorußland wurden Mittel zur Verfügung gestellt. Das Kinderhaus in Kowno, zu dessen Errichtung der Hilfsverein auf Grund einer Sonderaktion 28 500 RM. beigesteuert hat, ist Anfang 1932 einge* weiht worden. Im ganzen wurden für die Jugendfürsorge 27-100 RM. ausgegeben. In Rumänien wurden Handwerker- und Gewerbeschulen gestützt. Zuschüsse erhielten ferner die jüdische Reaischule in Haifa, die deutsehen Sprachkurse an der Hebräischen Universität zu Jerusalem, der deutsche Sprachunterricht in dem Lehrerinnenseminar des Misraehi zu Jerusalem, die Realschule Tachkemoni in Tel-Avviw, eine jüdische Schule auf dem Bai* kan, das Krakauer Lehrerinnenseminar der Beth Jakob-Schul- Organisation, ferner verschiedene Schulen in Polen. Im ganzen wurden für Schulen in verschiedenen Ländern aus dem James Simon-Fonds und aus laufenden Mitteln des Hilfs- Vereins 19000 RM. verausgabt. An Studien-Beihilfen wurden 5615 RM. gewährt. Dr. Wischnitzer gab auch einen Berieht über die Tätigkeit der vom Hilfsverein verwalteten Haffkine-Stiftung zur Unterstützung von Jischiwoth. Die Aufwendungen der Haffkine-Kommission beliefen sich im Jahre 1932 auf insgesamt 41750 RM. Nach dem Bericht Dr. Wischnitzers und dem Finanz* bericht wurde dem abtretenden Vorstand die Entlastung erteilt und die Neuwahl des Vorstandes durchgeführt, wobei in der Hauptsache der alte Vorstand wiedergewählt wurde. Die auf der Tagesordnung angekündigte Gedenk* rede Max Warburgs für James Simon konnte nicht persönlich gehalten werden, da Warburg, wie er telegraphisch mitteilte, durch Krankheit am Erscheinen verhindert war. Herr Willy D r e y f u s verlas das von Warburg eingesandte Manuskript. Es wird darin zunächst eine Charakteristik der hervorragenden Persönlichkeit von James Simon gegeben, der ein Repräsentant besten deutschen Bürgertunis und gleichzeitig ein Jude von unbedingtem Bekennermut gewesen ist. Max Warburg würdigt die Wirksamkeit Simons an der Spitze seines bedeutenden Handelshauses, als großen Kunstfreundes und schließlich in seiner Wohlfahrts- und jüdischen Fürsorgetätigkeit. James Simon ist mit großen internationalen jüdischen Institutionen wie Jca, Joint, Alliancie, Hicem verknüpft. Sein größtes Werk ist aber der Hilfsverein der deutschen Juden. Im Schlußteil seiner Rede kommt Max Warburg auf die Lage der Juden in Deutsch- 1 a n d zu sprechen. Dabei wendet er sich mit besonderer Schärfe gegen die deutsche Intelligenz, die nicht den Mut findet, offen gegen die Schande des Antisemitismus aufzi.» treten. Es genüge nicht, einzelnen Juden leise zuzuflüstern, daß man kein Antisemit sei oder daß man in seinem Antisemitismus mit einigen Juden eine Ausnahme mache. In der Erinnerungsstunde an James Simon müsse man auch dieser heutigen Lage gedenken, die den Lebensabend James Simons umschattete. Willy Drevfus widmete nach Beendigung der Verlesung von sich aus dem Andenken james Simons einige herzliche persönliche Worte. Prof. Leomd Kreutzer spielte sodann am Klavier einige Stücke von Chopin, die James Simon besonders geliebt hatte. Kleine Nachrichten Dr. Nahurri Goldmann, Leiter des von der Genfer jüdischen Weltkonfcrenz in Berlin geschaffenen Büros zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses, und Direktor Georg Kareski, Mitglied der von der Genfer Konferenz gewählten Exekutive, berichteten dieser Tage, wie JTA. meldet, in einem kleinen Kreis in Berlin über die Vorarbeiten der Kongreßbewegunjt, wobei Dr. Goldmann mitteilte, daß am 19. und 20. Februar d. J. die von der Genfer Weltkonferenz gewählte Exekutive in Berlin Zusammentritt, im Sommer d. J. werde eine Konferenz aller Landeskomitees stattfinden. Zu erwarten sei, daß eine Million Juden als Wähler zum Kongreß registriert werden würden. Ein Direktor der Lufthansa besuchte kürzlich Bagdad und verhandelte mit der Irak-Regierung wegen der Emrichtung einer ständigen Luftverbindung Berlin — Bagdad. Die Dauer des Fluges würde weniger als zwei Tage betragen, Der aus Prag stammende jüdische Maler Friedrich F e i g 1, Berlin, begibt sich zu mehrmonatigem Aufenthalt nach Pa-! ä s t i n a. Man darf auf die malerische Ausbeute Feigls, dessen letzte Ausstellung in Prag ein besonderer Erfolg war (auch im Berliner jüdischen Museum ist er vertreten) gespannt sein. Dieser Tage starb der ehemalige Staatsrat Cohn (Dessau), ein Führer des assimilatorischen Judentums und des C.-V., der durch seine vor einigen jähren gemeinsam mit Bruno Weil verfaßte antizionistische Broschüre bekannt geworden ist. Die Repräsentanz der Pester israelitisch e n K ultusgemeinde hielt unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, Hofrates Samuel Stern, ihre ordentliche Jahresgeneralversammsteuerzahlende Mitglieder und f 200000 Pengö Steuereingänge. 5800 Mitglieder wurden wegen gänzlicher Verarmung aus der Liste der Steuerzahler gestrichen. Die Hetze gegen Agr. Dyk, über die wir berichteten, hat ihren Erfolg erreicht. 1n der letzten Sitzung des Aufsichtsrates der gemeinnützigen SicdlungsgesePscliaft wurde unter dem Druck der preußischen Regierung beschlossen, den Vertrag mit Dyk mit sofortiger Wirksamkeit zu lösen,